Esterl Bauer, 28. Tischre 5635 (Freitag, 09. Oktober 1874)

  • Foto: Grabstein von Esterl Bauer, 28. Tischre 5635
  • Datenblatt Isidor Öhler: Esterl Bauer, 28. Tischre 5635
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Esterl Bauer, 28. Tischre 5635


Anmerkungen

Unter der Einleitungsformel und der Einleitung in Zeile 1 finden wir unmittelbar über dem Vornamen der Verstorbenen als (jüdisches) Symbol die Krone (hier: Zeile 2). Dies ist hier – zumindest nach meiner Erfahrung – insofern überraschend, da die Krone bei Frauen praktisch ausschließlich dann zu finden ist, wenn die Frau in der Inschrift als “Krone ihres Mannes” (Sprüche 12,4) עטרת בעלה bezeichnet wird. Diese Bezeichnung findet sich in der Inschrift bestenfalls andeutungsweise, aber eben nicht expressis verbis.
Wahrscheinlich dürfte sich das Symbol der Krone daher auf Pirke Avot (Sprüche der Väter) 4,17 beziehen, wo es heißt “Drei Kronen gibt es: Die Krone der Tora, die Krone der Priesterwürde und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber übertrifft sie alle.” שלשה כתרים הן כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Und tatsächlich, in Zeile 5, die Zeile sei jetzt vorgezogen, lesen wir: “I(hre Seele) g(ing hinweg) mit gutem Namen (!) (= in gutem Ruf) am 28. Tischre und sie wurde begraben am (selben) Tag hier, 635 n(ach der kleinen Zeitrechnung)” י”נ בשם טוב כ”ח תשרי ונקברת ביום בו תרלה ל”.

Zeile 3: Unmittelbar unter dem eingerahmten Vornamen “Esterl” ist noch eine Zeile zu erkennen, deren Buchstaben ich nicht erfassen kann.

Zeile 4 erwähnt den Ehemann: “Gabriel Bauer” גבריאל בויער.

Die lange und schöne Eulogie, von Zeile 6 – 18, birgt auch das Akrostychon, oder besser, die Namensakrostycha und Segenswunsch:
(6) bis (10): “Esterl”
(11) horizontal: “Ehefrau von”
(12) bis (17): “Gabriel”
(18) horizontal: “I(hr Andenken) m(öge bewahrt werden)”
אסתרל אשת גבריאל זל


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg