Elia ben Isaschar Beer Schamasch, 14. Cheschwan 474 (= Freitag, 03. November 1713) und N.N., o.D.

E-5 (Wachstein 47 und 1121)

  • Grabstein Vorderseite Elia ben Isaschar Beer Schamasch, 14. Cheschwan 474 und N.N., o.D.
  • Grabstein Rückseite Elia ben Isaschar Beer Schamasch, 14. Cheschwan 474 und N.N., o.D.


älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor E


Die Grabinschrift

Vorderseite

פה
איש ישר וכשר
ה”ה ר’ אלי בן
מ’ יששכר בער
זצ”ל שמש
נפטר ביום ו’ י”ד
חשון תע”ד לפ”ק

תנצב”ה

Rückseite

פ”נ
איש אחד
שנפטר בשעת
חשש


Anmerkungen

Auf der Rückseite des Grabsteines für Elia ben Isaschar Beer sind die Worte eingemeißelt:

‘Irgendein (jüdischer) Mann, der in einer unruhigen Zeit gestorben ist’.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


Biografische Notizen

Aus der Dienstbezeichnung ‘Schamasch’ (Gemeindediener) hinter dem Vaternamen ist nicht zu ersehen, ob sich dieses Prädikat auf den Sohn oder den Vater bezieht … erfahren wir jedoch, dass sowohl Elia sowie sein gelehrter Vater im Dienste der Gemeinde standen. Am Mittwoch, den 24. Elul 481/1721 erschien nämlich Frau Jacht, die Witwe des Elia ben MORENU Beer Schamasch, vor dem Vorstand und dem Landrabbiner mit Empfehlungen einiger Vornehmen Wiens (die in Eisenstadt Wohnrecht besaßen) und bat mit Rücksicht auf die treuen Dienste, die ihr Mann und ihr Schwiegervater der Gemeinde geleistet, um Verleihung des Wohnrechts an ihre Tochter Chawa und deren Bräutigam Jehuda ben Simeon aus Rausnitz. Beer, der Vater Elias, ist dann … mit dem aus Wien exilierten MORENU Isaschar Beer identisch. die Häuserliste 1699 kennt einen ‘Elias des alten Schulklopfers Sohn’.

Sonst ist die Platte unbehauen. Der Ausdruck בשעת חשש wird in zeitgenössischen Chroniken auf Pest angewendet. In der Tat wütete 1713 im ganzen Umkreise die Pest. Dafür, dass gerade dieser Stein als Denkmal für den Namenlosen benützt wurde, weiß ich keinen Grund anzugeben. Es dürfte sich wohl um einen Verwandten handeln. Dass die Inschrift älter sei oder einen Hinweis auf die Vorderseite enthalte, ist nicht anzunehmen, das letztere schon aus stilistischen Gründen nicht. Gleichwohl muss das Datum als zweifelhaft angesehen werden, zumal בשעת חשש auch Krieg, Revolten, Verfolgung und ähnliches bezeichnen kann.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 13f



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