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"Ver(BE)gangen"
Station 3: Gemeindesynagoge - 1834 - 1938.

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Schabbat-Kette

Die Synagoge

Die Eisenstädter Gemeindesynagoge, im Zentrum des jüdischen Viertels gelegen, wurde zwischen 1832 und 1834 nach Plänen des esterházyschen Hofarchitekten Charles Moreau erbaut; sie bildete für rund 100 Jahre, bis zu den Vertreibungen des Jahres 1938, den Mittelpunkt des gottesdienstlichen Lebens der jüdischen Gemeinde.

Innenraum der Eisenstädter Gemeindesynagoge

Innenraum der Eisenstädter Gemeindesynagoge, um 1920

Eine eingehende Beschreibung der Synagoge liefert Alfred Fürst in seinem Büchlein über "Sitten und Gebräuche einer Judengasse":

»Der Tempel oder 'die Schul' - wie die Synagoge hier allgemein heißt, - erhebt sich mitten in der Gasse, ein einfacher, doch massiver Bau. Keine Aufschrift, keine Insignien zieren seine Front, auch an Höhe überragt er kaum des Ghettos ein- und zweistöckige Häuser, - aber jedem Fremden fallen die breiten, hohen, bis zur Decke reichenden Fenster ins Auge, die dem Tempel sein Gepräge verleihen: ein Meer von Licht durchflutet den der Andacht geweihten Raum. (...)
Durch einen engen Gassengang betreten wir die Vorhalle. Das biblische 'Gegrüßt dein Eingang!' blinkt uns entgegen; an der Seitenwand aber Pergamenttafeln mit den Segensprüchen über Tallis (Gebetmantel) und Thefillin (Gebetriemen). (...)
Im Tempel, einige Schritte vom Eingang entfernt, hemmt eine Holzbalustrade unseren Blick; den Weg verschließt das Gitter bloß manchmal zur Zeit der christlichen Wallfahrten, wenn Hunderte von neugierigen Pilgern sich oft im Tempel drängen. Es ist sozusagen der Vorhof der Nichtjuden. (...) Zur Behängung der Bundeslade dienen etwa 20 sogenannte 'Prauches' [Toravorhänge], von denen einzelne sowohl an Stoff-, als an Kunstwert bemerkenswert sind. (...) Natürlich gibt es da für jeden 'besseren' Tag ein eigenes Porôcheth [Toravorhang]; für den ersten Tag eines Feiertages ein anderes, als für den zweiten; ... zur Beschneidungsfeier im Tempel ein spezielles, mit den aktuellen Segensprüchen bedrucktes, und eines ausschließlich für die Totenfeier ... Sogar Kandelaber gibt es eigene für Sabbat und für Neumonde. (...) Sehr reich ist der Tempel auch an Thorarollen und den dazu gehörigen Mäntelchen, Silberschatz und Binden 'Mappen' [die um die Tora-Rollen gewickelt wurden].«

Alfred Fürst, Sitten und Gebräuche einer Judengasse, 1908 (= Fürst 1908. S. 7-10)

Der Innenraum der Synagoge wurde in der Pogromnacht (9./10. November 1938) verwüstet (die präzise Chronologie der Zerstörung ist allerdings unklar - siehe hierzu unseren Blog-Beitrag "Die Gedenktafel"), Teile der synagogalen Ausstattung (u.a. Tora-Vorhänge und -Aufsätze) zerstört; das Gebäude wurde in den Nachkriegsjahren verkauft und geschleift.

Das "Schulklopfen"

Die von Meir Ayali beschriebene Tradition des "Schulklopfens" fungierte als inner-gemeindliches Signalsystem: Drei Schläge riefen die Gemeindemitglieder, morgens wie abends, zum Gebet; außerdem informierte das "Schulklopfen" über Todesfälle in der Gemeinde: War ein Toter zu beklagen, dann wurden nicht die üblichen drei, sondern nur zwei Schläge ausgeführt. Am Schabbat und anderen Feiertagen trat das "Schulrufen" an die Stelle des "Schulklopfens", d.h. der Synagogendiener ließ vor der Synagoge den Ruf "In Schul!" hören.

Zur bei Ayali angesprochenen "Kette" siehe Station 1, Schabbat-Kette.

Meir Ayali wurde 1913 als Meir Eugen Hirschler in Eisenstadt geboren (und zwar in den Räumen des heutigen jüdischen Museums), er starb 2001 in Israel.

Literatur


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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017