Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: ‚Mitbringsel / Souvenirs‘

Italienische Reise – Abbazia / Opatija

Überblicksseite Jüdischer Friedhof Abbazia / Opatija Die Grabsteine (The Gravestones) Personenregister Der zweite Teil unserer kleinen Serie: ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in…


Der zweite Teil unserer kleinen Serie: ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul und in 2 ehemals italienischen Städten, die nunmehr in Kroatien liegen.
Nach Fiume / Rijeka reisen wir heute ins nahe liegende Abbazia / Opatija, wo der kleine jüdische Friedhof sich ebenfalls auf dem Gelände des städtischen Friedhofs befindet (durch ein Tor abgetrennt).

Abbazia, eine Stadt mit eindeutigen Assoziationen: Sonne, Meer und vor allem Kur.

Den Weltruf verdankt Opatija dem Wiener Mediziner Julius Glax, dem Direktor der städtischen Kurkommission. Seine
Anwendungen an der „österreichischen Riviera“ waren so berühmt, dass auch Sigmund Freud seinen Patienten riet:
„Fahren Sie zum Kuren nach Opatija!“

Gleich ums Eck, in: Der Spiegel, 09. 07. 2007

Die Liste der prominenten Kurgäste und Persönlichkeiten in Abbazia ist lang: Kaiser Franz Joseph und seine Sisi stiegen im Hotel Imperial ab und trafen dort Kaiser Wilhelm II., Leo Sternbach, Sohn eines jüdisch-galizischen Apothekers und einer jüdischen Ungarin und bekannt vor allem durch die Erfindung des Valiums, wurde 1908 in Abbazia geboren, und Theodor Billroth starb 1894 in Abbazia.

Péter Nádas schreibt in seinen Parallelgeschichten:

Ich bin im Mittelmeer geschwommen, in der Nordsee, in der Adria, Abbazia war unser Stammplatz.

Péter Nádas, Parallelgeschichten, Hamburg 2012, 360

Am jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija finden wir auch die Gräber von Ignaz Nádas und seiner Ehefrau Teréz Schoszberger sowie jene von Ignaz Nádas‘ Tochter Rosa, die als „Natan“ geboren wird, und ihrem Ehemann Bernard Nathan. Die Nádas kamen aus Ungarn, ursprünglich freilich aus Österreich, und hatten – wie auch die Vorfahren von Péter Nádas – ihren Namen „Neumayer“ magyarisiert. Dem Geschäftsmann Bernard Nathan, der 1968 in Abbazia starb, verdanken wir viele Einblicke in die jüdische Geschichte der Stadt. Er war auch, nach seiner Rückkehr in die Stadt, der Initiator des Holocaustdenkmals, das am 01. Mai 1955 feierlich enthüllt wurde.

Siehe v.a. Péter Nádas, Aufleuchtende Details. Memoiren eines Erzählers, 2017 (s. Rezension in der NZZ), wo der Autor detailliert über seine Familie und ihre Herkunft schreibt, die Nadas in Abbazia aber nicht erwähnt.

Oder das Grab von Antonie Breiner, die nach dem Tod ihres Ehemanns Sigmund Breiner 1898 die Führung der beiden Hotels in Abbazia sowie die Leitung des Familienhotels in Bad Gleichenberg in der Steiermark übernahm. Alle Hotels existieren auch heute noch, mit der jüdischen Geschichte der Häuser wird ganz verschieden umgegangen… Sigmund Breiner, der 1840 in Deutschkreutz geboren wurde, ist am Zentralfriedhof in Wien begraben, Ehefrau Antonie in Abbazia.

Sowohl Emilie Glässner, die 1863 in Wien geboren wird, 1886 in Wien heiratet und in Wien ihre drei Söhne auf die Welt bringt, als auch Alfred Löwy, der seinen Namen in Lenauer änderte, in Wien heiratet und ebenfalls in Wien 2 Kinder bekommt, verstarben in Abbazia / Opatija und sind am jüdischen Friedhof begraben.

Der Präsident und spätere Ehrenpräsident der israelitischen Kultusgemeinde Abbazia / Opatija, Sigmund Kurz, heiratet 1869 in Wien. Dort kommt auch Sohn Jakob Kurz, später Arzt in Abbazia / Opatija, auf die Welt. Sowohl Sigmund Kurz, der 1929 mit 90 Jahren stirbt, als auch sein Sohn Dr. Jakob Samuel Kurz, gest. 1939, sind auf dem jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija begraben. Nur am Rande angemerkt sei: In der hebräischen Grabinschrift von Sigmund Kurz finden wir eine sehr spannende Formulierung…

Die Liste an (naheliegenden) Beziehungen zu Österreich könnte noch lange fortgesetzt werden.

Wir haben Fotos von 44 Grabsteinen des jüdischen Friedhofes in Abbazia / Opatija mitgebracht und wieder alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und die Synagogalnamen sowie Sterbedaten ausgelesen. Wie in Fiume erhielten wir auch hier dadurch überhaupt erst ein korrektes Sterbedatum, oft sogar erstmals den Namen der Bestatteten, da in den existierenden Publikationen (hier und hier) zum jüdischen Friedhof Abbazia / Opatija die hebräischen Inschriften durchwegs ignoriert wurden, die Abschriften generell unvollständig und leider oft auch fehlerhaft sind.
Auch hier geht es uns primär darum, die Namen und Menschen hinter diesen Namen nicht zu vergessen.

Dies ist auch der Grund dafür, dass wir alle Namen auf dem Holocaustdenkmal in unser Personenregister aufgenommen haben; die 64 Namen von in Abbazia / Opatija verstorbenen Juden wurden mit den Namen von 52 Schoa-Opfern, darunter 4-jährige Kinder und 90-jährige Greise, ergänzt.

Entdecken Sie mit uns den jüdischen Friedhof von Abbazia / Opatija und schreiben Sie – auch diesmal – mit uns ein kleines Stückchen der jüdischen Geschichte Eisenstadts weiter:

Denn auch die prominente jüdische Weinhändler-Familie Wolf kurte in Abbazia. Etwa Leopold Wolf, Firmenvorstand der Weingroßhandlung „Leopold Wolf’s Söhne“, und seine Frau Ottilie Laschober:


Und die Tante von Leopold Wolf, Minna Wolf, geb. Gomperz, starb 1905 63-jährig in Abbazia, sehr wahrscheinlich während ihrer Kur, und wurde auf den jüngeren jüdischen Friedhof nach Eisenstadt überführt. Ihr Ehemann, Adolf Wolf, starb übrigens auch während der Kur, 24 Jahre später, in Bad Ischl, und wurde ebenfalls nach Eisenstadt überführt. In beiden hebräischen Grabinschriften werden die Sterbeorte deutlich erwähnt.



Heute Abend beginnt der 14. Adar und damit in wenigen Stunden das Purimfest.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Purim 5778!

חג פורים שמח לכולם!


1 Kommentar zu Italienische Reise – Abbazia / Opatija

Nathan Bernardo / Rosa / Georg / Josef / Jerta – 1968 / 1974 / 1973 / 1912 / 1918

Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija Bernard Nathan / Rosa Nathan / Georg Nathan / Josef Nathan / Jerta Nathan, 29. März 1968 / 14. September 1974 / 27. März 1973 /…

Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija

Bernard Nathan / Rosa Nathan / Georg Nathan / Josef Nathan / Jerta Nathan, 29. März 1968 / 14. September 1974 / 27. März 1973 / 1912 / 1918



Biografische Notizen

Bernard Nathan, geb. 05. November 1881 in Pecs (Ungarn), gest. 29. März 1968

Bernard Nathan besaß ein Galanteriegeschäft in Abbazia sowie seit Mai 1911 in Lovrana eine Buchhandlung und Leihbibliothek.

Bernard Nathan war auch nach seiner Rückkehr nach Abbazia / Opatija der Initiator des Holocaustdenkmals am jüdischen Friedhof, das aus Überresten des zerstörten Toraschreins der Synagoge erbaut und am 01. Mai 1955 feierlich eröffnet wurde.


Vater: Josef (Jozsef) Nathan, geb. 1853, gest. 1912, Sohn des Adolf Nathan und der Rosalia Schlesinger aus Tapolcza
Mutter: Jert(h)a Hofmann, geb. 1856, gest. 1918, Tochter des Hermann Hofmann und der Rosalia Fuchs.
Geheiratet am 16. Jänner 1881 in Pecs. Josef war bei der Hochzeit 29 Jahre, Jert(h)a 23 Jahre alt.


Ehefrau: Rosa Nádas, geb. 06. November 1886 in Nagyvarad, wh.: Budapest V, Vaci Körut ut. 4, gest. 14. September 1974, Tochter des Ignaz (Izsák) Nádas, gest. 1931 und der Teréz Schoszberger, gest. 21. August 1938, beide Eltern der Ehefrau ebenfalls am jüdischen Friedhof in Abbazia / Opatija begraben.
Geheiratet 27. Mai 1906 in Budapest.



Sohn: Georg Nathan, geb. 19. November 1908, gest. 27. März 1973


Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija


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Nádas Ignacz / Lajos – 03. August 1931 / 1945

Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija Ignacz (Isak) Nádas / Lajos Nádas, 20. Av 691 = 03. August 1931 / 1945 Die hebräische Grabinschrift Inschrift NadasI: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier…

Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija

Ignacz (Isak) Nádas / Lajos Nádas, 20. Av 691 = 03. August 1931 / 1945



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift NadasI: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] ein vollkommener und rechtschaffener Mann, der MORENU, H(err) Isak, Sohn des איש תם וישר מה“ר יצחק בן
[3] Abraham. Er verstarb am 20. Av 691 n(ach der kleinen Zeitrechnung). [אברהם] נפטר כ אב תרצא ל
[4] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Biografische Notizen

Ignacz (Isak) Nádas, geb. 1857, gest. 03. August 1931

Ehefrau: Teréz Schoszberger, geb. 11. November 1855 in Budapest, gest. 21. August 1938 in Abbazia

Töchter:
Rosa Nádas, geb. 06. November 1886 als „Natan“ in Nagyvarad, geh. 27. Mai 1906 Bernard Nathan, gest. 14. September 1974 in Abbazia

Juliska Nadas, geb. 27. Jänner 1892 in Nagyvard (Vater: Lovi Ignatz, sic!)

Söhne:
Josef Nadas, geb. 05. April 1888 in Nagyvarad (Vater: Izsak)

Lajos Nádas / Natan, geb. 05. April 1894 in Nagyvarad, gest. 1945 in Abbazia (Vater: Ignacz), geh. 08. Oktober 1920 Regina Rosa Agnes Steiner, geb. 02. Oktober 1888, römisch-katholisch, wh.: Budapest VII, Wesselény u. 47, Tochter des Adolf Steiner und der Katalin Hoffmann.
In den Hochzeitsmatriken wird als Geburtsdatum von Lajos Nádas / Natan der 05. April 1891 angegeben, offenbar ein Schreibfehler, es sollte 1894 lauten.


Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija


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Schoszberger Teréz – 21. August 1938

Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija Teréz Schoszberger / Schossberger, 21. August 1938 Die hebräische Grabinschrift Inschrift Schoszberger: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] […] […] [2] Resl, Tochter der Rachel. ריזל בת…

Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija

Teréz Schoszberger / Schossberger, 21. August 1938



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Schoszberger: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] […] […]
[2] Resl, Tochter der Rachel. ריזל בת רחל


Biografische Notizen

Teréz Schoszberger, geb. 11. November 1855 in Budapest, gest. 21. August 1938 in Abbazia

Vater: Josef Schoszberger
Mutter: Rosalie Blum

Bruder: Bernhard Schoszberger, geb. 14. Mai 1852 in Budapest

Ehemann: Ignacz (Isak) Nádas, geb. 1857, gest. 03. August 1931

Töchter:
Rosa Nádas, geb. 06. November 1886 als „Natan“ in Nagyvarad, geh. 27. Mai 1906 Bernard Nathan, gest. 14. September 1974 in Abbazia

Juliska Nadas, geb. 27. Jänner 1892 in Nagyvard (Vater: Lovi Ignatz, sic!)

Söhne:
Josef Nadas, geb. 05. April 1888 in Nagyvarad (Vater: Izsak)

Lajos Nádas / Natan, geb. 05. April 1894 in Nagyvarad, gest. 1945 in Abbazia (Vater: Ignacz), geh. 08. Oktober 1920 Regina Rosa Agnes Steiner, geb. 02. Oktober 1888, römisch-katholisch, wh.: Budapest VII, Wesselény u. 47, Tochter des Adolf Steiner und der Katalin Hoffmann.
In den Hochzeitsmatriken wird als Geburtsdatum von Lajos Nádas / Natan der 05. April 1891 angegeben, offenbar ein Schreibfehler, es sollte 1894 lauten.


Archiv jüdischer Friedhof Abbazia/Opatija


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