Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Christopher Meiller

Bild der Woche – Martin-Buber-Geburtshaus

Bubers Geburtshaus, Wien, Franz-Josefs-Kai 45 Als Martin Buber 1896 zwecks Studium von Lemberg nach Wien übersiedelt, ist ihm die Stadt keineswegs gänzlich fremd: Zwar hatte Buber größte Teile seiner Kindheit…

Bubers Geburtshaus, Wien, Franz-Josefs-Kai 45


Als Martin Buber 1896 zwecks Studium von Lemberg nach Wien übersiedelt, ist ihm die Stadt keineswegs gänzlich fremd: Zwar hatte Buber größte Teile seiner Kindheit in Galizien verbracht, zur Welt gekommen aber war er 1878 eben in Wien. Es ist also die „Stadt meiner Geburt und frühesten Kindheit“, in die Buber 18-jährig zurückkehrt – und sich übrigens vom Vorlesungsbetrieb an der Wiener Universität weit weniger beeindruckt zeigt als vom Spielbetrieb des Wiener Burgtheaters …

In Bubers Rückschau erscheint besagte Rückkehr nach Wien überdies stark philosophisch-poetisch aufgeladen:

Die losen, flächigen Erinnerungsbilder schienen aus dem großen körperhaften Zusammenhang wie Scheibchen einer magischen Laterne hervor, aber auch manche Gegend, die ich nicht gesehen haben konnte, sprach mich als Bekanntes an. Die heimatliche Fremde lehrte einen täglich, wiewohl in noch undeutlicher Sprache, dass man die Welt anzunehmen und sich von ihr annehmen zu lassen habe, sie nämlich sei bereit …

Begegnung. Autobiographische Fragmente. 4. Aufl. Heidelberg 1986. S. 32.

Bubers Geburtstag, der 8. Februar, jährt sich in der kommenden Woche.



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Kopf der Woche – Jascha Heifetz

2011 ist ein Jahr der runden Musiker-Geburtstage: „Jewish Elvis“ Neil Diamond feierte dieser Tage seinen 70er, Mr. Robert Zimmermann folgt (gleichfalls mit seinem 70er) im Mai. 40 Jahre vor Diamond…

2011 ist ein Jahr der runden Musiker-Geburtstage: „Jewish Elvis“ Neil Diamond feierte dieser Tage seinen 70er, Mr. Robert Zimmermann folgt (gleichfalls mit seinem 70er) im Mai.

40 Jahre vor Diamond und Dylan wiederum, genau am 2. Februar 1901, wurde ein Klassiker ganz anderer Art geboren: Jascha Heifetz, litauisch-amerikanische Geiger-Legende.

Heifetz, von seinen Biographen regelmäßig mit krönenden Superlativen aller Art belegt („bestbezahlter“, „berühmtester“ etc. Geiger seiner Zeit/aller Zeiten), begann seine Langzeit-Karriere als Wilnaer Geigen-Wunderkind: Zunächst vom Vater unterrichtet gab er als 7-jähriger sein Konzertdebüt; für das Jahr 1911 – Heifetz ist gerade zehn – ist ein Auftritt vor 25.000 hemmungslos begeisterten Zuhörern überliefert, deren Heifetz-Hysterie gar polizeiliches Einschreiten erforderlich gemacht haben soll (eigenartigerweise wird die Szene von einigen Quellen in Odessa, von anderen in St. Petersburg angesiedelt).

In dieselbe Zeit fallen Heifetz‘ erste Platten-Aufnahmen. 1917 folgt die Emigration in die USA – und schließlich eine fast 7 Jahrzehnte währende Konzert-, Tournee- und Platten-Karriere …

Jascha Heifetz starb im Dezember 1987 in Los Angeles.

(vgl. zu Heifetz‘ – teils recht widersprüchlich überlieferten – Biographie auch: H. Eggebrecht: Große Geiger. Kreisler, Heifetz, Oistrach, Muter, Hahn & Co. München: Piper 2000. S. 337-349, sowie Heifetz‘ offizielle Website: jaschaheifetz.com)



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Kopf der Woche – Bruno Kreisky

Kreisky-Büste im Bruno-Kreisky-Park in Wien V Wer könnte sich dieser Tage besser dazu eignen, unsere neue (und hiermit eingeläutete) „Kopf der Woche“-Reihe zu eröffnen als er: Bruno Kreisky, österreichischer Langzeit-Kanzler…

Kreisky-Büste im Bruno-Kreisky-Park in Wien V


Wer könnte sich dieser Tage besser dazu eignen, unsere neue (und hiermit eingeläutete) „Kopf der Woche“-Reihe zu eröffnen als er: Bruno Kreisky, österreichischer Langzeit-Kanzler und 100er-Jubilar.

Kreisky, heute irgendwo zwischen überlebensgroßem Kanzler-Ideal und ultimativem Politik-Reibebaum angesiedelt, wurde am 22. Jänner 1911 als zweitältester Sohn einer Wiener jüdischen Familie geboren.

Kreiskys Stellungnahmen zu dieser seiner „jüdischen Herkunft“ fallen freilich – wenn er auch nachdrücklich versicherte, er versuche keineswegs,

mich meines Judentums zu entledigen

Bruno Kreisky: Zwischen den Zeiten. Der Memoiren erster Teil. Wien/München: Kremayr & Scheriau 2000. S. 86

– nicht selten eigenartig schillernd aus (nicht zu reden von Kreiskys kritischer Einstellung zum Zionismus und dem Konflikt mit Simon Wiesenthal).

Beispiel gefällig?

Was ist nun von meiner Beziehung zum Judentum übriggeblieben? Primär ein wichtiges Gefühl, nämlich dass man seine Herkunft nicht verleugnen soll, besonders dann nicht, wenn man aus einer Gemeinschaft stammt, die von anderen als inferior betrachtet wird oder derentwillen man in irgendeiner Weise Unannehmlichkeiten ausgesetzt sein könnte. Man soll also so wenig sein Judentum verleugnen, wie man etwa in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sein Deutschtum verleugnen sollte, oder wie man etwa leugnen sollte, katholisch zu sein in Ländern, in denen der Katholizismus Verfolgungen ausgesetzt ist, so wie man sich auch nicht scheuen sollte, einzuräumen, dass man der Sohn oder die Tochter einer Prostituierten ist, auch das dürfte kein Grund sein, sich zu schämen … So ist für mich der Umstand, dass ich aus dem Judentum komme, keineswegs mit einer Empfindung der Deklassierung gegenüber meinen christlichen Mitbürgern verbunden … Ich habe allerdings außer diesem Gefühl, dass man sich von seiner eigenen Herkunft nicht dispensieren kann, darf und soll, kein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Bruno Kreisky: Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil. Wien/München: Kremayr & Scheriau 2000. S. 192

Kleines PS in eigener Sache: Unsere Serie „Bild der Woche“ wird selbstverständlich fortgeführt, nur eben ergänzt um die Kategorien „Kopf der Woche“ und (Web- bzw. Veranstaltungs-)“Tipp der Woche“, die sich in Zukunft in loser Folge abwechseln werden.



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Bilder der Woche – Herodes

… Bergfestung Masada am Toten Meer … Er ist der Bösewicht und Kinderschreck der christlichen Weihnachtsgeschichte: Herodes der Große (ca. 73-4 v.d.Z.), dem das Matthäusevangelium nachsagt, er habe, in Sorge…

… Bergfestung Masada am Toten Meer …


Er ist der Bösewicht und Kinderschreck der christlichen Weihnachtsgeschichte: Herodes der Große (ca. 73-4 v.d.Z.), dem das Matthäusevangelium nachsagt, er habe, in Sorge um den Fortbestand seines Königtums,

in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten [lassen].

(Mt 2,16)

Auch abseits des (historisch ohnehin sehr fragwürdigen) Kindermords erscheint der idumäisch-stämmige König von Roms Gnaden als eher zweifelhafter Zeitgenosse:

Wie kaum ein anderer war er nach außen hin vom Glücke begünstigt

so fasst der jüdische Historiker Flavius Josephus (Geschichte des Jüdischen Krieges. I, 33, 8. Übers. v. H. Clementz) die herodianische Herrschaft zusammen, immerhin

war er in den Besitz eines Königreiches gelangt und konnte es nach langjähriger Regierung eigenen Kindern hinterlassen; nur in seinem Familienleben traf ihn Unglück über Unglück

– familieninterne Hinrichtungen von Gattin und Söhnen inklusive, nicht zu reden von allerlei politischen und religiösen Querelen.
Fairerweise muss allerdings gesagt werden: Mindestens ebenso dauerhaft wie sein schlechter Leumund sind die prächtigen Bauwerke des Herodes bzw. ihre Überreste, die – Kindermord hin oder her – bis heute Massen an schaulustigen Besuchern anziehen: von der …

Umfassungsmauer ('Westmauer') des Jerusalemer Tempels

… die Umfassungsmauer („Westmauer“) des Jerusalemer Tempels, …

Monumentalbau über den Patriarchengräbern in Hebron

… den Monumentalbau über den Patriarchengräbern in Hebron und die …

Hafenstadt Caesarea

… Hafenstadt Caesarea …

Herodionspalast mit Grab des Herodes

… bis zum Herodionspalast (ca. 12 km südlich von Jerusalem), wo sich auch das (erst vor wenigen Jahren aufgespürte) Grab des Herodes befindet.

Mit dieser jüdisch-christlichen Sightseeing-Tour gehen wir für die verbleibenden Tage des alten Jahres in eine kleine Online-Pause –

Wir wünschen unseren christlichen Leserinnen & Lesern ein schönes Weihnachtsfest,
danken ganz herzlich allen leibhaftigen und virtuellen Besuchern unseres Museums im Jahr 2010, Lesern, Kommentatoren, Facebook-Freunden und Twitter-Followers,
außerdem all jenen, die zum Erfolg unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ beigetragen haben, Referenten, Teilnehmern und Gastautoren (und selbstverständlich auch allen -innen ;) ),
und wünschen uns allen einen guten Start ins Jahr 2011!

PS: Wer punkto jüdisch-christlicher Beiträge zur Weihnachtszeit auf den Geschmack gekommen ist, dem sei nochmals unser letztjähriger Artikel „Über Ochs & Esel“ ans Herz gelegt …



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Bild der Woche – Max Brod

Ich kann und muss mir … den Beinamen geben: ein Polemiker wider Willen. Es scheint mir, dass das weniger meine Schuld als die Schuld der Stadt ist, in der ich…

Ich kann und muss mir … den Beinamen geben: ein Polemiker wider Willen. Es scheint mir, dass das weniger meine Schuld als die Schuld der Stadt ist, in der ich geboren wurde und die längste Zeit meines Lebens zugebracht habe. Die Schuld Prags. Das alte österreichische Prag war eine Stadt, in der nicht nur die einzelnen gegeneinander polemisierten, sondern drei Nationen standen im Kampf gegeneinander: die Tschechen als Majorität, die Deutschen als Minorität und die Juden als Minorität innerhalb dieser Minorität. (…) Prag, die Stadt der drei Nationen, Prag, die polemische Stadt …

Max Brod: Streitbares Leben. Autobiographie. München: Kindler 1960. S. 7f.

Im Jahr 1939 vertauschte der Schriftsteller und Kafka-Herausgeber Max Brod dieses sein „polemisches“ Prag (zwangsweise) mit dem „tückisch glänzende(n) Labyrinth Tel Avivs“ (a.a.O. S. 500) …

Brod starb vor genau 42 Jahren, am 20. Dezember 1968, ebendort.

Wohnhaus Max Brods in Tel Aviv

Das Wohnhaus Max Brods in Tel Aviv, gelegen in Sichtweite des Mittelmeers, HaYarden Street 16

Apropos Todestage berühmter Schriftsteller – es bleibe nicht unerwähnt: Am kommenden Dienstag, dem 21. Dezember, jährt sich zum 75. Mal der Todestag des großen Kurt Tucholsky!



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Bild der Woche – Siegel

Zugegeben, die Arbeit an historischen Matriken kann eine recht trockene Angelegenheit sein. Umso erfreulicher ist es, wenn die Recherche, quasi nebenher, solch hübsche Fundstücke zutage bringt: das offizielle Siegel der…

Zugegeben, die Arbeit an historischen Matriken kann eine recht trockene Angelegenheit sein. Umso erfreulicher ist es, wenn die Recherche, quasi nebenher, solch hübsche Fundstücke zutage bringt: das offizielle Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf, dem man seine mehr als 100 Jahre kaum ansieht …

Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf

Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf (bitte Bild vergößern!),
Mattersdorfer Sterbematriken, Stadtarchiv Sopron,
aufgestöbert im Rahmen der Recherchen für das (aus genannten Gründen aktuell leider auf Eis liegende) Projekt der Online-Aufarbeitung des jüdischen Friedhofs Mattersburg

Beschriftung im Außenkreis: „SIG . DER . MATERSDORFER . IUDNGIMEIN“
Im Innenkreis: Davidstern mit den hebräischen Buchstaben ק מ ד = „(Heilige jüdische) Gemeinde Mattersdorf“


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