Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Leben und Glaube

Bild der Woche – Jahrzeit

Oskar Schiller, 1918 in Eisenstadt geboren, ist nach 1945 wieder nach Eisenstadt zurückgekommen. In der Shoa hat er seine Eltern und alle Geschwister verloren, er überlebte als einziger seiner Familie….

Oskar Schiller, 1918 in Eisenstadt geboren, ist nach 1945 wieder nach Eisenstadt zurückgekommen. In der Shoa hat er seine Eltern und alle Geschwister verloren, er überlebte als einziger seiner Familie.

Jahrzeitlicht für Familie Schiller

Während der Hohen Feiertage, meist vor Yom Kippur, besuchte Herr Schiller alljährlich die Synagoge, „seinen Tempel“, wie er immer sagte, um dort das Jahrzeitlicht für seine Familie anzuzünden.


נר זכרון
לנשמות הורי
ר‘ בנימין בן
נתן הלוי
שיללער
ורעיתו ובנם
ובתם

In deutscher Übersetzung‘:

Gedächtnislicht
für meine Eltern,
Herrn Benjamin, Sohn
des Natan HaLevi
Schiller,
und seine Gattin, ihre Söhne und Töchter

Herr Schiller, ז“ל, starb am 17. Februar 2005 – und mit ihm auch diese schöne Tradition.

Siehe dazu auch unseren Beitrag „Rosch haSchana 5770 – Die Wertheimer’sche Schul“.


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Bild der Woche – Friedhofsevent?

Frage: Was haben der jüdische Friedhof in Wiener Neustadt, eine Wiener „Clubdisco“ und der „Altausseer Kiritag“ gemeinsam? Alle drei finden sich im „Eventkalender“ eines österreichischen Privatfernsehsenders. Dort steht u.a. das…

Frage: Was haben der jüdische Friedhof in Wiener Neustadt, eine Wiener „Clubdisco“ und der „Altausseer Kiritag“ gemeinsam?

Alle drei finden sich im „Eventkalender“ eines österreichischen Privatfernsehsenders.

Screenshot Puls4 Jüdischer Friedhof Eventdatenbank

Dort steht u.a. das Folgende zu lesen:

Jüdischer Friedhof in Wiener Neustadt ist deine Lieblingslocation? Hier findest du alle Fotos, Videos, Events, Veranstaltungstipps und Gleichgesinnte!

Wer da auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auch gleich als „Fan“ seiner/ihrer „Lieblingslocation“ outen (diesbezüglich haben Clubdisco, Kiritag & Co unseren Friedhof allerdings längst abgehängt – „Es gibt noch keine Fans zu dieser Location„).

Wenn wir uns auch für die Werbung für unser Haus auf nämlicher Website herzlich bedanken (und auch wissen, dass solche Inhalte mehr oder minder automatisch generiert werden), so scheinen uns doch „Lieblingslocation“, „Eventetc. in Zusammenhang mit einem (jüdischen) Friedhof von einer gehörigen Sprach- bzw. Geschmacksver(w)irrung zu zeugen …


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Bild der Woche – Wertheimer-Grab

Samson Wertheimer war im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert Landesrabbiner von Ungarn – und ein potenter Förderer der jungen „Siebengemeinden“. Wertheimer starb am 17. Av 5484, das ist der…

Samson Wertheimer war im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert Landesrabbiner von Ungarn – und ein potenter Förderer der jungen „Siebengemeinden“.

Wertheimer starb am 17. Av 5484, das ist der 6. August 1724; der 17. Av 5769 (7. August 2009) ist demnach sein 285. Todestag (Jahrzeit).

Wertheimers Grab befindet sich auf dem Friedhof Seegasse in Wien IX.


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Dance me to your beauty with a burning violin

Am 26. August 1943 wurden aus Krimilew im südlichen Polen 400 Juden in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Am selben Tag wird das Ghetto von Zawiercie bei Kattowitz liqudiert, die Juden…

Am 26. August 1943 wurden aus Krimilew im südlichen Polen 400 Juden in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Am selben Tag wird das Ghetto von Zawiercie bei Kattowitz liqudiert, die Juden ebenfalls ins Vernichtungslager von Auschwitz gebracht.

Mitte 1943 wurde auch auf Befehl der SS das Mädchenorchester im Frauenlager Auschwitz-Birkenau aufgebaut.
Geleitet wurde es von der berühmten österreichischen jüdischen Geigerin Alma Rose, der Nichte von Gustav Mahler.

Ein Männerorchester gab es in Auschwitz schon seit Jänner 1941. Die Musik wurde von den Nationalsozialisten befohlen, die Orchester, die es in fast allen Konzentrationslagern gab, mussten einerseits für gute Laune unter der SS sorgen und andererseits spielen, wenn neue Transporte ankamen.

Morgen, am 26. August gibt Leonhard Cohen in Wiesen, nur wenige Kilometer von Eisenstadt entfernt, sein Konzert.
Und er wird wohl unter anderem auch „Dance me to the end of Love“ singen.

Seit ich (musikalisch) denken kann, liebe ich die Lieder von Leonhard Cohen, höre sie immer und immer wieder.
Ich bin kein Musikspezialist oder gar -kritiker, mir gefällt ganz einfach seine Musik und sie berührt mich, mir gefällt seine Lyrik, ich liebe das schwermütige Timbre seiner Stimme.

Leonhard Cohen zitiere ich seit vielen Jahren bei Führungen im Museum jedes Mal, wenn über das Wort „Kohen“ (Plural ‚Kohanim‘, Priester) gesprochen wird, als Beispiel dafür, dass man am Namen (Kohn, Kahn, Cohen, Katz – Kohen Zedek ‚gerechter Priester‘ usw.) die priesterliche Tradition, in der der Namensträger steht, erkennen kann.
Und fast jedes Mal registriere ich, dass mein Beispiel bei vielen jungen Besucherinnen/Besuchern so gar nicht ankommt, weil sie Leonhard Cohen offensichtlich nicht (mehr) kennen …

Ich liebe die Lieder von Leonhard Cohen nicht wegen ihrer jüdischen und/oder zeitgeschichtlichen Interpretationen (ich mochte sie schon, als ich die Zusammenhänge noch gar nicht begriff), ich glaube aber, dass es faszinierend ist, diese Zusammenhänge zu kennen. Sie graben sich ins Gedächtnis ein und ich höre heute manche Lieder von Leonhard Cohen nicht weniger gern, aber anders.

In einem Interview erzählt Cohen die Entstehungsgeschichte seines Liedtextes „Dance me to the end of Love„, insbesondere der Textzeile „Dance me to your beauty with a burning violin„:

Dance me to the end of Love‘ … it’s curious how songs begin because the origin of the song, every song, has a kind of grain or seed that somebody hands you or the world hands you and that’s why the process is so mysterious about writing a song. But that came from just hearing or reading or knowing that in the death camps, beside the crematoria, in certain of the death camps, a string quartet was pressed into performance while this horror was going on, those were the people whose fate was this horror also. And they would be playing classical music while their fellow prisoners were being killed and burnt. So, that music, ‚Dance me to your beauty with a burning violin,‘ meaning the beauty there of being the consummation of life, the end of this existence and of the passionate element in that consummation. But, it is the same language that we use for surrender to the beloved, so that the song — it’s not important that anybody knows the genesis of it, because if the language comes from that passionate resource, it will be able to embrace all passionate activity.

Leider ist das YouTube-Video mit dem Interview nicht mehr aufrufbar (falls jemand einen Link dazu oder zum Interview kennt, würde ich mich sehr freuen), zitiert wurde hier aus en.wikipedia.org.

PS: Da die Hohen Feiertage, Rosch HaSchana (Neujahr) und Jom Kippur (Versöhnungstag), vor der Tür stehen, schon jetzt der Hinweis auf ein weiteres Lied von Leonhard Cohen „Who by fire?„.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir Ihnen selbstverständlich vor allem den Besuch des Konzertes in Wiesen, das Anhören des besprochenen Liedes (s.o. Video) sowie die Lektüre eines schon ein wenig älteren, aber sehr guten Artikels über Leonhard Cohen in der Süddeutschen Zeitung


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