Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Mose König Halevi, 13. Adar 674 (= Mittwoch, 11. März 1914)

Grabstein Mose König, 12. Adar 674 = Dienstag, 10. März 1914

Grabstein Mose König, 12. Adar 674 = Dienstag, 10. März 1914



Die Grabinschrift

Inschrift KönigMose: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] {Levitenkrug} {כד של לויים}
[2] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[3] Mose Halevi, Sohn der Perl, a(uf ihr sei der) F(rieden), משה הלוי בן פערל ע’ה’
[4] der von allen genannt wurde Mose König. הנקרא בפי כל ר’ משה קעניג
[5] Er verstarb am 12. Adar 674 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נפטר יב אדר תרעד לפ”ק
[6] Mose ging in seine Welt und hatte vor seinem Tod aufgetragen, משה לעולמו הלך וצוה לפני מותו
[7] dass kein Lob geschrieben werden möge auf seinem Grabstein. שבח אל יכתב על מצבת קבורתו
[8] Und siehe! Auch dies erbat er in seiner großen Bescheidenheit: הנה גם זאת בקש ברב ענותנתו
[9] “Man möge mich mitten unter die Gefallenen begraben”. Dort erwartet er seine Ruhe. קברוני בין הנפלים שם אוה מנוחתו
[10] Qualen und Leiden waren auf sein Erbteil übergegangen, ענויים ויסורים עלו בנחלתו
[11] die er ertug in Liebe in seiner Jugend und in seinem Alter. נשאם באהבה בבחרותו ובזקנתו
[12] Er wird künden Gutes für seine Nachkommen und alle Angehörigen seines Hauses. ימליץ טוב בעד זרעו וכל בני ביתו
[13] Das Paradies möge seine Freude sein. Dort wird er herrlich wohnen. גן עדן ממחתו שם ישכון כבוד תהלתו
[14] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Es sieht so aus, als wäre hier die Originalinschrift auf dem renovierten Grabstein neu geschrieben worden. Allerdings sind manche Buchstaben nicht ganz korrekt geschrieben (wie das Tagesdatum in Zeile 5) oder, meines Erachtes, gar falsch (wie etwa das 3. Wort in Zeile 13, s.u.).

Zeile 3 und 6 horizontal: Akrostychon: Das jeweils erste Wort ist der Vorname des Verstorbenen (Mose).

Zeile 5: Der in der hebräischen Grabinschrift angegebene 12. Adar 674 war Dienstag, der 10. März 1914. Hier wird dem Sterbedatum des Sterbebuches der Vorrang gegeben (s.u. Biografische Notizen).

Zeile 9: נפלים sind eigentlich “Totgeburten” oder “Fehlgeburten”, im übertragenen Sinn auch Blindgänger oder Versager. Eine sehr wörtliche Übersetzung schien mir in diesem Fall die beste Lösung zu sein.

Zeile 13: ממחתו macht m.E. keinen Sinn, es könnte vielleicht eine Verschreibung des ersten Buchstabens sein und im Orginal שמחתו “seine Freude” geschrieben gewesen sein.

Psalm 66,3 כבוד תהלתו.

Zeile 6 bis 13 vertikal: Arkostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den Vor- und Nachnamen des Verstorbenen (Mose König).


Biografische Notizen

Mose König Halevi, Privater (lt. Sterbebuch), Talmudist (lt. Geburtsbuch von Ester, s.u., und anderer Kinder), Dajjan in Kobersdorf, geb. 05. August 1845 in Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf), gest. 13. Adar 674 = Mittwoch, 11. März 1914 um 17.30 Uhr mit 68 Jahren (lt. Geburtsbuch mit 69 Jahren) an Vergiftung in Kobersdorf.
In der hebräischen Grabinschrift ist der 12. Adar angegeben. 17.30 Uhr war im März jedenfalls noch der 12. und nicht schon der 13. Adar, daher Datumsdifferenz Grabinschrift – Sterbebuch von 1 Tag.

Mose König dürfte in der Tat einen höheren Grad an Gelehrsamkeit besessen haben, so finden wir ihn als Redner beim Begräbnis des mit 75 Jahren in Erlach (Niederösterreich) plötzlich verstorbenen Simon Hacker:

Am 6. des Monats (1907) ist Herr Simon Hacker, Begründer der Firma Hacker u. Sohn, im Alter von 75 Jahren eines plötzliches Todes verschieden. Der Verblichene erfreute sich wegen seines biederen Charaketers und seines geraden, offenen Wesens allgemein großer Wertschätzung. Den Glaubensgenossen hier und in der ganzen Umgegend war er ein treuer Berater; für ihre religiösen Bedürfnisse baute er ein eigenes Bethaus. Seiner Heimatsgemeinde Kobersdorf und ihren Armen stand er Zeit seines Lebens helfend zur Seite. Dort wurde er auch Freitag, den 7. d. M., zu Grabe getragen. Die Herren Rabbiner Liffschitz und Moses König würdigten in beredter Wiese den frommen Lebenswandel des Verstorbenen, dessen Andenken bei allen, die ihn kannten, ein gesegnetes bleiben wird.

Dr. Bloch’s oesterreichische Wochenschrift, 24 (1907), Seite 401

Anmerkung: Mit Rabbiner Liffschitz ist natürlich Rabbiner Moses Lipschütz, geb. 1863, Rabbiner in Kobersdorf von 1898 bis 1934, gemeint, der Schwiegersohn von R. Elieser Seew Alt (seinem Vorgänger als Rabbiner) und Schwiegervater seines Nachfolgers, R. Simon Goldberger.
Ob die Stelle im Text so gelesen werden darf, dass auch Moses König als Rabbiner gehandelt wird, oder ob sich “Rabbiner” nur auf Moses Lipschütz bezieht, muss hier offen bleiben. Gemeinderabbiner von Kobersdorf war jedenfalls im Jahr 1907 Rabbiner Moses Lipschütz.

Am 01. Juni 1853 wurden die Zwillinge Josef König und Lea Lina König als Geschwister von Mose König geboren (siehe bei den Geburten von Mose bzw. Lea und Josef die identischen Namen der Eltern!)

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Mose König, 13. Adar 674 = Mittwoch, 11. März 1914

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Mose König, 13. Adar 674 = Mittwoch, 11. März 1914



Vater: Oskar König (lt. Sterbebuch Sohn Mose, s.o.), Josef Ascher/Oscher König (lt. Familienbuch Geburtseintrag Sohn Mose, s.o.), geb. 1813
Mutter: Josefine Fischer (lt. Sterbebuch Sohn Mose, s.o.), Betti (Perl) Breiner (lt. Geburtsbuch Lea und Josef König, s.o.)

1. Ehefrau: Katharina / Karolina / Kati Zollschan, geb. 18. März 1849 in Kobersdorf, Tochter des Simon Zollschan und der Regi NN, Wohnort: Kobersdorf, geh. 04. September 1867 in Kobersdorf. Beruf des Ehemanns zum Zeitpunkt der Hochzeit: Student, Wohnort: Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf). Katharina Zollschan starb am 10. Oktober 1883 mit 34 Jahren an Herzfehler

2. Ehefrau: Josefine / Pepi (Perl) Roth, geb. in Raab/Györ?, 1942 nach Theresienstadt deportiert lt. geni.com (Schoa-Opfer)

Töchter von Moses König und Katharina / Karolina / Kati Zollschan:

Pepi König, geb. 02. Juli 1868 in Kobersdorf (Mutter: Karolina), gest. 01. September 1880 im Alter von 12 Jahren in Kobersdorf

Sidonie (Sisel) König, geb. 11. März 1871 in Kobersdorf (Mutter: Kati)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Sisel König, 11. März 1871

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Sisel König, 11. März 1871



Rachel König, geb. 29. September 1876 in Kobersdorf (Mutter: Karolina)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Rachel König, 29. September 1876

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Rachel König, 29. September 1876



Kati König, geb. 10. Juni 1878 in Jánosháza (Ungarn) (Mutter: Kati)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Kati König, 10. Juni 1878

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Kati König, 10. Juni 1878



Töchter von Moses König und Josephine / Pepi (Perl) Roth:

Katharina König, geb. 24. Oktober 1889 in Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf, Mutter: Pepi aus Györ = Raab, Vater: Talmudist)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Katharina König, 24. Oktober 1889

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Katharina König, 24. Oktober 1889



Sara König, geb. 10. Februar 1892 in Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf, Mutter: Pepi aus Györ = Raab, Wohnort: Kobersdorf, Vater: Talmudist)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Sara König, 10. Februar 1892

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Sara König, 10. Februar 1892



Emilia König, geb. 19. September 1896 in Kobesdorf (Mutter: Josefa Roth, Vater: Talmudist)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Emilia König, 19. September 1896

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Emilia König, 19. September 1896



Ester König, geb. 26. September 1899 in Kobersdorf (Mutter: Josefa Roth, Vater: Talmudist), geh. 08. September 1925 in Wien II, Große Schiffgasse 8, Michal Fischer, Handelsangestellter, geb. in und zuständig nach Veľký Meder, Sohn des David Fischer und der Bethi Weisz.
Ester Fischer, geb. König wurde am 15. Juni 1944 in Auschwitz ermordet (lt. geni.com; Schoa-Opfer).
Tochter von Ester König und Michal Fischer: Finka Malka Ilus-Helena Frischmann, geb. 02. Juli 1926 in Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf), geh. Josef Frischmann, geb. 27. August 1927 in Deutschkreutz, gest. 23. Oktober 2012 in London.



Söhne von Moses König und Katharina / Karolina / Kati Zollschan:

Simon König, geb. 28. April 1873 in Kobersdorf (Mutter: Kati), gest. 02. Juli 1873 im Alter von 2 Monaten und 5 Tagen an Mundsperrung in Kobersdorf

Jakob König, geb. 08. Juli 1874 in Kobersdorf (Mutter: Katy)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Jakob König, 08. Juli 1874

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Jakob König, 08. Juli 1874



Söhne von Moses König und Josephine / Pepi (Perl) Roth:

Salomon Wolf König, geb. 02. Oktober 1886 in Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf, Mutter: Pepi, Wohnort: Kobersdorf, Vater: Talmudist), gest. 28. Dezember 1887 um 09 Uhr Vormittag im Alter von 1 Jahr und 3 Monaten an Zahnfraisen in Kobersdorf

Michael Heinrich König, geb. 15. November 1888 in Veľký Meder (heute Slowakei, Groß-Magendorf, Mutter: Pepie aus Raab = Györ, Wohnort: Kobersdorf), gest. 30. November 1888 um 18 Uhr im Alter von 14 Tagen an Fraisen in Kobesdorf

Weitere Informationen finden sich im Stammbaum auf geni.com, bei dem wir allerdings viele Daten nicht nachvollziehen bzw. verifizieren konnten (z.B: Vater Oscher König, gest. 1836, also 10 Jahre bevor Sohn Mose geboren wurde usw.). Dort gelistet sind sowohl eine 3. Ehefrau (ohne Namen) von Mose König als auch (möglicherweise) einige Kinder, die wir nicht finden konnten.

2015 erschien das Buch “” Frischman H., The Sheva Kehillos: Memories of Torah Life In The Western Hungarian Oberland Communities“. Im Teaser zum Buch wird vor allem die Gelehrsamkeit von Mose König gerühmt. Ich kenne das Buch leider nicht.


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