Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Wengraf Katharina, geb. Pollak – 19. Jänner 1874

Katharina (Gütl) Wengraf, geb. Pollak, 01. Schvat 634 (= Montag, 19. Jänner 1874) Die Grabinschrift Inschrift Katharina Wengraf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier ist) g(eborgen) פ“ט [2] die bescheidene…

Katharina (Gütl) Wengraf, geb. Pollak, 01. Schvat 634 (= Montag, 19. Jänner 1874)



Die Grabinschrift

Inschrift Katharina Wengraf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ“ט
[2] die bescheidene und verehrte Frau, d(ie tapfere), האשה הצנועה והנכבדת אשת
[3] F(rau), die Krone ihres Ehemanns, eine g(ottes)fürchtige Frau, חיל עטרת בעלה אשה יראת ה
[4] sie sei gepriesen, F(rau) Gütl, Tochter d(es ehrbaren) H(errn) היא תתהלל מ גיטל בת כה
[5] Ahron Pollak, אהרן פאללאק
[6] Ehefrau אשת
[7] d(es ehrbaren) H(errn) Koppl Wengraf, a(uf ihm sei der) F(rieden). כה קאפל ווענגראף עה
[8] I(hre Seele) g(ing hinweg) a(m) N(eumond)t(ag) Schvat des Jahres 634 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). ינ ברח שבט שנת תרלד לפק
[9] Der Name ihrer Mutter war Elle Pollak, a(uf ihr sei der) F(rieden). ושם אמה עללע פאללאק עה
[10] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת“נ“צ“ב“ה


Biografische Notizen

Katharina (Gütl) Wengraf, geb. Pollak, ca. 1811, Witwe aus Nikolsburg, Mähren, gest. 01. Schvat 634 = Montag, 19. Jänner 1874 mit 63 Jahren an einem organischen Herzfehler in Wien Landstraße, begraben am 21. Jänner 1874 am jüdischen Friedhof Währing, am alten Platz, Reihe 3

Eintrag Sterbebuch Katharina Wengraf, 19. Jänner 1874, Wien

Eintrag Sterbebuch Katharina Wengraf, 19. Jänner 1874, Wien


Vater: Ahron Pollak, möglicherweise noch am Leben, weil der Segenswunsch, den wir bei Ehemann und Mutter finden, hier fehlt (Zeile 5 hebräische Inschrift)
Mutter: Elle (Pollak) (weiland)

Ehemann: Koppel Wengraf (weiland)


Personenregister jüdischer Friedhof Währing


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Luria Bernhard – 24. Oktober 1904

Bernhard (Baruch) Luria, 15. Cheschwan 665 (= Montag / Monday, 24. Oktober 1904) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Kobersdorf / Location of the grave: Jewish Cemetery in Kobersdorf….

Bernhard (Baruch) Luria, 15. Cheschwan 665 (= Montag / Monday, 24. Oktober 1904)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Kobersdorf / Location of the grave: Jewish Cemetery in Kobersdorf.


Grabstein Bernhard (Baruch) Luria, 24. Oktober 1904, jüdischer Friedhof Kobersdorf

Grabstein Bernhard (Baruch) Luria, 24. Oktober 1904, jüdischer Friedhof Kobersdorf



Die Grabinschrift / The grave inscription

Inschrift Baruch Luria: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) ein teurer, vollkommener und geehrter Mann, der Rechtes tat, der Rabbinische, MORENU פנ איש יקר תמים ונכבד פעל צדק הרבני מוה
[2] Baruch, ברוך
[3] Sohn des Abraham Löb aus der Familie Luria, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). בר אברהם ליב ממשפחת לוריא ז“ל
[4] S(eine Seele) g(ing hinweg) am 15. Cheschwan 665 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). י“נ טו חשון שנת תרסה לפ“ק
[5] Baruch, der hinwegging in gutem Ruf unter seinen Bekannten. ברוך הוא שיצא בשם טוב במכריו
[6] Auf dem Weg der Rechtschaffenheit und des Guten wandelte er alle Tage seines Lebens. בדרך הישר וטוב הלך כל ימי חייו
[7] Er pflanzte und lehrte Tora und Gottesfurcht unter seinen Nachkommen. נטע ושינן תורה ויראת השם בזרעו
[8] Sein Gebot war es Liebeswerke zu tun in seiner Gemeinde. דבר הי’ לעשות גמילת חסד בעדתו
[9] Es fiel der Schmuck der Krone und die Zierde seiner Verwandten. נפלה הדרת עטרת ותפארת קרוביו
[10] Es gehen vor uns seine guten Werke und seine Untadeligkeiten. הלך לפניי מעשיו הטובים וצדקתיו
[11] Sein Andenken sei seiner ganze Familie zum Segen. זכרונו לברכה יהיה לכל משפחתו
[12] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’


Anmerkungen

Zeile 1: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 8: Üblicherweise: דבר מצוה.


Biografische Notizen

Bernhard (Baruch) Luria, geb. 03. April 1842 in Kobersdorf, gest. 15. Cheschwan 665 in ?, begraben am jüdischen Friedhof Kobersdorf. Leider konnten wir keinen Eintrag im Sterbebuch Kobersdorf finden.

Geburtseintrag Baruch Luria, 03. April 1842, Kobersdorf

Geburtseintrag Baruch Luria, 03. April 1842, Kobersdorf



Vater: Abraham Luria, Sohn der Lotty Luria, geb. ca. 1807 in Mattersdorf, gest. 31. Dezember 1887 in Kobersdorf
Mutter: Han(n)i (Luria), geh. 15. April 1841 in Mattersdorf

Ehefrau: Adelheid Rigler, geb. ca. 1849, Tochter des David Rigler aus Landsee, Hochzeit am 23. Mai 1867 in Kobersdorf. Bernhard wird als „Student“ eingetragen. Adelheid war bei der Hochzeit 18 Jahre alt.

Hochzeitseintrag Bernhard Luria und Adelheid Rigler, 23. Mai 1867, Kobersdorf

Hochzeitseintrag Bernhard Luria und Adelheid Rigler, 23. Mai 1867, Kobersdorf



Schwester von Baruch Luria: Fany Luria, geb. 15. Oktober 1843 in Kobersdorf

Geburtseintrag Fany Luria, 15. Oktober 1843, Kobersdorf

Geburtseintrag Fany Luria, 15. Oktober 1843, Kobersdorf



Bruder von Baruch Luria: Moritz (Mose Ber) Luria, geb. 01. August 1848 in Kobersdorf.

Eine ausführliche Genealogie zu Moritz Luria finden Sie unserem Artikel „Berta Luria – Family Tree„.

Über die Kategorie „Cheder“


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Hoffmann Marie – 08. April 1835

Marie (Mirjam) Hoffmann, geb. Bittner, 09. Nisan 595 (= Mittwoch, 08. April 1835) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof von Břeclav / Lundenburg, Südmähren, Tschechien. Die hebräische Grabinschrift Inschrift…

Marie (Mirjam) Hoffmann, geb. Bittner, 09. Nisan 595 (= Mittwoch, 08. April 1835)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof von Břeclav / Lundenburg, Südmähren, Tschechien.


Grabstein Maria Hoffmann, 09. Nisan 595 = 08. April 1835



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Hoffmann Marie: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Am 09. Nisan 595 n(ach der kleinen Zeitrechnung) starb und wurde begraben hier בט’ ניסן תקצה ל מתה ונקברה פה
[2] die bedeutende Frau, האשה החשובה
[3] F(rau) Mirjam, Ehefrau d(es) H(eiligen), H(errn) Henoch Hoffmann, s(ein Licht) m(öge leuchten) מ’ מרים אשת הק ה’ הענך האפמאן נ“י
[4] und Tochter d(es) H(eiligen), H(errn) Monisch Bittner, a(uf ihm sei der) F(rieden). ובת הק’ ה’ מאניש ביטנער ע“ה
[5] Die Kinder klagen über dem Grab ihrer Mutter, הבנים מקוננים על קבר אמם
[6] die über dem Joch deiner Liegestatt Klagenden ‒ und unsere Augen lasst Wasser fließen. רנני את על משכבך ‒ ועינינו יזלו מים
[7] Sicher wirst du in wahrer Ruhe weilen und uns bleibt es, die Hände über uns zu schlagen. בטח תשכני במנוחה נכונה ולנו לספוק כפים
[8] Dein Grab ist auf der Erde ‒ und du bist im Himmel. קברך בארץ ‒ ואת בשמים
[9] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’


Anmerkung

Zeile 5: Nicht ganz klar, ob הבנים mit „Söhne“ (wörtlich) oder mit „Kinder“ übersetzt werden soll.

Zeile 6: Psalm 147,18 יזלו מים.

Zeile 7: Klagelieder 2,15 ספקו עליך כפים.


Über die Kategorie „Cheder“


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Tief betrauert von seiner Gattin und seinem Sohne…

Es passiert nur hin und wieder, dass ich auf einem jüdischen Friedhof mit fast 10.000 Grabsteinen beim ersten Fotografieren einen Grabstein mit hebräischer Inschrift fotografiere (mein Fokus lag ausschließlich auf…

Es passiert nur hin und wieder, dass ich auf einem jüdischen Friedhof mit fast 10.000 Grabsteinen beim ersten Fotografieren einen Grabstein mit hebräischer Inschrift fotografiere (mein Fokus lag ausschließlich auf halbwegs lesbaren hebräischen Inschriften), den man als „lucky shot“ bezeichnen darf…

So der Grabstein von Emanuel Mendel (Menachem) Birnbaum, der am 31. Mai 1875 verstarb und am jüdischen Friedhof Währing begraben ist.

Die hebräische Inschrift hat einen deutschen Zusatz, in dem wir unter anderem lesen:

Tief betrauert
von seiner Gattin und seinem Sohne

Eine sehr simple biografisch verwertbare Angabe: dass Menachems Ehefrau bei seinem Ableben noch am Leben war und dass er nur einen Sohn hatte, keine weiteren Kinder.

Selbstverständlich wollten wir wissen, wer die Ehefrau und wer der Sohn war, vor allem weil über Menachem / Emanuel Mendel Birnbaum so gut wie nichts bekannt ist. Wir begannen zu suchen und wurden, zumindest beim Sohn, schnell fündig:

Denn der in der Grabinschrift des Vaters nicht namentlich erwähnte Sohn ist niemand Geringerer als der Publizist und Aktivst

Dr. jur. Nathan (Nachum) Birnbaum, geb. am 16. Mai 1864 in Wien (Mutter: Maria Seelenfreund, Tochter des Rabbi Schlomo Samuel Seelenfreund, aus „Kaschau in Ungarn“ (Košice in der Ostslowakei), zuständig nach Wien, geb. 24. Dezember 1836, gest. 16. März 1896 in Wien).

Mit 26 Jahren heiratet Nathan Birnbaum am 03. August 1890 in der sefardischen Gemeinde Wien die 21-jährige Rosa Korngut aus Krakau.

Interessant ist, dass beide Ehepartner sowohl Deutsch als auch Hebräisch unterschreiben. Nathan unterschreibt mit נחום בירנבוים „Nachum Birnbaum“ auf Hebräisch (Nachum ist auch der Name seines Großvaters).

Dr. Nathan Birnbaum starb am 2. April 1937 in Scheveningen (NL).

Nathan Birnbaum, der vor allem unter dem Pseudonym Mathias Acher wirkte, war

eine der geistreichsten und schillerndsten modernen jüdischen Persönlichkeiten, dessen Spur fast völlig aus dem jüdischen Bewußtsein verloren ging…

spektrum.de

Nathan Birnbaum, einer der Vereinsgründer der Kadima (das hebräische Wort „kadima“ bedeutet „vorwärts“, „nach Osten“), veröffentlichte 1893 seine Programmschrift „Die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Lande, als Mittel zur Lösung der Judenfrage. Ein Appell an die Guten und Edlen aller Nationen“ (zum Download). Obwohl die Schrift einige Parallelen zu Herzls „Judenstaat“ aufweist, ist Birnbaum, der als Vertreter des kulturellen Zionismus gilt, im Gegensatz zu Herzl auf Palästina als nationales Zentrum festgelegt.

Nathan Birnbaum, der sowohl die Begriffe „Zionismus“ als auch „Ostjudentum“ geprägt hatte, war für kurze Zeit Wegbegleiter Theodor Herzls und erster Generalsekretär der Zionistischen Organisation. Er wandte sich allerdings sehr bald vom Zionismus ab und engagierte sich vor allem für das Ostjudentum, die chassidische Kultur und die jiddische Sprache. 1908 initiierte er die erste bedeutende Weltkonferenz für die jiddische Sprache in Czernovitz, bei der er sich vor allem für die Anerkennung des Jiddischen als Einheits- und Weltsprache des Judentums einsetzte. 1919 gehörte Nathan Birnbaum zu den Neugründern der Agudat Israel, der ultra-religiösen Bewegung der Orthodoxie, und wurde ihr erster Generalsekretär.

Hillel Zeitlin und Nathan Birnbaum, YIVO

Hillel Zeitlin und Nathan Birnbaum, Copyright: https://yivoencyclopedia.org/article.aspx/Birnbaum_Nathan



Das Bild zeigt Dr. Nathan Birnbaum (rechts) und Hillel Zeitlin. Zeitlin, 1871/72 in Korma, Gouvernement Mogiljow, Russisches Kaiserreich, geboren, war hebräischer und jiddischer Schriftsteller. Im Alter von 71 Jahren wurde er 1942 sowie seine beinahe gesamte Familie (nur Sohn Aaron überlebte) im Warschauer Ghetto ermordet (Schoa-Opfer), in den Händen den Zohar, eingehüllt in Tallit und mit angelegten Gebetsriemen.

Das Ehepaar Dr. Nathan Birnbaum und Rosa Korngut hatte 3 Söhne:

Dr. Salomon Ascher Birnbaum, geb. 24. Dezember 1891 in Wien,
Sprachwissenschaftler für hebräische und jiddische Sprache, gest. 28. Dezember 1889 in New York

Menachem Birnbaum, geb. 13. März 1893 in Wien, jüdischer Buchkünstler, Porträtzeichner und Buchillustrator, wie seine Ehefrau Ernestine / Tina (Esther), geb. Helfmann und seine beiden Kinder Rafael Zvi und Chana ermordet 1945 in Auschwitz (Schoa-Opfer)

Uriel Birnbaum, geb. 13. November 1894 in Wien, Maler und Schriftsteller, gest. 09. Dezember 1956 in Amersfoort (NL). Zu den Glanzpunkten seines Werkes zählt der sogenannte Moses-Zyklus, dessen Originalbilder leider verschollen sind. Im Auditorium unseres Museums sind aber alle 50 Bilder des Zyklus reproduziert ausgestellt:


Quellen:

Dethloff Klaus, Theodor Herzl oder Der Moses des Fin de siècle, Wien 1986, 60.

Birnbaum Nathan, yivoencylopedia

Juden als Erfinder und Entdecker (hagalil.com)

Metzler Lexikon jüdischer Philosophen: Nathan Birnbaum

Siehe auch die teils umfangreichen Literaturverweise auf den zitierten Websites!

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