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Eisenstadt.

Eisenstadt besaß im Mittelalter auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes wohl die einzige voll ausgebildete jüdische Gemeinde. Die ersten sicheren Belege für eine Ansiedlung von Juden in der Stadt stammen aus dem Jahr 1296, im 14. und 15. Jahrhundert gibt es zahlreiche Nachweise über Eisenstädter Juden. Nach der Erlaubnis zur Rückkehr der 1671 aus Ungarn vertriebenen Juden kam es im selben Jahr zur Wiedererrichtung der Gemeinde Eisenstadt.



Seit dem Jahr 1732 bildete das jüdische Viertel die selbstständige Gemeinde ›Unterberg-Eisenstadt‹, der jeweilige Richter wurde vom Grundherrn bestätigt und erhielt von ihm als Zeichen seiner Würde den Richterstab. 1843 zählte die Gemeinde den höchsten Stand an Einwohnern, nämlich 876 Juden.



Alte Ortstafel von Unterberg-Eisenstadt - Zur Großansicht[D]

Bild: Ortstafel Unterberg-Eisenstadt.
Großansicht 42 KB.

Nach dem Ende des Abhängigkeitsverhältnisses vom Hause Esterházy im Jahr 1848 wurden die Juden freie, gleichberechtigte (ungarische) Staatsbürger. 1871 gründeten sie als ›Israeliten-Gemeinde Eisenstadt‹ die selbstständige ›Grossgemeinde Unterberg-Eisenstadt‹ mit eigenem Bürgermeister und Amtmann. Erst im August 1938 wurde Unterberg-Eisenstadt in die Freistadt Eisenstadt eingemeindet.
Die Säule mit der Kette, mit der die Juden am Schabbat das Viertel absperrten, um Ruhe zu gewährleisten, ist noch heute sichtbares Zeichen der politischen Autonomie.

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Die beiden jüdischen Friedhöfe.

Grabstein Rabbi Meir - Zur Großansicht[D]

Bild: Grabstein von Rabbi Meir Eisenstadt.
Großansicht 56 KB.

In Eisenstadt gibt es heute zwei jüdische Friedhöfe mit insgesamt etwa 1.300 Grabsteinen. Die erste Datierung eines Steines auf dem älteren jüdischen Friedhof stammt aus dem Jahr 1679. Das wohl bekannteste Grab am älteren jüdischen Friedhof ist jenes des ersten Rabbiners der Gemeinde: Meir ben Isak, der später den Namen seiner Wirkungsstätte annahm und sich Meir ben Isak Eisenstadt nannte. Er wurde von Samson Wertheimer 1717 nach Eisenstadt berufen und war Zeit seines Lebens dankbar dafür. Zehn Jahre nach seinem Amtsantritt schrieb er:

»Danken will ich Gott und ihn weit vernehmlich preisen, daß er mich Dürftigen aus der Niederung erhoben und unter vornehme, rühmenswerte Menschen gesetzt. Er hat mich in einen würdigen Ort, wo Gelehrsamkeit anzutreffen ist, das ist unsere würdige Gemeinde Eisenstadt, gebracht.« Zitat Rabbi Meir.

Meir Eisenstadt starb im Jahr 1744. Seine Gelehrsamkeit lockt bis heute Jünger aus aller Welt nach Eisenstadt, die an seinem Jahrzeit-Tag das Grab besuchen.

Im Jahr 1875 war der ältere Friedhof voll belegt, sodass der jüngere jüdische Friedhof ganz in der Nähe angelegt werden musste. Wie auf allen jüdischen Friedhöfen (außer jenem in Oberwart) im Burgenland gibt es auch auf diesem Friedhof nur hebräische Grabinschriften. Im Herbst 1992 erfuhr der jüngere Friedhof traurige Berühmtheit, als etwa 80 Steine geschändet und mit Naziparolen beschmiert wurden.
Siehe besonders die Publikation: Johannes Reiss, Hier in der heiligen jüdischen Gemeinde. Die Grabinschriften des jüngeren jüdischen Friedhofes von Eisenstadt.

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Die Familie Wolf.

Die prominenteste Familie des jüdischen Viertels von Eisenstadt in jüngerer Zeit war zweifellos die großbürgerliche Weinhändlerfamilie Wolf. Der burgenländische jüdische Arzt und Schriftsteller Richard Berczeller nannte sie die ›burgenländischen Rothschilds‹. Die Familie hinterließ die sichtbarsten Spuren in der Geschichte der Eisenstädter Juden. Auch das Österreichische Jüdische Museum ist heute in jenem Haus etabliert, das seit 1875 Besitz der Familie Wolf und der Firmensitz der 1790 gegründeten Weinhandlung ›Leopold Wolf's Söhne‹ war.

Die herausragendste Persönlichkeit der Familie war der 1871 geborene Alexander Wolf, der sich in seinen Publikationen selbst ungarisch Sándor nannte. Seine Kunstsammlung mit 26.000 Objekten bildete einen Grundstock des Burgenländischen Landesmuseums. Nach der Beschlagnahmung seines Besitzes musste er 1938 nach Palästina fliehen, wo er 1946 starb. Kurz davor hatte er in einem Brief seinen Verwandten mitgeteilt, dass er nicht mehr beabsichtige, nach Eisenstadt zurückzukehren

»... weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat ....«Zitat Alexander Wolf.

In Eisenstadt, das seit 1925 Hauptstadt des Burgenlandes ist, gibt es keine jüdische Gemeinde mehr. Einer der letzten Juden, die nach 1945 zurückkehrten und hier wohnten, starb im April 2005.

Seit Febraur 2011 laden wir Sie auch zu einem virtuellen Rundgang durch unsere Synagoge, das jüdische Viertel und auf die beiden jüdischen Friedhöfe ein!

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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2014