Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Autor: Johannes Reiss

Rosch haSchana 5781

Heute ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5781. שנה טובה ומתוקה, כתיבה וחתימה טובה! Selbstverständlich haben wir…

Heute ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5781.

שנה טובה ומתוקה, כתיבה וחתימה טובה!

Selbstverständlich haben wir auch einen Neujahrs-Podcast gestaltet zum Thema “Jüdischer Kalender”.

Im folgenden Beitrag geht es um das Neujahrsfest in Eisenstadt, wie es Alfred Fürst in seinen “Sitten und Gebräuchen des Jahres” 1908 beschreibt:

Das dankbarste Feld hat der Redner [bei der Predigt im Synagogengottesdienst] stets zur Zeit der Jahreswende, da das ganze Denken und Fühlen der Gemeinde ernsteren Gedanken zugänglich ist; da das pietätvolle Besuchen der Gräber, die bußfertige Ausübung menschenfreundlicher, gottgefälliger Handlungen dem Juden ebenso ans Herz gewachsen sind, wie das rein menschliche Hoffen und Harren auf ein gutes, neues Jahr. Ein Gemisch von Zagen und Hoffen charakterisiert auch die Liturgie dieser Bußezeit. Bloß am Neujahrstage, am Gerichtstage der “Einschreibung” [d.h. das Los der Menschen wird von Gott bestimmt] überwiegt interessanterweise der so seligmachende Optimismus des Judentums. Die Schofarpredigt (vor dem Blasen der Neujahrsposaune), vor dichtgefüllter Galerie auf dem Almemor gesprochen, vermeidet es ängstlich ein strenges, strafend-ermahnendes Wort auszusprechen; bloß die Verdienste, die Wünsche der Gemeinde werden wohlwollend aufgezählt. Alles erscheint im Geiste so milde, so sanft, so verklärt licht, als wäre es ein innerer Widerschein des Gotteshauses, dessen Anblick heute wirklich bloß von Unschuld und Verklärtheit spricht. Hell, licht ist jeder Tempelschmuck: das Porocheth [Toravorhang] vor der Bundeslade, die Tischdecken und Toramäntelchen, auch die “Ständer” (Betpulte) sind mit schneeigen Servietten bedeckt; einer Schar von Engeln aber gleicht nach einem Bildes des Midrasch [nicht wissenschaftlicher Kommentar zur Bibel] ‒ die andächtige Gemeinde, in ihre linnenen Totenkleider ernst gehüllt, Frauen sogar oft ganz in Weiß. Wahrlich die Harmonie der Eintracht und Liebe steigt mit den 30 Schofartönen zum “Eigner der Liebe” empor”!

Und auch in den Familienhäusern hörst du keinen Laut der Lieblosigkeit, des Ärgers: süß ist die Sprache des neuen Jahres, süß ist der Honig, den man jetzt drei Wochen lang mit den Feiertagsbraten genießt. Die “Barches” [Weizengebäck am Schabbat] müssen bis zum Schlussfest rund geflochten sein, um die Runde des Jahres anzuzeigen, geschickte Hausfrauen backen darauf kleine Kronen, Vögelchen, auch segnend ausgebreitete Kohenitenhände [Priesterhände]. In die Suppe kommen lange, feine Nudeln, ‒ das Jahr möge lang und fein sein, Enden werden nicht gegessen, ‒ das Leben möge nicht enden, hingegen liebt man die Köpfe vom Fisch und Geflügel, ‒ man möge zum Kopf werden, nicht zum Schwanz (Oberster und Letzter). Als Gemüse kochen die Frauen gern süßes Kraut oder Rüben, ‒ das “Hab” (Haperl = Haupt vom Kraut) möge sich “mehren” (Möhren = Rüben); man vermeidet scharfe Speisen und in die Mehlspeise gibt man keine dunkle Füllung, Mohn oder Schokolade. ‒ Ist dieses Menü verspeist, gönnt sich der Fromme Mann kein Schlummerstündchen, ‒ er könnte sonst das Jahr veschlafen, ‒ sondern eilt in den Tempel zu “Thillim” [Psalmen, die gesagt werden, um in dieser Zeit nichts Böses zu sprechen]. Nach dem Minchagebete [Nachmittagsgebet] aber, dessen Zeit von nun an um 4 Uhr ist, eilt Jung und Alt, Mann und Weib zum Teich in den Hofgarten, um “Taschlich” [symbolisches Sündenversenken] zu machen. Ob es bei dieser großen Toilettenparade auch noch ohne jede Kritik, ohne missgönnischen Blick abgeht!?

Aladar Alfred Ahron Fürst wurde 1877 in Eisenstadt geboren und promovierte an der Universität von Budapest zum Doktor der Philosophie. Er war 19 Jahre lang an der Hauptrealschule in Stuhlweißenburg Lehrer, ab 1921 unterrichtete er am jüdischen Knabengymnasium Budapest ungarische und deutsche Sprache. Fürst starb 1950 in Jeursalem. Veröffentlichungen: neben zahlreichen Artikeln in ungarischen und deutschen Zeitschriften erschien u.a. 1898 seine Dissertation “Gessner Salomon” und 1914 die Artikelserie “die jüdischen Realschulen Deutschlands” in der “Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums”.


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Über das Waschen der Hände

Eines der schönsten, wertvollsten und interessantesten Objekte unserer Dauerausstellung ist das aus der Judaica-Sammlung Sándor Wolfs stammende Handwaschbecken. Das Handwaschbecken, eine typische Jugendstilarbeit, unter Verwendung islamischer Ornamentik, dürfte wohl für…

Eines der schönsten, wertvollsten und interessantesten Objekte unserer Dauerausstellung ist das aus der Judaica-Sammlung Sándor Wolfs stammende Handwaschbecken.

Das Handwaschbecken, eine typische Jugendstilarbeit, unter Verwendung islamischer Ornamentik, dürfte wohl für den synagogalen Gebrauch bestimmt gewesen sein. Aus welcher Synagoge es stammt, lässt sich nicht mehr feststellen.

Synagogales Handwaschbecken, vermutlich Bezalel, 1910

Synagogales Handwaschbecken, vermutlich Bezalel, 1910; Dauerleihgabe des Landesmuseums Burgenland, Inv.Nr.: 53.223



Material(ien): Messingblech, Glasfluss gefasst, gedrückt, getrieben, punziert, gegossen.
Hergestellt: um 1910, vermutlich Bezalel
Höhe: 63 cm, Breite: 40 cm, Tiefe: 24 cm [1].

Auf der oberen Seite des Handwaschbeckens befinden sich die beiden Gesetzestafeln mit den Anfangsworten bzw. -buchstaben der 10 Gebote, flankiert von zwei Löwen, an den beiden Seiten jeweils eine Hirschkuh. Sowohl der Löwe, das Wappentier des Stammes Juda, als auch die Hirschkuh, das Wappentier des Stammes Naftali, repräsentieren ganz allgemein das Judentum. Vor allem die in Jagdszenen gerne als gejagtes Tier dargestellte Hirschkuh ist die in Sprüche Kapitel 5, Vers 19 genannte Geliebte, die zum Symbol für das trotz aller Verfolgungen Gott die Treue haltende Judentum wird.

Unmittelbar über dem eigentlichen Becken findet sich in vier Zeilen der Segensspruch über das Händewaschen in hebräischer Sprache und Schrift.

בּרוּך אתה ה’ אלהינוּ
מלך העולם אשר קדשנוּ
בּמצותיו וצונוּ על
נטילת ידים

Die Übersetzung lautet:

Gesegnet seist Du, Gott, unser Herr, König der Welt, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns auf das Waschen der Hände verpflichtet hat.

Da es eher ungewöhnlich ist, dass sich dieser Segensspruch auf einem Handwaschbecken, das für den synagogalen Gebrauch bestimmt ist, findet, soll hier näher auf Bedeutung und Verwendung dieses Segensspruches eingegangen werden.

Gesegnet seist Du, Gott, unser Herr, König der Welt

Als Segensspruch im eigentlichen Sinn wird der ‒ meist standardisierte ‒ ausgesprochene Segen, näherhin jener, mit dem die Menschen Gott loben und danken, bezeichnet. Diese Segenssprüche werden hebräisch ›Brachot‹ (Singular: ›Bracha‹) genannt und dürfen als Kernelement des jüdischen Gebetes bezeichnet werden. Denn es sind die Segenssprüche, die den Menschen zur richtigen Gottesfurcht führen, wie es im Traktat Menachot 43b des babylonischen Talmud zur Stelle 5. Buch Mose, Kapitel 10, Vers 12:

Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir …« heißt: »Rabbi Meir sagte: Der Mensch ist verpflichtet, täglich hundert Segenssprüche zu sprechen …

Die Vorschrift, täglich hundert Segenssprüche zu sprechen, finden wir auch im Schulchan Aruch (›gedeckter Tisch‹), dem für das orthodoxe Judentum maßgeblichen Gesetzeskodex des Josef ben Ephraim Karo (Erstdruck 1565), wo es heißt:

Der Mensch ist verpflichtet, jeden Tag wenigstens hundert Brachot zu sprechen; der König David hat dies angeordnet ….

Kizzur Schulchan Aruch, Basel 1978, I, Kapitel 6, § 7

Die jüdische Religion kennt drei Arten dieser Segenssprüche:

  1. jene, die vor Erfüllung einer religiösen Pflicht (hebr. ›mitzwa‹) gesprochen werden,
  2. die sogenannten Genuss-Brachot, also Segenssprüche, mit denen wir Gott für alle Dinge, die uns gut tun und die wir von ihm erhalten haben (z. B. Brot und Wein oder die Tora) danken, sowie
  3. Segenssprüche, die reine Lobpreisungen oder Danksagungen sind.

Gemeinsam allen drei Segenssprüchen sind jeweils die direkte Anrufung Gottes (Gott, unser Herr) sowie die ausdrückliche Nennung seiner Eigenschaft als Herrscher der Welt (König der Welt).

Der Segensspruch auf dem Handwaschbecken ist der erste der morgendlichen Segenssprüche und wird täglich nach den ersten Versen des Morgengebetes gesprochen. Unmittelbar auf diesen Segensspruch folgt ein Segensspruch der 2. Art (s. o.), mit dem Gott als Schöpfer des Menschen und als ›Arzt alles Fleisches und Wunder vollbringend‹ gelobt wird. Während diese ersten beiden Segenssprüche im Morgengebet Gott für die Existenz des Menschen generell danken, folgen danach mehrere Segenssprüche, mit denen Gott für die Gabe der Tora gedankt wird bzw. solche über die ›mitzwot‹, also die Verpflichtung(en), sich der Tora zu widmen sowie eine Gruppe von Segenssprüchen, mit denen der Mensch Gott dankt, dass er ihm die 613 Ge- und Verbote erteilt hat und schließlich mehrere Segenssprüche über Dinge, die dem Menschen guttun.

Da dieser Segensspruch über das Waschen der Hände eben schon zu Hause während des Morgengebetes als erster Segensspruch des ganzen Tages gesagt wird, gilt er als für den ganzen Tag gesagt und muss in der Synagoge eigentlich nicht mehr wiederholt werden.

Das Vorhandensein des Segensspruches auf unserem Objekt ist auch der Grund, warum man grundsätzlich auch an ein Handwaschbecken für den häuslichen Gebrauch denken könnte. Dagegen und doch für ein Handwaschbecken für den synagogalen Gebrauch spricht aber die Größe des Beckens und die Tatsache, dass wir doch öfter auch auf älteren Handwaschbecken für den synagogalen Gebrauch (19. und frühes 20. Jahrhundert), vornehmlich aus dem Osten, sehr wohl den Segensspruch finden.

Da kam die Zeit wo die Abendmahlzeit gehalten wird, alle standen auf um sich zu waschen, und die schöne Sara holte das große, silberne, mit getriebenen Goldfiguren reichverzierte Waschbecken, das sie jedem der Gäste vorhielt, während ihm Wasser über die Hände gegossen wurde. Als sie auch dem Rabbi diesen Dienst erwies, blinzelte ihr dieser bedeutsam mit den Augen, und schlich sich zur Türe hinaus. Die schöne Sara folgte ihm auf dem Fuße; hastig ergriff der Rabbi die Hand seines Weibes, eilig zog er sie fort, durch die dunklen Gassen Bacherachs, eilig zum Tor hinaus, auf die Landstraße, die den Rhein entlang nach Bingen führt.

Heinrich Heine, Der Rabbi von Bacherach, insel taschenbuch, Frankfurt/Main (1)1985, 22

… der uns durch seine Gebote geheiligt und uns auf das Waschen der Hände verpflichtet hat

Das Händewaschen selbst diente so wie alle anderen Reinigungsbräuche ursprünglich wohl der Abwehr von Dämonen und hatte im heißen Orient naheliegender Weise auch hygienische Gründe. Man wusch und/oder badete sich vor einem Besuch bei einem Höhergestellten, insbesondere natürlich, wenn man vor Gott erschien, um ein Opfer darzubringen (1. Buch Mose, Kapitel 35, Vers 2; 2. Buch Mose, Kapitel 30, Verse 19-21). Das Händewaschen als ausdrücklich genanntes Ritual vor und nach dem Essen findet sich erst im Neuen Testament (Matthäus, Kapitel 15, Vers 2 u. a.) sowie im Traktat Chullin des babylonischen Talmud 105a:

Das Waschen vorher und nachher ist Pflicht, das in der Mitte [also zwischen zwei Speisen, Anm. d. V.] ist freigestellt.

Heute wird der Segensspruch über das Waschen der Hände auch vor dem Essen von Speisen mit Brot verwendet, nach dem Essen müssen die Hände gewaschen werden, jedoch immer ohne Segensspruch:

… wenn das Brot die Größe eines Eies hat, sagt er Bracha über das Waschen; bei weniger als dies sagt er keine Bracha über das Waschen.

Kizzur Schulchan Aruch, Basel 1978, I, Kapitel 40, § 1

Später wurden die Vorschriften, die Hände zu waschen, auf andere Bereiche ausgedehnt, so nach dem Verrichten der Notdurft, dem Schneiden und Reinigen der Nägel, nach dem Besuch des Friedhofes, vor dem Beten etc.

Das Händewaschen morgens nach dem Erwachen hat außer der Gesundheit schätzenden Sauberkeit noch die Bestimmung, unsere Hände, und durch sie unser ganzes leibliches Wesen, das im Schlaf nur ein physisches Dasein hatte, für ein Gott dienendes tätiges Leben zu weihen. Ähnlich wie der Priester sich durch Händewaschen (2. Buch Mose, Kapitel 30, Vers 20) zum heiligen Tempeldienst zu weihen hatte.

Hirsch Samson Raphael, Israels Gebete, Basel 1992, 6

Hebräisch heißt dieses ›Händewaschen‹ נטילת ידים ›netilat jadajim‹, womit eigentlich ein Heben der Hände, nämlich

aus der niederen, bloß physischen Natur zu ihrer höheren sittlichen Bestimmung

Hirsch Samson Raphael, Israels Gebete, Basel 1992, 6

angedeutet sein soll (hebräische Wortwuzel נטל ›ntl‹). Damit geschieht mit dem Händewaschen schon konkrete Vorbereitung auf den beginnenden Gottesdienst. Lau leitet das Wort ›netila‹ vom aramäischen Wort ›natla‹ ›Gefäß‹ her und sieht darin die Aufforderung, dass das Händewaschen

nur mit einem mit sauberem Wasser gefüllten Gefäß vorgenommen werden muss…

Lau Israel Meir, Wie Juden leben. Glaube, Alltag, Feste, Gütersloh (4)1997, 7

Das vorliegende Handwaschbecken dient(e) zum Waschen der Hände vor und nach dem Synagogenbesuch, der Segensspruch wird jedoch, da schon am Morgen geschehen, nicht gesprochen:

Man soll vor dem Gebet die Hände bis zum Gelenk mit Wasser waschen (Rambam). Darum, wenn man auch seine Hände am Morgen gewaschen hat …, wenn man nachher mit den Händen irgendeine unsaubere Stelle berührt hat, das sind die Stellen, die beim Menschen bedeckt sind, an denen sich Schweißkügelchen vorfinden, oder wenn man den Kopf gerieben oder wenn man sie am Morgen nicht bis zum Gelenk gewaschen hat, muss man sie vor dem Gebet nochmals waschen. Wenn man kein Wasser hat, muss man sich danach bemühen, vier Mil (18 Minuten gleich ein Mil) weiter zu gehen (wohin man doch gehen wollte) oder ein Mil zurück. Wenn man aber fürchtet, inzwischen könnte die Zeit des Gebetes vorübergehen, reinige man seine Hände an einer Erdscholle oder mit Staub oder jeder Sache, die reinigt, und bete: ›denn es heißt (Psalm, Kapitel 26, Vers 6), ich wasche in Reinheit meine Hände … ich wasche mit Wasser, wenn es möglich ist, und wenn nicht, in Reinheit, mit jeder Sache, die reinigt‹.

Kizzur Schulchan Aruch, Basel 1978, I, Kapitel 12, § 5


[1] Die Bezalel-Akademie für Kunst und Design wurde 1906 vom Bildhauer und Maler Boris Schatz (1867-1932) in Jerusalem gegründet, bereits 1911 studierten etwa 460 Studenten an ihr. Sie wurde 1932, nach dem Tod Schatz's geschlossen und 1935 unter dem Maler und Graphiker Joseph Budko (1888-1940) als ›New Bezalel‹ wiedereröffnet. Für die kunsthistorische Analyse des Handwaschbeckens danke ich Frau Dr. Felicitas Heimann-Jelinek, Wien. [Zurück zum Text (1)]


Erstpublikation als Printversion: Johannes Reiss, Über das Waschen der Hände, in: Forscher ‒ Gestalter ‒ Vermittler. Festschrift Gerald Schlag, hrsg. von Wolfgang Gürtler und Gerhard Winkler, (WAB) Band 105, Eisenstadt 2001, 357-361.

Der Blogartikel ist eine überarbeitete Version des gedruckten Artikels.


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Abraham Pidum – 01. August 1922

Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 (= Mittwoch, 01. August 1922) Der Grabstein befindet sich in Lymira. Die Grabinschrift Inschrift Abraham Pidum: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] Gepriesen…

Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 (= Mittwoch, 01. August 1922)

Der Grabstein befindet sich in Lymira.

Grabstein Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 = Mittwoch, 01. August 1922

Grabstein Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 = Mittwoch, 01. August 1922



Die Grabinschrift

Inschrift Abraham Pidum: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Gepriesen sei der wahre Richter. ברוך דיין האמת
[2] Das Grabmal des Mannes, מצבת קבורה האיש
[3] der verstarb in seinen besten Tagen, Η(err) הנפטר במבחר ימיו כ’
[4] Abraham Pidum, אברהם פידום
[5] S(ohn) des Samuel, s(eine Ruhe) s(ei Wonne). Er war ב’ שמואל נ’ע היה
[6] aus der Stadt Rhodos, G(ott möge) d(ie Stadt) a(ufbauen). Er starb מעיר רודיס י’ע’א וימת
[7] in einem fremden Land. Seine Ehefrau und sein Sohn בארץ נכריה אשתו ובנו
[8] schrieen, denn verlassen […] hat er היו צועקים כי עזב […]
[9] uns zu unserem Seufzen. Er ging אותנו להנחות והוא הלך
[10] zur Ruhestatt am 7. Tag d(es Monats) Av למנוחות ביום לח אב 7
[11] d(es Jahres) 5682. ש 5682
[12] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצב



Anmerkungen

Zeile 1: Segensspruch als Antwort auf Tod oder Tradgödie. Genau genommen sind die Worte Teil des vollständigen Segensspruchs ברוך אתה אדני אלהינו מלך העולם דיין האמת “Gepriesen seist du Gott, unser Herr, König der Welt, der wahre Richter”.

Zeile 5: Abkürzung für נוחו עדן “seine Ruhe sei Wonne (= Eden)”, נפשו עדן “seine Seele Wonne (= Eden), oder נשמתו עדן mit derselben Bedeutung.

Zeile 6: Abkürzung für יבנה עיר אלהים .

Zeile 7: Exodus 2,22 und Exodus 18,3 בארץ נכריה .

Zeile 8b-9a: Besten Dank an Claudia Markovits Krempke für die Hilfe!

Zeile 10: Ungewöhnliche Wortstellung und Schreibung: Zu erwarten wäre etwa: ביום ז לח אב.

Zeile 12: Die Schlusseulogie ist in der Inschrift in Zeile 11 geschrieben, was natürlich keinen Sinn macht.

Headerbild: Wikipedia


Über die Kategorie “Cheder”


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Inschriften in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf

Im Gebäude der ehemaligen Synagoge Kobersdorf, die 2019 vom Land Burgenland gekauft wurde, befinden sich (unter anderem natürlich) auch folgende zwei Inschriften: Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im…

Im Gebäude der ehemaligen Synagoge Kobersdorf, die 2019 vom Land Burgenland gekauft wurde, befinden sich (unter anderem natürlich) auch folgende zwei Inschriften:

Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im Vorraum


Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über dem Handwaschbecken im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner

Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über dem Handwaschbecken im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner


Die Inschrift

Inschrift Handwaschbecken Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite deinen Altar, Herr. ארחץ בנקיון כפי ואסבבה את מזבחך יהוה


Anmerkung

Es handelt sich bei der Inschrift um ein wörtliches Zitat von Psalm 26,6.


Inschrift über der Spendenbüchse im Vorraum


Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über den beiden Spendenboxen im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner

Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über der Spendenbüchse im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner


Die Inschrift

Inschrift Spendenboxen Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] […im] Land Israel […] […ב]ארץ ישראל […]


Anmerkung

Da “im Land Israel” oder besser, schlicht “in Israel” wenig Sinn macht, außerdem es nach “Israel” so aussieht, als würde dort noch ein Buchstabe geschrieben gewesen sein, müsste sowohl vorne als auch hinten noch Text fehlen. Da ich nur die Fotos besitze, kann ich nicht beurteilen, ob die fehlenden Buchstaben bzw. Wörter eventuell freigelegt werden können.


Über die Kategorie “Cheder”


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Stock / Schaier Gertrude, geb. Schwarz – 06. November 2017

Die hebräische Grabinschrift Inschrift Gerty Schwarz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] … und backe Torten. …ועשי עגות: [2] (Genesis 18,6) (בראשית חי,ו) Anmerkung: Im biblischen Kontext natürlich: “…und backe Brote…


Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Gerty Schwarz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] … und backe Torten. …ועשי עגות:
[2] (Genesis 18,6) (בראשית חי,ו)


Anmerkung:

Im biblischen Kontext natürlich: “…und backe Brote bzw. Brotfladen”. Das Zitat wurde bewusst gewählt, weil das hebräische Wort עוגה heute “Kuchen” bedeutet und somit darauf hingewiesen werden soll, dass die Verstorbene besonders gastfreundlich war und zu jeder nur erdenklichen Gelegenheit zumindest eine Torte, meistens zwei, gebacken hat.

Das Zitat ist aus der biblischen Geschichte “Abraham und die 3 Engel in Mamre“, hier der Kontext Genesis 18,1-6:

Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre, während er bei der Hitze des Tages am Eingang des Zeltes saß. Er erhob seine Augen und schaute auf, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Als er sie sah, lief er ihnen vom Eingang des Zeltes aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, geh doch nciht an deinem Knecht vorüber! Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen brot holen, dann könnt ihr euer Herz stärken, danach mögt ihr weiterziehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast! Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Knete es und backe Brot(fladen)!


Biografische Notizen

Gertrude (Gerty) Schwarz, geb. 21. November 1918 in Wien, gest. 06. November 2017 in Triest, begraben am jüdischen Friedhof Triest

Vater: Aba Schwarz, Kaufmann, geb. 01. Juni 1891 in Losiach (Ukraine), Sohn des Nussin Fischbach und der Ester Schwarz
Mutter: Anna Geiringer, geb. 01. September 1896 in Fridek Mistek, Tochter des Ferdinand Viktor Geiringer und der Isabella, geb. Brückner

Geburtseintrag Wien, Gertrude Maria Schwarz, 21. November 1918

Geburtseintrag Wien, Gertrude Maria Schwarz, 21. November 1918



1. Ehemann: Guido Stock, geb. 19. August 1904, gest. 24. Juni 1992 in Kitzbühel, Österreich
2. Ehemann: Hermann Schaier

Töchter von Guido Stock und Gertrude (Gerty) Schwarz: Adriana Stock, verh. Vigier, geb. 06. August 1941
Marina Stock, verh. Rebora, geb. 01. Juli 1940
Söhne von Guido Stock und Gertude (Gerty) Schwarz: Oliviero Stock, geb 05. Mai 1950, und Lionello Stock, geb. 14. Februar 1945



Vielen Dank an Ruth Schwarz für die Zuverfügungstellung der Fotos sowie für manche Information und vielen Dank an Oliviero Stock für die Erlaubnis, die Fotos online stellen zu dürfen!

Personenregister jüdischer Friedhof Triest


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Kohn Josef – 25. August 1834

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Josef Kohn, 20. Av 594 (= Montag, 25. August 1834) ’ Die Grabinschrift Inschrift Josef Kohn: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט [2]…

Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Josef Kohn, 20. Av 594 (= Montag, 25. August 1834)




Die Grabinschrift

Inschrift Josef Kohn: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] ein aufrechter und tugendhafter Mann. איש ישר וכשר
[3] Er ging auf dem Weg der Rechtschaffenheit, הלך בדרך הישר
[4] frühmorgends und abends (ging er) i(n die) S(ynagoge). משכים ומעריב לב’ה’כ
[5] D(er ehrbare) H(err) Josef, Sohn d(es ehrbaren) H(errn) Hersch Katz, כ’ה יוסף בן כ’ה מרש כץ
[6] s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), a(us) N(ikols)b(urg). ז’ל מנש
[7] S(eine Seele) g(ing hinweg) am Montag, 20. Menachem Av י’נ ביום ב’ כ’ מנחם אב
[8] im Jahr 594 n(ach der kleinen Zeitrechnung). בשנת ת’ק’צ’ד’ לפק
[9] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’
[10] Hier ruhet Herr
[11] Josef Kohn
[12] Friede seiner Asche


Anmerkung

Zeile 5: “K(a)tz” ist die Abbrevierung für כהן צדק, “Hohepriester”.


Biografische Notizen

Josef Kohn, geb. ca. 1794, Handelsmann aus Nikolsburg in Mähren, verheiratet, gest. 20. Menachem Av 594 = Montag, 25. August 1834 um 05 Uhr morgens mit 40 Jahren im israelitischen Spital, Wien, Rossau Nr. 50 an Gedärmbrand infolge einer organischen Gedärmverengung, begraben 26. August 1834 um 16 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, Leichenzeichen, lt. Gräberbuch alte Nr.: 2341, neu: Gruppe 7, Nr. 139

Vater (weiland): Hersch Katz aus Nikolsburg in Mähren. Siehe oben Anmerkung zu Zeile 5.


Personenregister jüdischer Friedhof Währing


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