Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Leviten lesen

Koscher-Schmus ‒ Der Podcast des Österreichischen Jüdischen Museums befasst sich mit häufigen Fragen von Besucherinnen und Besuchern ‒ zum Auftakt erläutert Christopher Meiller das Levitenlesen.


Koscher-Schmus1 ‒ Der Podcast des Österreichischen Jüdischen Museums befasst sich mit häufigen Fragen von Besucherinnen und Besuchern ‒ zum Auftakt erläutert Christopher Meiller das Levitenlesen.

Der Einfall, selbst einen Podcast einzurichten, kam uns angesichts von “Anti & semitisch” von Chajm Guski, der hiermit bedankt bzw. empfohlen sei!

[1] Schmus (‎שמוס): aus jiddisch שמועס mit der Bedeutung: “Plauderei, Gespräch, Klatsch” [Zurück zum Text (1)]


Die Heilige Schrift. Einheitsübersetzung. 11. Aufl. Stuttgart 2006.

Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. Begründet von Georg Herlitz und Bruno Kirschner. Nachdruck der 1. Aufl. Berlin 1927. 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1987.

Kluge, F.: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 22. Aufl. Unter Mithilfe von Max Bürgisser und Bernd Gregor völlig neu bearbeitet von Elmar Seebold. Berlin/New York 1989.


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Im Schatten des Schlosses

Unser Museum ist voraussichtlich ab 01. Juli 2020 wieder geöffnet! Allerdings planen wir schon im Juni einigen Aktivitäten im kleinen und gesetzlich erlaubten Rahmen, Nähers in Kürze… Wir freuen uns,…

Unser Museum ist voraussichtlich ab 01. Juli 2020 wieder geöffnet!

Allerdings planen wir schon im Juni einigen Aktivitäten im kleinen und gesetzlich erlaubten Rahmen, Nähers in Kürze…

Wir freuen uns, wenn Sie uns wieder besuchen können und möchten Ihnen jetzt schon Lust auf die ehemalige Judengasse und unser Museum machen. Gewählt haben wir diesmal eine ganz andere, spannende Perspektive …:

Drohne und Videoschnitt: Martin Schwarz

Die beste Qualität erhalten Sie, wenn Sie die Auflösung auf 1080p stellen!

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unseren YouTube-Kanal abonnieren, weitere Videos sind schon in Planung. Außerdem starten wir in einigen Tagen mit einer Podcast-Serie.


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Kolisch Adolf – 18. Oktober 1878

Adolf (Aron) Kolisch, 21. Tischre 639 (Schmini Atzeret) (= Freitag, 18. Oktober 1878) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Korycany (Tschechien). Die hebräische Grabinschrift Inschrift Adolf Kolisch: Zeilengerechte Transkription…

Adolf (Aron) Kolisch, 21. Tischre 639 (Schmini Atzeret) (= Freitag, 18. Oktober 1878)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Korycany (Tschechien).



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Adolf Kolisch: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה נטמן
[2] d(er ehrbare) H(err) Aaron, Sohn d(es ehrbaren) H(errn) Mose Jehuda כה אהרן בן כה משה יהודה
[3] Kolisch, d(as Andenken des Gerechten) m(öge bewahrt werden). קאליש ז”ל
[4] Er verstarb in gutem Ruf zu Schmini Atzeret (= 21. Tischre) נפטר בשם טוב ביום שמיני עצרת
[5] 639 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרלט לפ”ק
[6] Aron ging Mose entgegen und seine gute Tat אהרן הלך לקראת משה ומצותו
[7] legte er vor G(ott) hin im heiligen Gewand, sie war wie seine Gerechtigkeit. קרב לפני ה בבגד קדש היא תמותו
[8] Sein Herz hob hoch die Namen der Israeliten mit seiner Liebe לבו נשא שמות בני ישראל באהבה
[9] Er gab Brot den Armen und spendete ihnen seine Hilfe. יתן פתה לעניים ונתן להם עזרתו
[10] Zu Schmini Atzeret nahm ihn Gott zu sich. Er wird leben. שמיני עצרת לקחו אל ובחיים היתו
[11] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”



Anmerkungen

Zeile 7: S. Exodus 31,10: ואת בגדי הקדש “die heiligen Gewänder” oder “Priestergewänder”, was darauf hindeuten könnte, dass Adolf Kolisch Kohen war.

Zeile 6 horizontal und Zeile 7-10 vertikal: Akrostychon: Das erte Wort in Zeile 6 sowie die Anfangsbuchstaben der Zeilen 7-10 ergeben den hebräischen Vornamen und den Nachnamen des Verstorbenen (Aron Kolisch). Allerdings wird im Akrostychon “Kolisch” ohne א geschrieben, im Gegensatz zu Zeile 3: קאליש.


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Pesach 5780 – Einzigartiges für den Sedertisch

Morgen ist der 14. Nisan und damit Erev Pesach. Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5780! חג פסח כשר ושמח! Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern…


Morgen ist der 14. Nisan und damit Erev Pesach.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5780!

חג פסח כשר ושמח!

Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest!


Auffällig ist es, reichlich ungewöhnlich und in Teilen auch rätselhaft: das Objekt, wohl ein “Centerpiece” für den Sedertisch, das seit einiger Zeit einen Ehrenplatz im Pesach-Raum unserer Dauerausstellung innehat. Das religiöse Setting, dem es zugehört, ist ‒ so viel ist klar ‒ das Seder-Essen zu Pesach, bei dem eine Reihe zeichenhaft verstandener Speisen auf dem Tisch platziert wird, von Bitterkräutern bis Charoset (ein braunes Apfel-Nuss-Gemisch). Damit erklärt sich die Funktion der kleinen Tellerchen, die unser Objekt aufweist ‒ es fand seinen Platz eben auf einem Sedertisch.

"Centerpiece" für Sedertisch, chassidisch, 1774

“Centerpiece” für Sedertisch, chassidisch, 1774



Als deutlich schwieriger erweist sich die Interpretation des Figurenensembles: Wen oder was sollen die fein gearbeiteten Gestalten jeweils darstellen? Klar scheint immerhin: Bekrönt ist das Stück mit dem Pesachlamm, das von den Israeliten gemäß biblischer Erzählung vor dem Verlassen Ägyptens bzw. von späteren Generationen im Jerusalemer Tempel geschlachtet wurde, Weinranken und Trauben verweisen auf die vier Becher Wein, die beim Seder getrunken werden, und als zentrale Figur fungiert der Hohepriester.
Übrigens: In einem wesentlichen Detail seiner Darstellung des Brustschilds des Hohepriesters irrt der Künstler. In Exodus 28,21 lesen wir: “Die Steine sollen auf die Namen der Söhne Israels lauten, 12 Steine auf ihre Namen…”. Beide Brustschilde (bei der Zentralfigur und bei 01, s.u.), haben aber offensichtlich 16 bzw. 20 Steine.

Gar nicht so eindeutig scheint dagegen die Zuordnung der kleineren Figuren, die bei den besagten Tellerchen platziert sind ‒ wir grübelten, wir diskutierten, wir blätterten nach, wir fragten hier und dort. Sind es vielleicht priesterliche Figuren? Die Bekleidung könnte dies nahelegen. Einer der von uns Konsultierten sah in den Figuren dagegen Klezmer-Musikanten ‒ was uns, trotz Harfe, die einer der Figuren beigegeben scheint, nicht überzeugte, und zwar schlicht, weil weitere musikalische Attribute nicht auszumachen sind. Ebenso wenig überzeugte letztgenannte These Prof. Günter Stemberger, an den wir uns mit der Bitte um Interpretationshilfe wandten ‒ und der uns folgende Deutung vorschlägt:

01) Hohepriester? Aaron?

01) Hohepriester? Aaron?

01 ist jedenfalls der HP [Hohepriester; Anm. CM], dem aber (anders als in der zentralen Figur, die eine christliche Mitra trägt) die Kopfbedeckung fehlt. Das Räucherfass ist natürlich auch christlich, das Motiv als solches bezieht sich wohl auf Jom Kippur, wo der HP mit einer Räucherpfanne voll Kohlen ins Allerheiligste geht (Lev 16,12-13) ‒ da trägt er allerdings nicht den Brustschild (doch cf. Ex 28,30 und mYoma 7,5).

02) Hohepriester? König Salomon?

02) Hohepriester? König Salomon?

Wenn der Bezug zu Jom Kippur stimmt, könnte 02 der HP sein, der das Gefäß mit dem Opferblut ins Allerheiligste trägt (der Weihrauch ist ja schon vergeben), oder aber auch das Gefäß mit Manna (Ex 16,33 ‒ diese Szene ist auf dem Verduner Altar dargestellt).

03) Harfner? König David?

03) Harfner? König David?

Der Harfner in 03 erinnert natürlich an David, könnte aber auch ein Levit im Tempel sein (cf. 2 Chron 5,12), allerdings nicht (oder kaum) zu Jom Kippur.

04) Levit? Mose?

04) Levit? Mose?

Bei 04 kann ich nur raten. Durch seine Kleidung (Kragen) unterscheidet sich die Figur von den anderen. Könnte es vielleicht ein Levit mit dem großen Schlüssel für den Tempel sein (mit der Ne’ila wieder ein Jom Kippur-Bezug)?

Wie Sie sehen, nehme auch ich den Tempelbezug zentral; in Einzelheiten ist der Künstler ziemlich frei (bzw. unwissend) und lehnt sich auch an christliche Vorbilder an (sind vielleicht deshalb die Priester in der Liturgie ohne Kopfbedeckung?). Der Bezug zu Pesach ist dabei äußerst locker.

emer. Univ.-Prof. Dr. Günter Stemberger, Email vom 23. September 2018

Nicht ausgeschlossen ist freilich auch ein unmittelbarer Bezug zur Exodus-Erzählung, konkret: zu Mose und Aron, wie das Landesmuseum Burgenland ‒ von dem wir das Objekt, das aus dem Jahr 1774 datiert und chassidischer Provenienz ist und einst Alexander Wolf gehörte, freundlicherweise als Leihgabe erhalten haben ‒ vermutet:

…in der Mitte erhebt sich ein Säulchen mit der Gestalt des segnenden Hohepriesters; die 4 vergoldeten Teller neben den Figuren der Könige David, Salomon, Aron und Moses…

Burgenländisches Landesmuseum: “Objektdaten”


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Neufeld Carl – 07. November 1889

Carl (Koppl) Neufeld, 13. Marcheschwan 650 (= Donnerstag, 07. November 1889) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz. Die Grabinschrift Inschrift Carl Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier…

Carl (Koppl) Neufeld, 13. Marcheschwan 650 (= Donnerstag, 07. November 1889)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.



Die Grabinschrift

Inschrift Carl Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] ein edelmütiger Mann und von Herzen איש יקר רוח ונדיב
[3] freigiebig. Den Armen und den Bedürftigen לב לעניים ולאביונים
[4] gegenüber war seine Hand geöffnet. Es ist der ידו היתה פתוחה ה”ה
[5] e(hrbare) H(err), H(err) Koppl, הרר קאפל
[6] Sohn d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Salomon בן הרר שלמה
[7] Neufeld. נייפעלד
[8] Er ging in seine Welt am 13. הלך לעולמו יג
[9] Marcheschwan 650 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). מרחשון תרן לפ”ק
[10] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”



Anmerkungen

Zeile 2/3: Exodus 35,22 נדיב לב.


Biografische Notizen

Carl (Koppl) Neufeld, geb. 08. Jänner 1849 in Lackenbach, Kaufmann, geh. ca. 1875 (“verheiratet 14 1/4 Jahre”), gest. 13. Marcheschwan 650 = Donnerstag, 07. November 1889 in Radegund 7 an Rippenfell- und Lungenentzündung, Luftröhrenerweiterung, Lugenlähmung, begraben 8. November 1889 am jüdischen Friedhof Graz.

Vater: Salo(mon) Neufeld
Mutter: Regy Pardon


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Biller Benedict / Biller Charlotte, geb. Schwartz – 29. März 1893 / 13. Mai 1892

Benedict (Baruch) Biller, 12. Nisan 653 (= Mittwoch, 29. März 1893) / Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz, 16. Ijjar 652 (= Freitag, 13. Mai 1892) Der Grabstein befindet sich am…

Benedict (Baruch) Biller, 12. Nisan 653 (= Mittwoch, 29. März 1893) / Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz, 16. Ijjar 652 (= Freitag, 13. Mai 1892)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.

Grabstein Charlotte (Schöndel) und Benedict (Baruch) Biller, 16. Ijjar 652 (=13. Mai 1892) und 12. Nisan 653 (= 29. März 1893)

Grabstein Charlotte (Schöndel) und Benedict (Baruch) Biller, 16. Ijjar 652 (=13. Mai 1892) und 12. Nisan 653 (= 29. März 1893), Foto: Mag. Dr. Karin Haas-Trummer



Die hebräische Grabinschrift – Benedict (Baruch) Biller

Inschrift Benedict Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] ein rechtschaffener und getreuer Mann, der Vornehme, der erhabene Wohltäter, איש ישר ונאמן הקצין הנדיב הנעלה
[3] d(er ehrbare) H(err), H(err) Baruch Biller, הר”ר ברוך ביללער
[4] einer der Vorsteher d(er heiligen jüdischen) G(emeinde) und Haupt und Leiter der Chevra אחד מגבאים דק”ק וראש ומנהיג החברא
[5] Kadischa. Er ging in seine Welt am 12. Nisan 653 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). קדישא הלך לעולמו י”ב ניסן תר”נג לפ”ק
[6] Durch die Arbeit an wohltätigen Liebesdiensten starb er den Tod der Gerechten. בעבודת גמילת חסדים מת מות ישרים
[7] Ein tatenreicher Mann war er, wohl bekannt in den Toren. רב פעלים היה הלא נודע בשערים
[8] Er gab von seinem Brot dem Armen und war mit Freude gastfreundlich. ונתן מלחמו לדל והכנס אורחים בגילה
[9] Denn mit seiner Freigiebigkeit wirkte er zum Lob und zum Preis. כי בנדיבת לבו עשה לשם ולתהלה
[10] Mit Jammern hören wir die Stimme über seinen Verlust. Ihm ein Prachtgewand ביללה קול נשמע על אבדון אדרת
[11] anzufertigen, damit wir nichts sähen außer Herrlichkeit. לערוך לו בל ראינו חין תפארת
[12] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Die hebräische Grabinschrift – Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz

Inschrift Charlotte Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] eine tüchtige Frau, die Bescheidene und Fromme, אשת חיל הצנועה והחסודה
[3] F(rau) Schöndel Biller, מ’ שינדל ביללער
[4] Tochter d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Beer Schwartz. Es ging hinweg בת הר”ר בער שווארץ יצאה
[5] ihre Seele in Reinheit am 16. Ijjar 652 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נשמתה בטהרה ט”ז אייר תר”נב לפ”ק
[6] Ein guter Name ist besser als Salböl, sie hinterließ nach ihr die Redlichkeit. שם משמן טוב עזבה אחריה הישרה
[7] Sie stieg hinab zur Erde, teuer wie die Sonne und klar wie der Mond. ירדה לארץ יקרה כחמה וכלבנה ברה
[8] Die gebeugte Seele sättigte sie und ihre Hände unterstützten die Bedürftigen. נפש נענה השביעה וכפיה תמכו אביונים
[9] Ihre Türen waren offen für die Armen und unter denen, die an ihrem Tisch aßen, waren Waisen. דלתותיה פתוחות לעניים ובאכלי שלחנה יתומים
[10] Ihrem Ehemann war sie ein Halt und ihren Kindern eine verständige Mutter. לבעלה היתה משענת ולבניה אם משכלת
[11] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Anmerkungen

Grundsätzlich gilt für beide Grabinschriften, dass der hebräische Text nur zu einem Teil stereotyp ist und man sich sehr bemühte, eine schöne und dem Verstorbenen / der Verstorbenen gerecht werdende Grabinschrift zu verfassen. Dabei werden bei Charlotte Biller mehr Zitate aus der hebräischen Bibel bzw. dem babylonischen Talmud genommen als bei Benedict. Seine Grabinschrift wirkt bis auf wenige eher stereotype Zitate aus der hebräischen Bibel und der jüdischen Traditionsliteratur, insbesondere in Zeile 6 und besonders in Zeile 10 und 11, eher frei und kreativ.
Die sehr schöne und zumindest am jüdischen Friedhof Graz auffällige Grabsteinarchitektur des Doppelgrabes spricht sicher für einen gewissen Wohlstand der Familie und letztlich auch für assimilatorische Tendenzen. Gleichwohl legte man offensichtlich darauf Wert zu zeigen, dass man doch sehr in der orthodoxen Tradition verortet war.


Anmerkungen hebräische Inschrift Baruch Biller

Zeile 7: Sprüche 31,23 נודע בשערים.

2 Samuel 23,20; 1 Chronik 11,22 רב פעלים. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 18b beschreibt den “tatenreichen Mann” als einen, der Taten für die Tora mehrte und sammelte. “Rav Pe’alim” ist auch der Titel eines alphabetischen Indexes aller ihm bekannten Midraschim von Abraham ben Elijah von Wilna (ca. 1750 – 1808), Sohn des Gaon von Wilna (Warschau 1894, New York 1958/59, Tel Aviv 1967?).

Zeile 9: Vgl. Jeremia 13,11 “…(das Haus Juda soll mir werden)…zum Namen, zum Preis und zum Ruhm…” …ולשם ולתהלה ולתפארת…; vgl. bes. auch Deuteronomium 26,19.

Zeile 10/11: Besten Dank an Claudia Markovits Krempke für die Übersetzungshilfe von Zeile 10b und 11!

Zeile 6-11: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen bzw. die ersten drei Buchstaben in Zeile 10 und 11 ergeben den hebräischen Vor- und den Zunamen des Verstorbenen (Baruch Biller).


Anmerkungen hebräische Inschrift Schöndel Biller

Zeile 2: Vgl. Sprüche 12,4 אשת חיל עטרת בעלה.

Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a. und Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 6: Kohelet 7,1 טוב שם משמן טוב.

Zeile 7: Vgl. Hohelied 6,10: יפה כלבנה ברה כחמה “Schön wie der Mond, klar wie die Sonne”.

Zeile 8: Jesaja 58,10 ונפש נענה תשביע.

Zeile 9: S. 2 Samuel 19,19 und 1 Könige 2,7: באכלי שלחנך.

Zeile 10: Vgl. Sprüche 19,14 u.a. אשה משכלת.

Zeile 6-10: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (Schöndel).


Biografische Notizen

Benedict (Baruch) Biller, geb. 1820/21 in Güssing, Kaufmann, später Fabriksbesitzer, gest. 12. Nisan 653 = Mittwoch, 29. März 1893 in Graz an organischem Herzfehler

Eintrag Sterbebuch Graz, Benedict Biller, 29. März 1893

Eintrag Sterbebuch Graz, Benedict Biller, 29. März 1893



Vater von Benedict: Moses Biller (zum Zeitpunkt der Hochzeit von Benedict bereits verstorben)
Mutter von Benedict: Elisabeth (Biller) (zum Zeitpunkt der Hochzeit von Benedict bereits verstorben)

Ehefrau: Charlotte (Schöndel) Schwartz, geb. 1828 in Güssing, gest. 16. Ijjar 652 = Freitag, 13. Mai 1892 in Graz an Rotlauf

Eintrag Sterbebuch Graz, Charlotte Biller, 13. Mai 1892

Eintrag Sterbebuch Graz, Charlotte Biller, 13. Mai 1892



Vater von Charlotte: Bernhard (Beer) Schwartz
Mutter von Charlotte: Johanna (Schwartz)

Hochzeit Benedict Biller und Charlotte Schwartz am 20. April 1851 in Güssing:

Eintrag Hochzeitsbuch Güssing, Benedict Biller und Charlotte Schwartz, 29. April 1851

Eintrag Hochzeitsbuch Güssing, Benedict Biller und Charlotte Schwartz, 29. April 1851



Sohn: Emil Biller, geb. 23. November 1871 in Graz, geheiratet, vermutlich 1902, Malvine Kugel, Tochter des Leopold Kugel, geb. 1846 in Trencin, gest. 1934, begraben am jüdischen Friedhof in Abbazia

Eintrag Geburtsbuch Graz, Emil Biller, 23. November 1871

Eintrag Geburtsbuch Graz, Emil Biller, 23. November 1871


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