Thema: Kopf der Woche

Köpfe der Woche – Rubinstein / Zweig

Der morgige 28. November hat sowohl ein prominentes musikalisches wie auch ein berühmtes literarisches Geburtstagskind vorzuweisen: Vor 130 Jahren, am 28. November 1881, wurde der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig geboren, ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, am 28. November 1829, der russische Komponist Anton Grigorjewitsch Rubinstein.


Grund genug, meinen wir, für einen musikalisch-literarischen Doppel-„Kopf der Woche“ – zumal sich gewisse (zumindest sentimentale) Anknüpfungspunkte für unser Museum ergeben: 2003 zeigten wir in unserem Haus die sehr gelungene Wanderausstellung „Stefan Zweig – Ein Österreicher aus Europa“ – und Rubinstein, ab 1852 Hofpianist bei der Großfürstin (H)Elena Pawlowna, führt uns quasi in das biographische Hintergrund-Milieu unseres (hier im Blog schon mehrfach angesprochenen) Blauglockenbaums. Denn die Fürstin gehörte (angeheirateter-weise) zur Familie des Zaren Alexander I., dessen Schwester Anna Pawlowna wiederum die Namensgeberin unseres schönen Baums ist… ;-) Außerdem: das Jahr 1847 brachte Rubinstein im Palais Esterhazy in Bratislava zu – und von 1871-72 wirkte er als künstlerischer Direktor des Wiener Musikvereins

 

Im Folgenden Anton Rubinsteins wunderschöne Romanze in E-Moll, gespielt von niemand Geringerem als Isaac Stern:

Den Juden bin ich ein Christ, den Christen ein Jude; den Russen bin ich ein Deutscher, den Deutschen ein Russe, den Klassikern ein Zukünftler, den Zukünftlern ein Retrograder u.s.w. Schlussfolgerung: ich bin weder Fisch noch Fleisch – ein jammervolles Individuum.

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Kopf der Woche, Kunst und Kultur

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Kopf und Tipp der Woche – Ari Rath

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zu

Erzählungen eines Zeitzeugen. Ari Rath im Gespräch mit Johannes Reiss

Wann: Dienstag, 25. Oktober, 18.00 – 21.00 Uhr
Wo: Arbeiterkammer (AK) Burgenland,
Wiener Straße 7, 7000 Eisenstadt, Festsaal

Die Veranstaltung wurde von der AK Burgenland initiiert, in Kooperation mit
unserem Museum, dem „Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller & KünstlerInnen“, dem „Bund sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und Aktiver Antifaschist/Inn/en“, dem „Sozialdemokratischen LehrerInnenverein Burgenland“, der „Österreichischen Gewerkschaftsjugend Burgenland“ und der „Sozialistischen Jugend“.

Ich freue mich außerordentlich mit einem der wohl berühmtesten und weitestgereisten Zeitzeugen sprechen zu dürfen.

Ari Rath wurde 1925 in Wien geboren, besuchte daselbst das Wasa-Gymnasium und wanderte im November 1938 mit der Jugendalija nach Palästina aus. Schon seit Oktober 1958 politischer und diplomatischer Berichterstatter bei der Jerusalem Post, war er von 1975 – 1989 deren Chefredakteur und Herausgeber, berichtete mehrere Jahrzehnte sozusagen aus dem Allerheiligsten der Arbeiterpartei und porträtierte die Großen in Israels Staatsgeschichte: Golda Meir, Moshe Dayan, Shimon Peres und viele andere. Legendär ist sein erster großer journalistischer „Scoop“ 1960, als es ihm gelang, in New York dem inoffiziellen Treffen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer beizuwohnen.
Das große Lebensthema Ari Raths ist die Rolle Israels in der Welt und die Zukunft des jüdischen Staates.

Bildquelle: Titelbild „Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten, Berlin, 2005

Burgenland, In eigener Sache, Kopf der Woche, Tipp der Woche, Veranstaltungen

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Bild und Kopf der Woche – Ausmal-Ben-Gurion

Wie man jüngeren (und jüngsten) Museumsbesucherinnen und -besuchern Historie schmackhaft machen kann, ist eine ebenso wichtige wie knifflige Frage. Klassisch-charmant ist die diesbezügliche Strategie des „Ben-Gurion-Hauses“ in Tel Aviv: Dort nämlich lädt man die jüngsten Gäste ein, sich via Mal-Vorlage (buchstäblich) ihr eigenes Bild vom „Vater der Nation“ zu machen – Museumspädagogik 1.0 gewissermaßen…

Schachspielender Ben-Gurion zum Ausmalen

Ein schachspielender Ben-Gurion zum Ausmalen – gesehen im „Ben-Gurion-Haus“, Tel Aviv

David Ben-Gurion (1886-1973), als David Grün im polnischen Płońsk geboren, emigrierte 1906 nach Palästina; er war der erste Premierminister des Staates Israel, von der Staatsgründung 1948 bis 1953, und nochmals von 1955 bis 1963.

Weit anschaulicher als diese nackten biographischen Fakten ist allerdings die wunderbar plastische (und obendrein um politische Korrektheit völlig unbekümmerte) Beschreibung, die Amos Oz in seiner „Geschichte von Liebe und Finsternis“ von Ben-Gurion gibt: Oz, damals gerade in seinen frühen 20ern, hatte sich 1961 auf eine publizistische Kontroverse mit dem Premierminister eingelassen – und wurde von Ben-Gurion prompt zum persönlichen Gespräch geladen…

Zwischen den Wänden dieses spartanischen Büros [gemeint ist das Büro Ben-Gurions in Tel Aviv; Anm.] ging mit schnellen kleinen Schritten, die Arme auf dem Rücken verschränkt, die Augen zu Boden gerichtet, den großen Kopf geneigt und energisch vorgeschoben, ein Mann auf und ab, der genau wie Ben Gurion aussah, aber auf keinen Fall Ben Gurion sein konnte: Jedes Kind im Land, schon im Kindergarten, wusste damals sogar im Schlaf, wie Ben Gurion aussah. Aber da es noch kein Fernsehen gab, meinte ich selbstverständlich, der Vater der Nation sei ein Riese, dessen Haupt in die Wolken rage. Und dieses Double nun war ein kleiner, untersetzter und rundlicher Mann, keine ein Meter sechzig groß (…), teils unbeugsamer Bergbauerngroßvater, teils uralter, energischer Zwerg (…). Er hatte eine silbrige Prophetenmähne, die wie ein Amphitheater seine Glatze umgab. Unterhalb der mächtigen Stirn ragten dicke, buschige weiße Brauen hervor, und darunter durchbohrten kleine blaugraue Augen mit messerscharfem Blick die Luft. Seine Nase war breit, dick und derb, eine vollkommen schamlose, geradezu pornographische Nase, wie die Nase der Juden auf antisemitischen Karikaturen. Dagegen waren die Lippen schmal wie eine Schnur (…). Die Gesichtshaut war rau und rot, als wäre da gar keine Haut mehr, sondern rohes Fleisch (…).
Die ersten Worte, die die Stille im Raum durchschnitten, erklangen in der durchdringenden blechernen Stimme, die wir damals alle fast täglich im Radio hörten. Sogar in unseren Träumen hörten wir sie. Der Allmächtige warf mir einen grimmigen Blick zu und sagte: ‚Nu! Warum setzen Sie sich nicht?! Setzen Sie sich doch!‘

Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis. Frankfurt a.M. 2008. S. 686f.

Niemals, so schreibt Oz in der Rückschau auf jene Begegnung, habe ihn ein Mensch

so durch seine physische Präsenz und seine elektrisierende Willenskraft beeindruckt

wie damals Ben-Gurion (ebd. S. 692).

Ben-Gurions Haus in Tel Aviv („Beit Ben-Gurion“) ist heute der Öffentlichkeit zugänglich – und der Besuch schon aufgrund der erhaltenen Original-Ausstattung und Ben-Gurions beeindruckender Bibliothek (20.000 Bände!) in jedem Fall lohnenswert!

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David Ben-Gurions Geburtstag jährt sich am heutigen Sonntag, dem 16. Oktober, zum 125. Mal.

Bild der Woche, Kopf der Woche

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Kopf der Woche – Bernard Herrmann

Rezept für die perfekte Mord-Szene: Man nehme

  • eine hübsche Blondine,
  • eine Dusche,
  • ein Messer
  • und …
    … Geigen!

Unter der Dusche mit Janet Leigh – und einem ungebetenen Gast … Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960)

Billy Wilder 1986, Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=FCps-tOVzTE

Bild-©: YouTube

Der musikalische Schöpfer dieses klassischsten aller filmischen Schock-Momente ist Komponist Bernard Herrmann – der an dieser Stelle maximales Grauen mit minimalem musikalischem Mitteleinsatz erzielt:

Violins did it! People laugh when they learn it’s just violins … It’s just the strings doing something every violinist does all day long when he tunes up.

Bernard Herrmann, zit. nach Steven C. Smith: A Heart at Fire’s Center. The Life and Music of Bernard Herrmann. Berkeley u.a. 1991. S. 239.

Ironie am Rande: Hitchcock, so ist überliefert, wollte zunächst auf jegliche musikalische Unterlegung der Duschszene explizit verzichten –

please write nothing for the murder in the shower,

so wurde Herrmann instruiert,

[t]hat must be without music –,

ließ sich schließlich aber doch von Herrmanns Vorschlag überzeugen …
vgl. und zitiert nach Smith a.a.O. 237

Besagter Bernard Herrmann, Jahrgang 1911 und einer Familie russisch-jüdischer Einwanderer entstammend, war Hitchcocks Komponist ab „The Trouble with Harry“/“Immer Ärger mit Harry„, hatte sich freilich auch zuvor schon als (Film-)Komponist (u.a. für Orson Welles‘ „Citizen Kane„) und Dirigent einen Namen gemacht. Im Zuge seiner Kooperation mit Hitchcock zeichnete Herrmann verantwortlich für die Filmmusik von Klassikern wie „Vertigo“, „North by Northwest“/“Der unsichtbare Dritte“ und „The Man Who Knew Too Much“/“Der Mann, der zuviel wusste.“ In Letzterem hat Hitchcock „seinem“ Komponisten ein besonderes filmisches Denkmal gesetzt: Als nämlich Jimmy Stewart und Doris Day in die Royal Albert Hall stürmen, um das Attentat auf einen hochrangigen Politiker zu verhindern, dirigiert ebendort … Bernard Herrmann.

Die legendäre „Albert Hall“-Szene aus „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) – mit Bernard Herrmann am Dirigentenpult

Das Ende des Tandems „Hitch“-Herrmann kam 1966, als Herrmanns Komposition zu Hitchcocks „Torn Curtain“/“Der zerrissene Vorhang“ verworfen wurde – François Truffaut erläutert (in seinem brillanten Interviewband „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“) die Hintergründe:

Das Studio … mochte Herrmanns Partitur für Torn Curtain nicht, und obwohl sie schon aufgenommen war, brachte ‚man‘ Hitchcock dazu, sie nicht zu verwenden. Um 1966 waren in Hollywood … Partituren Mode, die sich als Platte verkaufen ließen, zu denen man in den Diskotheken sich die Glieder verrenken konnte, und das Spiel hatte Herrmann, Adept Richard Wagners und Igor Strawinskys, von vornherein verloren.

François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? 4. Aufl. München 2007. S. 318f.

Gleichwohl blieb Herrmann – der den einzigen Oscar seiner Karriere verblüffenderweise nicht für eine Hitchcock-Komposition gewann, sondern für die Musik zum wenig bekannten Film „The Devil and Daniel Webster“ (1941) – dem Filmgeschäft auch nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Hitchcock verbunden – und komponierte etwa zuletzt, unmittelbar vor seinem Tod 1975, die Musik zu Martin Scorseses „Taxi Driver“.

Bernard Herrmanns Geburtstag jährt sich am heutigen Mittwoch zum 100. Mal.

Kopf der Woche, Kunst und Kultur

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Kopf der Woche – Billy Wilder

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere versenkte er einen erfolglosen Drehbuch-Autor im Swimmingpool, verleitete eine verführerische deutsche Exilantin zur Selbstjustiz und trieb einen alkoholkranken Schriftsteller zum Beinahe-Selbstmord – all das nur auf der Leinwand selbstverständlich, weshalb besagte Untaten ihm denn auch nicht Schimpf und Schande, sondern Oscar- und zahllose weitere Ehren einbrachten …

Die Rede ist klarerweise von Samuel „Billy“ Wilder: Geboren 1906 im heute polnischen Sucha verdingte sich Wilder zunächst als Reporter in Wien (später in Berlin), ehe er nach seiner Emigration in die USA bei Paramount anheuerte, auch hier zunächst als (Drehbuch-)Autor, erst ab 1942 („The Major and the Minor„) auch als Regisseur.

Aus der galizischen Provinz nach Hollywood also, wo Wilder es zu genre-übergreifender filmischer Meisterschaft brachte, erstmals oscar-gekrönt im Jahr 1946 (für „The Lost Weekend„) – ein (bis heute grandioses) Beispiel für dieselbe, aus den eingangs angesprochenen Wilder’schen „Schandtaten“:

Or better yet …!“ – Billy Wilders „Witness for the Prosecution„/“Zeugin der Anklage“ (1957) –
Marlene Dietrich und Charles Laughton in der legendären „final scene

Billy Wilder … das sind zahllose Hollywood-Klassiker, ein Leben von 95 Jahren (Wilder starb im März 2002) – und (filmische) Geschichten für mehr als eine Biographie:

Es macht mir Spaß, Filme zu machen, weil man fünf, zehn oder zwanzig verschiedene Leben lebt. Weil man sich in verschiedenen Geschichten bewegt. Man geht nicht jeden Tag in den Laden und verkauft Hüte. Nein. Ich habe einen Hutladen, ich bin aber auch ein Hirnchirurg, und … Ich habe viele Leben gelebt.

Billy Wilder in: Cameron Crowe: Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder? München/Zürich 2000. [S. 100f.]

Billy Wilders Geburtstag jährt sich am morgigen Mittwoch zum 105. Mal.

Kopf der Woche

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