Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Kunst und Kultur

Pesach 5774

Wohl kaum ein Bildmotiv in einer Pesach-Haggada mag regional mehr bzw. origineller verortet sein als Störche in einer Haggada aus dem böhmisch-mährisch-ungarischen Raum, der übrigens die Heimat eines Großteils der…

Wohl kaum ein Bildmotiv in einer Pesach-Haggada mag regional mehr bzw. origineller verortet sein als Störche in einer Haggada aus dem böhmisch-mährisch-ungarischen Raum, der übrigens die Heimat eines Großteils der Schreiber und Illuminatoren des 18. Jahrhunderts war. Vielleicht stammt die Haggada ja sogar aus der Gegend um den Neusiedler See.

Abraham und die 3 Engel in Mamre, Pesach Haggada 1737


Störche sind aus unserer Region, dem Burgenland, nicht wegzudenken, jedes Kind kennt hierzulande das alljährlich wiederkehrende schöne Schauspiel: Im Frühjahr kehren die Störche aus dem Süden zurück ins Burgenland, um hier auf den Schornsteinen ihre Nester zu bauen, Nachwuchs zu bekommen, über die Sommermonate aufzuziehen und im Herbst wieder gen Süden loszuziehen.

Etwa 30-40 Tage nachdem die Eier gelegt sind, schlüpfen die Jungen. Heuer kam übrigens der erste Storch vor wenigen Tagen, am 26. März, ins Burgenland, die Auswahl dieses Bildes für diese unsere heurigen Pesachwünsche erfolgte also keinesfalls zufällig ;-)

Freilich scheinen die schönen Vögel nicht erst in neuerer Zeit zu einer Art Wahrzeichen unserer Region geworden zu sein. Schon 1737, dem Entstehungsjahr unserer Pesach-Haggada, finden wir sie – quasi burgenländisches Lokalkolorit – auf dem Schornstein von Abrahams Haus. Das der Illustration zugrunde liegende biblische Motiv kennen wir schon: Abraham und die 3 Engel in Mamre, eine Illustration zu einer Hymne in der Pesach-Haggada, die im Anschluss an die häusliche Pesach-/Sederfeier am 2. Pesachabend gelesen wird.

Ein interessantes Detail finden wir auch auf der Titelseite der Pesach-Haggada:

Titelseite Pesach Haggada 1737


Zwischen Mose und Aaron lesen wir:

Pesach Haggada, mit schönen Illustrationen, alles handgeschrieben auf Pergament mit den Druckbuchstaben von Amsterdam, im Jahre 497 nach der kleinen Zeitrechnung (= 1737)

Ende des 16. Jahrhunderts ließen sich viele Marranen, also unter Zwang zum Christentum bekehrte iberische Juden, die sich Anfang des 17. Jahrhunderts wieder offen zum Judentum bekannten, in Amsterdam nieder. Ihr großes Interesse an hebräischer Literatur führte dazu, dass 1626 Menasse ben Israel in Amsterdam eine hebräische Druckerei gründete, in der nicht nur sehr viele hebräische und lateinische Bücher gedruckt wurden, sondern in der auch neue Schrifttypen geschnitten wurden. Die hervorragende Qualität dieser „Amsterdamer Buchstaben“ ließ später viele ausländische Schreiber – nicht ganz wahrheitsgemäß – auf ihren Titelseiten den Vermerk anbringen „Mit den Buchstaben von Amsterdam“.

Nun steht aber hier nicht – wie meistens – „Amsterdam“ mit hebräischen Buchstaben (אמשטרדם), sondern „Amstelredam“ (! אמשטלרדם), also der Name des Fischerorts, der an einem im 13. Jahrhundert errichteten Damm mit Schleuse im Fluss Amstel entstanden war.
Wissen wir das nicht, würden wir vielleicht „Amstlerdam“ lesen…


Erev Pesach ist immer am 14. Nisan, das ist heuer Montag, der 14. April.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5774!

חג פסח כשר ושמח!

Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest!


1 Kommentar zu Pesach 5774

‚Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte‘

Kürzlich ist ein neues Buch zur jüdischen Regionalgeschichte erschienen, nämlich eine groß angelegte Monographie über das jüdische Mattersburg: „Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde…

Kürzlich ist ein neues Buch zur jüdischen Regionalgeschichte erschienen, nämlich eine groß angelegte Monographie über das jüdische Mattersburg: „Als im Burgenland noch das Schofarhorn ertönte. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Mattersburg und Umgebung“, verfasst von Gertraud Tometich, erschienen bei Edition Marlit.

Wir halten die Aufarbeitung jüdischer Regional- und Lokalgeschichte – für ein jüdisches Museum wenig überraschend – für ein grundsätzlich sinnvolles, wichtiges und förderungswertes Unternehmen, vorausgesetzt natürlich, dass die inhaltliche Qualität derselben stimmt. Die besagte Mattersburg-Monographie lässt uns vor diesem Hintergrund nun leider einigermaßen ratlos und verwundert zurück …

Wir ersparen uns hier ein Lamento über die nicht wenigen Mängel in Sachen Orthographie und Interpunktion, die sich – buchstäblich – vom Vorwort bis zur letzten Seite des Buches ziehen, über die dürftige technische Qualität mancher Bilder (v.a. S. 128), über die teils eigenartig archaische Ausdrucksweise (beispielsweise firmiert das Grab des Chatam Sofer in Bratislava unter dem Titel „Judendenkmäler“: S. 58) und Ähnliches mehr. Über all das mag man letztlich hinwegsehen können, so ärgerlich es mitunter für den Leser sein mag.

Nicht hinwegsehen kann man dagegen darüber, dass Teile des Buches – man muss es leider sagen – sachlich problematisch, missverständlich oder auch schlicht inhaltlich fehlerhaft sind.

An einigen – besonders augenfälligen – Beispielen:

In einer Zeitleiste, u.a. zu den rechtlichen Entwicklungen in Ungarn, ist davon die Rede, dass das Judentum 1895 „als Staatsreligion [!] anerkannt“ worden sei (S. 14). Ernsthaft – das Judentum als „Staatsreligion„? Was tatsächlich gemeint ist, ist offenbar der Umstand, dass die jüdische Religion 1895 den Status „volle[r] gesetzliche[r] Anerkennung“ erlangte – sodass nun allererst „das Ziel der vollständigen Emanzipation als erreicht betrachtet werden [konnte]“ (W. Bihl: Das Judentum Ungarns 1780-1914. In: Studia Judaica Austriaca. Bd. III. Studien zum ungarischen Judentum. Eisenstadt 1976. S. 17-31, hier 22).

Zwei Fotos auf S. 122 zeigen Textilien mit hebräischer Aufschrift – beide stehen allerdings auf dem Kopf! (Zudem ist die Bildbeschriftung, „Thora-Decken“, zumindest ungewöhnlich und auch uneindeutig – in einem Fall handelt es sich jedenfalls um einen Tora-Vorhang).

An anderer Stelle wird das Laubhüttenfest wie folgt erläutert:

Das rituelle Laubhüttenfest (Sukka) [!] ist ein Dankesfest und wird im Herbst begangen. Es erinnert an den 40-tägigen [!] Aufenthalt der Juden in der Wüste …

(S. 115)

Nun heißt das Fest aber nicht „Sukka“, sondern „Sukkot“ (die Pluralform zu „Sukka“, „Hütte“); und das Volk Israel benötigte für seinen Wüstenzug bekanntlich nicht 40 Tage, sondern 40 Jahre (siehe z.B. Josua 5,6)!

Es sind basale Sachverhalte, die hier offenkundig schlicht nicht korrekt dargestellt werden.

Die Reihe ließe sich problemlos fortsetzen. In Summe muss hier, bei aller Sympathie für das grundsätzliche Anliegen eines solchen Buches, die Frage erlaubt sein, ob der Sache angesichts solcher eklatanter Defizite tatsächlich noch gedient ist. Diese Bedenken verschärfen sich noch, wenn man sich die Rezeptionswege vergegenwärtigt, die für Bücher mit solcher und ähnlicher Thematik typisch sind: ihre Verwendung gerade durch LehrerInnen und Studierende, ihre Heranziehung für schulische Projekte, Maturaarbeiten usf.

Die gute Absicht aller Beteiligten in Ehren – sie allein ist leider nicht genug …

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Eigenarten des Erinnerns

„Eigenarten des Erinnerns“ ist der Titel eines Beitrags, den wir zur aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „neues museum. die österreichische museumszeitschrift“ beisteuern durften – und den wir nun auch hier im…

„Eigenarten des Erinnerns“ ist der Titel eines Beitrags, den wir zur aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „neues museum. die österreichische museumszeitschrift“ beisteuern durften – und den wir nun auch hier im Blog zur Verfügung stellen möchten. Besagter Beitrag ist Grundsatzreflexion, Programmschrift und Standortbestimmung in einem: Orientiert am (von den Herausgebern angeregten) Leitmotiv „Gedenken im Museum“ verknüpft der Text allgemeine museologische Überlegungen zum Thema mit der Präsentation konkreter Programmschwerpunkte, kurz: will Einblick geben in das programmatische Selbstverständnis unseres Museums.
Der Text wurde gegenüber der Print-Version minimal überarbeitet und um weiterführende Links ergänzt. Für die gute Zusammenarbeit danken wir Mag. Sabine Fauland (neues museum).


Jüdische Museen sind offenkundig – nicht exklusiv, aber auch nicht zuletzt – Akteure institutionalisierten Erinnerns. Die Spezifizierung dieser Rolle freilich, ihre programmatische Befüllung und museumspraktische Ausführung, ist ebenso wenig uniform wie die regionalen und historischen, finanziellen und politischen, aber auch organisatorischen oder baulichen Kontexte der konkreten Institutionen und – hieran gekoppelte – inhaltliche und kommunikationsstrategische Fokussierungen.

Für das in Eisenstadt ansässige Österreichische Jüdische Museum – eines der ersten seiner Art im Nachkriegs-Europa – ergibt sich die Eigenart, in der es besagte Rolle anlegt, nicht zuletzt aus einem spezifischen lokalen Setting: angesiedelt in einem historischen Palais im ehemaligen jüdischen Viertel Eisenstadts, das in charakteristischen Elementen bis auf den heutigen Tag Bestand hat, damit im räumlichen Zentrum der einstmaligen jüdischen Gemeinde mit ihren religiösen, sozialen, schulischen Einrichtungen, mit hauseigener historischer Synagoge, und kaum 150 Meter entfernt von zwei jüdischen Friedhöfen, mit über 1.400 Grabsteinen. Ein solches Setting nun ist mehr als bloß atmosphärisch opportunes Ambiente, darf nicht lediglich pittoreske Staffage und malerischer Hintergrund des musealen Geschehens sein, sondern muss – gerade an einem Ort, der seit gut 70 Jahren kein jüdisches Gemeindeleben mehr aufweist – selbst zum Schauplatz musealer Arbeit werden; anders gesagt: Eine solche Einbettung fordert unweigerlich dazu heraus, museales Tun nicht primär, nicht verbaliter als „Gedenken im Museum“ zu buchstabieren, sondern entscheidend auch als museale Bearbeitung dieses lokalen Kontextes.

Havdala-Kerze mit Halterung

Das Jüdische Museum versucht seit jeher, dieser Eigenart programmatisch wie methodisch zu entsprechen – und besagte Bearbeitung mit möglichst vielfältigen, gerne auch unkonventionellen und jedenfalls in Sachen Rezeptionsprofile breit gestreuten Mitteln ins Werk zu setzen; was nicht zuletzt meint: methodische Instrumentarien zu entwickeln und zu erproben, die kommunikative Zugänge gerade auch zu jenen und für jene erschließen können, die mit konventionellen Werkzeugen musealer Vermittlung üblicherweise nicht erreicht werden.

Auf genau solcher Linie siedelte etwa das letztjährige Programm Ver(BE)gangen, das – der Idee nach von Projekten in Hamburg (Fußnote*) und Linz (In Situ) hergeleitet – explizit die besagten lokalen Besonderheiten in den Fokus rückte: nämlich mithilfe von rund einem Dutzend Boden-Folien, etwa mit historischen Fotografien oder Auszügen aus autobiographischen Aufzeichnungen (ehemaliger) jüdischer Eisenstädter/innen, montiert – für die Dauer von sechs Monaten – an verschiedensten für das jüdische Eisenstadt in der ein oder anderen Weise belangvollen Orten, innerhalb des jüdischen Viertels und darüber hinaus – ein Programm, das zum einen als „Outdoor-Ausstellung“ für Museumsbesucher/innen gestaltet und entsprechend mit ergänzenden musealen Materialien unterfüttert wurde, zum anderen aber – und nicht weniger – schlicht auch jeden aufmerksamen Passanten adressierte.

Genau die genannten Schwerpunktsetzungen – Abstimmung auf das spezifische lokale Setting, dabei methodisch unkonventionelle Wege beschreitend – spiegeln sich auch in einer Reihe von weiteren musealen Outdoor-Angeboten: so beispielsweise wenn, in Ergänzung des regulären Vermittlungsangebots, unter dem Titel Jewish Sight-Running ein geführter Traillauf zu jüdischen Sehenswürdigkeiten der Umgebung angeboten und so das eigentlich museale Programm durch zusätzliche, sportliche Anreize aufgewertet wird; oder im musealen Einsatz des GPS-Rätsel-Formats Geocaching, wobei Spielteilnehmer auf dem Weg zum museumseigenen Cache durch das ehemalige jüdische Eisenstadt geleitet werden und so vollwertige museale Inhalte in betont spielerischer Aufbereitung angeeignet werden können.
Vergleichsweise traditionell, in der programmatischen Ausrichtung aber den genannten Projekten durchaus verwandt zeigt sich noch ein weiteres Stück musealer Bildungsarbeit: Seit 1993 veranstaltet das Museum regelmäßig Hebräischkurse, im eigenen Haus wie auch in diversen nicht-musealen Bildungseinrichtungen – nicht zuletzt, um Interessierten das sprachliche Instrumentarium zur selbstständigen, avancierten Erkundung regionaler jüdischer Geschichte an die Hand zu geben, schließlich finden sich allein auf den jüdischen Friedhöfen des Burgenlands rund 8.000 hebräisch beschriftete Grabsteine, nicht zu reden von Tausenden Seiten an (nicht oder unzureichend erschlossenen) Archivmaterialien in Hebräisch bzw. Deutsch mit hebräischen Lettern.

Torarollenaufsätze (Rimmonim), Westungarn, 19. Jahrhundert

Für all diese musealen Unternehmungen gilt zudem, dass sie engstens mit dem Social-Media-Engagement des Hauses verknüpft sind: Seit 2009 betreibt das Jüdische Museum das Weblog Koschere Melange – mit mittlerweile rund 400 Artikeln und rund 1.600 Kommentaren –, bespielt regelmäßig diverse weitere Social-Media-Kanäle und zählt, nach Ausweis der gängigen Social-Media-Ranglisten, in diesem Feld mit zu den kontaktstärksten Museen Österreichs. Dabei wird eine weitgehende Verschränkung von Offline- und Online- bzw. Social-Media-Unternehmungen praktiziert, in der beide Instanzen möglichst durchgehend aufeinander verweisen: durch ausführliche Online-Dokumentation musealer Projekte, den Einsatz von QR-Codes usf.
Das Social-Media-Engagement des Museums reicht über die Verzahnung mit Offline-Projekten in programmatischer Hinsicht freilich noch entscheidend hinaus, genauer: Die „sozialen Medien“ stehen nicht lediglich – und noch nicht einmal primär – im Dienste der Bewerbung musealer Offline-Unternehmungen; eine derart beschränkte Social-Media-Policy – die tatsächlich im musealen Sektor nur allzu häufig anzutreffen ist – würde Potential und Eigenart der „sozialen Medien“ gerade unterbieten. Was jene Social-Media-Kanäle – neben der Möglichkeit, das museale Arbeiten in jeder Hinsicht transparent zu machen und unmittelbarem Feedback auszusetzen – an Perspektiven bereithalten, ist eine Darbietung und Diskussion musealer Inhalte gerade auch über Offline-(Stamm-)Klientelen hinaus sowie befreit von der Beschränktheit regionaler Einzugsgebiete (wie sie klarerweise für Offline-Projekte jeglicher Art unweigerlich besteht). Ein eigentlich gehaltvolles und diese Potentiale einlösendes Social-Media-Programm bereitzustellen meint dann – und das Jüdische Museum weiß sich genau diesem Anspruch verpflichtet –, kein bloßes Promotion-Tool für Offline-Projekte zu unterhalten, sondern inhaltlich vielschichtige und abwechslungsreiche museale Informations- und Kommunikationsplattformen zu gestalten.

Dass dabei schließlich die „sozialen Medien“ den musealen Inhalten zu einer tatsächlich weltweiten Verfügbarkeit verhelfen, ist gerade für ein österreichisches jüdisches Museum kein unbedeutender Faktor, ermöglicht bzw. erleichtert dies doch, auch Kontakte zu jenen zu knüpfen und zu pflegen, die – über Grenzen hinweg – am Erbe des einstmaligen jüdischen Lebens des Landes autobiographisch teilhaben, nämlich: zu Nachkommen von einst vertriebenen Jüdinnen und Juden; exemplarisch schreibt etwa eine israelische Blog-Leserin: Sie sei „very grateful„, die qua Weblog gefundenen Informationen über ihre burgenländischen Vorfahren an ihre Kinder weitergeben zu können –

It is amazing to me, who grew up in a distant place to see the evidence of my ancestors‘ existence.

„Gedenken im Museum“: dies mag – in einem weiten Sinne, nämlich: in den vielfältigsten Gestaltungen und Akzentuierungen, die solches „Gedenken“ finden kann – tatsächlich einen beständigen Grundzug in der Arbeit jüdischer Museen beschreiben. Diese Gestaltungen und Akzentuierungen programmatisch und methodisch immer wieder neu zu denken und darin dem Auf-der-Stelle-Treten, ja Erstarren von „Gedenk“-Kultur ebenso kritisch zu begegnen wie einem oberflächlichen, allzu häufig reflexartig beklatschten „Gedenk“-Aktionismus – dies ist deren ebenso beständige Herausforderung.

Wir verabschieden uns mit diesem Beitrag in eine kleine feiertagsbedingte Blog-Pause, wünschen unseren christlichen Leserinnen und Lesern schon jetzt ein frohes Fest und allen eine gute Zeit.


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Bild der Woche – Synagoge Wiener Neustadt

Am 9. November fand auch in Wiener Neustadt eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome statt. Professor Dr. Werner Sulzgruber, der die Veranstaltung organisierte und dafür verantwortlich zeichnete, verlas am…

Am 9. November fand auch in Wiener Neustadt eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome statt.
Professor Dr. Werner Sulzgruber, der die Veranstaltung organisierte und dafür verantwortlich zeichnete, verlas am Schluss knapp 200 Namen von Juden, die aus Wiener Neustadt vertrieben und ermordet wurden. SchülerInnen zündeten für jedes der Opfer eine Kerze an.

Höhepunkt der Gedenkveranstaltung war aber sicher die einmalige und einzigartige Projektion der Synagoge von Wiener Neustadt auf jenes Haus, das heute am Platz der Synagoge steht.

Projektion der Synagoge Wiener Neustadt

Projektion der Synagoge von Wiener Neustadt anlässlich der Gedenkveranstaltung am 9. November 2013


Ansicht der Synagoge Wiener Neustadt, um 1905

Ansicht der Synagoge von Wiener Neustadt, um 1905. Bild aus: Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt, Wien 2010, S. 39


Am 16. März 1902 fand die Grundsteinlegung, schon am 18. September 1902 die Schlusssteinlegung für die Synagoge statt. Architekt war kein Geringerer als Wilhelm Stiassny, der offenbar ohne Honorar arbeitete.
In der sehr markanten Rosette mit einem Davidstern von mehreren Metern Durchmesser fand sich der Bibelspruch aus Jesaja 56,7:

Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.

Anmerkung: Auf dem Bild oben kann gut erkannt werden, dass mit dem Vers auch eine Jahreszahl angegeben wird. Ich konnte weder beim Fotografieren noch auf Bildern erkennen, auch in der Literatur nicht finden, welche Buchstaben gekennzeichnet sind, aber es liegt nahe, dass 5662 (= 1902) angegeben wurde. (Rosch HaSchana, also der 1. Tischre und somit der Beginn des jüdischen Jahres 5663, war erst am 2. Oktober 1902!)

Bereits am 10. Oktober 1938 erfolgte im Auftrag der Gestapo die „Übergabe bzw. Übernahme des Tempelgebäudes für die SS Formation“.

In der Pogromnacht selbst wurde der Davidstern abgemeißelt und das riesige Zierfenster herausgebrochen. Weiters wurden einzelne Fenster beschädigt, die Einrichtung zerstört und Tempelgeräte gestohlen. Nationalsozialisten hatten offenbar Fackeln in die Synagoge geworfen, die Brandstellen verursachten. Aber sie wurde nicht, wie so viele im Reichsgebiet, als Ganzes in Brand gesteckt. Grund für die Verschonung des Gebäudes war der Umstand, dass die Synagoge zu diesem Zeitpunkt bereits „übernommen“ war.

Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt, Wien 2010, S. 38 und insbes. 47


Mehr Informationen zur virtuellen Rekonstruktion der Synagoge in Wiener Neustadt im „DAVID„.

7 Kommentare zu Bild der Woche – Synagoge Wiener Neustadt

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