Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Markus Neumann, 14. Tevet 631 (= Schabbat/Samstag, 07. Jänner 1871)

Grabstein Markus (Mordechai) Neumann, 14. Tevet 631 = Schabbat, 07. Jänner 1871

Grabstein Markus (Mordechai) Neumann, 14. Tevet 631 = Schabbat, 07. Jänner 1871



Die Grabinschrift

Inschrift Markus Neumann: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) der Rabbinische, der in der Tora und in der Gottesfurcht Ausgezeichnete, פנ הרבני המופלג בתורה וגיראה
[2] ein gerechter Mann, lauter, s(ein ehrenvoller), p(rachtvoller) N(ame), איש צדיק תמים כ“ש“ת“
[3] MORENU מו“ה
[4] Mordechai, מרדכי
[5] S(ohn des) H(errn) Bezalel Neumann. בה בצלאל ניימאן
[6] E(r) v(erstarb) a(m) h(eiligen) Scha(bbat), 14. Tevet 631 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). ני בשקו יד טבת תרלא לפק
[7] Mordechai ging vor den König der Ewigkeiten. מרדכי יצא לפני מלך עולמים
[8] Einer der Angesehenen des Landes, der in den Zelten weilt. בנכבדי ארץ ויושבי אוהלים
[9] Über die Lehre Gottes sann er Tag und Nacht. בתורת אל הגה לילות וימים
[10] Gerechtigkeit liebte er stets und wahrte Treue. צדק אהב תמיד ושמר אמונים
[11] Die Tora lernte er um ihrer selbst willen und mit anderen. למד תורה לשמה ועם אחרים
[12] In den 50ern schon kehrte er zu den Schlafenden zurück, אך בשנות חמשים שב לישנים
[13] um Ehefrau und Söhne seufzend zurückzulassen. לאנחות על עזב אשה ובנים
[14] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 7: S. Ester 8,15 וּמָרְדֳּכַ֞י יָצָ֣א ׀ מִלִּפְנֵ֣י הַמֶּ֗לֶךְ „Mordechai ging vor dem König“.

Zeile 8: Vgl. Genesis 25,27 וְיַעֲקֹב֙ אִ֣ישׁ תָּ֔ם יֹשֵׁ֖ב אֹהָלִֽים׃ „Jakob war ein ruhiger Mann und blieb bei den Zelten“.

Zeile 8: S. Genesis 25,27: וְיַעֲקֹב֙ אִ֣ישׁ תָּ֔ם יֹשֵׁ֖ב אֹהָלִֽים׃ „Jakob war sanft und blieb im Zelt“. S. dazu bes. auch Bereschit Rabba 63,10 וְיַעֲקֹב אִישׁ תָּם ישֵׁב אֹהָלִים, שְׁנֵי אֹהָלִים, בֵּית מִדְרָשׁוֹ שֶׁל שֵׁם וּבֵית מִדְרָשׁוֹ שֶׁל עֵבֶר. „Jakob war ein einfacher Mann, der im Zelt wohnt. Es sind zwei Zelte: das Lehrhaus des Sem und das Lehrhaus des Ever“.
An anderer Stelle wird auf Jesaja 33,20 verweisen חֲזֵ֣ה צִיּ֔וֹן קִרְיַ֖ת מוֹעֲדֵ֑נוּ עֵינֶ֩יךָ֩ תִרְאֶ֨ינָה יְרוּשָׁלַ֜͏ִם נָוֶ֣ה שַׁאֲנָ֗ן אֹ֤הֶל בַּל־יִצְעָן֙ בַּל־יִסַּ֤ע יְתֵדֹתָיו֙ לָנֶ֔צַח וְכׇל־חֲבָלָ֖יו בַּל־יִנָּתֵֽקוּ׃ „Schau auf Zion, die Stätte unserer Feste! Deine Augen werden Jerusalem sehen, die sorgenfreie Aue, das Zelt, das man nicht abbricht, dessen Pflöcke man niemals mehr verrückt, dessen Stricke nicht zerrissen werden.“ Damit soll gezeigt werden, dass die Tora von zwei verschiedenen Zelten spricht, einmal das Zelt für die Hirten, und das andere Zelt mit der Funktion zu helfen, dass Menschen näher zu Gott kommen.

Zeile 9: wörtlich: „Nächte und Tage“.

Zeile 10: Vgl. Psalm 33,5 u.a. אֹ֭הֵב צְדָקָ֣ה „Er liebt Recht“.

Jesaja 26,2 שֹׁמֵ֥ר אֱמֻנִֽים׃ „der Treue bewahrt“.

Zeile 11 Pirke Avot (Sprüche der Väter) wörtliches Zitat, hier mit Kontext: רַבִּי מֵאִיר אוֹמֵר כָּל הָעוֹסֵק בַּתּוֹרָה לִשְׁמָהּ, זוֹכֶה לִדְבָרִים הַרְבֵּה. וְלֹא עוֹד אֶלָּא שֶׁכָּל הָעוֹלָם כֻּלּוֹ כְדַי הוּא לוֹ „R. Meir sagte: Wer sich mit der Tora um ihrer selbst willen befasst, dem sind viele Dinge beschieden; und noch mehr, er ist würdig, dass die ganze Welt nur seinetwegen bestehe.“
Siehe auch bes. babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 31a.

Zeile 12: Vgl. Jesaja 26,19 יִֽחְי֣וּ מֵתֶ֔יךָ נְבֵלָתִ֖י יְקוּמ֑וּן הָקִ֨יצוּ וְרַנְּנ֜וּ שֹׁכְנֵ֣י עָפָ֗ר „Deine Toten werden leben, meine Leichen stehen auf. Wacht auf und jubelt, ihr Bewohnter des Staubes“.

Zeile 7 und 8-13: Akrostychon: Das erste Wort in Zeile 7 ist der hebräische Vorname des Verstorbenen (Mordechai), die ersten zwei Buchstaben von Zeile 8 und die ersten Buchstaben von Zeile 9-13 ergeben die Abstammung (Sohn des Bezalel).


Biografische Notizen

Markus (Mordechai) Neumann, geb. ca. 1819 in Kobersdorf, Krämer, verheiratet, gest. 14. Tevet 631 = Schabbat/Samstag, 07. Jänner 1871 mit 52 Jahren an einem Lungenleiden

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Markus Neumann, 07. Jänner 1871

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Markus Neumann, 07. Jänner 1871



Vater: Bezalel Neumann, gest. 23. November 1881, begraben ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof Kobersdorf

Ehefrau: Judith Zolschan, Tochter des Jakob Zolschan, geh. 14. Juni 1845 in Kobersdorf

Eintrag Hochzeitsbuch Kobesdorf, Markus Neumann und Judith Zolschan, 14. Juni 1845

Eintrag Hochzeitsbuch Kobesdorf, Markus Neumann und Judith Zolschan, 14. Juni 1845



Sohn: David Neumann, gest. 04. Februar 1881, begraben auf dem jüdischen Friedhof Kobersdorf neben seinem Vater


Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf