Jona Beer ben Feibel Bondi, 17. Tammus 586 (= Schabbat, 22. Juli 1826)

J-6 (Wachstein 646)

  • Grabstein Jona Beer ben Feibel Bondi, 17. Tammus 586
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor J


Die Grabinschrift

בקדושה ובטהרה בש”ק י”ז בתמוז ונקבר
מחרתו חי בו תקפ”ו לפ”ק

פ”נ
קנקן חדש מלא ישן ה”ה הרבני
המופלא ומופלג בתורה וביראה
אב בחכמה ורך בשנים בקי בהוראה
וחכים טובא במילי דאגדתא להגיד
משרים צנועי ומעלי ותמים במעשיו
כש”ת מו”ה יונה בער זצ”ל ב”התו’ הר”ר פייבל
באנדי נ”י ווי להאי שופרא דבלה בעפרא
בנן של קדושים נין ונכד להגאון מו”ה
חיים יונה תאומים הי’ נכד להגאון
בעל קקיון דיונה וחתן הגאון מוהר”ר
דוד אפפנהיים זצ”ל שהי’ אב”ד בק”ק
פראג ודוד שביעי להגאון בעל תוי”ט
זצ”ל ולהגאון מהר”ש מפראג זצ”ל



תנצב”ה


Anmerkungen

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


Biografische Notizen

‘Ein neuer Krug voll alten [Weines] …, ein Vater an Weisheit und jung an Jahren, gewandt in rabbinischen Entscheidungen und besonders mit rednerischen Fähigkeiten ausgestattet, das Volk zu erbauen …’
Ein glücklicher Zufall setzt uns in die Lage, die Lobsprüche über diesen in der Blüte seiner Jahre verstorbenen jungen Mann aus im Privatbesitze befindlichen Schriftstücken zu bestätigen.

Erhalten sind … Ferner ein eigenhändig von Mordechai Benet geschriebenes, allgemein gehaltenes Zeugnis, …, in welchem der gefeierte Meister seinen einstigen Schüler für die Zeit nach den Pesachfeiertagen bestellt, um die Rabbinatsprüfung mit ihm vorzunehmen (Jona war zur Zeit bereits verheiratet und führte schon den Morenu-Titel), und schließlich ein Empfehlungsschreiben von Isak Moses Perles aus Ung.-Brod, zurzeit Rabbiner in Eisenstadt … worin er die intellktuellen und sittlichen Qualitäten des Empfohlenen rühmend hervorhebt, der widriger Umstände wegen (‘zumal es um unserer Sünden willen bekannt ist, wie kümmerlich sich die Gelehrten erhalten müssen’) ein anderes Land aufsuchen will.
Aus den schlimmen Verhältnissen ist der gelehrte Mann nicht herausgekommen. Nach seinem Tode drängen die Gläubiger auf Begleichung ihrer Forderungen. Um für die Hinterbliebenen etwas zu retten, entschließt sich die Gemeinde, den schwer belasteten Realbesitz des Verstorbenen zu erstehen, um ihn dann mit Zustimmung der Beteiligen unter für sie vorteilhafteren Bedinugnungen loszuschlagen…

Wie die Grabschrift die persönlichen Vorzüge des Verstorbenen hervorhebt, vergisst sie auch nicht, seine edle Abstammung vorzuführen. Sie bezeichnet ihn als ‘Nachkommen des Gaons Chajjim Jona Theomim, der ein Enkel des Gaons, … Verfassers des ‘Kikajon d’Jona’ und Schwiegersohn des Gaons David Oppenheim, Oberrabbiners in Prag, und Nachkomme in siebentem Geschlechte des Gaons [Lipman Heller], des Verfassers der ‘Tossefoth Jomtob’, und des Gaons mhr S[imeon Spira] aus Prag war.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 204ff

Wachstein übersetzt Zeile 2a der Eulogie קנקן חדש מלא ישן “ein neuer Krug voll alten [Weines]” sowie die Zeilen 4 und 5 אב בחכמה ורך בשנים … “Reif an Weisheit und zart an Jahren …” (Raschi zu Genesis 41,43 und Bereschit Rabba 90,3).

Die von Wachstein zitierte edle Abstammung findet sich von Zeile 9 bis 14 der Eulogie.

Vater: Philipp Bondi, gest. 15. November 1837

Mutter: Rebekka Bondi, gest. 17. Jänner 1815


Tochter: Rebekka Bondi, gest. 27. Juni 1847


Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt