Koschere Melange

The blog of the Austrian Jewish Museum - ISSN 2410-6380

Category: Life and Faith

Rabbi Simon Goldberger

Ein tragisches „Follow-up“ zum Artikel über das Genisagrab in Kobersdorf Am 20. April 1938 wurden 13 Torarollen am jüdischen Friedhof von Kobersdorf begraben. An diesem 20. April wurde der Kobersdorfer…

Ein tragisches „Follow-up“ zum Artikel über das Genisagrab in Kobersdorf

Am 20. April 1938 wurden 13 Torarollen am jüdischen Friedhof von Kobersdorf begraben. An diesem 20. April wurde der Kobersdorfer Rabbiner Simon Goldberger mit seiner gesamten Familie von den Nazis verschleppt und schwerst misshandelt.

In einem Dokument im russischen Staatsarchiv (USHMMA RG 11.001M.25, reel 106 SAM 674-1-109, 55-65) finden wir einen sehr detaillierten Bericht über die schrecklichen Stunden der Familie Goldberger an der ungarischen Grenze:

In Kobersdorf (Burgenland) überfiel zur Mittagszeit eine Rotte jugendlicher SA-Leute den 30-jährigen Rabbiner des Ortes, einen mit gültigem ungarischen Pass versehenen ungarischen Staatsbürger, namens Goldberger, „beschlagnahmten“ zunächst sein ganzes Barvermögen und alles von seiner beweglichen Habe, was sich leicht und schnell verkaufen lässt, dann luden sie den Rabbiner, seine eben erst vom Wochenbett aufgestandene Gattin mit ihren drei Kindern im Alter von 3 Wochen, 1 1/2 und 3 Jahren, nebst den für die deutschen Plünderer nicht verwendbaren Möbelstücken auf ein Lastauto, fuhren mit ihrer Beute, den Menschen und dem Mobiliar bis an das nahe gelegene ungarische Grenzdorf Harka und warfen dort, etwa 300 Schritte von der ungarischen Zollwache entfernt, aber noch auf österreichischem Gebiete, während ein eisiger Schneesturm übers Land fege, auf die roheste Art Menschen und Möbel vom Auto auf die Straße herab. Der Rabbiner schleppte sich bis zum ungarischen Grenzhaus, um dort Beistand zu erbitten und dann die Grenze, wie er mit Sicherheit annahm, überschreiten zu können. Er hatte aber die Rechnung ohne die ungarische Regierung gemacht, die beinahe täglich neue Verordnungen erließ, um auch mit gültigen Pässen versehene Juden, die ungarische Staatsbürger sind, die Rückkehr ins Vaterland unmöglich zu machen. Der ungarische Grenzwächter erklärte also pflichtgemäß dem Rabbiner, jeder ungarische Jude, der sich aus Österreich nach Ungarn nicht etwa flüchten, – weshalb denn und vor wem? – sondern „begeben“ wolle, müsse außer seinem Pass noch einen vom ungarischen Konsulat in Wien ausgefertigten Erlaubnisschein zum Überschreiten der ungarischen Grenze haben.

Aber wie sollte, wie konnte sich der bereits an der Grenze stehende Mann, den die SA-Leute mit Gewalt an der Rückkehr nach Österreich hinderten, im Handumdrehen einen solchen Passierschein aus Wien verschaffen? So suchte denn Goldberger, um wenigstens sich und die Seinigen vor der Kälte und dem heulenden Schneesturm zu schützen, Zuflucht in einer unweit dem ungarischen Zollhaus gelegenen Winzerhütte, die anstatt einer Türe nur eine Öffnung im Gebälk hatte. Unter seiner Habe befand sich noch ein Leintuch, mit dem er den Lehmboden bedeckte, damit die Kinder wenigstens nicht auf dem eiskalten Boden liegen mussten. Denn inzwischen war es Abend geworden und er gedachte, die Nacht mit den Seinen in dem noch auf österreichischem Boden befindlichen Winzerhäuschen zu verbringen.

Nichts ist bekanntlich schneller als die Fama, und so wusste man denn in der nahen Grenzstadt Sopron (Oedenburg) sehr bald von den Geschehnissen beim Grenzhaus von Harka. Mildtätige Menschen schickten sofort ein Auto mit Lebensmitteln und Kissen nach Harka, das vor dem Winzerhäuschen, wenige Schritte hinter dem ungarischen Zollhaus, aber doch schon – das muss immer betont werden – auf österreichischem Gebiet Halt machen wollte; augenblicks wurde es unter gröbstem Fluchen und Schimpfen von den deutschen SA-Männern wieder über die Grenze gejagt. Dann betraten drei mit Gewehren bewaffnete SA-Leute die Hütte und herrschten den Rabbiner an: „Aufstehen, Saujud, nimm deinen Kram auf den Buckel und komm sofort heraus.“

Draußen angelangt versetzten die deutschen Helden den Rabbiner, natürlich von hinten, einen Stoß, dass Goldberger auf die Straße hinschlug, und nun traktierten die drei SA-Männer ihr wehrloses Opfer mit Kolbenstößen und Fußtritten, bis Goldberger eine Rippe gebrochen wurde und er in einen Klumpen Blut verwandelt war. Während seine Gattin die Schmerzensschreie des Rabbiners vernahm, wie eine Wahnsinnige brüllend, im Dunkel der Nacht von einem Grenzhaus zum anderen irrte, stahlen die SA-Männer die Leintücher, auf denen die Kinder lagen, mit der Bemerkung: „Judenkinder sollen auf der Erde liegen“. Inzwischen war es dem Rabbiner, wie durch ein Wunder, gelungen, seinen Peinigern zu entfliehen und sich die wenigen Schritte bis zum ungarischen Zollhaus zu schleppen, vor dem er ohnmächtig zusammenbrach. Da stand, wie aus dem Boden gewachsen, plötzlich ein Zivilist, dem die SA-Leute zuriefen: „Gib dem Juden den letzten Hieb“. Zum Glück für den Rabbiner fiel er aber gerade auf den ‚Strich‘, der Österreich von Ungarn trennt, nieder und so konnte endlich die ungarische Grenzwache, die all diese Vorgänge, bebend vor Zorn, mit angesehen hatte, aber nicht eingreifen durfte, weil sich das Ganze ja noch auf österreichischem Boden abgespielt hatte, in Aktion treten. Sie trugen den über und über mit Blut bedeckten Goldberger zunächst ins Zollhaus, wo er gelabt wurde, dann schlugen sie in unmittelbarer Nähe ein improvisiertes Zelt auf, wo sie die Familie notdürftig unterbrachten – den armen Kindern waren unterdessen Finger und Füße erfroren – ließen ärztlichen Beistand aus Sopron kommen und, sobald es sein Zustand gestattete, den Schwerverletzten und seine Familie in die Stadt schaffen.

Der Bericht endet fast so, dass man Hoffnung schöpfen könnte. In der Literatur lesen wir nur:

Hier verliert sich für uns seine Spur. Über das Schicksal der übrigen Familienmitglieder von R. Simon Goldberger ‒ Ehefrau Paula und drei Kleinkinder ‒ ist leider ebenfalls nichts bekannt.

Hausensteiner Erwin J., Die ehemalige jüdische Gemeinde Kobersdorf. Ein Buch der Erinnerung, o.J., 172f

Das Schicksal der Familie Goldberger ist aber sehr wohl bekannt:

Simon Goldberger wurde am 03. Juli 1908 als Sohn des Lipot (Leopold) Goldberger und der Rosa Berger in Mád (Ungarn) geboren. Sein Vater war Talmudist und bei der Geburt des Sohnes 27 Jahre, die Mutter 26 Jahre alt.

Geburtsanzeige Simon Goldberger, 03. Juli 1908, Mad in Ungarn

Geburtsanzeige Simon Goldberger, 03. Juli 1908, Mad in Ungarn



Seine Frau Paula (Perl) wurde am 04. September 1903 in Kobersdorf geboren als Tochter des Rabbiner-Vorgängers von Simon Goldberger, Mose Lipschütz:

Geburtseintrag Paula Lipschütz, 04. September 1903 in Kobersdorf

Geburtseintrag Paula Lipschütz, 04. September 1903 in Kobersdorf



Rabbi Simon Goldberger was in Auschwitz murdered, His wife Paula (Perl) was also in Auschwitz murdered. Auch alle drei Kinder, Lazar Goldberger, geb. 20. Mai 1935, Hermann Goldberger, geb. 08. Dezember 1936 und Isidor, geb. 25. März 1938, wurden in der Schoa ermordet.


Vielen Dank an Naomi Eisenberger-Atlani, Toronto, Kanada, für die Zurverfügungstellung von Dokumenten und die Unterstützung bei der Suche.


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Genisa-Grab in Kobersdorf – 20. April 1938

Ein bemerkenswerter Fund Dass der jüdische Friedhof Kobersdorf, zumindest auf mich, im Herbst eine besondere Faszination ausübt (siehe hier oder hier), ist kein Geheimnis. So war ich auch in den…

A remarkable find

That the Jewish cemetery Kobersdorf, at least for me, in the autumn exerts a special fascination (see here or here), Is no secret. So I was in the last two weeks twice in this cemetery, both times there was rainy and foggy weather.

Jüdischer Friedhof Kobersdorf, 25. November 2019

Jüdischer Friedhof Kobersdorf, 25. November 2019



Much is new in this cemetery. The grave stones were stripped of ivy, many inscriptions are now more readable. It has been invested in recent years, however, solely from the cemetery fund 445,000 Euros (we can, because according to law the cemetery fund, ie the public sector, only half paid for, so well start from the double total investment). were made mainly gardening works, tree care measures, stonework and a static secure the grave stones, as on the the Fund's website read is.

However, what is still missing is a documentary that captures not only the names and death dates on the grave stones, but, as far as possible, the entire inscriptions. And above all, open to the public. For the inscriptions are protected by the work carried out basically even less than before (because the "Efeudecke" is missing) and are increasingly more difficult to read.
It is completely incomprehensible that the 2009 agreed in principle and laudable Act for the preservation of Jewish cemeteries a penny for the much-needed documentation provides.

All grave stones a small leaflets have now screwed with a number, which indicates that a survey of the cemetery took place and a plan with the drawn numbers exist.


Grave stones and grave stone fragments are stacked on the front cemetery wall, which apparently were at the cemetery and (still) could not be installed. Most of these grave stones and grave stone fragments also carry numbers fortunately, can be so hopefully assumed that the original location of the stones is known. Too bad, of course, that the grave stones are sized so that it is practically impossible to realize what grave stone is or to read an inscription.

On the bottom right, we see that small grave stone fragments were collected on a separate course. And on these fragments there is unfortunately no numbers.

But among these fragments, especially one is particularly noteworthy: A grave stone fragment of a Genisa tomb (see below the Excursus on "Genisa")!

Grabsteinfragment von Genisagrab am jüdischen Friedhof Kobersdorf

Grave stone fragment of Genisagrab the Jewish cemetery Kobersdorf


Most notable because we of the present in Austria than in the Central Cemetery in 1987 established Genisagrabes know not a single Genisagrab of desecrated Torah scrolls in the Shoah.

And now we find the Jewish cemetery of Kobersdorf a grave stone fragment of the single Genisagrabes in Austria before 1945 and do not know where the grave was originally located at the cemetery!

Update 14. Jänner 2020: In dem 2015 erschienenen Buch „“ Frischman H., The Sheva Kehillos: Memories of Torah Life In The Western Hungarian Oberland Communities“ befindet sich ein Bild des noch kompletten Grabsteins (allerdings ohne Abschrift der Inschrift und ohne Übersetzung). Daher wird die Inschrift unten ergänzt.
Vielen Dank an Mag. Dieter Szorger für den Hinweis und den Bildscan!

Vollständiger Grabstein des Genisagrabes in Kobesdorf

Vollständiger Grabstein des Genisagrabes in Kobesdorf


The Hebrew inscription

Inscription Genisagrab Kobe village: Line righteous transcription and translation
[1] 3. Z (wi) SCH (s) f (eggs) t (ag) of P (esach) 698 (= 20 April 1938), Tuesday Dho"h company commander in murder
[2] as the expulsion [the Jews] to G (Ottes) Sanctuary solid took place. For exile foot D
[3] Here are hidden Here shelved
[4] 13 Torarollen, Thirteen Sfra States
[5] die Urim und Tummim, האורים והתומים
[6] als gingen ins Exil כאשר הלכו בגולה
[7] Väter und Kinder. אבות ובנים
[8] N(ach der kleinen Zeitrechnung). ל


Remarks

Line 2: Literally: "At the time of Galut (expulsion) on Pilgrimage G (Otte)".

line 3: Typo: It must of course Shelved and not Ngnzr be called.

Line 4: Literally: "Book of the Covenant". [1]

Line 5: Exodus 28,30 u.a. אורים ותמיםUrim und Tummim„. Die „Urim“ bedeuten wörtlich „Lichter“, „Tummim“ etwa „Vollkommenheit“ (Luther übersetzt mit „Recht“, Buber mit „die Lichtenden und Schlichtenden“), beide sind vermutlich Los- und Orakelsteine des Hohepriesters im Jerusalemer Tempel.


The April 20, 1938

As long as we have not found the bottom of the grave stone, we do not know whether and, if so, continues as the text. That would be not only in principle, but very interesting mainly because of the date:

Hochinteressant ist jedenfalls das Datum des Grabsteins:

After an official note from the district administration Oberpullendorf Rabbi Simon was Goldberger on the initiative of the Nazi mayor of Kobersdorf Thrackl without higher order on 20. April 1938 taken away by force from Kober village with a truck. ... Rabbi Goldberger should be deported in Neckenmarkt across the border to Hungary. On the occasion of his transfer across the border, he was by customs guards Werner M. and the forester Anton K., both severely beaten in Neckenmarkt and 3m are from the border on Hungarian territory left. R. Simon Goldberger lay there on April 20, noon to 21 April in the afternoon until it was brought by Hungarian side of Sopron. [2]

Einen detaillierten Bericht über Rabbiner Simon Goldbergers Schicksal an der ungarischen Grenze finden Sie in unserem Blogartikel: Rabbi Simon Goldberger.

Rabbi Simon Goldberger was in Auschwitz murdered, His wife Paula (Perl) was also in Auschwitz murdered. Auch alle drei Kinder, Lazar Goldberger, geb. 20. Mai 1935, Hermann Goldberger, geb. 08. Dezember 1936 und Isidor, geb. 25. März 1938, wurden in der Schoa ermordet.

On this April 20, 1938, the 13 Torah scrolls were buried at the Jewish cemetery Kobersdorf. Having said that was: The Jews of Kobersdorf were expelled faster and persecuted as the Jews of other communities of today's Burgenland. Already the end of May 1938, almost two months after the so-called terminal in March 1938, there were no more Jews in Kobersdorf.

What now for the burial of Torah scrolls in this April 20, 1938, in the midst of Pesachtagen led, we can only guess and there remain questions:

  • Has Rabbi Goldberger before his martyrdom in the end still own the Torah scrolls led to bury or burst into the community (understandably) panic and they decided to take this step? In any case, haste was probably offered what perhaps could indicate (see above) and the engraving error on line. 3
  • If it is not ritually suitable for Torah scrolls that had been (more) stored in Genisa spaces in the synagogue and now, were not to fall to the Nazis in their hands, buried or was it not to have used Torah scrolls, which one wanted to protect them from the Nazis? (For example, because it was believed that they once they fall to the Nazis in the hands of what was only a matter of time, raped anyway)
  • A question for the leaders: Why does this significant and unique in Austria grave stone fragment no number like almost all other grave stones, with which it would have been at least very likely possible to know the original location?


Small digression: Genisa

The word "Genisa" or "geniza" is actually a Persian foreign word and means "treasure". In Mishnah Shabbat 9 we read: Sphacelus books in and Mkk Mtfhotihm, Cl Shoa, Smtzniain Aotn lgnzn "Gnawed / worn pieces of scrolls or their bindings, however, be kept in order to hide„.

With "Genisa" both the spaces are designated (usually in or near synagogues) in which no longer usable liturgical writings, but also phylacteries be stored etc. as well as the graves in which they are then buried. At the Central Cemetery in Vienna, Tor IV, as there is such a Genisaraum. Essentially it comes to protecting the name of God in these writings and liturgical objects from abuse.
The most significant and best known is built Genisa those in the 7th century I Esra Synagoge in Fustat, Cairo, which was discovered in the 19th century and were found in the 300,000 Jewish manuscripts and manuscript fragments, covering a period from the 8th to the 19th century.

In Germany, especially in southern Germany, some were of such Genisaräume found, mostly from the 19th century, although these rooms are even better than ever really properly (ie about exclusively created, etc. for the purpose of collection of disused writings). So they found about 2009 in Genisaraum the synagogue of Bayreuth even Yiddish sheet from the pressure Homburger Eulenspiegel of 1735th

Genisa Tombs, however, there are (at least in German-speaking) few, probably because the grave sites were often not identified. In addition to the mentioned grave for desecrated Torah scrolls in the Shoah on the Central Cemetery Vienna, IV. TorWe know in Germany about the Genisa-grave at the Jewish cemetery Würzburg or the graves in the Jewish cemetery in Altengronau in Main-Kinzig-Kreis and in Adelsheim-Sennfeld (Neckar-Odenwald). [3]

Frowald Gil overseer puts it as follows:

It was probably orthodox enough to such writings and objects not to throw away, but not orthodox enough to provide a separate room for them or as used to in Germany, to bury in the cemetery. [4]

Without the dramatic events surrounding the April 20, 1938, we can most likely assume that you would not bury the Torah scrolls in Kobersdorf.

The grave stone fragment of Genisagrabes in the Jewish cemetery Kober village is in a scientific perspective, a very important fund.
Above all, it shows in a dramatic way the end of a centuries-old Jewish community from a purely internal Jewish perspective.


footnotes

[1] Book Alliance "Book of the Covenant" actually refers to the ancient Israelite law collection, the word itself is taken from Exodus 24.7: "He [Moses] took the book of the covenant and read it to the people." [Back from footnote (1)]

[2] Haus Steiner Erwin J., The former Jewish community Kober village. A book of remembrance, nd, 172, and cited in: Susanne Uslu-Pauer and Eve Holpfer: Before the People's Court. Burgenland proceedings against Nazi war criminals from 1945 to 1955. Burgenland Research, Volume 96, 171, Eisenstadt 2008. [Back from footnote (2)]

[3] Frowald Gil overseer, The Genisot as a historical source, in: Jewish life in the country: studies on German-Jewish history, ed. by Monika Richarz and Reinhard Rürup, Tübingen 1997, page 207.
Very different one goes about overseas with the subject to: A very impressive 1947 built Genisagrab, actually "Genisa Mausoleum", we find in the Jewish cemetery of Santiago de Chile, where 14 in a fire the synagogue on 26/27 , October 1944 are buried destroyed Torah scrolls.
[Back from footnote (3)]

[4] Frowald Gil overseer, The Genisot as a historical source, in: Jewish life in the country: studies on German-Jewish history, ed. by Monika Richarz and Reinhard Rürup, Tübingen 1997, 207f. [Back from footnote (4)]


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Sukkot 5780

Heute ist Erev Sukkot, der Beginn des Laubhüttenfestes. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Sukkot. Wishing you a joyous Sukkot! חג שמח ומועדים לשמחה! Ein…

Heute ist Erev Sukkot, der Beginn des Laubhüttenfestes.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Sukkot.

Wishing you a joyous Sukkot!

חג שמח ומועדים לשמחה!


Ein Augenzeugenbericht über die Sukkottage im jüdischen Viertel von Eisenstadt 1934:

Aber gleich nach diesen [hohen] Feiertagen kamen die Tage des Laubhüttenfestes und in allen Höfen wurden Laubhütten mit dem ›Skakh‹ (Laub, um die Laubhütte zu bedecken) aufgestellt; die Bedeckung bestand aus grünen, wohlduftenden Zweigen. Die Dekorationen an den Wänden gestalteten wir Kinder: vielfärbige Sterne, angefertigt aus glänzendem Buntpapier. Wir lernten diese Kunst in den Handarbeitsstunden in der jüdischen Volksschule, die hinter dem Hof des ›Strohhauses‹ stand. Die Herbstluft war bei diesem Fest schon getränkt vom Duft der Weintrauben und des Mostes, der aus allen Weinbergen und Weinkellern rundum aufstieg. Der letzte Tag des Sukkotfestes ‒ es ist der Tag von ›Simchat tora‹ (Freudenfest der Tora), an dem das Lesen der Toraabschnitte endet und von Neuem beginnt ‒ entschädigte uns für den tiefen Ernst an den Festen, die dem Sukkotfest vorausgegangen waren: Die Stimmung war fröhlich! Alle Kinder, auch die kleinen, die noch nicht das Alter der Gebote (der religiösen Pflichten, bei Buben mit 13 Jahren) erreicht hatten, wurden zur Tora aufgerufen, und, um die Freude zu vergrößern, wurden aus verschiedenen Fenstern Äpfel und Nüsse zu den Kindern bei ihrem Auszug aus der Synagoge geworfen.


Ich kenne den Grund für diesen Brauch, den ich danach in keiner anderen Gemeinde gesehen habe, nicht. Vielleicht fielen hier zwei Motive zusammen: das eine, dass die Symbole dieser Früchte in den Midraschim (religiöse Auslegungsschriften) mit Israel verglichen werden, und das zweite ‒ ein Gedenken an das ›Erntefest; der Beiname für das Sukkotfest. Auf jeden Fall erfreuten uns alle diese Tage sehr, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen.

Meir Ayali, Meine Kindheit in der Judengasse in Eisenstadt, hebräisch; übersetzt von Johannes Reiss, in: Das Österreichische Jüdische Museum. Hrsg. v. Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt, 1988. S. 75-80.


Zum Brauch mit den Nüssen usw. lesen Sie bitte unseren Beitrag über das „Versöhnungsstangerl“ und insbesondere auch den 2. Kommentar unseres Gastautors Yoav Sapir!


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To merit her husband's ...

English version, see below About a nice special and fascinating Torah curtain this magnificent Torah curtain was none other than Hermione (Hendel) Wolf, born Neubrunn, in 1910 died for her husband ...

English version, see below


Über einen besonders schönen und faszinierenden Toravorhang

Toravorhang Eisenstadt 1910, Leihgabe jüdisches Museum Wien,

Toravorhang Eisenstadt 1910, Samt, Brokat, Glassteine – genäht, gestickt,
Leihgabe jüdisches Museum Wien, Inv.-Nr.: 13379



Diesen prächtigen Toravorhang ließ niemand Geringerer als Hermine (Hendel) Wolf, geb. Neubrunn, im Jahr 1910 für ihren verstorbenen Ehemann herstellen. Geboren am 26. Dezember 1845 in Trenčín (Westslowakei), gestorben am 17. August 1931 in Baden bei Wien und begraben am jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt, überlebte sie ihren Ehemann Ignatz (Esriel) Wolf, gest. 18. Jänner 1906 und ebenfalls am jüngeren jüdischen Friedhof begraben, um 25 Jahre.
Hermine Wolf war u.a. Präsidentin des Eisenstädter Frauenvereins, Ehemann Ignatz Wolf Gesellschafter der Firmen Leopold Wolf’s Söhne, Eisenstadt, und M. Bauer, Wien, Handelskammerrat der Ödenburger Handelskammer, Mitbegründer der Eisenstädter Sparkassa und 1863 sowie 1880-1885 Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Eisenstadt.

Hermine und Ignatz Wolf sind die Eltern, u.a., von Leopold Wolf and Nathan (Alexander/Sándor) Wolf!

Die Weinhandlung Leopold Wolf’s Söhne hatte ihren Hauptsitz im sogenannten Wertheimerhaus, in dem sich heute das Österreichische Jüdische Museum befindet (siehe v.a. unseren Blogartikel „Nathan und die Wölfe von Eisenstadt„)

Der Toravorhang im Detail


Kapporet ‒ Querbehang

Toravorhang Eisenstadt 1910,  Kapporet (Querbehang)

Toravorhang Eisenstadt 1910, Kapporet (Querbehang)



Inschrift Toravorhang 1910 Querbehang: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] {Krug und Becken}


Oberhalb des Spiegels

Toravorhang Eisenstadt 1910,  Detail oberhalb des Spiegels

Toravorhang Eisenstadt 1910, Detail above the main text


Inschrift Toravorhang 1910 SpiegelOBEN: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] {Krone und zwei Löwen (Löwe von Juda) als Kronenhalter}
[2] D(ie Krone) d(er Tora) כ“ת


Spiegel

Toravorhang Eisenstadt 1910, Spiegel

Toravorhang Eisenstadt 1910, main text



Inschrift Toravorhang 1910 Spiegel: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Dies ist ein Geschenk זאת נדבת
[2] der gottesfürchtigen Frau, אשת יראת אלהים
[3] Frau Hendel Wolf, s(ie möge) l(eben), מרת הענדל וואלף תחי’
[4] Tochter d(es Herrn) Nataniel Neubrunn, a(uf ihm sei) d(er Frieden). בת ר’ נתנאל נייברון ע“ה
[5] Sie brachte die Gedächtnisgabe dar im Tempel d(es Herrn) הגישה מנחת זכרון בהיכל ה’
[6] zum Verdienst der Seele ihres von Herzen freigiebigen Ehemanns. לזכות נשמת בעלה איש נדיב לב
[7] Gut und gütig übte er Wohltätigkeit und Liebesdienste, טוב ומטיב עושה צדקה וחסד
[8] d(er) e(hrenhafte) H(err) Esriel Wolf, a(uf ihm sei der) F(rieden), כה“ר עזריאל וואלף ע“ה
[9] Halevi, הלוי


Unterhalb des Spiegels

Toravorhang Eisenstadt 1910, Detail unterhalb des Spiegels

Toravorhang Eisenstadt 1910, Detail unterhalb des Spiegels



Inschrift Toravorhang 1910 SpiegelUNTEN: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] der verstarb am 22. Tevet 666 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung) (= 18. Jänner 1906). שנפטר ביום כ“ב טבת ת“רס“ו לפ“ק
[2] Eisenstadt, im Jahre 670 n(ach der kleinen Zeitrechnung) (= 1910) אייזענשטאדט בשנת ע“תר“ל
[3] {Krug und Becken}


annotation

Sowohl zweimal (im Querbehang und unterhalb des Spiegels) das Symbol des Kruges mit Becken als auch der Namenszusatz „Halevi“ in der letzten Zeile des Spiegels weisen deutlichst auf die levitische Herkunft von Ignatz (Esriel) Wolf hin.



About an especially beautiful and fascinating Torah Ark curtain

Torah Ark curtain, Eisenstadt 1910, Loaned by the Jewish Museum Vienna

Torah Ark curtain, Eisenstadt 1910, Velvet, brocade, glass stones – sewn, embroidered, Loaned by the Jewish Museum Vienna, Inv.-Nr.: 13379



This magnificent Torah Ark curtain was made by none other than Hermine (Hendel) Wolf, born Neubrunn, who in 1910 made the Torah Ark curtain in remembrance of her dead husband. Hermine Wolf was born on the 26th of December 1845 in Trenčín (West Slovakia), and died on August 17th 1931 in Baden. She was buried in the younger Jewish Cemetery of Eisenstadt, and lived 25 years longer than her husband, Ignatz (Esriel) Wolf, who died on the 18th of January 1906. Ignatz was also buried in the younger Jewish Cemetery of Eisenstadt.

Hermine Wolf was, amongst other things, the president of the Eisenstadt womens association. Her husband, Ignatz Wolf, worked for the company Leopold Wolf’s Söhne (Eisenstadt), M. Bauer (Vienna), and was Handelskammerrat of the Ödenburger Handelskammer. Ignatz also helped form the Eisenstadt Sparkassa, and in 1863 and 1880 -1885 served on the board of the Israelitischen Kultusgemeinde Eisenstadt.

Hermine and Ignatz Wolf are the parents of Leopold Wolf and Nathan (Alexander/Sándor) Wolf!

The wine shop Leopold Wolf’s Söhne had their headquarters in, what at the time was called the Wertheimerhaus, which today is the Austrian Jewish museum (see our blog article „Nathan und die Wölfe von Eisenstadt„)

The Torah Ark curtain in detail


Kapporet ‒ Tassels

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910,  Kapporet (Tassels)

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910, Kapporet (Tassels)



Inschrift Toravorhang 1910 Querbehang: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] {Pitcher and basin}


Above the main text

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910,  Detail above the main text

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910, Detail above the main text


Inschrift Toravorhang 1910 SpiegelOBEN: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] {Two lions holding up a Crown (Lion of Judah)}
[2] T(he Crown) o(f the Tora) כ“ת


The main text

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910, main text

Torah Ark curtain, Eisenstadt 1910, main text



Inschrift Toravorhang 1910 Spiegel: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] This is a gift זאת נדבת
[2] of the God-fearing woman, אשת יראת אלהים
[3] Mrs. Hendel Wolf, s(he may) l(ive), מרת הענדל וואלף תחי’
[4] daughter o(f Mr.) Nataniel Neubrunn, m(ay peace be) u(pon him). בת ר’ נתנאל נייברון ע“ה
[5] She brought the gift of memory to the temple o(f the Lord). הגישה מנחת זכרון בהיכל ה’
[6] For the merit of the soul of her generous husband. לזכות נשמת בעלה איש נדיב לב
[7] He was good and kind and practiced charity and love, טוב ומטיב עושה צדקה וחסד
[8] t(he) h(onorable) M(r.) Esriel Wolf, m(ay peace be) u(pon him). כה“ר עזריאל וואלף ע“ה
[9] Halevi, הלוי


Under the main text

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910, Detail under the main text

Torah Ark curtain Eisenstadt 1910, Detail under the main text



Inschrift Toravorhang 1910 SpiegelUNTEN: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] who died on the 22nd of Tevet 666 b(y the) s(mall) c(ount) (= 18 January 1906). שנפטר ביום כ“ב טבת ת“רס“ו לפ“ק
[2] Eisenstadt, in the year 670 b(y the small count) (= 1910) אייזענשטאדט בשנת ע“תר“ל
[3] {Pitcher and basin}


Annotation

The symbol of the pitcher with a basin as well as the suffix „Halevi“ in the last line of the text show the Levitic origin of Ignatz (Esriel) Wolf.


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