Die Stadt Salischtschyky , deutsch „Hinterwalden“, ist eine Stadt mit knapp 10.000 Einwohnern in der Oblast Ternopil in der Ukraine. Sie liegt in der Schleife des Flusses Dnister und ist berühmt für ihr mildes Klima. Daher wird die Stadt auch immer wieder mit „Polnischer Riviera“ oder „Polnisches Meran“ beworben.

1340: Erstmalige Erwähnung als Siedlung im Königreich Polen.

1772: Mit der Ersten Teilung Polens ging Salischtschyky an die Habsburgermonarchie.

1810-1815: Teil des Kaiserreiches Russland

Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als die Tuchwebermanufakturen an Bedeutung verloren, verließen die deutschsprachigen Bewohner zunehmend den Ort oder assimilierten sich mit der polnisch-ruthenischen Bevölkerung.

1890: Von 5.751 Einwohnern waren 4.513 Juden!

Seit dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 gehört Salischtschyky zur Ukraine.

Der jüdische Friedhof von Salischtschyky liegt gegenüber dem Haus in der Ivana Franka Straße 16 und es befinden sich etwa 200 Grabsteine auf dem Friedhof.
Sehr wahrscheinlich ist der Friedhof Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt worden. Heute findet man am Friedhofsgelände mehrere hohe Stöße mit aufgeschlichteten Grabsteinen.

Jüdischer Friedhof von Salischtschyky 2018

Jüdischer Friedhof von Salischtschyky 2018



2018 gründete sich eine Initiative, die mit der örtlichen jüdischen Gemeinde sowie mit der Stadtverwaltung zusammenarbeit und die zum Ziel hat, den Friedhof weitgehend zu restaurieren und in Zukunft auch zu dokumentieren.
Ein erster Schritt ist es natürlich, die Grabsteine so aufzubereiten, dass sie auch wieder lesbar sind, was angesichts des Gewichts der meisten Steine v.a. eine logistische Herausforderung ist.
Federführend für die Initiative sind Jordan Friede und Hania Fedorowicz.
Frau Dr. Hania Fedorowicz schickte uns 31 Fotos von bereits „freigelegten“ Grabsteinen mit der Bitte um Übersetzung, um einen ersten Eindruck von den Grabsteinen zu bekommen.

Im Mai 2019 startete die European Jewish Cemeteries Initiative (ESJF) eine öffentlich zugängliche Datenbank zu 1.500 jüdischen Friedhöfen in Griechenland, Litauen, Moldawien, Slowakei und der Ukraine. Darunter befinden sich auch Basisinformationen zum Friedhof in Salischtschyky.

Wir haben auch hier wieder alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und Synagogalnamen (bzw. hebräische Namen) sowie Sterbedaten ausgelesen.
Von den uns vorliegenden 31 Grabsteinen ist der älteste aus dem Jahr 1817/18 und der jüngste aus 1894.

Interessant dabei war natürlich vor allem das doch deutlich andere Inschriftenformular als wir es von den burgenländischen jüdischen Friedhöfen kennen. So steht etwa fast immer das Sterbejahr am Anfang der Inschrift, noch vor der sogenannten Einleitungsformel, und auffallend häufig ohne לפ“ק „nach der kleinen Zeitrechnung“. Selbstverständlich sind 31 Grabsteine zu wenig, um valide statistische Aussagen zu treffen, aber das erste Bild zeigt zumindest durchwegs simple Standardinschriften.

Alle Transkriptionen und Übersetzungen sowie die daraus erfassten Daten sind Erstpublikationen.



Johannes Reiss, am 08. Dezember 2019