Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schawu’ot 5782

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schawu’ot! חג שבועות שמח! Am 2. Tag von Schawuot wird traditionell das biblische Buch Rut gelesen. Dieses hat 4…

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schawu’ot!

חג שבועות שמח!


Am 2. Tag von Schawuot wird traditionell das biblische Buch Rut gelesen. Dieses hat 4 Kapitel und 85 Verse. Rut ist eine der fünf Festrollen (Megillot, neben Ester, Hoheslied, Kohelet und Klagelieder).

Im 4. Kapitel, Vers 12, wird auch Tamar erwähnt:

Dein Haus gleiche dem Haus des Perez, den Tamar dem Juda geboren hat, durch die Nachkommenschaft, die der HERR dir aus dieser jungen Frau geben möge.

Tamar ist die Schwiegertochter von Juda, der sie unwissentlich geschwängert hatte. Die Geschichte kennen wir aus Genesis 38:
Juda, der vierte Sohn Jakobs, sah am Wegesrand Tamar, die er für eine Dirne hielt und wollte zu ihr kommen. Sie verlangte von ihm als Pfand für den von ihm versprochenen Ziegenbock seinen Siegelring, seine Schnur und den Stab in seiner Hand. Tamar wurde schwanger, was dem Juda gemeldet wurde. Dieser verfügte, dass sie wegen der begangenen Unzucht verbrannt werden sollte.

Als man sie hinausführte, schickte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Mann, dem das gehört, bin ich schwanger. Auch ließ sie sagen: Sieh genau hin: Wem gehören der Siegelring, die Schnüre und dieser Stab?

Genesis 38,25

Juda erkannte sein Pfand und dass Tamar im Recht war, da Juda ihr einen Kindsvater, nämlich seinen jüngsten Sohn Schela, verweigert hatte. Tamar gebar die Zwillinge Perez und Serach.

Die jüdische Holzschnitt-Bilderbibel des Moses dal Castellazzo (1466-1526) aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ist einer der schönsten Beweise für die Existenz eines im 15. Jahrhundert vorhandenen rabbinisch-jüdischen Bibelbilderzyklus.
Moses dal Castellazzo, Sohn des Gelehrten Abraham Sachs, der im 15. Jahrhundert aus Deutschland nach Italien eingewandert war, wurde schon in jungen Jahren mit der religiösen jüdischen Traditionsliteratur vertraut gemacht. 1521 bat er den Dogen von Venedig um die Gewährung des Privilegs, eine von ihm geschaffene Holzschnittfolge zu den fünf Büchern Mose zehn Jahre lang allein im Raum von Venedig drucken und verkaufen zu dürfen. Das Original dieser Holzschnitt-Bilderbibel ist heute nicht mehr erhalten, das Druckverfahren, dessen sich Moses bediente, war völlig veraltet und eine billige Technik, um nicht wohlhabende Käuferschichten zu erreichen. Dabei wurden auch die Sprachen der Käufer berücksichtigt: Italienisch, Judendeutsch und vielleicht Spagnolisch.

Eine der beiden Bibelszenen im Werk des Moses dal Castellazzo, die ihre Vorlagen im 11. Jahrhundert haben, ist die Darstellung von der Verurteilung Tamars zum Tod auf dem Scheiterhaufen durch Juda:

Bilderbibel des Moses dal Castellazzo, Folio 34, Verurteilung Tamars zum Tod

Bilderbibel des Moses dal Castellazzo, Folio 34, Verurteilung Tamars zum Tod


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Inschriften in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf II

Schon am 20. Juli 2020 waren in der ehemaligen Synagoge von Kobersdorf bei den Renovierungsarbeiten zwei Inschriften zu erkennen, die hier im Blog transkribiert und übersetzt wurden. Beide Inschriften waren…

Schon am 20. Juli 2020 waren in der ehemaligen Synagoge von Kobersdorf bei den Renovierungsarbeiten zwei Inschriften zu erkennen, die hier im Blog transkribiert und übersetzt wurden. Beide Inschriften waren damals aber noch nicht gänzlich freigelegt, in den folgenden zwei Jahren wurden zudem noch weitere Inschriften entdeckt.

Daher sollen in einem zweiten Blogartikel alle vier freigelegten und vom Restaurator mittlerweile größtenteils lesbar gemachten Inschriften hier vorgestellt und erklärt werden:

Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im Vorraum



Die Inschrift

Inschrift Handwaschbecken II Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite deinen Altar, Herr. ארחץ בנקיון כפי ואסובבה את מזבחך ה’


Anmerkungen

Psalm 26,6 אֶרְחַ֣ץ בְּנִקָּיֹ֣ון כַּפָּ֑י וַאֲסֹבְבָ֖ה אֶת־מִזְבַּחֲךָ֣ יְהוָֽה׃.

Im masoretischen, also vokalisierten Text in der hebräischen Bibel ist das vierte Wort defektiv geschrieben וַאֲסֹבְבָ֖ה, in der Synagogeninschrift plene ואסובבה, wohl wegen der unvokalisierten Schreibung.

Das Tetragramm, also jene vier Buchstaben, die den Namen Gottes bezeichnen, ist in der Inschrift in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf mit einem ה (für יהוה) abgekürzt. Vgl. auch die Inschrift über der Tür zum Hauptraum unten.


Inschrift über der Tür zum Hauptraum



Die Inschrift

Inschrift Türe Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Gesegnet sei, der da kommt, im Namen des HERRN! ברוך הבא בשם ה’


Anmerkungen

Psalm 118,26a בָּר֣וּךְ הַ֭בָּא בְּשֵׁ֣ם יְהוָ֑ה.

Das Tetragramm, also jene vier Buchstaben, die den Namen Gottes bezeichnen, ist in der Inschrift in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf abgekürzt. Sehr wahrscheinlich mit einem ה (für יהוה), vgl. die Inschrift über dem Waschbecken oben.


Inschrift über der Spendenbox im Vorraum, rechts von der Tür zum Hauptraum


Inschrift über der Spendenbox im Vorraum, rechts neben der Tür zum Hauptraum der ehemaligen Synagoge Kobersdorf

Inschrift über der Spendenbox im Vorraum, rechts neben der Tür zum Hauptraum der ehemaligen Synagoge Kobersdorf


Die Inschrift

Inschrift Spendenboxen rechts Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Ein Geschenk im Geheimen besänftigt den Zorn. מתן בסתר יכפה אף


Anmerkungen

Sprüche 21,14a מַתָּ֣ן בַּ֭סֵּתֶר יִכְפֶּה־אָ֑ף.
Gemeint ist natürlich der Zorn Gottes.

Die selbe Inschrift bzw. der selbe Vers als Inschrift befindet sich auch über der Spendenbox in der Synagoge im Wertheimerhaus (Österreichisches Jüdisches Museum), dort allerdings als Akrostychon: Es werden nur die jeweils ersten Buchstaben der Worte im Vers geschrieben. Siehe unseren Blogartikel.


Inschrift über der Spendenbox im Vorraum, links von der Tür zum Hauptraum


Inschrift über der Spendenbox im Vorraum, links neben der Tür zum Hauptraum der ehemaligen Synagoge Kobersdorf

Inschrift über der Spendenbox im Vorraum, links neben der Tür zum Hauptraum der ehemaligen Synagoge Kobersdorf


Die Inschrift


Anmerkungen

Diese Inschrift wurde vom Restaurator noch nicht bearbeitet (Stand 15. Mai 2022). Sobald dies geschehen ist und ich ein aktuelles Foto habe, werde ich das Foto oben selbstverständlich sofort austauschen.

Zeile 1: Diese Zeile war 2020 noch nicht freigelegt. Obwohl nur zweieinhalb Buchstaben zu sehen sind, ist die Lesung praktisch sicher.

Zeile 2: Vor ארץ ישראל befindet sich noch ein Wort, ob dieses aus drei oder vier Buchstaben besteht, ist aber schwer zu sagen. Jedenfalls ist es sehr wahrscheinlich, dass der letzte Buchstabe dieses Wortes ein ת ist, was die Lesung קופת (4 Buchstaben) oder קפת (3 Buchstaben) nahelegt.
Siehe dazu vor allem die Kommentare von Meir Deutsch zum Blogartikel von 2020!

Die Gelder für „Erez Israel“, also das Heilige Land, werden Chalukka חלוקה „Verteilung“ genannt und waren für die armen Leute bestimmt, siehe etwa den Artikel in der Jewish Encyclopedia darüber.

Rabbiner Esriel Hildesheimer (1820-1899), der „deutsche Doktor“ (wie er genannt wurde), Rabbiner in Eisenstadt von 1851 bis 1869, sammelte alljährlich im ganzen Land Geld für die aus Östererich-Ungarn stammenden Jüdinnen und Juden in Palästina und arbeitete für sie Projekte aus, die sich als ausgesprochen nützlich erweisen sollten.

Zeile 1 und 2: Über drei Buchstaben befinden sich Punkte, die ziemlich sicher auf eine Jahreszahl hinweisen. Diese würden, bezieht man das ל (Zahlenwert 30) in die Jahreszahl mit ein, 434 ergeben, also umgerechnet 1674. War auch über dem ר (Zahlenwert 200) von ארץ oder von ישראל ein Punkt (der heute nicht mehr sichtbar ist), wären wir bei 634 und umgerechnet bei 1874. Möglich, dass damals die Spendenboxen eingebaut, jedenfalls aber beschriftet wurden.
Interpretieren wir das ל als Abbreviatur für לפ“ק „nach der kleinen Zeitrechnung“, sehen wir auf den beiden Buchstaben in der 1. Zeile heute nur noch den addierten Zahlenwert 404 (ת ist 400 und ד ist 4), also 1644. Dann fehlen allerdings noch (mindestens) 216, um auf 1860, das Gründungsjahr der Synagoge von Kobersdorf zu kommen. Alles weitere ist, fürchte ich, wenig zielführende Spekulation.
Die Punkte über den drei Buchstaben reichen jedenfalls nicht aus, um einigermaßen sichere Schlüsse über die Jahreszahl (und um eine solche handelt es sich höchst wahrscheinlich) zu ziehen.


Vielen lieben Dank für die Kommentare an Meir Deutsch und für das Korrekturlesen der letzten neu freigelegten Inschrift an Claudia Markovits Krempke, beide Israel!


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Jüdisches Museum meets Kobersdorf

Wir freuen uns sehr, dass wir auch im Veranstaltungsprogramm der neu renovierten ehemaligen Synagoge von Kobersdorf dabei sind. Veranstaltungsübersicht Führungen Synagoge für Schulgruppen: 3. Mai, 25. Mai, 15. Juni, 27….

Wir freuen uns sehr, dass wir auch im Veranstaltungsprogramm der neu renovierten ehemaligen Synagoge von Kobersdorf dabei sind.

Veranstaltungsübersicht


Kobersdorf war der Kurort der ehemaligen Sieben-Gemeinden, der berühmten sieben heiligen jüdischen Gemeinden des heutigen Burgenlandes. Die Kobersdorfer Juden wurden auch die „Einzeiligen“ genannt, weil sie vor allem auf der „Straßenseite“ der Synagoge wohnten (Schlossgasse), während sich gegenüber, also auf der anderen Straßenseite, das Schloss Kobersdorf befand.

Fährt man im Jahr 2022 nach Kobersdorf, in einen Ort, in dem es, wie in allen anderen ehemaligen jüdischen Gemeinden, heute keine jüdische Gemeinde mehr gibt, scheint mir, als spüre man in dem sehr beschaulich wirkenden Ort noch immer die jüdische Geschichte. Vor allem am kurzen Fußweg zwischen Synagoge und jüdischem Friedhof.

Beide (heute) Erinnerungsorte in Kobersdorf lassen vor allem bei einem gemeinsamen Besuch die Geschichte der Juden begreifen:

Die ehemalige Synagoge, wurde am 11. April 1860 unter Rabbiner Abraham Shag Zwebner eingeweiht. Rabbiner Zwebner verließ 13 Jahre später Kobersdorf in Richtung Jerusalem, seine Frau Leni, geb. Spitz, war schon 1863 gestorben und ist am jüdischen Friedhof Kobersdorf begraben. Unmittelbar neben den großen Gelehrten und Rabbinern der Familie Alt.

1895, als auch 4 jüdische Todesopfer in der schrecklichen Hochwasserkatastrophe von Kobesdorf zu beklagen waren, wurde auch die Synagoge innen total vernichtet, berichtet die zeitgenössische Presse:

Der Tempel ist innen total vernichtet, blos die vier Wände stehen. Der weitbekannte Rabbi Lazar Alt flüchtete auf einen Sparherd und rettete dadurch sein Leben.

Ödenburger Zeitung, 8. Juni 1895, zitiert nach Hausensteiner Erwin J., Die ehemalige jüdische Gemeinde Kobersdorf. Ein Buch der Erinnerung, o.O, o.J., 75

Neuerlich und endgültig zerstört wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten 1938. Nach einer sehr wechselvollen Geschichte in den Jahrzehnten nach 1945 wurde die Synagoge 2019 vom Land Burgenland gekauft und mit den Renovierungsarbeiten begonnen. Am 26. April 2022 wurde die ehemalige Synagoge ‒ prächtig renoviert ‒ offiziell eröffnet.

Jüdischer Waldfriedhof Kobersdorf

Etwa 10 Minuten Fußweg von der Synagoge entfernt liegt der jüdische Friedhof Kobersdorf, wohl einer der beeindruckendsten und „schönsten“ jüdischen Friedhöfe in Österreich. Ein Waldfriedhof mit heute etwa 650 Grabsteinen, die so wie alle jüdischen Friedhöfe im Burgenland, ausschließlich hebräische Grabinschriften haben.
Alle Grabsteine erzählen Geschichten:

Detail Grabstein Michael Bauer, 06. März 1898

Detail Grabstein Michael Bauer, 06. März 1898


Nahe dem Eingang befindet sich der Grabstein des Schulklopfers von Kobersdorf, ein armer Halbnarr, der die Aufgabe hatte, die Gemeindemitglieder durch Klopfen mit seinem Hammer zum Gemeindegottesdienst in die Synagoge zu holen. Auf seinem Grabstein befindet sich ‒ wahrscheinlich weltweit einzigartig ‒ ein Berufssymbol seiner Aufgabe, ein Hammer.

Nur wenige Meter vom Grabstein des Schulklopfers entfernt finden wir die 4 jüdischen Todesopfer der Hochwasserkatastrophe vom 06. Juni 1895. Moritz Meier, einer der Todesopfer, wurde erst vier Monate nach der Katastrophe, am 16. Oktober 1895 gefunden. In seiner hebräischen Grabinschrift lesen wir in der letzten Zeile:

Inschrift Zeile7: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[Zeile 7] Erst nach 4 Monaten fand er Ruhe. רק אחר ד“ חדשים מצא מנוחה

Grabsteine der Familie Alt

Ganz oben, in der nordwestlichen Ecke des Friedhofes befindet sich eine Formation von Grabsteinen, die den Eindruck erweckt, als hätte sich die Familie Alt, über Generationen Gelehrte und Rabbiner, hier zum Gruppenfoto eingefunden, um 160 Jahre jüdische Geschichte von Kobersdorf zu erzählen.

Und ganz unten, rechts vom Eingang in den Friedhof, finden sich mehrere „Haufen“ mit aufgeschichteten Grabsteinen und Grabsteinfragmenten, darunter ein über Jahrzehnte unbeachtetes und leider heute nicht mehr lokalisierbares Grabsteinfragment des einzigen historischen Genisagrabes Österreichs.

Dieses kleine Grabsteinfragment erzählt die so traurige und tragische Geschichte des letzten Rabbiners von Kobersdorf, Simon Goldberger, und seiner Familie, seiner Frau Paula und seiner drei minderjährigen Kinder Lazar, Hermann und Isidor, die alle in Auschwitz ermordet wurden.


Die Veranstaltungen des Österreichischen Jüdischen Museums


Führungen für Schulgruppen in der Synagoge

Die ehemalige Synagoge Kobersdorf – eintreten, erfahren, staunen: Grundlegendes über Synagoge, Gottesdienst und Tora und die jüdische Gemeinde Kobersdorf.

Termine: 3. Mai, 25. Mai, 15. Juni, 27. Juni, 22. Juli, 14. September, 29. September, 21. Oktober 2022 – Beginn jeweils um 09.30 Uhr
Dauer: 1 Stunde

Beitrag: € 2 (pro TeilnehmerIn)
Treffpunkt: Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Schlossgasse, 7332 Kobersdorf

Bitte beachten Sie:

  • Anmeldung unbedingt jeweils bis 2 Tage vor der Veranstaltung erforderlich (telefonisch: +43 (0)2682 65145 oder per E-Mail: info@ojm.at).




Führungen am Waldfriedhof in Kobersdorf (auf Wunsch auch Besichtigung der Synagoge möglich)

Der jüdische Friedhof Kobersdorf ist wohl einer der beeindruckendsten und „schönsten“ jüdischen Friedhöfe in Österreich. Ein Waldfriedhof mit heute etwa 650 Grabsteinen, die so wie alle jüdischen Friedhöfe im Burgenland, ausschließlich hebräische Grabinschriften haben. Alle Grabsteine erzählen Geschichten: Solche mit Augenzwinkern wie über den armen Halbnarren, der Schulklopfer in Kobersdorf war. Geschichten über die großen Gelehrten der jüdischen Gemeinde, die wie zu einem Gruppenfoto am Friedhof aufeinander treffen. Und dramatische Geschichten wie über die vier jüdischen Todesopfer bei der schrecklichen Hochwasserkatastrophe 1895 oder ein Grabsteinfragment, das uns die Tragödie des letzten Rabbiners der Gemeinde vor Augen führt (siehe oben Einleitung).

Die Führungen macht Johannes Reiss, immer an einem Sonntag:

Termine: 15. Mai (10.30 Uhr), 12. Juni (10.30 Uhr), 10. Juli (18 Uhr), 17. Juli (18 Uhr), 24. Juli (18 Uhr), 31. Juli (18 Uhr), 21. August (10.30 Uhr), 11. September (10.30 Uhr), 23. Oktober (10.30 Uhr)
Dauer: ca. 60-90 Minuten

Beitrag: € 10 (pro TeilnehmerIn)
Treffpunkt: Jüdischer Friedhof Kobersdorf, Kirchengasse 23, 7332 Kobersdorf

Bitte beachten Sie:

  • Anmeldung unbedingt jeweils bis 2 Tage vor der Veranstaltung erforderlich, Führung findet ab mindestens 5 Personen statt (telefonisch: +43 (0)2682 65145 oder per E-Mail: info@ojm.at).




Außerdem möchten wir gerne zu zwei Vorträgen bzw. Workshops hinweisen, die im Rahmen des Programms der Burgenländischen Volkshochschulen stattfinden:

Vortrag Johannes Reiss:
Deutsch, Ungarisch, Hebräisch, Jiddisch, Latein und Griechisch?
Über die Sprachvielfalt in den ehemaligen jüdischen Gemeinden.

Jüdinnen und Juden sprachen ein schöneres Deutsch als ihre nichtjüdische Umgebung, im jüdischen Zentralarchiv finden wir Dokumente auf Hebräisch und solche auf Deutsch, aber mit hebräischen Buchstaben geschrieben, auf allen jüdischen Friedhöfen gibt es nur hebräische Grabinschriften, auf der Jeschiwa, der jüdischen Hochschule, wurde Latein und Griechisch unterrichtet, und die Wissenschaft behauptet, dass im Burgenland neben Deutsch und Ungarisch auch Jiddisch gesprochen wurde…
Wir versuchen, die fast schon babylonische Sprachenverwirrung in den ehemaligen jüdischen Gemeinden der Region ein wenig zu entschlüsseln.

Termine:
02. Mai 2022 ehemalige Synagoge Kobersdorf, 18 Uhr
16. Mai 2022 Österreichisches Jüdisches Museum, 18 Uhr




Vortrag bzw. mehr Workshop, Johannes Reiss:
Hilfe, ich kann nicht Hebräisch…

… ich möchte aber gerne wissen, was in einer hebräischen Grabinschrift steht.
In ca. 1 Stunde lernen wir Namen und Sterbedatum auf hebräischen Grabinschriften zu identifizieren und zu lesen.

Termine:
13. Juni 2022 jüdischer Friedhof Kobersdorf, 15 Uhr
20. Mai 2022 Österreichisches Jüdisches Museum, 15 Uhr
(wir gehen natürlich dann gemeinsam zum älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt)


Alle Veranstaltungen in bzw. rund um die renovierte ehemalige Synagoge Kobersdorf siehe Website Land Burgenland!


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Familienfoto

Ganz oben rechts, in der nordwestlichen Ecke des jüdischen Friedhofes von Kobersdorf, finden wir eine Formation von Grabsteinen, die gleich auf den ersten Blick ins Auge fällt. Etwas abgehoben, abgesetzt…

Ganz oben rechts, in der nordwestlichen Ecke des jüdischen Friedhofes von Kobersdorf, finden wir eine Formation von Grabsteinen, die gleich auf den ersten Blick ins Auge fällt.
Etwas abgehoben, abgesetzt von den anderen Grabsteinen, befindet sich dort eine Gruppe von sehr schönen und mächtigen Grabsteinen, die zudem fast alle auffällig lange Grabinschriften haben.

von links: 1. Reihe: Josefa Alt, Johanna Alt, David Alt, Lazar Alt, 2. Reihe: Mose Alt, 3. Reihe: Ester Alt, Sigmund Alt

von links: 1. Reihe: Josefa Alt, Johanna Alt, David Alt, Lazar Alt, 2. Reihe: Mose Alt, 3. Reihe: Ester Alt, Sigmund Alt



Wissen wir, wem die Grabsteine gehören, mutet es an, als wäre diese Anreihung der Grabsteine in drei Reihen die Versammlung einer Großfamilie, die sich zum Gruppenfamilienfoto aufgestellt hat. Und die gleichzeitig über 160 Jahre jüdische Geschichte von Kobersdorf erzählt. Eine Geschichte, die aber noch viel weiter reicht: von der berühmten und von Rabbiner David Alt Eibnitz (geb. ca. 1775) geleiteten Jeschiva bis zum Gemischtwarengeschäft von Moses Alt, bis Auschwitz und bis ins Exil in Kanada und Israel.

Die Familie Alt

In der Mitte der drei Reihen ‒ und allein in seiner Reihe ‒ der hervorstechende Grabstein des Mose Alt, der 1924 starb und im Sterbebuch als Kaufmann, im Hochzeitsbuch (noch) als Talmudist eingetragen ist. Der Grabstein von Mose Alt symbolisiert sozusagen auch mit seinem Standort in der 2. Reihe den Übergang von den Gelehrten- und Rabbinergenerationen seiner Eltern und Großeltern (1. Reihe) hin zu der mehr bürgerlichen und zunehmend assimilierteren Generation seiner Kinder- und Kindeskinder (3. Reihe).

Denn in der ersten Reihe unserer Formation, also in der Reihe vor Mose Alt, liegen sein Vater, Rabbiner Lázár (Abraham Elieser Se’ev / Wolf) Alt und seine Mutter Josefa / Pepi / Paulina (Feierl bzw. Peierl) Alt, geb. Neumann sowie sein Großvater, der große Rabbiner David Alt Eibnitz und seine Großmutter Johanna / Hani (Chana) Alt Eibnitz, geb. Kunitz.

In der dritten Reihe, also in der Reihe hinter Mose Alt, sind zwei seiner früh verstorbenen Kinder begraben: Esther Alt, starb 1928 mit 26 Jahren an Lungenentzündung, ihr Bruder Sigmund Alt starb 1936 mit 46 Jahren.
Deren Geschwister Max und Adele Alt hatten ihr Geschäft in der Schlossgasse, eine Filiale befand sich in der Hauptstraße von Kobersdorf. Ein weiterer Bruder, Gustav (Gedalja) Alt, geboren 1898 in Kobersdorf, floh 1939 nach Frankreich und kam 1940 in das Sammellager Drancy. 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet ( Schoa-Opfer).


Grabstein David Alt Eibnitz

Grabstein David Alt Eibnitz.

Der Großvater von Moses Alt, Rabbiner David Alt Eibnitz, war 43 Jahre lang, von 1807 bis zu seinem Tod im Jahr 1850 Rabbiner in Kobersdorf und damit der längst dienende Rabbiner der Gemeinde. Seine rabbinische Ausbildung genoss er immerhin bei einem der Größten aller Zeiten, bei Chatam Sofer, der von 1798 bis 1806 Rabbiner in Mattersdorf war.
Es heißt, dass dieser dem Rabbiner David Alt geraten hätte, immer einen jüdischen Kalender bei der Hand zu haben, in dem die Minhagim (Bräuche) angeführt werden. Und zwar deshalb, damit es nicht passieren kann, dass ein Gemeindemitglied mit simplem Gemüt den Rabbiner auf einen nicht so wichtigen Minhag aufmerksam macht, an den sich er (der Rabbiner) nicht gehalten hätte. Der Kalender hilft dem Rabbiner solche misslichen Situationen zu vermeiden.
Auch die wunderschöne und gelehrte Grabinschrift zeugt von der großen Bedeutung Rabbiner David Alts und der Wertschätzung, die die Gemeinde ihm entgegenbrachte.

Die Nachfolge von Rabbiner David Alt Eibnitz trat Rabbiner Abraham Shag Zwebner an.
Zwebner wurde am 17. April 1801 (04. Ijjar 561) in Hlohovec (deutsch: Freistadl) in der Slowakei geboren, studierte ebenfalls bei Rabbiner Chatam Sofer (1762-1839) in Pressburg, wo er auch die Smicha erhielt, also die formelle Einsetzung als Rabbiner. 1851 kam er als Rabbiner nach Kobersdorf. In seine Amtszeit fiel auch der Neubau der Synagoge von Kobersdorf im Jahr 1860. Mehr über Rabbiner Abraham Zwebner in unserem Blogartikel „Die ehemalige Synagoge in Kobersdorf„.
Seine Ehefrau Leni (Rebekka Lea), geb. Spitz, starb schon 1863 und ist am jüdischen Friedhof Kobersdorf begraben und zwar ebenfalls in der Alt-Reihe, unmittelbar neben Josefa / Pepi / Paulina (Feierl bzw. Peierl) Alt, geb. Neumann (siehe das Bild ganz oben im Header), der Ehefrau des Nachfolgers und Sohnes von Rabbiner David Alt Eibniz, Lázár (Abraham Elieser Se’ev / Wolf) Alt.

Lazar Alt

Lázar Alt, der als Rabbiner eine ebenso große Bedeutung wie sein Vater erlangte, war bis zu seinem Tod am 07. April 1898 Rabbiner von Kobersdorf. Im Jahr 1895 hatte er die schreckliche Hochwasserkatastrophe miterlebt und konnte sein Leben nur durch die Flucht auf einen Sparherd (Küchenhexe) retten.

Die zeitgenössische ungarische Presse berichtet nach seinem Tod von

einer bis dahin selten wahrgenommenen Trauer, die die gesamte Gemeinde überschattete…

Die hinterlassenen Werke (Manuskripte) des Verstorbenen wurden auf seinen Sarg gelegt. Sie waren alles, was ihm geblieben war: Er hatte ein asketisches Leben geführt und von seinem bescheidenen Gehalt mehr an die Armen verteilt als für sich selbst behalten.

Egyenloseg, April 17, 1898


Vielen herzlichen Dank vor allem an Frau Naomi Atlani, Kanada, eine unmittelbare Nachfahrin der Familie Alt, für die Zurverfügungstellung von vielen Bildern und Familiendokumenten.


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Mattersdorfer Hani, geb. Pollak – 26. November 1869

Dieses Grabsteinfragment befindet sich in der vergangene Woche, am 30. April 2022, eröffneten Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Stadt Schlaining. Es dient dort als Illustrationsobjekt zum Thema „jüdischer Friedhof“ und…

Dieses Grabsteinfragment befindet sich in der vergangene Woche, am 30. April 2022, eröffneten Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Stadt Schlaining. Es dient dort als Illustrationsobjekt zum Thema „jüdischer Friedhof“ und hat keine „Objekt“beschriftung.

Dieses jüdische Grabsteinfragment ist aber ist keine Theaterrequisite, sondern ein Teil, und zwar der wesentliche, des Grabsteins einer jüdischen Frau, die in Schlaining verheiratet war, gelebt hat und gestoben ist und auch am jüdischen Friedhof von Schlaining begraben liegt (auch wenn wir nicht sicher wissen, wo dieser Friedhof war bzw. ist).

Es ist das Fragment des Grabsteins von Hani Mattersdorfer, die als Hani Pollak 1803 in Mattersdorf geboren ist, wo ihr Vater, ein gelehrter Mann, Steuerberater und Bürgermeister der jüdischen Gemeinde war. Geheiratet hat Hani auch einen Mattersdorfer Juden, den Heinrich Mattersdorfer, der später in Schlaining ein überaus einflussreicher Mann war. Aber auch Hani, die als „Krämers Gattin“ bezeichnet wird, war selbst eine angesehene, bedeutende Frau und muss wohlhabend gewesen sein. Heinrich Mattersdorfer starb 1872 in Schlaining an Nervenfieber, seine Frau Hani, deren Grabsteinfragment wir haben, starb schon drei Jahre früher, am 26. November 1869 an Brustkrebs.

Die Mitzwa, Kavod Hamet, ist die Achtung der Würde des Toten und dazu gehört es, das Grab eines Toten, einer Toten, zu kennen. Wenn wir auch das Grab dieser konkreten toten jüdischen Frau, Hani Mattersdorfer, leider nicht kennen: Es ist unsere ‒ nicht nur religiöse ‒ Pflicht, und das mindeste, was wir tun können, ihren Grabstein aus der Anonymität zu holen und ihr somit ihren Namen zurückzugeben.


Hani (Sara Chana) Mattersdorfer, geb. Pollak, 22. Kislew 630 (= Freitag, 26. November 1869)

Das Grabsteinfragment befindet sich in Stadtschlaining.

Grabsteinfragment Schlaining, Hani (Sara Chana) Mattersdorfer, geb. Pollak, 22. Kislew 630 = Freitag, 26. November 1869

Grabsteinfragment Schlaining, Hani (Sara Chana) Mattersdorfer, geb. Pollak, 22. Kislew 630 = Freitag, 26. November 1869



Die Inschrift

Inschrift Hani Mattersdorfer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] […] die Wohltätige, Frau […] הצדקת מרת
[2] Sara [Chana]h שרה [חנ]ה
[3] [Tochter des MOREN]U Israel Pollak. [בת מו“]ה ישראל פאללאק
[4] […] a(us) M(atters)d(orf), Ehefrau [des Teuren], […] ממד אשת [היקר]
[5] [des Vornehme]n, [des Meisters] Meir Hersch, [הקצי]ן [הרב] מאיר הרש
[6] […] Jakab [M(atters)d(orfer)] […] […]ה יאקב [מט“ד] […]


Anmerkungen

Große Teile der Inschrift sind heute nur mehr mit großer Unsicherheit oder gar nicht mehr lesbar. Vielen Dank an Claudia Markovits Krempke, Israel, für das Gegenlesen. Carole Vogel, New Jersey, und Yitzchoq Stroh, Brooklyn, danke ich für die große Hilfe in der Biografie von Hani Mattersdorfer.
Gert Polster danke ich ebenfalls für die biografischen Hinweise (Judenkonskription 1848, s.u.).

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeilen 4/5: Alternative Lesung (Claudia Markovits Krempke): „[…] a(us) M(atters)d(orf), die die (Zeile 5) [Ehefrau] des Herrn Meir Hersch war“ […] ממד אשר היתה (5) [אשת הקצי]ן [הרב] מאיר הרש.

Zeile 5: Das sehr unsicher zu lesende und daher ohnehin in eckigen Klammern stehende הרב „der Rabbiner“, eventuell „der Meister“, mag nicht so recht zum biografischen Eintrag „Krämers Gattin“ passen.


Biografische Notizen

Hani (Sara Chana) Mattersdorfer, geb. Pollak ca. 1803 in Mattersdorf, „Krämers Gattin“, gest. 22. Kislew 630 = Freitag, 26. November 1869 in Schlaining an Brustkrebs, begraben am jüdischen Friedhof in Schlaining

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Hani Mattersdorfer, geb. Pollak, 22. Kislew 630 = Freitag, 26. November 1869

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Hani Mattersdorfer, geb. Pollak, 22. Kislew 630 = Freitag, 26. November 1869



Der Eintrag im Chevra Kadischa Buch von Mattersdorf bezeichnet Chana als „Ketzina jekara“ הקצינה היקרה, also als teure Einflussreiche, als Frau eines „Katzin“, und als „Chaschuva“ החשובה, als „Bedeutende“, sprich, Hani Mattersdorfer muss eine wohlhabende, angesehene Frau gewesen sein. Weiters weist sie der Eintrag als Tochter des Rabbinischen MORENU Israel Mihály und seiner Frau Milka aus:

Vater: Mihaly (Israel) Pollak (er selbst verwendet gelegentlich den Namen Israel Mihaly), geb. ca. 1765, Steuerbeamter, Bürgermeister der jüdischen Gemeinde Mattersdorf von 1821-1823. Bis 1817 scheint Israel Pollak nicht in Mattersdorf auf. Um diese Zeit war er jedenfalls verheiratet und hatte Kinder, die bereits das Erwachsenenalter erreicht hatten. Möglicherweise stammte er aus Mihályi (Ungarn).

Meir Israel Pollak war gebildet und trug den MORENU-Titel (s.o. Anmerkung zu Zeile 3). Er starb am 26. Februar 1824. Das wissen wir von einem Eintrag im Chevra Kadischa-Buch Mattersdorf, in dem eine Spende seiner Tochter Glückel an die Chevra Kadischa erwähnt wird. In anderen Einträgen erfahren wir, dass seine Mutter Malka hieß und seine Frau Milka, aber als Mali Pollak im Sterbebuch Mattersdorf eingetragen ist:

Mutter: Milka = Mali Pollak, gestorben 11. März 1835 in Mattersdorf

Eintrag Sterbebuch Mattersdorf, Mali Pollak, 11. März 1835

Eintrag Sterbebuch Mattersdorf, Mali Pollak, 11. März 1835



Das Ehepaar Israel Mihály Pollak und Hani Pollak hatte 5 Kinder, darunter Glückel (s.o.) und unsere Hani (Sara Chana).

Ehemann (von Hani): Heinrich (Mayer/Meir Hersch/Hirsch) Mattersdorfer, geboren ca. 1802 in Mattersdorf, Sohn der Nucha, gestorben 27. Cheschvan 633 (= 28. November 1872) in Schlaining an Nervenfieber.

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Heinrich Mattersdorfer, 28. November 1872

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Heinrich Mattersdorfer, 28. November 1872



Sowohl den Namen seiner Mutter als auch seinen Geburtsort (und selbstverständlich den Jahrzeittag) erfahren wir im Chevra Kadischabuch von Schlaining. Mayer Mattersdorfer wird in diesem Eintrag im Chevra Kadischabuch als „Katzin“ קצין, also als Einflussreicher, bezeichnet:

In der Konskription von 1848 finden wir Hani Mattersdorfer mit ihrem Ehemann Hirschl und der Adoptivtochter Juli (ungarisch: „fogadott leánya“):

Konskription 1848 Schlaining

Konskription 1848 Schlaining


Siehe auch das zweite Grabsteinfragment von Schlaining: Leopoldine / Elenora (Lina, Lewia) Heinrich, geb. Kohn, gest. 30. Juli 1881.


1 Kommentar zu Mattersdorfer Hani, geb. Pollak – 26. November 1869

Heinrich Leopoldine / Elenora (Lina), geb. Kohn – 30. Juli 1881

Die Grabinschrift Das Grabsteinfragment befindet sich im Tourismusbüro in Stadtschlaining. Die Inschrift Inschrift Levia Heinrich: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] Ihre Seele ging hin[weg] [יצ]אה נשמתה [2] a[m] h(eiligen) Sch(abbat),…

Die Grabinschrift

Das Grabsteinfragment befindet sich im Tourismusbüro in Stadtschlaining.

Grabsteinfragment Lewiah Heinrich, 4. Menachem Av 641 = Samstag, 30. Juli 1881

Grabsteinfragment Lewiah Heinrich, 4. Menachem Av 641 = Samstag, 30. Juli 1881, Foto: Werner Glösl



Die Inschrift

Inschrift Levia Heinrich: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Ihre Seele ging hin[weg] [יצ]אה נשמתה
[2] a[m] h(eiligen) Sch(abbat), 4. Menachem Av 641 [n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung), [ב]שק ד מנחם אב תרמא [לפק]
[3] um sich zu bergen unter den Schwingen der Einwohnung. לחסות תחת כנפי השכינה
[4] [Du kamst] zu(m) […] [באת] אל [הט…] […פ]
[5] wegen deiner Gerechtigkeit und deiner Liebeswerke […]. יען אשר צדקה וחסד […]
[6] […] […ת…] […א…] […ע…ה…] […ים]
[7] das Gute, das du auf Erden getan hast, [und] im Himmel הטוב בארץ עשית [ו]בשמים
[8] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens) תנצבה


Anmerkungen

Die Lesung der gesamten Inschrift ist in höchstem Maße unsicher. Vielen Dank an Claudia Markovits Krempke, Israel, für das Gegenlesen und an Gert Polster für die biografischen Hinweise (Judenkonskription s.u.).

Zeile 3: S. liturgisches Totengebet und vgl. babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 96b u.a.

Zeile 7: Vgl. Psalm 135,6.

Biografische Anmerkungen

Leopoldine / Elenora (Lina) (Lewiah) Heinrich, geb. Kohn ca. 1801 in Kobersdorf, verwitwet, gest. 04. Av 641 = Schabbat, 30. Juli 1881 mit 80 Jahren an Altersschwäche in Schlaining.

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Lewiah Heinrich, 04. Av 641 = Schabbat, 30. Juli 1881

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Lewiah Heinrich, 04. Av 641 = Schabbat, 30. Juli 1881



Ehemann: Abraham Heinrich, geb. ca. 1790, gest. 26. Juli 1876 in Stadtschlaining

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Abraham Heinrich, 26. Juli 1876

Eintrag Sterbebuch Schlaining, Abraham Heinrich, 26. Juli 1876


Kinder aus der Ehe mit Abraham Heinrich:

Ignaz Heinrich, geb. ca. 1841, gest. 06. November 1917 in Szombathely

Barbara Betti Heinrich, geb. 10. Jänner 1843 in Stadtschlaining, verheiratet mit Heinrich Schlänger aus Güssing (Hochzeit: 23. Mai 1861 in Schlaining), Sohn des Leopold Schlänger und der Regi (Schlänger).

In der Konskription von 1848 findet sich Elenora Heinrich mit Ehemann Abraham, den gemeinsamen Kindern und den Kindern aus Abrahams erster Ehe:

Leopold Heinrich, geb. ca. 1813

Jakab Heinrich, geb. ca. 1823

Fülöp (Philipp) Heinrich, geb. ca. 1819

Konskription 1848 Schlaining

Konskription 1848 Schlaining


Siehe auch das zweite Grabsteinfragment von Schlaining, das sich seit 30. März 2022 als Objekt in der Ausstellung in der ehemaligen Synagoge von Schlaining befindet: Hani (Chana) Mattersdorfer, geb. Pollak, gest. 26. November 1869.


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