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	<title>Koschere Melange &#187; Leben und Glaube</title>
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	<description>Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums</description>
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		<title>Der Golfkrieg 1991</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2012/01/22/der-golfkrieg-1991/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 08:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus meinen Memoiren Vor 21 Jahren begann hier der wohl eigenartigste Krieg in der Geschichte des Staates Israel: der Golfkrieg. Dieser, im Westen Zweiter Golfkrieg genannt, bezeichnet den Krieg im Nahen Osten, der 1990 mit dem Einmarsch des Iraks in Kuwait begann und 1991 durch eine von den USA geführte Koalition beendet wurde. Am 24. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3> Aus meinen Memoiren</h3>
<p>Vor 21 Jahren begann hier der wohl eigenartigste Krieg in der Geschichte des Staates Israel: der Golfkrieg. Dieser, im Westen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Golfkrieg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Zweiter Golfkrieg</a> genannt, bezeichnet den Krieg im Nahen Osten, der 1990 mit dem Einmarsch des Iraks in Kuwait begann und 1991 durch eine von den USA geführte Koalition beendet wurde. Am 24. Dezember 1990 drohte der irakische Präsident <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Saddam_Hussein" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Saddam Hussein</a>, dass Israel das erste Ziel eines Angriffs sein werde, sollten die Koalitionsstreitkäfte angreifen. Soweit ich mich erinnern kann, wurde hier in Israel damit gerechnet, dass er Raketen mit Giftgas hierher schießen könne. Saddam Hussein spielte hier ganz sicher absichtlich psychologisch mit dem jüdischen Trauma vom Giftgas. Seine Drohungen wurden ernst genommen; schließlich hatte er in der Vergangenheit schon Giftgas eingesetzt: gegen den Iran und gegen die Kurden.<br />
Die USA stationierten daraufhin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/MIM-104_Patriot" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Patriot</a>-Raketen (gegen Raketenangriffe) in Israel und anderen gefährdeten verbündeten Ländern.</p>
<h4>Kriegsvorbereitungen in Israel</h4>
<p>Angesichts dieser Drohungen musste die israelische Regierung entscheiden, wie sie sich verhalten sollte. Es wurde heftig über einen Vergeltungsschlag auf etwaige Angriffe diskutiert. Die Charedim (Ultra-Orthodoxe) waren eindeutig dagegen. </p>
<blockquote><p>Die Gojim machen lassen und sich nur ja nicht einmischen, so wie es heißt &#8216;Gott wird für euch kämpfen, und ihr sollt stillsitzen&#8217; </p></blockquote>
<p><cite>Exodus 14,14</cite>,</p>
<p>verlautete es aus Kreisen von charedischen Rabbinern, darunter von dem auch politisch einflussreichen Raw <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Elazar_Shach" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Schach</a> aus Bnei-Brak. Die Regierung schloss sich dieser Linie an, vor allem auch, weil die Amerikaner Israel sehr darum gebeten hatten, nur ja nichts zu unternehmen: eine Reaktion Israels hätte nur die ohnehin sehr fragile Koalition der USA mit Ägypten und Saudi-Arabien zunichte gemacht. </p>
<p>Armee und Verteidigungsministerium arbeiteten inzwischen an Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung, die ja diesmal den militärischen Schlag abkriegen würde. Es gab nicht genug Bunker für die gesamte Bevölkerung, und schon gar keine, die gegen chemische und biologische Angriffe ausgerüstet waren. Auch gab es damals noch keine betonverstärkten Sicherheits-Zimmer in Wohnungen, wie sie heute gebaut werden (und zwar als Folge des Golfkrieges).</p>
<p>Es wurde daher Folgendes beschlossen:<br />
Als persönliches Verteidigungsmittel erhält jeder israelische Bürger, und auch jeder Tourist, vom Staat eine Gasmaske. Asthmakranke und kleine Kinder erhalten zusätzlich eine batteriebetriebene Luftpumpe dazu, damit sie genug Luft bekommen.<br />
Mit der Maske erhält außerdem jeder eine Atropin-Spritze. Atropin ist ein Gegengift gegen Nervengas. </p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaske.jpg" width="550" height="416" alt="Gasmaske mit Atropin-Spritze" class="centered" /></p>
<p class="centered"><a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Gas_mask.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
<p>Weiters soll jeder Haushalt ein Zimmer bereitstellen, das im Notfall abgedichtet werden kann. Es soll so wenige Fenster und Türen wie möglich haben. Etwaige Scheiben sind mit dicken Plastikfolien als Splitterschutz zu bekleben. Die Spalten aller Zimmeröffnungen müssen, nachdem sich im Falle eines Angriffs alle Anwesenden in das Zimmer begeben haben, mittels eines breiten Klebebandes (manchmal wird übrigens ein solches bis heute als &#8220;Kriegs-Klebeband&#8221; bezeichnet) abgedichtet werden – damit kein Giftgas eindringen kann. Aus demselben Grund ist die untere Türspalte mit einem in Chlorbleiche getränkten Tuch abzudichten. (Ein schönes G&#8217;rucherl war das!)</p>
<p>Die Verteilung von Masken mit batteriebetriebenen Luftpumpen, von denen es anfangs nur eine beschränkte Anzahl gab, verursachte kuriose Debatten, wie es sie wohl nur in Israel geben kann: Politiker der orthodoxen Partei &#8220;Agudat Israel&#8221; ereiferten sich darüber, dass Bartträger keine Gasmasken mit Luftpumpe bekämen, so wie Asthmatiker. Dies sei ein Schlag gegen das torahtreue Judentum, denn religiöse Juden dürften sich ja unter keinen Umständen den Bart abscheren. Dadurch sei ihr Leben bedroht. Einige Rabbiner erklärten zwar, dass die Kahlrasur im Falle von Lebensgefahr nicht nur erlaubt, sondern sogar religiöse Pflicht sei, wie der Oberrabbiner von Ra&#8217;anana, Raw <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Yitzhak_Peretz_(politician_born_1938)" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Jitzchak Perez</a>, der mit eigenem Beispiel voranging und sich bartlos der Öffentlichkeit präsentierte, doch in weiten Kreisen der Orthodoxen blieb eine solche Haltung extrem unpopulär. Für meinen Mann Schmuel ergab sich ein derartiges Problem nicht, da er als chronisch Asthma-Kranker eine Luftpumpe erhielt. Aber auch die glücklicherweise gesunden Charedim mussten ihr Leben nicht wegen des Barttragens opfern, denn der Staat verschaffte schließlich auch ihnen Pumpen.</p>
<h4>Der Krieg beginnt</h4>
<p>Am 1. Sch&#8217;wat (17. Jänner 1991), dem Tag vor dem Jahrzeittag meines seligen Schwiegervaters, den ich nie kennengelernt habe, begann der Luftangriff der amerikanischen Luftwaffe auf den Irak. Schmuel war in einem Dilemma: das Grab des Vaters auf dem Friedhof in Cholon aufsuchen oder nicht? Die Entscheidung wurde ihm dann schließlich durch den Verlauf der Dinge abgenommen.</p>
<p>Ich habe immer noch die triumphierenden Worte von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ezer_Weizmann" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Ezer Weizmann</a> in den Ohren, damals Knesset-Abgeordneter und seinerzeit der Errichter der israelischen Luftwaffe, dem dieser massive Luftschlag offenbar gewaltig imponierte: <em>&#8220;Den Irakern werden die Hände zittern, ehe sie wagen, uns anzugreifen!&#8221;</em> Nun, die Hände der Iraker werden wohl gezittert haben, aber das hielt sie nicht davon ab, einen Tag später ihre Drohungen wahr zu machen.</p>
<p>In der Nacht auf den 2. Sch&#8217;wat (18. Jänner) war stürmisches Wetter; über Tel-Aviv und Umgebung tobte ein Gewitter. Da ertönten plötzlich die Sirenen. Auf und ab, auf und ab. Dann krachte es, in einiger Entfernung zwar, aber doch deutlich vernehmbar. Aus dem Radio tönte die Stimme des nachmals legendären Sprechers der israelischen Streitkräfte,<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nachman_Shai" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'"> Nachman Schai</a>: </p>
<blockquote><p>Ist es eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scud" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Rakete</a> oder ist es Donner? Inzwischen gehen Sie bitte ins &#8216;abgedichtete&#8217; Zimmer und legen die Gasmasken an, bis die Sache geklärt ist. Bleiben Sie ruhig und trinken Sie Wasser!
</p></blockquote>
<p>Inzwischen klatschten schwere Regentropfen aufs Dach.<br />
Ich war mir absolut sicher, dass das kein Donner war. So hört sich kein Donner an! Wir eilten also mit den Kindern ins &#8220;abgedichtete&#8221; Schlafzimmer. Mein Herz begann zu rasen; Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl und Schweißausbrüche folgten. Das war eine Giftgasrakete, das sind die Anzeichen einer Nervengasvergiftung!!! Oder etwa doch nicht? Vielleicht doch nur ein Adrenalinschub mit all den bekannten Begleiterscheinungen? <em>&#8220;Man muss prüfen, ob die Pupillen verengt sind!&#8221;</em>, schoss es mir durch den Kopf. Aber halt, vielleicht sind sie das bei Aufregung auch? Während mir das alles durch den Kopf schoss, legte ich mir die Gasmaske an und zurrte sie fest. Dazu musste ich natürlich die Brille ablegen, ohne die ich, als stark kurzsichtige Person, nicht viel sehe, und ganz sicher keine verengten Pupillen von Mann und Kindern. </p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[220112]" title="Die Autorin mit Gasmaske"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeCGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeC.jpg" width="550" height="270" alt="Die Autorin mit Gasmaske" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Die Autorin mit aufgesetzter Gasmaske neben dem &#8220;Zelt&#8221; fürs Baby. Die grauen Flächen sind die Filter und an der runden Öffnung auf der Vorderseite war innen ein Plastikärmel mit Handschuh befestigt, damit man das Baby versorgen kann.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[271111]" title="Die beiden ältesten Töchter der Autorin, die Größere (Tamar) mit Gasmaske" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeKGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeK.jpg" width="250" height="509" alt="Die beiden ältesten Töchter der Autorin, die Größere (Tamar) mit Gasmaske" /></a></p>
</div>
<p>Bild: Die beiden ältesten Töchter der Autorin. Die Große, Tamar, hat hier eine Gasmaske auf, auf der der Filter aber noch nicht aufgeschraubt ist. Auch sie hätte, wie ihre jüngere Schwester, eine Kapuze bekommen sollen. Allerdings gab es damals nicht genug von diesen und so mussten auch 5jährigen it einer Gasmaske für Kinder vorlieb nehmen.</p>
<p class="tipp2">Gemäß den Anweisungen sollte jeder, der dazu imstande war, zuerst selbst die Maske anlegen und dann erst den Kindern oder Hilflosen. Nachdem ich mir das Ding also aufgesetzt hatte (kurzer Test: alles dicht? Jawohl!), schob ich unseren damals 4 Monate alten Sohn Motti (= Mordechai, so benannt nach meinem oben erwähnten Schwiegervater) in sein Zelt, legte dann der bald 5-jährigen Tami ihre Gasmaske an und schließlich der 2 ½-jährigen Dina ihre speziell für Kinder konstruierte Kapuze mit batteriebetriebener Luftzufuhr. <a href="http://www.israelimages.com/see_image_details.php?idi=2394" title="Externer Link zu 'israelimages.com...'">Beispiel für so eine Kapuze</a>. Fertig. </p>
<p>Da fiel mein Blick auf Schmuel. Der saß gerade im Bett und zog sich umständlich die Socken an.<br />
<em>&#8220;Was tust du denn?!&#8221;</em>, rief ich entsetzt aus. <em>&#8220;Warum setzt Du dir nicht die Gasmaske auf?!&#8221;</em> Er warf mir einen konfusen Blick zu und murmelte etwas wie: <em>&#8220;Ich habe gehört, dass das Gas auch durch die Ohren in den Körper eindringen kann.&#8221;</em> Diese Antwort – das muss ich gestehen – hat mich sogar in dieser Situation äußerst belustigt und die unerträgliche Spannung etwas gelöst. Was haben wir alle noch später darüber gelacht! Dann hat auch Schmuel schließlich seine Maske aufgesetzt.</p>
<p>Wir hatten inzwischen auch die Eingangstür zum Schlafzimmer mit Plastikplanen und breiten Klebebändern zugeklebt. Dina fragte interessiert, warum wir denn die <em>&#8220;Tür in ein Plastiksackerl stecken&#8221;</em>, und phantasierte etwas über einen &#8220;Gas-Schnuller&#8221;. Damit meinte sie wohl die Gasmasken. Ich hatte ihr nämlich erzählt, dass sich innen in der Maske ein Trinkrohr befinde, so etwas &#8220;wie ein Schnuller&#8221;. Sie selbst trug, wie bereits erwähnt, eine Gas-Kapuze. Ihren heißgeliebten Schnuller hatte sie darunter in ihrem Mund. Als er ihr einmal herausgefallen ist, war es eine ziemliche Prozedur, das Ding durch die Plastikschicht hindurch wieder in ihr Mäulchen zu bugsieren.<br />
Inzwischen hatte sich herausgestellt (wie ich ohnehin schon von Anfang an vermutet hatte), dass der Krach, den wir gehört hatten, tatsächlich von einer Scud-Rakete stammte – und zwar von einer konventionellen.<br />
Ein paar Leute hatten sich in Panik die Atropin-Spritzen injiziert und wurden daraufhin im Spital behandelt. Da die Giftmenge aber nur gering war und sowieso nur als Erste Hilfe gedacht war, so ist dadurch niemandem etwas Ernstes passiert.</p>
<h4>Raketenangriff!</h4>
<p>Weitere Raketen folgten im Laufe der kommenden Tage (insgesamt wurden 40 Scuds auf Israel abgefeuert). Abwechselnd tönte es dann: &#8220;Nachasch Zefa&#8221; (= Vipernschlange; Code zum Betätigen der Sirenen)</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/treKFYMbNQ4?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/treKFYMbNQ4?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p>oder &#8220;Scharaw kawed&#8221; (= schwerer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chamsin" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Chamsin</a>; Zeichen dafür, dass die Gefahr vorbei ist) aus dem jetzt immer laufenden Radio. </p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/shelter.jpg" width="369" height="265" alt="Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Gulfwar_1991_in_Israeli_shelter.jpg" /><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Gas_mask.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Keine einzige Scud enthielt Giftgas, doch fuhren wir, gemäß den Anweisungen des Verteidigungsministeriums, mit dem Aufsetzen der Gasmasken und dem Abdichten der Räume weiterhin fort. Die nächste Rakete könnte ja doch Giftgas enthalten!</p>
<p>Nachman Schai wurde zum &#8220;Beruhiger der Nation&#8221; und provozierte mit seinem mantra-artigen Ratschlag <em>&#8220;Wasser trinken!&#8221;</em> viel Spott und Parodien.<br />
In den ersten Tagen des Krieges kam es bei Raketenalarm beinahe zum Zusammenbruch des Stromnetzes, weil man im ganzen Land fast gleichzeitig den Strom in nicht benützten Zimmern abschaltete. Die Elektrizitäts-Gesellschaft bat die Bevölkerung inständig, doch die Lichter brennen zu lassen.<br />
Eine andere Begleiterscheinung der Angriffe waren Plünderungen von Wohnungen.  Wegen der Anweisung, die Türen im Alarmfall unverschlossen zu lassen (für die Rettungskräfte), hatten kriminelle Zeitgenossen leichtes Spiel und bedienten sich schamlos am Besitz anderer, während die Hauseigentümer zitternd im &#8220;abgedichteten&#8221; Zimmer hockten. </p>
<p>Nicht alle folgten übrigens den Anweisungen: nicht wenige Wagemutige steckten nicht nur den Kopf aus dem Fenster (&#8220;Raketen schauen&#8221;), sondern stiegen sogar aufs Dach, um besser sehen zu können. Einige haben das Schauspiel, das sich ihnen darbot, sogar fotografiert oder gefilmt: </p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/LlOi6Gl25Lg?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/LlOi6Gl25Lg?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p>Mich hätten keine zehn Pferde aufs Dach gebracht. Allerdings kam es mir auch absolut lächerlich und absurd vor, sich gegen Raketen mit Plastikplanen zu schützen &#8230;</p>
<p>Die Spannung blieb immer bestehen. Obwohl die ersten paar Raketen alle konventioneller Art waren, war man sich nie sicher, ob das Gas nicht doch noch kommen würde. Gegen die Kurden hatte Saddam ja auch Giftgas eingesetzt – da wird er es gerade gegen Israel unterlassen?<br />
Während der ganzen Kriegstage wurde im Rundfunk kein Wetterbericht gesendet. Man wolle dem Feind keine Informationen über die regionale Wetterlage bieten, hieß es als Begründung. Als ob die israelischen Medien die einzige Informationsquelle dazu wären. Naja.<br />
Die Medien-Berichte über während der Attacken vor Freude tanzende Araber in Israel und den &#8220;Gebieten&#8221; (<em>&#8220;Ja Saddam, ja chabib, udrub udrub Tel-Aviv&#8221;</em> = O Saddam, o Lieber, schlage, schlage Tel-Aviv) versetzten die jüdische Öffentlichkeit in Rage, ja sogar ausgesprochen links Stehende.<br />
Wie in jedem Krieg, so machten auch hier zahlreiche Erzählungen über diverse &#8220;<a href="http://www.benmelech.org/z-def/english/israel-bailey.htm" title="Externer Link zu 'benmelech.org'...">Kriegswunder</a>&#8221; die Runde, ganz besonders natürlich in religiösen Kreisen. </p>
<h4>Gestörte Schabbat-Ruhe</h4>
<p>Freitag Nachmittag, kurz vor Schabbat-Eingang. (An das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erinnern.) Die Sirene, die normalerweise den Beginn des Ruhetages anzeigt, ertönte an diesem Tag nicht. Der Sirenenklang könnte die Menschen in unnötige Panik versetzten. Ich drehte unser Transistorradio auf und stellte die sogenannte &#8220;Stille Welle&#8221; ein, einen mit Billigung der maßgeblichen Rabbiner eingerichteten besonderen Sendekanal für religiöse Juden am Schabbat. Wie der Name besagt, herrschte auf dieser Frequenz Funkstille, nur im Alarmfall wurden die notwendigen Warnungen und Durchsagen gesendet.<br />
Schmuel zog seinen Schabbat-Kaftan an und setzte den Hut auf. <em>&#8220;Schmuel, du wirst doch wohl nicht in die Synagoge gehen?&#8221;</em>, meinte ich besorgt. – <em>&#8220;Doch, ich gehe. Es passiert eh nichts.&#8221;</em> Und draußen war er. Die Gasmaske nahm er nicht mit. Er trägt nämlich am Schabbat auf der Straße nicht, obwohl es hier einen &#8220;Eruw&#8221; gibt. (Die halachische Erklärung dafür verstehe ich auch nicht so recht, bitte einen Rabbiner fragen&#8230;) </p>
<p>Da saß ich nun mit den drei kleinen &#8220;G&#8217;schrapperln&#8221;. <em>&#8220;Hoffentlich bleibt alles ruhig&#8221;</em>, dachte ich etwas nervös und blickte auf die Straße. Es blieb nicht. Plötzlich begannen die Sirenen zu heulen. Oh nein!!! Schnell packte ich die Kinder, verbarrikadierte mich mit ihnen im &#8220;Kriegszimmer&#8221; und absolvierte die übliche Gasmasken- und Abdichtungsprozedur, die irgendwie etwas Beruhigendes an sich hatte, weil man sich der Illusion hingeben kann, &#8220;etwas zu tun&#8221;. Danach sagte ich Tehillim (Psalmen).</p>
<p>Mitten im Geheul war ein Rumsen zu vernehmen – aber weniger deutlich als in der ersten Kriegsnacht. Auch die &#8220;Stille Welle&#8221; war mittlerweile zum Leben erwacht, es kamen die üblichen Durchsagen.<br />
Dann waren in einiger Entfernung Sirenen von Einsatzfahrzeugen zu hören, wieder und wieder. Die blieben dann in einiger Entfernung stehen (soweit man das durch bloßes Hören abschätzen kann). Durchsagen aus Lautsprechern schallten durch die dunkle Nacht. Wo ist Schmuel?!<br />
Sodann wurde die Durchsage gesendet, es handle sich wieder um eine konventionelle Scud. Wo genau sie gefallen war, sagte man aber natürlich nicht. Wieder sah ich aus dem Fenster. Ein Igel lief auf der leeren Straße herum. Wo bleibt denn nur mein Mann? Nun, der kam dann auch endlich heim. Ja, auch er hatte die Explosion gehört, anscheinend stärker als ich hier. Er muss also näher dran gewesen sein.</p>
<p>Wie wir später hörten, war die Rakete in Ramat-Gan, unmittelbar an der Grenze zu Bnei-Brak, gefallen und hatte ein Wohnhaus in Schutt und Asche gelegt. Die religiöse Familie, die dort wohnt, war zum Glück nicht zu Hause gewesen. Es hieß, die Leute wollten ursprünglich den Schabbat zu Hause verbringen und hätten auch alle notwendigen Vorbereitungen getroffen. Da hätte plötzlich die Frau darauf gedrängt, zu ihren Eltern nach Bnei-Brak zu gehen, und der Mann hätte sich seufzend gefügt. Nachher muss er sich an Gottes Anweisung an den Erzvater Abraham erinnert haben: </p>
<blockquote><p>Höre auf alles, was deine Frau sagt! </p></blockquote>
<p><cite>Genesis 21,12</cite></p>
<p>Obwohl unser Haus vom Ort des Geschehens nur einige hundert Meter entfernt ist, habe ich die Explosion hier nur relativ schwach gehört, weil zwischen dem betroffenen Haus und unserem ein Hügel liegt. Es war allen klar, was die Iraker eigentlich treffen wollten: eine militärische Einrichtung unweit von hier, in Ramat-Gan. Es gab auch noch weitere Versuche, diese zu treffen, weshalb die Stadt Ramat-Gan auch noch einige weitere Raketen abgekriegt hat.<br />
In der näheren Umgebung der Explosion waren alle Fensterscheiben zu Bruch gegangen, so auch im Haus einer Cousine meiner Schwiegermutter, Piri. Die alte Dame hat einen leichten Schock erlitten, ist aber ansonsten unversehrt geblieben. Den Schaden hat der Staat bezahlt, weil er durch eine feindliche Handlung verursacht worden war. </p>
<h4>Galgenhumor und ein alt-neuer Hit</h4>
<p>Wie unter Juden nicht anders möglich, begannen auch bald verschiedene Witze zu kursieren. [Beispiele?] Im Radio tauchten im Laufe des Krieges neue Lieder auf, darunter auch zahlreiche Spottlieder auf Saddam Hussein. Das bekannteste davon war <em>&#8220;Ja Saddam, ja metumtam&#8221;</em>, das den folgenden Refrain hatte (leider habe ich keine Aufnahme davon bzw. einen Link dazu):</p>
<blockquote><p>Ja Saddam teze mischam<br />
Adon Saddam ja metumtam<br />
Teze mischam teze mischam<br />
Se lo Iran-Amerikan teze mischam<br />
Bum bum bum – Bush!</p>
<p>Übersetzung:<br />
Oh Saddam geh raus von dort<br />
Herr Saddam, oh Depp<br />
Geh raus von dort, geh raus von dort<br />
Das ist nicht Iran-American, geh raus von dort</p></blockquote>
<p>In religiös-jüdischen Kreisen erschienen Cartoons, in denen Saddam mit dem bösen <a href=" http://de.wikipedia.org/wiki/Haman" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Haman</a> verglichen wurde.<br />
Im Radio war auch besonders oft die alte Schnulze <em>&#8220;Sugar Bush I love you so&#8221;</em> zu hören, zu Ehren des damaligen amerikanischen Präsidenten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/George_H._W._Bush" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">George Bush senior</a>. Bis zu diesem Zeitpunkt war derselbe hierzulande als Israel wenig gewogen empfunden worden. Nun änderte sich die Einschätzung schlagartig: Bush wurde als Schützer Israels gepriesen und das obengenannte Lied zur Lobeshymne für ihn umfunktioniert. </p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/dY74QHDhj50?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/dY74QHDhj50?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<h4>Alltag in abnormalen Zeiten</h4>
<p>In Bnei-Brak wurden, wie bereits erwähnt, in diesem Zeitraum die sonst üblichen Sirenen zur Verkündung des Eingangs des Schabbat nicht betätigt, damit die Leute nur ja nicht unnötig in Panik gerieten. Aus demselben Grund unterblieb nach den ersten paar Alarmen die Betätigung des gleichbleibenden Sirenentons zur Entwarnung. </p>
<p>Manche Leute, vornehmlich Frauen, waren so hysterisch, dass sie nicht einmal piepende Armbanduhren, pfeifende Kinderspielzeuge und alles, was sich nur im Entferntesten wie eine Sirene anhörte, hören wollten. Selbst das Geräusch eines fahrenden Autobusses in gewisser Entfernung erweckte unangenehme Assoziationen.</p>
<p>Andere Leute waren da mutiger (oder dümmer?). Viele unterließen das Anlegen von Gasmasken: einige besonders Religiöse aus Gottvertrauen; einige, weil sie überzeugt waren, dass sie im Ernstfall eh nichts nutzen.<br />
Mit fortschreitendem Krieg – das muss ich hier festhalten – wurde meine Reizschwelle offenbar immer höher. Zum Schluss wachte ich in der Nacht von den Sirenen gar nicht mehr auf und legte auch keine Gasmaske mehr an. Irgendwie stumpft man ab und wird gleichgültig, und das ist in gewisser Beziehung ja auch gut so.<br />
Mit Ausbruch des Krieges blieben alle Erziehungseinrichtungen – Schulen und Kindergärten – zunächst einmal geschlossen. Dann wurde verfügt, dass der Betrieb wieder aufzunehmen sei, nur müsse jedes Kind seine Gasmaske mitbringen (und überhaupt sollte jedermann, der aus dem Haus ging, seine Maske überallhin mitnehmen). Und um den Kindern im Notfall beim Anlegen der Gasmasken zu helfen – was ja bei zwei Kindergärtnerinnen nicht schnell genug geht –, mussten 1 – 2 Mütter als Freiwillige im Kindergarten anwesend sein. Einige Male erfüllte ich selbst diese Aufgabe, weil ich ja damals noch nicht arbeiten ging. Ich begleitete also Tamar, die stolz ihre mit buntem Papier beklebte Schachtel mit der Gasmaske trug; Dina, die damals noch nicht in den Kindergarten ging, kam auch mit (mit ihrer Kapuze), und natürlich auch Motti, dessen Zelt ich ebenfalls mitschleppte. Alle Schachteln mit den Masken der Kinder kamen in eine eigens dafür eingerichtete Ecke, und der gewohnte Kindergarten-Alltag nahm seinen Lauf. Tagsüber hatte es ja bisher keine Angriffe gegeben.</p>
<h4>Ein Heidenschreck!</h4>
<p>An einem Freitag holte ich Tamar aus dem Kindergarten ab. Dina und Motti waren bei Schmuel zu Hause geblieben. Ich selbst hatte meine Maske nicht dabei. Zusammen mit Tamar ging ich dann Schoschi, eine ältere Dame und Verwandte meiner Schwiegermutter, besuchen. Das Wetter war nicht besonders, es sah aus, als wolle es regnen.<br />
Wir machten es uns auf dem Sofa gemütlich und begannen, wie gewohnt, über dieses und jenes zu plaudern. Da blitzte und krachte es plötzlich so heftig, dass die hölzernen Rollläden beinahe zerbarsten. Im selben Moment begann eine Sirene zu jaulen, mitten hinein in die jäh entstandene Totenstille. Du liebe Güte, war das ein Schreck! Sofort nestelte ich an Tamars Gasmaske herum und setzte sie ihr auf. Was wird jetzt mit mir, was wird aus Schoschi, die überhaupt keine Maske hat? Aber da hieß es im Radio schon: <em>&#8220;Es handelt sich um einen Blitzschlag, das ist kein Raketenangriff&#8221;</em>. Ich wiederhole: <em>&#8220;Das ist kein Raketenangriff!&#8221;</em><br />
Nachher bin ich mit noch leicht zitternden Knien mit meiner kleinen Tochter nach Hause geschlichen.</p>
<h4>Das Purimwunder</h4>
<p>Und dann war dieser eigenartige Krieg plötzlich zu Ende, passenderweise genau zu Purim. Ich erinnere mich noch an Leute, die jetzt spaßeshalber, quasi als Purim-Verkleidung, mit aufgesetzten Gasmasken herumzogen und lachten. Manche hatten die Masken bemalt oder mit Micky-Maus-Ohren und anderen Accessoires verziert.<br />
Nach israelischen Angaben betrugen die Verluste unter der Bevölkerung insgesamt 74 Zivilisten. Davon starben zwei Personen direkt, vier indirekt durch Erstickung aufgrund von Gasmasken und die Restlichen durch Herzinfarkte.</p>
<p class="tipp">Jetzt zählen wir das Jahr 2012 und wieder wehen im Nahen Osten Kriegswinde. Man hat hier auch wieder Gasmasken an die Bevölkerung verteilt. Ich habe sie inzwischen in der Rumpelkammer verstaut und hoffe stark, dass sie auch in Hinkunft dort verbleiben. Amen!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Bild der Woche &#8211; Chanukka und ein abgeschlagener Kopf</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 09:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[buchkunst]]></category>
		<category><![CDATA[chanukka]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Judit und Holofernes mit Chanukka zu tun haben Übermorgen, am Dienstag, dem 20. Dezember, ist der 24./25. Kislew und damit Erev Chanukka. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass das achttägige Chanukkafest an die Wiedereinweihung des Altars im Jerusalemer Tempel durch Judas Makkabäus 164 v.d.Z. erinnert, nachdem der seleukidische (hellenistisch-griechische) König Antiochus Epiphanes vier Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was Judit und Holofernes mit Chanukka zu tun haben</h3>
<p>Übermorgen, am Dienstag, dem 20. Dezember, ist der 24./25. Kislew und damit Erev Chanukka. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass das achttägige Chanukkafest an die Wiedereinweihung des Altars im  Jerusalemer Tempel durch Judas Makkabäus 164 v.d.Z. erinnert, nachdem der seleukidische (hellenistisch-griechische) König Antiochus Epiphanes vier Jahre zuvor den Tempel entweiht hatte.  So lesen wir im ersten Buch der Makkabäer 4,52-59, das sich übrigens – und das mag erstaunen – wie auch das zweite Buch der Makkabäer nicht in der hebräischen Bibel befindet! </p>
<p>Im Traktat Schabbat 21b des babylonischen Talmud werden die acht Tage mit einer Legende begründet, dass nämlich das wenige vorhandene Öl nicht ausreichte, um die Flammen des Leuchters acht Tage zu nähren, und nur ein einziges Krüglein Öl tatsächlich den Leuchter acht Tage lang speisen konnte, bis wieder neues &#8220;koscheres&#8221; (rituell taugliches) Öl zur Verfügung stand: </p>
<blockquote><p>Ein großes Wunder geschah dort!</p></blockquote>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[181211]" title="Chanukkaillustration: Birkat ha-mazon, Wien 1751"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/juditHolofernesGRR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/juditHolofernesGRR.jpg" width="550" height="628" alt="Chanukkaillustration: Birkat ha-mazon, Wien 1751" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Judit mit dem abgeschlagenen Kopf des Holofernes. Illustration zu Chanukka im Birkat ha-mazon von Meschullam Simmel, Wien 1751.<br />
Das Büchlein ist übrigens gerade mal 8.4cm x 10.4cm groß und in unserer Dauerausstellung zu besichtigen!</p>
<p>Wir  befassen uns heute ein wenig mit den &#8220;Birkat-ha-mazon&#8221;-Büchlein, einer Sammlung von &#8211; vor allem ab dem 18. Jahrhundert &#8211; meist eher textknappen Segenssprüchen zu den verschiedensten Situationen des Alltags samt den dazugehörigen Illustrationen, die in keinem jüdischen Haushalt fehlen durften. Der älteste und nur in einem einzigen Exemplar erhaltene Druck eines solchen Büchleins wurde im Jahr 1514 in Prag herausgebracht. Einheitlich in allen Handschriften finden wir am Beginn die Segenssprüche zu den beiden Freudenfesten Purim und Chanukka, wobei insbesondere eine Bildrezension zu Chanukka nicht ganz leicht zu überblicken ist. Denn in vielen Birkat-ha-mazon-Handschriften und -Drucken ist der Chanukkatext nicht nur mit einem Leuchter illustriert, den der in zeitgenössische Tracht gekleidete Hausherr entzündet, sondern es findet sich noch zusätzlich die Darstellung von Judit, die dem schlafenden Feldherrn Holofernes den Kopf abschneidet und diesen in einen von ihrer Dienerin bereitgestellten Sack gibt. </p>
<p>Die Geschichte von Judit und Holofernes lesen wir übrigens im Buch Judit, das sich – wiederum erstaunlich – so wie die beiden Makkabäerbücher ebenfalls nicht in der hebräischen Bibel findet:</p>
<blockquote><p>Dann ging sie zum Bettpfosten am Kopf des Holofernes und nahm von dort sein Schwert herab. Sie ging ganz nahe zu seinem Lager hin, ergriff sein Haar und sagte: Mach mich stark, Herr, du Gott Israels, am heutigen Tag! Und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft auf seinen Nacken und hieb ihm den Kopf ab. Dann wälzte sie seinen Rumpf von dem Lager und riss das Mückennetz von den Tragstangen herunter. Kurz danach ging sie hinaus und übergab den Kopf des Holofernes ihrer Dienerin, die ihn in einen Sack steckte &#8230;</p></blockquote>
<p><cite>Judit, 13, 6-10</cite></p>
<p>Ein Chanukka-<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pijjut" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Pijjut</a>, also eine religiöse Dichtung zum Fest, erklärt die Verbindung der Judith-Holofernesgeschichte mit jener von Chanukka:<br />
Demnach verbot König Antiochus Epiphanes nicht nur die Ausübung der jüdischen Religion, sondern bestimmte als weitere judenfeindliche Maßnahme, dass dem Oberkommandanten das &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ius_primae_noctis" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">ius primae noctis</a>&#8221; zustehe. Als dieses aber bei der Tochter des Hohepriesters Jochanan zur Anwendung kommen sollte, töteten ihre Brüder mit Judas Makkabäus an der Spitze den feindlichen Feldherrn. Daraufhin zog Holofernes aus Rache gegen Jerusalem und wurde dort von der tapferen Judit getötet. </p>
<p>Daher findet man diese Darstellung vor allem in jenen Birkat-ha-mazon-Handschriften, die für weibliche Besitzer bestimmt waren, um auf die tapferen Frauen Israels hinzuweisen &#8230;</p>
<p>Bleibt noch anzumerken, dass der Chanukkabrauch, gesalzene Käsegerichte zu essen, auf dieses Ereignis zurückgeht: Angeblich setzte Judit dem Holofernes gesalzenen Käse vor und nachdem dieser seinen großen Durst mit vielen Bechern Wein gelöscht hatte und betrunken eingeschlafen war, konnte sie ihm den Kopf abschlagen.</p>
<p class="centered"><strong>Aber nicht mit dem Klassiker &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maos_Zur" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Maos Zur</a>&#8220;, einem Pijjut aus dem 13. Jahrhundert, sondern mit einem sehr modernen rockigen Adam Sandler wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest &#8211; <span lang="en" xml:lang="en">Happy</span> Chanukka &#8211; חג אורים שמח<br />
und außerdem unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und allen einen guten Start ins Neue Jahr!</strong></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/EeC8nTYEwQQ?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/EeC8nTYEwQQ?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die beiden ausgezeichneten Beiträge zu Chanukka, in denen Sie mehr über Geschichte und Bräuche des Festes erfahren: <a href="http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.879.html" title="Externer Link zu 'j-zeit.de...'">&#8220;Nicht durch Macht und nicht durch Stärke &#8230;&#8221;</a> von Hartmut Bomhoff sowie <a href="http://www.david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/71-keil.htm" title="Externer Link zu 'david.juden.at...'">&#8220;Chanukka – ein Fest des Kulturtransfers&#8221;</a> von Martha Keil. </em> </p>
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		</item>
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		<title>Verzettelt in Jerusalem</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/12/12/verzettelt-in-jerusalem/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 09:22:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[jerusalem]]></category>
		<category><![CDATA[jüdisch-christlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist ein Ritual, an dem sich Israel-Reisende verschiedenster Couleur (Prominenz, von Barack Obama bis Benedikt XVI., inklusive) erfreuen: das Schreiben von Gebets-Notizen (jidd. Kwittel), die anschließend in den Ritzen der Jerusalemer Westmauer (hebr. HaKotel HaMa&#8217;arawi; eher problematisch ist das deutsche &#8220;Klagemauer&#8221;) deponiert werden. Wer möchte, kann selber ein &#8220;Kvittelchen&#8221; in die Ritzen der Klagemauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein Ritual, an dem sich Israel-Reisende verschiedenster Couleur (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Placing_notes_in_the_Western_Wall#Notable_persons_who_have_placed_notes_in_the_Wall" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Prominenz</a>, von Barack Obama bis Benedikt XVI., inklusive) erfreuen: das Schreiben von Gebets-Notizen (jidd. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kvitel" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Kwittel</a>), die anschließend in den Ritzen der Jerusalemer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Western_Wall" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Westmauer</a> (hebr. HaKotel HaMa&#8217;arawi; eher problematisch ist das deutsche &#8220;Klagemauer&#8221;) deponiert werden.</p>
<blockquote><p>Wer möchte, kann selber ein &#8220;Kvittelchen&#8221; in die Ritzen der Klagemauer stecken, </p></blockquote>
<p>schlägt etwa der Israel-Baedeker Jerusalem-Besuchern vor (dagegen &#8211; das ist wohl warnend an die Adresse christlicher PilgerInnen  gesagt &#8211; sei etwa das <em>&#8220;Anzünden von Kerzen eher unpassend&#8221;</em> &#8230;;)).<br />
Im Hintergrund steht dabei, grob gesprochen, die (in der jüdischen Traditionsliteratur gut belegte) Idee der vorzüglichen Heiligkeit des Ortes, von dem die Gegenwart Gottes auch nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels nicht gewichen sei.</p>
<p><em>(Zur Heiligkeit und den Ritualen rund um die Westmauer <abbr>vgl.</abbr> ausführlich <abbr>R.</abbr> Mordechai Ha&#8217;cohen: Sanctity, Law and Customs. In: Meir Ben-Dov <abbr>u.a.</abbr>: The Western Wall (HaKotel). Jerusalem 1987. S. 79-97; außerdem <a href="http://books.google.at/books?id=lo4f3iCjizgC&#038;printsec=frontcover&#038;dq=max+k%C3%BCchler+jerusalem&#038;hl=de&#038;ei=dlDiTqimLpDsOcCZgLIE&#038;sa=X&#038;oi=book_result&#038;ct=result&#038;resnum=1&#038;ved=0CDQQ6AEwAA#v=onepage&#038;q=max%20k%C3%BCchler%20jerusalem&#038;f=false" title="Externer Link zu 'books.google.at...'">Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt</a>. Göttingen 2007. <abbr>bes. S.</abbr> 154ff., 168ff.)</em></p>
<div id="mittig2e">
<ul id="bildchen2">
<li><a rel="lightbox[121211]" title="Die Jerusalemer Westmauer ..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel01.jpg" width="250" height="167" alt="Die Jerusalemer Westmauer ..." /></a><br />
Die Jerusalemer Westmauer ..</li>
<li><a rel="lightbox[121211]" title="...samt Kwittelach" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel02.jpg" width="250" height="167" alt="...samt Kwittelach" /></a><br />
&#8230;samt Kwittelach</li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Das Kwittel-Ritual scheint nun so reizvoll zu sein, dass auch christliche PilgerInnen es für sich bzw. ihre heiligen Stätten adaptiert haben. Geschätzte 500 Meter Luftlinie von der Westmauer entfernt nämlich, in der Grabeskirche, werden ebenfalls eifrig Zettel beschrieben, gefaltet und in Ritzen gesteckt &#8211; analoge Frömmigkeitspraxis, andere Religion.<br />
Hier, wo Christinnen und Christen Hinrichtungsstätte und Grab des Jesus von Nazareth verehren, haben also ebenfalls die Gebetszettelchen Einzug gehalten &#8211; und werden in die Ritzen der Grabkapelle geschoben; deren Altersschwäche <abbr>bzw.</abbr> die entsprechenden baulichen Auflösungserscheinungen machen&#8217;s möglich&#8230; </p>
<div id="mittig2d">
<ul id="bildchen3">
<li><a rel="lightbox[121211]" title="Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche ... " href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel04.jpg" width="250" height="375" alt="Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche ... " /></a><br />
Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche &#8230;<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Jerusalem_Holy_Sepulchre_BW_7.JPG&#038;filetimestamp=20090111190206" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[121211]" title="...mit den einschlägigen Zettelchen" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel03.jpg" width="250" height="167" alt="...mit den einschlägigen Zettelchen" /></a><br />
&#8230;mit den einschlägigen Zettelchen</li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Ob hier nun tatsächlich eine Art interreligiöser Ritual-Import vorliegt (oder eher eine althergebrachte Analogie in der religiösen Praxis)? Man weiß es nicht. Freund Baedeker jedenfalls kennt/empfiehlt ein derartiges Ritual (noch?) nicht&#8230; ;)</p>
<p>Was wir aber jedenfalls wissen: Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst eine Nachricht an der Westmauer zu hinterlassen, muss nicht auf den nächsten Israel-Besuch warten – <a href="http://twitter.com/TheKotel" title="Externer Link zu 'twitter.com...'">Twitter</a> sei Dank lassen sich Gebete auch online an die Westmauer adressieren, die dann in ausgedruckter Form ebendort deponiert werden; mehr Infos bei &#8220;<a href="http://www.tweetyourprayers.info/" title="Externer Link zu 'tweetyourprayers.info'">Tweet your prayers</a>&#8220;. </p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Genisa-Grab am Zentralfriedhof Wien</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/11/20/bild-der-woche-genisa-grab-am-zentralfriedhof-wien/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 08:50:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=877</guid>
		<description><![CDATA[Tor IV (eigentlich &#8220;Tor V&#8221;) des Wiener Zentralfriedhofs: Die mehr als 250.000m2 große Fläche wurde 1911 erworben, nachdem die jüdische Abteilung am 1. Tor zu klein geworden war, und mehrfach erweitert. Am 4. April 1917 offiziell eröffnet, spiegelt [dieser Friedhof] die Zeitgeschichte anschaulich wider: Grabreihen Exhumierter vom Währinger Israelitischen Friedhof, Urnengräber, die die Asche KZ-Ermordeter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tor IV (eigentlich &#8220;Tor V&#8221;) des Wiener Zentralfriedhofs: Die mehr als 250.000m<sup>2</sup> große Fläche wurde 1911 erworben, nachdem die jüdische Abteilung am 1. Tor zu klein geworden war, und mehrfach erweitert. Am 4. April 1917 offiziell eröffnet, </p>
<blockquote><p>spiegelt [dieser Friedhof] die Zeitgeschichte anschaulich wider: Grabreihen Exhumierter vom Währinger Israelitischen Friedhof, Urnengräber, die die Asche KZ-Ermordeter bergen [...] ein Denkmal für die kurz vor der Befreiung Ermordeten der <a href="http://www.nachkriegsjustiz.at/vgew/1020_foerstergasse.php" title="Externer Link zu 'nachkriegsjustiz.at...'">Förstergasse</a>, Massengräber ungarischer Juden, Grabstellen unbekannter sowjetischer jüdischer Soldaten
</p></blockquote>
<p><cite>Steines P., Hunderttausend Steine, Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof Tor I und IV, Wien 1993, 266</cite> </p>
<p>Unter den mehr als 60.000 Bestatteten finden wir viele prominente Namen wie den des Rabbiners und Politikers <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/08/24/der-reichsrats-rabbiner/" title="Interner Link zum Artikel 'Der Reichsratsrabbiner'">Josef Samuel Bloch</a>, des vormaligen und ersten Oberrabbiners von Wien nach 1945, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Akiba_Eisenberg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Akiva Eisenberg</a>, des Operettenkomponisten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Fall" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Leo Fall</a>, des legendären Fußballtrainers <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/11/21/bild-der-woche-hugo-meisl/" title="Interner Link zum Artikel 'Hugo Meisl'">Hugo Meisl</a> (dessen Nachlass nun doch, übrigens seit <a href="http://derstandard.at/1319183146008/Hugo-Meisl-im-Museum-Back-Home-oben-am-und-jedenfalls-im-Ceske-Srdce" title="Externer Link zu 'derstandard.at...'">vorgestern</a> (!), eine neue Bleibe finden konnte) oder des Bibliothekars der Israelitischen Kultusgemeinde, <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/01/27/der-aeltere-juedische-friedhof-in-eisenstadt/" title="Interner Link zum Beitrag 'Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt'">Bernhard Wachstein</a> (dem wir die Bearbeitung des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt verdanken) &#8230;</p>
<p>Ein besonderes Grab finden wir aber auch gleich links neben dem Eingang <abbr>bzw.</abbr> links von der Zeremonienhalle. Hier wurden nämlich am 14. Juni 1987 in der sogenannten Reichskristallnacht 1938 entweihte Torarollen und Gebetbücher beigesetzt. </p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191111]" title="Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa01.jpg" width="550" height="367" alt="Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV, gleich links neben dem Eingang und der Zeremonienhalle</p>
<p>Das Grab ist ein sogenanntes Genisa-Grab. &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geniza" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Genisa</a>&#8221; (oft &#8220;Geniza&#8221; geschrieben!) bedeutet wörtlich &#8220;Schatzkammer&#8221; und könnte als &#8220;liturgisches Archiv&#8221; bezeichnet werden. Als &#8220;Genisa&#8221; werden sowohl die Räume bezeichnet, in denen nicht mehr verwendbare liturgische Schriften abgelegt, als aber auch die Gräber, in denen diese bestattet werden. (Siehe etwa das <a href="http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20223/Wuerzburg%20Friedhof%201403.jpg" title="Externer Link zu 'alemannia-judaica.de...'">Genisa-Grab am jüdischen Friedhof in Würzburg</a>, das sich dort auch unmittelbar neben dem Friedhofseingang befindet).</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191111]" title="Inschrift auf Hebräisch und Deutsch"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa02.jpg" width="550" height="367" alt="Inschrift auf Hebräisch und Deutsch" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Die hebräische Inschrift gibt erst einen <a href="http://ojm.at/kinot" title="Externer Link zu 'books.google.at...'">Abschnitt aus den Klageliedern zum Tischa be-Av</a> (Trauertag 9. Av) wieder (<em>&#8220;Ich schreie in der Qual meines Herzens und ergehe mich in Klagen&#8221;</em> &#8230;), danach folgt der Text, der auch auf Deutsch zu finden ist (im Hebräischen allerdings nicht &#8220;Kristallnacht&#8221;, sondern &#8220;Epoche der Shoa&#8221;):</p>
<blockquote><p>Hier wurden am 17. Siwan 5747 (14. 6. 1987) Reste von Torahrollen begraben, die in der &#8220;Kristallnacht&#8221; des Jahres 1938 von Nazihorden entweiht, zerrissen und verbrannt wurden<br />
Chewra Kadischa Wien, Juni 1987
</p></blockquote>
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</div>
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</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine Fahrt im Autobus 402 von Bnei-Brak nach Jerusalem</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/20/eine-fahrt-im-autobus-402-von-bnei-brak-nach-jerusalem/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/20/eine-fahrt-im-autobus-402-von-bnei-brak-nach-jerusalem/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 08:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[jerusalem]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=858</guid>
		<description><![CDATA[Claudia/Chaya-Bathya, unsere ständige Gastautorin und Korrespondentin aus Bnei Brak, Israel, nimmt uns in ihrem heutigen Beitrag mit auf eine Busfahrt von Bnei Brak nach Jerusalem – und erklärt dabei Eigenheiten des israelischen Alltags, die so manchem Israel-Urlauber bekannt vorkommen bzw. für künftige Israel-Reisen wissenswert sein könnten. Überdies hat ihr Beitrag einen aktuellen tagespolitischen Nebenaspekt: der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Claudia/Chaya-Bathya, unsere ständige Gastautorin und Korrespondentin aus Bnei Brak, Israel, nimmt uns in ihrem heutigen Beitrag mit auf eine Busfahrt von Bnei Brak nach Jerusalem – und erklärt dabei Eigenheiten des israelischen Alltags, die so manchem Israel-Urlauber bekannt vorkommen bzw. für künftige Israel-Reisen wissenswert sein könnten.<br />
Überdies hat ihr Beitrag einen aktuellen tagespolitischen Nebenaspekt: der Attentäter, der 1989 den im Beitrag angesprochenen Anschlag auf Bus Nr. 405 (Linie Tel Aviv–Jerusalem) verübte, ist nach israelischen <a href="http://www.haaretz.com/print-edition/news/in-shalit-deal-israel-crossed-its-own-red-lines-1.389782" title="Externer Link zu 'haaretz.com...'">Pressemeldungen</a> einer jener palästinensischen Häftlinge, die im Austausch gegen den entführten Soldaten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gilad_Schalit" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Gilad Schalit</a> freigekommen sind (siehe die Liste der freigelassenen Gefangenen auf <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Palestinian_and_Israeli-Arab_prisoners_exchanged_for_Gilad_Shalit" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Wikpedia</a>).</em></p>
<p>Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Im Folgenden möchte ich meine Eindrücke von meiner Reise von Bnei-Brak nach Jerusalem am 29. Juni 2011 wiedergeben. An diesem Tag muss ich arbeitsbedingt nach Jerusalem fahren, und das freut mich sehr, denn ich liebe Autobusfahrten über alles. Etwa 70 km sind es von hier nach Jerusalem. Die Fahrt dauert ca. eineinhalb Stunden.</p>
<p>Ich steige beinahe an der ersten Haltestelle zu, die liegt fast vor unserem Haus. Zu diesem Zeitpunkt ist der Bus noch leer. Das wird sich aber sehr schnell ändern.</p>
<p>Die Autobusroute in der engen und überfüllten Stadt Bnei-Brak windet sich wie Darmschlingen. Die Fahrt in Bnei-Brak allein nimmt fast ein Drittel der gesamten Fahrzeit in Anspruch! (Über Bnei-Brak könnte man Romane schreiben, und wer weiß, ob ich das nicht noch einmal tun werde.) Wie wäre es denn mit der Errichtung einer zentralen Autobushaltestelle für Überlandfahrten, so wie es sie in allen anderen Städten gibt? Jaja, ich weiß: darüber wird hier schon lange Jahre geredet. Geschehen ist nichts. Und so ziemlich alle Stellen, wo man eine solche hätte errichten können, sind inzwischen verbaut.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Expressbus 402" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/bus402GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/bus402.jpg" width="300" height="253" alt="Expressbus 402" /></a></p>
</div>
<p>Der Autobus füllt sich langsam. Der 402er ist übrigens ein sogenannter <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mehadrin_bus_lines" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Mehadrin-Bus</a>, d. h. hier sitzt man nach Geschlechtern getrennt: Männlein vorne, Weiblein hinten. Nicht alle, auch nicht alle orthodoxen Juden, sind von dieser Einrichtung erbaut. Das Schlimmste sind selbsternannte Ordnungshüter, die ein jegliches weibliches Wesen, selbst wenn es ihre Oma sein könnte, grob anfahren oder gar handgreiflich werden (wie absurd!), wenn dieses im Männerteil Platz genommen hat. Solche Vigilanten sind aber eine eher seltene Erscheinung, zumindest hier in Bnei-Brak. Frauen beklagen sich eher über die Sitzordnung selbst, weil ihnen das Schaukeln im hinteren Teil des Busses nicht wohl bekommt. Sie sagen aber nichts. Wer partout keinen Mehadrin-Bus will, kann von Bnei-Brak auch mit dem Autobus Nr. 400 nach Jerusalem fahren. Der ist &#8220;gemischt&#8221;.</p>
<p>Ich selber sitze sehr gerne hinten, weil es da am meisten hüpft und schaukelt. (In diesem Leben werde ich wohl nie erwachsen.) Außerdem sitze ich liebend gerne am Fenster und sauge die vorüberziehenden Bilder förmlich in mich auf. Wenn ich doch nur eine Kamera bei mir hätte!</p>
<p>Interessiert beobachte ich die umständlichen Reisevorbereitungen mancher männlichen Fahrgäste: Rock bzw. Kaftan ausziehen, fein säuberlich zusammenlegen und ins Gepäckfach unter der Decke des Busses schieben. Der Hut folgt. Der eine tut das rasch und entschlossen, der andere hingegen mit Bedacht. Hie und da wird noch ein Talmudfoliant aus irgendeiner Tasche gezogen, und dann macht man sich&#8217;s auf dem gepolsterten Sitz bequem. Fertig! Andere laben sich an mehr irdischen Genüssen. Raschelnde Papiersackerl mit Gebäck und Süßigkeiten, ein krachender Biss in einen saftigen Apfel.</p>
<p>Neben mir nimmt eine ältere Dame Platz. Das große Plastiksackerl, das sie schleppt, stellt sie zwischen ihre Beine. Drinnen sind, soweit erkennbar, zahlreiche weitere Sackerl. Meine Sitznachbarin ist recht kommunikativ, zeitweise für meinen Geschmack ZU kommunikativ. Sie redet Hebräisch durchmischt mit Jiddisch und einer weiteren Sprache, die ich nicht zu identifizieren vermag. Vielleicht eine kaukasische Sprache? Ab und zu zieht sie eine Eineinhalb-Liter-Cola-Flasche – gut eingehüllt in weiteres Plastiksackerl – aus dem großen Sackerl und nimmt einen Zug.</p>
<p>Bei der Ausfahrt aus der Stadt auf die &#8220;Geha&#8221;-Autobahn fährt der Bus auf einem holprigen Fahrweg mit wenig Asphalt, aber umso mehr Schlaglöchern (skandalös ist das!) an einem heruntergekommen, verwahrlosten Einfamilienhaus vorbei. Über dem Eingang hängt ein Schild: Hachnasat Orchim schel Awraham Awinu, also Gastfreundschaft des Erzvaters Abraham. Und dem guten Vorbild des Letzteren folgt auch der Hausherr: &#8220;Hier kann man kostenlos essen und trinken&#8221;, verheißt ein handbeschriebenes Pappschild an einem der Fenster. Ich hoffe nur, den Gästen kracht die Bruchbude nicht über dem Kopf zusammen.</p>
<p>Heute gibt es, wie sich herausstellt, im Bus auch ein &#8220;Unterhaltungsprogramm&#8221;: Eine ältere Dame teilt an die Frauen und Mädchen Heftchen zum Tehillim[Psalmen]-Sagen aus. Ich lehne dankend ab, weil ich es vorziehe, die schöne Aussicht zu genießen. Bei den Männern teilt ein Chassid Zettel aus – <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Daf_Yomi" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Daf Hajomi</a> [das tägliche Blatt Talmud] vermute ich, genau weiß ich&#8217;s aber nicht, weil ich ja in der &#8220;Frauenabteilung&#8221; sitze. </p>
<p>Plötzlich ein durchdringendes Pfeifen und Knacken! Aus dem Bordlautsprecher ertönt eine Stimme. Der Sprecher – es ist der genannte Chassid – bedankt sich in jovialem Ton beim Fahrer für die Überlassung des Mikrophons und fängt an, einen rabbinischen Vortrag zu halten. Worüber genau, habe ich nicht mitgekriegt.</p>
<p>Die Dame neben mir raunzt und nörgelt in einer Tour vor sich hin. Sie möchte ihre Ruhe haben und ist von der akustischen &#8220;Zwangsbeglückung&#8221; alles andere als entzückt. Die anderen Fahrgäste scheinen teils dasselbe zu denken, reagieren aber nicht. Sie möchten wohl den Tora-Vortrag nicht stören. Die Frauen sind mit Tehillim-Sagen, mit Unterhaltung oder Handy-Gesprächen beschäftigt, einige Männer – so ich sie von meinem Platz aus sehen kann – ebenfalls. Auch der junge Jemenite, der wegen akuten Platzmangels auf den Stufen vor dem Ausgang Platz genommen hat, zieht offenbar sein Handy dem Talmud vor. </p>
<p>Der Vortragende schließt endlich mit einer längeren Serie von Berachot [Segenssprüchen], nicht ohne mindestens fünfmal den heutigen Rettungstag des &#8220;Kaliver Rebben <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Menachem_Mendel_Taub" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'"><em>schlite</em></a>&#8221; [schlita = שליט"א ist eine hebräische Abkürzung mit der Bedeutung: er lebe lange und gute Jahre, Amen!] zu erwähnen. Der charakteristische Tonfall der Segenssprüche allein deutet den Zuhörern schon an, wann sie antworten sollen: Ooo-mejn! [Amen]</p>
<p>Der selbsternannte Entertainer, recte Schiur[Lektion]-Sager, übergibt nun das Mikrophon an einen Rosch Jeschiwe [Haupt einer Jeschiwa]. Der nuschelt halblaut etwas vor sich hin, von dem ich kein einziges Wort verstehe. Und ich bin nicht die Einzige.</p>
<p>Dann wird das Wort einem jüngeren Mann erteilt, der einen Sijum [Abschlußsseier] auf den ganzen Schass [Talmud] feiert, wie der Redner nicht vergisst zu betonen. Der Mann hat also den ganzen Talmud, gewöhnlich in 20 großen Folianten gedruckt, vollständig durchgelernt. Alle Achtung! Dieser Mann spricht laut und klar und fasst sich kurz.</p>
<p>Und ich? Ich habe nur Augen für die wunderbare Aussicht. Das satte Frühlings-Grün hat einem überwiegend gelbbraunen Farbton Platz gemacht. Reife Ähren stehen auf den Äckern, andere Felder sind schon abgemäht. Nur ein paar Strohballen sind übriggeblieben. Auch grüne Flecken gibt es noch: irgendwelches Gemüse und sonstige Blattpflanzen. Die werden bewässert. Ab und zu kugeln &#8220;Bluzer&#8221; von Wassermelonen und Kürbissen kunterbunt herum. Die müssen aber noch ein bisschen wachsen. Auch Obstbaum-Plantagen gibt es. Die weißen Würfel, die hie und da in kleinen Gruppen an Feldrändern platziert sind, sind Bienenkolonien. Übrigens habe ich im Verlauf der Fahrt festgestellt, dass man vermehrt Wein anbaut. Man trägt also dafür Sorge, dass die hiesige Bevölkerung noch &#8220;geist&#8221;-reicher wird.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Seven Seventy, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sevensGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sevens.jpg" width="250" height="188" alt="Seven Seventy, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:770_%D7%91%D7%9B%D7%A4%D7%A8_%D7%97%D7%91%22%D7%93.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Immer wieder sieht man auch verstreute Ortschaften. Die bestehen aus Einfamilienhäusern, viele liegen in herrlich grünen Gartenlandschaften. In einer dieser Siedlungen sticht ein Gebäude durch Höhe und Baustil hervor: es handelt sich um &#8220;Seven Seventy&#8221;, eine genaue Replik des Hauptquartiers der Lubavitscher Chassidim in Crown Heights, New York. Wir sind also schon in Kfar Chabad. In diesem Dorf leben, wie der Name impliziert, ausschließlich Lubavitscher Chassidim. Der zweite Teil des Ortes – hierbei handelt es sich in erster Linie um das große religiöse Mädchengymnasium &#8220;Bejt Rivka&#8221; mit angeschlossenem Internat – liegt übrigens auf der anderen Seite der Autobahn.</p>
<p>Den &#8220;Ben Gurion&#8221;-Flughafen sehe ich von meiner Seite aus nicht. Ich sitze bei der Hinfahrt nämlich rechts, weil auf der linken am Vormittag die Sonne hereinscheint. Ich hasse es, wenn man die Rollos runterzieht, weil ich dann die Aussicht nicht mehr genießen kann. Andererseits will ich aber natürlich auch nicht in der Sonne braten. Auf der Rückfahrt werde ich jedoch, wenn ich wieder auf der rechten Seite sitze, die startenden, landenden und parkenden Flugzeuge bewundern können.</p>
<p>Etliche Reisende sprechen jetzt das Tefillat ha-derech, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tefilat_HaDerech" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Reisegebet</a>. So auch ich.</p>
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<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Der sogenannte Khan bei der Einfahrt nach Scha'ar Hagaj, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/shharhagieGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/shharhagie.jpg" width="200" height="152" alt="Der sogenannte Khan bei der Einfahrt nach Scha'ar Hagaj, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Shharhagie.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Jetzt sind wir schon in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sha%27ar_HaGai" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Scha&#8217;ar Hagaj</a>, oder auf Arabisch: Bab El-Wad, das &#8220;Tor des Tales&#8221;, 23 km von Jerusalem! Von hier an geht es so richtig aufwärts. Aleppo-Kiefern, Sträucher, Kreidefelsen, Karst. Uff, ich kriege verlegte Ohren! Das passiert mir hier immer.</p>
<p>Der Ort ist landschaftlich wunderschön, aber auch ideal für einen Hinterhalt: die Straße verläuft in einem tiefen Einschnitt zwischen links und rechts aufragenden Felsen, die heute bewaldet sind.<br />
Im Unabhängigkeitskrieg 1948 fanden hier heftige Kämpfe zwischen der Arabischen Legion und israelischen Soldaten statt. Auf halbverwachsenen Pfaden kann man die in der Gegend verstreuten Grabsteine für die 119 gefallenen jüdischen Konvoi-Kämpfer erreichen. </p>
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<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Überreste der bei den Kämpfen ausgebrannten Panzerfahrzeuge, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/Shaar_hagai_armored_vehicle1GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/Shaar_hagai_armored_vehicle1.jpg" width="200" height="133" alt="Überreste der bei den Kämpfen ausgebrannten Panzerfahrzeuge, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Sha%27ar_hagai_armored_vehicle1.JPG" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Die Überreste der bei den Kämpfen ausgebrannten Panzerfahrzeuge, einst rostrot gestrichen und ebenfalls auf dem Gelände verstreut, sind jetzt khakifarben und an einem Platz konzentriert. Man hat auch einen Gedenkort eingerichtet. Schilder erzählen davon, was hier passiert ist. </p>
<p>Bei einer Ausfahrt in der Umgebung steht eine hohe Mobilfunk-Antenne, in die man Äste von Nadelbäumen gesteckt hat, um sie unauffälliger zu machen. Das ist aber nicht wirklich gelungen, der &#8220;Riesen-Besen&#8221; sieht vielmehr recht lächerlich aus.</p>
<p>Aus einer steil abfallenden Felswand vor der Har&#8217;el-Kreuzung wächst, halb hängend und eigenartig geformt, ein Feigenbaum. Verschwiegene Pfade führen ins Unterholz. Ach, wie hätte ich Lust, jetzt auszusteigen und zu wandern! Weit wandern, nur einfach so gehen. Irgendwohin, egal wohin. </p>
<p>Eine sehr schöne Aussicht gibt es bei dem arabischen Dorf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Abu_Gosch" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Abu Gosch</a>, bekannt vor allem für seine Restaurants, aber auch für musikalische Veranstaltungen. Jährlich zu Schawuot und Sukkot finden die &#8220;Abu Gosh Voice Festivals&#8221; statt, in der Auferstehungskirche sowie in der modernen Kirche &#8220;Notre Dame Arche D’Alliance&#8221; (Unsere Liebe Frau von der Bundeslade) finden zahlreiche weitere Konzerte statt. </p>
<p>Ganz in der Nähe liegt das Städtchen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kiryat_Ye%27arim" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Kirjat Je&#8217;arim</a>, umgangssprachlich &#8220;Tels-Stone&#8221; genannt. Es ist fast ausschließlich von orthodoxen Juden bewohnt und hat durch den Selbstmordanschlag auf den Autobus Nr. 405 (Tel Aviv–Jerusalem) traurige Berühmtheit erlangt. Am 6. Juli 1989 stürzte sich ein arabischer Fahrgast – ein Mitglied des &#8220;Islamischen Dschihad&#8221;, wie sich später herausstellte –  auf den Busfahrer, bemächtigte sich des Lenkrads und steuerte den Bus in den Abgrund. 16 Fahrgäste starben, 27 (darunter der Attentäter) wurden verletzt. Seitdem ist in israelischen Überlandbussen vor dem Fahrersitz eine Barriere installiert. Von den zumeist orthodoxen Freiwilligen, die mithalfen, die Verletzten und Leichen zu bergen, wurde später die Organisation <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/ZAKA" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">ZAKA</a> zur Identifizierung von Unfallopfern gegründet.</p>
<p>Ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kaddisch" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kaddisch</a> de-rabbanan [Gebet nach dem Torastudium] reißt mich aus meinen Gedanken. Die Tora-Lektionen sind beendet. Einige Männer erheben sich, setzen den Hut auf und antworten vorschriftsmäßig auf das Kaddisch-Gebet. Die meisten anderen entledigen sich sitzend ihrer Pflicht. So auch ich. Es ist hier absolut kein Platz zum Aufstehen.</p>
<p>Die Frau, die die Tehillim verteilt hat, sucht nun all ihre Heftchen wieder zusammen: &#8220;Entschuldigen Sie, haben Sie ihr Heft schon zurückgegeben?&#8221;</p>
<p>Und dann sind wir auch schon in Jerusalem. An der ersten Station steige ich aus. In etwa hundert Metern Entfernung ragt der Pfeiler der charakteristischen und weithin sichtbaren <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jerusalem_Chords_Bridge" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Hängebrücke</a> in den Himmel, auf der gerade eine Garnitur der neuerrichteten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fenbahn_Jerusalem" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Jerusalemer Straßenbahn</a> eine Probefahrt unternimmt. (Anmerkung: Inzwischen hat sie den regulären Betrieb aufgenommen.)</p>
<p>Ach, es ist doch immer schön, in Jerusalem zu sein! </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Sukkot 5772</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/12/sukkot-5772/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 07:43:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[sukkot]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute Abend beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot). Wir wünschen allen schöne Feiertage! &#8211; Happy Sukkot! חג שמח ומועדים לשמחה Ein Blick zurück in die Eisenstädter Judengasse am Beginn des 20. Jahrhunderts: Noch am selben Abend [Ausgang des Jom Kippur] wird zum Aufbau der Laubhütten geschritten, welche Arbeit hier freilich den Namen &#8220;Abbau&#8221; verdienen würde. In vielen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="centered"><strong>Heute Abend beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot). Wir wünschen allen schöne Feiertage! &#8211; Happy Sukkot!</strong></p>
<p class="centered"><span class="hebr" dir="rtl">חג שמח ומועדים לשמחה</span></p>
<p>Ein Blick zurück in die Eisenstädter Judengasse am Beginn des 20. Jahrhunderts:</p>
<blockquote><p>Noch am selben Abend [Ausgang des Jom Kippur] wird zum Aufbau der Laubhütten geschritten, welche Arbeit hier freilich den Namen &#8220;Abbau&#8221; verdienen würde. In vielen Häusern befinden sich nämlich noch &#8220;gebaute Szukko&#8217;s&#8221;, d.h. Wohngeschoße, deren Dach aufhebbar ist und die, nachdem ihre Decke mit Tannenreisig belegt worden, sieben Tage hindurch als Laubhütten dienen. Fast von jedem Hausboden sah man früher diese Dachflügel, wie zwei Riesenschwingen in die Höhe ragen, um sich vor jedem Regen, wie auf Kommando schließen. Unten aber regen sich hundert tätige Hände, die die Dekorationen der Festeshütten fertig stellen wollen. Nach buntem Papier, nach Gold- und Silberflitter, nach Nüssen, Kastanien, Blumen und leeren Kürbissen ist große Nachfrage: die Kinder sind die kleinen Künstler des Tages, die weitgewanderten Talmudjünger aber meist ihre Lehrmeister. – Das Szukkothfest [Laubhüttenfest] tritt ein: schöne Tage für die sorglose Jugend. Es ist die Zeit der Nüssespiele. In allen Ecken und Hofwinkeln siehst du Gruppen von Kindern, die sich mit &#8220;Droges&#8221; vergnügen, &#8211; ein Spiel, bei dem mit einer Nuss auf eine Nusspyramide von vier Nüssen geworfen wird, &#8211; oder es wird &#8220;Bechoreles&#8221; gespielt, wobei auf den am Anfang einer liegenden Nussreihe aufrechtstehenden &#8220;Bechor&#8221; (wörtlich &#8220;Erstgeborener&#8221;) geschoben wird. [...]</p>
<p>Hoschanna-rabbo (heuer am 19. Oktober) entbehrt hier fast ganz jenes sagenreichen, gespensterhaften Charakters, den dieser Tag im Osten besitzt: der Eisenstädter ist im allgemeinen für die Mystik nicht zugänglich. Man wacht zwar bis Mitternacht, aber kein Mensch denkt daran, aus dem Mondesschatten seine Zukunft zu lesen; abends werden die &#8220;Schaines&#8221; (Hoschano&#8217;s) [Sträußchen aus fünf Weidenzweigen] in der Szukko sorgsam direkt beim Lichte der Jomkippurkerze gebunden, &#8211; die alten Lulowblätter [Palmzweige] zum Binden werden im Tempel gratis verteilt, &#8211; aber wer gedenkt des schönen, alten Nationalfestes der &#8220;Wasserschöpfe&#8221;, dem die Wasserweide ihre Bedeutung verdankt? Man weiß soviel, dass dieser 10. Tag nach Jomkippur als allerletzter Sühntag in der Reihe der &#8220;furchtbaren Tage&#8221; gilt und dies gibt dem Gottesdienste einen feierlichen Anstrich: der Vorbeter betet im Kittel [Totenhemd] und man klopft nicht, sondern ruft &#8220;in Schul&#8221; – darin besteht sein ganzer Vorzug.</p></blockquote>
<h3>Schlussfeiertage</h3>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[121011]" title="Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot01.jpg" width="430" height="411" alt="Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934" /></a></p>
<p class="center">Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934<br />
<cite>Bild-&copy;: Burgenländisches Landesmuseum</cite></p>
</div>
<blockquote><p>Der Vormittag des Sch’mini Azereth [der erste Schlussfeiertag des Laubhüttenfestes, heuer der 20. Oktober] ist noch weniger fröhlicher Natur: Die Totenerinnerung, das &#8220;Maskir Neschomes&#8221; [Seelengedächtnis] und das mit den Allüren der hohen Feiertage belegte &#8220;Geschembenschen&#8221; (Gebet um Regen) stimmen ernst.[...]</p>
<p>Heute erweisen die Jünglinge selbst der Tora ihren Tribut, indem sie ebenso wie die Kinder mit ihren Papierfahnen, an den &#8220;Hakofoth&#8221; [Rundgängen mit den Torarollen in der Synagoge] unter fliegendem Banner, teilnehmen.<br />
Und doch hat die Jugend keine Tugend. Kaum ist es Nacht geworden, so wird der getreue Eckart, der Nachtwächter, unter irgendeinem Vorwande aus der Gasse entführt oder berauscht. Die geschlossenen Haustore öffnen sich, Kisten, Leitern, Bänke werden sichtbar, bald erheben sich mitten in der Gasse Barrikadenwälle, auf denen herabgeholte Firmentafeln, Auslagenschilder, Plakate prangen. Auch sonst spukt es in den Häusern: manch schöne Gänsebrust, Obst oder Gebäck hat sich anderen Tages an fremden Orten aufgefunden; an den Gassenfronten der Häuser aber erscheinen morgens geheimnisvolle Inschriften, zu deren Deutung es jedoch selten eines Daniels bedarf.</p></blockquote>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[121011]" title="Tortenabholen in Eisenstadt 1934"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot02.jpg" width="430" height="307" alt="Tortenabholen in Eisenstadt 1934" /></a></p>
<p class="center">Tortenabholen in Eisenstadt 1934<br />
<cite>Bild-&copy;: Burgenländisches Landesmuseum</cite></p>
</div>
<blockquote><p>Die größere Jugend hat inzwischen ihrer Pflicht, vor der Tora zu erscheinen, Genüge geleistet und versammelt sich nun in der Gasse. Die schon vorgestern gedungene Musikkapelle zieht an, der Rabbiner, als &#8220;Bräutigam der Tora&#8221; (so wird derjenige Honoratior benannt, mit dem das Verlesen der Bibel beendet wird) wird mit klingendem Spiel aus dem Tempel abgeholt und unter dem Trauhimmel nach Hause begleitet. Dann folgt die Kontribution. Alte Eisenstädter Sitte erheischt es, dass jede Familie, in der sich ein Bräutigam oder Braut, resp. ein dieses Jahr neuvermähltes Ehepaar befindet, den jungen Leuten am Szimchath-Thora (&#8220;Freudenfest der Tora&#8221;, heuer der 21. Oktober) eine Torte überreichte, &#8211; wohl als Lösegeld dafür, dass sie dem ledigen Stande Ade gesagt. Die Torten werden deputativ von jedem einzelnen abgeholt und mit Musiktusch begrüßt. Interessant aber ist es zu sehen, wie die ärmsten Klassen mit den reichsten wetteifern, je Geschmackvolleres, Besseres zu liefern. Die schönste Torte wird dem Rabbiner übermittelt, zu den übrigen versammelt sich nachmittags die Jugend in einem Saale. </p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:239px" data="http://www.youtube.com/v/5wcG5v2BFQU?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/5wcG5v2BFQU?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">Sukkot: <span lang="en" xml:lang="en">Back to Basics</span></p>
<p class="tipp">Zum Brauch mit den Nüssen usw. lesen Sie bitte unseren <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/bild-der-woche-versoehnungsstangerl/" title="Interner Link zum Beitrag vom 22.11.09">Beitrag über das &#8220;Versöhnungsstangerl&#8221;</a> und insbesondere auch den <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/bild-der-woche-versoehnungsstangerl/#comment-102" title="Inerner Link zum Kommentar von Yoav Sapir">2. Kommentar unseres Gastautors Yoav Sapir</a>!</p>
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		<item>
		<title>Bild der Woche &#8211; Jona</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/10/05/bild-der-woche-jona/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 09:23:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[buchkunst]]></category>
		<category><![CDATA[kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[In wenigen Tagen, am 10. Tag nach Rosch haSchana, also am 10. Tischre, heuer Schabbat, der 08. Oktober, ist Jom Kippur (Versöhnungstag). Meerwurf des Jona, Kennicot-Bibel, fol. 305r Am Versöhnungstag wird in der Synagoge das kleine Prophetenbuch Jona gelesen. Und zwar zum Mincha, das etwa in der Wiener Synagoge (Seitenstettengasse) um 18.10 Uhr gebetet wird. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In wenigen Tagen, am 10. Tag nach Rosch haSchana, also am 10. Tischre, heuer Schabbat, der 08. Oktober, ist Jom Kippur (Versöhnungstag). </strong></p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[051011]" title="Meerwurf des Jona, Kennicot-Bibel, fol. 305r"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kennicot01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kennicot01.jpg" width="550" height="507" alt="Meerwurf des Jona, Kennicot-Bibel, fol. 305r" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Meerwurf des Jona, Kennicot-Bibel, fol. 305r</p>
<p>Am Versöhnungstag wird in der Synagoge das kleine Prophetenbuch Jona gelesen. Und zwar zum Mincha, das etwa in der <a href="http://www.ikg-wien.at/?page_id=1508" title="Externer Link zu 'ikg-wien.at...'">Wiener Synagoge (Seitenstettengasse) um 18.10 Uhr</a> gebetet wird.</p>
<p>Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Jona ben Amittai? Als das Wort Gottes an ihn ergeht, nach Ninive zu gehen, versucht Jona an die Goldküste von Tarschisch zu fliehen. Jona möchte sich dem Auftrag Gottes entziehen, versteckt sich auf einem Schiff, das aber bald in schwere Turbulenzen gerät, woraufhin sich Jona schlafend stellt. Die Matrosen entdecken den blinden Passagier und der Kapitän, der in Jona den Schuldigen für den Sturm vermutet, stellt den sich schlafend Stellenden zur Rede. Dann warfen sie Jona ins Meer und das Meer hörte auf zu toben. Jona selbst aber wurde gerettet, denn der Herr schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang und ihn nach 3 Tagen ans Land spie. Gott sprach ein zweites Mal zu Jona und diesmal ging dieser nach Ninive, wie es ihm befohlen war &#8230;</p>
<p>Eine ausgesprochen bemerkenswerte Interpretation der &#8220;Antwort des Jona&#8221; an den Kapitän des Schiffes finden wir im gleichnamigen Buch von Schalom ben Chorin (Hamburg, 1966):</p>
<blockquote><p>Und nun tun der Kapitän und seine Gefolgschaft genau das, was die Völker in der fast zweitausendjährigen Diaspora-Geschichte Israels immer wieder taten, sie fragten den Juden auf seine Existenz hin:</p>
<p><strong>&#8220;Sage uns, warum geht es uns so übel? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volke bist du?&#8221;</strong> (Jona 1,8).</p>
<p>Sie fragen ihn als den Fremden, den Ur-Frenden, und sie fragen ihn sofort nach ihrem eigenen Unglück. Er, der Gefragte, soll ihnen sagen, warum es ihnen so übel ergeht? Er, der Fremde, muss den Schüssel für das Unglück der Völker haben &#8230;</p>
<p>Und nun erwacht Jona zur Erkenntnis der eigenen Existenz und gibt jene umfassende Antwort, in der Wesen und Sendung Israels in ihrer Doppelheit formuliert ist:</p>
<p><strong>&#8220;Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, welcher gemacht hat das Meer und das Trockene&#8221;</strong> (Jona 1,9)</p>
<p>Diese Antwort ist die <strong>ganze</strong> Antwort des Judentums &#8230; [sie] zerfällt in zwei Teile, die aber ein unlösbares Ganzes bilden: in den nationalen und den religiösen Existenzbezug Israels.</p>
<p>Jona beginnt mit dem nationalen Bekenntnis: &#8220;Ivri Anochi&#8221; &#8211; Ein Hebräer bin ich. Er tarnt sich nicht. Er stellt das eindeutige und klare Bekenntnis zur hebräischen Nation allem Credo voran &#8230; Aber damit erschöpft sich die Antwort nicht, sondern sie setzt sich fort, geht &#8230; über in das monotheistische Bekenntnis&#8230;</p>
<p>Das religiöse und nationale Element sind in der Antwort des Jona enthalten und machen so &#8211; in dieser unlösbaren Einheit &#8211; jüdisches Bekenntnis, jüdische Antwort an die fragende Welt aus.</p>
</blockquote>
<p><cite>Schalom ben Chorin, a.a.O., 13ff</cite></p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[051011]" title="Kolophon des Malers, Kennicot-Bibel, fol. 447r"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kennicott02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kennicott02.jpg" width="250" height="342" alt="Kolophon des Malers, Kennicot-Bibel, fol. 447r" /></a></p>
</div>
<p>Das Bild oben, &#8220;Der Meerwurf des Jona&#8221;, finden wir in der Kennicot-Bibel (Oxford, Bodleian Libr. Ms. Kennicot 1), einer 1476 in La Coru&ntilde;a geschriebenen sephardischen Bibel. Als Vorlage diente die Cervera-Bibel. Deren Schreiber, Samuel ben Abraham ibn Natan, berichtet, dass er sich ein Jahr lang in dem kleinen Ort Cervera aufgehalten habe, um dort sein gebrochenes Schienbein zu heilen, und dass er in dieser Zeit (18. Juli 1299 &#8211; 19. Mai 1300) die Bibel geschrieben habe. Beide Bibeln haben sowohl ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kolophon_%28Schriftst%C3%BCck%29" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kolophon</a> des Schreibers als auch eines des Malers, was für jüdische Handschriften eine große Seltenheit ist. Sämtliche Buchstaben des Kolophons sind aus zoo-, anthropomorphen oder aus vegetabilen Bestandteilen zusammengesetzt, eine Eigentümlichkeit der sephardischen Buchmalerei, in der solche aus Tier- und Menschenprotomen gebildeten Buchstaben häufig für Initialwörter Verwendung fanden.</p>
<p>Das Kolophon des Malers (fol. 447r) befindet sich genau wie in der Cervera-Bibel auf dem letzten Blatt der Handschrift und wiederholt auch wörtlich den dortigen Text: </p>
<blockquote><p>Ich, Joseph, ibn Chajim, illustrierte dieses Buch und vollendete es.</p></blockquote>
<p>Auch der &#8220;Meerwurf des Jona&#8221; ist in der Kennicot-Bibel (fol. 305r) aus der Cervera-Bibel übernommen (dort fol. 304r).</p>
<p><cite>Vgl. Ursula und Kurt Schubert, Jüdische Buchkunst, I, Graz 1983, 83f</cite></p>
<div class="centered">
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<p class="centered">Yom Kippur: Overboard (Jonah&#8217;s Song)</p>
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		<title>Familiantenstolz und &#8216;Brettel&#8217;-Romantik</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/09/02/familiantenstolz-und-brettel-romantik/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 09:14:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[mähren]]></category>

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		<description><![CDATA[Der heutige Artikel führt uns in die vormärzliche mährische Judengasse. Es war dies eine Zeit, in der die Juden wahrlich nichts zu lachen hatten. Eine der schlimmsten Erscheinungen waren die Heiratsbeschränkungen. Die Heiratsbeschränkungen waren ein Versuch der Regierung, die Zahl der Juden in Mähren nicht anwachsen zu lassen, nachdem sich die gewaltsame Vertreibung als undurchführbar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der heutige Artikel führt uns in die vormärzliche mährische Judengasse. Es war dies eine Zeit, in der die Juden wahrlich nichts zu lachen hatten. Eine der schlimmsten Erscheinungen waren die Heiratsbeschränkungen.</p>
<p>Die Heiratsbeschränkungen waren ein Versuch der Regierung, die Zahl der Juden in Mähren nicht anwachsen zu lassen, nachdem sich die gewaltsame Vertreibung als undurchführbar erwiesen hatte.<br />
Ein Hofreskript des Kaisers Karl VI. vom 31. Juli 1725 verbot bei Strafe von 1000 Dukaten die Aufnahme von Juden an Orten, wo sie bisher nicht ansässig waren, und bestimmte die Höchstzahl der &#8220;systemierten&#8221; Familien mit 5106. Mittels des Patentes vom 17. November 1787 wurde die Anzahl der tolerierten jüdischen Familien auf 5400 erhöht, eine Anzahl, die bis zum Jahre 1848 unverändert blieb. </p>
<p>Die größte Anzahl der systemierten Judenfamilien besaßen die Städte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolsburg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Nikolsburg</a> (620), <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prost%C4%9Bjov" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Proßnitz</a> (328), <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Boskowitz" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Boskowitz</a> (326) und Holleschau (265), die kleinste Anzahl <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tel%C4%8D" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Teltsch</a> (7) und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Puklice" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Puklitz</a> (5). Auch außerhalb der 52 Judengemeinden wohnten Juden zerstreut auf dem Lande. Diese Juden behielten ihre Zuständigkeit in ihrer Heimatgemeinde und wurden auch bei Besetzung der Familienstellen den dortselbst wohnhaften Juden zugezählt.</p>
<p>Mittels eines Hofdekretes vom 25. September 1726 wurde die Verehelichung von Juden nur in der Weise gestattet, dass nur der älteste Sohn nach dem Tode eines Familienvaters eine gültige Ehe eingehen durfte und auf diese Weise die durch den Tod des Vaters erledigte &#8220;Familienstelle&#8221; erhielt. Als Familienväter wurden laut Gubernial-Patente vom 24. Oktober 1726 nur die am Kundmachungstage verheirateten und verwitweten Juden, die Kinder hatten, angesehen. </p>
<p>Wie glücklich war der Mann, der eine solche &#8220;Familiantenstelle&#8221; bekam! Er gehörte damit automatisch der gesellschaftlichen Oberschicht der Gemeinde an. Ein solches Familienoberhaupt tat seinen Status auch durch seine Tracht kund. Von Max Hrdlitschka wird sie folgendermaßen beschrieben: </p>
<blockquote><p>Was die Tracht anbelangt, trugen die Balebattim (Hausväter) ein hohes weißes Halstuch mit Jabot, einen langen, bis an die Knöchel reichenden Tuchrock,eine lange, mit silbernen Knöpfen versehene Bauchweste, kurze Kniehosen mit langen Strümpfen und silberbeschnallte Schuhe. Am Samstag legten sie die Schubeze (einen mit langen Ärmeln versehenen Überzieher) an. Mein seliger Urgroßvater trug als Kopfbedeckung ein schwarzes Samtkäppchen und setzte sich auf den Kopf einen runden, platten Filzdeckel, der mit einem Kopfloch versehen war und der über die Samtkappe gestülpt wurde, sonst aber unter dem Arm getragen werden konnte, &#8216;Häubenbrettel&#8217;.</p></blockquote>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[010911]" title="Rabbi Samuel Feilbogen mit Brettel (Quelle: Gold, s.u., 521)"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/brettlGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/brettl.jpg" width="250" height="380" alt="Rabbi Samuel Feilbogen mit Brettel (Quelle: Gold, s.u., 521)" /></a>
</p>
</div>
<p>Das &#8220;Häubenbrettel&#8221; oder kurz &#8220;Brettel&#8221; ist also eine Art Barett. Diese Kopfbedeckung soll im 15. Jahrhundert entstanden sein und wurde mit dem mittellateinischen Wort &#8220;barretum&#8221; benannt. Ursprünglich war das Barett ein Zeichen gebildeter Stände, und ein solches, also ein Statussymbol, war auch das jüdische &#8220;Brettel&#8221;: wer eines hatte, gehörte zur Oberschicht der Gemeinde, war ein angesehener Familienvater, ein Mann der das Recht hatte, offiziell eine Familie zu gründen – ein Recht, das zahlreichen anderen Juden versagt blieb.</p>
<p>Das Tragen des &#8220;Brettel&#8221; bei verschiedenen gottesdienstlichen Verrichtungen wurde als so wichtig angesehen, dass es auch in die Takkanot (Verordnungen) der Gemeinden aufgenommen wurde. Auch in den Takkanot vom Jahre 1753 der jüdischen Gemeinde im ungarischen Bonyhad, wo zahlreiche Emigranten aus Mähren wohnten, kommt das schön zum Ausdruck. In Paragraph 3: Aufruf zur Tora, Punkt 6 heißt es: </p>
<blockquote><p>Mit einer Mütze auf dem Haupt darf niemand zur Toralesung aufsteigen [sondern nur mit dem "Brettel"] und auch nicht als Nebenmann  dort stehen.
</p></blockquote>
<p>Waren die auf die Erstgeborenen übertragenen Familiennummern besetzt, musste der Heiratswerber warten, bis der &#8220;Familiant&#8221; starb. Die Folge davon war, dass die jüngeren Familienmitglieder auswanderten mussten, um im Auslande, namentlich in Ungarn (Slowakei), eine auch vom Staate anerkannte Ehe schließen zu können, da dort bezüglich der Eheschließungen der Juden keine rechtlichen Beschränkungen bestanden haben. Diese wurden im Jargon der mährischen Juden &#8220;Magranten&#8221; bzw. &#8220;Emigranten&#8221; genannt.<br />
Wer keine &#8220;Familiantenstelle&#8221; bekam und im Lande blieb, gehörte zur Unterschicht und konnte nur eine nach mosaischem Rechte gültige Ehe schließen. Im Gegensatz zu den Familanten-Hochzeiten waren die sogenannten &#8220;Winkel-Hochzeiten&#8221; der &#8220;Emigranten&#8221; (so wurden auch diejenigen genannt, die heimlich heirateten, und nicht nur jene, die tatsächlich emigrierten)  sehr einfach und still. Sie fanden im verschlossenen Zimmer statt, damit die Behörde nur ja nichts von dem ungesetzlichen Vorgange erfahre. Der Staat, dem diese Vorgänge natürlich nicht entgangen waren – die zahlreichen Kinder von anscheinend unverheirateten Frauen konnten niemandem verborgen bleiben –, betrachtete eine derartige Verbindung als Konkubinat und die aus ihr hervorgegangenen Kinder als unehelich. Briess bemerkt hierzu:</p>
<blockquote><p>Es war ein Glück, daß es zur damaligen Zeit noch keine offizielle Statistik gegeben hat, sonst wären die Juden hinsichtlich der Unmoralität wegen der zahlreichen, staatlich stigmatisierten unehelichen Kinder an erster Stelle gestanden.
</p></blockquote>
<p>In der von dem damaligen mährischen Oberlandesrabbiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Samson_Raphael_Hirsch" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Samson Raphael Hirsch</a> (später Rabbiner der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M.) verfassten Denkschrift an den Reichstag in Kremsier (1849), der über die Judenemanzipation abstimmen sollte, werden die Heiratsbeschränkungen mit scharfen Worten angeprangert:</p>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/Samson_Raphael_Hirsch.jpg" width="307" height="360" alt="Samson_Raphael_Hirsch, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Samson_Raphael_Hirsch" /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Samson_Raphael_Hirsch" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<blockquote><p>Streng genommen ist jede Geburt eines jüdischen Mährers ohne vorgängiges Absterben eines Andern, ein Staatsverbrechen. Denn mit pharaonischem Hohn spricht das Gesetz: die Juden sollen sich nicht vermehren. 5400 Familien dürfen sein, und zwar so und so viel in der und der Gemeinde, mehr nicht! Pharaonische Milde ersäufte aber die neugeborenen Juden. Österreich läßt sie heranwachsen, um sie in Druck und Jammer lebenslänglich das Verbrechen ihrer Geburt büßen zu lassen. [...]</p>
<p>Mehr als Alles drückend und verwerflich sind aber die Beschränkungen der Verheirathung der Juden, die das Familienrecht überhaupt nur nach Absterben eines andern Familianten ertheilen, nur den Erstgeborenen zunächst berechtigen, aus einer Familie in der Regel nur zwei Brüder zur Verheirathung zulassen, alle ürigen aber zu einem unfreiwilligen Cölibat verdammen, somit die Sittlichkeit des Juden auf naturwidrige, harte Probe stellen, Zerwürfnisse, Haß und Streit in den Schooß der Gemeinden mit vollen Händen streuen, Gesetzumgehungen, Bestechungen, Concubinate und Skandale aller Art provociren, und dem Staate den letzten Schimmer einer auf Sittlichkeitsprincipien beruhenden Anstalt rauben.</p></blockquote>
<p><cite>Die Denkschrift ist abgedruckt in: Jeschurun (<abbr>S. R.</abbr> Hirsch) 11 (1859), S. 606-622)</cite></p>
<p>Ignaz Briess, geboren in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/P%C5%99erov" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Prerau</a> im Jahre 1833 und Verfasser eines Buches über das Leben in einer kleinen mährischen Judengemeinde (<abbr>s. u.</abbr>) konnte von diesen Vorgängen ein Lied singen – er kannte die damit verbundenen Bemühungen, Intrigen, Bestechungen <abbr>etc.</abbr> aus seiner eigenen Familie:</p>
<blockquote><p>Die Erlangung einer solchen Familiantenstelle – diese war die Vorbedingung zum Heiratskonsens – war oft erst nach jahrelangen Bewerbungen möglich. [...] Es ist mir erinnerlich, daß der Heiratskandidat Wolf Briess in Prerau &#8230; sich sechs bis acht Jahre um die Familantenstelle bewarb. Er setzte dabei fast sein ganzes Vermögen zu und als er endlich gegen Ende des Jahres 1848 obsiegte, erschien am 4. März 1849 das Patent, durch welches sämtlichen großjährigen ledigen Juden das Heiraten gestattet wurde.</p></blockquote>
<p> <cite>Briess, s. u. Quellen</cite></p>
<p>Die revolutionären demokratischen Bestrebungen des Jahres 1848 rüttelten auch an der überkommenen Gesellschaftsordnung in den mährischen Judengemeinden. Vor diesem Hintergrund schrieb ein anonymer Korrespondent in der deutsch-jüdischen Zeitschrift &#8220;Der Orient&#8221; 6 (1849), S. 31-32 den folgenden satirischen Artikel.</p>
<p><strong>&#8220;Das &#8216;Bretel&#8217;. Ein mährisches Genrebild </strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Bretel&#8221;, kennst Du dies Wort, lieber Leser? Schlage Adelung und Heinsius nach; vergebens. Du wirst es nicht finden. Nur ich kann Dir aus Autopsie eine Erklärung liefern. &#8220;Bretel&#8221;, oder als Kompositum &#8220;Häubel-Bretel&#8221;ist eine runde, platte Kopfbedeckung, die aus zwei großen Hemisphären: aus einem Planiglobus und einem Käppchen besteht. Es ist kein Alltagsmöbel, sondern wird blos aufgesetzt, wenn der Jude in die Synagoge geht. Hier soll er weder in der demokratisch-profanen Mütze, noch in dem französisch-republikanischen Hut, sondern in dem alten, ehrwürdigen Bretel erscheinen. Der flache Kreis und der hohle Halbkreis sind ein Symbol des &#8220;flachen und hohlen&#8221; Kopfes. Sein Alter ist historisch, man behauptet sogar, es sei vom Glorienschein des Mittelalters umgeben.</p>
<p>Das Bretel spielt in der Familienchronik eine wichtige Rolle. Dem Junggesellen, dem den heiligen Hallen der Ehe fernstehenden ist der Gebrauch des &#8220;Bretel&#8221; verboten; erst wenn der Rabbiner die aramäische Ketuba [Heiratsvertrag] unter dem Baldachin in althebräischer Romantik vorgelesen, darf er sein Haupt mit dieser Synagogenkrone schmücken.<br />
Die Leser können leicht denken, daß das &#8220;Bretel&#8221; als ein theures Familienereigniß begrüßt wird. Wenn der junge Ehemann zum ersten Male mit den Insignien der Ehe in der Synagoge erscheint, wie pocht da das Herz des &#8220;Mechutan&#8221; [Brautvater], wie freut sich da die &#8220;Mechutenet&#8221; [Brautmutter]. Was dem König die Krone, dem Feldherrn die Uniform – ist dem jungen &#8220;Balbos&#8221; [Hausherr, Familienvater] das Bretel.</p>
<p>Seit zwei Jahrzehenden aber ist ein Streit im Lager der Bretel-Romantik ausgebrochen: es haben sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ghibellinen_und_Guelfen" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Guelfen und Ghibellinen</a> gebildet. Voll Muth, Entschlossenheit und Hingebung an Frankreichs Modegöttin hatten es anfangs nur Einige gewagt, das &#8220;Bretel&#8221; mit dem Hute zu vertauschen. </p>
<p>Die mährischen Gemeinden, in ihrem Sinne für das Altromantische, murrten über diesen Frevel an der geheiligten Kleiderordnung, man stutzte über die Kühnheit der Neumodischen – allein das Beispiel ward gegeben und fand rasch Nachahmung. Die Partei der Hüte wurde zur Majorität und gelangte zur Herrschaft in der Synagoge. Viele wollten nicht zurückbleiben, und weinend nahmen sie Abschied von dem geheiligten Bretel, preßten es an ihr Herz, und setzten den Hut auf.</p>
<p>Die Fanatiker aber, denen der Staub, wenn er nur alt, sehr alt, heilig ist, ließen sich nicht zurückschrecken, und betrachteten sich als Märtyrer des &#8220;Bretelthums&#8221;. Heute noch erscheinen diese Helden im &#8220;Bretel&#8221;, mit dem Bewußtsein, das Judenthum von den verderblichen Neuerungen gerettet zu haben. Wie Archimedes den hereinstürzenden Soldaten gegenüber nur an seinen Kreis dachte, so ist der Fanatiker mit seinem Bretel-Kreis innigst verbunden. Die Bretel-Träger sind die Orthodoxen von echtem Schrot und Korn, und die in der süßen Hoffnung leben, einst in Jerusalem, ein Opfer vor sich hertreibend, mit ihrem Bretel zu wandeln. Leider hat die Alles zerstörende Reform auch in Mähren manches Kind der Romantik getödtet, und darum sind es nur wenig Auserkorene, die den &#8220;Muth einer Meinung&#8221; haben – wie Humboldt – und ein Bretel tragen! </p>
<p>Rührend ist auch folgendes Gespräch zwischen Vater und Sohn einer Bretel-Familie:
</p></blockquote>
<p><strong>Sohn:</strong></p>
<blockquote><p>Will sich&#8217;s &#8220;Bretel&#8221; ewig von mir wenden,<br />
Wo Reform mit den Schekozim-Händen<br />
Den Reschoim [Frevlern] schrecklich Opfer bringt?<br />
Wer wird künftig deinen Kleinen lehren,<br />
Lulab [Palmzweig] schütteln und den Rebbe ehren,<br />
Wenn der Lamdan [Toragelehrte] Jajin-Nesech [Wein von Nichtjuden] trinkt?
</p></blockquote>
<p><strong>Vater:</strong></p>
<blockquote><p>Theurer Sohn, gebiete Deinen Thränen!<br />
Nach Minhagim [rituellen Bräuchen] ist mein feurig Sehnen,<br />
Diese Arme schützen&#8217;s Alterthum.<br />
Kämpfend für den heil&#8217;gen Herd der Götter<br />
Fall&#8217; ich, und des Judenthumes Retter<br />
Geh&#8217; ich nach dem Tod im Bret&#8217;l herum.</p></blockquote>
<p><strong>Sohn:</strong></p>
<blockquote><p>Nimmer lausch&#8217; ich der Gemore [Talmud] Schalle,<br />
Müßig liegt der Medresch [Midrasch] in der Halle,<br />
Gedoilim&#8217;s [der großen Rabbiner] großer Lamdanstamm verdirbt.<br />
Du wirst hingehn und kein Bretel scheinet,<br />
Und das Judenthum in Asche weinet,<br />
&#8216;s letzte Bretel in dem [Garten] Eden stirbt.</p></blockquote>
<p><strong>Vater:</strong></p>
<blockquote><p>All mein Sehnen will ich, all mein Denken,<br />
In des Eden stillen Garten senken,<br />
Aber doch mein Bretel nicht.<br />
Horch! der Hammer klopft schon an den Mauern,<br />
Gieb mich doch das Bretel, laß das Trauern!<br />
Vaters Bretel stirbt im Eden nicht.</p></blockquote>
<p>Nach Aufhebung der Heiratsbeschränkungen im Jahre 1849 holten zahlreiche &#8220;Emigranten&#8221; das Verlorene nach und feierten offiziell ihre Hochzeit:</p>
<blockquote><p>Nach der im Jahre 1849 erfolgten Aufhebung des der Menschlichkeit und der Natur hohnsprechenden numerus clausus &#8230; ließen sich die meisten Emigranten-Ehepaare in legaler Form trauen, damit sie ihren Kindern dadurch die Rechte ehelicher Deszendenten verschafften; es mutete sonderbar an, wenn mitunter erwachsene Söhne und Töchter bei der Hochzeitstafel ihrer Eltern anwesend waren und bei der nachher stattfindenden Tanzunterhaltung der vielleicht schon großjährige Sohn mit der Mutter und die erwachsene Tochter mit dem Vater den Ehrenreigen eröffnete.
</p></blockquote>
<p><cite>Briess, <abbr>s. u.</abbr> Quellen</cite></p>
<p>Und so gehörte zusammen mit dem &#8220;Familiantentum&#8221; fortan auch das &#8220;Brettel&#8221; der Vergangenheit an.</p>
<h3>Quellen:</h3>
<ul>
<li>Ignaz Briess, <a href="http://www.schroefl.com/en/biographien/ignaz_briess/briess_vorw.php" title="Externer Link zu 'schroefl.com...'">Schilderungen aus dem ehemaligen Ghettoleben</a>, Brünn 1922.</li>
<li>Max Grünfeld, &#8220;Äußerer Verlauf der Geschichte der Juden in Mähren bis 1890&#8243;, in: Gold (Hg.), Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, Brünn 1929, S. 14-16.</li>
<li>Theodor Haas, &#8220;Statistische Betrachtungen über die jüdische Bevölkerung Mährens in Vergangenheit und Gegenwart&#8221;, in: Gold, a.a.o., S. 591 ff.</li>
<li>Max Hrdlitschka, &#8220;Die mährische Judengasse in der vormärzlichen Zeit&#8221;, in: Gold, a.a.O. S. 53ff.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rabbi Samuel Ehrenfeld der Ältere</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/07/31/rabbi-samuel-ehrenfeld-der-altere/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jul 2011 10:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[mattersburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir unterbrechen unsere Sommerpause kurz aufgrund der morgigen Jahrzeit von Rabbiner Samuel Ehrenfeld dem Älteren, dem Großvater des berühmten &#8220;letzten&#8221; Rabbiners von Mattersburg, Rabbi Samuel Ehrenfeld des Jüngeren. Der 1. Tag des jüdischen Monats Aw (heuer: Montag, der 1. August) ist der Jahrzeittag des Mattersdorfer Rabbiners Samuel Ehrenfeld des Älteren. Er erblickte im Jahre 1839 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir unterbrechen unsere Sommerpause kurz aufgrund der morgigen Jahrzeit von Rabbiner Samuel Ehrenfeld dem Älteren, dem Großvater des berühmten &#8220;letzten&#8221; Rabbiners von Mattersburg, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shmuel_Ehrenfeld" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Rabbi Samuel Ehrenfeld des Jüngeren</a>.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[310711]" title="Titelseite 'Chatan Sofer'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ehrenfeldGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ehrenfeld.jpg" width="250" height="377" alt="Titelseite 'Chatan Sofer'" /></a>
</p>
</div>
<p>Der 1. Tag des jüdischen Monats Aw (heuer:  Montag, der 1. August) ist der Jahrzeittag des Mattersdorfer Rabbiners Samuel Ehrenfeld des Älteren. Er erblickte im Jahre 1839 in Pressburg das Licht der Welt. Die folgende biographische Skizze folgt im Wesentlichen dem Nachruf im &#8220;Israelit&#8221; (Nr. 68 (1883), S. 1149-1151), einer von Rabbiner Dr. Markus (Mordechai) Lehmann in Mainz herausgegebenen deutsch-jüdischen Zeitschrift. </p>
<p>Rabbi Samuels Vater, Rabbi David Hisch (Zwi) Ehrenfeld, ein Schüler des <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/10/13/akiba-eger-und-chatam-sofer/" title="Interner Link zum Beitrag 'Akiba Eger und Chatam Sofer'">Chatam Sofer</a>, war ein frommer und gelehrter Mann, der sich zeitlebens weigerte, eine rabbinische Stelle zu übernehmen und als Kaufmann seinen Lebensunterhalt verdiente. Er muss ein glänzender Toragelehrter und vorbildlicher Mensch gewesen sein, denn sein Meister wählte ihn zum Mann seiner Tochter aus.<br />
R. Samuel erbte die hervorragenden Geistesgaben sowie die Liebe zur Tora von beiden Elternteilen, sog sie gleichermaßen mit der Muttermilch auf, und das machte sich auch bald bemerkbar: </p>
<blockquote><p>In seinem Sohne Rabbi Samuel erwacht schon im Knabenalter eine glühende Liebe und Lust zur Thora. Er besuchte bald die Jeschiwa seines Onkels בעל כתב סופר [Verfasser des Werkes "Ketaw Sofer"], und wohin der junge R. Samuel kam, erregte er durch seine talmudischen Kenntnisse großes Aufsehen.
</p></blockquote>
<p>Seine Begeisterung – und dieser Ausdruck ist in diesem Falle wörtlich zu verstehen – für die Tora behielt er zeitlebens bei:</p>
<blockquote><p>Von frühem Morgen bis gegen Mitternacht saß er über seinen Folianten gebeugt und wer ihm dann ins Gesicht sah, der glaubte ופניו מאיר&#8217; כזהר שכינה – etwas von jenem höhern göttlichen Geiste auf seinen begeisterten Zügen zu bemerken.
</p></blockquote>
<p>Ist es ein Wunder, daß dieser Gelehrtentypus sich nichts sehnlicher wünschte als ungestört sich dem Lernen hingeben zu können?</p>
<blockquote><p>Sein bescheidener ruhiger Charakter sehnte sich nach einem ruhigen, unabhängigen und bescheidenen Wirkungskreise. Sein sehnsüchtiges Verlangen wurde erfüllt, ein reicher angesehener ת&#8221;ח [Toragelehrter] R. Bunem Paschkus aus Szerdahely [Dunajská Streda] nahm ihn als Schwiegersohn und verschaffte ihm die Gelegenheit ganz seinem edlen Wunsche gerecht zu werden. Trotzdem er sich dem Kaufmannstande widmete, beschäftigte er sich ununterbrochen  בלימוד תה&#8221;ק [mit dem Studium der heiligen Tora].
</p></blockquote>
<p><cite>Israelit 68 (1883), S. 1150</cite></p>
<p>Dem Artikel im &#8220;Israelit&#8221; zufolge war die Ehe eine gelungene; die Eheleute führten ein glückliches und harmonisches Familienleben:</p>
<blockquote><p>Welch ein glückliches Familienleben er mit seiner gleichgesinnten Gattin, die השב&#8221;ה [Gott, gelobt sei er] trösten möge, führte, das weiß nur derjenige zu würdigen, der, wenn auch kurze Zeit, das Glück hatte in seiner Nähe zu weilen. Die Erziehung seiner Kinder im Geiste des Judenthums machte er zu seiner ersten Lebensaufgabe, sein sanftes, liebenswürdiges Wesen, sein edles Beispiel wirkte belehrend und erziehend, diese Liebenswürdigkeit wahrte er aber auch gegen Jedermann.
</p></blockquote>
<p>Die Söhne wuchsen ebenfalls zu großen Gelehrten auf: Rabbi Simcha Bunem (Bernhard) wurde später seines Vaters Nachfolger in Mattersdorf, und R. David Zvi, seines Zeichens Gemeindevorsteher in Surany, wurde der Schwiegervater seines Neffen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Shmuel_Ehrenfeld" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Rabbi Samuel Ehrenfeld des Jüngeren</a> (der letzte Mattersdorfer Rabbiner).</p>
<p>Es wäre schade gewesen, wenn dieser hervorragende Gelehrte und Erzieher sich mit seiner Rolle als Kaufmann begnügt hätte. Zum Glück hatte man seine Fähigkeiten bald erkannt und drang in ihn, doch ein Rabbinat zu übernehmen.</p>
<blockquote><p>Im Gegensatz zu seinem Vater vermochte er sich der rabbinischen Tätigkeit auf die Dauer nicht entziehen. In Folge wiederholter Aufforderung folgte er 1866 dem Ruf nach Bethlen [Beclean] in Siebenbürgen und zwei Jahre später nach Szikszó in Ungarn.
</p></blockquote>
<p>1877 erreichte ihn der Ruf aus Mattersdorf. Er erklärte sich dazu bereit, überlegte es sich später aber wieder – wohl auf Drängen der Gemeinde Szikszó hin – und wollte in seinem Amt bleiben, so heißt es im Israelit (Nr. 32 (1877), S. 763). Zwei Wochen später berichtet das Blatt, Rabbi Samuel werde nun doch nach Mattersdorf gehen (Nr. 35 (1877), S. 840.</p>
<p>Die damaligen ungarischen Rabbiner waren für sämtliche religiösen Funktionen in ihren zumeist nicht sehr großen Gemeinden zuständig: außer Leitung des Gottesdienstes in der Synagoge, der Beantwortung von religionsgesetzlichen Fragen, der Vornahme von Trauungen und Begräbnissen sowie der Überwachung des Kaschrut-Wesens oblag dem Rabbiner auch die Matrikenführung, und last but not least der Toraunterricht. Und dieses Gebiet war es auch, auf dem Rabbi Samuel seine größten Leistungen erbrachte.</p>
<p>Seine ersten Erfahrungen im Unterrichten machte der junge Rabbi Samuel noch in Pressburg. Und als einmal sein Onkel, der Oberrabbiner auf Anraten der Ärzte auf Kur fahren musste, so war er, der &#8220;noch sehr junge&#8221; Kaufmann, einer seiner Stellvertreter an der Jeschiwa (Israelit 29 (1861), S. 353).</p>
<blockquote><p>[Es] strömten aus ganz Ungarn zahlreiche בחורים [Bachurim, Studenten], um bei ihm zu lernen. Er war buchstäblich im ganzen Gebiete des jüdischen Wissens zu Hause, durchdrang den ganzen Talmud, mit jenem eigenthümlichen Scharfblick, der ihn immer auf den geraden Weg führte. Wer bei R. Samuel das Glück hatte, nur kurze Zeit zu verweilen, trug דברי תורה  [Worte der Tora] davon. Er glich wahrhaft einem nie versiegenden Quell, aus dem immer Thora sprudelte. </p>
<p>Allgemein gerühmt wird die Art und Weise seines Vortrages, die das Schwierigste und Verwickeltste einem Jeden auch minder Befähigten klar und zugänglich zu machen wußte. Unübertrefflich war aber seine Lehrfähigkeit im Gebiete des Talmuds; jeder Schüler mußte bei ihm Fortschritte machen, denn der Verblichens wußte jeden für die Thora zu begeistern, und sein Fleiß im Thorastudium nahm nie ab.
</p></blockquote>
<p>Schon in Szikszó hatte er eine eigene, sehr gut besuchte Jeschiwa geleitet. Diese führte er dann in Mattersdorf weiter. Diese Gemeinde zählte zu jener Zeit etwa 200 Mitglieder. Der &#8220;Israelit&#8221; (Nr, 2 (1878), S. 37) berichtet über die Jeschiwa, dass an ihr 80 Bachurim studierten. Zum Zweck der Verköstigung der meist armen Studenten gründete er den Verein Chewrat Mesonot [Ernährungsverein] – jedes Gemeindemitglied verpflegte mindestens einen Bachur einmal in der Woche den ganzen Tag. Auch die Juden in den umliegenden Dörfern beteiligen sich mit finanzieller Unterstützung an diesem Verein.</p>
<p>Einige Informationen über die Größe der Jeschiwa und ihre finanziellen Lage im Jahre 1882 lassen sich dem folgenden Spendenaufruf eines gewissen H. Wolffing aus Würzburg entnehmen (Israelit 3 (1882), S. 67):</p>
<blockquote><p>Matterdorf (Ungarn). Mitleidsgefühle der mannigfachsten Art, wahre Nächsten- und Bruderliebe sind es, durch die ich mich dringend veranlaßt sehe, eine sehr bedeutungsvolle, gewiß bescheidene Bitte an die geschätzten Leser zu richten.</p>
<p>Die Jeschibah zu Mattersdorf gehört bekanntlich zu den hervorragensten und am zahlreich besuchtesten Ungarns, indem mehr als 110 Bachurim ה&#8217; יברכם [Gott segne sie]  sich hier befinden, um aus dem reichlich sprudelnden Borne des hochzuverehrenden  הרב הגאון והקדוש נ&#8221;י [des genialen und heiligen Rabbiners, sein Licht leuchte] zu schöpfen und dem Thorastudium obzuliegen. Aus fernen Gegenden nicht nur Ungarns, sondern auch anderer Länder weilen hier Schüler, dr Zudrang wird ein immer größerer und die Zahl Derjenigen, die der Unterstützung bedürfen, wird somit immer beträchtlicher. Wenn man nun auch der hiesigen Gemeinde zu sehr großem Danke für ihr gefälliges stetes Wohlwollen verpflichtet ist, so sind diese Beiträge gar zu gering, um das gewünschte Resultat zu erzielen, da Mattersdorf ja nur ein kleiner Marktflecken und der größte Theil der Jeschiba den Unbemitteln zuzuzälen ist. Als Schüler unseres hochzuverehrenden הרב הגאון נ&#8221;י [des genialen Rabbiners, sein Licht leuchte] und als College vieler lieber Freunde, die fast während der ganzen Woche von Brod und Obst leben, halte ich es für meine heilige Pflicht, im Vertrauen auf den vielfach bewährten Wohlthätigkeitssinn der geschätzen Leser an diese das hochwichtige Ersuchen zu richten, ihre wohlwollende Gesinnungen auch öfters der hiesigen Jeschibah in entsprechender Weise zeigen zu wollen.</p>
<p>Kann doch ein Jeder, der diesen Zeilen seine Aufmerksamkeit schenken möchte und diesem Wunsche ein bereitwilliges Ohr leihen würde, in der That sich durch dieses Werk עולם הבא die jenseitige Welt erkaufen. Indem die dahier Lernenden ihre ganze Thätigkeit dem Studium der hl. Thora widmen und bei echter יראת שמים [Gottesfurcht] nur לתורה ולעבודה [dem Torastudium und dem Gebet] leben, so würden edle Freunde und Gönner mit einer etwa monatlichen oder vierteljährlichen Einsendung des Betrages an den Verein der Jeschiba zu Matterdorf, Ungarn eine מצוה [Gebot, Wohltat] thun, die sowohl für diese als für jene Welt  ihren Lohn sicherlich in sich birgt und mit vollem Rechte kann man einem Jedem, der edlen Spendenden zurufen:  מה רב טובך אשר צפנת  (Psalm 31, 20). Wie groß ist doch der Lohn, den Du Deinen Frommen aufbewahrst!</p></blockquote>
<p>Von seiner Leidenschaft, nämlich der Unterweisung der heiligen Lehre, wollte Rabbi Samuel auch nicht lassen, als dies seiner Gesundheit schadete. Diese seine schwache Gesundheit war vielleicht erblich bedingt. Schon sein Vater, der 1861 mit 54 Jahren das Zeitliche segnete, hatte während seiner ganzen Lebenszeit mit physischen Leiden zu kämpfen gehabt (Israelit 47 (1861), S. 569-570).</p>
<p>Im Nachruf von Rabbiner Grünwald aus Ödenburg (Sopron) wird hervorgehoben, wie sehr ihm seine Jeschiwa am Herzen lag:</p>
<blockquote><p>&#8230; trotzdem es ihm von den Ärzten verboten wurde, seiner Kränklichkeit wegen, מרביץ תורה ברבים [Tora in der Öffentlichkeit zu unterrichten] zu sein, eine Jeschiwa zu halten, die Jeschiwa dennoch nicht aufgab, denn er sagte: Wenn keine Jeschiwa – למה לי חיים? [Was soll mir das Leben?] [...]
</p></blockquote>
<p>Dasselbe betont der Nachruf in der Berliner &#8220;Jüdischen Presse&#8221;:</p>
<blockquote><p>Trotz der eindringlichen Abmahnung der Ärzte und der Professoren konnte sich derselbe nicht entschließen, des anstrengenden talmudischen Vortrages, welcher er unausgesetzt seinen Schülern zu Teil werden ließ, sich zu enthalten, und erst als bereits der Todeskeim seine Gesundheit vollends zu untergraben und zu zerstören begann, also ein starkes Lungen- und Brustübel ein solches Vorhaben unmöglich machte, erst dann entschloß er sich schwersten Herzen[s], seine Tätigkeit zu unterbrechen und einen Erholungsort aufzusuchen, von dem er nicht mehr lebend zurückkehren sollte.
</p></blockquote>
<p><cite>Jüdische Presse (Berlin) 34 (1883), S. 400</cite></p>
<p>Über sein Ende berichtet der &#8220;Israelit&#8221; im eingangs erwähnten Nachruf:</p>
<blockquote><p>Seit Anfangs Winter [1882] verschlimmert sich allmählich sein Leiden, so daß der Verklärte ז&#8221;ל [gesegneten Andenkens], der keine höheren Freuden auf Erden kannte als  להרביץ תורה    [Tora zu unterrichten] schon damals die שעורים [Lektionen] mit seinen תלמידים [Schülern] unterbrach. Auf Anrathen der Ärzte reiste er nach Kirling [Kierling, gehört heute zu Klosterneuburg; es gab dort ein Sanatorium] zur Erholung, wo aber die dortigen Ärzte und die herbeigerufenen Professoren erklärten, daß das Leiden ein höchst gefährliches sei. Von allen Seiten, wohin die Kunde gelangt war, liefen täglich Erkundigungen und theilnahmsvolle Briefe ein; תפלות ציבור ויחיד [Gebete  von Einzelnen und von der Gemeinschaft] stiegen zu dem himmlischen Arzte ב&#8221;ה [gelobt sei er] auf. </p>
<p>Allein Er in seinem unerforschlichen Rathe hatte es anders beschlossen. In den letzten Tagen des Lebens של אמ&#8221;ו [des Lehrers und Meisters] eilten sämmtliche Kinder, Verwandte, an das Krankenlager des theuren Vaters und Lehrers; bis zur letzten Stunde, seines Lebens versäumte er keine תפלה [Gebet] und war beständig מהרהר בד&#8221;ת [dachte an die Worte der Tora]. </p>
<p>In der Nacht zu שבת ר&#8221;ח אב [Samstag, Monatsbeginn Aw = 1. Aw] trat eine solche Verschlimmerung ein, daß nach dem Urtheile erfahrener בני חברא [Mitglieder der Beerdigungsgesellschaft] das Schlimmste zu befürchten war. Nach 11 Uhr Vormittags sank er nach kurzem Gebete zurück und starb eine wahre מיתה בנשיקה [leichten und schnellen Tod].
</p></blockquote>
<p>Über die Trauer der Angehörigen und Gemeindemitglieder sowie über das Begräbnis heißt es:</p>
<blockquote><p>Die Schilderung des Schmerzes der Nächstbetheiligten und als die Hiobspost an die Bewohner Mattersdorfs gelangte, die mit seltener Verehrung und Hochachtung an ihren(!) Rabbiner hingen, ist unbeschreiblich. </p>
<p>Nachdem der Telegraphendrath die Trauerkunde על הלקח ארון אלקים [über das Hinwegnehmen der Bundeslade] verbreitet hatte, eilten zu der הלויה [Trauerkondukt], die auf Dienstag 9 festgesetzt war, selbst aus weiter Ferne, Verwandte, Freunde, Schüler, zahlreiche Rabbinenen(!) und einzelne Deputationen der Gemeinden.Von den zahlreichen Rabbinen und Rab.Col., die zur לויה [Trauerzug] eintrafen, sprachen am Grabe sein Sohn R. D. H. aus Suran, sein Onkel R. Spitzer, Wien, sein Cous. R. S. Schreiber, Erlau, sein Neffe Rabb. Glaser, Klausenburg, Rabb. As. Kohn, Mattersdorf, Rabb. Katz, Kreutz, Rabb. Alt-Kobersdorf, sein Schwager Rabb.-Ass. Stern, Szerdahely. </p>
<p>Noch am Tage des Begräbnisses hatte die Gemeinde in wahrer Würdigung der unsterblichen Verdienste ihres seligen Rabbiners זצ&#8221;ל seinen würdigen Sohn R. Bunem, Rabbiner in Sarvar, zum Nachfolger im heiligen Amte mit Acclamation gewählt, die Gemeinde wird von allen Seiten beglückwünscht.&#8221;
</p></blockquote>
<p>Beigesetzt wurde Rabbi Samuel Ehrenfeld der Ältere am Mattersdorfer Judenfriedhof.</p>
<p>Sein literarisches Schaffen, oder zumindest ein großer Teil davon, wurde im Werk Chatan Sofer gedruckt:</p>
<blockquote><p>in das er die ganze Fülle seines allgemein anerkannten Wissensschatzes und seine scharfsinnigen Forschungen niederlegte ס&#8217; &#8220;חתן סופר&#8221; wovon der 1. Theil in Szikszo, und der 2. Theil in Mattersdorf ausgearbeitet wurde. Über den Werth dieses Werkes zu unrtheilen, steht mir nicht zu, die größten und gefeiertsten haben in brieflichen und literarischen Mittheilungen ihr Urtheil bereis gesprochen und die künftigen Geschlechter werden darin noch einen fast unerschöpflichen Quell der gründlichsten Belehrung finden. Außerdem verfaßte er noch viele Manuscripte auf תורה ש&#8221;ס וש&#8221;ע ושו&#8221;ת [Tora, Talmud, Schulchan Aruch und Reponsen] und war bestrebt, womöglich es drucken zu lassen. </p>
<p>Doch der Lenker der Geschicke hatte es anders beschlossen und den Frühvollendeten in der Blüthe seines geistigen Schaffens abberufen, zum größten Schmerze der nächsten Angehörigen, wie aller derer, die ihn wahrhaft kennen gelernt und seine Werke zu würdigen verstehen.
</p></blockquote>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Eisenstädter Hakoah</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/07/14/die-eisenstadter-hakoah/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Jul 2011 08:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine sport-geschichtliche Fußnote Im Februar 1924 wird der Wiener Hakoah ein kleines Schwesterchen geboren &#8211; tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah (&#8220;haKoah&#8221; = hebr. &#8220;die Kraft&#8221;). Es ist (nach allem, was wir wissen) ein Geschwisterchen mit vergleichsweise bescheidenem sportlichem Potential, das da im jüdischen Eisenstadt das Licht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine sport-geschichtliche Fußnote </h3>
<p>Im Februar 1924 wird der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/SC_Hakoah_Wien" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wiener Hakoah</a> ein kleines Schwesterchen geboren &#8211; tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah (&#8220;haKoah&#8221; = hebr. &#8220;die Kraft&#8221;). Es ist (nach allem, was wir wissen) ein Geschwisterchen mit vergleichsweise bescheidenem sportlichem Potential, das da im jüdischen Eisenstadt das Licht der (Vereins-)Welt erblickt, und doch &#8211; ausgestattet mit hehren Ambitionen und einigem regional-sportlichem Engagement: Im Dienst der</p>
<blockquote><p>[k]örperliche[n] und geistige[n] Ertüchtigung der Eisenstädter jüdischen Jugend</p></blockquote>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger - mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem - inoffiziellen - Gründungsjahr 1923)"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball02.jpg" width="250" height="327" alt="Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger - mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem - inoffiziellen - Gründungsjahr 1923)" /></a>
</p>
</div>
<p>soll der neue Verein stehen und sich außerdem der <em>&#8220;Pflege der Kultur durch Veranstaltungen von gesellschaftlichen Zusammenkünften&#8221;</em>  widmen, so bestimmen es die Gründungsstatuten der Hakoah, mit vollem Titel: &#8220;Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsverein &#8216;Hakoah&#8217;&#8221;. Zu diesem Zweck sollen &#8220;Athletische Wettkämpfe&#8221; arrangiert werden, ebenso &#8220;gesellschaftliche Zusammenkünfte, Unterhaltungen und Theateraufführungen&#8221;; und natürlich (und wohl an erster Stelle) soll auch gekickt werden in der Eisenstädter Hakoah (<cite>zitiert aus den &#8220;Statuten des Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsvereines &#8216;Hakoah&#8217;&#8221;, Burgenländisches Landesarchiv</cite>).</p>
<p class="tipp2">Bild: Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger &#8211; mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem &#8211; inoffiziellen &#8211; Gründungsjahr 1923; <em>Burgenländisches Landesarchiv</em>)</p>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Der große Namensvetter, die Wiener Hakoah (die <abbr>u.a.</abbr> auch in Graz und Innsbruck <a href="http://books.google.at/books?id=fPBav3dZm_4C&#038;pg=PA37&#038;dq=Hakoah+eisenstadt&#038;hl=de&#038;ei=TFgbTp7FKMep8QOSksQE&#038;sa=X&#038;oi=book_result&#038;ct=result&#038;resnum=1&#038;ved=0CCkQ6AEwAA#v=onepage&#038;q=Hakoah%20eisenstadt&#038;f=false" title="Externer Link zu 'books.google.at...'">Ableger</a> hatte), taugte da zweifellos als respektables, wiewohl unerreichbares Vorbild, krönte sie sich doch Mitte der 20er Jahre zum österreichischen Fußballmeister &#8211; da steckte der burgenländische Fußball und mit ihm die Eisenstädter Hakoah freilich noch in den Kinderschuhen &#8230;</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="Meisterschaftstabelle 'Eisenstädter Kreis' (13. Juli 1924) - mit einem für die Hakoah allerdings eher unerfreulichen Tabellenstand ..."  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball03.jpg" width="250" height="157" alt="Meisterschaftstabelle 'Eisenstädter Kreis' (13. Juli 1924) - mit einem für die Hakoah allerdings eher unerfreulichen Tabellenstand ..." /></a></p>
<p>Meisterschaftstabelle &#8220;Eisenstädter Kreis&#8221;<br />
 mit einem für die Hakoah allerdings eher<br />
unerfreulichen Tabellenstand &#8230;<br />
(Neue Eisenstädter Zeitung, 20. 07. 1924, 6)
</p>
</div>
<p>Tatsächlich war das Burgenland (auch) in fußball-technischer Hinsicht ein Nachzügler: Erste ( mehr oder minder offizielle) Vereinsgründungen sind zwar schon ab 1907 (SC Eisenstadt) überliefert, ein burgenländischer Landesverband konstituierte sich aber erst 1923/24 &#8211; mit an Bord, ab der ersten Generalversammlung im März 1924, auch die eben erst gegründete Hakoah, die organisatorisch (klarerweise) dem &#8220;Kreis Eisenstadt&#8221; zugewiesen wurde, wo man sich <abbr>u.a.</abbr> mit dem SV Mattersdorf/Mattersburg und dem Lokalrivalen SC (&#8220;Freiheit&#8221;) Eisenstadt matchte &#8230;<br />
<cite>(Vgl. Franz Just (Hg.): Der Fußballsport im Burgenland. (Von den Anfängen bis zur Jetztzeit) Eisenstadt 1970. S. 13-18, 231f., 429. Zur Übersicht auch: &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball_im_Burgenland" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Fußball im Burgenland</a>&#8220;.)</cite></p>
<p class="tipp">Bemerkenswert auch: Mehrfach belegt ist ein &#8220;kombiniertes&#8221; Antreten der beiden Eisenstädter Klubs &#8211; die Eisenstädter &#8220;Freiheit&#8221; und die Hakoah fanden sich also, so scheint es, zu einer Eisenstädter &#8220;Stadt-Auswahl&#8221; zusammen, und das durchaus mit Erfolg:</p>
<div id="mittig2h">
<ul id="bildchen5">
<li><a rel="lightbox[140711]" title="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball04.jpg" width="250" height="37" alt="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" /></a>
<p class="tipp3">&#8220;Kombinierte&#8221; Erfolge der Eisenstädter Klubs,<br />
Neue Eisenstädter Zeitung, 15. Juni 1924, S. 6;<br />
ebd., 25. Mai 1924, S. 4.</p>
</li>
<li><a rel="lightbox[140711]" title="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball05GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball05.jpg" width="250" height="423" alt="'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Und auch abseits des Fußballplatzes scheint sich die Hakoah nach Kräften in den gerade erst anlaufenden burgenländischen Sportbetrieb eingebracht zu haben &#8211; so etwa bei den ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften im Juni 1926 &#8230;</p>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="'Pollitzer ('Hakoah' Eisenstadt) 5,13 m' (Weitsprung) - Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball06GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball06.jpg" width="250" height="273" alt="'Pollitzer ('Hakoah' Eisenstadt) 5,13 m' (Weitsprung) - Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926" /></a></p>
</div>
<p class="centered">&#8220;Pollitzer (&#8216;Hakoah&#8217; Eisenstadt) 5,13 m&#8221; (Weitsprung) &#8211; Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926, Neue Eisenstädter Zeitung, 27. Juni 1926, <abbr>S.</abbr> 5 </p>
<p>Allerdings: Langes sportliches Glück war der Eisenstädter Hakoah nicht beschieden. Schon im Mai 1933, keine 10 Jahre nach Vereinsgründung, musste die Vereinsführung – Obmann Karl Schlesinger, Schriftführer Isidor Benedikt und Kassier Eugen Schneider (Vgl. auch Just a.a.O. S. 232) – die freiwillige Selbst-Auflösung der Hakoah vermelden: „Grund der freiwilligen Auflösung war Mitgliedsmangel. – Vereinsvermögen war nicht vorhanden“, heißt es lapidar in der entsprechenden Meldung des Hakoah-Vorstands an die Behörden (<cite>Brief vom 2. Mai 1933 an das Bundespolizeikommissariat Eisenstadt; Burgenländisches Landesarchiv</cite>).</p>
<p>Weiter verwundern muss der Mitgliedermangel nicht – immerhin zählte Eisenstadt in den 20er und 30er Jahren im Ganzen bereits weniger als 500 jüdische Einwohner&#8230; (<cite>vgl. Fritz Zimmermanns Übersicht zur Bevölkerungsentwicklung in Hugo Gold: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes. Tel Aviv 1970. S. 133ff.</cite>)</p>
<p>Doch auch wenn damit die Tage der Hakoah gezählt waren: Gekickt jedenfalls wurde &#8211; das Foto beweist&#8217;s &#8211; bei der &#8220;Eisenstädter jüdischen Jugend&#8221; auch weiterhin &#8230;</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[140711]" title="Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussballGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/fussball.jpg" width="550" height="335" alt="Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935; Fred Poll (eigentlich: Politzer), geboren 1921 in Eisenstadt, emigrierte 1939 nach England, später nach New York; <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/02/27/praesentation-oe-bild-nachlese/" title="Interner Link zu 'Präsentation OE-Bild-Nachlese'">Heinrich Trebitsch</a> ist einer der wenigen jüdischen Rückkehrer nach Eisenstadt und lebt heute ebendort (<cite>vgl. und entnommen aus: Gert Tschögl u.a. (Hg.): Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen. Wien 2004. S. 155, 157</cite>).</p>
<p><strong>Besten Dank an STANDARD-Redakteur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Weisgram" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wolfgang Weisgram</a> für den Hinweis auf die Eisenstädter Hakoah sowie an das Burgenländische Landesarchiv!</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Makkabiade &#8211; einst und jetzt</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/07/04/makkabiade-einst-und-jetzt/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Jul 2011 08:30:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[mattersburg]]></category>
		<category><![CDATA[sport]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom morgigen 5. bis 13. Juli finden in Wien die 13. Europäischen Makkabi-Spiele statt &#8211; gewissermaßen die jüdische Antwort auf Olympia. Erwartet werden mehr als 2000 Sportler aus über 40 Nationen, die sich auf/in/an diversen Courts, Hallen, Becken, Tischen (Schach!) etc. messen werden. Erstmals ausgetragen wurde die Makkabiade 1932 im noch jungen Tel Aviv &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom morgigen 5. bis 13. Juli finden in Wien die 13. Europäischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Makkabiade" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Makkabi-Spiele</a> statt &#8211; gewissermaßen die jüdische Antwort auf Olympia. </p>
<p>Erwartet werden mehr als 2000 Sportler aus über 40 Nationen, die sich auf/in/an diversen Courts, Hallen, Becken, Tischen (Schach!) etc. messen werden.</p>
<p>Erstmals ausgetragen wurde die Makkabiade 1932 im noch jungen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Maccabiah_Games#History" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Tel Aviv</a> &#8211; sportlich sicherlich hochwertig, PR-technisch vielleicht noch etwas unterentwickelt (wie der Vergleich zeigt) &#8230; ;)     </p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:345px" data="http://www.youtube.com/v/6vD0gBZbp-Q?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/6vD0gBZbp-Q?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">Die erste Makkabiade – Tel Aviv 1932</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:259px" data="http://www.youtube.com/v/KmPPoqDPQ_g?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/KmPPoqDPQ_g?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">Die aktuelle Makkabiade – Wien 2011 (Vorschau)</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/hedyBienenfeld.jpg" width="301" height="172" alt="Hedy Bienenfeld-Wertheimer, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hedy_Bienenfeld" /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hedy_Bienenfeld" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Schon seinerzeit war übrigens auch eine österreichische Delegation vertreten, und zwar durchaus erfolgreich:<br />
So etwa konnten die heimischen jüdischen Zeitungen, geradezu euphorisch bezüglich des &#8220;glänzenden Verlaufs&#8221; der Spiele, österreichische Erfolge in den Box- und Schwimmbewerben (u.a. durch die damalige Spitzenschwimmerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hedy_Bienenfeld" title="Externer Link zu 'de.wikipedia'">Hedy Bienenfeld-Wertheimer</a>) vermelden &#8230;</p>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[040711]" title="'Die Makkabiah' - in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/stimmeGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/stimmeGR.jpg" width="550" height="557" alt="'Die Makkabiah' - in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932" /></a></p>
</div>
<p class="centered">&#8220;Die Makkabiah&#8221; &#8211; in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932, <abbr>S.</abbr> 3 (entnommen aus dem Online-Archiv &#8220;<a href="http://www.compactmemory.de/" title="Externer Link zu 'compactmemory.de">Compact Memory</a>&#8221; &#8211; Die Stimme, <abbr>Jg.</abbr> 1932. <abbr>H.</abbr> 222, 5) </p>
<p>Man beachte &#8211; so nebenbei &#8211; auf derselben Seite auch das großartige, ja geradezu künstlerisch wertvolle Inserat für das &#8220;100% reine Kokosnussfett&#8221; Kunerol, hergestellt &#8220;unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S[amuel] Ehrenfeld zu Mattersburg&#8221; (!), das/der hier auch schon bei anderer Gelegenheit <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/09/27/bild-der-woche-kunerol/" title="Interner Link zum 'Bild der Woche - Kunerol'">Thema</a> war &#8230;</p>
<p>Weitere Infos zum sportlichen und Rahmen-Programm der aktuellen Wiener Makkabiade auf: </p>
<p class="centered"><a href="http://www.emg2011.eu/home" title="Externer Link">emg2011.eu</a></p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir &#8211; aus der breiten Presse-Berichterstattung zum Thema &#8211; die Interviews mit Makkabiade-Organisator und <acronym>IKG</acronym>-Vizepräsidenten <a href="http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/sport/mehr_sport/26186_Rekord-Teilnahme-ist-fix.html" title="Externer Link zu 'wienerzeitung.at...'">Oskar Deutsch</a> und Wiens Bürgermeister <a href="http://derstandard.at/1308680206537/Standard-Interview-Unser-Verhaeltnis-ist-noch-immer-ambivalent" title="Externer Link zu 'derstandard.at...'">Michael Häupl</a>.</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Er führte mich in einen Ort der Gelehrsamkeit &#8230;</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/06/26/er-fuhrte-mich-in-einen-ort-der-gelehrsamkeit/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/06/26/er-fuhrte-mich-in-einen-ort-der-gelehrsamkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 09:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur &#8220;Jahrzeit&#8221; von Rabbi Meir Eisenstadt &#8211; MaHaRaM ASCH Das bedeutendste Grab am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt und wohl auch das bekannteste aller jüdischen Friedhöfe des heutigen Burgenlandes, ist jenes des ersten Rabbiners der Gemeinde Eisenstadt: Meir ben Isak, der später den Namen seiner Wirkungsstätte annahm und &#8211; in der hebräischen Abkürzung &#8211; MaHaRaM [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zur &#8220;Jahrzeit&#8221; von Rabbi Meir Eisenstadt &#8211; MaHaRaM ASCH</h3>
<p>Das bedeutendste Grab am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt und wohl auch das bekannteste aller jüdischen Friedhöfe des heutigen Burgenlandes, ist jenes des ersten Rabbiners der Gemeinde Eisenstadt: Meir ben Isak, der später den Namen seiner Wirkungsstätte annahm und &#8211; in der hebräischen Abkürzung &#8211; MaHaRaM ASCH genannt wird. </p>
<div class="centered">
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</div>
<p class="centered">Älterer jüdischer Friedhof mit dem Grab von Rabbi Meir Eisenstadt<br />
<em>Um das Panorama auf Vollbild zu vergrößern, klicken Sie bitte auf das 2. Symbol von rechts</em></p>
<p>Der erste Träger des Namens &#8220;Eisenstadt&#8221; bzw. &#8220;Asch&#8221; war zugleich die herausragendste rabbinische Persönlichkeit der Judengasse. Über sein Leben ist nur wenig bekannt: Meir ben Isak wurde um 1670 in Polen geboren und verbrachte mehrere Jahre seiner Jugend in Sochaczew, wo er im Haus seines Schwiegervaters, der Vorsteher des Kreises von Posen war, lebte und sich ganz dem Studium widmen konnte. 1693 finden wir den noch jungen Meir im Rabbinatskollegium von Sochaczew, einige Zeit später mußte er beginnen, für sich selbst zu sorgen und nahm eine Rabbinerstelle in Szydlowiec an. Dort jedoch fühlte er sich nicht recht wohl, doch lernte er glücklicherweise Samson Wertheimer kennen, der ihm sehr schnell ein Gönner wurde und ihn nach Worms, seiner Geburtsstadt, brachte. 1702 besorgte Wertheimer seinem Schützling eine Rabbinerstelle in Proßnitz, wo auch der erste Teil seines berühmten Responsenwerkes entstand. Aus unbekannten Gründen verließ Meir nach 10 Jahren Proßnitz und kehrte merkwürdigerweise wieder nach Szydlowiec zurück. Von dort berief ihn Wertheimer im Jahr 1717 nach Eisenstadt, wo er am 3. Dezember eintraf und über 26 Jahre bis zu seinem Tod verblieb. Auch das Grab seiner ersten Gattin, Finkel, die 1730 starb, befand sich in Eisenstadt, ist aber leider nicht erhalten geblieben. Aus der Konskriptionsliste vom 6. Dezember 1735 wissen wir, dass er ein zweites Mal verheiratet war; als Mitglieder seines Hausstandes werden angegeben: Gattin, zwei erwachsene Kinder, zwei Diener, ein Dienstbote, zusammen sieben Personen. </p>
<p>Meirs Ruf reichte bald weit über die Grenzen der Stadt hinaus: Schüler aus allen umliegenden Ländern kamen an seine Jeschiva. Er selbst war offenbar ausgesprochen dankbar für sein Amt in der Gemeinde Eisenstadt, denn zehn Jahre nach seinem Amtsantritt kleidete er in der Vorrede zu seinen in Eisenstadt vollendeten &#8220;Novellen zum Traktat Bava Kama&#8221; die Erreichung seines Lebenszieles in die Worte: </p>
<blockquote><p>Danken will ich Gott und ihn weit vernehmlich preisen, dass er mich Dürftigen aus der Niederung erhoben und unter vornehme, rühmenswerte Menschen gesetzt. Er hat mich in einen würdigen Ort, wo Gelehrsamkeit anzutreffen ist, d. i. unsere würdige Gemeinde Eisenstadt, gebracht. Dort fand ich viele gelehrte und scharfsinnige Männer. Auch haben die Vornehmen der Gemeinde für die Erhaltung einer Schule, in welcher ich vor lernbegierigen Jünglingen ständige Vorträge hielt, Sorge getragen. Mit ihnen versenkte ich mich in die Tiefen der Halacha (Religionsgesetz) und zeichnete alles auf &#8230;
</p></blockquote>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[260611]" title="Titelseite Panim Me'irot (Leuchtendes Antlitz)" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/panimMeirotGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/panimMeirot.jpg" width="150" height="220" alt="Titelseite Panim Me'irot (Leuchtendes Antlitz)" /></a></p>
</div>
<p>Sein berühmtestes Werk ist die Responsensammlung &#8220;<a href="http://www.hebrewbooks.org/1302" title="Externer Link zu 'hebrewbooks.org...'">Panim Me&#8217;irot</a>&#8221; (Leuchtendes Antlitz), dessen erster Teil schon in Proßnitz entstanden und 1715 in Amsterdam erschienen ist. Die beiden restlichen Teile wurden 1733 und 1738 in Sulzbach gedruckt. Auffällig bei allen Urteilen ist die strenge Sachlichkeit, von der seine Entscheidungen getragen sind. Weil für ihn die Quellenlage dagegen sprach, wandte sich Meir beispielsweise einmal gegen die modernen Gewandstoffe, die die vorgeschriebenen Lederschuhe am Jom Kippur und am Tischa be-Av ersetzen sollten, oder erlaubte den von Christen am Schabbat zubereiteten Kaffee nicht, obwohl dieser vor allem für Christen bestimmt war und demnach die Arbeit nicht auf Veranlassung eines Juden unternommen wurde. Andererseits sah er in der Benützung einer Kutsche mit gepolsterten Bezügen, die mit Zwirnsfäden genäht sind, kein Vergehen gegen das &#8220;Schatnes&#8221;- (Mischungs) Verbot aus dem 3. Buch Mose 19,19 &#8220;<em>Du sollst kein aus zweierlei Fäden genähtes Kleid anlegen</em>&#8220;, da jeglicher Hinweis auf irgendeine Art von Bekleidung fehlte. </p>
<p>Obwohl Meir sich der Gemeinde Eisenstadt stets verbunden fühlte und tiefe Dankbarkeit ihr gegenüber empfand (s. o.), mußte er 1723 die Stadt möglicherweise unfreiwillig verlassen. Darauf weisen sowohl die Tatsache, dass die Gehaltsüberweisungen längere Zeit aussetzen, als auch einzelne Passagen in seinem Responsenwerk hin, in denen es einmal heißt: </p>
<blockquote><p>Dies die Worte dessen, der in tiefster Sorge mit gebrochenem Herzen betet, dass Er uns vor falscher, lügnerischer Zunge behüten möge und in Erfüllung gehe, was von den Bösewichtern gesagt wurde &#8230;,</p></blockquote>
<p>und an einer anderen Stelle wird er deutlicher, wenn er allgemein von &#8220;lügnerischer Zunge&#8221; und von &#8220;Verleumdern und Denunziation&#8221; redet. Der genaue Vorfall liegt bis heute im dunklen, doch scheint sich die Gemeinde bis ins 20. Jahrhundert hinein dieses peinlichen Vorfalls bewusst gewesen zu sein: Montag und Donnerstag wurde in der Synagoge jeweils nach der Toralesung ein eigenes &#8220;Eisenstädter Gebet&#8221; eingeschaltet, als &#8220;trauriges Andenken und nicht leidenschaftloses Memento an jene schaudervolle Zeit, da der weltberühmte Neubegründer der Gemeinde, MaHaRaM ASCH, wegen niederträchtiger Angeberei aus Eisenstadt flüchten mußte&#8221;. Das Gebet enthielt die Bitte, Gott möge die Zwietrachtstifter und hinterlistigen Verleumder, die seinerzeit sogenannten Mosserer aus Israels Mitte verbannen. Fluch und Vernichtung sollte deren Los sein, die den Bestand so mancher Gemeinde gefährdeten, das übrige Volk aber sollte sich der Wiedererbauung Jerusalems freuen können.</p>
<p>Berühmt und bis in jüngere Zeiten bekannt sind verschiedenste von Rabbi Meir erlassene Takkanot, also lokale Regelungen, die, auch wenn in keinem Gesetzeskodex enthalten, für die jeweilige Gemeinde verpflichtend sind:</p>
<p>So erließ Rabbi Meir am 17. April 1730 seine &#8220;Verordnungen zur Verbesserung der Sitten&#8221;, deren genauer Wortlaut hier teilweise wiedergegeben werden soll: </p>
<blockquote><p>Mit Hilfe Gottes. Da wir gesehen haben, dass sich ein göttliches Strafgericht über unsere Gemeinde verbreitet, haben wir beschlossen &#8230; eine Rückschau über unsere öffentlichen Angelegenheiten zu halten. Zuerst muß die neumodische Kleidung erwähnt werden, wie man da in frecher Gewandung einhergeht, in Reifröcken, einer fremden Tracht, die unsere Eltern und Voreltern nicht gekannt haben. Es wurde daher von der Gemeindeverwaltung und vom Rabbinate beschlossen, den Bann zu verkünden (!!) gegen alle, auch junge und kleine Mädchen inbegriffen, die dieses aufreizende Kleid tragen &#8230; Dann wurde mit der Strafe des Banns das Kartenspiel verboten. Bei Wöchnerinnen jedoch dürfen Frauen spielen. Während der Chanukkatage ist auch Männern das Spiel erlaubt, keineswegs aber Männern mit Frauen oder Jünglingen mit Mädchen, auch dann nicht, wenn sie miteinander verwandt sind. Dieses Verbot gilt eine Meile weit im Umkreise unserer Gemeinde &#8230;
</p></blockquote>
<p>Selbstverständlich waren schon in talmudischer Zeit Glücksspiele, bei denen es um Geld ging, verpönt und insbesondere in mittelalterlichen Responsen finden wir vielfach Regelungen bezüglich des Kartenspiels. Am diesbezüglich strengsten sind die &#8220;Takkanot Mähren&#8221;, die zwischen 1658 und 1748 erlassen wurden. Diese dürften denn auch Meir als Vorbild für seine Verordnungen gegolten haben. Auffällig ist jedoch, dass Meir alle Verordnungen unter dem Aspekt der Sittenverbesserung erließ. Äußerer Grund für die Verordnungen scheint die zu dieser Zeit erhöhte Kindersterblichkeit in der Gemeinde gewesen zu sein. Bezüglich der Kleidung darf angemerkt werden, dass die Damen der Gemeinde Eisenstadt ihrer Zeit weit voraus waren, denn die Reifröcke (Krinoline) hatten erst Mitte des 18. Jahrhunderts weite Verbreitung gefunden und vor allem in Galizien noch in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts die Gemüter orthodoxer Kreise stark erregt. Insbesondere das Verbot des Kartenspielens führte zu paradoxen Situationen und nährte den Erfindungsgeist Einzelner. Vor allem Frumet Frau Chajim Halevi Wolf (Babe Frumet), war als wahrhaft Süchtige verrufen. Sie soll sich von armen Wöchnerinnen oft die Wohnungsschlüssel geben haben lassen, wenn selbige schon längst ihren Geschäften nachgingen. Natürlich revanchierte sie sich durch Mahlzeiten und Geldspenden. An Feiertagen oder Halbfeiertagen, wird mehrfach berichtet, ließ sie es sich nicht nehmen, mit ihren Freundinnen ins nächste Dorf &#8211; wo der Bann nicht mehr galt! &#8211; zu gehen, um dort den Tag mit Kartenspiel zuzubringen. </p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[260611]" title="Grab von Rabbi Meir Eisenstadt am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/maharamAschGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/maharamAsch.jpg" width="233" height="409" alt="Grab von Rabbi Meir Eisenstadt am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt" /></a></p>
</div>
<p>Genauso selbstverständlich war es aber auch, dass die Erlässe immer wieder zu Nichteinhaltung und Protesten in der Gemeinde führten. Noch Jahrhunderte später bot das Verbot des Kartenspielens Anlass zu Zwistigkeiten und Uneinigkeiten unter den Bewohnern des Viertels: 1840 entstand ein Konflikt zwischen Rabbiner Isak Mose Perles und dem Gemeindevorstand Löb Wolf in Angelegenheit des von Rabbi Meir seinerzeit erlassenen Verbots des Kartenspiels. Als nämlich der Rabbiner nach Ablauf der zum Spielen erlaubten Zeit in der Synagoge wie üblich ausrufen ließ, dass das Spielen wieder verboten sei, ließ besagter Gemeindevorstand, dem diese Bekanntmachung nicht zusagte, öffentlich durch den Synagogendiener verkünden, dass das Spiel noch weiterhin gestattet sei. Verlierer des Konflikts war damals der Rabbiner, der diese Niederlage nicht verkraften konnte und seine Gemeinde verließ. </p>
<p>Trotzdem ging man in der Gemeinde nicht sorglos mit dem Verbot um, denn bei neuerlicher Übertretung kam es bis zur Aberkennung des Heimatrechtes. Zwar konnte man auch in einem solchen Fall, der urkundlich öfters belegt ist, beim Vorstand um Nachsicht ansuchen, eine Gewährung war aber an die Bedingung geknüpft, hinkünftig einen tadellosen Lebenswandel zu führen. In jedem Fall zog eine Übertretung des Verbotes erhebliche Schwierigkeiten und Peinlichkeiten nach sich.</p>
<p>Bei allem &#8211; besonders aus heutiger Sicht sicher legitimen &#8211; Unverständnis über solch rigorose Verordnungen, scheint es nicht ganz unbedeutsam, dass sich sogar noch in den Jahren vor 1938 auch jene Bewohner des jüdischen Viertels von Eisenstadt, die es sonst nicht so genau mit dem Einhalten der Gebote nahmen, des Verbots des Kartenspielens wohl bewusst waren und sich, zumindest bis zu einem gewissen Grad, daran hielten; denn in der Synagoge wurde, so wie Jahrhunderte zuvor, einige Tage nach dem Chanukkafest vom Rabbiner feierlich ausgerufen: </p>
<blockquote><p>Das Spielen ist osser kivme kedem<br />
(Das Spielen ist verboten wie in alten Zeiten).
</p></blockquote>
<p><strong>MaHaRaM ASCH starb am 27. Siwan 5504 in Eisenstadt (07. Juni 1744; heuer ist das kommender Mittwoch, der 29. Juni 2011). </strong></p>
<p>Sein Grab auf dem älteren jüdischen Friedhof ist noch heute &#8211; vor allem in diesen Tagen, zu seiner &#8220;<a href="http://www.ojm.at/artikel/jahrzeit/" title="Interner Link zu Artikel auf unserer statischen Website">Jahrzeit</a>&#8221; &#8211; das Ziel von orthodoxen Juden aus aller Welt, die das Gedächtnis an diesen großen Lehrer aufrechterhalten.<br />
In diesen Tagen wird mir immer der oft gehörte Satz bewusst, dass nämlich das kleine Eisenstadt weltbekannt wurde aufgrund von zwei Berühmtheiten: Joseph Haydn und Meir Eisenstadt &#8230; wenn auch Letzterer (leider) nur in der jüdischen Welt bekannt ist &#8230;</p>
<p class="tipp">PS: Und sogar auf <a href="http://www.facebook.com/pages/Meir-Eisenstadt/103192266403258" title="Externer Link zu 'facebook.com...'">Facebook</a> ist Meir Eisenstadt zu finden &#8230;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wenn Würmer in den Kirschen nisten &#8230;</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/06/12/wenn-wuermer-in-den-kirschen-nisten/</link>
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		<pubDate>Sun, 12 Jun 2011 09:02:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[koscher]]></category>
		<category><![CDATA[schawuot]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt ist Kirschenzeit. Hier im Burgenland, nahe Eisenstadt, gibt es den wunderschönen Kirschblüten-Radweg, die Bäume blüh(t)en prächtig (die eigentliche Kirschblüte ist schon vorüber) und auch auf den Märkten erhält man allerorts die leckeren Früchte aus der Familie der Rosengewächse. Nun mag aber etwas die Freude des Kirschenessens trüben, nämlich die Würmer, die sich nur allzu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist Kirschenzeit. Hier im Burgenland, nahe Eisenstadt, gibt es den wunderschönen Kirschblüten-Radweg, die Bäume blüh(t)en prächtig (die eigentliche Kirschblüte ist schon vorüber) und auch auf den Märkten erhält man allerorts die leckeren Früchte aus der Familie der Rosengewächse.</p>
<div id="mittig3c">
<ul id="bildchen4">
<li><a rel="lightbox[110611]" title="Dienstliche Radtour zum Kirschblütenweg ;)"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen01.jpg" width="150" height="150" alt="Dienstliche Radtour zum Kirschblütenweg ;)" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[110611]" title="Noch: Kirschen ohne Würmer ..."  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen02.jpg" width="150" height="150" alt="Noch: Kirschen ohne Würmer ..." /></a></li>
<li><a rel="lightbox[110611]" title="Kirschen am Markt ..."  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kirschen03.jpg" width="150" height="150" alt="Kirschen am Markt ..." /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Nun mag aber etwas die Freude des Kirschenessens trüben, nämlich die Würmer, die sich nur allzu gern in den Kirschen einnisten …<br />
Und genau diese Würmer sind es auch, die eine Kirsche im Judentum zum verbotenen Lebensmittel machen (<span lang="en" xml:lang="en">Update, 13.06.2011</span>: so sie nicht aufgemacht und untersucht werden, <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/12/wenn-wuermer-in-den-kirschen-nisten/#comment-1781" title="Interner Link nach unten zu den Kommentaren">siehe Kommentare</a>). Mit anderen Worten: Kirschen gelten nur so lange als rituell in Ordnung und im weiteren Sinn als koscher, solange sie wurmfrei sind (Mit Ausnahme von vier Heuschreckenarten sind alle Reptilien, Amphibien, Würmer und Insekten unreine Tiere)!</p>
<p>Ein sehr schöner Merksatz hat sich mir dabei gut eingeprägt: </p>
<p class="centeredGR"><strong>Kirschen bis Korach</strong></p>
<p>&#8220;<a href="http://www.hagalil.com/judentum/torah/wochenabschnitt/korach.htm" title="Externer Link zu 'hagalil.com...'">Korach</a>&#8221; (4. Buch Mose &#8211; Numeri &#8211; 16,1-18,32) ist jener Leseabschnitt der Tora (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parascha" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Parascha</a>), der heuer am Schabbat, dem 25. Juni, also in knapp 2 Wochen, gelesen wird! Bis zu diesem Datum also dürfen Sie noch gefahrlos Kirschen genießen, danach müssten Sie die Kirschen schon genau untersuchen, um zu klären, ob es sich Würmer in ihnen wohnlich gemacht haben ;)</p>
<p>Ob der Spruch &#8220;Kirschen bis Korach&#8221; in der jüdischen Gemeinde Eisenstadt früher auch bekannt war, vermag ich nicht zu beurteilen, die Würmer in den Kirschen waren jedenfalls sehr wohl schon ein Thema kurz nach Schavu&#8217;ot:</p>
<blockquote><p>Bald nach <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/07/schavuot-57712011/" title="Interner Link zum Artikel Schavu'ot 5771/2011">Schowuoth</a> ist das Schuljahr zu Ende: die Gasse wird leerer, denn die Kinder vom Lande fahren nach Hause. Noch eine Pflicht haben sie sozusagen zu erfüllen: den ersten Wurm in den Kirschen zu suchen und zu finden. Wer die erste wurmige Kirsche zum Rabbiner bringt, erhält vom Tempelvorsteher 10 kr. ausbezahlt; in der Gasse aber wird verrufen, dass unaufgemachte Kirschen von nun an &#8220;osser wie cahser&#8221; (verboten wie Schweinefleisch) sind [...]</p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<p>PS: Heißt es im Judentum &#8220;Kirschen bis Korach&#8221;, so hört man &#8211; zumindest in unserer Region &#8211; oft den Spruch: &#8220;Die Maikirschen (also die ersten Kirschen) haben keine Würmer&#8221;.</p>
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		<title>Schavu&#8217;ot 5771/2011</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/06/07/schavuot-57712011/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 08:34:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[schawuot]]></category>

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		<description><![CDATA[Du sollst das Wochenfest feiern, das Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte und das Fest der Lese an der Jahreswende. 2. Buch Mose (Exodus) 34,22 Am 06. Tag des Monats Sivan (heuer Mittwoch, 08. Juni) wird Schavu&#8217;ot gefeiert. In der Diaspora dauert das Fest zwei Tage, also heuer 08. und 09. Juni. Das hebräische Wort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Du sollst das Wochenfest feiern, das Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte und das Fest der Lese an der Jahreswende.</p></blockquote>
<p><cite>2. Buch Mose (Exodus) 34,22</cite></p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[220511]" title="Aus unserer Dauerausstellung: Emmanuel Levy, Rabbiner mit Torarollen" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/eLevyGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/eLevy.jpg" width="180" height="236" alt="Aus unserer Dauerausstellung: Emmanuel Levy, Rabbiner mit Torarollen" /></a></p>
</div>
<p>Am 06. Tag des Monats Sivan (heuer Mittwoch, 08. Juni) wird Schavu&#8217;ot gefeiert. In der Diaspora dauert das Fest zwei Tage, also heuer 08. und 09. Juni. Das hebräische Wort &#8220;Schavu&#8217;ot&#8221; bedeutet &#8220;Wochen(fest)&#8221;, weil es auf den 50. Tag (<abbr>ca.</abbr> 7 Wochen) nach dem Pesachfest fällt. Andere meinen, dass das Wort nicht &#8220;Wochen(fest)&#8221; bedeutet, sondern &#8220;Gelübde&#8221;, weil mit diesem Fest zwei Gelübde verbunden sind: das Gelübde, das das Volk Israel am Fuß des Sinai ablegte &#8211; <em>&#8220;Wir wollen tun, wir wollen gehorchen&#8221;</em> (2. Buch Mose 24,7) -, und das Gelübde, das der Herr ablegte, als er versprach, das erwählte Volk durch kein anderes zu ersetzen. Ein weiterer Name für das Fest ist &#8220;das Fest der Gesetzgebung&#8221;, weil der Auszug aus Ägypten (Pesach) nur die Vorbereitung für die Gesetzgebung am Fuße des Berges Sinai war.<br />
<br class="clear" /></p>
<p>Schon in unserem <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/06/05/bild-der-woche-die-beruehmte-kette/" title="Interner Link zu 'Bild der Woche - Die berühmte Kette'">ersten Beitrag zu Schavu&#8217;ot</a> lesen wir, dass zuweilen Fehler passierten beim (rituellen) Zählen der 49 Tage zwischen Pesach und Schavu&#8217;ot. ;) </p>
<p>Und unser <a title="Nach unten zum Tipp'" href="#tipp">Tipp</a>, den herrlichen schavu&#8217;ot-typischen Topfen-/Käsekuchen zu genießen, gilt übrigens auch nur, wenn Sie richtig gezählt haben:</p>
<blockquote><p>Zu Schowuoth gilt es den Tempel recht hübsch herzurichten. Grünende Triumphbögen, blühende Kronen, duftendes Heu gestalten den Aufenthalt im Gotteshause wirklich zum Naturgenuß. Die erste Nacht wird trotzdem nicht hier, sondern im Beth-hammidrasch [Lehrhaus] &#8211; Lokal zugebracht (siehe unten); dort wird auch schwarzer Kaffee serviert und bei Morgengrauen das Morgengebet verrichtet. In der Frühe steht Jüdelein dann auf wie ein &#8220;Goj&#8221;, d.h. er setzt sich, ohne früher zu beten, zum Frühstück, zu den lachenden &#8220;Zworachdelkel&#8221;, Topfenkuchen, die nur demjenigen gebühren, der alle 49 Tage ohne Fehler gezählt hat [...]
</p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<p>Schavu&#8217;ot ist der Festtag der Tora schlechthin. Im Mittelpunkt steht die Erwählung Israels, die Verkündung der 10 Gebote und die Übergabe der Bundestafeln. In der Liturgie wird das Fest &#8220;Fest der Gabe unserer Tora&#8221; <span class="hebr" dir="rtl">זמן מתן תורתנו</span> genannt.</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:259px" data="http://www.youtube.com/v/kq4h3Opy-Xc?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/kq4h3Opy-Xc?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered"> Lyrics und Musik im Video von der großartigen <a href="http://www.naomiless.com/" title="Externer Link zu 'naomiless.com'"><span lang="en" xml:lang="en">Naomi Less</span></a>, Songschreiberin und Musikerin, die vor allem mit ihrem Projekt &#8220;<a href="http://www.jewishchicksrock.com/" title="Externer Link">Jewish Chicks Rock</a>&#8221; große Bekanntheit erlangte, ein Projekt, mit dem sie jüdische Mädchen auf ihre Zukunft vorbereiten möchte. </p>
<p>Der Abend von Schavu&#8217;ot ist ganz dem Torastudium gewidmet und um das Verhalten der Vorfahren zu &#8220;korrigieren&#8221; und ihre fehlende Wachsamkeit wiedergutzumachen (das Volk hatte trotz rechtzeitiger Ankündigung der Gesetzgebung am Sinai geschlafen und musste von Mose aufgeweckt werden), wird diese Nacht der Wache als &#8220;Tikun&#8221;, als Korrektur des Abends des Wochenfestes, bezeichnet (s.o. Bericht von Fürst). Man bleibt daher meist die ganze Nacht über wach und verbringt die Zeit mit dem gemeinsamen Torastudium, hört Vorträge, singt und tanzt und studiert wieder &#8230; bis zum Morgengrauen, daher gilt für heute Abend:</p>
<p class="centered"><strong>Stay Up All Night!</strong></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:345px" data="http://www.youtube.com/v/qFG_2iT-Lm4?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/qFG_2iT-Lm4?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered"> Danke unserem Kommentator Meir Deutsch für den Videolink!</p>
<p class="centered">
<strong>Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schavu&#8217;ot!</strong></p>
<p class="centered"><span class="hebr" dir="rtl">חג שבועות שמח!</span></p>
<p class="tipp"><a id="tipp" name="tipp"></a>Wir dürfen auch nochmals auf unsere beiden Beiträge über die 10 Gebote hinweisen: <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/19/die-10-gebote-i/" title="Interner Link zum ersten Beitrag">&#8220;Die 10 Gebote I&#8221;</a> und <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/26/die-10-gebote-ii/" title="Interner Link zum zweiten Beitrag">&#8220;Die 10 Gebote II&#8221;</a> sowie auf die schon vergangenes Jahr verlinkte ausführlichere <a href="http://www.talmud.de/cms/Schawuot_Fest_der_Torah.175.0.html" title="Externer Link zu 'talmud.de...'">Einführung zu Schavu&#8217;ot von Michael Rosenkranz</a> und wünschen guten Appetit mit dem herrlichen <a href="http://buecher.hagalil.com/sonstiges/kochen.htm" title="Externer Link zu 'buecher.hagalil.com...'">schavu&#8217;ot-typischen Käsekuchen</a> :)</p>
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		<title>Lag Ba-Omer</title>
		<link>http://www.ojm.at/blog/2011/05/22/lag-ba-omer/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 May 2011 09:07:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[meron]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 33. Tag der Omer-Zählung, heuer heute am 22. Mai, wird in Israel ein Volksfest besonderer Art gefeiert: Lag Ba-Omer. An diesem Tag ist vor ca. 2000 Jahren Rabbi Schimon (Simon) Bar Jochai, ein Schüler des Tannaiten Rabbi Akiva und vehementer Gegner der Römer im großen Aufstand, in ein besseres Jenseits eingegangen. Im Heiligen Land [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[220511]" title="Lag-Ba-Omer-Lagerfeuer, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Lag_BaOmer" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/lagbaomerFGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/lagbaomerF.jpg" width="250" height="333" alt="Lag-Ba-Omer-Lagerfeuer, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Lag_BaOmer" /></a><br />
<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lag_BaOmer" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Am 33. Tag der Omer-Zählung, heuer heute am 22. Mai, wird in Israel ein Volksfest besonderer Art gefeiert: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lag_baOmer" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Lag Ba-Omer</a>. An diesem Tag ist vor ca. 2000 Jahren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schimon_ben_Jochai" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Rabbi Schimon (Simon) Bar Jochai</a>, ein Schüler des Tannaiten Rabbi Akiva und vehementer Gegner der Römer im großen Aufstand, in ein besseres Jenseits eingegangen. Im Heiligen Land wird dieses Ereignis schon mindestens seit dem 19. Jahrhundert mit dem Entzünden eines Feuers in Meron in Galiläa begangen.</p>
<p>Der hauptsächliche Festakt findet noch immer an diesem Ort, neben Rabbi Schimons Grabbau, statt. Der Moschaw Meron ist eine kleine landwirtschaftliche Siedlung, die vor allem von der Zimmervermietung an religiöse Sommerfrischler und auch vom Lag-Ba-Omer-Tourismus lebt.</p>
<p>Im Laufe der Jahre hat sich der Brauch des Feuerzündens im ganzen Land verbreitet und wahrhaft epidemische Ausmaße angenommen.</p>
<p>Schon längere Zeit vor dem Festtag sind die lieben Kleinen – hauptsächlich Buben natürlich – eifrig dabei, Äste, Bretter und dergleichen als Brennmaterial zu finden. Alles, was aus Holz und nicht niet- und nagelfest ist, ist dazu bestimmt, auf dem &#8220;Scheiterhaufen&#8221; zu landen. Die Kinder formieren sich zur Materialsuche in Gruppen. Der &#8220;Wettkampf&#8221; mit anderen Gruppen gehört da natürlich auch zu den Vorbereitungen. </p>
<p>Leider zählen in den Augen der Kinder auch die Holzplattformen von Gabelstaplern zum Brennmaterial. Diese Dinge werden dann oft mit eigens dazu &#8220;ausgeliehenen&#8221; Supermarkt-Wägen zum Ort des Geschehens verbracht. Natürlich erlaubt die Tora einen solchen Diebstahl nicht. Aber vergeblich zetern Eltern und Rabbiner dagegen. Die Kinder bringen einen wahren FEUEReifer bei diesen Fest-Vorbereitungen zu Ehren des Rabbi Schimon Bar Jochai auf – einen Eifer, den sie zum Leidwesen ihrer Erzieher beim Lernen allzu oft vermissen lassen.</p>
<p>Und wenn dann überall die Feuer brennen, dann sind die Eltern damit beschäftigt, hinter ihrem Nachwuchs herzurennen, damit sie den Flammen nicht zu nahe kommen. Bei der hier üblichen Anzahl von Kindern pro Familie ist das gar nicht einfach.</p>
<p>Leider verbrennen die Kinder nicht nur Holz oder Papier. Der Anblick der züngelnden Flammen macht zahlreiche Menschen anscheinend zu Pyromanen. Da wird dann alles in das Feuer geworfen, was nur so herumliegt. Leider auch Plastik. Und besonders attraktiv für schlimme Buben sind natürlich Spraydosen. Die explodieren nämlich so schön! </p>
<p>Früher, als es hier noch zahlreiche freie Plätze zwischen den Häusern gab, war die Stadt (Bnei-Brak) voller Feuer. Inzwischen ist fast alles verbaut, und so hat sich die Anzahl der &#8220;Scheiterhaufen&#8221; zwangsläufig drastisch vermindert.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[220511]" title="Grab von R. Simon bar Jochai in Meron, Foto: Jonathan Stein, http://en.wikipedia.org/wiki/Lag_BaOmer" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabRSimonbJGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/grabRSimonbJ.jpg" width="250" height="188" alt="Grab von R. Simon bar Jochai in Meron, Foto: Jonathan Stein, http://en.wikipedia.org/wiki/Lag_BaOmer" /></a><br />
<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lag_BaOmer" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Aber auch heute ist es ratsam, vor Lag Ba-Omer die Wäsche von der Leine zu nehmen, damit sie nicht geräuchert wird. Das G&#8217;rucherl bringt man dann nur mehr schwer weg. Und jedes Mal vor dem Fest bete ich, dass das Wetter klar ist und der Wind weht. Ich erinnere mich mit Schrecken an einen bestimmten Lag-Ba-Omer-Tag, an dem Inversionswetterlage herrschte. Der Brandgeruch lastete schwer auf der Stadt und verursachte mir Kopfweh. Noch ein, zwei Tage später hat er sich kaum verzogen. Wie haben das die Asthmatiker nur aushalten können?</p>
<p>Es heißt, die Kinder würden um die Feuer tanzen und singen. In dem Vierteljahrhundert, in dem ich hier lebe, habe ich das aber selten gesehen. Das geschieht nur bei den offiziellen Feiern, an denen Rabbiner teilnehmen. Die Kinder grillen lieber Kartoffeln und Würstel, und so wird der Akt der Verbrennung von einem rein spirituellen auch zu einem irdisch-kulinarischen. Und so sitzt dann die junge Generation schließlich einträchtig zusammen und verzehrt halb rohe, halb verkohlte Erdäpfel. Zu dem Zeitpunkt sind die Kinder schon von oben bis unten mit einer dicken Schweiß- und Rußschicht bedeckt und riechen, als seien sie selbst gegrillt worden. Die Mütter werden bei ihrem Heimkommen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und den Nachwuchs gleich in die Badewanne stecken. </p>
<p>Wenn dann, spät in der Nacht, die Feuer erloschen sind und die sich im Dauereinsatz befindenden Feuerwehrleute auch die letzten glimmenden Kohlen ausmachen, dann sprechen die Eltern aus dankbarem Herzen ein Gebet, dass alles – Gott und Rabbi Schimon sei Dank! – gut verlaufen ist.</p>
<p class="tipp"><a href="http://www.kikarhashabat.co.il/%D7%9E%D7%99%D7%A8%D7%95%D7%9F-23.html" title="Externer Link zu 'kikarhashabbat.co.il...'">Hier das diesjährige Anzünden des Feuers in Meron durch den Bojaner Rebben.</a> Dem jeweiligen Bojaner Rebbs, Nachkommen des Rabbi Israel von Ruzhin aus Sadagora, ist dieses Privileg vorbehalten!</p>
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