Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Elisabeth / Lisette (Lea) Mannheimer, geb. Damier, 17. Kislew 619 (= Mittwoch, 24. November 1858)



Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift

Inschrift Elisabeth Mannheimer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Frau
[2] Lisette Mannheimer
[3] gestorben in ihrem 60. Lebensjahre
[4] am 24. November 1858
[5] Wärmer schlug kein Herz das die Gräber bedecken als dies hier.
[6] Treuer hat keines für Kind, keines für den Gatten gesorgt.
[7] Eine Mutter war sie nicht denen nur, die sie geboren.
[8] Mitten im eigenen Leid dachte der Fremden sie stets.
[9] Rege blieb ihr der Geist im langen schmerzlichen Siechthum.
[10] Leicht ward ihr der Tod, mag es die Erde ihr sein.

Rückseite: Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Elisabeth Mannheimer H: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] die teure Frau, האשה הכבודה
[3] Frau מרת
[4] Lea, Ehefrau des MORENU, H(errn) Isak Mannheimer. לאה אשת מה”רר יצחק מאנהיימר
[5] Eine verständige Frau, von guter Einsicht und Erkenntnis. אשה משכלת. טובת אם ודעת.
[6] Krone ihres Hauses, eine fröhliche Mutter den Kindern. עטרת ביתה. אם הבנים שמחה.
[7] Sie ging in ihre Welt am Mittwoch, 17. Kislew והלכה לעולמה יום ד’ י’ז כסלו
[8] des Jahres der Zukunft und der Hoffnung. שנת א’ח’ר’י’ת’ ותקוה
[9] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Hebräische Inschrift, Zeile 4: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Hebräische Inschrift, Zeile 6: Psalm 113,9 אם הבנים שמחה.

Hebräische Inschrift, Zeile 8: Jeremia 29,11 אחרית ותקוה.


Biografische Notizen

Elisabeth / Lisette (Lea) Mannheimer, geb. Damier ca. 1799 (s. Gräberbuch) in Hamburg, gest. 17. Kislew 619 = Mittwoch, 24. November 1858 in Wien, Seitenstettengasse 494 an Lungenlähmung, begraben am jüdischen Friedhof Währing 26. November, 15 Uhr, alter Platz neben Porges, Nr. 305, neu: Gruppe 5, Nr. 1

Vater: Hirsch Israel Damier, Kaufmann
Mutter: Fanny Wolf

Ehemann: Isak Noa Mannheimer, erster Prediger am israelitischen Stadttempel in Wien, geb. 17. Oktober 1793 in Kopenhagen, gest. 18. März 1865 in Wien, begraben 20. März 1865 am jüdischen Friedhof Währing neben seiner Ehefrau, 30. Dezember 1941 exhumiert und auf dem Zentralfriedhof Wien 6/0/8 wiederbestattet

Sieben Kinder, s.v.a. Georg Gaugusch, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens, 1800-1938, Band II, L-R, Wien 2016, 2109ff


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