Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Christopher Meiller

Die Eisenstädter Hakoah

Eine sport-geschichtliche Fußnote Im Februar 1924 wird der Wiener Hakoah ein kleines Schwesterchen geboren – tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah („haKoah“…

Eine sport-geschichtliche Fußnote

Im Februar 1924 wird der Wiener Hakoah ein kleines Schwesterchen geboren – tief im Osten, in der gerade erst österreichisch gewordenen burgenländischen Provinz: die Eisenstädter Hakoah („haKoah“ = hebr. „die Kraft“). Es ist (nach allem, was wir wissen) ein Geschwisterchen mit vergleichsweise bescheidenem sportlichem Potential, das da im jüdischen Eisenstadt das Licht der (Vereins-)Welt erblickt, und doch – ausgestattet mit hehren Ambitionen und einigem regional-sportlichem Engagement: Im Dienst der

[k]örperliche[n] und geistige[n] Ertüchtigung der Eisenstädter jüdischen Jugend

soll der neue Verein stehen und sich außerdem der „Pflege der Kultur durch Veranstaltungen von gesellschaftlichen Zusammenkünften“ widmen, so bestimmen es die Gründungsstatuten der Hakoah, mit vollem Titel: „Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsverein ‚Hakoah'“. Zu diesem Zweck sollen „Athletische Wettkämpfe“ arrangiert werden, ebenso „gesellschaftliche Zusammenkünfte, Unterhaltungen und Theateraufführungen“; und natürlich (und wohl an erster Stelle) soll auch gekickt werden in der Eisenstädter Hakoah (zitiert aus den „Statuten des Eisenstädter Sport- und Geselligkeitsvereines ‚Hakoah'“, Burgenländisches Landesarchiv).

Bild: Brief von Hakoah-Obmann Karl Schlesinger – mit Briefkopf und Siegel des Vereins (mit dem – inoffiziellen – Gründungsjahr 1923; Burgenländisches Landesarchiv)


Der große Namensvetter, die Wiener Hakoah (die u.a. auch in Graz und Innsbruck Ableger hatte), taugte da zweifellos als respektables, wiewohl unerreichbares Vorbild, krönte sie sich doch Mitte der 20er Jahre zum österreichischen Fußballmeister – da steckte der burgenländische Fußball und mit ihm die Eisenstädter Hakoah freilich noch in den Kinderschuhen …

Meisterschaftstabelle 'Eisenstädter Kreis' (13. Juli 1924) - mit einem für die Hakoah allerdings eher unerfreulichen Tabellenstand ...

Meisterschaftstabelle „Eisenstädter Kreis“
mit einem für die Hakoah allerdings eher
unerfreulichen Tabellenstand …
(Neue Eisenstädter Zeitung, 20. 07. 1924, 6)

Tatsächlich war das Burgenland (auch) in fußball-technischer Hinsicht ein Nachzügler: Erste ( mehr oder minder offizielle) Vereinsgründungen sind zwar schon ab 1907 (SC Eisenstadt) überliefert, ein burgenländischer Landesverband konstituierte sich aber erst 1923/24 – mit an Bord, ab der ersten Generalversammlung im März 1924, auch die eben erst gegründete Hakoah, die organisatorisch (klarerweise) dem „Kreis Eisenstadt“ zugewiesen wurde, wo man sich u.a. mit dem SV Mattersdorf/Mattersburg und dem Lokalrivalen SC („Freiheit“) Eisenstadt matchte …
(Vgl. Franz Just (Hg.): Der Fußballsport im Burgenland. (Von den Anfängen bis zur Jetztzeit) Eisenstadt 1970. S. 13-18, 231f., 429. Zur Übersicht auch: „Fußball im Burgenland„.)

Bemerkenswert auch: Mehrfach belegt ist ein „kombiniertes“ Antreten der beiden Eisenstädter Klubs – die Eisenstädter „Freiheit“ und die Hakoah fanden sich also, so scheint es, zu einer Eisenstädter „Stadt-Auswahl“ zusammen, und das durchaus mit Erfolg:

  • 'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs

    „Kombinierte“ Erfolge der Eisenstädter Klubs,
    Neue Eisenstädter Zeitung, 15. Juni 1924, S. 6;
    ebd., 25. Mai 1924, S. 4.

  • 'Kombinierte' Erfolge der Eisenstädter Klubs


Und auch abseits des Fußballplatzes scheint sich die Hakoah nach Kräften in den gerade erst anlaufenden burgenländischen Sportbetrieb eingebracht zu haben – so etwa bei den ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften im Juni 1926 …

'Pollitzer ('Hakoah' Eisenstadt) 5,13 m' (Weitsprung) - Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926

„Pollitzer (‚Hakoah‘ Eisenstadt) 5,13 m“ (Weitsprung) – Ergebnisse der ersten burgenländischen Leichtathletik-Meisterschaften 1926, Neue Eisenstädter Zeitung, 27. Juni 1926, S. 5

Allerdings: Langes sportliches Glück war der Eisenstädter Hakoah nicht beschieden. Schon im Mai 1933, keine 10 Jahre nach Vereinsgründung, musste die Vereinsführung – Obmann Karl Schlesinger, Schriftführer Isidor Benedikt und Kassier Eugen Schneider (Vgl. auch Just a.a.O. S. 232) – die freiwillige Selbst-Auflösung der Hakoah vermelden: „Grund der freiwilligen Auflösung war Mitgliedsmangel. – Vereinsvermögen war nicht vorhanden“, heißt es lapidar in der entsprechenden Meldung des Hakoah-Vorstands an die Behörden (Brief vom 2. Mai 1933 an das Bundespolizeikommissariat Eisenstadt; Burgenländisches Landesarchiv).

Weiter verwundern muss der Mitgliedermangel nicht – immerhin zählte Eisenstadt in den 20er und 30er Jahren im Ganzen bereits weniger als 500 jüdische Einwohner… (vgl. Fritz Zimmermanns Übersicht zur Bevölkerungsentwicklung in Hugo Gold: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes. Tel Aviv 1970. S. 133ff.)

Doch auch wenn damit die Tage der Hakoah gezählt waren: Gekickt jedenfalls wurde – das Foto beweist’s – bei der „Eisenstädter jüdischen Jugend“ auch weiterhin …

Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935

Kicken in der Eisenstädter Haydngasse: Fred Poll (rechts) und Heinrich Trebitsch, 1935; Fred Poll (eigentlich: Politzer), geboren 1921 in Eisenstadt, emigrierte 1939 nach England, später nach New York; Heinrich Trebitsch ist einer der wenigen jüdischen Rückkehrer nach Eisenstadt und lebt heute ebendort (vgl. und entnommen aus: Gert Tschögl u.a. (Hg.): Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen. Wien 2004. S. 155, 157).


Besten Dank an STANDARD-Redakteur Wolfgang Weisgram für den Hinweis auf die Eisenstädter Hakoah sowie an das Burgenländische Landesarchiv!

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Makkabiade – einst und jetzt

Die erste Makkabiade – Tel Aviv 1932 Vom morgigen 5. bis 13. Juli finden in Wien die 13. Europäischen Makkabi-Spiele statt – gewissermaßen die jüdische Antwort auf Olympia. Erwartet werden…

Die erste Makkabiade – Tel Aviv 1932


Vom morgigen 5. bis 13. Juli finden in Wien die 13. Europäischen Makkabi-Spiele statt – gewissermaßen die jüdische Antwort auf Olympia.

Erwartet werden mehr als 2000 Sportler aus über 40 Nationen, die sich auf/in/an diversen Courts, Hallen, Becken, Tischen (Schach!) etc. messen werden.

Erstmals ausgetragen wurde die Makkabiade 1932 im noch jungen Tel Aviv – sportlich sicherlich hochwertig, PR-technisch vielleicht noch etwas unterentwickelt (wie der Vergleich zeigt) … ;)


Die aktuelle Makkabiade – Wien 2011 (Vorschau)


Schon seinerzeit war übrigens auch eine österreichische Delegation vertreten, und zwar durchaus erfolgreich:
So etwa konnten die heimischen jüdischen Zeitungen, geradezu euphorisch bezüglich des „glänzenden Verlaufs“ der Spiele, österreichische Erfolge in den Box- und Schwimmbewerben (u.a. durch die damalige Spitzenschwimmerin Hedy Bienenfeld-Wertheimer) vermelden …


'Die Makkabiah' - in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932

„Die Makkabiah“ – in: Die Stimme, Wien, 7. April 1932, S. 3 (entnommen aus dem Online-Archiv „Compact Memory“ – Die Stimme, Jg. 1932. H. 222, 5)

Man beachte – so nebenbei – auf derselben Seite auch das großartige, ja geradezu künstlerisch wertvolle Inserat für das „100% reine Kokosnussfett“ Kunerol, hergestellt „unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S[amuel] Ehrenfeld zu Mattersburg“ (!), das/der hier auch schon bei anderer Gelegenheit Thema war …

Weitere Infos zum sportlichen und Rahmen-Programm der aktuellen Wiener Makkabiade auf:

emg2011.eu

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir – aus der breiten Presse-Berichterstattung zum Thema – die Interviews mit Makkabiade-Organisator und IKG-Vizepräsidenten Oskar Deutsch und Wiens Bürgermeister Michael Häupl.


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Kopf der Woche – Bernard Herrmann

Unter der Dusche mit Janet Leigh – und einem ungebetenen Gast … Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960) Rezept für die perfekte Mord-Szene: Man nehme eine hübsche Blondine, eine Dusche,…

Unter der Dusche mit Janet Leigh – und einem ungebetenen Gast … Duschszene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ (1960)


Rezept für die perfekte Mord-Szene: Man nehme

  • eine hübsche Blondine,
  • eine Dusche,
  • ein Messer
  • und …
    … Geigen!

Bernard Herrmann

Der musikalische Schöpfer dieses klassischsten aller filmischen Schock-Momente ist Komponist Bernard Herrmann – der an dieser Stelle maximales Grauen mit minimalem musikalischem Mitteleinsatz erzielt:

Violins did it! People laugh when they learn it’s just violins … It’s just the strings doing something every violinist does all day long when he tunes up.

Bernard Herrmann, zit. nach Steven C. Smith: A Heart at Fire’s Center. The Life and Music of Bernard Herrmann. Berkeley u.a. 1991. S. 239.

Ironie am Rande: Hitchcock, so ist überliefert, wollte zunächst auf jegliche musikalische Unterlegung der Duschszene explizit verzichten –

please write nothing for the murder in the shower,

so wurde Herrmann instruiert,

[t]hat must be without music –,

ließ sich schließlich aber doch von Herrmanns Vorschlag überzeugen …
vgl. und zitiert nach Smith a.a.O. 237

Besagter Bernard Herrmann, Jahrgang 1911 und einer Familie russisch-jüdischer Einwanderer entstammend, war Hitchcocks Komponist ab „The Trouble with Harry“/“Immer Ärger mit Harry„, hatte sich freilich auch zuvor schon als (Film-)Komponist (u.a. für Orson Welles‘ „Citizen Kane„) und Dirigent einen Namen gemacht. Im Zuge seiner Kooperation mit Hitchcock zeichnete Herrmann verantwortlich für die Filmmusik von Klassikern wie „Vertigo“, „North by Northwest“/“Der unsichtbare Dritte“ und „The Man Who Knew Too Much“/“Der Mann, der zuviel wusste.“ In Letzterem hat Hitchcock „seinem“ Komponisten ein besonderes filmisches Denkmal gesetzt: Als nämlich Jimmy Stewart und Doris Day in die Royal Albert Hall stürmen, um das Attentat auf einen hochrangigen Politiker zu verhindern, dirigiert ebendort … Bernard Herrmann.

Die legendäre „Albert Hall“-Szene aus „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) – mit Bernard Herrmann am Dirigentenpult

Das Ende des Tandems „Hitch“-Herrmann kam 1966, als Herrmanns Komposition zu Hitchcocks „Torn Curtain“/“Der zerrissene Vorhang“ verworfen wurde – François Truffaut erläutert (in seinem brillanten Interviewband „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“) die Hintergründe:

Das Studio … mochte Herrmanns Partitur für Torn Curtain nicht, und obwohl sie schon aufgenommen war, brachte ‚man‘ Hitchcock dazu, sie nicht zu verwenden. Um 1966 waren in Hollywood … Partituren Mode, die sich als Platte verkaufen ließen, zu denen man in den Diskotheken sich die Glieder verrenken konnte, und das Spiel hatte Herrmann, Adept Richard Wagners und Igor Strawinskys, von vornherein verloren.

François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? 4. Aufl. München 2007. S. 318f.

Gleichwohl blieb Herrmann – der den einzigen Oscar seiner Karriere verblüffenderweise nicht für eine Hitchcock-Komposition gewann, sondern für die Musik zum wenig bekannten Film „The Devil and Daniel Webster“ (1941) – dem Filmgeschäft auch nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Hitchcock verbunden – und komponierte etwa zuletzt, unmittelbar vor seinem Tod 1975, die Musik zu Martin Scorseses „Taxi Driver“.

Bernard Herrmanns Geburtstag jährt sich am heutigen Mittwoch zum 100. Mal.


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Unbekannte ‚Ikone‘

Bildquelle Eine Notiz zu Lea Goldberg Frage: Was ist das sicherste Zeichen dafür, dass ein Schriftsteller es (posthum) zu Ruhm und Ehre gebracht hat? Antwort: Sein/Ihr Porträt ziert a.) Briefmarken…

Bildquelle


Eine Notiz zu Lea Goldberg

Frage:
Was ist das sicherste Zeichen dafür, dass ein Schriftsteller es (posthum) zu Ruhm und Ehre gebracht hat?

Antwort:
Sein/Ihr Porträt ziert a.) Briefmarken und/oder b.) Geldscheine

Für die israelische Schriftstellerin Lea Goldberg (1911-1970), die im Mai ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, gilt genau dies. Nicht nur findet sich ihr Porträt auf einer israelischen Briefmarke …

… – Goldberg soll ebenso auf dem neuen 100-Schekel-Schein verewigt werden (dabei rangiert sie wert-mäßig übrigens zwischen Nathan Alterman, der für den 200-Schekel-Schein vorgesehen ist, und Tchernichovsky auf dem neuen 50er …;) ).

Und tatsächlich: Goldberg, geboren in Königsberg und 1935 (nach ihrem Studium u.a. in Berlin und Bonn) nach Palästina/Israel emigriert,

ist eine neuhebräische Ikone…In Zeiten der Entwicklung und Verbreitung des Iwrit als Sprache der alltäglichen Kommunikation im vorstaatlichen Jischuw wie auch in den ersten Jahrzehnten des Staates Israel hatte Lea Goldberg mit ihrem Werk großen Anteil an der Erneuerung des Hebräischen als Sprache der Literatur. Dies macht sie zu einer Literatin des Übergangs und des Übertritts – von Europa und seinen Zungen weg nach Palästina bzw. Israel hinein.

Dan Diner, im Vorwort zu: Yfaat Weiss: Lea Goldberg. Lehrjahre in Deutschland 1930-1933. [toldot. Bd. 9.] Göttingen 2010. S. 7.

Umso erstaunlicher, dass Lea Goldberg dem deutschsprachigen Publikum bis heute beinahe unbekannt ist (vgl. hierzu auch Weiss a.a.O. S. 9ff.); in deutscher Sprache sind (unseres Wissens) einzig Goldbergs „Briefe von einer imaginären Reise“ (Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag. Frankfurt a.M. 2003) greifbar – ein Briefroman, im Original 1936/37 (in hebräischer Sprache) veröffentlicht, in dem Goldbergs Protagonistin Ruth sich auf eine fiktive Europa-Reise macht und in (eben: „imaginierten“) Briefen an ihren Geliebten Immanuel melancholische Selbst-, Reise- und Städtebilder zeichnet:

Im Nebenabteil saßen drei Männer. Ich trat hinaus in den Gang. Sie sprachen über Frauen –
… Es ist eigenartig, ich habe es einige Male bemerkt – Ihr, die Männer, wenn Ihr unter Euch seid, könnt dieses seltsame Bedürfnis nicht bezwingen, über Frauen zu sprechen – wie Antisemiten über Juden.
Doch das nur nebenbei. Viel wichtiger waren diese Schienen unter mir, die ich in der Nacht nicht sehen konnte. Es war nur merkwürdig klar: Wenn man das Herz eines Menschen aus seiner Brust schneidet, es an der Lokomotive festbindet und über die Schienen davonführt, wird dieses Herz, das inniglich an sein „Dort“ gebunden ist, sich doch überhaupt nicht von der Stelle bewegen. Wenn dem so ist, weshalb fährt dann der „ganze Mensch“, aus Fleisch und Blut, mit seinem törichten, ironischen Verstand und seinem schweren Herzen, das an das „Dort“ gebunden ist, an dem Du bist, überhaupt fort?

Lea Goldberg: Briefe von einer imaginären Reise. Aus dem Hebr. von L. Böhmer. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag. Frankfurt a.M. 2003. S. 38.

Doch war Goldberg auch Lyrikerin, Übersetzerin – und: Verfasserin von zahlreichen klassischen israelischen Kinderbüchern.
Wer letztere für sich entdecken möchte, hat ab Herbst endlich die Gelegenheit: Lea Goldbergs Kinderbuch „Zimmer frei im Haus der Tiere“ erscheint im Oktober 2011 in einer illustrierten deutschen Fassung (in der Übersetzung von Mirjam Pressler).

Wir danken Stamm-Leser und -Kommentator Meir Deutsch herzlich für den Hinweis auf Lea Goldbergs 100. Geburtstag!

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Kopf der Woche – Billy Wilder

„Or better yet …!“ – Billy Wilders „Witness for the Prosecution„/“Zeugin der Anklage“ (1957) – Marlene Dietrich und Charles Laughton in der legendären „final scene“ Bild-©: YouTube (AFI) Auf dem…

Or better yet …!“ – Billy Wilders „Witness for the Prosecution„/“Zeugin der Anklage“ (1957) –
Marlene Dietrich und Charles Laughton in der legendären „final scene

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere versenkte er einen erfolglosen Drehbuch-Autor im Swimmingpool, verleitete eine verführerische deutsche Exilantin zur Selbstjustiz und trieb einen alkoholkranken Schriftsteller zum Beinahe-Selbstmord – all das nur auf der Leinwand selbstverständlich, weshalb besagte Untaten ihm denn auch nicht Schimpf und Schande, sondern Oscar- und zahllose weitere Ehren einbrachten …

Die Rede ist klarerweise von Samuel „Billy“ Wilder: Geboren 1906 im heute polnischen Sucha verdingte sich Wilder zunächst als Reporter in Wien (später in Berlin), ehe er nach seiner Emigration in die USA bei Paramount anheuerte, auch hier zunächst als (Drehbuch-)Autor, erst ab 1942 („The Major and the Minor„) auch als Regisseur.

Aus der galizischen Provinz nach Hollywood also, wo Wilder es zu genre-übergreifender filmischer Meisterschaft brachte, erstmals oscar-gekrönt im Jahr 1946 (für „The Lost Weekend„) – ein (bis heute grandioses) Beispiel für dieselbe, aus den eingangs angesprochenen Wilder’schen „Schandtaten“:


Billy Wilder … das sind zahllose Hollywood-Klassiker, ein Leben von 95 Jahren (Wilder starb im März 2002) – und (filmische) Geschichten für mehr als eine Biographie:

Es macht mir Spaß, Filme zu machen, weil man fünf, zehn oder zwanzig verschiedene Leben lebt. Weil man sich in verschiedenen Geschichten bewegt. Man geht nicht jeden Tag in den Laden und verkauft Hüte. Nein. Ich habe einen Hutladen, ich bin aber auch ein Hirnchirurg, und … Ich habe viele Leben gelebt.

Billy Wilder in: Cameron Crowe: Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder? München/Zürich 2000. [S. 100f.]

Billy Wilders Geburtstag jährt sich am morgigen Mittwoch zum 105. Mal.


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Web-Tipp der Woche – ns-quellen.at

Ein Wegweiser durch den Archiv-Dschungel Was haben Angehörige meiner Familie im Krieg gemacht, gab es Opfer, gab es Täter?, Wer wohnte in meiner Wohnung – wurde sie arisiert?, Was wurde…

Ein Wegweiser durch den Archiv-Dschungel

Was haben Angehörige meiner Familie im Krieg gemacht, gab es Opfer, gab es Täter?,

Wer wohnte in meiner Wohnung – wurde sie arisiert?,

Was wurde aus dem Unternehmen X nach dem ‚Anschluss‘?

– Orientierungshilfe bei diesen und ähnlich gelagerten Fragen bietet eine neue Online-Plattform, die das „forschungsbüro“ (gemeinsam mit dem Wiener Wiesenthal Institut, dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte) bereitstellt:

ns-quellen.at

.

Die Plattform behandelt im Besonderen die Themen Vermögensentzug, Rückstellung und Entschädigung, gibt u.a. Hilfestellung zur Archiv-Recherche und macht einschlägige Gesetzestexte zugänglich.
Wer also beispielsweise Personen aus bzw. Namenslisten zu den jüdischen Gemeinden des Burgenlandes sucht, wird korrekterweise u.a. auf die Matriken/Geburts- und Sterbebücher im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien verwiesen (auf die übrigens auch wir im Rahmen unserer Online-Aufarbeitung des Friedhofs Mattersburg zurückgreifen) – wo dann vor Ort weiterrecherchiert werden kann. Aber schon bei einer Arbeit wie der unseren macht sich auch die thematische und zeitliche Enge der Plattform deutlich bemerkbar (selbstverständlich müssen wir auch bzw. vor allem auf außerösterreichische Archive zurückgreifen).

Einstiegsseite 'ns-quellen.at'

Jedenfalls ein hilfreiches Recherche-Tool, wie wir finden – wenn auch insbesondere für wissenschaftliche Arbeiten und historisch einschlägig Interessierte, leider nur bedingt tauglich für genealogisch Interessierte.

Denn, in der Tat: Das

erspart Ihnen den Weg ins Archiv zwar nicht, (…) kann diesen aber entscheidend erleichtern.

http://ns-quellen.at/index.php

– zumindest wenn sich Ihr Interesse auf dieses Spezialgebiet beschränkt …


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