Frau Malka Tochter Simson Brünn, 13. Elul 487 (= Schabbat, 30. August 1727)

K-19 (Wachstein 91)

  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor K


Die Grabinschrift

Inschrift Malka Bruenn: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] eine angesehene אשה
[3] und bescheidene Frau, חשובה והצנועה
[4] F(rau) Malka, T(ochter) des Toragelehrten, מ’ מלכה ב’ התורני
[5] MORENU Simson מוהר”ר שמשן
[6] Brünn, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), Enkelin des überragenden Gelehr(ten), ברין ז”ל נכד הגאו’
[7] des Verfassers von ‘Chawot בעל המחבר חוות
[8] Jair’, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden). Sie verstarb יאיר זצ”ל ונפטרה
[9] a(m) h(eiligen) Sch(abbat), 13. Elul 487 n(ach der kleinen Zeitrechnung). בש”ק י”ג אלול תפ”ז ל’
[10] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’


Anmerkungen

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


Biografische Notizen

Simson Brünn, zur Zeit bereits gestorben und als gelehrt bezeichnet, ist Simson Bacharach, der Sohn des bekannten Verfassers der Rechtsgutachten ‘Chawoth Jair’ Jair Chajjim Bacharach. Simson starb 2. Av 481 = 26. Juli 1721 in Nikolsburg. Den Namen ‘Brünn’ konnte er vielleicht seinem Schwiegervater Isak Brünn verdanken. Wahrscheinlicher erscheint es, dass dieser Beiname auf einen längeren Aufenthalt Simsons in Brünn, wo die Juden im allgemeinen nicht toleriert waren, hinweist. Es wäre auch sonst unerklärlich, wie der Name, der durch eine Reihe von Gelehrten eine Berühmtheit erlangte, dem Beinamen des Schwiegervaters weichen konnte. Eine hinreichende Stütze finde ich in der etwa 1712 vom Brünner bürgerlichen Ausschuss im Namen der großen Bürgerschaft an Karl VI. überreichten Beschwerde, in welcher sich die Brünner unter anderem zu beklagen haben, dass der Jude Bacharach das ganze Jahr in der Stadt wohne und der Bürgerschaft in dieser Lieferung keinen Erwerb zukommen lasse. Die beiden Quellen ergänzen sich. Simson Brünn und der Jude Bacharach, der als Monturlieferant in Brünn lebt, sind eine und dieselbe Person. Wessen Ehegattin Malka war, ist aus der Grabschrift nicht ersichtlich. Bedauerlicherweise fehlen bei den meisten älteren Fraueninschriften dieses Friedhofes die Gattennamen.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 47

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