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Mattersburg.

Wenngleich einzelne Juden schon früher in Mattersdorf, das erst seit 1924 Mattersburg heißt, nachweisbar sind, fällt die Gemeindegründung sicher erst in das Jahr 1527. Damals fanden aus Ödenburg (Sopron) vertriebene Juden in der Nähe von Mattersdorf Zuflucht. Eine alte Sage freilich schreibt die Gründung der Gemeinde sechs sefardischen, also spanischen Familien am Ende des 15. Jahrhunderts zu. Angehörige der Familie Schischa (hebräisch ›sechs‹), die sich als Nachkommen der spanischen Flüchtlinge sahen, lebten bis 1938 in Mattersburg und sind heute über alle Welt verstreut.

Nach 1675 wurde die Gemeinde neu gegründet und die Juden wurden wie in allen anderen Gemeinden Schutzjuden der Esterházys.

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Die Berufe.

Im Jahr 1744 sind in der jüdischen Gemeinde Mattersdorf folgende Berufe verzeichnet:

  • 44% gehörten den Handelsberufen an. Neben Pferde-, Fell-, Bänder- und Tuchhändlern betrieb eine große Gruppe Handel mit verschiedenen anderen Waren.
  • 22% gehörten zur gewerblichen Produktion bzw. zum Handwerk. Belegt sind Berufe wie Schneider, Branntweinbrenner, Fleischhacker und Bierbrauer.
  • 21% machte die Gruppe der Dienstleistungsberufe aus, wie etwa Brief- und Dienstboten, Bierschenker und Spielmänner.
  • 13% und damit erstaunlich hoch war die Gruppe der Bildungsberufe, also Schulmeister und Schreiber.

Ähnliche Zahlen dürften auch für die anderen jüdischen Gemeinden des heutigen Burgenlandes gelten.

Judengasse Mattersdorf - Zur Großansicht[D]

Bild: Mattersdorfer Judengasse,
Geschäft von Max Schischa, um 1910.
Großansicht 39 KB.

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Der Untergang.

Wie in allen Gemeinden des Burgenlandes nahm die Zahl der jüdischen Bevölkerung auch in Mattersdorf seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ständig ab: Während die Gemeinde 1883 noch 700 Juden zählte, lebten 1934 nur mehr 511 Juden im Ort. Anfang Oktober 1938 heißt es in der ›Grenzmark Burgenland‹:

»Am 29. und 30. September verließen die letzten Juden Mattersburg. Der Ort, der seiner 530 ansässigen Juden wegen Jahrhunderte hindurch berüchtigt war, ist somit gänzlich judenfrei ...«

Der letzte Rabbiner von Mattersburg, Oberrabbiner Samuel Ehrenfeldt, der 1931 von Bundespräsident Miklas das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich erhalten hatte, wurde kurz darauf zum erklärten Ziel der nationalsozialistischen Hetze. Nach der Gründung des Staates Israel richtete er in Jerusalem den Ortsteil Kirjat Mattersdorf ein, in dem bis heute vor allem viele ehemalige burgenländische Juden und ihre Nachfahren leben.
Siehe besonders unseren Blogbeitrag: Amos Oz - ein Mattersburger?.

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Der verschollene Friedhof.

Jüdischer Friedhof Mattersdorf 1910 - Zur Großansicht[D]

Bild: Jüdischer Friedhof in Mattersdorf,
um 1910.
Großansicht 52 KB.

Leider wissen wir nicht, was mit den Grabsteinen des Mattersburger Friedhofs geschah. Höchstwahrscheinlich wurden sie wie viele andere für den Bau von Mauern, Straßen und Häusern verwendet.

Heute finden sich auf dem jüdischen Friedhof von Mattersburg einige wenige alte Grabsteine, die in eine Mauer eingesetzt wurden sowie 150 von der Chevra Kadischa gespendete Grabsteine.

Vor 1945 bekam der Religionsschulinspektor für mosaischen Glauben, Isidor Öhler, von der Gestapo den Auftrag, Fotos und Abschriften aller Grabsteine für das Reichssippenamt anzufertigen. Das Österreichische Jüdische Museum ist im Besitz dieser Fotos und Abschriften und wird diese voraussichtlich Ende 2005 wahrscheinlich 2010/2011 publizieren.

Update vom 28. April 2010:
Wir haben heute mit der Arbeit an der Datenbank ›Friedhof Mattersburg‹ begonnen.
In unserem Blog finden Sie eine Übersichtsseite, von der aus Sie zum Einleitungsbeitrag, der Datenbank mit allen Grabsteinen und zum Archiv gelangen: ›Übersichtsseite des Projekts »Friedof Mattesburg«‹.


Jüdischer Friedhof Mattersburg heute - Zur Großansicht[D]

Bild: In eine Mauer eingesetzte Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Mattersburg heute.
Großansicht 41 KB.


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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2016