(Moses) Jehuda ben Wolf Berlin, 03. Siwan 504 (= Donnerstag, 14. Mai 1744)

C-8 (Wachstein 158)

  • Grabstein (Moses) Jehuda ben Wolf Berlin, 03. Siwan 504
  • Grabstein (Moses) Jehuda ben Wolf Berlin, Wachstein XLIX


älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor C


Die Grabinschrift

וזאת ליהודא
פה נטמן צנצנת המן איש נאמן
מעשיו בטמון רב משפחתן חבצל’
השרון זכותו לזכרון ווי על האי
שופרא דבלע בעפרין חבל על
דאבדון ולא משתכחין אוהב
לומדי תורה ומהנה מנכסין והאי
נהורא אתגנזין תלת יומין לירח
סיון שנת תק”ד ל’ ה”ה האלוף הר”ר
משה יהודא ב”ה וואלף ברלין
עצמותיך יחליץ ותנוח לקץ הימין
בין דמיכי דחברון בהאי עלמא
דכנופין תעייל ולא תיפוק לעלמי’
עד דייתי מרי נשמתן ורוחין
ואתסיין גרמין ויתערין ותבנה על
משפטו ארמון תנצב”ה


Anmerkungen

Die Anzahl der Zeilen sowie die Zeilengerechtigkeit dürfen aufgrund des alten Fotos (bei Wachstein) als gesichert gelten.



Wachstein zitiert den oben abgebildeten Grabstein von (Moses) Jehuda ben Wolf Berlin als Beispiel für “Denkmale aus der Rokokozeit”.

Die schweren barocken Formen lösen sich auf, sie werden leichter und graziler. Es beginnen felsartige Gebilde (Rocaille) und Muschelwerk als Verzierung aufzutreten. Diese Denkmale sind ausschließlich Produkte Eisenstädter Kunstschaffens.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., XLVI

Zum Grabstein selbst:

117 cm h., 72 cem br., 11 cm d., 119 cm Th., 66 cm Zl.
Rechteckiger Stein der durch Sturz in geschwungener Linie bekrönt wird; Schneckenbänder in Rokokoform und Rocaillewerk zieren den Sturz.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., XLVIII


Biografische Notizen

Jehuda Berlin wurde 1733 vom Rentamt der Herrschaft Eisenstadt in Schutz aufgenommen. Die Konskriptionsliste von 1735 gibt Berlin als seine Herkunft an. Im Hausstande werden verzeichnet: Gattin, zwei Diener und zwei Dienstboten. Als Ort seiner Tätigkeit wird Wien bezeichnet (“dient in Wien”). Sollte er der Sohn des 1736 in Wien verstorbenen Benjamin Wolf ben Jehuda aus Berlin und demnach ein Enkel des Berliner Finanzmannes Jost Liebmann sein? In der langen Inschrift, in welcher die Freigebigkeit des Verstorbenen gerühmt und auf seine vornehme Abstammung angespielt wird, findet sich, wie meistens in den Inschriften dieses Friedhofes, kein Hinweis auf das Alter, wodurch diese Vermutung eine Stütze erfahren könnte.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 46

Der von Wachstein vermutete Vater von (Moses) Jehuda, Benjamin Wolf ben Jehuda aus Berlin, ist am jüdischen Friedhof Rossau (Seegasse, Wien) begraben.
Den Großvater unseres (Moses) Jehuda und Vater von Benjamin Wolf ben Jehuda identifiziert Wachstein als den bekannten Berliner Hofjuwelier Jehuda ben Lipman Berlin (Jost Liebmann), über dessen Anfänge etwa auch Glückel von Hameln in ihren Denkwürdigkeiten berichtet.

Siehe Wachstein B., Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, 2. Teil, 1696 – 1783, Wien 1917, 220f.

Vater: Benjamin Wolf ben Jehuda aus Berlin, gest. 15. Jänner 1736

Großvater: Jehuda ben Lipman Berlin (Jost Liebmann) (s.o.)


Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt