Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Stock / Schaier Gertrude, geb. Schwarz – 06. November 2017

Die hebräische Grabinschrift Inschrift Gerty Schwarz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] … und backe Torten. …ועשי עגות: [2] (Genesis 18,6) (בראשית חי,ו) Anmerkung: Im biblischen Kontext natürlich: “…und backe Brote…


Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Gerty Schwarz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] … und backe Torten. …ועשי עגות:
[2] (Genesis 18,6) (בראשית חי,ו)


Anmerkung:

Im biblischen Kontext natürlich: “…und backe Brote bzw. Brotfladen”. Das Zitat wurde bewusst gewählt, weil das hebräische Wort עוגה heute “Kuchen” bedeutet und somit darauf hingewiesen werden soll, dass die Verstorbene besonders gastfreundlich war und zu jeder nur erdenklichen Gelegenheit zumindest eine Torte, meistens zwei, gebacken hat.

Das Zitat ist aus der biblischen Geschichte “Abraham und die 3 Engel in Mamre“, hier der Kontext Genesis 18,1-6:

Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre, während er bei der Hitze des Tages am Eingang des Zeltes saß. Er erhob seine Augen und schaute auf, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Als er sie sah, lief er ihnen vom Eingang des Zeltes aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, geh doch nciht an deinem Knecht vorüber! Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen brot holen, dann könnt ihr euer Herz stärken, danach mögt ihr weiterziehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast! Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Knete es und backe Brot(fladen)!


Biografische Notizen

Gertrude (Gerty) Schwarz, geb. 21. November 1918 in Wien, gest. 06. November 2017 in Triest, begraben am jüdischen Friedhof Triest

Vater: Aba Schwarz, Kaufmann, geb. 01. Juni 1891 in Losiach (Ukraine), Sohn des Nussin Fischbach und der Ester Schwarz
Mutter: Anna Geiringer, geb. 01. September 1896 in Fridek Mistek, Tochter des Ferdinand Viktor Geiringer und der Isabella, geb. Brückner

Geburtseintrag Wien, Gertrude Maria Schwarz, 21. November 1918

Geburtseintrag Wien, Gertrude Maria Schwarz, 21. November 1918



1. Ehemann: Guido Stock, geb. 19. August 1904, gest. 24. Juni 1992 in Kitzbühel, Österreich
2. Ehemann: Hermann Schaier

Töchter von Guido Stock und Gertrude (Gerty) Schwarz: Adriana Stock, verh. Vigier, geb. 06. August 1941
Marina Stock, verh. Rebora, geb. 01. Juli 1940
Söhne von Guido Stock und Gertude (Gerty) Schwarz: Oliviero Stock, geb 05. Mai 1950, und Lionello Stock, geb. 14. Februar 1945



Vielen Dank an Ruth Schwarz für die Zuverfügungstellung der Fotos sowie für manche Information und vielen Dank an Oliviero Stock für die Erlaubnis, die Fotos online stellen zu dürfen!

Personenregister jüdischer Friedhof Triest


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Kohn Josef – 25. August 1834

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Josef Kohn, 20. Av 594 (= Montag, 25. August 1834) ’ Die Grabinschrift Inschrift Josef Kohn: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט [2]…

Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Josef Kohn, 20. Av 594 (= Montag, 25. August 1834)




Die Grabinschrift

Inschrift Josef Kohn: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] ein aufrechter und tugendhafter Mann. איש ישר וכשר
[3] Er ging auf dem Weg der Rechtschaffenheit, הלך בדרך הישר
[4] frühmorgends und abends (ging er) i(n die) S(ynagoge). משכים ומעריב לב’ה’כ
[5] D(er ehrbare) H(err) Josef, Sohn d(es ehrbaren) H(errn) Hersch Katz, כ’ה יוסף בן כ’ה מרש כץ
[6] s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), a(us) N(ikols)b(urg). ז’ל מנש
[7] S(eine Seele) g(ing hinweg) am Montag, 20. Menachem Av י’נ ביום ב’ כ’ מנחם אב
[8] im Jahr 594 n(ach der kleinen Zeitrechnung). בשנת ת’ק’צ’ד’ לפק
[9] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’
[10] Hier ruhet Herr
[11] Josef Kohn
[12] Friede seiner Asche


Anmerkung

Zeile 5: “K(a)tz” ist die Abbrevierung für כהן צדק, “Hohepriester”.


Biografische Notizen

Josef Kohn, geb. ca. 1794, Handelsmann aus Nikolsburg in Mähren, verheiratet, gest. 20. Menachem Av 594 = Montag, 25. August 1834 um 05 Uhr morgens mit 40 Jahren im israelitischen Spital, Wien, Rossau Nr. 50 an Gedärmbrand infolge einer organischen Gedärmverengung, begraben 26. August 1834 um 16 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, Leichenzeichen, lt. Gräberbuch alte Nr.: 2341, neu: Gruppe 7, Nr. 139

Vater (weiland): Hersch Katz aus Nikolsburg in Mähren. Siehe oben Anmerkung zu Zeile 5.


Personenregister jüdischer Friedhof Währing


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Heute ist Sonntag, der 8. Tevet 383…

Der Beitragstitel ist ein Zitat aus der Grabinschrift des ältesten jüdischen Grabsteins von Ebenfurth vom 11. Dezember 1622. Ein Sensationsfund: 28 Grabsteine und Grabstein-Fragmente in Ebenfurth Überblicksseite 28 Grabsteine und…

Der Beitragstitel ist ein Zitat aus der Grabinschrift des ältesten jüdischen Grabsteins von Ebenfurth vom 11. Dezember 1622.


Ein Sensationsfund: 28 Grabsteine und Grabstein-Fragmente in Ebenfurth


Landesrabbiner Schlomo Hofmeister

Landesrabbiner Schlomo Hofmeister beim Besichtigen der Grabsteine im Schloss Ebenfurth


Anfang 2020 wurden bei Renovierungsarbeiten im Schloss Ebenfurth im Fundament einer Mauer, die als Schutz gegen den osmanischen Vormarsch 1683 errichtet worden war, 28 jüdische Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Der älteste Grabstein hat das Sterbedatum 8. Tevet 383 = 11. Dezember 1622. Der Fund darf jedenfalls als Sensation bezeichnet werden, da bis dato nicht bekannt war, dass diese Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente aus der Blütezeit der jüdischen Gemeinde Ebenfurth noch existieren.

Restaurierte Mauer im Schloss Ebenfurth, in deren Fundament die 28 jüdischen Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente 2020 gefunden wurden

Restaurierte Mauer im Schloss Ebenfurth, in deren Fundament die 28 jüdischen Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente 2020 gefunden wurden



Zur Geschichte der Juden in Ebenfurth

Als 1994 das Gebäude der ehemaligen Synagoge von Ebenfurth geschleift wurde, begannen auch die Recherchen zur jüdischen Geschichte der Stadt.[1]
Die Synagoge befand sich am Annaplatz, später das Häuschen des Schuhmachers Mayer, mitten im jüdischen Viertel.[2] Ein Toreingang zur Synagoge mit dem hebräischen Zitat “Dies ist das Tor zum Herrn, Gerechte werden dahin eintreten” (Psalm 118,20 als Notarikon ז”ה”ל”ייצ”י”ב”) konnte gerettet und renoviert werden.

Möglicherweise befand sich bereits im Mittelalter, vor der sogenannten “Wiener Gesera“, der vollständigen Vernichtung bzw. Vertreibung der Juden aus dem Herzogtum Österreich, eine jüdische Gemeinde in Ebenfurth.

Die Wiederbesiedlung dauerte jedenfalls sehr lange, erst die Ausweisungen aus den Herzogtümern Steiermark und Kärnten 1496/97 führten zu einer neuerlichen Ansiedlung von Juden in Österreich unter der Enns. Mit kaiserlicher Erlaubnis ließen sich jene Juden, die nicht nach Görz, Triest oder Istrien bzw. nach Ungarn, Böhmen und Mähren gezogen waren, zunächst in der ungarischen Grenzregion auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes nieder, wenig später auch in Niederösterreich. 1614 sind erstmals Juden in Ebenfurth belegt.[3]

Zwischen 1652 und 1671 war Ebenfurth die größte jüdische Gemeinde von insgesamt 48 jüdischen Gemeinden in Niederösterreich. Das Urbar der Herrschaft Ebenfurth aus 1644 (HKA, Urbar Nr. 944) zählt in der Stadt 25 Häuser auf, die von Juden bewohnt werden. 1652, 1662 und 1666 sind in Ebenfurth 24 jüdische Familien registriert, 1669 sind es sogar 45 Familien. Den Grund für das in nur drei Jahren starke Anwachsen der jüdischen Bevölkerung kennen wir nicht, die jüdische Bevölkerung stellte damals jedenfalls etwa 20-30% der Ebenfurther Bevölkerung.

Die Ebenfurther Juden waren vor allem im Münzwesen tätig, Handwerk und ähnliche Tätigkeiten waren den Juden verboten.

…in einem Bericht des Hofkammerarchivs vom 28. 4. 1622 wird über ‘Gold, Silber, Groschen, Halbpazen in den Truchen’ von Israel Marxen und dem Salomon, beide ‘Judt von Ebenfurth’ berichtet… Ein Deputierter der Landjuden war ein ‘Phöbus aus Ebenfurth’, der um 1666 für die Steueraufteilung mitverantwortlich war. Weiters wird in einer Abrechnung vom 24. Juli 1662 ein Schätzungsdeputierter ‘H. Feibisch Ebenfurter Judt dem Herrn Unverzagt gehörig’ genannt. Die Steuerbemessung am 3. 8. 1662 war: 116 Gulden 24 Kr, der Rest war am 17.4. 1663 in der gleichen Summe fällig.[4]

Am 26. August 1671 begann die Vertreibung der Ebenfurther Juden, ab 1671 haben wir kaum noch Informationen über jüdisches Leben in der Stadt. Erst nach 1867 siedelten sich einige Familien wieder in Ebenfurth an.

Der sogenannte Anschluss im März 1938 besiegelte den Anfang vom endgültigen Aus jeden jüdischen Lebens in Ebenfurth, 1941 waren in Ebenfurth 47 Juden unbekannter Herkunft Zwangsarbeiter der Gutsverwaltung.


[1] Philapitsch Anton, Die Juden in Ebenfurth, in: David, 7. Jahrgang, Nr. 26, September 1995, 12f. [Zurück zum Text (1)]

[2] Glatz Sandra, Synagogen des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Raum Niederösterreich. Virtuelle Rekonstruktion der Synagogen von Oberwaltersdorf und Ebenfurth (Diplomarbeit), Wien 2013, S. 60ff; Genée Pierre, Synagogen in Österreich, Wien 1992, 40. [Zurück zum Text (2)]

[3] Brugger Eveline, Keil Martha u.a., Geschichte der Juden in Österreich, Wien 2013, 237ff; Staudinger Barbara, Gantze Dörffer voll Juden, Wien 2005, bes. 93 [Zurück zum Text (3)]

[4] Philapitsch Anton, Die Juden in Ebenfurth, in: David, 7. Jahrgang, Nr. 26, September 1995, 12f. 1581 wurde Ebenfurth Pfandbesitz der Herren von Unverzagt, 1589 erwarben sie durch Kauf die Stadt, die sie 1747 an Leopold Suttner v. Gundacker weiter verkauften. In ihre Zeit fiel die Gründung der jüdischen Gemeinde, das Schloss erhielt sein heutiges Aussehen. [Zurück zum Text (4)]



Obwohl aus jüdischer Sicht sozusagen off-topic, darf ein fast unglaublicher Netzfund hier auch noch erwähnt werden: Die einzig erhaltene Tonaufnahme der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (als Tante Boulotte) im Schloss Ebenfurth, am 23. Mai 1904. Danke Silvia Freudensprung-Schöll für Fund und Hinweis!



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Elieser, Sohn des Abraham Mose – 11. Dezember 1622

Elieser, Sohn des Abraham Mose, 08. Tevet 383 (= Sonntag, 11. Dezember 1622) Die Grabinschrift Elieser 1622: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung ’ [1] Heute ist Sonntag, der 8. Tag im…

Elieser, Sohn des Abraham Mose, 08. Tevet 383 (= Sonntag, 11. Dezember 1622)

Grabstein Elieser, Sohn des Abraham Mose, 08. Tevet 383 = Sonntag, 11. Dezember 1622

Grabstein Elieser, Sohn des Abraham Mose, 08. Tevet 383 = Sonntag, 11. Dezember 1622



Die Grabinschrift

Elieser 1622: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Heute ist Sonntag, der 8. Tag im Monat היום יום א ח ימים בחדש
[2] Tevet 383 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). Es ging in seine Welt טבת שפג לפק הלך לעולמ’
[3] Elieser, S(ohn des) H(errn) Abraham Mose, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). אליעזר ב”ר אברהם משה ז”ל
[4] Hier ist geborgen ein rechtschaffener und getreuer Mann, פה נטמן איש ישר ונאמן
[5] wie Kalkol, Darda, Heman [und Etan]. ככלכל ודרדע והימן [ואיתן]
[6] Sein Gebet verrichtete er in Andacht, er beschäftigte sich ותפלתו עשה בכון ועסק
[7] mit der Tora und mit Liebeswerken. בתורה ובגמילות חסדים
[8] Von seinem Brot gab er den Bedürftigen und Armen. מפתו נתן לאביונים ולענים
[9] Sein Verdienst wird auf ewig bestehen, bis zum Kommen זכותו יעמד לעד עד ביאת
[10] des Sohnes Davids. S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). בן דוד ת”נ”צ”ב”ה”


Anmerkungen

Zeile 3: Ligatur von א und ל in אליעזר.

Zeile 5: 1 Könige 5,11 und 1 Chronik 2,6 איתן (הזרחי) והימן וכלכל ודרדע “(Und er [Salomon] war weiser als alle Menschen, auch weiser als) Etan, (der Esrachiter,) Heman, Kalkol und Darda, (die Söhne Mahols, und war berühmt unter allen Völkern ringsum). איתן “Etan” bedeutet auch “stark, kräftig”, הימן “Heman” ist in der Bibel mehrfach belegt als berühmter Weiser und als leivitischer Sänger (z.B. Psalm 88,1). Jedenfalls soll das Zitat zweifelsohne die große Weisheit von Elieser belegen.

Sehr wahrscheinlich ist das letzte Wort der Zeile “Etan”. Obwohl nur das ו und das ן zu sehen sind, legt es der Bibelvers nahe. Im babylonischen Talmud und bei Raschi wird Etan mit Abraham gleichgesetzt, etwa Traktat Bava Batra 15a, wo es heißt: איתן האזרחי זה הוא אברהם “Etan, der Esrachiter, das ist Abraham” (Danke Claudia Markovits Krempke für den Hinweis!). Elieser ist der Sohn von Abraham!

Ob die kunstvolle Verzierung eine Mehrfachligatur (von אית) ist, kann ich nicht mit Sicherheit beurteilen. Die Verzierung sieht aus wie die heraldische Lilie. Ob in diesem Fall dann damit Eigenschaften wie “ritterlich” etc. assoziiert werden sollen oder ob sie als Symbol für Wohlstand und Reichtum steht, muss hier ebenfalls offen bleiben.

Zeile 6: Mit בכון kann nur בכוונה gemeint sein.


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