Ascher Anschel ben Mordechai Jafe-Margulies (Schlesinger), 02. Tischre 495 (= Mittwoch, 29. September 1734)

D-3 (Wachstein 122)

  • Grabstein Ascher Anschel ben Mordechai Jafe-Margulies (Schlesinger), 02. Tischre 495
  • Wachstein Scan Grabstein Ascher Anschel ben Mordechai Jafe-Margulies (Schlesinger)


älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor D


Die Grabinschrift

קול נהי נשמע
מציון לנפש יקרה

יצאה נשמתו בקדושה יום ד’ י”ט שני של ראש השנה שנת צדיק תמי’ היה לפ”ק

פ”נ

אשר

נתן מלחמו לעניים
ואביונים נאמן רוח דבריו
אמתים וכנים שפתיו
מפיקים מרגליות ואדרכמונים
יוצאי חלציו הנהיג בתורה ומ”ט
מתוקנים לפניו ילך צדקתו
ולדורות אחרונים ה”ה האלוף
הקצין השתדלן אי”א הזקן
קנה חכמה כהר”ר אשר אנשיל
ב”הקדוש מוהר”ר מרדכי יפה
מרגליות הי”ד זצ”ל


Anmerkungen

Zeile 3: “Seine Seele ging hinweg in Reinheit am Tag 4 (= Mittwoch), 2. F(eier)t(ag) von Rosch HaSchana”.


Dank des Fotos bei Wachstein kann die Zeilengerechtigkeit gewährleistet werden.
Heute sieht der einst prächtige Grabstein sehr traurig aus, liegt am Boden, der Aufsatz oben ist abgebrochen und nicht auffindbar.


Biografische Notizen

Israel Schlesinger (so sein Name in nichtjüdischen Quellen), Sohn des aus der Wiener Judenstadt stammenden Vorstehers Mordechai Margulies oder Marx Schlesinger, der 1683 von polnischen Soldaten in Klosterneuburg ermordet wurde, ist der Stammvater der Familie Güns (-Schlesinger), die in der Folge durch Akiba Eger, einen Urenkel Ascher Anschels, eine Berühmtheit erlangte. Während Wolf Schlesinger, der ältere Bruder Anschels, von Nikolsburg nach Eisenstadt kam und dort einer der Begründer der neuen Gemeinde wurde, lebte Israel als Zolleinnehmer in der königlichen Freistadt Güns und kam erst im Alter nach Eisenstadt. Seine Aufnahme in den Heimatsverband der Gemeinde erfolgte anfangs 1721.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 36f

Wachstein verweist auf seine Anmerkungen zur Grabinschrift des am jüdischen Friedhof Rossau (Seegasse, Wien) begrabenen, 1727 verstorbenen Wolf ben Mordechai Margulies-Jafe (Schlesinger):

Sein Vater Mordechai ben Moses Margulies nahm im Wiener Ghetto eine geachtete Stellung ein. Schon im Jahre 1650 wird er auf dem Grabstein seiner (wohl ersten) Frau mit der Titulatur ‘Vornehmer’ bezeichnet. Ein Jahr vor der Katastrophe begegnen wir ihm als Vorsteher … Fünf Jahr nach der erfolgten Vertreibung versuchte Marx Schlesinger von Nikolsburg aus durch neue Verhandlungen mit der Regierung die Wiederaufnahme zu erwirken, die allerdings resultatlos verliefen. … Marx Schlesinger starb eines gewaltsamen Todes, wie aus dem Epitheton ‘der Heilige’ hinter seinem Namen, das sich wohl nicht auf den Wiener, hingegen aber auf den Eisenstädter Grabsteinen seiner Nachkommen und in sonstigen Aufzeichnungen findet, hervorgeht. Nach einem zeitenössischen Bericht über die Belagerung Wiens durch die Türken ist Marx Schlesinger vor dem Neujahrsfeste 444/1683 auf der Durchreise nach Nikolsburg von polnischen Soldaten in Klosterneuburg ermordet worden.

Wachstein B., Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, 2. Teil, 1696 – 1783, Wien 1917, 162


Söhne:
Moses Schlesinger, gest. zwischen 1726 und 1735

Samuel (Margulies-Jafe) Schlesinger, gest. 18. April 1756

Archiv älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt