Zum Fund

Die Fragmente / Bruchstücke von Grabsteinen wurden mit vielen anderen Fundstücken Anfang 2018 in bislang unbekannten Kellerräumen Malzgasse 16 in 1020 Wien entdeckt.
Die Adresse war vor 1938 der Standort einer Talmud-Tora Schule, einer Synagoge sowie des 1895 gegründeten jüdischen Museums Wien.
Seit 1955 befindet sich an dieser Adresse die Talmud-Thora Volks- und Hauptschule Machsike Hadass, eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht.

Die Fragmente / Bruchstücke sind Teil der Ausstellung „Nicht mehr verschüttet. Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse“ im Haus der Geschichte, Wien (8. November 2019 -19. April 2020).


Diese Dokumentation verfolgt v.a. zwei Ziele:

  1. Für jedes Fragment wurde eine wenn möglich zeilengerechte Analyse des (noch) lesbaren Textes bzw. der noch lesbaren Buchstaben (Hebräisch-Deutsch) gemacht. BesucherInnen der Ausstellung soll dadurch die Möglichkeit gegeben werden, ausführlichere Informationen, die den Rahmen einer Ausstellungsbeschriftung überschreiten würden, zu den einzelnen Fragmenten zu erhalten. (QR-Code bzw. URL dieser Artikel befinden sich in der Ausstellung bei den Objekten)
  2. Grundsätzlich gilt für alle Fragmente: Der hier online gestellte Befund ist ein Erst- und kein Endbefund. Wir hoffen, durch das Onlinestellen der Fragmente Hilfe zu erhalten, um letztlich ein möglichst genaues Bild der Fragmente zu erhalten. Korrekturen und Ergänzungen (im Kommentarbereich) sind daher ausdrücklich erbeten und erwünscht


Fragment: Jakob, Sohn des Pinchas, zwischen 24. September und 23. Oktober 1528

Fragment: NN, Tochter des Jesua, 1. Hälfte 16. Jahrhundert

Fragment: Simon, 1556/57?

Fragment: NN – Frau, 1556/57?

Fragment: NN, 1723/24

Fragment: Abraham, 20. Oktober 1840

Fragment: NN

Fragment: NN-2

Fragment: NN-3


Fraglich war, ob die nun gefundenen Grabsteinfragmente schon Anfang des 20. Jahrhunderts als Fragmente nach Wien gebracht wurden bzw. im jüdischen Museum ausgestellt waren oder ob es sich ursprünglich um vollständige Grabsteine handelte. Eine mögliche Antwort finden wir in einer kleinen, unscheinbaren Randbemerkung in der jüdischen Zeitung „Die Stimme“ vom 8. Jänner 1937. Auf Seite 6 finden wir den Bericht, dass eine jüdische Kindergruppe das jüdische Museum besuchte und unter anderem auch „Bruchstücke von Grabsteinen“ besichtigen konnte [1]:


Am selben Ort wurde auch ein besonders schöner Chanukkaleuchter aus Speckstein aus dem Jahr 1891 gefunden, siehe unseren Artikel „Chanukkia aus Speckstein, 1891„.


[1] Vielen Dank an Arieh Bauer, Generalsekretär von Machsike Hadass Wien, für den Hinweis auf den Zeitungsartikel. [Zurück zum Text (1)]



Johannes Reiss, im Oktober 2019