Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Christopher Meiller

Tipp der Woche – „Refractions of Bob Dylan“

„The Times They Are a-Changin‘ – Bob Dylan, White House 2010„ Was eigentlich noch sagen über diesen Mann – Bob Dylan, vormals Robert Allen (Shabtai Zisel ben Avraham) Zimmerman, Singer-Songwriter-König,…

The Times They Are a-Changin‘ – Bob Dylan, White House 2010


Was eigentlich noch sagen über diesen Mann – Bob Dylan, vormals Robert Allen (Shabtai Zisel ben Avraham) Zimmerman, Singer-Songwriter-König, Oscar-Gewinner, Folk-Vollender und Folk-Verräter, Pilger zwischen Judentum und Christentum, Pulitzer- und Fast-Nobelpreisträger (Update: Nobelpreis für Literatur 2016) …?

Vielleicht am ehesten:

Nichts.

Schweigen.

Hören … :)


Weil nun aber über Dylan, diesen chronischen „shape-changer“ (Liam Clancy), zugleich doch niemals genug gesagt sein kann, hat Eugen Banauch (Institut für Anglistik & Amerikanistik) Dylans nahenden 70. Geburtstag zum Anlass genommen, ein hochkarätiges Dylan-Symposium auf die Beine zu stellen:

„Refractions of Bob Dylan – Cultural Appropriations of an American Icon“
Wien, 19. bis 21. Mai 2011

Angekündigt haben sich Granden der Dylan-Forschung wie Clinton Heylin, Michael Gray und Stephen Scobie, außerdem österreichische Prominenz von Martin Blumenau bis Doris Knecht und (im musikalischen Rahmenprogramm) Mika Vember.

Und schließlich werden auch wir bei dieser Gelegenheit unserer Dylan-Leidenschaft frönen – ich darf in einem kleinen Vortrag untersuchen, was denn eigentlich dran ist, am quasi-religiösen „Propheten“-Etikett, das Dylan so gerne angeheftet wird.

Alle weiteren Infos zu Programm, Anmeldung etc. unter:

dylanvienna.at


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Kopf der Woche – Erich Fried

Mit einer handfesten (wiewohl entzückenden) Tautologie hat Erich Fried sich seinen Platz im deutschen Lyrik-Pantheon erobert – „Es ist was es ist…“ Vertrackter ist da schon das Selbstverständnis des Dichters:…

Mit einer handfesten (wiewohl entzückenden) Tautologie hat Erich Fried sich seinen Platz im deutschen Lyrik-Pantheon erobert – „Es ist was es ist…

Vertrackter ist da schon das Selbstverständnis des Dichters: ein Jude, aber kein religiöser; ein Österreicher, auch noch nach Jahrzehnten des Exils, aber ein „deutscher Schriftsteller“ –

Ich habe immer nur deutsch geschrieben. Deutsch, nicht österreichisch. Ich glaube nicht, dass es eine wesentlich österreichische Literatur im Gegensatz zur deutschen Literatur geben kann …

Ein Versuch, Farbe zu bekennen. In: E. Fried: Anfragen und Nachreden. Politische Texte. Hg. v. V. Kaukoreit. Berlin 1994. S. 25.

Erich Fried (aus: 'Altes Land, neues Land ... Texte zum Erich Fried Symposium 1999, Wien 1999)

Geboren 1921 in Wien begann Frieds literarische Karriere im englischen Exil (ein erster Lyrik-Band erschien 1944); an deren Ende (mit dem Tod des Dichters 1988) steht Fried der Büchnerpreisträger, Ehrendoktor und vielzitierte Klassiker moderner Liebeslyrik.

Abseits derselben zeigen Gedichte und Prosatexte Fried freilich auch als politischen Intellektuellen, der kontroversielle Gegenwartskritik nicht scheute: an der alten Heimat Österreich –

Welcher österreichische Schriftsteller hat schon in Österreich so viel Einfluss wie in Deutschland etwa Heinrich Böll oder Günter Grass oder sogar ich? Das ist doch bedenklich.

Die Freiheit, zu sehen, wo man bleibt. In: Fried 1994. S. 198 -,

an einem „chauvinistischen“ Zionismus und politischer Unkultur verschiedenster Couleur …

IN DER HAUPTSTADT

‚Wer herrscht hier?‘
fragte ich
Sie sagten:
‚Das Volk natürlich‘

Ich sagte:
‚Natürlich das Volk
aber wer
herrscht wirklich?‘

100 Gedichte ohne Vaterland. Berlin 1978. S. 44

Erich Frieds Geburtstag jährt sich am kommenden Freitag zum 90. Mal.

Und weil’s dann doch (im besten Sinne) unvermeidlich ist – ein Fried’sches Liebesgedicht mit Herzstich-Garantie zum Schluss …

Das Leben
wäre
vielleicht einfacher
wenn ich dich
gar nicht getroffen hätte

Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung

Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet

Das Leben
wäre vielleicht
einfacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben

Nur nicht. In: E. Fried: Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte. Berlin 1996. S. 24


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Tipp der Woche: Jewish Film noir

Funny, how gentle people get with you once you’re dead … Joe Gillis in Sunset Boulevard (USA 1950/R: Billy Wilder) Freunde von pechschwarzer Kino-Unterhaltung kommen bei dieser Filmschau mit Sicherheit…

Funny, how gentle people get with you once you’re dead …

Joe Gillis in Sunset Boulevard (USA 1950/R: Billy Wilder)

Freunde von pechschwarzer Kino-Unterhaltung kommen bei dieser Filmschau mit Sicherheit auf ihre Kosten … –

Credit: Jüdischer Filmclub Wien, Jewish Film Noir

Der Jüdische Filmclub Wien präsentiert ab kommenden Sonntag Noir-Klassiker des deutschen und amerikanischen Kinos, freilich mit gehöriger (exil-)österreichischer Beteiligung:


Unser Tipp der Woche:

Jewish Film Noir. Filmschau des Jüdischen Filmclubs Wien. 3. bis 7. April, Metro Kino

Details zum Programm finden Sie auf der Website des Jüdischen Filmclubs.

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Kopf der Woche – Leonard Nimoy

Der Vater Inhaber eines Frisörsalons, die Mutter Hausfrau – der Sohn ein weltberühmter Raumschiffoffizier mit grünem Blut und spitzen Ohren. So kann’s gehen, zumindest wenn man Leonard Nimoy heißt und…

Der Vater Inhaber eines Frisörsalons, die Mutter Hausfrau – der Sohn ein weltberühmter Raumschiffoffizier mit grünem Blut und spitzen Ohren. So kann’s gehen, zumindest wenn man Leonard Nimoy heißt und als Mister Spock Fernsehgeschichte schreibt.

In 79 „Enterprise“-Folgen (von 1966 bis 1969) verkörperte Nimoy, der aus einer orthodox-jüdischen Bostoner Familie stammt, den super-rationalen Wissenschaftsoffizier, halb Mensch, halb Vulkanier; zahllose Film- und Fernsehrollen folgten, vom „Columbo“-Mörder bis zum Gastauftritt bei den „Simpsons“.

Live long and prosper“ – Grüße von Mister Spock

Sein Judentum hat Nimoy bekanntlich auch für sein „Star Strek“-Alter-Ego Spock fruchtbar gemacht: Der von Spock vollführte „vulkanische Gruß“ (s. den obigen Ausschnitt) variiert die Handhaltung der Kohanim (hebr. Priester) beim priesterlichen Segen (Birkat haKohanim), wie er Nimoy aus den Gottesdiensten seiner Kindheit geläufig war. Der Kohen segnet die Gemeinde, die Finger beider Hände in Spock-Manier gespreizt, und spricht dabei die Worte aus 4 Mose 6,24ff.:

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.


Wie jüdisch ist das „Star Trek“-Universum? Mister Spock gibt Auskunft – und erklärt sehr anschaulich Herkunft und Hintergründe des Vulkanier-Grußes …

Leonard Nimoy feiert am 26. März seinen 80. Geburtstag.

Übrigens: Wer sich eher für Captain Kirk als für Mister Spock begeistern kann, hat dieser Tage gleichfalls Grund zu feiern – William Shatner (der aus einer kanadisch-jüdischen Familie stammt) feierte seinen 80er am vergangenen Dienstag.


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Web-Tipp der Woche: Tour durch Jerusalem

Lust auf einen Online-Rundgang durch Jerusalem? Eine neue Website der Jerusalem Development Authority macht’s möglich und führt in 15 sehenswerten Video-Touren kreuz und quer durch die Jerusalemer Altstadt: Von den…

Lust auf einen Online-Rundgang durch Jerusalem?

Eine neue Website der Jerusalem Development Authority macht’s möglich und führt in 15 sehenswerten Video-Touren kreuz und quer durch die Jerusalemer Altstadt: Von den Stadttoren zur Westmauer, in die Jerusalemer Suks, auf die Stadtmauern und durch das jüdische Viertel …


Udpate 04. Jänner 2018: Die hier beschriebene Website gibt es leider nicht mehr!

Wer da auf den Geschmack gekommen ist und Jerusalem in natura besichtigen will, wird ebenfalls fündig: download-bare (und entsprechend transportable) MP3-Dateien samt detaillierter Karten und vielen weiteren Infos führen die BesucherInnen in nahezu jeden Altstadt-Winkel.

Unser Web-Tipp der Woche:

Old City Jerusalem

Entdeckt in der „Jüdischen Allgemeinen


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Bild der Woche – Mazzesinsel

Graffito am Karmelitermarkt, Wien II Ungewöhnliche politische Forderungen finden sich aktuell auf mehr und mehr Leopoldstädter Hauswänden … Urheber und Hintergründe der Aktion bleiben einigermaßen mysteriös – Blogger B. Licht…

Graffito am Karmelitermarkt, Wien II



Ungewöhnliche politische Forderungen finden sich aktuell auf mehr und mehr Leopoldstädter Hauswänden …

Urheber und Hintergründe der Aktion bleiben einigermaßen mysteriös – Blogger B. Licht hat in seinem Artikel „Jüdischer Widerstand per Hauswand“ die wenigen verfügbaren Informationen über die „Yiddish Resistance“ gesammelt und präsentiert deren weitere Graffitis …

Für jene unserer LeserInnen, die mit den Wiener Verhältnissen vielleicht nicht so vertraut sind: Der Begriff „Mazzesinsel“ ist eine volkstümliche Bezeichnung für Wiens zweiten Bezirk, eben die Leopoldstadt, die auf die große jüdische Vergangenheit (und teils Gegenwart) des Orts anspielt (Mazzes = das ungesäuerte Brot des Pesachfestes).



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