Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Neufeld Ignatz – 06. April 1907

Ignatz (Nachum) Neufeld, 23. Nisan 667 (Schabbat Abend, 06. April 1907) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz. Die Grabinschrift Inschrift Ignatz Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier…

Ignatz (Nachum) Neufeld, 23. Nisan 667 (Schabbat Abend, 06. April 1907)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.


Grabstein Ignatz (Nachum) Neufeld, 23. Nisan 667 = Schabbat Abend, 06. April 1907

Grabstein Ignatz (Nachum) Neufeld, 23. Nisan 667 = Schabbat Abend, 06. April 1907



Die Grabinschrift

Inschrift Ignatz Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] der geachtete und getreue Mann, reich האיש היקר ונאמן רב
[3] an Werken, auserwählt, geehrt. פעלים בוחר נכבד
[4] Er handelte alle seine Tage נשא ונתן כל ימיו
[5] in Treue, [d(er teure) M(ann), d(er ehrbare) H(err), H(err)] [ה”ה הה’ ה’]
[6] Nachum Neufeld. נחום נייפעלד
[7] Er starb am 23. und wurde begraben am מת ביום כ”ג ונקבר ביום
[8] 25. des Monats Nisan 667 n(ach der kleinen Zeitrechnung). כ”ה לירח ניסן תרסז ל”
[9] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[10] Ignatz Neufeld
[11] gest. am 7. April,
[12] im 65. Lebensjahr.
[13] 1907

Sockel

Inschrift Ignatz NeufeldS: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] O Vater schlummre sanft hiernieder
[2] Oft von uns beweint,
[3] Bis des Himmels Frieden
[4] Wieder uns vereint.


Anmerkungen

Zeile 2/3: 2 Samuel 23,20 רב פעלים.

Zeile 4/5: Vgl. babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 31a “In der Stunde, wenn man einen Menschen zum Gericht bringt, fragt man ihn: ‘Hast du deinen Handel in Redlichkeit betrieben’?…” בשעה שמכניסין אדם לדין אומרים לו נשאת ונתת באמונה…. Es “… ist dies die erste Frage, die an den Menschen im Jenseits gerichtet wird.”
(Wachstein B., Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540(?)-1670, Quellen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich, hrsg. von der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, IV, Wien 1912, Seite 128)


Biografische Notizen

Ignatz (Nachum) Neufeld, geb. 20. Februar 1842 in Lackenbach, Hausierer, verheiratet, gest. 23. Nisan 607 = der 8. Pesachtag = Schabbat Abend, 06. April 1907 an Magenkrebs in Semriach (= Marktgemeinde in Graz Umgebung). Im Sterbebuch: 6. April, am Grabstein: 7. April, wohl weil offenbar vom hebräischen Datum errechnet ohne Berücksichtigung der Abendstunden, begraben am 25. Nisan 667 = Dienstag, 09. April 1907 auf dem jüdischen Friedhof Graz



Vater: Salo(mon) Neufeld, gest. 04. Dezember 1885, begraben am jüdischen Friedhof Graz

Mutter (sehr wahrscheinlich): Rosa/Rosina (Rachel) Neufeld, geb. Preis 1816, gest. 23. Oktober 1894, begraben auf dem jüdischen Friedhof Graz

Bruder (sehr wahrscheinlich): Karl/Carl (Koppel) Neufeld, gest. 07. November 1889, begraben auf dem jüdischen Friedhof Graz

Ehefrau: Marie Preis, geb. ca. 1851, “aus Lackenbach”, Tochter des Peter Preis, Handelsmann, und der Jeanette (Netty), geb. Deutsch (nicht im Geburtsbuch von Lackenbach gefunden. Der letzte Eintrag eines Kindes von Peter Preis und Netty Deutsch ist vom 05. Juli 1848, Tochter Saly. Möglicherweise waren die Eltern bei der Geburt von Marie schon wo anders hingezogen, mit “aus Lackenbach” kann daher nur die Zuständigkeit gemeint sein), Heirat am 01. Juli 1873 in Graz, wh. Willendorf bei Neunkirchen

Eintrag Hochzeitsbuch Graz, Ignatz Neufeld und Marie Preis, 01. Juli 1873

Eintrag Hochzeitsbuch Graz, Ignatz Neufeld und Marie Preis, 01. Juli 1873




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Neufeld Rosa, geb. Preis – 23. Oktober 1894

Rosa/Rosina (Rachel) Neufeld, geb. Preis 23. Tischre 655 (= Simchat Tora = Dienstag, 23. Oktober 1894) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz. Die Grabinschrift Inschrift Rosa Neufeld: Zeilengerechte…

Rosa/Rosina (Rachel) Neufeld, geb. Preis 23. Tischre 655 (= Simchat Tora = Dienstag, 23. Oktober 1894)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.


Grabstein Rosa (Rachel) Neufeld, 23. Tischre 655 = Dienstag, 23. Oktober 1894

Grabstein Rosa (Rachel) Neufeld, 23. Tischre 655 = Dienstag, 23. Oktober 1894



Die Grabinschrift

Inschrift Rosa Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] Frau Rachel Neufeld, 23. מרת רחל נייפעלד כג
[3] Tischre 655 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תשרע תרנה לפק
[4] Frau
[5] Rosa
[6] Neufeld
[7] geb. 1816, gest. 1894
[8] Friede ihrer Asche.


Biografische Notizen

Rosa/Rosina (Rachel) Neufeld, geb. Preis 1816, aus Lackenbach (wohl zuständig und nicht geboren), geh. ca. 1840 Salomon Neufeld, gest. 23. Tischre 655 = Simchat Tora = Dienstag, 23. Oktober 1894 mit 78 Jahren an Lungenödem und Bronchitis in Graz, Mariahilferg. 20, begraben am 25. Oktober 1894 auf dem jüdischen Friedhof Graz.

Eintrag Sterbebuch Graz, Rosa Neufeld, 23. Oktober 1894

Eintrag Sterbebuch Graz, Rosa Neufeld, 23. Oktober 1894



Ehemann (sehr wahrscheinlich): Salomon Neufeld, geb. ca. 1809, gest. 04. Dezember 1885, begraben am jüdischen Friedhof Graz

Söhne:

Karl/Carl (Koppel) Neufeld, geb. 08. Jänner 1849 in Lackenbach, gest. 07. November 1889, begraben am jüdischen Friedhof Graz

Ignatz (Nachum) Neufeld, geb. 20. Februar 1842 in Lackenbach, gest. 06. April 1907 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof Graz


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Neufeld Salomon – 04. Dezember 1885

Salomon Neufeld, 26. Kislew 646 (2. Chanukkatag = Freitag, 04. Dezember 1885) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz. Die Grabinschrift Inschrift Salomon Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1]…

Salomon Neufeld, 26. Kislew 646 (2. Chanukkatag = Freitag, 04. Dezember 1885)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.


Grabstein Salomon Neufeld, 26. Kislew 646 = 2. Chanukkatag = Freitag, 03. Dezember 1885

Grabstein Salomon Neufeld, 26. Kislew 646 = 2. Chanukkatag = Freitag, 03. Dezember 1885



Die Grabinschrift

Inschrift Salomon Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] [d(er) H(err), H(err)] Salomon Neufeld [הרר] שלמה נייפעלד
[3] [a(us der) h(eiligen jüdischen) G(emeinde)] Lackenbach. [מקק] לאקענבאך
[4] Seine Seele ging hinweg am V(orabend) d(es heiligen) Sch(abbat), dem 2. Tag יצאה נשמתו עשק ב
[5] [von] Chanukka 646 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). [ד]חנוכה תרמו לפק
[6] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[7] Hier ruht
[8] Herr
[9] Salomon Neufeld
[10] geb. 1809 gest. 1885
[11] gest. 4. Dezember 1885.
[12] Betrauert von seinen
[13] Hinterbliebenen.
[14] Friede seiner Asche!


Biografische Notizen

Salomon Neufeld, geb. ca. 1809, Hausierer aus Lackenbach, geh. ca. 1840 (“verheiratet 45 Jahre”!), gest. 26. Kislew 646 =2. Chanukkatag = Freitag, 04. Dezember 1885 mit 75 Jahren an Lungenemphysem und Herzfehler in Graz, Marschallgasse 20 (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder), begraben am 06. Dezember 1885 auf dem jüdischen Friedhof Graz.

Eintrag Sterbebuch Graz, Salomon Neufeld, 04. Dezember 1885

Eintrag Sterbebuch Graz, Salomon Neufeld, 04. Dezember 1885



Ehefrau (sehr wahrscheinlich): Rosi/Rosina (Rachel) Preis, geb. ca. 1816, gest. 23. Oktober 1894, begraben am jüdischen Friedhof Graz

Söhne:

Karl/Carl (Koppel) Neufeld, geb. 08. Jänner 1849 in Lackenbach, gest. 07. November 1889, begraben am jüdischen Friedhof Graz

Ignatz (Nachum) Neufeld, geb. 20. Februar 1842 in Lackenbach, gest. 06. April 1907 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof Graz


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Paul Celan – ‘sah daß ein Blatt fiel und wußte, daß es eine Botschaft war’

Literaturwissenschaftliche Fachtagung Pädagogische Hochschule Burgenland in Kooperation mit dem Österreichischen Jüdischen Museum Eisenstadt Termin: 12. 11. 2020 von 9.00 – 17.00 Uhr Onlinetagung: Meeting-Registrierung (Zoom). Paul Celan wurde am 23….

Literaturwissenschaftliche Fachtagung

Pädagogische Hochschule Burgenland in Kooperation mit dem Österreichischen Jüdischen Museum Eisenstadt

Termin: 12. 11. 2020 von 9.00 – 17.00 Uhr

Onlinetagung: Meeting-Registrierung (Zoom).


Paul Celan wurde am 23. 11. 1920 in Czernowitz geboren und starb (vermutlich) am 20. 4. 1970 in Paris. Somit jährt sich 2020 sein Geburtstag zum 100. und sein Todestag zum 50. Mal. Als Sohn deutschsprachiger jüdischer Eltern wurde er im Nationalsozialismus in einem Arbeitslager festgehalten und später, als er ins jüdische Ghetto Czernowitz zurückkehrte, zu Zwangsarbeit im Straßenbau verpflichtet. Seine Todesfuge zählt zu den zentralen Werken der Lyrik des 20. Jahrhunderts.
Diese Fachtagung widmet sich dem aktuellen literaturwissenschaftlichen Forschungsstand zu Paul Celan.

Begrüßung:

  • Vizerektorin HS.-Prof. Mag. Inge Strobl-Zuchtriegel, MAS MSc, PH Burgenland
  • MMMag. Dr. Christopher Meiller, Jüdisches Museum Eisenstadt
  • Moderation: HS-Prof. Mag. Dr. Eva Maltrovsky, Prof. Mag. Dr. Martin Hainz und MMag. Dr. Lukas Pallitsch

9.10 – 10.10 Uhr: Prof. em. Dr. Leonard M. Olschner, Queen Mary University of London: Celan lesen, Celan denken. Fünf Thesen zur vorläufigen Lektüre.

Bei diesem Referat geht es um das Thematisieren der Schwierigkeiten bei der Lektüre von Celans Lyrik und das Erkennen von möglichen Textzugängen zur Lektüre.

10.10 – 10.30 Uhr: Kaffeepause

10.30 – 11.30 Uhr: Dr. habil. Christine Ivanovic, Universität Wien: Eine Art Heimkehr.

Celans „Meridian“ beschreibt eine Kreisbewegung, die im Durchgang durch das Fremde in sich selbst zurückkehrt. Diese Figur der Heimkehr soll im Kontext der Philosophiegeschichte von Aristoteles über Hegel bis Lacoue-Labarthe evaluiert und an einzelnen Gedichtbeispielen aus dem Werk Celans belegt werden.

11.30 – 12.30 Uhr: Univ.-Doz. Mag. Dr. Artur R. Boelderl, Universität Klagenfurt: „Alles ist mehr, als es ist“ – Musil und Celan.

Der Vortrag folgt den Spuren des poetischen „Übermaßes der Innigkeit“ (Hölderlin), dem Umstand also, dass „alles, was ist, im Übermaß ist“ (Bataille), zu jenem „Nullpunkt der Literatur“ (Barthes), an dem das Sein und die Zeichen konvergieren, und legt das Augenmerk darauf, wie diese Konvergenz im sonst sehr heterogenen literarischen Schaffen Musils („Alle unsere Erlebnisse sind mehr, als wir erleben“) und Celans („Alles ist mehr, als es ist, alles ist weniger“) zum Tragen kommt.

12.30 – 14.00 Uhr: Mittagspause

14.00 – 15.00 Uhr: Prof. Dr. Dr. h.c. Andrei Corbea-Hoisie, Al. I. Cuza-Universität, Iasi (Rumänien): Um Celans „rumänische Büffel“. Nochmals über die Entstehung des Gedichtes Coagula.

Eine Reflexion zum Verhältnis des Dichters zu seiner geistigen Umgebung und intellektuellen Ausbildung. Gegenüberstellung Celan’scher Äußerungen mit der dichterischen Verwertung des Konzepts „Mitteleuropa“ in den 80 Jahren. Eine ideengeschichtliche Analyse.
Moderation: Lukas Pallitsch

15.00 – 16.00 Uhr: Prof. Dr. Markus May, Ludwig-Maximilians-Universität München: Rot- und Judenwelsch. Zu Paul Celans Gedicht „Eine Gauner- und Ganovenweise“.

Mit dem Gedicht „Eine Gauner- und Ganovenweise“ aus Paul Celans Band „Die Niemandsrose“ setzt sich der Autor mit den Mitteln extremer Polyphonie gegen die Plagiatsvorwürfe der Witwe Goll zur Wehr. Die Analyse der Sprachgestalt offenbart das Muster einer spezifischen Approbation, das heteronome Stereotypen subversiv umzudenken und im Sinne einer Selbstzuschreibung umzucodieren in der Lage ist.

16.00 – 17.00 Uhr: Prof. Mag. Dr. Martin A. Hainz, PH Burgenland: „Keinmaleins“. Hoffentlich dialogische close readings zu und mit Paul Celan.

Worte sind zu lesen, um sie wieder in Funktion zu setzen: diese „Alarmsignale“ nämlich. „»Schreiben« heißt nichts anderes als sie in Funktion setzen.“ (W. Benjamin)

Dies ist das im Vortrag zu rekonstruierende Anliegen Celans, der unermüdlich als Leser Wörter und Worte so setzte, dass sie wieder etwas genau zeigten, das zuvor nur mehr metaphorisch war, und zwar genau in dem Sinne, dass die Uneigentlichkeit, die freilich unhintergehbar ist, ihnen wieder abzulesen war, aber auch, wie sie zu dem, was es eigentlich zu sagen geben möge, jedenfalls stehen.

Abschluss

17.00 Uhr: Ende der Veranstaltung


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Biller Bernhard – 10. Februar 1937 / Kugel Katarina – 18. März 1904

Bernhard (Issachar ben Baruch) Biller, 29. Schvat 697 (= Mittwoch, 10. Februar 1937) Der Grabstein von Bernhard (Issachar) Biller befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Graz. Die hebräische Grabinschrift…

Bernhard (Issachar ben Baruch) Biller, 29. Schvat 697 (= Mittwoch, 10. Februar 1937)

Der Grabstein von Bernhard (Issachar) Biller befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Graz.



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Bernhard Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) פ”נ
[2] der torakundige H(err) Issachar, החבר ה יששכר
[3] S(ohn des) t(orakundigen Herrn) בן הח
[4] Baruch Biller, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), ברוך ביללער זל
[5] der in seine Welt ging am 29. Schvat שהלך לעולמו ביום כט שבט
[6] des Jahres 697 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שנת תרצז לפק
[7] Er ruhe auf seinem Lager in Frieden. ינוח בשלום על משכבו
[8] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 7: Vgl. Jesaja 57,2 שלום ינוחו על משכבותם.


Biografische Notizen

Bernhard (Issachar ben Baruch) Biller, geb. 16. Jänner 1863 in Güssing, Kaufmann in Graz, Raabgasse 7, gest. 29. Schvat 697 = Mittwoch, 10. Februar 1937 in Graz an Myocarditis, begraben am jüdischen Friedhof in Graz

Vater: Bernhard (Baruch) Biller, geb. ca. 1821 in Güssing, gest. 29. März 1893 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof in Graz
Mutter: Charlotte / Lotti Schwarz, geb. ca. 1830 in Güssing, gest. 13. Mai 1892 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof in Graz


Katarina Kugel, geb. Mackstein, 02. Nisan 664 (= Freitag, 18. März 1904)

Grabstein Katarina Kugel, geb. Mackstein, 02. Nisan 664 = Freitag, 18. März 1904

Grabstein Katarina Kugel, geb. Mackstein, 02. Nisan 664 = Freitag, 18. März 1904



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Katarina Kugel: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) פ”נ
[2] eine teure Frau, die Gott fürchtete, אשה יקרה את [אלהים היא יראה]
[3] Frau Gütel Kugel. מרת גיטל קוגעל
[4] Sie starb betagt und im guten Alter von […] 95 Jahren מתה בזקנה ובשיבה טובה […] צה שנה
[5] Sie übte Wohltätigkeit und Gutes alle Tage ihres Lebens. גמלה חסד וטוב כל ימי חייה
[6] Aufrichtigen Herzens wurde sie eingesammelt im hohen Alter. ישרת לב נאספה בשיבת שנותיה
[7] Mit rechtem Urteil wachte sie über die Hergänge in ihrem Haus, טוב טעם צפתה הליכות ביתה
[8] um zu ernten in der Höhe die Früchte ihrer Mühe. לקצור במרום פרי יגיעתה
[9] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 7: Vgl. Psalm 119,66 טוב טעם ודעת “rechtes Urteil und Erkenntnis”.

Sprüche 31,27 צופיה הילכות [הְַלִיכוֺת] ביתה.

Zeile 5-8: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (Gütel).



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Die ehemalige Synagoge in Kobersdorf

Seit einigen Monaten ist auch hier im Blog das jüdische Kobersdorf eines unserer Hauptthemen und wird ein solches wohl auch noch einige Zeit bleiben. Vor allem, weil erst ein kleiner…

Seit einigen Monaten ist auch hier im Blog das jüdische Kobersdorf eines unserer Hauptthemen und wird ein solches wohl auch noch einige Zeit bleiben. Vor allem, weil erst ein kleiner Teil (10%) der Grabsteine bzw. Grabinschriften des jüdischen Friedhofs von Kobersdorf aufgearbeitet ist, aber auch, weil wir sehr gerne den Prozess der ehemaligen Synagoge Kobersdorfs, die derzeit restauriert wird, begleiten.

Da wir sowohl von EinzelbesucherInnen als auch bei Gruppenführungen immer wieder auf die Kobersdorfer Synagoge angesprochen werden, ging’s am vorletzten Sonntagvormittag, einem der letzten schönen und wolkenlosen Herbsttage, nach Kobersdorf. Noch zumal die Synagoge vor genau 160 Jahren, am 11. April 1860, feierlich eingeweiht wurde.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten innen zerstört, später von der Sturmabteilung der NSDAP als Turnhalle und Vereinsheim verwendet. Eine Sprengung wie den nahegelegenen Synagogen in Deutschkreutz und Lackenbach 1941 blieb der Kobersdorfer Synagoge erspart.
1994 wurde die ehemalige Synagoge vom “Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf” von der Israelitischen Kultusgemeinde erworben, 2010 wurde das Gebäude endlich unter Denkmalschutz gestellt.
2019 kaufte das Land Burgenland die ehemalige Synagoge, die Restaurierungsarbeiten haben schon begonnen. Auf der Webseite der Landesregierung Burgenland erhalten Sie alle Informationen zum Synagogengebäude (Geschichte der Synagoge, Baugeschichte) und dem aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten!

Sitzplan der alten Synagoge, 1. Hälfte 19. Jahrhundert

Sitzplan der alten Synagoge, etwa 1830-1860



Nachdem die alte Synagoge in Kobersdorf Mitte des 19. Jahrhunderts, als die jüdische Bevölkerung mit etwa 600 Einwohnern/Einwohnerinnen ihren Höchststand erreichte, zu klein geworden war, begann man ca. 150m entfernt mit der Errichtung der neuen Synagoge, die am 11. April 1860 feierlich eingeweiht werden konnte.

Rabbiner war damals Abraham Shag Zwebner.
“Shag” oder “Shog” war der Vulgoname nach dem im jüdischen Volksmund so genannten Aufenthaltsort seines Vaters, Rabbiner Jehuda Löb Shag bzw. Shog, Ipolyság.

Zwebner wurde am 17. April 1801 (04. Ijjar 561) in Hlohovec (deutsch: Freistadl) in der Slowakei geboren, studierte bei Rabbiner Chatam Sofer (1762-1839) in Pressburg, wo er auch die Smicha erhielt, also die formelle Einsetzung als Rabbiner. 1851 kam er als Rabbiner nach Kobersdorf (übrigens im selben Jahr, in dem Rabbiner Esriel Hildesheimer als Rabbiner nach Eisenstadt kam). In seine Amtszeit fiel auch der Neubau der Synagoge von Kobersdorf im Jahr 1860.

Von seinen Werken wurden nur sein Responsenwerk Ohel Avraham” (“Zelt Abrahams”), 1881, und seine Predigten Draschot HaRo’sch” (“Predigten von Rabbiner Abraham Shag”), 1904, gedruckt. Am 19. Mai 1873 (22. Ijar 5633), im Alter von 72 Jahren, ging Rabbiner Zwebner nach Eretz Israel, näherhin nach Jerusalem, wo er am 25. März 1876 (29. Adar 636) verstarb. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof auf dem Ölberg in Jerusalem.

Seine Ehefrau Leni (Rebekka Lea), geb. Spitz, starb schon 1863 und ist am jüdischen Friedhof Kobersdorf begraben.

Leopold Moses, Archivar und Bibliothekar, 1888 in Mödling bei Wien geboren, 1943 in Auschwitz ermordet, besuchte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts die jüdischen Gemeinden des Burgenlandes, darunter auch Kobersdorf, nicht ohne die Bedeutung von Rabbiner Zwebner ausdrücklich zu erwähnen:

Die Kobersdorfer Juden studieren nicht ‒ vielleicht kommt das von ihrem reichlichen Kohlensäuregenuss ‒ und typisch für ihr Wesen ist jener Jude mit dem Tischa b’Av-Bärtchen in dem von Gesundheit strotzenden Gesicht, den ich da in der Woche vor dem 9. Av breitspurig in der Mitte der großen Gaststube des jüdischen Wirtshauses stehen und ein Glas Rotwein mit Kennermiene trinken sah. So kommt es auch, dass in Kobersdorf, das geistig-jüdische Leben nie so ganz jene Pflege fand, deren es sich sonst überall im Lande erfreute, und dass dort auch das Rabbinat nicht ganz so hervorragende Persönlichkeiten aufwies wie in den Nachbargemeinden.

Und doch finden wir auch in der bescheidenen Reihe der der Nachwelt bekannten Rabbiner Kobersdorfs einen Mann von großem Zuschnitt, der auch unserer Zeit noch viel bedeutet, und das ist der im Jahre 1801 in Freistadtl geborene Schüler des Chatam Sofer R. Abraham Zwebner, der nach dem Aufenthaltsort seines Vaters Ipolysag, meist nur R. Abraham Schag genannt wurde. Von diesem Manne rühren die Schriften Ohel Abraham und Deraschat ha Rosch her, aber noch bedeutender als durch diese wurde er für die innere Entwicklung der ungarischen Judenschaft durch die Tatsache, dass er auf der Versammlung der orthodoxen Rabbiner, die gegen den Kongress der Reformfreunde im Jahre 1865 einberufen worden war, gegen die Trennung der Gemeinden auftrat und als sein Standpunkt nicht durchdrang, nach Erez Jisrael ging, wo er im Jahre 1876 starb. Er mochte dabei wohl gedacht haben, dass allem Streit innerhalb der Judenheit des Exils keine Bedeutung innewohnt, wenn man ihn unter dem Gesichtswinkel des seiner Kinder beraubten Landes Jisrael betrachtet, und dass es nur darauf ankäme, die Erlösung herbeizuführen, um den Streit über den Standort des Almemor, über die ungarische oder deutsche Predigt und dergleichen weltbewegende Dinge mehr verstummen zu machen.

Leopold Moses, Bilder aus Österreich, in: Jüdische Presse 11 (1925) 51-52 (18.12. 1925), 338f

In der Tat war die Diskussion über den Standort der Bima / des Almemors, also des Vorlesepults, auch in die jüdischen Gemeinden des heutigen Burgenlandes übergeschwappt (zur Begriffserklärung siehe den Artikel Bima” in der Jüdischen Allgemeinen). Orthodoxe Synagogen haben meist die Bima / den Almemor in der Mitte der Synagoge, reformierte Synagogen haben sie nach vorne zum Toraschrein gerückt (“geostet”). So wurde zum Beispiel die Bima in der Synagoge von Schlaining erst nach vorne zum Toraschrein, später wieder zurück in die Mitte gerückt. Oder auch Rechnitz: Der Gemeindevorstand plante die Verlegung der Bima, worauf Rabbbiner Gabriel Engelsmann (Rabbiner von 1822 bis 1850) antwortete “Gut, dann verlasse ich morgen Rechnitz”, worauf die Bima in der Mitte und der Rabbiner in Rechnitz blieb (siehe Jüdische Presse 8 (1922), 37-38, 6.10.1922)…

In Kobersdorf war die Bima schon in der ersten Synagoge natürlich in der Mitte (siehe Sitzplan oben), auch in der nun neugegründeten Synagoge kam ein Verrücken nicht in Frage. Dafür war Rabbiner Zwebner Garant, hatte er doch bei Mose Schreiber, dem Chatam Sofer, in Pressburg studiert, der ein glühender Verfechter der mittigen Position der Bima war:

Für Chatam Sofer repräsentiert die Bima den Altar im Tempel, der auf dem Innenhof des Tempels stand und zwar genau in der Mitte. Die Synagoge sei ein kleiner Tempel, ‘Mikdasch me’at’ (Orach Chajim 28).

Bima” in der Jüdischen Allgemeinen)

Der ehemalige Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg erklärt die Position der Bima in der Mitte als Symbol für die Tatsache, dass die Israeliten um den Berg Sinai lagerten, als sie die Tora
empfingen (Eisenberg Paul Chaim, Erlebnisse eins Rabbiners. Geschichten und Geschichte, Wien 2006, 66ff).
Die auf dem Foto erkennbaren Stufen führten zum Toraschrein!



Ebenfalls ein Schüler von Chatam Sofer war zur selben Zeit der Rabbiner von Deutschkreutz: Rabbi Joachim Katz (Menachen Katz-Proßnitz) trat sein Amt in Deutschkreutz nur wenige Monate nach dem Tod seines Lehrers 1840 an und übte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1891, also über 50 Jahre aus. Rabbiner Katz-Proßnitz war ein Vertreter der strikten Orthodoxie, duldete keine Neuerungen, das gesamte Gemeindeleben war in Übereinstimmung mit der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, geregelt. Er galt aber nicht nur als ausgesprochen gelehrt und äußerst fromm, sondern sogar als wundertätig.

Und dieser fromme, gelehrte Mann besuchte einmal Kobersdorf und äußerte Kritik am Gitter der Frauenabteilung in der Synagoge. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie er reagiert hätte, wäre die Bima nicht in der Mitte, sondern vor dem Toraschrein gewesen … Aber lesen Sie den Reisebericht von Otto Abeles:

Otto Abeles, Journalist, Zionist, 1879 in Brünn (Mähren) geboren, Deportation nach Bergen-Belsen, 1945 kurz nach seiner Befreiung gestorben, kommt Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts auch nach Kobersdorf:

Sie sind einfache Leute, die Kobersdorfer. Eine Kehilla “prosterer” Juden, meist Viehhändler und Hausierer, die tagsüber auswärts sind oder gar erst vor Sabbateingang nach Hause kommen und wenig Zeit, auch nicht besondere Neigung zum “Lernen” haben. Aber sie sind fromm und treu, ein kräftiger, mit der Natur vertrauter Judenschlag und sie haben ihre Grundsätze.

Vor vielen Jahrzehnten wirkte hier eine Leuchte in Israel, der milde, liebevolle Rabbi Abraham Zwebner. Von ihm erzählen alle; die Jungen nach der Überlieferung, die Ältesten ‒ das einfache, ruhige Leben lässt viele Greise und Greisinnen mit frischen Sinnen und frischen Augen den siebzigsten und achtzigsten Geburtstag feiern ‒ weil sie ihn noch persönlich kannten und mit der ganzen Gemeinde ein Stück Weges geleiteten, als er nach Erez Israel zog, noch in rüstigem Mannesalter, um dort auf heiligem Boden sich der Lehre hinzugeben. Bevor er seine Gemeinde verließ, erbaute er die schöne, würdige Synagoge. Sie ist sein Denkmal.

Als der gestrenge Rabbi von Zelem (Deutsch-Kreuz) anlässlich eines Leichenbegräbnisses nach Kobersdorf kam, stellte er entrüstet aus, das Gitter der Frauenabteilung in der neuen Schul sei nicht undurchsichtig genug und forderte die Balbattim auf, ein so dichtes Drahtnetz anzubringen, wie es in Zelem die Frauen vor den Blicken der Männer einwandfrei bewahre. Er kam bei den Kobersdorfern nicht gut an. Sie meinten, wenn dieses Holzgitter ihrem großen Rabbi Abraham Zwebner genügt habe, so sei die Absonderung der Frauengalerie durch ein Drahtnetz bestimmt nicht erforderlich. So wird denn vermutlich die Drohung des Zelgemer, nie wieder nach Kobersdorf zu kommen, wenn man nicht das Holzgitter der Weiberschul durch ein dichtmaschiges Sieb verstärkt, von ihm erfüllt werden müssen. Die Kobersdorfer dürften kaum die gewünschte Änderung in ihrer Synagoge vornehmen. Allerdings bemerkte der fromme Handwerker, in dessen Begleitung ich die Synagoge besichtigte: Die Zeiten sind anders geworden. Stimmt. Und mit ihr die Tracht der Frauen.

Kobersdorf ist ein jüdischer Luftkurort. Hier ist den Gesetzestreuen verstattet, ungestört jüdische zu leben. Sie werden von der Kehilla brüderlich aufgenommen, von der Bauernbevölkerung, in deren Häuser sie wohnen, auf das freundlichste behandelt. Man hat hier die herrlichsten Föhrenwälder, einen köstlichen Gesundbrunnen und den feierlichsten Sabbat.

Otto Abeles, Ein Sommertag in Kobersdorf, in: Die neue Welt, 2 (1928), Heft 50 (31.8.1928), 427f


2 Kommentare zu Die ehemalige Synagoge in Kobersdorf

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