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"Ver(BE)gangen"
Station 7: Landesmuseum Burgenland - ehemals Privatmuseum Alexander Wolfs.

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Schabbat-Kette

In den Räumlichkeiten des heutigen Landesmuseums befand sich vormals das ausgedehnte - 26 Räume umfassende - Privatmuseum Alexander Wolfs.

Alexander (Sándor), geboren 1871, entstammte einer alteingesessenen Eisenstädter Familie; nach Schul- und Universitätsbesuch in Wien führte er, gemeinsam mit seinem Bruder Leopold, die im Nebenhaus (dem heutigen Jüdischen Museum) angesiedelte Weinhandlung (siehe Station 2, Österreichisches Jüdisches Museum). Sein ausgeprägtes wissenschaftliches, v.a. kulturhistorisches Interesse - er war führend etwa an der archäologischen Erforschung des Burgenlandes beteiligt - führte zum Aufbau eines reich bestückten Privatmuseums, das neben einer Judaica-Sammlung u.a. regionale archäologische und volkskundliche Exponate beherbergte.

Sándor Wolf im Eingangsbereich des Landesmuseums Burgenland

Sándor Wolf im Eingangsbereich des Landesmuseums Burgenland (mehr Informationen im Blog-Beitrag "Ein entzückendes kleines Barockpalais")

Ein zeitgenössischer Besucher beschreibt seinen Rundgang durch das Wolf-Museum:

»Wir durchschreiten zwei kleine malerische Arkadenhöfe, flankiert von römischen Grabsteinen und Architekturresten ... Über Steinschwelle und Ziegelpflaster aus dem römischen Eisenstadt, durch ein Zimmerchen mit Versteinerungen aus dem Leithagebirge, betreten wir die reiche prähistorisch-römische Sammlung. Ein Nebenzimmer zeigt uns u.a., wie in Beleuchtungsgeräten, in Küchenmörsern und Bügeleisen, im Unscheinbaren des Alltags, Kunst und Stilgefühl vergangener Zeitperioden zum Ausdruck kommen. Ein Raum kirchlicher Kunst schließt sich an, wieder mit bemerkenswerter Betonung des oft Unbemerkten: reizvollste Mannigfaltigkeit der Weihwasserbehälter und anderer Keramik. Zunftaltertümer füllen den nächsten Raum, Truhen und Krüge, Archivalien, Siegelstöcke und Arbeitswerkzeug, eine Seitenkammer führt uns in eine Fassbinderwerkstatt, eine andere enthält ausschließlich Schmiedeeisen, Schlüssel, Schlösser und Beschläge von der Römerzeit, Gotik und Renaissance bis in unsere Zeit. (...) Dann über eine steinerne Arkadenstiege ins nächste Stockwerk! Ein 'Theaterzimmer' mit Marionetten und Kulissen, Theaterzetteln und Druckschriften. (...) Am Ladenpult einer Alt-Wiener Geschäftseinrichtung aufgelegte Erstdrucke Haydnscher Kompositionen leiten ins 'Haydnzimmer'. (...) Zwei Zimmer mit jüdischen Altertümern, Kultgerät und Schriften, Münzen und Bildern schliessen an. (...) Eine gotisch verzierte Holzstiege führt an Truhen, Plastik, Gitterwerk ... vorbei zur Mansarde hinauf. Barock und Biedermeiermobiliar, altburgenländische Keramik, Kinderspielzeug und medizinisches Gerät, Erinnerungen an das Revolutionsjahr 1848 und an die Napoleonischen Kriege plaudern und erzählen von allen Seiten, bis wir wieder in einer gotisch getäfelten Stube stehen, einer Wirtsstube mit Weinschank ... Öffnen wir dann die schwer beschlagene Eisentüre, so stehen wir plötzlich im hellen Sonnenlicht, hoch oben auf der Terrasse, und blicken über Schornsteine und die Türmchen des Esterhazy-Schlosses, über den Schlosspark zu den bewaldeten Höhen des Leithagebirges und auf das neue Eisenstadt, eingebettet in weitausgedehnte Weingärten ...«

Alphons A. Barb, Ein Ghetto in Österreich. Ein Jahrzehnt vor der Katastrophe, 1928 (= Barb 1970. S. 53f.)

1938 aus Eisenstadt vertrieben, emigrierte Wolf über Italien nach Palästina, wo er 1946 in Haifa starb. Die Wolf-Sammlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg versteigert, ein Teil von der Burgenländischen Landesregierung erworben und den Beständen des Burgenländischen Landesmuseums zugeführt.

Literatur


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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017