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"Ver(BE)gangen"
Station 11: Mittelalterliches jüdisches Viertel.

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Schabbat-Kette

Das erste jüdische Viertel

Die Präsenz von Juden in Eisenstadt ist schon für das Mittelalter dokumentiert - erste Belege finden sich ab dem 13. Jahrhundert. Ein erstes jüdisches Viertel entstand im Rechteck zwischen Schloss(platz), Josef-Weigl-Gasse, Joseph-Haydn-Gasse und Hauptstraße (Fußgängerzone). Die kleine Siedlung - in Dokumenten des 16. Jahrhunderts etwa ist von 81 Einwohnern die Rede - beherbergte ein Bethaus ebenso wie ein rituelles Tauchbad und einen Friedhof; sichtbare Überreste sind nicht erhalten.

Schabbat-Kette

Eisenstadts erstes jüdisches Viertel - der Friedhof der Siedlung befand sich auf Feld 1, das Tauchbad auf Feld 2 (= aus: Klampfer 1965. S. 13)

Das Zusammenleben mit der nicht-jüdischen Bevölkerung gestaltete sich in diesen ersten Phasen jüdischer Ansiedlung in Eisenstadt nicht immer konfliktfrei: Beschwerden u.a. über den durch die jüdischen Einwohner erzeugten wirtschaftlichen Konkurrenzdruck sind ebenso belegt wie (teilweise) Vertreibungen - so in den Jahren 1572 und 1671 - und Wiederansiedelungen.
Das erste jüdische Viertel bestand bis Ende des 17. Jahrhunderts; es wurde von der jüdischen Siedlung westlich von Schloss Esterházy abgelöst (siehe Station 1, Schabbat-Kette).

Franz Werfels "Cella"

Franz Werfels Romanfragment "Cella oder Die Überwinder" entstand in den Jahren 1938/39, am Beginn des werfelschen Exils (er starb schließlich 1945 in Beverly Hills).
Werfels Roman, der zahlreiche historische und zeitgeschichtliche Bezüge zum burgenländischen Judentum herstellt bzw. in freier Form verarbeitet, erzählt die Geschichte des jüdischen Eisenstädter Rechtsanwalts Bodenheim und seiner Familie in den Wirren des Jahres 1938 - in Summe: ein "jüdischer Heimatroman" (N. Abels) als Geschichte des Heimat-Verlustes:

»Das Land, aus dem wir vertrieben wurden, heißt das Burgenland, die Hauptstadt dieses Landes, in der wir lebten, heißt Eisenstadt. Diese Hauptstadt ist nur ein lächerliches Landstädtchen, eine Stunde von Wien entfernt. Niemand in der weiten Welt kennt auch nur den Namen. Wenn jetzt in der Fremde dieser Name unter uns fällt, dann zucken wir die Achseln und sagen: Drecksnest. Wer diese Heimat verloren hat, der hat nicht viel verloren. Trotzdem geschieht es bis zum heutigen Tage oft, dass ich vom Burgenland und von Eisenstadt träume ...«

Franz Werfel, Cella oder Die Überwinder (= Werfel 1997. S. 271/Vorkapitel)

Literatur


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