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10 Teile eines Grabsteinfragments

Es handelt sich um 10 Teile eines Grabsteinfragments, bei dem ich nicht beurteilen kann, wieviel Text fehlt. Offenbar fehlen aber erhebliche Teile auf allen Seiten.

Grabsteinfragment: Abraham, 20. Oktober 1840

Grabsteinfragment: Abraham, 20. Oktober 1840



Die Inschrift

Inschrift 10 Fragmentteile: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[Fragment 1, Zeile 1] zu (allen) M[enschen…] […ל]בן א[…]
[Fragment 1, Zeile 2] d(er ehrbare) H(err), H(err) Abraha[m] כ’ה’ר’ר’ אברה[ם]
[Fragment 1, Zeile 3] [Nicht tat er Böses…] […לא י’ע’]ש’ה’ ה’ר’[ע’…]
[Fragment 2, Zeile 1] […] wahrhaft, ein Verantwortlicher für […] […]ש אמון פקיד על
[Fragment 2, Zeile 2] […] […]צמון הה חל[…]
[Fragment 3, Zeile 1] […] צב[…]
[Fragment 3, Zeile 2] der Einflussreiche […] […ק]צין המ[…]
[Fragment 4, Zeile 1] Seine Seele (sei) in […] נשמתו ב[…]
[Fragment 4, Zeile 2] [zu Simchat] Tora d(es Jahres), in dem Gott den Schofar blies = 601 (= 23. Tischre 601 = 20. Oktober 1840). [שמחת] תורה ש’ ת’ק’ע’א’ל’
[Fragment 4, Zeile 3] [S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m] Bund) d(es Lebens) [תנצ]בה
[Fragment 5, Zeile 1] [der Einflussrei]che, der erles[ene] [הקצי]ן המפו[אר]
[Fragment 5, Zeile 2] […] [ת’ו’]ר’ ש’
[Fragment 6] […] […] ו[…]
[Fragment 7] […] […ח] ה[…]
[Fragment 8] [die ihr gebührende Stätte?] [מכונה]
[Fragment 9] […] […]
[Fragment 10] […] […ו…]


Anmerkungen

Fragment 1, Zeile 1: Da die Schnittstellen der beiden Teile von Fragment 1 exakt zusammenpassen, ist auch die Zeilenfolge klar. Sprich: Die Lesung „Sohn von A…“ schließe ich aus, Abraham kann nicht der Sohn von A… sein. Daher kommt m.E. nur eine Formulierung in Frage wie entweder: „Wir trauern um unseren geliebten Sohn …“ לבן אהוב und in Zeile 2 dann eben der Name „Abraham“ oder wie oben vorgeschlagen „er hatte Liebe, Mitleid, Fürsorge etc. für alle Menschen, der ehrbare Herr Abraham…“

Fragment 1, Zeile 3: Ich würde diese Wendung erwarten, gestehe aber ein, dass ich das לא nicht erkennen kann.

Fragment 2, Zeile 1: אמון kann sowohl ein Name sein als auch „wahrhaft“, „glaubhaft“ bedeuten. Ebenso möglich wäre in Anlehnung an Sprüche 8,30 mit Bezug auf Numeri 11,12 die Bedeutung „Pädagoge, Erzieher“.

Fragment 4, Zeile 2: Zu Simchat Tora, dem Freudenfest der Tora, beenden die Töne des Schofarhornes den Festtagszyklus, der zu Rosch Haschana mit dem Blasen des Schofarhornes beginnt. Eine sehr schöne Formulierung, um das Sterbedatum zu formulieren: Der Zahlenwert von „Gott blies (den Schofar)“ ergibt den Zahlenwert 601. Simchat Tora ist immer am 23. Tischre, das war im Jahr 601 der 20. Oktober 1840.



Johannes Reiss, im Oktober 2019