Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, 27. Cheschvan 628 (= Montag, 25. November 1867)



Die Grabinschrift

Inschrift Hirsch Landmann: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] der scharfsinnige und berühmte Rabbiner הרב החריף המפורסמים
[3] erfahren und fromm, s(ein ehrenvoller), h(eiliger), p(rachtvoller) N(ame), MORENU ותיק וחסיד כק ש“ת מ’
[4] Zvi, צבי
[5] S(ohn) d(es) R(abbiners), d(es ehrenwerten) H(errn) Abraham, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), ב’ ה’ר כ“ה אברהם ז“ל
[6] V(orsitzender des) r(abbinischen) G(erichtshofes) d(er heiligen) j(üdischen) G(emeinde) Kitov (= Kuty). אב’ד דק“ק קיטוב
[7] Er verstarb am Dienstag, 1. N(eu)m(ond)t(ag) Marcheschvan 625. נפטר ביום ג’ א’ דר““ח מרחשון תרכה
[8] S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Erstaunlicherweise weist die hebräische Grabinschrift viele schwerwiegende Fehler auf, worauf auch eine Anmerkung im Gräberbuch (s.u.) hinweist.

Die Grabinschrift ist in großen Teilen stark verderbt, es musste die Abschrift bzw. die Korrektur von Dr. Pinkas Heinrich herangezogen werden.

Zeile 2: Plural ist falsch, es müsste המפורסם stehen.

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 5: Inschrift heute nicht mehr sicher lesbar. Die ursprüngliche Abschrift (siehe Scan oben) stimmt sicher nicht, die Korrektur von Dr. Pinkas Heinrich scheint mir aber auch nicht ganz richtig zu sein.

Zeile 6: Hebräisch: „Kitov“ = Kuty, heute in der westlichen Ukraine.

Zeile 7: Dienstag, der 1. Neumondtag Marcheschvan 625 = Sonntag (und nicht Dienstag), 30. Oktober 1864. Das Sterbedatum ist falsch, s.u. Biografische Notizen.


Biografische Notizen

Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, geb. ca. 1809, Rabbiner aus Nowi Strilyschtscha „in Galizien“ (heute in der westlichen Ukraine), gest. 27. Cheschvan 628 = Montag, 25. November 1867 um 07 Uhr am Morgen mit 58 Jahren an Atrophie in Wien Stadt, Sterngasse Nr. 13, begraben am 26. November um 15 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, neuer Platz Mitte, 4. Reihe, lt. Gräberbuch alte Nr. 5032, neu: Gruppe 15, Reihe 5, Grab-Nr. 114.

Rabbi Zvi Hirsch Landmann gehörte zur 3. Generation der Chassiden von Nowi Strilyschtscha und war der Schwiegersohn des Begründers der Dynastie, Rabbi Uri, Sohn des Rabbi Pinchas. Seine erste Station als Rabbiner war Kuty.

Rabbi Zvi Hirsch Landmann kam übrigens kurz vor dem 14. Juni 1867 in Wien an (war er krank? Kam er auf Besuch?), denn am 14. Juni 1867 lesen wir: „Hr. H. Landmann, Rabb. Kutl (= Kuty), abgestiegen im Weißen Rößl in Wien Stadt“. Nur 5 1/2 Monate später verstarb er in Wien. Damit ist natürlich auch bewiesen, dass das Sterbedatum in der Grabinschrift falsch ist!

Ankunft Rabbiner Hirsch Landmann in Wien, Fremdenblatt, 14. Juni 1867, Seite 23

Ankunft Rabbiner Hirsch Landmann in Wien, Fremden-Blatt, 14. Juni 1867, Seite 23


Fremden-Blatt, Wien, 14. Juni 1867, Seite 23


Jedenfalls wissen die Quellen von einem Wunder in der Nacht nach dem Aufstellen des Grabsteins auf dem Grab von Rabbi Zvi zu erzählen, siehe dazu unseren Blogartikel: „Ein Wunder in Währing?„.

Der Leichnam von Rabbiner Hirsch Landmann wurde am 24. Juli 1941 exhumiert und am folgenden Tag am Zentralfriedhof Wien, Tor IV wiederbestattet.
Siehe Wolf-Erich Eckstein, Historische Recherche zur Vorbereitung der Restaurierung von Gräbern der 1941/42 aus dem Währinger Israelitischen Friedhof Exhumierten und am Zentralfriedhof, 4. Tor, Gruppe 14a 1941/42 und 1947 Wiederbestatteten, Wien 2015, Seite 4

Besten Dank an Mag. Wolf-Erich Eckstein für die Zurverfügungstellung der Protokolle!

Vater: Abraham (Landmann), Sohn des Rabbi Abraham Isak, Rabbiner von Vizhinitz (heute: Ukraine), Rabbiner in Bilyi Kamin (heute westliche Ukraine)

Die Söhne von Rabbi Zvi Hirsch Landmann (Rabbi Uri, Rabbi Abraham, Rabbi Menachem Mendel, Rabbi Jakob Koppel und Rabbi Pinchas) gehörten neben seinem Schwiegersohn Rabbi Efraim Salman zur 4. Generation der Chassiden-Dynastie von Nowi Strilyschtscha. Ein ausführlicher Stammbaum der Chassiden von Nowi Strilyschtscha findet sich hier (Hebräisch).

Sohn Rabbi Menachem Mendel etwa ist der Autor des Buches „Limudim banissim“ („Studien in Wundern“).

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