Löb ben Meir, 04. Adar 572 (= Nacht auf Montag, 17. Februar 1812)

X-30 (Wachstein 558)

  • Grabstein Löb ben Meir, 04. Adar 572
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor X


Die Grabinschrift

פ”נ
נפטר ליל א’ ונקבר ב’ ד’
אדר תקע”ב ל’
איש נאמן תם וישר
שמש מקדש מעט בכוש’
הדריך בניו באורח מישור
וגדלו והצליחו בדרך
מאושר


ה”ה התו’ כ”ה ליב שמש בן
המנוח הרבני מו”ה מאיר זצ”ל

תנצב”ה


Anmerkungen

Vorletzte Zeile (letzte Zeile vor der Schlusseulogie): Wachstein vergisst den Segenswunsch זצ”ל zu transkribieren.

Biografische Notizen

Der Schamasch der Gemeinde, der durch seinen Sohn Meir AŠ, den Verfasser der Rechtsgutachten אמרי אש, bekannt wurde. Nach dem Gemeindebuche wurde ‘Löb, Sohn des mhrr Meir, gebürtig aus Semnitz, zurzeit Diener und Beglaubigter sowie Schochet der Gemeinde Schoburg’ am Donnerstag, den 2. Tevet 551 = 9. Dezember 1790 in gleicher Eigenschaft in den Dienst der Gemeinde Eisenstadt aufgenommen. Die Aufnahme war für ein Jahr. Als Gehalt wurde ihm zugebilligt 1 Gulden rheinisch wöchentlich, freie Wohnung und die Hälfte der Einnahmen aus den Erträgnissen der Schechita und der Mikwa (rituelles Bad). Das Protokoll ist allerdings bis auf die Unterschriften durchstrichen, vermutlich auf Grund einer Maßregelung. Nach der Angabe des Menachem b. Meir AŠ, des Enkels unseres Löb, war sein Urgroßvater Meir, der Vater unseres Löb, einer Verfolgung wegen von Pinczow in Polen nach Ungarn geflüchtet. In Jóka fand er ein Rabbinat, wo er auch bis zu seinem Tode verblieb. In der uns vorliegenden Grabschrift sowie in der erwähnten Aufnahme wird der Vater unseres Löb wohl mit der Morenuwürde, aber nicht als Rabbiner tituliert. הרבני in der Grabschrift kann allerdings auch einen More Zedek bezeichnen.

Seinem Vater, dem Gemeindediener in Eisenstadt, hat der berühmte Sohn eine Jahrzeit gestiftet, ebenso der Mutter Chaila Tochter Rösel, die, wie es scheint, ihren Mann lange überlebte.

Meir AŠ war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, der nicht nur den Ruf eines großen talmudischen Gelehrten, sondern auch den eines Heiligen genoss. Er ist einer der ersten Träger des chassidischen Gedankens in Ungarn, speziell in dem damals südlichen Teile Ungarns. …

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 181f


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