Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Johanna / Hani (Chana) Alt Eibnitz, geb. Kunitz, 19. Adar 637 (= Sonntag, 04. März 1877)

Grabstein Hani (Chana)  Alt Eibnitz, 19. Adar 637 = Sonntag, 04. März 1877

Grabstein Hani (Chana) Alt Eibnitz, 19. Adar 637 = Sonntag, 04. März 1877



Die Grabinschrift

Inschrift Hani Alt: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) die angesehene Frau פ“נ האשה החשובה
[2] Chana, חנה
[3] Tochter des Rabbiners, des MORENU Mose בת הרב מו“ה משה
[4] Kunitz und Ehefrau des Rabbiners, קוניץ ואשת הרב
[5] des überragenden Gelehrten, des MORENU David Eibnitz, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). הגאון מו“ה דוד אייבניץ ז“ל
[6] I(hre Seele) g(ing hinweg) am Sonntag, 19. Adar 637 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נ“י יום א“ י“ט אדר תרל“ז לפ“ק
[7] Ihre Liebesdienste standen ihr bei und mit voller Kraft stieg sie in ihr Grab. חסדה עמדה לה ותבא בכלח לקברה
[8] Bekannt in den Toren waren ihre Taten und nicht erlischt ihr Licht. נודע בשערים מעשי“ ולא יכבה נרה
[9] Ihre Klagerufe werden gehört im Haus des Ewigen alle Tage ihre Lebens. הצעקתה ישמע בבית ה“ כל ימי חייה
[10] Ihre Hand den Armen zu reichen, das war Gott wohlgefällig. זאת היתה חמדת ה“ לפרש לעניים כפה
[11] Ihr Herz und ihre Seele jubeln Gott entgegen, ihre Kinder erhoben sich und preisen ihn glücklich. לבה ובשרה רנן לאל קמו בניה ויאשרוה
[12] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 3 und 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 7: S. Hiob 5,26 תבוא בכלח אלי קבר.

Zeile 8: Sprüche 31,23 נודע בשערים. Die Stelle wurde wohl gewählt, um auf den großen Einfluss der Frau auf ihren Ehemann hinzuweisen. Vgl. dazu S. R. Hirsch, der die Stelle mit „In den öffentlichen Versammlungen…“ übersetzt und anmerkt, „Wenn ihr Mann im Rat der Orts- oder Landgemeinde saß, erkannte man ihn als Gatten der wackeren Frau, deren geistiger und sittlicher Einfluss in Wort und Tat des Mannes in öffentlicher Angelegenheit sich kundtat…“ Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 288.

S. Sprüche 31,18: לא יכבה בלילה נרה „auch des Nachts verlischt ihr Licht nicht“.

Zeile 10: S. Sprüche 31,20: כפה פרשה לעני „Sie reicht den Armen ihre Hand“.

Zeile 11: S. Psalm 84,3 לבי ובשרי ירננו אל אל חי „Mein Herz und mein Fleisch (! sic. wörtlich), sie jubelm dem lebendigen Gott entgegen“.

Psalm 72,17 כל גוים יאשרוהו „Mögen alle Völker Ihn glücklich preisen!“.


Biografische Notizen

Johanna / Hani (Chana) Alt Eibnitz, geb. Kunitz ca. 1797 in Lackenbach?, Rabbinersgattin, gest. 19. Adar 637 = 04. März 1877 mit 80 Jahren an Altersschwäche in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben ihrem Ehemann.

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Hani  Alt, 04. März 1877

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Hani Alt, 04. März 1877



Vater: Mose Kunitz, Dayan (= Richter am Rabbinatsgericht), geb. 1774 in Altofen (Ungarn), gest. 02. Februar 1837 in Pest (Ungarn), Quelle: ÖBL, dort auch mehr Informationen über ihn, lt. geni.com gest. 14. April 1830 in Lackenbach.
Publikationen von Mose Kunitzer: The Online Books Page.

Mose Kunitzer, so Bernhard Wachstein, hält sich für einen Nachkommen des berühmten Kabbalisten R. Elchanan ben Zvi, der 1651 starb und auf dem jüdischen Friedhof Seegasse, Wien, begraben ist. In seinem „Sefer Ben Jochai“, Wien 1815, schreibt Kunitzer: אבי אבי מ“ חננאל הי“ נכד המקובל הגדול והנורא מ“ אלחנן רב קהן ווינא שנפטר שם בשנת תי“א ועל מצבתו חצבו להבות אש „Mein Großvater, Herr Chananel war der Enkel des großen und furchtbaren Kabbalisten Elchanan, Rabbiner der Gemeinde Wien, der dort starb 411 = 1651 und auf seinem Grabstein lodern Feuerflammen empor“. Wachstein weist darauf hin, dass er zwar die Feuerflammen nicht sehen kann auf dem Grabstein, aber dass am Kabbalisten Elchanan keinerlei Zweifel besteht.
(Wachstein B., Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Quellen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich, hrsg. von der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, IV, Wien 1912, I 291ff).

Mutter: Johanna (Gali) Kunitz, geb. Schau“r

Ehemann: David Alt Eibnitz, Rabbiner in Kobersdorf, gest. 05. April 1850, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben seiner Ehefrau, seinem Sohn und seiner Schwiegertochter

Töchter:

Katharina (Chaja) Tachauer, geb. Alt ca. 1817, gest. 11./12. Juli 1893 in Eisenstadt, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt

Gala Kati Mayer (Eibnitz-Alt), geb. ca. 1829 in Kobersdorf, gest. 28. Mai 1870 in Mattersdorf

Juli Alt, geb. ca. 1831 in Kobersdorf

Matel Rosenfeld (Alt), geb. ?

Pepy Alt, geb. 20. März 1837 in Kobersdorf

Eintrag Geburtsbuch  Kobersdorf, Pepy Alt, 20. März 1837

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Pepy Alt, 20. März 1837



Söhne:

Samuel Hirsch (Schmuel Zvi) Alt, geb. ca. 1805, Posamentierer, gest. 22. September 1875 um 6h Früh in Wien Stadt, Sterngasse 11 an Harnblasenerweiterung, begraben jüdischer Friedhof Währing, Am Spitz, Reihe 19

Eintrag Sterbebuch Wien, Samuel Alt, 22. September 1875

Eintrag Sterbebuch Wien, Samuel Alt, 22. September 1875


Lazar Wolf (Abraham Elieser Se’ev) Alt, geb. 1822, Rabbiner in Kobersdorf 1873-1898, gest. 07. April 1898 in Kobersdorf, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf neben seinen Eltern und seiner Ehefrau

Israel Isel Iser Alt, geb. 1833? in Mattersdorf (kein Eintrag im Geburtsbuch Kobersdorf, Quelle: geni.com), gest. 1917

Heinrich Alt

Iszel Alt, Quelle: geni.com

Jakob Alt


Mehr über die Familie Alt in unserem Blogartikel „Familienfoto„.


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