Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

David Alt Eibnitz, Isru Chag Pesach = 23. Nisan 610 (= Freitag, 05. April 1850)

Grabstein Rabbiner David Alt Eibnitz, Isru Chag Pesach = 23. Nisan 610 = Freitag, 05. April 1850

Grabstein Rabbiner David Alt Eibnitz, Isru Chag Pesach = 23. Nisan 610 = Freitag, 05. April 1850



Die Grabinschrift

Inschrift David Alt: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] König David war alt und hochbetagt, die Zahl der Jahre seiner Pilgerschaft waren 73. והמלך דוד זקן בא בימים שני מגוריו שלש ושבעים שנה
[2] S(eine Seele) g(ing hinweg) am Freitag, Issru Chag Pesach und er wurde begraben am Sonntag, 610 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). י“נ ביום ויו א“ח דפסח ונקבר ביום א“ תר“י לפ“ק
[3] H(ier ist) b(egraben) der Rabbiner, die große Leuchte, der Berühmte, פ“נ הרב המאור הגדול המפורסם
[4] alt und angesehen, a(uf ihm sei der) F(rieden). D(er bedeutende) M(ann), זקן ונשוא פנים ע“ה ה“ה
[5] MORENU מו“ה
[6] David Eibnitz, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden). דוד אייבניץ זצ“ל
[7] Mein Auge vergießt ohne Unterlass Tränen und mein Schmerz wuchs gewaltig. דמוע תדמע עיני וכאבי מאוד יגדל
[8] Nah und fern erblassen alle Antlitze, וקרוב ורחוק כל פנים קצבו פארור
[9] David, unser Herr, unser Lehrer und unser großer Meister, דוד אדונינו מורינו ורבינו הגדול
[10] der uns 43 Jahre diente. אשר שלש וארב“ שנה עלינו השתרר
[11] Jetzt kauert er hier zwischen den Klumpen der Erde. ידכה ישוח עתה פה בין רגבי האדמה
[12] Sein Glanz ist in der Finsternis und uns ließ er zurück in der Öde. יפעתו בחשיכה ואותנו עזב בשממה
[13] Mit seiner weithin bekannten Lehre in den Toren seiner Liebsten בהוראתו המפורסם בשערי ידידיו
[14] war er höchst gefragt und erfüllte sie haargenau auf die richtige Weise. נחוץ היה וקולע אל השערה דרך נכונה
[15] Als Gerechter zeigte er seinen Nächsten den rechten Weg, denn seine Arme und Hände waren stark, יתר מרעהו צדיק כי יפוזו זרועי ידיו
[16] dass Knaben beschnitten werden und für die Söhne im Bund der Beschneidung. צעירים להמול ולהבנים בברית שמונה
[17] Gedenke seiner Worte der Züchtigung, mit denen er in der Gemeinde richtete. זכר דברי תוכחתו אשר בקהל רב
[18] Seine Nachkommen leitete er auf den Pfaden der Tora und der Gottesfurcht. צאצאיו על מבועי התורה והיראה נהל
[19] Vor Gericht kannte er kein Ansehen, weder beim Jüngling noch beim Meister. לא הכיר פנים במשפט כצעיר כרב
[20] Der Herr sehe auf seine Rechtschaffenheit und zwischen den Gerechten verharre sein Licht. הבט ה“ ישרו ובין הצדיקים אורו ייחל
[21] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 1: 1 Könige 1,1 והמלך דוד זקן בא בימים.

Genesis 47,9: ימי שני מגורי.

Zeile 4: Jesaja 9,14 זקן ונשוא פנים.

ה“ה hier als Abbreviatur für האיש החשוב interpretiert.

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 7: S. Jeremia 13,17 ודמע תדמע ותרד עיני דמעה.

Zeile 8: Joel 2,6 כל פניים קבצו פארור.

Zeile 10: S. Numeri 16,13 כי תשתרר עלינו גם השתרר „musst du…über uns herrschen?“.

Zeile 11: Psalm 10,10 ודכה [ידכה] ישח.

Zeile 14: כי היה דבר המלך נחוץ „weil der Auftrag des Königs so dringend war“.

S. Richter 20,16. Frei übersetzt, wörtlich: כל זה קלע באבן אל השערה ולא יחטא „Jeder von ihnen konnte einen Stein haargenau schleudern, ohne je das Ziel zu verfehlen.“

Zeile 15: S. Sprüche 12,26. Frei übersetzt, wörtlich: יתר מרעהו צדיק „Der Gerechte führt seinen Nächsten recht“.

Genesis 49,24: ויפזו זרעי ידיו.

Zeile 16: Selbstverständlich ein Hinweis darauf, dass Rabbiner Alt (auch) als Mohel, als Beschneider tätig war. Wörtlich: „Bund der Acht“, weil die Beschneidung am 8. Tag nach der Geburt stattzufinden hat.

Zeile 18: Vgl. Jesaja 49,10 ועל מבועי מים ינהלם „Er wird sie zu den Wasserquellen leiten“.

Zeile 19: S. Deuteronomium 1,17 לא תכירו פנים במשפט כקטן כדגל תשמעון „Kennt vor Gericht kein Ansehen. Klein wie Groß hört an!“.


Biografische Notizen

David Alt Eibnitz, geb. ca. 1775 in Ivanovice na Hané in Tschechien (deutsch „Eiwanowitz“), von 1807 bis zu seinem Tod 1850 Rabbiner in Kobersdorf, gest. Isru Chag Pesach = 23. Nisan 610 = Freitag, 05. April 1850 mit 75 Jahren an Altersschwäche in Kobersdorf (der Eintrag im Sterbebuch Kobersdorf weist den 6. April als Sterbetag aus!), begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf.

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Rabbiner David Alt, 06. April 1850

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Rabbiner David Alt, 06. April 1850


Vater: Gedalja Alt

Ehefrau: Johanna / Hani (Chana), geb. Kunitz ca. ca. 1797 in Lackenbach?, gest. 19. Adar 637 = 04. März 1877 mit 80 Jahren an Altersschwäche in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben ihrem Ehemann und ihrem Sohn Lazar.

Töchter:

Katharina (Chaja) Tachauer, geb. Alt ca. 1817, gest. 11./12. Juli 1893 in Eisenstadt, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof von Eisentsadt

Gala Kati Mayer (Eibnitz-Alt), geb. ca. 1829 in Kobersdorf, gest. 28. Mai 1870 in Mattersdorf

Juli Alt, geb. ca. 1831 in Kobersdorf

Matel Rosenfeld (Alt), geb. ?

Pepy Alt, geb. 20. März 1837 in Kobersdorf

Eintrag Geburtsbuch  Kobersdorf, Pepy Alt, 20. März 1837

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Pepy Alt, 20. März 1837



Söhne:

Samuel Hirsch (Schmuel Zvi) Alt, geb. ca. 1805, Posamentierer, gest. 22. September 1875 um 6h Früh in Wien Stadt, Sterngasse 11 an Harnblasenerweiterung, begraben jüdischer Friedhof Währing, Am Spitz, Reihe 19

Eintrag Sterbebuch Wien, Samuel Alt, 22. September 1875

Eintrag Sterbebuch Wien, Samuel Alt, 22. September 1875


Lazar Wolf (Abraham Elieser Se’ev) Alt, geb. 1822, Rabbiner in Kobersdorf 1873-1898, gest. 07. April 1898 in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben seinen Eltern und seiner Ehefrau

Israel Isel Iser Alt, geb. 1833? in Mattersdorf (kein Eintrag im Geburtsbuch Kobersdorf, Quelle: geni.com), gest. 1917

Heinrich Alt

Iszel Alt, Quelle: geni.com

Jakob Alt


Mehr über die Familie Alt in unserem Blogartikel „Familienfoto„.


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