Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: chanukka

Es bleibt noch viel zu tun… Gedenkjahr 2018ff

Mit einem Rückblick auf das Ge-/Bedenkjahr 2018 und einem Ausblick wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest Happy Chanukka – חג אורים שמח und schon jetzt unseren christlichen…

Mit einem Rückblick auf das Ge-/Bedenkjahr 2018 und einem Ausblick wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest
Happy Chanukka – חג אורים שמח
und schon jetzt unseren christlichen Leserinnen und Lesern
ein frohes Weihnachtsfest und allen einen guten Start ins Neue Jahr!


Status quo, viele Fakten, viele Hypothesen

Vor 80 Jahren, im November 1938, gab es im Burgenland keine jüdischen Gemeinden, keine Juden mehr. 1938 bedeutete das endgültige Aus einer jahrhundertelangen, in Europa einzigartigen Geschichte der Juden und jüdischen Geschichte in unserer Region.

In unserem Newsletter vom Februar 2018 haben wir angekündigt, insbesondere in diesem Gedenkjahr den Juden Eisenstadts ihre Namen und vor allem ihre Geschichte wiederzugeben.
Die Bilanz, die wir nun ziehen wollen, ist durchmischt.

Sicher erfreulich ist, dass es uns gelungen ist, beide jüdischen Friedhöfe Eisenstadts, den weltberühmten älteren jüdischen Friedhof und den jüngeren jüdischen Friedhof, digital vollständig zu erfassen (insgesamt 1.358 Grabsteine und 1.375 Personen) und vor Ort mit Standortnummern und QR-Codes zu versehen. Jeder in Eisenstadt Begrabene kann damit ab sofort sicher gefunden werden.

Besonders der jüngere jüdische Friedhof aber stellte uns vor unerwartete Herausforderungen. Am Friedhof fehlen (physisch) etwa 150 Grabsteine, sie wurden wohl nach 1945 gestohlen, nur mehr die Sockel zeugen von ihrer ehemaligen Existenz.

Der jüngere jüdische Friedhof wurde 1875 angelegt, auf ihm befinden sich heute 287 Grabsteine.

Die Sterbebücher von Eisenstadt weisen für die Zeit November 1874 (das letzte Begräbnis am älteren Friedhof fand am 28. Oktober 1874 statt) bis 1938 allerdings 801 Einträge auf.

Nur 126 Grabsteine bzw. Personen am jüngeren Friedhof können Matrikeneinträgen in diesem Zeitraum zugeordnet werden! Die anderen Grabsteine (der 287) sind Massengräber, nach 1945 Begrabene oder Jüdinnen/Juden, die in anderen Orten verstorben sind und nach Eisenstadt überführt wurden, jedenfalls nicht im Sterbebuch Eisenstadt eingetragen sind.

Am jüngeren jüdischen Friedhof befanden sich bis 1938 also etwa 430 Grabsteine (ca. 150 heute fehlende und 280 vorhandene, die erste Reihe mit 7 Grabsteinen wurde nach 1945 angelegt).

Gehen wir davon aus, dass die fehlenden ca. 150 Grabsteine Jüdinnen und Juden gehörten, die auch im Sterbebuch Eisenstadt eingetragen sind (801 Einträge von Jüdinnen und Juden, die in Eisenstadt begraben sein könnten, und 126 Grabsteine, die wir diesen Einträgen zuordnen können), fehlen etwa 525 Grabsteine. Waren unter den nachweislich fehlenden 150 Grabsteinen auch solche von Jüdinnen und Juden, die überführt wurden usw. und nicht im Sterbebuch eingetragen sind, fehlen ‒ theoretisch ‒ mindestens 525, im Worst Case aber 675 Grabsteine.

Da aber de facto am jüngeren jüdischen Friedhof mit Sicherheit weder 525 noch 675 Grabsteine fehlen, bleibt für uns die leider große Unsicherheit, wo diese Menschen begraben wurden. In den Sterbebüchern von Eisenstadt findet sich kein Hinweis auf den Begräbnisort, Begräbnisbücher fehlen zur Gänze.

Conclusio:

Da wir weder wissen, wie viele Jüdinnen/Juden von den 801 Einträgen in den Sterbebüchern tatsächlich am jüdischen Friedhof von Eisenstadt begraben wurden, noch, wie viele Jüdinnen/Juden von den ca. 150 physisch fehlenden Grabsteinen den 801 Matrikeneinträgen zugeordnet werden können, bleiben viele Unsicherheiten.
Es ist traurig, dass wir von mindestens 525 Jüdinnen und Juden aus Eisenstadt nicht wissen, wo sie begraben sind, nicht ihre Geschichte kennen.

Es bleibt noch viel zu tun… Gedenkjahr 2018ff.



PS:

Wir können Ihnen zu Chanukka online leider keine Latkes oder Krapfen reichen, haben aber pünktlich zum Fest drei neue Matrikenindizes von Schlaining / Oberwart online gestellt:

Geburtsindex Schlaining / Oberwart 1841 – 1917

Hochzeitsindex Schlaining / Oberwart 1851 – 1918

Sterbeindex Schlaining / Oberwart 1841 – 1920


2 Kommentare zu Es bleibt noch viel zu tun… Gedenkjahr 2018ff

Chanukka 5778

Mit einem besonders hübschen, jedenfalls aber dem kleinsten Objekt unserer Sammlung wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest Happy Chanukka – חג אורים שמח und außerdem unseren christlichen…

Chanukkaleuchter, Blei, Westungarn, ca. 1800

Chanukkaleuchter, Blei, Westungarn, ca. 1800


Mit einem besonders hübschen, jedenfalls aber dem kleinsten Objekt unserer Sammlung

wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest
Happy Chanukka – חג אורים שמח
und außerdem unseren christlichen Leserinnen und Lesern
ein frohes Weihnachtsfest und allen einen guten Start ins Neue Jahr!


Zwei sehr ähnliche, wunderschöne Chanukkaleuchter, nur deutlich jüngeren Datums, finden sich im Jewish Museum of New York:

Chanukkaleuchter Copyright Jewish Museum New York

Bild-Copyright: The Jewish Museum New York


Chanukkaleuchter Copyright Jewish Museum New York

Bild-Copyright: The Jewish Museum New York


Auf den Sesselchen finden sich die hebräischen Buchstaben נח, die Abkürzung für hebräisch “ner chanukka” (Chanukkalicht). Auf unserer Chanukkia (s. Bild ganz oben) können Sie die beiden Buchstaben auf dem 4. Sesselchen von links erkennen.

Nota bene: Die Chanukkia, die bei uns im Museum zu sehen ist, besteht aus 7 Sesselchen und 1 Bänkchen, auf dem 2 Flammen Platz haben. Wir vermuten, dass der zweite Platz dieses Bänkchens für den “Schammasch” reserviert ist, also jenes “Dienstlicht”, mit dem die anderen 8 Lichter entzündet werden und das auf beiden Chanukkaleuchtern in New York überraschenderweise fehlt.


Die Geschichte zu diesen beiden Chanukkaleuchtern wollen wir Ihnen als Lesetipp sehr empfehlen: Objects Tell Stories: A Hanukkah Lamp Made of Eight Small Chairs

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Bild der Woche – Chanukka 5775

Fünf Lichter an der großen Chanukkia, dazu Musik, Tombola, Festansprachen – etwa von Kultusgemeinde-Präsidenten Oskar Deutsch – und viel Festliches mehr gab es gestern Abend am Wiener Stock-im-Eisen-Platz/Stephansplatz; Gastgeber war…

Fünf Lichter an der großen Chanukkia, dazu Musik, Tombola, Festansprachen – etwa von Kultusgemeinde-Präsidenten Oskar Deutsch – und viel Festliches mehr gab es gestern Abend am Wiener Stock-im-Eisen-Platz/Stephansplatz; Gastgeber war das Wiener Chabad-Haus.

Chanukka-Kerzenanzünden, 20. 12. 2014


Wir wünschen Ihnen ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח,
den christlichen Leserinnen und Lesern unseres Blogs schöne Weihnachten
und allen ein paar erholsame Tage!


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Chanukka im Großformat

Noch leuchtet sie nicht, die große Chanukkia, also der chanukka-typische 8- bzw. 9-armige Leuchter, in der Wiener Innenstadt, am Anfang der Kärntner Straße. Das wird sich schon in wenigen Stunden…

Noch leuchtet sie nicht, die große Chanukkia, also der chanukka-typische 8- bzw. 9-armige Leuchter, in der Wiener Innenstadt, am Anfang der Kärntner Straße.

Chanukkia in der Wiener Innenstadt 2013


Das wird sich schon in wenigen Stunden ändern, denn heute beginnt das Chanukkafest. Ab heute Abend also und 8 Tage lang werden, in Erinnerung an die einstige Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels, allabendlich die Chanukkalichter leuchten – im Großformat auch mitten in Wien …


Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח!


Besten Dank an Iris H., die sich für obiges Foto ins Wiener Schneegestöber gewagt und uns das Bild freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.


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Bild der Woche – Chanukka und ein abgeschlagener Kopf

Was Judit und Holofernes mit Chanukka zu tun haben Übermorgen, am Dienstag, dem 20. Dezember, ist der 24./25. Kislew und damit Erev Chanukka. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass das…

Was Judit und Holofernes mit Chanukka zu tun haben

Übermorgen, am Dienstag, dem 20. Dezember, ist der 24./25. Kislew und damit Erev Chanukka. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass das achttägige Chanukkafest an die Wiedereinweihung des Altars im Jerusalemer Tempel durch Judas Makkabäus 164 v.d.Z. erinnert, nachdem der seleukidische (hellenistisch-griechische) König Antiochus Epiphanes vier Jahre zuvor den Tempel entweiht hatte. So lesen wir im ersten Buch der Makkabäer 4,52-59, das sich übrigens – und das mag erstaunen – wie auch das zweite Buch der Makkabäer nicht in der hebräischen Bibel befindet!

Im Traktat Schabbat 21b des babylonischen Talmud werden die acht Tage mit einer Legende begründet, dass nämlich das wenige vorhandene Öl nicht ausreichte, um die Flammen des Leuchters acht Tage zu nähren, und nur ein einziges Krüglein Öl tatsächlich den Leuchter acht Tage lang speisen konnte, bis wieder neues “koscheres” (rituell taugliches) Öl zur Verfügung stand:

Ein großes Wunder geschah dort!

Chanukkaillustration: Birkat ha-mazon, Wien 1751

Judit mit dem abgeschlagenen Kopf des Holofernes. Illustration zu Chanukka im Birkat ha-mazon von Meschullam Simmel, Wien 1751.
Das Büchlein ist übrigens gerade mal 8.4cm x 10.4cm groß und in unserer Dauerausstellung zu besichtigen!

Wir befassen uns heute ein wenig mit den “Birkat-ha-mazon”-Büchlein, einer Sammlung von – vor allem ab dem 18. Jahrhundert – meist eher textknappen Segenssprüchen zu den verschiedensten Situationen des Alltags samt den dazugehörigen Illustrationen, die in keinem jüdischen Haushalt fehlen durften. Der älteste und nur in einem einzigen Exemplar erhaltene Druck eines solchen Büchleins wurde im Jahr 1514 in Prag herausgebracht. Einheitlich in allen Handschriften finden wir am Beginn die Segenssprüche zu den beiden Freudenfesten Purim und Chanukka, wobei insbesondere eine Bildrezension zu Chanukka nicht ganz leicht zu überblicken ist. Denn in vielen Birkat-ha-mazon-Handschriften und -Drucken ist der Chanukkatext nicht nur mit einem Leuchter illustriert, den der in zeitgenössische Tracht gekleidete Hausherr entzündet, sondern es findet sich noch zusätzlich die Darstellung von Judit, die dem schlafenden Feldherrn Holofernes den Kopf abschneidet und diesen in einen von ihrer Dienerin bereitgestellten Sack gibt.

Die Geschichte von Judit und Holofernes lesen wir übrigens im Buch Judit, das sich – wiederum erstaunlich – so wie die beiden Makkabäerbücher ebenfalls nicht in der hebräischen Bibel findet:

Dann ging sie zum Bettpfosten am Kopf des Holofernes und nahm von dort sein Schwert herab. Sie ging ganz nahe zu seinem Lager hin, ergriff sein Haar und sagte: Mach mich stark, Herr, du Gott Israels, am heutigen Tag! Und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft auf seinen Nacken und hieb ihm den Kopf ab. Dann wälzte sie seinen Rumpf von dem Lager und riss das Mückennetz von den Tragstangen herunter. Kurz danach ging sie hinaus und übergab den Kopf des Holofernes ihrer Dienerin, die ihn in einen Sack steckte …

Judit, 13, 6-10

Ein Chanukka-Pijjut, also eine religiöse Dichtung zum Fest, erklärt die Verbindung der Judith-Holofernesgeschichte mit jener von Chanukka:
Demnach verbot König Antiochus Epiphanes nicht nur die Ausübung der jüdischen Religion, sondern bestimmte als weitere judenfeindliche Maßnahme, dass dem Oberkommandanten das “ius primae noctis” zustehe. Als dieses aber bei der Tochter des Hohepriesters Jochanan zur Anwendung kommen sollte, töteten ihre Brüder mit Judas Makkabäus an der Spitze den feindlichen Feldherrn. Daraufhin zog Holofernes aus Rache gegen Jerusalem und wurde dort von der tapferen Judit getötet.

Daher findet man diese Darstellung vor allem in jenen Birkat-ha-mazon-Handschriften, die für weibliche Besitzer bestimmt waren, um auf die tapferen Frauen Israels hinzuweisen …

Bleibt noch anzumerken, dass der Chanukkabrauch, gesalzene Käsegerichte zu essen, auf dieses Ereignis zurückgeht: Angeblich setzte Judit dem Holofernes gesalzenen Käse vor und nachdem dieser seinen großen Durst mit vielen Bechern Wein gelöscht hatte und betrunken eingeschlafen war, konnte sie ihm den Kopf abschlagen.

Aber nicht mit dem Klassiker “Maos Zur“, einem Pijjut aus dem 13. Jahrhundert, sondern mit einem sehr modernen rockigen Adam Sandler wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח
und außerdem unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und allen einen guten Start ins Neue Jahr!


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die beiden ausgezeichneten Beiträge zu Chanukka, in denen Sie mehr über Geschichte und Bräuche des Festes erfahren: “Nicht durch Macht und nicht durch Stärke …” von Hartmut Bomhoff sowie “Chanukka – ein Fest des Kulturtransfers” von Martha Keil.



3 Kommentare zu Bild der Woche – Chanukka und ein abgeschlagener Kopf

Bild der Woche – Chanukkia

In diesen Tagen sehen wir viele Chanukkaleuchter – im Haus, in der Synagoge, im Web … ganz besonders beeindruckend aber ist jener auf den Asphalt projizierte Leuchter zwischen Holocaust-Denkmal und…

In diesen Tagen sehen wir viele Chanukkaleuchter – im Haus, in der Synagoge, im Web … ganz besonders beeindruckend aber ist jener auf den Asphalt projizierte Leuchter zwischen Holocaust-Denkmal und dem vergangene Woche neu eröffneten Museum Judenplatz in Wien (leider hatte ich nur mein Handy dabei).

Es handelt sich dabei um eine bosnische Chanukkia aus der Sammlung Max Berger, die übrigens im Original in der Ausstellung “Die Türken in Wien” im jüdischen Museum der Stadt Wien zu sehen ist (noch bis 09. Jänner 2011). Umgesetzt wurde die Lichtprojektion von Michaela Feurstein (jüdisches Museum der Stadt Wien).


Tipp: Auch wenn es derzeit bitterkalt ist, ein Spaziergang zum Judenplatz in Wien zahlt sich insbesondere abends, in der Dunkelheit, schon alleine wegen der wunderbaren Projektion wirklich aus!

Da wir heuer auf unserer Facebook-Seite einen Chanukka-Song-Marathon veranstalten, wünschen wir (ein wenig später, aber nicht weniger herzlich) heute, am 4. Tag von Chanukka, allen Leserinnen und Lesern auch hier
ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח!



Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche


6 Kommentare zu Bild der Woche – Chanukkia

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