Asriel ben Chajjim ha-Cohen aus Hamburg, 29. Cheschwan 533 (= Nacht auf Mittwoch, 25. November 1772)

D-35/34 (Wachstein 341)

  • Grabstein Asriel ben Chajjim ha-Cohen aus Hamburg, 29. Cheschwan 533
  • Scan Wachstein Grabstein Asriel ben Chajjim ha-Cohen aus Hamburg


älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor D


Die Grabinschrift

נפטר ליל ג’ ונקבר יום ד’ ער”ח כסליו תקל”ג ל’
פ”נ
התורני והרבני דיין המצוייני
המופלא מוהר”ר עזריאל
ב”ה חיים כ”ץ זצ”ל מהמבורג

תנצב”ה


Anmerkungen

Der Sockel des Grabsteins findet sich am Plan auf dem Standort D-34.

Der Grabstein, der leider über die Hälfte tief in die Erde gesunken ist, konnte vor allem aufgrund der klar lesbaren hebräischen Nummer קנא eindeutig zugeordnet werden. Glücklicherweise besitzen wir von diesem Grabstein ein Foto sowie eine exakte Beschreibung Wachsteins, siehe oben und unten.

Wachstein zitiert den oben abgebildeten Grabstein von Asriel Cohen als Beispiel für Denkmale, die jenen der Rokokozeit zwar in Form und Aussstattung noch gleichen, für die aber gilt:

An Stelle des Rokoko mit seiner Unsymetrie treten jedoch immer mehr die geraden Linien und die größere Gemessenheit des Louis XVI. (josefinischen) Stils.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., LIV

Zum Grabstein selbst:

90 cm h., 49 cm br., 16 cm d., 43 cm Th., 35 cm Zl. Schrifttafel oben halbkreisförmig begrenzt, Sturz in einfachen Formen. Muschel im Scheitel schon ganz glatt. Rollen in Rosetten endigend; einfacher als die der früheren Jahre. Statt Knospe vertikal geriffter Knauf im Scheitel des Sturzes.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., LIV

Zeile 3: דיין המצוייני “der hervorragende Richter”.

Zeile 4: Asriel Cohen trägt die MORENU-Würde.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


Biografische Notizen

Asriel Cohen aus Hamburg ist in den Archivalien der Gemeinde von 1734 an nachweisbar. In diesem Zeitraume finden wir ihn im Vorstands- und Rabbinatskollegium. Die Grabschrift bezeichnet ihn als ‘vorzüglichen Richter’, doch wird diese Bezeichnung eher auf seine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, als auf eine feste Stellung bei der Gemeinde hinweisen. Die Häuserliste 1750 kennt denn auch ‘Israel Hamburger’ als Händler. Er ist vielleicht mit Asriel Cohen identisch, der anfangs 1735 von Wien aus an Meir AŠ eine Anfrage richtet. Aus dem Briefwechsel geht hervor, dass der Anfragende zum Schülerkreis des Angefragten gehörte. Der Ruf des brühmten Mannes mag Asriel nach Eisenstadt gebracht haben, wo der tüchtige Bachur, wie nicht selten, die Tochter eines angesehenen Mannes heiratete und sich daselbst einbürgerte.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 137

1. Ehefrau: Chana Cohen, gest. 02. Februar 1758

2. Ehefrau: Rebekka Cohen, gest. 01. Mai 1772

Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt