Koschere Melange

The blog of the Austrian Jewish Museum - ISSN 2410-6380

Category: Genealogy

Deeply mourned by his wife and his son ...

Es passiert nur hin und wieder, dass ich auf einem jüdischen Friedhof mit fast 10.000 Grabsteinen beim ersten Fotografieren einen Grabstein mit hebräischer Inschrift fotografiere (mein Fokus lag ausschließlich auf…

It only happens now and then that I photograph in a Jewish cemetery with nearly 10,000 grave stones at the first photographing a grave stone with Hebrew inscription (my focus was solely on halfway readable Hebrew inscriptions), which you may be called "lucky shot" ...

So the grave stone of Emanuel Mendel (Menachem) BirnbaumWho died on May 31, 1875, and is buried at the Jewish cemetery Währing.

The Hebrew inscription has a German auxiliary, where we read the following:

deeply mourned
by his wife and his son

A very simple biographical actionable statement: that Menachem's wife was at his death still alive and that he had only one son, no further children.

Of course we wanted to know who the wife and who was the son, especially since nothing is so well known over Menachem / Emanuel Mendel Birnbaum. We started to look for and were, at least in son quickly found:

Because of not mentioned by name in the grave inscription of the father son is none other than the journalist and most active

Dr. jur. Nathan (Nachum) Birnbaum, Born on May 16, 1864 (in Vienna Mother: Maria soulmate, daughter of Rabbi Shlomo Samuel soulmate, (from "Kassa in Hungary" Kosice in eastern Slovakia), responsible to Vienna, born December 24, 1836 died 16 March 1896th in Vienna).

At 26, Nathan Birnbaum married the 21-year-old Rosa grain product from Krakow in the Sephardic community of Vienna on August 03, 1890th

It is interesting that both spouses sign both German and Hebrew. Nathan signs with Nahum Birnbaum "Nachum Birnbaum" in Hebrew (Nachum is also the name of his grandfather).

Dr. Nathan Birnbaum died on April 2, 1937 in Scheveningen (NL).

Nathan Birnbaum, who worked primarily under the pseudonym Mathias Acher was

one of the wittiest and most colorful modern Jewish personalities whose track was lost almost entirely from the Jewish consciousness ...

spektrum.de

Nathan Birnbaum, one of the club founders of Kadima (the Hebrew word "kadima" means "forward", "east"), in 1893 published his manifesto "The national rebirth of the Jewish people in his country, as a means of solving the Jewish question. An appeal to the good and noble of all nations" (to the Download). Although the magazine has some parallels to Herzl's "The Jewish State", is Birnbaum, who is considered representative of cultural Zionism, unlike Herzl set to Palestine as a national center.

Nathan Birnbaum, who had dominated both the terms "Zionism" and "Eastern Jewry" was companion of Theodor Herzl and the first general secretary of the Zionist Organization for a short time. However, he turned very quickly from Zionism and dedicated primarily for the Eastern Judaism, Hasidic culture and the Yiddish language. In 1908 he initiated the first major world conference on the Yiddish language in Czernovitz, in which he used mainly for the recognition of Yiddish as individual and universal language of Judaism. 1919 Nathan Birnbaum was one of the Neugründern the Agudat Israel, The ultra-religious movement of orthodoxy, and became its first secretary general.

Hillel Zeitlin und Nathan Birnbaum, YIVO

Hillel Zeitlin und Nathan Birnbaum, Copyright: https://yivoencyclopedia.org/article.aspx/Birnbaum_Nathan



The picture shows Dr. Nathan Birnbaum (right) and Hillel Zeitlin. Zeitlin, 1871/72 in Korma, Gouvernement Mogiljow, Russisches Kaiserreich, geboren, war hebräischer und jiddischer Schriftsteller. Im Alter von 71 Jahren wurde er 1942 sowie seine beinahe gesamte Familie (nur Sohn Aaron überlebte) im Warschauer Ghetto ermordet (Shoah victims), in den Händen den Zohar, eingehüllt in Tallit und mit angelegten Gebetsriemen.

The couple Dr. Nathan Birnbaum and Rosa grain material had three sons:

Dr. Salomon Asher Birnbaum, Born December 24, 1891 in Vienna,
Linguists for Hebrew and Yiddish language, d. December 28, 1889 in New York

Menachem Birnbaum, geb. 13. März 1893 in Wien, jüdischer Buchkünstler, Porträtzeichner und Buchillustrator, wie seine Ehefrau Ernestine / Tina (Esther), geb. Helfmann und seine beiden Kinder Rafael Zvi und Chana ermordet 1945 in Auschwitz (Shoah victims)

Uriel Birnbaum, geb. 13. November 1894 in Wien, Maler und Schriftsteller, gest. 09. Dezember 1956 in Amersfoort (NL). Zu den Glanzpunkten seines Werkes zählt der sogenannte Moses-Zyklus, dessen Originalbilder leider verschollen sind. Im Auditorium unseres Museums sind aber alle 50 images of the cycle reproduziert ausgestellt:


Swell:

Klaus Dethloff, Theodor Herzl or the Moses of the fin de siècle, Vienna 1986, 60.

Birnbaum Nathan, yivoencylopedia

Jews as inventors and explorers (hagalil.com)

Metzler Lexikon Jewish philosopher Nathan Birnbaum

See also the sometimes extensive literature references cited sites!

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Ernest Simon

Our deepest and sincere congratulations to Mr. Ernest Simon, a former resident of Eisenstadt, who was awarded the British Empire Medal (BEM) for services to Holocaust Education and Remembrance! Es…

Our deepest and sincere congratulations to Mr. Ernest Simon, a former resident of Eisenstadt, who was awarded the British Empire Medal (BEM) for services to Holocaust Education and Remembrance!

Es kommt nicht alle Tage vor, dass einem ehemaligen Eisenstädter eine solch große Ehre zuteil wird. Wir gratulieren aus ganzem Herzen zu dieser großen Auszeichnung!

Ernest Simon ist der Enkel von Max (Mordechai) Simon and Klara (Kröndel) Simon, geb. Steiner, die beide am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben sind.



Ernst / Ernest Simon wurde am 26. Mai 1930 in Eisenstadt geboren.
Der Vater von Ernest Simon ist Ludwig Simon, kaufmännischer Angestellter, geb. 11. Juni 1901 in Kroatisch-Minihof, wohnhaft in Unterberg Eisenstadt. Die Mutter, Lina Farkas, wurde am 12. September 1903 geboren. Das Ehepaar erwarb die britische Staatsbürgerschaft. Vater Ludwig Simon starb 1955, Lina Simon 2002 (mit 99 Jahren) in Großbritannien.

Ernest Simon war 2014 am Europäischen Tag des Judentums in Eisenstadt und ich durfte mit ihm durch das ehemalige jüdische Viertel von Eisenstadt führen.

Hier noch ein Interview mit Ernest Simon in 2 Teilen vom 28. Mai 2010:

Video, Österreichische Mediathek, Teil 1, 28. Mai 2010

Video, Österreichische Mediathek, Teil 1, 28. Mai 2010

Interview, Teil 1

Video, Österreichische Mediathek, Teil 2, 28. Mai 2010

Video, Österreichische Mediathek, Teil 2, 28. Mai 2010

Interview, Teil 2

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Help! I can not Hebrew, ...

…aber ich brauche hebräische Quellen für meine genealogischen Forschungen. English version Einleitung Symbole Einleitungsformel Name, Segenswünsche, Akrostychon Eulogie Sterbedatum Schlusseulogie Downloads Der Artikel ist die deutschsprachige Version meines bei der…

…aber ich brauche hebräische Quellen für meine genealogischen Forschungen.

English version


Der Artikel ist die deutschsprachige Version meines bei der 39. Internationalen Konferenz zur Jüdischen Geneaolgie in Cleveland, Ohio, am 02. August 2019 in Englisch gehaltenen Vortrages. Er wird bis auf die einleitende Vorstellung meiner Person hier ungekürzt wiedergegeben.

Lesen Sie auch meinen ersten Vortrag vom 31. Juli 2019 „What we should learn ...„.

Auch ohne (gründliche) Hebräischkenntnisse ist es meist möglich, die wichtigsten biografischen Informationen aus hebräischen Quellen herauszulesen.

Ich danke sehr herzlich für die Einladung und dass ich die Gelegenheit habe, hier zu sprechen.

Vorweg: Sie müssen nicht mitschreiben oder die Sorge haben, etwas zu überhören. Sie bekommen am Schluss der Präsentation einen Link, wo Sie die gesamte Präsentation inklusive aller Beispiele sowie alle Tools downloaden können!

Eisenstadt war das Zentrum der sogenannten „Sieben-Gemeinden“, hebr. „Scheva Kehillot“, also sieben heiliger jüdischer Gemeinden auf ehemals westungarischem, heute burgenländischem Gebiet. Das Burgenland ist seit 1921 das östlichste Bundesland Österreichs, an der Grenze zu Ungarn. Die Gemeinden wurden Ende des 17. Jahrhunderts besiedelt, 1938 bedeutete das endgültige Aus jeder jüdischen Ansiedlung, im Burgenland gibt es heute keine jüdischen Gemeinden mehr, nur mehr ein Dutzend Juden. Auf den 14 jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes befinden sich etwa 8.000 Grabsteine mit fast ausschließlich hebräischen Grabinschriften. Es existieren im Burgenland keine Lagepläne von Friedhöfen. Es ist notwendig, jeden einzelnen Grabstein vor Ort zu besuchen.

Eisenstadt ist in der Region der einzige Ort, in dem wir heute zwei große jüdische Friedhöfe finden. Der mit Abstand bedeutendste jüdische Friedhof in den ehemaligen „Sieben-Gemeinden“ ist der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt. Der älteste Grabstein ist aus dem Jahr 1679 und der Friedhof wurde bis Sommer 1875 belegt. Der im Herbst 1875 angelegte jüngere jüdische Friedhof war der „Nachfolge-Friedhof“ des älteren und wurde bis 1938 belegt, in wenigen Einzelfällen kam es auch noch zu Begräbnissen nach 1945.

Der ältere jüdische Friedhof von Eisenstadt, der zweifelsohne zu den weltweit bedeutendsten jüdischen Friedhöfen gehört (gemessen am Alter, an der Anzahl der Grabsteine und an den vielen großen jüdischen Gelehrten, die da begraben sind), hat 1085 Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften! Wir finden keinen einzigen nicht-hebräischen Buchstaben auf dem Friedhof.

Der jüngere jüdische Friedhof hat knapp 300 Grabsteine und wir finden außer auf einigen wenigen nach 1945 aufgestellten Grabsteinen ebenfalls ausschließlich hebräische Grabinschriften, allerdings gelegentlich bereits auch mit deutschen oder ungarischen Zusätzen mit Name und Sterbedatum.

Beide jüdischen Friedhöfe habe ich vollständig dokumentiert, digitalisiert und im Blog des Österreichischen Jüdischen Museums online gestellt. Abgerufen werden können: Das Foto jedes Grabsteins, der Lageplan, die Grabinschrift zeilengerecht transkribiert, die Übersetzung, Kommentare zur hebräischen Inschrift, genealogische Daten und Links zu den ebenfalls auf den beiden Friedhöfen begrabenen Verwandten. Für Menschen, besonders Nachkommen, die ihre Verwandten und Vorfahren suchen, gibt es auf jedem Grab auf beiden Friedhöfen einen QR-Code, der zur URL des Grabsteins mit Foto, Inschrift, Links zu den Verwandten sowie Lageplan führt. Ich darf sagen ‒ ein Service, das weltweit einzigartig ist.

Die meisten Beispiele heute kommen auch von einem der beiden jüdischen Friedhöfe in Eisenstadt. Daher auch die etwas ausführlichere Einleitung.

Der Titel meiner Präsentation ist:

Hilfe! Ich kann nicht Hebräisch, aber ich brauche hebräische Quellen für meine genealogischen Forschungen.

Für Genealogen ist grundsätzlich der Grabstein eine essentielle und primäre Forschungsquelle. Selbstverständlich auch der jüdische Grabstein. Umso mehr gilt das für den jüdischen Grabstein mit hebräischer Inschrift! Auch in meiner heutigen Präsentation liegt der Schwerpunkt auf hebräischen Grabinschriften.

In den genealogischen Portalen, allen voran dem Jewish Genealogy Portal auf Facebook, gehört zu den häufigst gestellten Fragen, was in einer hebräischen Grabinschrift steht. Allem voran gilt das Interesse fast ausschließlich immer dem Namen und dem Sterbedatum, eventuell noch, ob der Vater oder die Mutter des Verstorbenen angegeben sind.

In meiner ersten Präsentation am Mittwoch ging es mir darum aufzuzeigen, dass wir in hebräischen Grabinschriften aber viel mehr biografische Informationen finden als nur Name und Sterbedatum, Informationen, die wir in anderen Quellen oft nicht finden. Heute geht es uns aber darum, die allerwichtigsten Daten in hebräischen Inschriften zu erkennen und lesen zu können, selbst wenn wir nicht Hebräisch können.

Aber warum ist das überhaupt notwendig?, werden Sie vielleicht einwenden. Sie können den Grabstein bzw. die Inschrift fotografieren und bekommen in den genealogischen Portalen meist sehr schnell eine Antwort… Und ich behaupte: vielleicht ja, aber wenn 10 Antworten gegeben werden, die sich unterscheiden (was bekanntlich oft vorkommt), wie wissen Sie welche Antwort richtig ist?

Viel wichtiger aber noch scheint mit der in der Praxis oft vorkommende Fall zu sein, dass Sie den bürgerlichen Namen kennen und auf einem jüdischen Friedhof mit hebräischen Grabinschriften praktisch keine Chance haben, das „richtige“ Grab zu finden, wenn Sie nicht imstande sind, zumindest das Sterbedatum korrekt zu lesen, das in hebräischen Inschriften immer mit hebräischen Buchstaben angegeben wird!

Außerdem führt die Lösung bei der genealogischen Forschung sehr oft über den hebräischen Namen, der zwar manchmal auch in den Geburtsmatriken vermerkt ist, immer aber in der hebräischen Grabinschrift.

Wenn wir über die Grabsteine und hebräischen Inschriften der beiden jüdischen Friedhöfe von Eisenstadt sprechen, sprechen wir über Grabsteine, deren hebräische Inschriften oft 40 Zeilen (!) und mehr umfassen:

Ich zeige Ihnen diese beiden Inschriften, um Ihnen Mut zu machen. Denn in einer halben Stunde sind Sie imstande, selbst in so langen und komplizierten hebräischen Grabinschriften einige der allerwichtigsten biografischen Daten zu finden und zu lesen! Ich habe absichtlich zwei Beispiele von Inschriften für jüdische Frauen ausgewählt, Resl Theben, gestorben 21. April 1755 und Malka Austerlitz, gestorben 04. April 1743! Auf die Inschrift von Resl Theben kommen wir heute später noch mehrmals zurück.

Die hebräische Grabinschrift folgt einem Formular! Sie hat in etwa 95% aller Fälle die gleiche oder eine sehr ähnliche Struktur, ganz egal, ob die Inschrift 5 Zeilen oder 50 Zeilen lang ist!

Mit anderen Worten: Sehen wir uns hebräische Inschriften von oben nach unten an, stellen wir fest, dass sie in den überwiegenden Fällen immer gleich aufgebaut sind.

Symbole

Bevor die eigentliche hebräische Inschrift beginnt, finden wir häufig ein Symbol, das aber in sehr vielen Fällen bereits eine erste wichtige genealogische Information sein kann.

Zunächst gibt es allen bekannte Berufssymbole wie ein Musikinstrument für einen Musiker, Kantor, Sänger, das Beschneidungsmesser für den Mohel usw. oder die eher allgemeinen Symbole für Sterben, Trauer und Tod wie etwa die biblische Träneneiche, den abgeknickten Baum für den frühen Tod, den Stern, der Hoffnung und Zuversicht symbolisiert, die Hauszeichen in größeren Städten für die vornehmeren Familien, Namenssymbole wie der Löwe, der Bär, das Lamm usw. oder letztlich auch die häufig zu findende Menora, den siebenarmigen Leuchter oder den Magen David, den Davidsstern. Auch wenn viele dieser Symbole genealogische Relevanz haben, lassen wir diese heute außen vor, weil sie großteils selbsterklärend sind, und widmen uns nur den genuin jüdischen Symbolen, also jenen 3 Symbolen, die tief in der jüdischen und rabbinischen Tradition verwurzelt sind:

Der Krug, oft auch Krug und Becken, ist ein Abstammungssymbol und das Symbol für Leviten und findet sich vor allem auf Grabsteinen, ganz selten nur, wie etwa in der Judengasse von Frankfurt am Main in Deutschland oder bei uns in Eisenstadt auch auf jüdischen Häusern. Angezeigt wird mit diesem Symbol, dass der Begrabene aus einer Levitenfamilie stammt. Häufig ist der Name oder der Namenszusatz dann auch Levi \ HalevyLevi“ oder „Ha-Levi“ („der Levite“) oder staff „SEGA’L“, was eine hebräische Abkürzung ist und „sgan levija“ „Vertreter der Leviten“ bedeutet.

In unserem Beispiel: Wilhelm (Wolf'm Salman ha-Levi) Austerlitz, gestoben 1868 und Moritz Austerlitz, gestorben 1900, beide begraben am älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt.

Ebenfalls ein Abstammungssymbol sind die segnenden Hände mit der charakteristischen Fingerhaltung: Daumen und Zeigefinger berühren sich, Ring- und kleiner Finger sind abgespreizt.

Das Symbol findet sich bei Angehörigen des Priestergeschlechts (Beispiel: Samuel Cohen, gestorben 1791) oft mit dem Namen oder Beinamen Cohn time, Kohn oder Ka’tz. Katz „Ka’tz“ ist eine Abkürzung für „Kfire Zedek“ „gerechter Priester“ wie bei Rabbiner Karl Klein (gestorben 1930), hebräisch: Chaim Akiba Ka’tz, Zeile 6.

Der Vollständigkeit halber sei noch das dritte genuin jüdische Symbol genannt, das kein Abstammungssymbol ist und auch keine genealogische Relevanz hat: die Krone (Hindel Spitzer, gestorben 07. Juli 1864):

Grabstein / gravestone Hindel Spitzer, 07/07/1864

Grave stone / gravestone Hindel Spitzer, 07.07.1864, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Obwohl immer wieder behauptet wird, dass das Symbol der Krone wirtschaftliche Besserstellung anzeigt, ist das schlichtweg falsch. Denn in Pirke Avot, in den „Sprüchen der Väter“ lesen wir:

Drei Kronen gibt es: Die Krone der Tora, die Krone der Priesterwürde und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber übertrifft sie alle.

Das Symbol der Krone ist in den meisten Fällen das Symbol für den „guten Namen“, den „guten Ruf“ der oder des Verstorbenen! Meist finden wir in der Inschrift noch: נפטר בשם טוב „Sie / er starb mit gutem Ruf“. Mit wirtschaftlicher Besserstellung hat die Krone jedenfalls nichts zu tun.

Und dass ich nicht vergesse: Hebräisch lesen wir von rechts nach links und es gibt als Buchstaben nur Konsonanten, keine Vokale!

Einleitungsformel

Sehr weit oben in der Inschrift, meist nach dem Symbol (wenn eines vorhanden ist), findet sich die sogenannte Einleitungsformel, die fast immer aus 2 Buchstaben mit Abkürzungsstrichen zwischen den beiden Buchstaben besteht: Here lies P“N „po nitman“ und bei Frauen „po nitmenet“, oder PT P“T „po tamun“ und bei Frauen „po tmuna“, „hier ist begraben“, „hier ist geborgen“. Nur sehr selten finden wir diese Einleitungsformel ausgeschrieben! Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied in der Bedeutung zwischen P“N“ und P“T, aber am älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt habe ich 2015 eine Entdeckung gemacht, die ich von anderen jüdischen Friedhöfen, zumindest in dieser Klarheit, noch nicht kannte: dass P“N fast ausschließlich für Männer, P“T für Frauen verwendet wurde. Es müsste aussagekräftige Statistiken zum Thema geben, damit bereits die Einleitungsformel eindeutige genealogische Relevanz bekommen könnte, also dass wir, zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit, gleich wissen, ob hier eine Frau oder ein Mann begraben ist.

Am berühmtesten Grab des älteren jüdischen Friedhofes in Eisenstadt, am Grab des ersten Rabbiners der Gemeinde, Meir Eisenstadt, gestorben 1744, finden wir die Einleitungsformel zum Beispiel ausgeschrieben Here lies „po nitman“, „Hier ist begraben“:

Grabstein / gravestone R. Meir Eisenstadt, 07/06/1744

Grave stone / gravestone R. Meir Eisenstadt, 06.07.1744, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Auf tausenden Grabsteinen im italienischen Raum finden wir eine etwas andere Einleitungsformel, auch eine Abkürzung mit zwei Buchstaben, aber PS P“SCH, oder ausgeschrieben: Here lies „po schochev“, „Hier ruht“:

Und damit kommen wir zum sicher wichtigsten Element der hebräischen Grabinschrift:

Der Name

Grundsätzlich: In hebräischen Grabinschriften ist immer und ausschließlich der hebräische Name (oder Synagogalname) angegeben, und zwar sowohl von Frauen als auch von Männern. Es wird nie der bürgerliche Name angegeben. In jüngeren Inschriften finden wir den bürgerlichen Namen gelegentlich als Zusatz in deutscher oder ungarischer Sprache, aber eben nie in der hebräischen Inschrift (Beispiele: Antonia (dove) Hirsch, 04. Oktober 1936, jüdischer Friedhof Mattersburg, und Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05. Juni 1914, jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt):

Wir finden also in der hebräischen Inschrift nie „Charlotte“, sondern etwa „Schwarzl“, nie „Antonia“, sondern etwa „Taube“ und nie „Armin“, sondern z.B. „Mordechai Zvi“.

Der Name eines Mannes setzt sich praktisch immer zusammen aus seinem Vornamen und dem Namen seines Vaters, z.B. Ben \ bar Jacob „David ben/bar Jakob“, David, der Sohn von Jakob (siehe David straw, gestorben 11. März 1905, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt):

Grabstein / gravestone David Stroh, 11/03/1905

Grave stone / gravestone David straw, 03.11.1905, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Der Name einer Frau setzt sich zusammen aus ihrem Vornamen und dem Namen ihres Vaters, bei verheirateten Frauen wird in der Neuzeit ergänzt oder ersetzt durch den Namen des Ehemanns, z.B. Rivka bat Moshe Shmuel's wife „Rivka bat Mosche, eschet Schmu’el, Rebekka, Tochter des Mose, Ehefrau des Samuel“, oder eben auch, wie im Bildbeispiel Widow so Nathan Hirsch „almanat Natan Hirsch“, Witwe des Natan Hirsch (Zeile 4):

Grabstein / gravestone Antonia (Taube) Hirsch, 04/10/1936

Grave stone / gravestone Antonia (dove) Hirsch, 10/04/1936, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Mattersburg



Der Name „Taube“ ist natürlich nicht biblisch. Da Frauen nicht so wie die Männer in der Synagoge aufgerufen wurden (bei Frauen sprechen wir daher nur von hebräischem, nicht aber vom synagogalen Namen!), musste eine Frau auch keinen religiösen Namen haben. Selbstverständlich finden wir aber auch bei Frauen biblische Namen, vor allem die der vier Erzmütter Sara, Rivka (Rebekka), Rachel und Lea.

Die hebräischen Wörter, die wir dazu benötigen, sind einfach: son „ben“ für Sohn und a girl „bat“ für Tochter. Woman „eschet“ heißt „Ehefrau von“ und Widow „almanat“ heißt „Witwe von“. Also „Rebekka, Tochter des Mose“, heißt Hebräisch: Rivka bat Moshe „Rivka bat Mose“ und „Sara, die Ehefrau von Abraham“ heißt auf Hebräisch: Abraham's wife Sarah „Sara eschet Avraham“ und „Kressel, die Witwe von Mose“ heißt Krasl widow of Moses „Kressel almanat Mose“.

Grabinschrift Catherine (Kressel) Breuer, gestorben 25. Oktober 1897: Grässle almns ... Moses to "wide ... daughter ... Mordechai loop „Kressel, almanat … Mose Eli(jahu) Breuer …, bat … Mordechai Schlesinger“, „Kressel, Witwe des Mose Elias Breuer, Tochter des Mordechai Schlesinger“.

In der Inschrift von Charlotte Spitzer lesen wir: Black ... woman ... Love Spitzer Halevi „Schwarzl, eschet Löb Spitzer ha-Levi“, „Schwarzl, Ehefrau des Löb Spitzer Halevi“. Wir sehen also am Namenszusatz, dass er dem Levitenstamm angehört! Und auch „Schwarzl“, der hebräische Name von Frau Spitzer, ist natürlich nicht biblisch.

Der Grabstein von Charlotte Spitzer ist aber auch deshalb besonders interessant, weil wir einen Zusatz in deutscher Sprache haben, auf dem ihr Sterbealter (67 Jahre) und sowohl Geburts- als auch Sterbedatum vermerkt sind! Aber in der deutschen Inschrift ist ihr Ehemann nicht vermerkt, diese zweifelsohne bedeutende genealogische Information finden wir nur in der hebräischen Inschrift!

Für Genealogen wichtig ist es zu wissen, dass grundsätzlich ‒ bis heute ‒ der Brauch bei aschkenasischen Juden gilt, das Kind nach einem verstorbenen Verwandten zu nennen. Dann sollte es aber auch der Name eines Verstorbenen sein, der nicht in jungen Jahren oder eines unnatürlichen Todes starb. Ein Brauch, der den Namen und die Erinnerung lebendig halten soll. Zudem ist es für den Verstorbenen eine große Ehre, denn die Seele kann durch die guten Taten, die der Namensvetter vollbringt, eine höhere Stufe erreichen.

Darauf können wir uns im Normalfall auch wirklich verlassen. Nur sehr selten finden wir in Inschriften etwa „Issachar bar Issachar“ oder „Mosche ben Mosche“, also dass der Sohn genauso wie der Vater heißt. Das könnte darauf hindeuten, dass der Vater kurz vor der Geburt des Sohnes starb!

Sefardische Juden wiederum geben ihren Kindern den Namen eines noch lebenden Verwandten. Sie halten sich dabei an den Talmud, der von einem Kind berichtet, das nach Rabbi Natan genannt wurde, als dieser noch lebte (babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 134a).

Wie aber finden Sie nun, wenn Sie nicht oder kaum Hebräisch können, den Namen in einer hebräischen Inschrift? Ich sehe vor allem drei Möglichkeiten:

  • Der Name ist größer als der Rest der Inschrift geschrieben, das sehen wir sehr schön in der Inschrift von Charlotte Schwarzl Spitzer (Zeile 5). Mit anderen Worten: Sie benötigen eine Liste mit den hebräischen Buchstaben und können im Regelfall den Namen problemlos lesen. Alle Buchstaben mit ihren Zahlenwerten finden Sie selbstverständlich in der zum Download bereitgestellten pdf-Datei: Alefbet (Hebrew letters), numbers, names examples (pdf, 87KB).

  • Der Segenswunsch nach dem Namen: „Wie das Amen im Gebet“ folgt hinter dem Namen eines Verstorbenen / einer Verstorbenen der Segenswunsch He \ she rest in peace, „auf ihm/ihr sei Friede“, Rest in peace „seine Wonne / Ruhe möge im Garten Eden sein“ oder Late "His / her memory should be preserved," in particular scholars L „das Andenken des Gerechten möge bewahrt werden“ o.ä.

    Auch in der Inschrift von Charlotte Spitzer finden wir nach dem Namen den Segenswunsch may she rest in peace „auf ihr sei Friede“, nach dem Namen ihres Ehemanns: עליו השלום „auf ihm sei Friede“.

    Noch ein Beispiel, der Grabstein von Johanna (Lea Chana) Janowitz, gestorben 1902, begraben am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt:

    Grabstein / gravestone Johanna (Lea Chana) Janowitz, 05/09/1902

    Grave stone / gravestone Johanna (Lea Chana) Janowitz, 05.09.1902, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



    Hier finden wir sowohl den Namen der Verstorbenen „Lea Chana Janowitz“ (Zeile 4 und 5), als auch den Namen ihres Ehemanns „Jakob Janowitz“ (Zeile 7) größer geschrieben und Sie finden nach den beiden Namen jeweils zwei verschiedene Segenswünsche: moving „Ihre Wonne / Ruhe möge im Garten Eden sein“ nach ihrem Namen, und Late „sein Andenken möge bewahrt werden“ nach seinem Namen.

    Auch hier gilt für die Praxis: Halten Sie Ausschau nach den Segenwünschen, es sind in der Regel nur zwei bis drei, die am häufigsten vorkommen und Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass davor der Name steht! Die wichtigsten Segenswünsche finden Sie in der zum Download bereitgestellten pdf-Datei: phrasenDeutsch.pdf (99KB).


  • Neben dem größer geschriebenen Buchstaben und dem Segenswunsch nach dem Namen gibt es sehr oft noch eine dritte Möglichkeit, den Namen in einer hebräischen Inschrift zu erkennen: das sogenannte the Akrostycho!

    Einleitungsformel, Name und Sterbedatum sind in einer Inschrift oft ergänzt durch einen oft auffällig langen Teil, den wir Eulogie nennen, also Lob oder Lobrede. Auf die Eulogie werde ich gleich noch genauer eingehen, im Moment reicht es zu wissen, dass wir in diesem Abschnitt oft die ersten Buchstaben mancher Zeilen oder auch aller Zeilen größer geschrieben sehen oder auch einfach besonders markiert, also etwa mit Punkten über den Buchstaben.

    Bleiben wir bei unserem Beispiel des Grabsteins der Charlotte Schwarzl Spitzer:

    Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914

    Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



    Hier sehen Sie die Anfangsbuchstaben aller Zeilen der Eulogie deutlich größer geschrieben. Lesen wir nun diese Buchstaben von oben nach unten, ergeben sie den hebräischen Vornamen der Verstorbenen: black „Schwarzl“! Das nennt man Akrostychon.

    Ähnlich bei unserem anderen Beispiel, dem Grabstein von Johanna Janowitz:

    Grabstein / gravestone Johanna (Lea Chana) Janowitz, 05/09/1902

    Grave stone / gravestone Johanna (Lea Chana) Janowitz, 05.09.1902, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



    Hier sehen Sie sowohl größer geschriebene Anfangsbuchstaben in den ersten 3 Zeilen von oben nach unten als auch in Zeile 4 der Eulogie. Zusätzlich finden sich über allen größer geschriebenen Buchstaben auch Punkte. Also sehen wir zweimal den Vornamen Lea Lea und einmal den zweiten Vornamen Hana Chana, ein Akrostychon senkrecht und zwei Akrostycha waagrecht.

    Grabstein / gravestone Chaja Schlesinger, 18/03/1777

    Grave stone / gravestone Haya Schlesinger, 03.18.1777, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



    Dieser Grabstein gehört Chaja Schlesinger, die 1777 verstarb und am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben ist.

    Wenn Sie vor einem solchen Grabstein stehen, dessen Inschrift schwer oder zum Teil sogar gar nicht mehr lesbar ist, haben Sie, aber auch ich, auf den ersten Blick wenig Chancen, Name und Sterbedatum zu finden. Die fraglichen Daten finden sich in den ersten Zeilen im Rundbogen und sind kaum mehr zu lesen. Aber wir sehen ‒ mit mittlerweile geschultem Auge ‒ das Akrostychon, das zudem noch ganz gut lesbar ist und uns den Namen verrät: Beautiful animal „Chaja Jafe“. Sie war übrigens Haushälterin und ihr 6 Jahre früher verstorbener Mann Isak Buchhalter bei seinem Vater, der niemand geringerer war als Marx Schlesinger (Mordechai ben Moses Margulies). Dieser hatte schon im Wiener Ghetto eine geachtete Stellung eingenommen und war 1683 von polnischen Soldaten ermordet worden. Angemerkt sei noch, dass das hebräische Wort „Jafe“ auf Deutsch „schön“ bedeutet und spätere Familienangehörige in den Matrikenbüchern unter „Schön“ zu finden sind.

Apropos Matrikenbücher, insbesondere Geburtsbücher:

Den hebräischen Namen finden wir nicht nur in hebräischen Grabinschriften, sondern sehr häufig auch in Geburtsbüchern.

Geburtsbuch / birth book Deutschkreutz 1887

Births / birth book German Kreutz 1887



(The Hebrew name from top to bottom: Genesis, Chana, Moses, Chaim Zvi, Bella / Bila, Sanwel, Berl, Miriam, Sanwel, Josef)

Da der hebräische Name für die genealogische Forschung oft das Zünglein an der Waage sein kann, möchte ich dafür plädieren, dass bei der Indizierung von Geburtsbüchern auch der hebräische Name indiziert wird! Das wäre besonders dann eine große Hilfe, wenn wir zum Beispiel ein bestimmtes Grab auf einem jüdischen Friedhof mit hebräischen Inschriften suchen.

Zurück zu den Grabinschriften und zum Namen:

The name is usually initiated by an indication of or the deceased's status: "The child", "the boy", "the girl", "the bachelor", "the young woman", "the widow", "the old man" etc. Almost exclusively in men nor a title that describes mainly the function within the community comes in addition: the dear Lord who Toragelehrte, the High, the Morenu = our teacher and master, etc.

Particular caution should be exercised in the words the guy "Ha-Bachur," "The Bachelor," "The unmarried man." As "Bachur" but can also be called a 60-year old man who was not married! "Bachur" alone is thus initially a status designation and no indication of age! is, however The important guy literally "the significant Bachelor" always a young unmarried man! In the vernacular it is called "chaschuv bachurl" and simply referred to a learned young man!

Similarly, for unmarried women: Virgin „ha-betula“ ist die unverheiratete Frau, egal welchen Alters sie ist! Hingegen meint das hebräische Wort העלמה „ha-alma“ immer eine wirklich Boy (unmarried woman!

In meiner Präsentation werde ich aus Zeitgründen jetzt nicht näher auf diese Statusangaben eingehen, Sie finden aber genügend oft vorkommende Beispiele in der zum Download bereitgestellten pdf-Datei: phrasenDeutsch.pdf (99KB).



Noch einmal der beeindruckende Grabstein von Resl Theben-Nassau, gestorben 1755, begraben in Mattersdorf / Mattersburg:

Grabstein / gravestone Resl Theben, 21/04/1755

Grave stone / gravestone Tessa Thebes, 21/04/1755, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Mattersburg



Bevor ich zum nächsten Thema komme, bitte beachten Sie auch die faszinierende Inschrift, die zu den eindrucksvollsten hebräischen Inschriften zählt ‒ und sie gehört einer Frau! Und in der Inschrift vor allem das auffällig lange und ausführliche Akrostychon, das absolut alle Zeilen, immerhin 26 (!), der Eulogie umfasst:

Rechte Spalte: Rebbetzin Mrs. Rizal Zell Die Rabbinersgattin, Frau Resl, ihr Andenken möge bewahrt werden,

linke Spalte: Bat Harar Wolf Zell miracle Tochter des Herrn und Meisters Wolf, sein Andenken möge bewahrt werden, Nassau


Die Eulogie

Ich habe die Eulogie vorhin erwähnt, die Lobrede auf die Verstorbene / den Verstorbenen. Sie ist in unserem Inschriften-„Formular“ sozusagen der nächste, oft größte Teil der Inschrift. Allerdings gehören auch häufig anzufindende Attribute vor dem Namen wie „der gerechte Mann“, „die bescheidene Frau“, „der große Gelehrte“ und Statusangaben streng genommen bereits zur Eulogie.

Sie wurde in meinem ersten Vortrag schwerpunktmäßig behandelt, weil wir in der Eulogie sehr häufig biografische und für Genealogen ausgesprochen wichtige Informationen finden, die die alltägliche genealogische Arbeit enorm erleichtern können oder eine effiziente Arbeit sogar erst möglich machen.

Die Eulogie, die das Ziel hat, den Verstorbenen in den Mittelpunkt zu rücken, ist nie eine 1:1-Abbildung des realen Lebens, schon gar nicht eine exakte Abbildung des bürgerlichen Lebens, und will auch nicht primär biografische Daten überliefern. Sie ist eine quasi idealtypische Schilderung des Lebenswandels und wird daher von Genealogen meist in ihrer Bedeutung unterschätzt.

Denn durch die Tatsache, dass der Lebenswandel zunehmend immer detailreicher beschrieben und erzählt wird, geraten wir unmittelbar in das Spannungsfeld zwischen hebräischer Grabinschrift und Matrikeneinträgen in deutscher oder ungarischer Sprache. Die „hohe Kunst“, wenn ich so sagen darf, besteht eben darin, die biografisch relevanten Informationen in den stereotyp und zitatenreich formulierten Texten zu „entdecken“ und zu verstehen.

Damit Sie eine konkretere Vorstellung von einer Eulogie bekommen, möchte ich jene aus der Inschrift für Samuel Schoenberger, gestorben 1911, kurz zitieren:

Grabstein / gravestone Samuel Schönberger, 04/05/1911

Grave stone / gravestone Samuel Schoenberger, 04.05.1911, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Sie beginnt in Zeile 7, unmittelbar nach dem – für Sie schön erkenntlichen – Segensspruch, der dem Namen des Verstorbenen folgt: Nataniel Schönberger, auf ihm sei Friede.

Danach die 4 Zeilen der Eulogie:

7) Der jüngste Sohn des Verehrten und Prachtvollen,
8) dessen Name durch seine Gerechtigkeit und Großzügigkeit bekannt war,
9) des Herrn Samuel Niklo, auf ihm sei Friede. (Achtung: Das ist eine genealogisch relevante Information: Mit „Niklo“ ist der heute ungarische Ort Fertöszenmiklos gemeint!)
10) Er verstarb in hohem Alter, nachdem er gekommen war
11) zu Kräften (Achtung: die nächste genealogisch relevante Information: „nachdem er zu Kräften gekommen war“, bedeutet, dass er ungefähr 80 Jahre alt war, weil wir lesen in Psalm 90,10 „Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig.“

Samuel Schönberger starb mit 79 Jahren.

Ich fasse zusammen: Es geht uns hier vor allem darum, dass Sie erkennen, wo in einer hebräischen Inschrift die Eulogie ist.

In der Inschrift von Charlotte Spitzer mehr oder weniger üblich im unteren Teil, in der Inschrift von Therese Jacobi, gestorben 1875 etwa gleich am Beginn! Wenn Sie die Eulogie rein von der Struktur erkennen können, wissen Sie, welchen Teil der Inschrift Sie geistig sozusagen ausklammern dürfen, um sich auf jene anderen Teile konzentrieren zu können, in denen Sie die besprochenen Elemente finden: Einleitungsformel, Name, Segenswunsch und ‒ was uns jetzt noch fehlt als nach dem Namen wichtigstes Element, das

Sterbedatum

Vorweg muss angemerkt werden, dass das Sterbedatum überall in der Inschrift stehen kann, ganz oben, oft noch vor der Einleitungsformel, unter dem Namen oder auch in der Eulogie. Uns geht es heute darum, wie Sie auch ohne Hebräischkenntnisse gut erkennen können, wo in der Inschrift das Sterbedatum steht und wie Sie dieses ins bürgerliche Datum umrechnen können.

Das Sterbedatum wird in hebräischen Inschriften ausschließlich nach dem jüdischen Kalender angegeben. Das Datum wird nie in Zahlen, sondern immer mit hebräischen Buchstaben, die einen bestimmten Zahlenwert haben, angegeben.

Das hebräische Alefbet mit Zahlenwerten und Namensbeispielen finden Sie in der zum Download bereitgestellten pdf-Datei: alefbetDeutsch.pdf (87KB).

Sehen wir uns noch einmal die Inschrift von Charlotte Schwarzl Spitzer an:

Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914

Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Die gesamte Datumsangabe finden sie in den Zeilen 7 und 8, das Sterbejahr in Zeile 8. Zunächst geht es uns vor allem um das Sterbejahr und zwar aus zwei Gründen:

  1. In der Praxis, wenn sie einen bestimmten Grabstein auf einem Friedhof mit hebräischen Grabinschriften suchen, wird es in den meisten Fällen reichen, wenn Sie das Sterbejahr eindeutig identifizieren können.
  2. Das Sterbejahr ist in der Datumsangabe meist das am einfachsten zu lesende Element.

Das Sterbejahr besteht meist aus drei Elementen:

(1) Das Wort für „Jahr“ Year „schnat“, (2) die Buchstabenkombination, deren Zahlenwert das Sterbejahr ergibt und (3) danach drei Buchstaben, die immer dieselben Buchstaben sind.

Der Reihe nach:

Das Wort für Jahr „schnat“ kann auch abgekürzt sein mit dem ersten Buchstaben also That" „sch“.

Die Buchstabenkombination, deren Zahlenwert das Sterbejahr ergibt, ist in den meisten Fällen irgendwie gekennzeichnet, mit Punkten über den Buchstaben oder mit Anführungszeichen oder einfachen Strichen zwischen den Buchstaben. In unserem Beispiel sehen wir deutlich die Punkte über den vier Buchstaben.

Die drei Buchstaben nach dem Sterbejahr sind eine Abkürzung, die gekennzeichnet ist durch die Anführungszeichen! Zu lesen ist die Abkürzung Octavo als „lifrat katan“, was bedeutet „nach der kleinen Zeitrechnung“.

Die heute übliche jüdische Zeitrechnung geht von der Schöpfung der Welt aus und wird auf das Jahr 3.760 vor der christlichen Zeitrechnung angesetzt. Diese Zeitrechnung setzt sich nicht vor dem 11. Jahrhundert durch und hat sich bis heute erhalten. Die Umrechnung ist denkbar einfach:

Jüdischer Kalender, die jüdischen Monate

Jüdischer Kalender, die jüdischen Monate



Wenn das Jahr „minus“ 3.760 das jüdische Jahr Null ist, ist das jüdische Jahr 5.000 das bürgerliche Jahr 1240 (-3760+5000 =1240). Da Sie höchstwahrscheinlich selten in die Verlegenheit kommen werden, einen Grabstein zu finden mit einem Sterbedatum vor 1240, reicht es, wenn Sie sich 1240 als jüdisches Jahr 5000 merken.
Nun benötigen Sie nur mehr eine Liste der hebräischen Buchstaben mit ihren Zahlenwerten (s.o.).

Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914, Detail / detail

Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt, Detail / detail



Jetzt müssen wir noch die Zahlenwerte der Buchstaben wissen: In der Inschrift von Charlotte Spitzer finden wir ת Gave = 400, ר Resch = 200, ע Ajin = 70 und ד Dalet = 4, was zusammengezählt 674 ergibt.

Charlotte Spitzer starb also im Jahr 674. Gemeint ist natürlich das Jahr 5674, aber der Tausender wird in den allermeisten Fällen nicht geschrieben. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich ein Kind war und Schulaufgaben machte, schrieb meine Mama das Datum darüber und schrieb statt 1974 nur 74. Und über die 74 machte sie einen Strich um anzuzeigen, dass es 1974 heißen sollte. Ähnlich ist es hier, die drei Buchstaben nach der Jahreszahl bedeuten, wie gesagt, „nach der kleinen Zeitrechnung“, also ohne 5.000!

Wollen wir wissen, welches jüdische Jahr derzeit ist, müssen wir nur 2019 minus 1240 rechnen und erhalten 779. Wir haben also jetzt das jüdische Jahr 5779 oder 779 „nach der kleinen Zeitrechnung“.

Hier der Grabstein von Tolentino Colombo, gestorben am 16. Oktober 1873, begraben am jüdischen Friedhof von Triest:

Grabstein / gravestone Colombo Tolentino, 16/10/1873

Grave stone / gravestone Colombo Tolentino, 10/16/1873, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Trieste



Im italienischen Raum finden wir dagegen relativ häufig die Jahreszahl mit dem 5000er geschrieben: So starb Colombo Tolentino im Jahr 5634! 5000 wird mit dem Buchstaben ה „He“ geschrieben, der den Zahlenwert „5“ hat.

Nun werden die schnellen Kopfrechner unter Ihnen natürlich sofort einwenden, dass das nicht stimmt, weil 1240 und 634 natürlich 1874 ergibt und nicht 1873! Der Grund ist folgender:

Das jüdische Jahr beginnt im September/Oktober des bürgerlichen Jahres, am 1. Tischre! Daher liegen die Monate Tischre, Cheschwan, Kislew und teilweise Tevet immer schon im neuen jüdischen Jahr, aber noch im alten bürgerlichen Jahr. Da der Monat Tevet in den Dezember/Jänner fällt, kann das Datum entweder noch im Dezember des alten bürgerlichen Jahres oder im Jänner des neuen Jahres liegen. Und in der Inschrift von Colombo Tolentino lesen wir, dass sie im Monat Tischre (Zeile 6) verstarb, also noch im Jahr 1873, aber schon im „neuen“ jüdischen Jahr 5634!

Unterschätzen Sie dieses Problem nicht! In der Praxis habe ich sehr häufig das schon erwähnte Problem, ein bürgerliches Sterbedatum zu wissen und auf einem großen jüdischen Friedhof mit hebräischen Inschriften den entsprechenden Grabstein suchen zu müssen. Und wenn das Sterbedatum Herbst 1873 ist, muss ich eben 634 und nicht 633 suchen. Wenn Sie das aber nicht wissen, ist die Chance den richtigen Grabstein zu finden gleich Null. Sozusagen ein klassisches Problem, das keines mehr ist, wenn man ein wenig Bescheid weiß.

Nun sind wir von der Jahreszahl ohnehin schon einen Schritt weiter gegangen zum Monat. Selbstverständlich finden Sie alle jüdischen Monatsnamen in der zum Download bereitgestellten pdf-Datei: zeitrechnung-monateDeutsch.pdf (83KB). Wenn Sie ein wenig Glück haben, können Sie den Monat in einer gut lesbaren Inschrift auch problemlos lesen. So etwa in der uns schon bekannten Inschrift von Charlotte Spitzer in Zeile 8:

Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914

Grabstein / gravestone Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05/06/1914, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt, Detail / detail



Hier der jüdische Monat Siwan (Mai/Juni).

Und wenn wir schon so weit sind, fehlt uns nur noch der Tag im Monat, um das komplette Sterbedatum lesen zu können.

Da wir schon wissen, dass die Zahlen in hebräischen Inschriften immer mit hebräischen Buchstaben dargestellt werden, ist es recht simpel: wir brauchen einfach wieder nur die Zahlenwerte der Buchstaben. Hier י Jod = 10 und א Alef = 1 (Alef ist ja der erste Buchstabe des hebräischen Alef-Bets), also 11. Charlotte Spitzer starb also am 11. Siwan 674 und das war der 05. Juni 1914.

Ein Tipp aus der Praxis: Verwenden Sie am besten nicht eine Website, sondern eine gute Handy-App für die Umrechnung. Sowohl die Apps für Iphone (Jewish Calendar – CalJ) als auch für Android (HebDate) sind gratis, ausgezeichnet und Englisch!

Weiters ist, speziell für genealogische Belange, noch zu beachten, dass der jüdische Tag immer am Abend bei Sonnenuntergang beginnt. Wir haben daher sehr häufig den Fall, dass jemand zum Beispiel nach dem Sterbebuch am 13. Mai 1914 starb. Das war nach jüdischem Datum der 17. Ijjar 674. Allerdings ist im Sterbebuch vermerkt, dass der Tod um 23 Uhr eintrat. Damit haben wir als korrektes Sterbedatum bürgerlich den 13. Mai und jüdisch schon den 18. Ijjar.

Der Vollständigkeit halber und damit Sie nicht beim ersten Grabstein mit hebräischer Inschrift, den Sie lesen, gleich die „Flinte ins Korn werfen“, noch eine Anmerkung:

Ein sehr schönes Beispiel ist auch das Sterbedatum am Grabstein von Samuel Schlesinger, Samuel ben Moses Güns, Bruder des berühmten Rabbiners Akiba Eger! Auch Samuel Schlesinger ist am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben.

Grabstein / gravestone Samuel Guens-Schlesinger, 16/05/1835

Grave stone / gravestone Samuel Guens-Schlesinger, 16.05.1835, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



In Zeile 3 und 4 der hebräischen Inschrift lesen wir:

Seine Seele ging hinweg in Reinheit im Monat Ijjar, in der Nacht zum heiligen Schabbat, zu Lag ba-Omer nach der Zahl (= Omerzählen) der Kinder Israel und wurde begraben am Sonntag, Lag ba-Omer nach der Zahl der Kinder Israel im Jahr 595.

Wenn Sie nun Lag ba-Omer Lag B'Omer lesen können und wissen, dass Lag ba-Omer immer der 18. Ijjar ist, wissen Sie, dass Samuel Schlesinger am Freitagabend gestorben ist und am Sonntag begraben wurde.

Aber wie schon oben gesagt, das ist schon zumindest eine Schwierigkeitsstufe höher und für die wichtigsten Daten, die wir in einer hebräischen Inschrift finden wollen, auch nicht so dringend notwendig. Denn das Jahr (Zeile 5 und 6) können Sie in jedem Fall anstandslos lesen: Year allocate Peck „Schnat 595 nach der kleinen Zeitrechnung“: ת Gave = 400, ק Kof = 100, צ Zadi = 90 and ה He = 5, also 595 = 1835. Sowohl das Year „schnat“ in Zeile 5 als auch die drei Buchstaben Peck für „nach der kleinen Zeitrechnung“ in Zeile 6 können Sie problemlos erkennen und daher die Jahreszahl schnell festmachen! Selbst auf einem Grabstein eines Mannes aus prominenter gelehrter Familie mit langem und nicht einfach zu übersetzenden Eulogie-Teil in der hebräischen Inschrift.

Sie sehen übrigens hier, dass die Einleitungsformel mit den beiden Buchstaben Penn (Pe und Nun) „Hier ist begraben“ nicht ganz am Anfang der Inschrift, sondern erst nach dem Namen und dem Datum kommt, unmittelbar vor der Eulogie.

Damit kommen wir, wenn wir eine hebräische Inschrift von oben nach unten analysieren, zur letzten Einheit, zur Schlusseinheit, zur sogenannten

Schlusseulogie

Diese ist das Lob am Schluss der Inschrift, am Schluss der im Lobteil der Inschrift auf liebevolle und gelehrte Weise gehaltenen Zwiesprache mit dem Toten.
Diese Schluss-Eulogie wird fast immer abgekürzt geschrieben mit den fünf Buchstaben Tntzbh Taw, Nun, Zadi, Bet und He. Ausgeschrieben bilden sie den Satz Let himself \ herself bound in the bond of life „Seine / ihre Seele möge eingebunden sein im Bund / Bündel des Lebens“. Dieser schöne Satz ist eigentlich ein Zitat aus 1 Samuel 25,29, wo Abigail zu David sagt: „…so soll das Leben meines Herrn eingebunden sein im Bündlein der Lebendigen…“. Beispiel: Grabstein Abraham EidlitzDied 16 May 1868 buried in the older Jewish cemetery in Eisenstadt:

Grabstein / gravestone Abraham Eidlitz, 16/05/1868

Grave stone / gravestone Abraham Eidlitz, 05.16.1868, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Naturgemäß findet sich der Schlusssegen, die Schluss-Eulogie am Schluss der Inschrift, zumindest in 99.9% aller hebräischen Inschriften. Eine der sicher wenigen Ausnahmen: Die Inschrift von Moses ben Josef Wertheim, gest. 1713, am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt. Er ist übrigens der Bruder des berühmten Hoffaktors und Rabbiners Samson Wertheimer! Die Schlusseulogie steht am Beginn der Inschrift! Sinnvolle Erklärung dafür habe ich aber leider nicht:

Grabstein / gravestone Mose Wertheimer, 18/07/1713

Grabstein / gravestone Mose Wertheimer, 18/07/1713, älterer jüdischer Friedhof / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Auf modernen jüdischen Grabsteinen finden sich in den letzten Jahrzehnten sehr oft nur mehr die Einleitungsformel und die Schlusseulogie als hebräisches Element in der Grabinschrift.

Auch ich komme zum Schluss meiner Präsentation.

Hebräische Grabinschriften zu bearbeiten, zu übersetzen und zu kommentieren, wird üblicherweise nicht als genealogische Arbeit gesehen. Bestenfalls als eine Art „Zuliefer-Arbeit“ für die eigentliche Kernarbeit. Es wäre wünschenswert, dass der Stellenwert der hebräischen Inschrift ein wenig mehr in den genealogischen Mittelpunkt rückt.

Zwei Beispiele mögen das illustrieren:

Als ich vor einiger Zeit nach Kroatien reiste und den jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka besuchte, fiel mir beim Betreten des Friedhofes ein sehr prominenter Grabstein auf: Antonio und Ernestina Mattersdorfer sind in Fiume begraben. Ihr Name ist der Name einer der heiligen jüdischen Sieben-Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes: Mattersdorf, das heutige Mattersburg.

Der Grabstein von Antonio und Ernestina hat auf der einen Seite eine italienische, auf der anderen Seite eine hebräische Inschrift. Bei beiden finden wir in der italienischen Inschrift nur das Geburts- und Sterbejahr, kein genaues Datum und keine Erwähnung ihrer Eltern.

Alle diese genealogisch wichtigen Daten finden wir nur in der ‒ übrigens sehr schönen ‒ hebräischen Inschrift. Und nur diese hebräische Inschrift machte es uns möglich, die Herkunft von Antonio Elchanan Mattersdorfer, seine Eltern und seine Geschwister im Südburgenland zu finden:

Geburtsbuch / birth book Elkan Mattersdorfer, 1854

Births / birth book Elkan Mattersdorfer, 1854



Denn selbstverständlich finden wir in den Geburtsmatriken von Schlaining nur den hebräischen Namen: Elchanan oder Elkan Elhanan (und Vater: Hebräisch: Seev Wolf, Geburtsbuch: Wolf!) Mit „Antonio“ wie wir in der italienischen Inschrift lesen, wären wir nicht weitergekommen!

Wirklich erfreulich ist, dass Sie jetzt, so wie ich es versprochen habe, nach etwa einer halben Stunde die wichtigsten für genealogische Belange hebräische Elemente erkennen können: Die Einleitungsformeln, die Schlusseulogien, das Sterbedatum, zumindest das Sterbejahr (wenn auch bei beiden Jahreszahlen ohne die drei nachgestellten Buchstaben „nach der kleinen Zeitrechnung“) und den hebräischen Namen sowie die Namen der Väter der Verstorbenen:

Grabstein / gravestone Antonio / Ernestina Mattersdorfer, 1910 / 1932

Grave stone / gravestone Antonio / Ernestina Mattersdorfer, 1910/1932, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Fiume / Rijeka



Wir kommen noch einmal, zum letzten Mal, zum Grabstein von Resl Theben-Nassau zurück:

Grabstein / gravestone Resl Theben, 21/04/1755

Grave stone / gravestone Tessa Thebes, 21/04/1755, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Mattersburg



Über das faszinierende Akrostychon haben wir schon gesprochen, die Abkürzung „nach der kleinen Zeitrechnung“ können wir am Ende des Rundbogens und die Schlusseulogie am Ende der Inschrift problemlos erkennen. Die Inschrift von Resl Theben-Nassau ist ausgesprochen komplex, allein die Eulogie rund um ihren Namen und ihre Abstammung macht 4 lange Zeilen aus.

Ich habe aber diesen Grabstein für den Schluss gewählt, weil die hebräische Inschrift der einzige bekannte Zeuge für Resl Theben-Nassaus Tod ist, für ihr genaues Sterbedatum, das übrigens ausgesprochen weise und tief in der biblischen Tradition verwurzelt formuliert ist.

Die hebräische Grabinschrift als einzige und verlässliche Primärquelle für die genealogische Forschung. Ich habe den Grabstein im Dezember 2014 online publiziert. Auf geni.com finden wir bei Resel Theben Nassau kein Sterbedatum und keinen Sterbeort. Moderator ist Randy Schoenberg und Randy, du bist in bester Gesellschaft! Denn niemand Geringerer als der Bibliothekar der Israeltischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Bernhard Wachstein, dem wir die bahnbrechenden Publikationen zum jüdischen Friedhof in der Seegasse in Wien und den älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt Anfang des 20. Jahrhunderts verdanken, kennt ihren Vater Wolf ben Löb Nassau-Brilin, auf dessen Grabstein übrigens zwischen Überschrift und Text eine Brille eingraviert ist. Auch Wachstein weiß von der Existenz der Tochter Rösel, weiß aber nicht, wann sie gestorben ist und wo sie begraben wurde (Bernhard Wachstein, The inscriptions of the old Jewish cemetery in Vienna, the second part (1696-1783), Vienna 1917, No. 907th).

Wir wissen das aufgrund der hebräischen Inschrift!

Grabstein / gravestone Malka Austerlitz, 04/04/1743

Grave stone / gravestone Malka Austerlitz, 04.04.1743, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Manchmal ist aber alles ein wenig anders, als ich Ihnen jetzt erzählt habe … einer der beiden Grabsteine, die ich eingangs gezeigt habe, war der von Malka Austerlitz, gestorben 1743. Und ich befürchte, dass Sie außer der Schluss-Eulogie nichts erkennen können. In solchen Fällen schreiben Sie mir bitte eine Email ;-)

Danke.

Downloads


No Comments zu Hilfe! Ich kann nicht Hebräisch, …

What we should learn ...

…von den Friedhofsprojekten des Österreichischen jüdischen Museums in Eisenstadt English version Eingangs-Hypothese Ortsangaben Der hebräische Name (Synagogalname) versus bürgerlichen Namen Alters- und Statusangaben Segenswünsche Sterbedatum Todesursache Downloads Der Artikel ist…

…von den Friedhofsprojekten des Österreichischen jüdischen Museums in Eisenstadt

English version


Der Artikel ist die deutschsprachige Version meines bei der 39. Internationalen Konferenz zur Jüdischen Geneaolgie in Cleveland, Ohio, am 31. Juli 2019 in Englisch gehaltenen Vortrages. Er wird bis auf die einleitende Vorstellung meiner Person hier ungekürzt wiedergegeben.

Lesen Sie auch meinen zweiten Vortrag vom 02. August 2019 „Hilfe ich kann nicht Hebräisch…„.

Ich danke sehr herzlich für die Einladung und dass ich die Gelegenheit habe, hier zu sprechen.

Vorweg: Sie müssen nicht mitschreiben oder die Sorge haben, etwas zu überhören. Sie bekommen am Schluss der Präsentation einen Link, wo Sie die gesamte Präsentation inklusive aller Beispiele sowie alle Tools downloaden können!


Die Bedeutung biografischer Informationen in hebräischen Grabinschriften.

Eingangs-Hypothese

The Hebrew grave inscriptions lead, particularly within the genealogical research usually only a shadowy and rarely get the status that they should have.

Wenn ich mir die einschlägigen Web-Portale ansehe, allen voran natürlich das Jewish Genealogy Portal auf Facebook, fällt auf, dass zwar häufig Übersetzungshilfen von hebräischen Grabinschriften erbeten werden, dass das Interesse sich dabei aber meist auf den Namen und das Sterbedatum beschränkt. Dass also jener oft dominante Teil einer hebräischen Grabinschrift, das sogenannte Lob (die Eulogie), kaum oder gar nicht Beachtung findet.

Und das ist schade. Denn damit lässt der Genealoge mit einem sehr hohen Wahrscheinlichkeitsgrad für die genealogische Forschung enorm relevante (biografische) Daten außen vor. Daten und Informationen, die wir in den meisten Fällen eben nicht in anderen Quellen finden.

Der Titel meiner Präsentation ist:
Was wir lernen sollten von den Friedhofsprojekten des Österreichischen jüdischen Museums in Eisenstadt

Worum aber geht es bei diesem Projekt bzw. diesen Projekten?

Eisenstadt war das Zentrum der sogenannten „Sieben-Gemeinden“, hebr. „Scheva Kehillot“, also sieben heiliger jüdischer Gemeinden auf ehemals westungarischem, heute burgenländischem Gebiet. Das Burgenland ist seit 1921 das östlichste Bundesland Österreichs, an der Grenze zu Ungarn. Die Gemeinden wurden Ende des 17. Jahrhunderts besiedelt, 1938 bedeutete das endgültige Aus jeder jüdischen Ansiedlung, im Burgenland gibt es heute keine jüdischen Gemeinden mehr, nur mehr ein Dutzend Juden. Auf den 14 jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes befinden sich etwa 8.000 Grabsteine mit fast ausschließlich hebräischen Grabinschriften. Es existieren im Burgenland keine Lagepläne von Friedhöfen. Es ist notwendig, jeden einzelnen Grabstein vor Ort zu besuchen.

Eisenstadt ist in der Region der einzige Ort, in dem wir heute zwei große jüdische Friedhöfe finden. Der mit Abstand bedeutendste jüdische Friedhof in den ehemaligen „Sieben-Gemeinden“ ist der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt. Der älteste Grabstein ist aus dem Jahr 1679 und der Friedhof wurde bis Sommer 1875 belegt. Der im Herbst 1875 angelegte jüngere jüdische Friedhof war der „Nachfolge-Friedhof“ des älteren und wurde bis 1938 belegt, in wenigen Einzelfällen kam es auch noch zu Begräbnissen nach 1945.

Ende Oktober 1992 wurde dieser jüngere jüdische Friedhof in Eisenstadt geschändet, 88 Grabsteine, oder präzise gesagt, die hebräischen Grabinschriften wurden mit Naziparolen und Nazisymbolen beschmiert:

Diese Schändung führte mich dazu, alle Inschriften des jüngeren jüdischen Friedhofes zu transkribieren, sie vollständig und zeilengerecht zu übersetzen und die Inschriften ausführlich zu kommentieren.

Erschienen ist die Aufarbeitung als Buch 1995 (damals, als das Internet noch in den Kindeschuhen war, noch mit Betriebssystem MS-DOS 6 erstellt und eine Herausforderung) und war in Österreich das erste (!) Buch dieser Art nach 1945.

Es ging mir vor allem darum, festzustellen, welche Grabsteine überhaupt auf diesem jüngeren jüdischen Friedhof vorhanden sind, wer also hier begraben ist (wie gesagt, Lagepläne fehlen zur Gänze!). Niemand wusste die Namen der Toten, die hier begraben sind, niemand konnte ein bestimmtes Grab finden.

Genealogische Ansprüche hatte die Publikation nur am Rande, genealogische Portale, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht, Sterbebücher mussten mühsam fotografiert und gelesen werden, wir beschränkten uns in der Publikation auf biografische Notizen.

Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt hat 1085 Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften! Wir finden keinen einzigen nicht-hebräischen Buchstaben auf dem Friedhof.

Bereits 1922 publizierte der langjährige Direktor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Bernhard Wachstein, alle Grabinschriften des älteren jüdischen Friedhofes. Das bedeutet, dass wir zwar wissen, wer 1922 auf dem Friedhof begraben war, welche Grabsteine sich damals auf dem Friedhof befunden haben, dass wir aber bis 2015 nicht wussten, wie viele Gräber überhaupt und welche Gräber jetzt noch auf dem Friedhof zu finden sind und vor allem, wo sich welches Grab auf dem Friedhof befindet. Tausende Menschen aus aller Welt besuchen jährlich den älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt, aber insbesondere Angehörige und Nachfahren hatten jahrzehntelang keine Möglichkeit das Grab oder die Gräber ihrer Familienangehörigen auf dem Friedhof zu finden!

Diese sehr traurige Situation führte schließlich 2015 zum großen Projekt „Älterer jüdischer Friedhof von Eisenstadt“. Es ging dabei einerseits um eine längst überfällige historische und kulturgeschichtliche Notwendigkeit und andererseits aber vor allem auch um eine religiöse Notwendigkeit, mehr noch – um eine religiöse Pflicht. Denn es ist, nach der Pikuach Nefesch, der Rettung aus der Lebensgefahr, die wichtigste Mitzwa, Kavod Hamet, die Achtung der Würde des Toten, und dazu gehört, die Gräber der Toten zu kennen!

Die vollständige Dokumentation, sowohl des älteren als auch des jüngeren jüdischen Friedhofes (dieser folgte 2017, vor allem ergänzt mit biografischen Daten), findet sich im Internet, im Blog des Österreichischen Jüdischen Museums, wo jeder Grabstein und jede Grabinschrift abgerufen werden kann. Für Menschen, besonders Nachkommen, die ihre Verwandten und Vorfahren suchen, gibt es auf jedem Grab auf beiden Friedhöfen einen QR-Code, der zur URL des Grabsteins mit Foto, Inschrift, Links zu den Verwandten sowie Lageplan führt. Ich darf sagen ‒ ein Service, das weltweit einzigartig ist. Der genealogische Anspruch unserer Arbeit ist mit den Jahren gewachsen, war die Hauptfrage beim älteren jüdischen Friedhof „Woher sind die Menschen gekommen“, änderte sich die Frage beim jüngeren Friedhof und lautete nun „Was ist mit ihnen geschehen?“ Nämlich mit den Ehepartnern, Kindern und Schwiegerkindern, die nicht am Friedhof begraben sind.

Wenn wir über die Grabsteine und hebräischen Inschriften der beiden jüdischen Friedhöfe von Eisenstadt sprechen, sprechen wir über Grabsteine, deren hebräische Inschriften oft 40 Zeilen (!) und mehr umfassen (Guetel/Meir Austerlitz, Malka Austerlitz, Fradl / Loeb Schacherls):

Wir sprechen also von Grabinschriften, auf denen wir in der hebräischen Inschrift neben Name und Sterbedatum noch viele weitere Informationen finden, Informationen, die oft höchste genealogische Relevanz haben!

Im Folgenden daher ein deutliches Plädoyer für die hohe Relevanz von hebräischen Grabinschriften für die genealogische Forschung:

Schon eingangs habe ich versucht klar zumachen, dass der Name und das Sterbedatum sehr oft nicht die einzigen biografischen Informationen sind und dass jener oft dominante Teil einer hebräischen Grabinschrift, das sogenannte Lob (die Eulogie), kaum oder gar nicht Beachtung findet.

Als Lob bzw. Eulogie bezeichnen wir – grob gesagt – meist jenen Mittelteil einer hebräischen Grabinschrift, der vom Zeilenumfang her den größten Teil der Inschrift ausmacht und mit biblischen, nachbiblischen und rabbinischen Wendungen und Zitaten den individuellen Lebenswandel des Verstorbenen zunehmend immer detailreicher beschreibt.

Als Stilmittel werden der Reim gerne verwendet oder das Akrostychon, also dass die Zeilenanfänge ‒ von oben nach unten gelesen ‒ den Namen des oder der Verstorbenen wiederholen, oft durch größere Buchstaben oder Markierungen über den Buchstaben kenntlich gemacht (Adele Wolf, 14 January 1894):

Grabstein / gravestone Adele Wolf, 14/01/1894

Grabstein / gravestone Adele Wolf, 14/01/1894, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Hier etwa hilft das Akrostychon sogar den hebräischen Namen der Verstorbenen korrekt zu lesen, da dieser in der Namenszeile ausgebrochen ist.

Obwohl die Eulogie nie eine 1:1-Abbildung des realen Lebens sein will, schon gar nicht des bürgerlichen Lebens, besteht die Herausforderung darin, die biografisch relevanten Informationen aus den stereotyp und zitatenreich formulierten Texten zu „entdecken“ und zu verstehen.

Am jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt finden wir unmittelbar nebeneinander die Grabsteine der Brüder Bernhard Austerlitz and Heinrich Austerlitz:

Grabstein / gravestone Bernhard Austerlitz, 17/06/1918

Grabstein / gravestone Bernhard (Baruch) Austerlitz, 17/06/1918, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Bernhard Baruch Austerlitz starb 1918 im Alter von 82 Jahren und hatte mit seiner Ehefrau Rosa 11 nachweisbare Kinder (4 Töchter, 7 Söhne). Wir fanden von allen Kindern die Geburtseinträge.

Dass wir in diesem Fall Mühe aufwenden sollten, nach Kindern in den Matriken zu suchen, wissen wir von der hebräischen Grabinschrift, wo es in Zeile 11 und 12 heißt:

Auch seine Kinder (wörtlich „Söhne“) und seine Nachkommen (gemeint sind wohl die Enkel und Urenkel!) unterwies er auf dem Weg der Vollkommenheit.

Das hebräische Wort Boys „banim“, „Söhne“, wird üblicherweise für „Kinder allgemein“ verwendet, und zwar meist dann, wenn nicht auch die Töchter zusätzlich und ausdrücklich erwähnt werden (wie wir gleich sehen werden).

Der daneben begrabene Bruder Heinrich (Benedict Moses Hayim) Austerlitz ist 9 Jahre früher gestorben, am 28. Dezember 1909. Er war noch älter als sein Bruder, nämlich 85 Jahre, seine Frau Katharina, die auch am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben ist, starb ebenfalls mit 85 Jahren 1921.

Grabstein / gravestone Heinrich (Benedikt Mose Chajim) Austerlitz, 28/12/1909, jüngerer jüdischer Friedhof / younger Jewish cemetery in Eisenstadt

Grave stone / gravestone Heinrich (Benedict Moses Hayyim) Austerlitz, 28.12.1909, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Und selbstverständlich begannen wir ‒ sozusagen routinemäßig ‒ in den Matriken nach Kindern des Ehepaares zu suchen, da wir davon ausgingen, dass wir ‒ wie bei seinem Bruder ‒ auch bei Heinrich und Katharina Austerlitz mehrere Kinder finden würden.

Genau diese Suche in Matriken oder anderen Quellen können sich aber Genealogen ersparen, wenn sie die Zeile 10 in der langen hebräischen Grabinschrift kennen und berücksichtigen, denn dann wird klar, dass das Ehepaar in 50 Jahren ihrer gemeinsamen Ehe kinderlos blieb (und offensichtlich auch bleiben wollte), denn in Zeile 9 und 10 lesen wir:

Chajim genoss das Leben mit der Frau, die er beinahe 50 Jahre liebte.
Er hatte keine Kinder; mehr wert als Söhne und Töchter war der gute Name, den er sich erworben hatte.

Wir lernen also: Lesen wir ausdrücklich girls „banot“, „Töchter“, können wir uns darauf verlassen, dass es auch oder nur Töchter gab. Problematischer ist Boys „banim“, „Söhne“, weil sowohl „Kinder“ allgemein als auch explizit „Söhne“ gemeint sein können. Hier ist oft Fingerspitzengefühl bei der Übersetzung notwendig. Wenn es etwa heißt „er brachte viele ‚banim‘ in den Bund Abrahams“ sind natürlich die „Söhne“ gemeint, genauso wenn wir eine Zahl davor finden: „Ein Vater von sieben ‚banim'“ ist natürlich ein Vater von sieben „Söhnen“ und nicht „ein Vater von sieben Kindern“. Wenn wir allgemeine Formulierungen finden wie oben „Er hatte keine ‚banim'“ ist gemeint, dass er „keine Kinder“ hatte.

Ortsangaben

Ebenfalls in der Eulogie, aber auch in kurzen Inschriften ohne Eulogie, finden wir häufig Ortsangaben: Geburts- bzw. Herkunftsort oder Sterbeort. Sterbeort vor allem dann, wenn die oder der Verstorbene in einem anderen Ort als jenem, in dem sich der Grabstein befindet, verstorben ist. Grabstein von Monisch am Mordechai aus Eibenschitz (Ivančice), gestorben 27. Jänner 1737 (Eybeschutz „aus Eib(en)schitz“):

Grabstein / gravestone Monisch ben Mordechai aus Eibenschitz, 27/01/1737

Grave stone / gravestone ously ben Mordechai of Eibenschitz, 01.27.1737, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Oder der Grabstein von Adolf Wolf, der am 07. Juli 1929 (in) Bath Ischl „Merchatz Ischl“ = Bad Ischl verstarb, Zeile 15):

Grabstein / gravestone Adolf Wolf, 07/07/1929

Grave stone / gravestone Adolf Wolf, 07.07.1929, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Es hätte hier selbstverständlich auch die Möglichkeit gegeben, den Ortsnamen einfach Deutsch, aber mit hebräischen Buchstaben zu schreiben, man hat aber die direkte Übersetzung von „Bad“ = hebräisch „merchatz“ bevorzugt. Bad Ischl ist ein auch bei Juden sehr beliebt gewesener österreichischer Kurort im Zentrum des Salzkammergutes im südlichen Teil von Oberösterreich.

Für Genealogen ist die Angabe des Sterbeorts natürlich extrem hilfreich, weil im betreffenden Ort weitere Quellen (wie Tageszeitungen etc.) nach Spuren durchsucht werden können. Umso mehr, also etwa der Tod von Adolf Wolf nicht nach Eisenstadt gemeldet wurde, der Tod von Adolf Wolf also nicht auch im Sterbebuch von Eisenstadt eingetragen ist!

Mit anderen Worten: Nur mit der Durchsuchung des Sterbebuches Eisenstadt, also der Basisarbeit des Genealogen, würden wir Adolf Wolf nicht finden. Und andererseits wüssten wir ohne die vollständige Dokumentation des jüdischen Friedhofes in Eisenstadt und ohne das Lesen und Übersetzen der gesamten hebräischen Inschriften nicht, wo Adolf Wolf gestorben und begraben ist!

Dass der Geburts- bzw. Herkunftsort aus genealogischer Sicht von enormer Bedeutung ist, muss hier nicht weiter ausgeführt werden:

Juliana (Jütl) Holzer ist am älteren jüdischen Friedhof in Eisentadt begraben. Sie starb am 14. März 1845 und ist die erste Ehefrau des Urgroßvaters von Herrn Samuel Holzer, Natan Holzer. Jütl Holzer, in Eisenstadt geboren und zuständig nach Kobersdorf Shaked congregation („aus der heiligen jüdischen Gemeinde Kobesdorf“, Zeile 3), ist 25 Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes Anton (Todros) in Eisenstadt verstorben:

Grabstein / gravestone Juliana (Jütl) Holzer, 14/03/1845

Grave stone / gravestone Juliana (Jütl) Holzer, 14.03.1845, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Eine sehr exakte Angabe des Herkunftsortes finden wir in der Inschrift am Grabstein von Jütel Cohen, gestorben 1765:

Grabstein / gravestone Juetl Cohen, 06/10/1765

Grave stone / gravestone Juetl Cohen, 10.06.1765, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



Sie kommt aus Tenovice (Zeile 4) in Böhmen, hebräisch Which „peham“ (Zeile 5)! (Das muss man wissen, dass „peham“ eine der hebräischen Bezeichnungen für Böhmen ist). Nur am Rande sei angemerkt, dass insbesondere hebräische Namen von Orten oft große Herausforderungen darstellen, wie etwa auch das hebräische Canaan „Kna’an“ weder etwas zu tun hat mit dem historischen Ort in Galiläa noch mit dem Gebiet Canaan, sondern schlicht ein weiterer hebräischer Name für Böhmen ist.

Der hebräische Name (Synagogalname) versus bürgerlichen Namen

Grundsätzlich: In hebräischen Grabinschriften ist immer und ausschließlich der hebräische Name (oder Synagogalname) angegeben, und zwar sowohl von Frauen als auch von Männern. Es wird nie der bürgerliche Name angegeben. In jüngeren Inschriften finden wir den bürgerlichen Namen gelegentlich als Zusatz in deutscher oder ungarischer Sprache, aber eben nie in der hebräischen Inschrift (Beispiele: Antonia (dove) Hirsch, 04. Oktober 1936, jüdischer Friedhof Mattersburg, und Charlotte (Schwarzl) Spitzer, 05. Juni 1914, jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt):

Wir finden also in der hebräischen Inschrift nie „Charlotte“, sondern etwa „Schwarzl“, nie „Antonia“, sondern etwa „Taube“ und nie „Armin“, sondern z.B. „Mordechai Zvi“.

Am älteren jüdischen Friedhof, darauf wurde schon hingewiesen, finden wir unter 1.085 Grabsteinen keinen einzigen bürgerlichen Namen.

Aber sogar am jüngeren jüdischen Friedhof finden wir in der heute zweiten, ursprünglich ersten Reihe, der sogenannten Rabbiner-Reihe, in der sich 22 Grabsteine aus der Zeit von 1878 bis 1937 befinden, keinen einzigen nicht hebräischen Buchstaben und folglich auch keinen deutschen Namenszusatz.

Ein sehr schönes Beispiel für die regionale Besonderheit von Nachnamen finden wir am jüdischen Friedhof von Triest in der hebräischen Grabinschrift von Adele Aschkenasi, gestorben 1873:

Grabstein / gravestone Adele Ashkenasi, 08/11/1873

Grave stone / gravestone Adele Ashkenazi, 08/11/1873, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Trieste



In der hebräischen Inschrift heißt sie Adele Aschkenasi (Zeile 2). „Aschkenas“ Ashkenaz ist Hebräisch „Deutschland, Deutsch“.

Sterbebuch / death book Triest, Adele Tedeschi

Death Register / death book Trieste, Adele Tedeschi



If we now find the entry in the death register of Trieste, we will not find anything when we seek Ashkenazi. Because Adele is called "Tedeschi" (the Italian word for "Ashkenazi / German") entered. And if Mrs. Tedeschi, Hebrew Ashkenazi, eg from Vienna or Eisenstadt, and the death message would be sent to her hometown, she would have to see "German".

Adele Aschkenasis grave stone is very small, the inscription is very short, but the inscription is one of the most charming and interessantesten inscriptions, I know, but above all, because a lot of genealogical evidence is packaged in this so short inscription:

Grabstein / gravestone Adele Ashkenasi, 08/11/1873

Grave stone / gravestone Adele Ashkenazi, 08/11/1873, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Trieste



Because we read in the Hebrew inscription (line 3) that Adele on a epidemic "Magefa" (plague epidemic) died. The death book confirms and clarifies that she was the wife of the dealer's Moise Tedeschi and died with 25 years of cholera. So far so good.

But what we in the death register nicht Is read that Adele had a son who survived the epidemic apparently. We only read in the Hebrew inscription lines 5 and 6! It says:

She died of cholera on Shabbos, "Fear not, for God has heard the voice the boy„.

But why do I say that this sentence in the inscription indicating that the son has survived the cholera?

Weil dieser Satz in der Inschrift ein Vers aus jener Parascha, also jenem Toraabschnitt ist, der am Schabbat, an dem Adele starb, gelesen wurde. Die Parascha umfasst die Bibelverse Genesis 18,1-22,24 und da finden wir auch den Satz, der in der Inschrift steht (Genesis 21,14-18).

Um die genealogische Relevanz dieses Satzes wirklich umfassend zu verstehen, zitiere ich den betreffenden Absatz aus der Parascha, wo eben auch der Satz aus der Inschrift vorkommt:

14) Früh am Morgen stand Abraham auf, nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und gab es Hagar, legte es ihr auf die Schulter, übergab ihr das Kind und entließ sie. Sie zog fort und irrte in der Wüste von Beerscheba umher. 15) Als das Wasser im Schlauch zu Ende war, warf sie das Kind unter einen Strauch, 16) ging weg und setzte sich in der Nähe hin, etwa einen Bogenschuss weit entfernt; denn sie sagte: Ich kann nicht mit ansehen, wie das Kind stirbt. Sie saß in der Nähe und erhob ihre Stimme und weinte. 17) Gott hörte den Knaben schreien; da rief der Engel Gottes vom Himmel her Hagar zu und sprach: Was hast du, Hagar? Fürchte dich nicht, denn Gott hat die Stimme des Knaben gehört, dort, wo er liegt. 18) Steh auf, nimm den Knaben hoch und halt ihn fest an deiner Hand; denn zu einem großen Volk will ich ihn machen.

Clear there's more, the message of the cited biblical verse is clear: Adele certainly had a son and the set of the parashah in the grave inscription would make no sense if the son would not have survived the cholera.

In any case, a beautiful example of that, even a very short Hebrew grave inscription may be more to biographical notes than other genealogical sources!

Grabstein / gravestone Juliana Machlup, 15/03/1838

Grave stone / gravestone Juliana Machlup, 03.15.1838, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



A particularly fine example of how to use the Hebrew name also shows the Hebrew grave inscription of the prematurely deceased at age 27 Juliana (Jentel) MachlupDied in 1838 and buried at the older Jewish cemetery in Eisenstadt.

In the beautiful long inscription we read:

A graceful woman ... is united with a noble heart in the beauty and loveliness. Afflicted mind, beset by the time she returned ... still a young delicate lily in her father's house back ... ill and endured with patience ye imposed sorry ... and when the time for the young pigeon (daughter of Jonah) was approaching, as she flew high up into the sky

The Hebrew word game on line 14 is fascinating: Jonah years old "Asked juggler" is literally "young pigeon", but also be translated as "daughter of Jonah" (Hebrew "juggler" is "dove"). Of course, the whole set can also be interpreted as Euphemie for dying.

By referring to "bat jona" but we definitely know that the father of Juliana "Jonah" is the name and it is Jona Klaberis still alive at the time of the early death of his daughter in 1858, so 20 years later, died, and also the older Jewish cemetery buried.

Place names as a surname are a well known phenomenon that we do not need to speak in detail. On the older Jewish cemetery in Eisenstadt we find in 1085 grave stones 51x the name Austerlitz, 50x the name Güns, 30x the name Spitz or Spitzer, 7x the name Mikulov, furthermore the name Neufeld, winches, Mill Village, Rust, Lackenbach, Kittsee, Koblenz , Wiesbaden, Halberstadt, Vienna, Krakow, Bratislava, stomping, Brno or Schaffa.

That the place names in the early days (17th, 18th century) play course for genealogical concerns an increased role, is obvious. Particularly if the place name is used as the name in the Hebrew inscription still, however, an entirely different name found in the death books and in the following generations about the place name "mill village" in Hebrew inscription, registered in the death register as "Pollak" ,

Exciting nor the job titles are names that reflect and we can find it difficult in the death books without knowledge of Hebrew. Or maybe vice versa clearer:

Grabstein / gravestone Abraham Goldschmidt, 11/11/1735

Grave stone / gravestone Abraham Goldschmidt, 11.11.1735, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



I find in the death books a Abraham GoldschmidtDied in 1735, looking for his grave at the Jewish cemetery, I need to know that I, at least in the early days, so the 17th and 18th centuries, an Abraham Zoref (line 7) have to look because the Hebrew word jeweler "Zoref" just means "goldsmith".

The same applies if I one in the death books Moses SchneiderDied in 1791, think:

Grabstein / gravestone Mose Chajjat, 16/10/1791

Grave stone / gravestone Moses Chajjat, 16.10.1791, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



The probability is high that we have to look at the early days of the Jewish cemetery the grave stone of Moses Chajjat ​​(line 4), because the Hebrew word Chait "Chajjat" means "cutter".

Finally, it is certainly helpful to genealogists when they know that deer, the son of the scholar Loeb Rofe (line 6), the son of a doctor is because the Hebrew word doctor "Rofe" means "doctor".

Grabstein / gravestone Hirsch Rofe, 11/04/1723

Grave stone / gravestone Hirsch Rofe, 04.11.1723, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



The list goes on; the same is true for the name "Chasan" cantorWhich means "prayer leader / Kantor" or, to quote the most famous example: Moses Sofer or Moses writers because "sofer" author just "clerk" means (it is known as Chatam Sofer and was for 33 years Rabbi of Pressburg).

Among the most frequently asked questions in relevant forums heard how Hebrew names (Synagogalnamen) meet certain legal name, and vice versa, so if it can be concluded from Hebrew names reliably on certain Civil name!

We know the "usual suspects": whether the Hebrew name Moses Max, Sigmund would always always correspond Bernhard ...

The fact is that in Hebrew we name nie can reliably infer bourgeois names and vice versa, if we find bourgeois name, we can from these nie reliably infer Hebrew names. At least we must always assume that everything can be completely different!

Although certain regularities as Mordechai and Max or Rösl and Theresia pile, but there are plenty of examples that paint a very different picture. Of course, and that must not be ignored, regional and temporal differences are noticeable. If we want to create statistics to arrive at a respectable result, strict criteria and parameters must be set in advance: Region, period, possibly also religious climate, so if there was an Orthodox community, etc.

We find about only on the two Jewish cemeteries of Eisenstadt, so a total of approximately 1,400 grave stones for the real name

  • Max the Hebrew name Meir, Mordechai, Mose and Michael Zvi.
  • For Sigmund we find Isaiah, Samuel, Paltiel and Issachar (Only marginally should be noted, as earlier, the regional differences were noted: for the Hebrew name Issachar we find for example in Germany, in contrast to the East of Austria, usually the real name Bernhard, along with about Hermann)
  • For Adolf we find especially Aron and Abraham.
  • For Alexander we find Saul, Susskind, Salomo Judah and Sender.
  • For Heinrich we find Moses Chajim and Kalonymus Zvi.
  • For Rosa / Rosalia we find Rachel, Rebekka, Sara, Sarl, Selda and Süssl.

The list could be continued ad nauseam.

Statistical clusters of correspondences Hebrew name - real name are often rooted in the Jewish biblical tradition:

The connection of the name Yehuda and Leopold goes back to Jacob's blessing in Genesis 49.9: Here Jacob compares his son Yehuda with a lion. Therefore, we often find the equation of Judah and the Hebrew lion German Loeb / Low, which is then modernized "Aryeh", "Lion" to "Leopold".

Once again very clearly: We must never assume that their legal name is nothing more than a kind of translation of the Hebrew name, and vice versa when reading Matrikeneinträgen! There is no doubt regularities, but leave we must not forward. Rewarding it would be if there were to be more serious statistical material that today, in the age of technology, would be easier to be created than 100 years ago.

Geburtsbuch / birth book Deutschkreutz 1887

Births / birth book German Kreutz 1887



(The Hebrew name from top to bottom: Genesis, Chana, Moses, Chaim Zvi, Bella / Bila, Sanwel, Berl, Miriam, Sanwel, Josef)

Often we find also entered the Hebrew name especially in birth books. Unfortunately, is like ignored by many genealogists. It is primarily not a question that maybe they can not read these Hebrew names, but the fact that consciousness does not exist, that this Hebrew name may be for genealogical research of enormous importance!

And why this is so, I will show you on a very nice example:

In Mattersdorf (Mattersburg), one of the so-called "Sheva Kehillot" the sacred "seven communities" of today's Burgenland (formerly West Hungary) about Regina were Trebitsch Kohn and Kohn Regina Trebitsch sisters! Yes, you heard right. Both sisters are called Regina and are so registered in the marriage and death books. However, were the real name, so Regina in our case, just a formality, the two sisters were at home called by their Hebrew name, which Rivka and Rachel. Each family history work can therefore result in such a case only on the Hebrew name to a reputable result.

In practice: For the wedding book, for example, three or four times in the period in question a wedding between Ignatz Kohn and Tessa Black, both names are very common in the region in question and the time in question. The age of all couples were 22 to 32 years. What wedding is now the right, that is the one you're looking for?

The solution via the Hebrew names that we find in the best case in the Geburtsmatriken or often using the Hebrew grave inscription in which only the Hebrew name is also mentioned. We therefore, when indexing Birth, marriage and death, if appropriate books, the Hebrew name should index, one of the themes in my will second presentation on Friday his.

Alters- und Statusangaben

The name is usually initiated by an indication of or the deceased's status: "The child", "the boy", "the girl", "the bachelor", "the young woman", "the widow", "the old man" etc. Almost exclusively in men nor a title that describes mainly the function within the community comes in addition: the dear Lord who Toragelehrte, the High, the Morenu = our teacher and master, etc.

Particular caution should be exercised in the words the guy "Ha-Bachur," "The Bachelor," "The unmarried man." As "Bachur" but can also be called a 60-year old man who was not married! "Bachur" alone is thus initially a status designation and no indication of age! is, however The important guy literally "the significant Bachelor" always a young unmarried man! In the vernacular it is called "chaschuv bachurl" and simply referred to a learned young man!

Similarly, for unmarried women: Virgin "Ha-betula", the unmarried woman, no matter what age she is! By contrast, the Hebrew word העלמה "ha-alma" really means getting a Boy (unmarried woman!

Grabstein / gravestone Salde Klaber, 13/09/1843

Grave stone / gravestone Salde Klaber, 09.13.1843, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



belongs in this particular case, the grave stone Salde KlaberDied in 1843, we read in the first line Virgin "Ha-betula", that "the unmarried woman", but in the eulogy the word העלמה "ha alma" is used with a quote on the first line, inspired by Jeremiah 4.31 Narrow Cmbcirh "Cry of fear (about the death of a young woman)." Consequently, we must Virgin "Ha-betula" naturally translate in the first line as "girls"!

Someone dies relatively young, are usually words such as Died in his prime "He died in the middle of his days," a quote from Isaiah 38.10 or Plucked bud "He was picked still in his prime," modeled on Job 8:12 is used.

Usually we find Hebrew inscriptions only very approximate ages as old man "Jaschisch" "advanced in years", an old "Matter", "everything" oder return "Seva", "old age", often in phrases such as "He reached a good old age."
exalted "Merumam" about actually means "exalted", but is used almost exclusively in men at older ages.

All this may be essential information for genealogical matters of course. When we are in a grave stone not sure if he is the right and we are looking for a young deceased for example, but the word exalted "Merumam" see the inscription, we know that the probability is at least 98% that the deceased is not the of us are looking for. Frequently all expressions are next to each other or in an inscription in front, see, eg, Samuel SchneiderDied May 05, 1928 Line 2 and 10:

Grabstein / gravestone Samuel Schneider, 05/05/1928

Grave stone / gravestone Samuel Schneider, 05.05.1928, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



(2) a old man and old man
(10) He died in good standing with 82 years

Not infrequently ages come into the Hebrew grave inscriptions of the two Jewish cemeteries in Eisenstadt but most of which are rooted in Jewish tradition, such as in the inscription of Samuel (Nataniel) SchönbergerDied 04 May 1911 Line 10 and 11:

Grabstein / gravestone Samuel (Nataniel) Schönberger, 1911/05/04

Grave stone / gravestone Samuel (Nataniel) Schoenberger, 05.04.1911, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



He died at an advanced age, when he came to forces

what was his age?

We read in Psalm 90,10 "The time of our life span is seventy years if it comes up eighty." ... if the working eighty years ... and Babylonian Talmud, Tractate Avot V, 25 "... 80 years old to old age ..." ... eighty Heroes ..., So when we read in an inscription: "He or she died after he / she was come to forces," we can assume that die or one who died about 80 years ago.
Samuel (Nataniel) Schönberger actually died, according Sterbematriken 79 years.

The date of birth in Hebrew grave inscriptions is not common, which is explained by the bible verse Ecclesiastes 7.1:

Better a good name as a perfume - and the day of death than the day of birth.

About the "good name" in inscriptions and in the grave stone symbolism there is to say a lot of exciting, but I'm keeping my Presentation on Friday on.

blessings

"As the Amen in prayer" follows after the name of a deceased / a deceased's blessing He \ she rest in peace "On him / her be peace" Rest in peace "His rest may be the Garden of Eden" or Late "His / her memory should be preserved," in particular scholars L "The memory of the righteous might be preserved", etc.

Grabstein / gravestone Hendl Hess, 1907

Grave stone / gravestone chicken Hess, 1907, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Not quite so regularly and reliably of blessing is with living relatives: , Frost "His light may shine." In this case, grave of Hendl HessDied in 1907 (line 5). The girl died at the age of 9, his father lived, as expected, yet the way and was 74 years old. was that the father of an advanced age, we recognize in the inscription but - we have just talked about - the word exalted "Merumam" (line 4), "raised", that is used only in elderly men.

The blessing, which is usually abbreviated, so there gerademal of two or three letters, but can tip the scales at genealogical research whether the search in the right direction running or not. An almost dramatic example:

Grabstein / gravestone Franziska (Sprinze) Sabl-Reitlinger, 14/04/1879

Grave stone / gravestone Franziska (Sprinze) Sable-Reitlinger, 04.14.1879, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



1995 I published the book about the younger Jewish cemetery, I unfortunately overlooked in the inscription of Franziska Reitlinger the blessing rest in peace "On it is the peace" be in line 12. Line 10-12:

It gathered with her on the day of her burial, the sons of her first husband, the chairman and head of the municipality, Mr. Abraham Loeb Reitlinger on him be peace.

So we published Abraham Loeb Reitlinger, died in 1907 when her husband and Franziska Franziska than Sprinze Haya Reitlinger.

For 22 years this fatal error was written off in genealogical books and online genealogical databases. No one has bothered to take a look at the Hebrew grave inscription, because then the error would obviously immediately noticed.

  • Through the blessing "upon him be peace"Is unmistakably clear that said first husband Abraham Loeb Reitlinger at the death of Franziska (Sprinze Haya), 1879, no longer alive is, accordingly, not to have died in 1907! In fact, he died on 14 September 1826 in Vienna and the Reitlinger, who died in Paris in 1907, his son Leopold (Abraham Loeb) Reitlinger. The similarity of names of father and son was obviously a Mitgrund that the error undetected remained so long.
  • (By properly considering the blessing desire in connection with line 11 'the sons of her first husband") Of the inscription is clear that Sprinze Chaya must have in any case got married a second time (because otherwise"first husband"Makes no sense). This second husband, Mr. Markus Mordechai Sabel WiesbadenSo we now know, died in 1830. Since his first wife died in February 1827, he may have married the end of 1827 until at least Franziska. Markus Sabel died after about two years of marriage and was at the time of the death of Franziska already 49 years dead!

And suddenly, after 22 years, its entry fit in death book:

Sterbebuch Franziska Sabl, 16/04/1879

Death Register Franziska Sabl, 04/16/1879



Franziska (Sprinze Haya) is a registered Franziska Sabel, and not as Franziska Reitlinger, we were looking 22 years.

We learn from this story: Make sure Always meticulously to the blessings!

Finally, we come to

Sterbedatum

The date of death is given in Hebrew inscriptions exclusively on the Jewish calendar. The date is given never in numbers, but always with Hebrew letters that have a certain value. As recognized by that date even for non-Hebrew lawyers, and can be converted easily, my topic is second presentation on Friday.

The grave stone of Samuel BreierDied on December 13, 1904, buried at the younger Jewish cemetery in Eisenstadt:

Grabstein / gravestone Samuel Breier, 13/12/1904

Grave stone / gravestone Samuel Breier, 13.12.1904, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Here you can see beautiful (line 6) that the date of death appears with Hebrew letters, never with numbers!

If the date of death in the Hebrew inscription does not coincide with the date of death in the death book or other sources, is the crucial question in practice always what date we trust more, that in the inscription or the death book?

Grabstein / gravestone Mose Elias Gelles, 04/05/1865

Grave stone / gravestone Moses Elias Gelles, 04.05.1865, older Jewish cemetery / older Jewish cemetery in Eisenstadt



The businessman Moses Elias Gelles died, according to Hebrew grave inscription, which even today is clear to read (line 4) buried on 08 Iyar 625, converted Thursday, 04 May 1865 and is the older Jewish cemetery in Eisenstadt. In the Hebrew inscription and the weekday (Day 5 = Thursday) is specified.

Sterbebuch / death book Mose Gelles, 04/05/1865

Death Register / death book of Moses Gelles, 05/04/1865



In the Sterbematriken but the date of death 04 June 1865 (that date difference of 1 month!) Is found. The death record was obvious grudge and wearing "serial number" 11a.

To make matters primavista difficult is that there is in the Sterbematriken death date in Hebrew, and as follows:

Beha'aloscha Sunday "1st day (Sunday) of (Week) parashah / the Toraabschnitts, if you put the lamps on the lamp '" (Numbers 8,1), and this is the year 625/1865 Sunday, the 10th of Sivan = 04 June! So both the date and weekday completely different from the Hebrew inscription.

This means that the Hebrew date clearly attracts the civil death date of death entry in the death register and were not properly credited back, but ultimately provides the wrong date. As expected, the date of the Hebrew grave inscription is not taken because the Matrikeneintrag took place in June 1865 of the grave stone with the inscription grave but was very likely set at one year, ie on 04 May 1866 until 1 Jahrzeittag.

It may therefore virtually certain to be assumed that the Matrikenführer May mistook June and earned death date wrong (yet especially since there is no entry in May).

An interesting example where neither the (civil) entry in the death register nor the Hebrew entry in the death register, but the Hebrew date in the grave inscription of the most reliable supplier Date!

Especially with corrupt and nachgetragenen Matrikeneinträgen it is an enormous advantage to have the Hebrew grave inscription available or to consider this just accordingly.

In my experience, the accuracy of the death date in the Hebrew inscriptions especially more than rely on entries in death books, when the date of death (or burial date) written with a lot of effort and meticulousness:

Grabstein / gravestone Rosa Schlesinger, 15/09/1875

Grave stone / gravestone Pink Schlesinger, 15/09/1875, Jewish cemetery / Jewish cemetery in Mattersburg



Rosa Schlesinger died in 1875 and buried at the Jewish cemetery Mattersdorf / Mattersburg, their grave stone no longer exists. Her mother is Sarah, daughter of Rabbi Akiba Eger!

Drittvorletzte and penultimate line:

and was brought to rest on Friday after, Erev Shabbat Kodesh, parasha, Ki Tavo '(Deuteronomy 26.1 to 29.8) "If you are entering into the land ...") 635 after the small era = Friday, September 17, 1875

It is obvious to one - in this case - to formulate funeral date so it is not enough simply to have a look at the Jewish calendar, because a lot more effort, more accuracy, more tradition and more religious knowledge is required.

Dear Madam or Sir,

As much as I regret the non-performance or to-little-compliance with the Hebrew grave inscriptions and other Hebrew sources (such as year boards, Hebrew entries in the parish registers, etc.) in genealogical research !, it is the beautiful language often with so much wisdom and Love written inscriptions that most fascinates me still. And I would hope that I have succeeded, to inspire you for this beauty of the language of Hebrew inscriptions a little, and off the genealogical interest.

Todesursache

The frequently noted in Sterbematriken death plays no or only a very minor role (exception: personal interest) for genealogists. Likewise, we rarely find in Hebrew grave inscriptions an indication of the cause of death (except martyrs, plague victims, etc.).

Every now and then but found a particularly beautiful word:

Grabstein / gravestone Elias Abraham Gabriel, 15/02/1878

Grave stone / gravestone Elias Abraham Gabriel, 02.15.1878, younger Jewish cemetery / younger Jewish cemetery in Eisenstadt



Elias (Abraham) Gabriel died on 12 Adar I 638 (15 February 1878)

with a divine kiss at the age of 71 years ...

we read on line. 2

Cited here is the Babylonian Talmud, Tractate Moed Qatan 28a and Baba Batra 17a, where it says "... and Miriam also died (ie Moses) with a (divine) Kiss (ie without agony and pain) ..." See also treatise Berachot 8a "... the lightest (cause of death) is the kiss (death) ...".

Elias (Abraham) Gabriel died an easy death and is buried in the so-called rabbi series at younger Jewish cemetery in Eisenstadt.


Thank you!


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