Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Lázár (Abraham Elieser Se’ev / Wolf) Alt, 15. Nisan 658 (= Donnerstag, 07. April 1898)

Grabstein Lazar (Elieser Wolf) Alt, 14. Nisan 658 = Donnerstag, 07. April 1898

Grabstein Lazar (Elieser Wolf) Alt, 14. Nisan 658 = Donnerstag, 07. April 1898



Die Grabinschrift

Inschrift Lazar Alt: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Die Krone wurde entfernt, der Turban weggenommen, der Gerechte war zum Zeichen und zum Mahnmal geworden, d(er angesehene) H(err), הוסר העטרה והורם המצנפת הצדיק היה לאות ולמופת ה“ה
[2] unser Vater, unser Meister, der große überragende Gelehrte und kundig, weithin bekannt, אבינו הרב רבינו הגאון הגדול החריף ובקי מפורסם
[3] die Zierde unserer Generation und ein Diadem unserer Gemeinde, der MORENU פאר דורינו ונזר עדתינו מהורר“
[4] Elieser Seev, אליעזר זאב
[5] Sohn des Rabbiners, des großen überragenden Gelehrten, die Ehre seines Namens ist sein Lobpreis, בן הרב הגאון הגדול כ“ש“ת
[6] MORENU David Alt, V(orsitzender) d(es) G(erichtshofes), d(as Andenken) d(es Gerechten) u(nd) H(eiligen) m(öge bewahrt werden). מו“ה דוד אלט א“ב“ד זצוק“ל
[7] Seine reine Seele ging hinweg in der Nacht נשמתו הטהורה יצאה בליל
[8] des Wachens, am 1. Pesachtag 658 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שמורים א“ דפסח תרנ“ח לפ“ק
[9] Ach, wie ist zerbrochen der starke Stab, in Stücke gebrochen das herrliche Zepter. איך נשבר מטה עוז גדע מקל תפארה
[10] Sein Mund ließ nicht ab vom Studieren Tag und Nacht, לא פסק פומיה מגרסא יומם ולילה
[11] Die Ehrfurcht des Ewigen und seine Heiligkeit erschienen auf seinem Antlitz. יראתו יקדושתו על פניו הופיעה
[12] Seine Gemeinde führte er 25 Jahre mit reiner Gottesfurcht. עדתו נהל כ“ה שנה ביראה טהורה
[13] Rein und mit unschuldigen Händen erleuchtete er uns die Augen. זך ונקי כפים לנו למאירת עינים היה
[14] Seht, der Herr hat uns geschlagen am Tag des Zorns und der Wut. ראו בנו השם הוגה ביום חרון ועברה
[15] Die Kraft des Landes wurde von uns genommen und die Freude hat sich (in Trauer) gewandelt. זמרת הארץ לוקח ממנו ונהפכה השמחה
[16] Ein Gewaltiger in der Tora und ein großer Fürst fand hier Ruhe. אדיר בתורה ושר גדול מצא פה מנוחה
[17] Über ihn wurden in Israel Klagelied und Geheul vernommen. בעבורו בישראל קול נהי ויללה נשמעה
[18] Sein Gedächtnis ist eingraviert mit eisernem Griffel auf den Tafeln unserer Herzen. זכרונו חרות בעט ברזל על לוחת לבנו
[19] Zum Segen möge sich seiner erinnern stets unsere ganze Generation. לברכה יזכירוהו תמיד כל בני דורינו
[20] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 1: S. Ezechiel 21,31 הסיר המצנפת והרים העטרה „Weg mit dem Turban, herunter mit der Krone“.

S. Jesaja 8,18 לאתות ולמופתים בישראל „zu Zeichen und Mahnmalen in Israel“.

Zeile 3 und 6: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 5: Vgl. Psalm 66,2 „Spielt zum Ruhm seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis! זמרו כבוד שמו שימו כבוד תהלתו.

Zeile 8: Der 1. Tag von Pesach (15. Nisan), die Sedernacht, wird als „Nacht des Wachens“ bezeichnet nach Exodus 12,42: ליל שמרים הוא ליהוה… „Eine Nacht des Wachens war es für den Herrn…“

Zeile 9: Die Zeile ist eine Mischung eines wörtlichen Zitats aus Jeremia 48,17 und einem inhaltlichen Zitat aus Sacharja 11,14:
Jeremia 48,17 איכה נשבר מטה עז צקל תפארה „Ach, zerbrochen ist der starke Stab, das herrliche Zepter!“

S. Sacharja 11,14 ואגדע את מקלי השני את החבלים… „Dann zerbrach ich den zweiten Hirtenstab, den ich ‚Gemeinschaft‘ genannt hatte…“.

Zeile 10: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 30b (im Kontext): כל יומא ההוא יומא דבעי למינה נפשיה קם מלאך המות קמיה ולא יכיל ליה, דלא הוה פסק פומיה מגירסא. „An dem Tage, da seine Seele zur Ruhe einkehren sollte, trat der Todesengel vor ihn hin, vermochte aber nichts gegen ihn, da sein Mund vom Studieren nicht abließ.“

Zeile 13: Psalm 24,4 נקי כפים (ובר לבב) „Der unschuldige Hände hat (und ein reines Herz)“.

Psalm 19,9 (מצות יהוה ברה) מאירת עינים „(Das Gebot des HERRN ist rein), es erleuchtet die Augen.“

Zeile 14: S. Klagelieder 1,12 לוא אליכם כל עברי דרך הביטו וראו אם יש מכאוב כמכאבי אשר עולל לי אשר הוגה יהוה ביום חרון אפו „Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz, den man mir angetan, mit dem der HERR mich geschlagen hat am Tag seines glühenden Zornes.“

S. Psalm 78,49: ישלח בם חרון אפו עברה (וזעם…) „Er ließ die Glut seines Zorns gegen sie los, Grimm (und Wut…)“

Zeile 15: S. Genesis 43,11 קחו זמרת הארץ „Nehmt von den besten Erzeugnissen des Landes“.

Babylonischer Talmud, Traktat Moed Qatan 25b im Kontext שמחה לתוגה נהפכה „Die Festlichkeit wurde in Trauer verwandelt.“ Es geht in der Stelle darum, dass R. Hanin, der Schwiegersohn des Fürsten, schließlich doch einen Sohn bekam und an dem Tag starb, an dem der Sohn auf die Welt kam. Der Trauerredner sprach daraufhin u.a. die obigen Worte.

Zeile 17: Jeremia 9,18 כי קול נהי נשמע מציון „Denn ein Klagelied ist aus Zion zu hören“.

Zephanja 1,10 ויללה מן המשנה „und ein Geheul von der Neustadt“ und Sacharja 11,3: קול יללת הרעים „Lautes Geheul der Hirten“.

Zeile 18: Jeremia 17,1 und Ijob 19,24 בעט ברזל.


Biografische Notizen

Lazar Wolf (Abraham Elieser Se’ev) Alt, geb. 1822, Rabbiner in Kobersdorf 1873-1898, gest. 15. Nisan 658 = Donnerstag, 07. April 1898 an Alterserschöpfung in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf. Den Namen „Abraham“ hatte Lazar Alt (laut Zsigmond Pinchas Selig Hakohen Schwartz שם הגדולים מארץ הגר, Mukatschewo 1913) aufgrund einer schweren Krankheit erhalten.

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Lazar Alt, 07. April 1898

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Lazar Alt, 07. April 1898



Vater: David Alt Eibnitz, von 1802 bis zu seinem Tod 1850 Rabbiner in Kobersdorf, gest. Isru Chag Pesach = 23. Nisan 610 = Freitag, 05. April (lt. Sterbebuch 06. April) 1850 mit 75 Jahren an Altersschwäche in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben seiner Ehefrau, seinem Sohn und seiner Schwiegertochter

Mutter: Johanna / Hani (Chana), geb. Kunitz ca. ca. 1797 in Lackenbach?, gest. 19. Adar 637 = 04. März 1877 mit 80 Jahren an Altersschwäche in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben ihrem Ehemann, ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter

Ehefrau: Josefa / Pepi / Paulina (Feierl bzw. Peierl) Alt, geb. Neumann, gest. 17. März 1890, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf in derselben Reihe wie ihr Ehemann und ihre Schwiegereltern, Tochter des Bezalel Neumann, gest. 23. November 1881, begraben ebenfalls am jüdischen Friedhof Kobersdorf

Schwestern:

Katharina (Chaja) Tachauer, geb. Alt ca. 1817, gest. 11./12. Juli 1893 in Eisenstadt, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt

Gala Kati Mayer (Eibnitz-Alt), geb. ca. 1829 in Kobersdorf, gest. 28. Mai 1870 in Mattersdorf

Juli Alt, geb. ca. 1831 in Kobersdorf

Matel Rosenfeld (Alt)

Pepy Alt, geb. 20. März 1837 in Kobersdorf

Eintrag Geburtsbuch  Kobersdorf, Pepy Alt, 20. März 1837

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Pepy Alt, 20. März 1837



Brüder:

Samuel Hirsch (Schmuel Zvi) Alt, geb. ca. 1805, Posamentierer, gest. 22. September 1875 um 6h Früh in Wien Stadt, Sterngasse 11 an Harnblasenerweiterung, begraben jüdischer Friedhof Währing, Am Spitz, Reihe 19

Eintrag Sterbebuch Wien, Samuel Alt, 22. September 1875

Eintrag Sterbebuch Wien, Samuel Alt, 22. September 1875


Israel Isel Iser Alt, geb. 1833? in Mattersdorf (kein Eintrag im Geburtsbuch Kobersdorf, Quelle: geni.com), gest. 1917

Heinrich Alt

Isak Alt

Jakob Alt


Töchter:

Amalia Lipschitz, geb. Alt ca. 1853 (kein Eintrag im Geburtsbuch Kobersdorf, Quelle: geni.com), Kaufmannsgattin, aus Kobersdorf gebürtig, nach Kottingbrunn (Niederösterreich) zuständig, verheiratet, Wohnort: Wien II, Große Schiffgasse 6, gest. 05. September 1912 um 19.30h an Zellgewebsentzündung in Wien IX, Alserstraße 4 (Allgemeines Krankenhaus), begraben am jüdischen Friedhof Baden bei Wien

Eintrag Sterbebuch Wien, Amalia Lipschitz, 05. Dezember 1912

Eintrag Sterbebuch Wien, Amalia Lipschitz, 05. Dezember 1912



Hermine / Minni Alt, geb. 06. Juli 1861 in Kobersdorf

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Minni Alt, 06. Juli 1861

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Minni Alt, 06. Juli 1861



Peppy Alt = Cathrina (Gali) Alt?, geb. 01. Oktober 1863 in Kobersdorf (siehe geni.com), gest. 29. Juni 1871 (keinen Eintrag im Sterbebuch Kobersdorf gefunden)

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Peppy Alt, 01. Oktober 1863

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Peppy Alt, 01. Oktober 1863



Julia Alt

Söhne:

Moses Alt, geb. 1859 in Kobersdorf (kein Eintrag im Geburtsbuch Kobersdorf, Quelle: geni.com), gest. 26. Oktober 1924 in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf eine Reihe hinter seinen Eltern und seinen Großeltern und eine Reihe vor seinen Kindern Esther Alt und Sigmund (Bezalel) Alt.

Ferdinand (Efraim) Alt, geb. 1869 in Sopron (Ungarn), Quelle: geni.com

David Alt, geb. in Kobersdorf (kein Eintrag im Geburtsbuch Kobersdorf, Quelle: geni.com), gest. 1922


Mehr über die Familie Alt in unserem Blogartikel „Familienfoto„.


Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf