Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

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Nachlese Vortrag Georg Gaugusch

Gleich vorweg: an alle, die am Donnerstag nicht kommen konnten: Sie haben etwas versäumt! Georg Gaugusch faszinierte in seinem Vortrag “Vom Burgenland in alle Welt” über 60 BesucherInnen, im Saal…

Gleich vorweg: an alle, die am Donnerstag nicht kommen konnten: Sie haben etwas versäumt! Georg Gaugusch faszinierte in seinem Vortrag “Vom Burgenland in alle Welt” über 60 BesucherInnen, im Saal konnte man eine Stecknadel fallen hören, die Fragen danach zeigten das große Interesse unseres geschätzten Publikums.
Auch hier nochmals ein herzliches Dankeschön an alle, die an diesem für uns etwas ungewöhnlichen Vorweihnachtstermin die Zeit fanden und kamen.

Gaugusch ließ uns Einblick nehmen in die Anfangszeit seines Opus magnum, dessen 3. Band für 2020 geplant ist: Vom Zettel- und Karteikasten bis zu den heute meist online verfügbaren Datenquellen für seine umfangreichen akribischen Recherchen. Wir erfuhren aber auch, was Familie Gauguschs erstes Ziel in Städten wie New York, Paris oder Budapest ist: die jüdischen Friedhöfe! Gräber bzw. beeindruckende Mausoleen mit Namen, deren Wurzeln so oft in den jüdischen Gemeinden des Burgenlandes und Eisenstadts liegen.

Klar machte der Vortragende, dass Eisenstadt, das heute – und das soll keineswegs despektierlich klingen – eher nicht mit New York oder Paris vergleichbar ist in seiner Bedeutung, vor etwas über 100 Jahren aber so etwas wie der Nabel der Welt, zumindest der jüdischen, war. Eisenstadt: In der Nähe Wien, das damals eher ein Vorort mit untergeordneter Bedeutung war, Budapest und Pressburg. Eisenstadt, in der Mitte zwischen der jüdischen “Metropole” Nagykanizsa, eine der Batthyánischen jüdischen Gemeinden, heute in Ungarn gelegen, und Wien, Eisenstadt – ein perfekter Handelsmittelpunkt.
Aufgrund der damals geltenden Familiantengesetze gewannen die ehemaligen (heute) burgenländischen jüdischen Gemeinden mit ihren Schutzjuden an enormer Bedeutung.

Damit Sie ein wenig teilhaben bzw. auch nachhören können, hier ein kleiner Ausschnitt des Vortrags:



Update 06. Jänner 2017: Wir bedanken uns sehr herzlich beim ORF Burgenland und beim Redakteur Norbert Lehner für die tolle Unterstützung!

BURGENLAND HEUTE – Buchpräsentation und Vortrag Georg Gaugusch vom 06. Jänner 2017, Redakteur: Norbert Lehner.

Wir wünschen Ihnen ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח,
den christlichen Leserinnen und Lesern unseres Blogs schöne Weihnachten
und allen ein paar erholsame Tage!


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Georg Gaugusch – ‘Wer einmal war’

English version, see below Zum Index / View the Index Zum Buch Buchcover ‘Wer einmal war …’, Amalthea-Verlag 5 Jahre haben wir mit großer Spannung darauf gewartet! Es ist soweit:…

Zum Buch


5 Jahre haben wir mit großer Spannung darauf gewartet! Es ist soweit: Am 24. November 2016 wird der 2. Band des monumentalen Werkes von Georg Gaugusch “Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800 – 1938, L-R” präsentiert. Der 1. Band mit den Familiennamen A-K erschien bereits 2011. Als dreibändiges Buch angelegt und eigentlich ein Nachschlagewerk, ist auch der zweite Band spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Gaugusch stellt auf 1420 Seiten den akribisch recherchierten und höchst umfangreichen genealogischen Daten der einzelnen Familien jeweils eine recht umfangreiche Übersicht der Familiengeschichte (besonders die Bedeutung der einzelnen Personen sowie ihre Vernetzung mit anderen Familien) voran. Selbst bei geringem genealogischen Interesse sind schon allein diese Einleitungen höchst lesenswert. Ich mache es kurz: Auch wenn (bei Buchrezensionen) nicht üblich (und wohl meist auch nicht ganz korrekt), im Falle des Buches von Georg Gaugusch unterschreibe ich den Verlagswerbetext voll und ganz und ergänze: auch aus meiner Sicht ist das Buch eine klare Kaufempfehlung!

Der erste Band von “Wer einmal war” revolutionierte grundlegend die historische Personenforschung und gilt als wegweisendes Standardwerk zur Geschichte der österreichischen Juden. Nun erscheint der zweite Band, der die Familien von L bis R umfasst. Die genealogischen, präzise erforschten Aufstellungen sind ergänzt um Informationen zu der Bedeutung und Vernetzung der einzelnen Familien. Autobiografien, Akten zu Standeserhebungen, Ordensverleihungen und zahlreiche zeitgenössische Zeitungsartikel lassen ein lebhaftes Porträt der einzelnen Familien entstehen. Georg Gaugusch, renommierter Kenner des jüdischen Großbürgertums zwischen 1800 und 1938, hat in akribischer Forschungsarbeit ein Opus magnum geschaffen.

Amalthea-Verlag

Beziehungen zum burgenländischen Judentum

Besonders spannend für uns war natürlich die Frage, ob, wieviele und welche Beziehungen wir zum ehemaligen westungarischen, später burgenländischen Judentum finden. Vor allem, weil die jüdischen Gemeinden unserer Region, insbesondere jene der Sieben-Gemeinden auf esterházyschem Gebiet wohl kaum mit jüdischem Großbürgertum assoziiert werden können.
Das Resultat unseres Index bestätigt diese Aussage. Nur etwa 1% der Namen konnten ehemalige jüdische Gemeinden des Burgenlandes zugewiesen werden, klammern wir die (heute) südburgenländischen Gemeinden unter dem Schutz der Fürsten bzw. Grafen Batthyány (wie Nagykanizsa) aus, erreichen wir nicht einmal einen halben Prozentpunkt.

Und doch ist es überaus faszinierend, im Buch von Georg Gaugusch Vernetzungen und Verbindungen von Familien zu finden, von denen Angehörige etwa auf den jüdischen Friedhöfen in Eisenstadt begraben sind:
Zum Beispiel Moses Rust, der am 19. Jänner 1825 verstarb, seiner Frau Hannele, gestorben am 20. Dezember 1813, und seiner Mutter Lea, gestorben am 14. Jänner 1806.

Wir konnten erst 2015 diese Gräber der Genannten im Zuge unseres Friedhofsprojekts “Digitale und physische Dokumentation der 1.082 Grabsteine des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt” korrekt zuordnen. Die Grabsteine waren nicht mehr namenlos. Nun haben die Toten auch ihre Geschichte bekommen:

Die schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Eisenstadt nachweisbare Familie Rust gehört zu jenen Familien, die, ohne jemals eine eigene Toleranz für Wien zu besitzen, hier zwischen 1750 und 1829 kontinuierlich nachweisbar sind. Das erste namentlich bekannte Mitglied war der 1791 in Wien verstorbene Handelsmann Markus Rust, dessen Sohn Moses bereits damals eine der tragenden Säulen der Eisenstädter Gemeinde war…
Nach Moses Rusts Tod 1825 zog seine Witwe mit ihrem zweiten Mann Samuel Hirschel in das aufstrebende südungarische Nagy Kanizsa, wo beide, ihren imposanten Grabsteinen nach zu urteilen, zu den wohlhabendsten Gemeindemitgliedern gehörten. Moses Rusts 1818 in Wien geborener Sohn Bernhard … wandte sich nach Pest, wurde der Schwiegersohn des Pester Großhändlers Ignaz Müller und übernahm noch in den 1850 Jahren … das Pester Großhandelshaus Aron Bing & Comp. Das später in Rust & Müller umbenannte Unternehmen befasste sich hauptsächlich mit dem Stoffhandel … und verfügte über ein Verpackungsmagazin am Wiener Salzgries. In den 1870er Jahren wurde Bernhard Rust in die Budapester Filiale der Österr.-ungarischen Bank berufen und bekleidete ab 1878 die Stelle eines Generalrats. Im Jahr 1888 regte der Budapester Oberbürgermeister die Verleihung des ungarischen Adels an ihn an und wandte sich diesbezüglich an den ungarischen Innenminister … Somit konnte der ungarische Minister … einen entsprechenden Vortrag bei Kaiser Franz Joseph einbringen…
Dieses Gesuch wurde Kaiser Franz Joseph am 27. Juli 1888 in Ischl vorgelegt und von ihm ohne Kommentar am 29. Juli 1888 unterfertigt, wodurch er Bernhard Rust und seine Nachkommen mit dem Prädikat “de Ruszt” in den ungarischen Adelstand erhob. Bernhard Rust de Ruszt starb 1896 in Budapest, und auch der Pester Lloyd vom 3. Dezember lobt den Self Made Man in einem langen Nachruf, und nennt den Verstorbenen einen Ehrenmann von echtem Schrot und Korn, fleißig, pflichttreu und ungewöhnlich einfach und bescheiden. Seine beiden Söhne Josef und Oskar folgten ihrem Vater nach, und die Familie gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg zur Budapester Oberschicht.

Gaugusch G., Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800-1938, 3065f.

Matrikeneintrag Markus Rust

Matrikeneintrag Markus Rust, Sterbebuch Währing:
“Der Markus Rust aus Eisenstadt ist in Zuchsischen (?) Haus Nr. 2908 auf der Landstrasse an Urin Blasen Geschwür vestorben; Alt: 70 Jar.”


Der Index

Gemeinsam mit Genealogin Traude Triebel haben wir vorab den Namensindex erstellt, der weit über 33.000 Namen umfasst und den wir Ihnen hier exklusiv zur Verfügung stellen. Zusätzlich wurden alle Ortsnamen eingearbeitet. In Aufklappfeldern (für Nachname, Vorname, Buchseite und Ort) können alle indizierten Daten mit einem Blick erfasst bzw. durchgescrollt werden, was nicht nur den Vorteil einer viel besseren und schnelleren Übersicht über die Daten gewährleistet, sondern vor allem auch unbefriedigende bzw. leere Suchergebnisse vermeiden hilft.
Wie üblich wurden Namen, die – bei identischer Schreibung – mehrmals auf einer Seite vorkommen, im Index nur einmal, kleinste Variationen in der Schreibung jedoch berücksichtigt und ggf. mehrmals aufgenommen.
Beispiel: Polaczek Dr. Alfred und Polaczek Alfred (auf Seite 2299) generieren 2 Einträge im Index.
Für die Erstellung des Ortsnamensindex und das Korrekturlesen bedanke ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen im Museum (Sonja Apfler, Christa Krajnc, Franz Ramesmayer).

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Aus aktuellem Anlass wurde der Index für Band 2 als erstes online gestellt, in Bälde werden wir den Index mit den Namen aus Band 1 updaten.


“Those Who Once Were” – The Index

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About the book


We have waited five years, with bated breath, for this to happen. And finally, it’s ready: on 24 November 2016, Volume II of Georg Gaugusch’s monumental work, “Those Who Once Were. Vienna’s Upper Class Jewish Society 1800-1938” (“Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens 1800-1938”) will be presented. Volume I comprising family names from A-K was published in 2011. Conceived as a three-volume work by and large for reference purposes, Volume II is nonetheless fascinating from beginning to end. Gaugusch has meticulously researched wide-ranging and deep-delving genealogical data of the individual families and presents his findings over a span of 1,420 pages. Conveniently, the main body of work is preceded by a comprehensive overview of family histories, with particular attention paid to the individual persons and their interconnections with other families. Even those who have no great interest in genealogy will find these introductory passages quite scintillating. To put it in a nutshell: even if it is unusual, and of course also not quite correct, in the context of a book review, in the case of Georg Gaugusch’s book I can endorse the publisher’s blib completely, adding to it that from my personal vantage point as well, this book can be highly recommended.

Volume I of “Those Who Once Were” revolutionized historical research procedures of individuals and has since become the trailblazing gold standard of the history of Jews in Austria, a fundamental reference work. Now the second volume comprising the families L to R has been published. Their genealogies include fastidiously compiled family listings and have been further enriched by supplementary information on the significance and interconnections of individual families. Autobiographies, dossiers and records tracing promotions in social rank, the conferring of orders, as well as numerous contemporary newspaper articles, together create a collection of animated, sparkling portraits of the individual families. What emerges from this painstaking research of Georg Gaugusch, noted authority of Upper Class Jewish Society between 1800 and 1938, is a true opus magnum on the subject.

Interfaces with Judaism in Burgenland

Of particular interest to us, of course, was the question of how many and what kinds of relationships and interconnections we could trace to former western Hungarian (later Burgenland) Judaism, first and foremost because the Jewish communities of our region, and particularly those of the Seven Communities in Esterházy territory (Sieben-Gemeinden), could hardly be associated with upper class Jewish society. The findings brought to light in this index corroborate that basic assumption. Only about 1% of the names cited in it hail from former Jewish communities in the Burgenland. Moreover, if we exclude today’s southern Burgenland towns under the protection of the Batthyány (and Nagykanizsa) princes and counts, it does not even amount to a half-percent.

Nevertheless, in Georg Gaugusch’s book it is utterly riveting to read about the interconnections and cross-weaving of families whose family members lie buried in the Friedhöfen Jewish cemeteries in Eisenstadt: for example Moses Rust, who died on 19 January 1825; his wife Hannele, who died on 20 December 1813; and his mother Lea, who died on 14 January 1806.

It was not until 2015 that we were able to correctly decode the graves of the above-named people in the course of our cemetery project “Digital and physical documentation of the 1,082 graves in Eisenstadt’s Older Jewish Cemetery” At long last, those gravestones are not nameless. And now, as of the current juncture, the deceased have also been accorded their personal history:

The Rust family, whose history in Eisenstadt can be traced back verifiably to the beginning of the eighteenth century, numbers among those families who (not ever having any personal tolerance for Vienna) were continually present here between 1750 and 1829. The first family member known to us by name was Markus Rust, a tradesman who died in Vienna in 1791, and whose son Moses was one of the pillars of the community of Eisenstadt even back then …

Following the death of Moses Rust in 1825, his widow and her second husband Samuel Hirschel moved to the up and coming southern Hungarian town of Nagy Kanizsa where, to judge by their imposing gravestones, both of them numbered among the most wealthy members of the community. Moses Rust’s son Bernhard, who was born in 1818 in Vienna … emigrated to Pest in Hungary, became son-in-law to wholesale merchant Ignaz Müller of Pest, and assumed the reins of the wholesale import trading house Aron Bing & Comp. The company which was later renamed Rust & Müller dealt mainly in textiles … and also owned a packing warehouse on Salzgries Street, Vienna. During the 1870s, Bernhard Rust was appointed to a post at the Budapest branch of the Austro-Hungarian Bank, where he served as a General Counselor starting in 1878. In 1888 the Mayor of Budapest initiated the process of awarding Rust a title of Hungarian nobility and approached the Hungarian Minister for the Interior in this matter … The Hungarian Interior Minister then petitioned Emperor Francis Joseph and submitted the appropriate application….

This application was submitted to Emperor Francis Joseph on 27 July 1888 and subsequently signed by him without any added commentary on 29 July 1888, whereby Bernhard Rust and his descendants were raised to the Hungarian aristocracy with the title “de Ruszt”. Bernhard Rust de Ruszt died in 1896 in Budapest. In a copious obituary of 3 December, Lloyd of Pest extended great praise to this self-made man, deeming him a man of honor, carved out of true grit and grain, industrious, dutiful as well as remarkably simple and modest. His two sons Josef and Oskar followed in his footsteps. Thereafter, the family belonged to the upper crust of Budapest society until the Second World War.

Gaugusch G., Those Who Once Were. The Upper Class Jewish Society of Vienna 1800-1938, 3065f.

Matrikeneintrag Markus Rust

Entry on Markus Rust in the Death Register of Währing::
“Markus Rust of Eisenstadt died in Zuchsischen (?) house no. 2908 on Landstrasse, of ulcerated absess of the urinary bladder; age: 70 years.”


The Index

Together with genealogist Traude Triebel, we first put together the Index of Names comprising far more than 33,000 documented personal identifications which we provide to you here exclusively. In addition, all town names have also been included and properly assigned. In pop-up information fields (for family name, first name, page and town) all the indicated data can be viewed at a glance or scrolled through, thus providing not only the advantage of gaining a quicker and more comprehensive overview of the whole mass of data, but also helping to avoid empty searches which bring up no results.

As is customary, names written in identical fashion which occur several times on one page appear only once in the index, although minor variations in the ways the names were written are reflected and when necessary, repeated several times. For example: Polaczek Dr. Alfred and Polaczek Alfred (on p. 2299) generate two entries in the index.
I am deeply indebted to my colleagues at the museum, Sonja Apfler, Christa Krajnc and Franz Ramesmayer, for the index of town names.

Zum Index / View the Index


In light of this recent publication event, the Index for Volume II has been placed online first. The Index with the names from Volume I will be updated shortly.


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‘Wer einmal war’ – INDEX zum 2. Band von Georg Gaugusch

Mehr Informationen zum monumentalen Buchprojekt von Georg Gaugusch (Wien).



Mehr Informationen zum monumentalen Buchprojekt von Georg Gaugusch (Wien).


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Jungmann Katharina, geb. Sruh – 08. Oktober 1854

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Katharina (Chaja) Jungmann, geb. Sruh, 16. Tischre 615 / 2. Tag von Sukkot (= Sonntag, 08. Oktober 1854) Die hebräische Grabinschrift (Rückseite) Inschrift Katharina Jungmann: Zeilengerechte…

Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Katharina (Chaja) Jungmann, geb. Sruh, 16. Tischre 615 / 2. Tag von Sukkot (= Sonntag, 08. Oktober 1854)



Die hebräische Grabinschrift (Rückseite)

Inschrift Katharina Jungmann: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה טמונה
[2] Frau מרת
[3] Chaja Jungmann. חיה יונגמאן
[4] Sie verstarb am Sonntag, נפטרה ביום א’
[5] 16. Tischre, טז תשרי
[6] und wurde begraben am Dienstag ונקברת ביום ג
[7] des Jahres שנת
[8] 615 תרטו
[9] n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). לפק
[10] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה

Die deutsche Grabinschrift (Vorderseite)

Inschrift Katharina Jungmann Dt: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ruhet
[2] Frau
[3] KATHARINA
[4] JUNGMANN
[5] geborne Sruh,
[6] gest. den 8. Oktober 1854
[7] im 52. Lebensjahre.
[8] Sanfte Ruhe ihrer Asche.
[9] Gewidmet
[10] von ihren tief trauernden
[11] Angehörigen.


Biografische Notizen

Katharina (Chaja) Jungmann, geb. Sruh, geb. ca. 1802 in St. Georgen (= Svätý Jur bei Pressburg, damals Ungarn), Tochter des Wolf Jacob Sruh und der NN, gest. 16. Tischre 615 bzw. 2. Tag von Sukkot = Sonntag, 08. Oktober 1854 um 04 Uhr Früh in Wien, Leopoldstadt I an Brechruhr, begraben am Dienstag, 10. Oktober 1854 am jüdischen Friedhof Währing, allgemeiner Platz, 17. Reihe, Nr. 7, lt. Gräberbuch alte Nr. 3979, neu: Gruppe 8, Nr. 559.

Ehemann: Leopold Jungmann, Kaufmann in Wien (1836 Gründung einer Manufakturwarenhandlung), geb. 25. Juni 1803 in St. Georgen (= Svätý Jur bei Pressburg, gest. 25. Juli 1877 in Baden bei Wien, Grabengasse 20.
(Nach dem Tod von Katharina heiratete Leopold Jungmann am 25. November 1855 in Wien Amalia (Maly) Friedländer).

5 Kinder aus erster Ehe mit Katharina Sruh, darunter:

Wilhelm Jungmann, geb. 30. Dezember 1838 in St. Georgen (= Svätý Jur bei Pressburg, gest. 10. April 1914 in Wien VI, Drehufeisengasse 3, begraben am Zentralfriedhof Wien in der Familiengruft.

Wilhelm Jungmann meldete 1866 eine Schneiderzugehörhandlung als Gewerbe an und protokollierte 1867 sein Unternehmen beim Wiener Handelsgericht … doch 1873 traft sein Neffe und Schwaer Wilhelm Dukes in das Unternehmen ein, wodurch sein Name auf “Wilhelm Jungmann & Neffe” lautetet. Die Firma hatte von 1870 bis 1881 ihren Sitz in Wien I, Salvatorgasse 3 und 5 und entwickelte sich der kleinen Schneiderzugehörhandlung zur exklusivsten Adresse für feine Damenstoffe in Wien. Bereits 1881 erhielten die beiden Inhaber der Firma den Titel eines k.u.k. Hoflieferanten und übersiedelten in das neue Geschäftslokal auf dem Albrechtsplatz 3 (heute Albertinaplatz 3), wo das Unternehmen nach wie vor seinen Sitz hat…

Georg Gaugusch, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens, 1800-1938, Band I, A-K, Wien 2011, 1296f

Georg Gaugusch führt seit 2005 das Unternehmen. Auf dessen Website finden Sie auch eine ausführliche Geschichte des Unternehmens.


Personenregister jüdischer Friedhof Währing


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Schey von Koromla Charlotte, geb. Landauer – 06. März 1842

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Charlotte (Frumet) Schey von Koromla, geb. Landauer, 25. Adar 602 (= Sonntag, 06. März 1842) Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift Inschrift Charlotte Schey: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung…

Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Charlotte (Frumet) Schey von Koromla, geb. Landauer, 25. Adar 602 (= Sonntag, 06. März 1842)



Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift

Inschrift Charlotte Schey: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ruhet
[2] die Hülle der seligen Frau
[3] Charlotte Schey
[4] geboren den 4. September 1820
[5] gestorben den 6. März 1842
[6] Aus den Armen ihres Gatten
[7] Rief ins dunkle Reich der Schatten
[8] Zeitlich sie der Himmel ab,
[9] Und des Gatten zärtlich Sehnen
[10] Und der Freunde heiße Thränen
[11] folgen ihr ins Frühe Grab.
[12] Inniglich und immer fester
[13] Schlang sie um das Kind der Schwester
[14] Treuer Liebe zärtlich Band.
[15] Wie sie mild ist heimgegangen,
[16] Wird sie Gottes Lohn empfangen
[17] In der Seelen Heimatland.

Rückseite: Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Charlotte ScheyH: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] die gepriesene, die rechtschaffene und die teure Frau, האשה המפוארה הישרה והיקרה
[3] die tapfere Frau, die Kone ihres Mannes, Frau אשת חיל עטרת בעלה מרת
[4] Frumet Schey, פרומט שייא
[5] Tochter des Vorstehers, des Einlussreichen, d(es ehrbaren) H(errn) Josef Landau, a(uf ihm sei der) F(rieden), בת האלוף הקצין כ”ה יוסף לאנדוי ע”ה
[6] Ehefrau des Vorstehers, des Einflussreichen, des Toragelehrten, אשת האלוף הקצין התורני
[7] d(es ehrbaren) Herrn) Simon Schey, s(ein Licht) m(öge leuchten). כ”ה שמעון שייא נ”י
[8] Sie verstarb in der Mitte ihrer Tage am Montag, 25. Adar נפטרת בדמי ימיה ביום ב כה אדר
[9] und wurde begraben am Mittwoch, 27. daselbst ונקברת ביום ד כ”ז בו
[10] des Jahres 602 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שנת תרב לפק
[11] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Hebräische Inschrift, Zeile 3: Sprüche 12,4 אשת חיל עטרת בעלה.

Hebräische Inschrift, Zeile 5: Der Segenswunsch “auf ihm sei der Frieden” ist falsch, der Vater Joseph Landauer war zum Zeitpunkt des Ablebens seiner Tochter noch am Leben, er stirbt 1855 (s.u.). Es müsste also wie beim Ehemann (s.u.) “sein Licht möge leuchten” heißen.

Hebräische Inschrift, Zeile 6: Der Segenswunsch “Sein Licht möge leuchten” steht, weil der Εhemann beim Ableben seiner Frau noch am Leben war. Siehe unten, Friedrich Schey Freiherr von Kormla starb am 15. Juli 1881.

Hebräische Inschrift, Zeile 7: Vgl. Jesaja 38,10 “…In der Mitte meiner Tage (muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt)…” …בדמי ימי….


Biografische Notizen

Charlotte (Frumet) Schey von Koromla, geb. Landauer, 04. September 1820 in Wien, 2. Ehefrau von Friedrich (Simon) Schey, s.u., gest. 25. Adar 602 = Sonntag, 06. März 1842 um 18 Uhr (also schon am 25. Adar) an Typhus in Wien, Leopoldstadt, Nr. 10, begraben Dienstag (“Mittwoch” in der hebräischen Grabinschrift ist falsch), 8. März 1842 um 09 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, Leichenzeichen, lt. Gräberbuch alte Nr.: 414, neu: Gruppe 2, Nr. 76.

Kind ohne Namen (ihrer Schwester Emilia, der ersten Ehefrau von Friedrich Schey, s.u.), geb. ca. Dezember 1841/Jänner 1842, gest. 06. März 1842 um 21 Uhr an Leberschwäche in Wien, Leopoldstadt, Nr. 10, begraben am jüdischen Friedhof Währing im selben Grab wie Charlotte Schey.

Vater: Joseph Landauer, geb. 20. Juli 1793 in Wien, Gesellschafter der k.k. priv. Großhandlungen “Mayer & Landauer” und “Joseph Landauer” in Wien, gest. 10. September 1855 an der Cholera in Weikersdorf bei Baden, begraben am jüdischen Friedhof Währing
Mutter: Rosalia Bauer, geb. 26. Jänner 1796 in Pest (Ungarn), Tochter des Salomon Bauer (Großhändler in Pest) und der Cäcilie (Bauer), gest. 12. Mai 1864 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing. Das Ehepaar hatte 15 Kinder, 3 Töchter, Emilia, Charlotte und Hermine, sind in unserem Zusammenhang besonders wichtig, s.u.

Der Vater von Joseph Landauer war Isak Gabriel Landauer, protokollierter Handelsmann, dann Gesellschafter der k.k. priv. Großhandlung N. Mayer & G. Landauer in Wien, geb. ca. 1760 in Bingen am Rhein, gest. 21. Februar 1826 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing. Die Mutter war Julie Goldschmidt (auch Hamel), geb. ca. 1769 in Eisenstadt, gest. 09. Februar 1841 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing. Julie Goldschmidt war die Tochter des am 13. Februar 1769 in Eisenstadt verstorbenen und am älteren jüdischen Friedhof begrabenen Josef Frankfurt ben Isak ha-Levi Hamel (Joseph Goldschmidt) aus Frankfurt am Main und der am 09. April 1818 in Wien verstorbenen Sara (Serche) Leidesdorf, Tochter des in Eisenstadt verstorbenen und am älteren jüdischen Friedhof begrabenen Abraham (Aberl ben Meir) Leidesdorf (gest. 07. Jänner 1772) und der Sara (Rechli, Tochter Zvi Hirsch) Leidesdorf, gest. 22. Dezember 1767 in Eisenstadt und auch am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben.

Mit anderen Worten: Auf dem älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt finden wir die Gräber des Urgroßvaters sowie der Ururgroßeltern von Charlotte (Frumet) Landauer.

Ehemann von Charlotte (Frumet) Landauer: Friedrich (Simon) Schey, nachmalig Freiherr von Koromla, geb. 05. März 1815 in Güns (Kőszeg, Ungarn), Sohn des Joseph Schey und der Mathilde Steiner, gest. 15. Juli 1881 in Wien, begraben am Zentralfriedhof Wien.
Friedrich Schey war österreichischer Bankier, Großgrundbesitzer und Mäzen und in den 1860er und 1870er Jahren eine der einflussreichsten Personen.

Eintrag Sterbebuch Wien, Friedrich Freiherr Schey von Koromla, 15. Juli 1881

Eintrag Sterbebuch Wien, Friedrich Freiherr Schey von Koromla, 15. Juli 1881



1859 wurde Friedrich Schey gemeinsam mit seinem Onkel, Philipp Schey unter dem Ehrenwort “Edler” sowie dem Prädikat “von Koromla” geadelt. Baron Philipp Schey, geb. 1798, gest. 26. Juli 1881, begraben auf dem jüdischen Friedhof Lackenbach.



1. Ehefrau von Friedrich Schey: Emilia Landauer, (Schwester von Charlotte Landauer), geb. 25. April 1817 in Wien, gest. 19. Mai 1840 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing (Gräberbuch s.o.), geh. 26. Mai 1839 in Meidling bei Wien

2. Ehefrau von Friedrich Schey: Charlotte (Frumet) Landauer, s.o., geh. 15. Juni 1841 in Wien

Eintrag Hochzeitsbuch Wien, Charlotte (Frumet) Landauer und Friedrich (Simon) Schey, 15. Juni 1841

Eintrag Hochzeitsbuch Wien, Charlotte (Frumet) Landauer und Friedrich (Simon) Schey, 15. Juni 1841



Nach dem Tod von Charlotte (Frumet) Schey, geb. Landauer, heiratete Friedrich Schey ein drittes Mal, und zwar in Triest wiederum eine Tochter von Joseph Landauer und damit Schwester von Charlotte (und Emilia), Hermine Landauer, geb. 1822 in Wien, gest. 26. April 1904 in Wien.

Die ausführliche Genealogie in: Georg Gaugusch, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens, 1800-1938, Band II, L-R, Wien 2016, 1719ff

Personenregister jüdischer Friedhof Währing


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Mannheimer Elisabeth (Lisette), geb. Damier – 24. November 1858

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Elisabeth / Lisette (Lea) Mannheimer, geb. Damier, 17. Kislew 619 (= Mittwoch, 24. November 1858) Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift Inschrift Elisabeth Mannheimer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung…

Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Elisabeth / Lisette (Lea) Mannheimer, geb. Damier, 17. Kislew 619 (= Mittwoch, 24. November 1858)



Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift

Inschrift Elisabeth Mannheimer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Frau
[2] Lisette Mannheimer
[3] gestorben in ihrem 60. Lebensjahre
[4] am 24. November 1858
[5] Wärmer schlug kein Herz das die Gräber bedecken als dies hier.
[6] Treuer hat keines für Kind, keines für den Gatten gesorgt.
[7] Eine Mutter war sie nicht denen nur, die sie geboren.
[8] Mitten im eigenen Leid dachte der Fremden sie stets.
[9] Rege blieb ihr der Geist im langen schmerzlichen Siechthum.
[10] Leicht ward ihr der Tod, mag es die Erde ihr sein.

Rückseite: Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Elisabeth Mannheimer H: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] die teure Frau, האשה הכבודה
[3] Frau מרת
[4] Lea, Ehefrau des MORENU, H(errn) Isak Mannheimer. לאה אשת מה”רר יצחק מאנהיימר
[5] Eine verständige Frau, von guter Einsicht und Erkenntnis. אשה משכלת. טובת אם ודעת.
[6] Krone ihres Hauses, eine fröhliche Mutter den Kindern. עטרת ביתה. אם הבנים שמחה.
[7] Sie ging in ihre Welt am Mittwoch, 17. Kislew והלכה לעולמה יום ד’ י’ז כסלו
[8] des Jahres der Zukunft und der Hoffnung. שנת א’ח’ר’י’ת’ ותקוה
[9] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Hebräische Inschrift, Zeile 4: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Hebräische Inschrift, Zeile 6: Psalm 113,9 אם הבנים שמחה.

Hebräische Inschrift, Zeile 8: Jeremia 29,11 אחרית ותקוה.


Biografische Notizen

Elisabeth / Lisette (Lea) Mannheimer, geb. Damier ca. 1799 (s. Gräberbuch) in Hamburg, gest. 17. Kislew 619 = Mittwoch, 24. November 1858 in Wien, Seitenstettengasse 494 an Lungenlähmung, begraben am jüdischen Friedhof Währing 26. November, 15 Uhr, alter Platz neben Porges, Nr. 305, neu: Gruppe 5, Nr. 1

Vater: Hirsch Israel Damier, Kaufmann
Mutter: Fanny Wolf

Ehemann: Isak Noa Mannheimer, erster Prediger am israelitischen Stadttempel in Wien, geb. 17. Oktober 1793 in Kopenhagen, gest. 18. März 1865 in Wien, begraben 20. März 1865 am jüdischen Friedhof Währing neben seiner Ehefrau, 30. Dezember 1941 exhumiert und auf dem Zentralfriedhof Wien 6/0/8 wiederbestattet

Sieben Kinder, s.v.a. Georg Gaugusch, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens, 1800-1938, Band II, L-R, Wien 2016, 2109ff


Personenregister jüdischer Friedhof Währing


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