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"Ver(BE)gangen"
Station 9: Schloss Esterházy.

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Schabbat-Kette

Das auf eine mittelalterliche Burg zurückgehende, in mehreren Bauetappen entstandene Schloss wurde im 17. Jahrhundert, unter Paul I. (1635-1713), esterházysche Fürstenresidenz (für Details der Baugeschichte siehe: Das Schloss Esterházy).
Paul, erster esterházyscher Fürst (ab 1687), ist auch für die Geschichte der jüdischen Gemeinde Eisenstadt bedeutsam, fällt in seine Regierungszeit doch die Ausstellung des "Schutzbriefes" (1690), der die Grundlagen des jüdischen Gemeinwesens in Eisenstadt vertraglich regelte.

In den 1670er Jahren war die jüdische Gemeinde Eisenstadt deutlich angewachsen - eine Folge der Vertreibung der Juden aus Wien (durch Leopold I., 1670/71), die teils in Eisenstadt Aufnahme fanden.
Die Regelung des Gemeindelebens in Form des "Schutzbriefes" verpflichtete die Gemeinde zur Zahlung von "Schutzgeld", im Gegenzug wurde herrschaftlicher Schutz und religiöse Toleranz zugesichert:

» ... mit dem Handlschafften sollen sie in unseren Graff- und Herrschaften, Marckh- und Dorffs-Fleckhen, auch in denen aufgenommenen Gewölbern sicher Handlungen mit allerhandt Wahren ruehig und unverhinderlich treiben darbey wir sie Schützen, und auch durch unsern Herrn Praefectum und Verwalter sollen geschützt werden, sie sollen auch gegen denen Officieren und Unterthanen mit allen gebührlichen respect erzaigen.«

Weiters

»[s]ollen sie alle Ihre Jüdischen Ceremonien zu celebriren, und eine Synagog mit Ihren Unkosten erbauen und Freidt-Hoff, sowohl ein Tueckh, wie auch ein Rabiner Gmain und Schull-Diener, Schlächter und Schuelldiener-maister zugelassen werden ...«

Paul Esterházy, Schutzbrief für die jüdische Gemeinde Eisenstadt, 1690

Der "Schutzbrief" enthält außerdem detaillierte Regelungen zu Steuerpflicht, Gemeindeverwaltung, Handelsfreiheit u. v. m.; er schreibt damit die politisch-administrativen Grundlagen des Gemeindelebens fest, enthält aber gleichfalls Vorschriften alltägliche Verrichtungen betreffend: so werden die Eisenstädter Jüdinnen und Juden beispielsweise zur Sauberkeit in Haus und Viertel verpflichtet (sie "sollen ... allenthalben ihre Wohnung sauberhalten, ebenfahls in Gass und Höffen") sowie Brandschutzbestimmungen festgelegt (sie sollen "auf das feuer gute obsicht halten, die rachfang köhren lassen, dasz kein Schaden durch sie entstehen solle").

Literatur


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Österreichisches Jüdisches Museum in Eisenstadt, 2005-2017