Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: friedhof

Bild der Woche – Wolf-Mausoleum

Touristen weitgehend unbekannt und selbst viele Eisenstädter kennen diese Grabstätte nicht: Hoch über den Dächern von Eisenstadt, am Abhang des Leithagebirges, mitten im Wolfgarten, befindet sich das sogenannte Wolf-Mausoleum. Vieles…

Touristen weitgehend unbekannt und selbst viele Eisenstädter kennen diese Grabstätte nicht: Hoch über den Dächern von Eisenstadt, am Abhang des Leithagebirges, mitten im Wolfgarten, befindet sich das sogenannte Wolf-Mausoleum.

Vieles erinnert in Eisenstadt an die berühmte Familie Wolf. Neben Alexander (Sándor) ist es vor allem sein Bruder Leopold, der besondere Erwähnung verdient:

Leopold Wolf wurde 1866 geboren und wurde 1883 Gesellschafter der Firma „Leopold Wolf’s Söhne“ und später Firmenvorstand der Weingroßhandlung (deren Sitz im Wertheimerhaus, in dem heute unser jüdisches Museum untergebracht ist, war).

1896 heiratete er Ottilie Laschober. Für die Gemeinde Eisenstadt brach beinahe eine Welt zusammen, denn Ottilie war Christin, die auch nie zum Judentum konvertierte. Der Rabbiner – so heißt es – soll über diese Heirat derart erbost gewesen sein, dass er schwor, nie mehr die Schwelle der Synagogentür zu überschreiten, durch die das Ehepaar Wolf-Laschober gegangen sei. Was sollte man also tun? Man brach für den Rabbiner eine zweite Türe in der Synagoge aus, um ihn nicht zu zwingen, sein Wort zu brechen und dadurch noch größeres Unheil über die Gemeinde zu bringen.
Immerhin, die Kinder des Ehepaares, so hatten sich die Eltern vor dem Bürgermeister protokollarisch verpflichtet, wurden jüdisch erzogen.
Leopold Wolf starb 1926 und wurde auf dem jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt beigesetzt.

Ottilie Wolf jedoch durfte nach ihrem Tod im Jahr 1927 weder auf dem christlichen noch auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Die Familie Wolf baute daraufhin auf eigenem Grundbesitz ein Urnenmausoleum, in dem neben Ottilie Wolf-Laschober weitere Angehörige der Familie Wolf, die zwischen 1938 und 1988 verstorben sind, ihre letzte Ruhe fanden.
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Am jüdischen Friedhof III

Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können Gleich nach unten zu unserem Rätsel Vorweg: Selbstverständlich liegt es mir fern zu suggerieren,…

Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdaten in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können

Vorweg: Selbstverständlich liegt es mir fern zu suggerieren, dass mit keinen oder minimalen Hebräischkenntnissen hebräische Grabinschriften auch nur einigermaßen korrekt erfasst werden können. Da aber der Aufbau von hebräischen Grabinschriften stets mehr oder weniger derselbe ist, können Sie auch mit nur bescheidenen Kenntnissen des Hebräischen (immer wiederkehrende) Strukturen erkennen und mehr aus einer Inschrift herauslesen, als Sie vielleicht vermuten. Insbesondere Name und Sterbedatum sollten meist kein Problem sein.

Salopp formuliert:
Es geht in diesem Beitrag einzig und allein darum, dass Sie eine hebräische Grabinschrift strukturell erkennen und einige Details lesen können. Drucken Sie diesen Beitrag aus, gehen Sie auf den nächstliegenden jüdischen Friedhof mit hebräischen Inschriften und versuchen Sie, einzelne Elemente des untenstehenden Schemas (wie Name, Datum usw.) zu erkennen bzw. zu lesen.

Die hebräischen Buchstaben finden Sie ebenfalls auf unserer Website.

Schematischer Aufbau einer Grabinschrift

Achtung: Hebräisch wird immer von rechts nach links gelesen!

Symbol
(Träneneiche; Krug mit Becken (Leviten); Hände (Kohanim, Priester) etc.)

Hier liegt geborgen פ“ט / פ“נ

פה טמון / טמונה // פה נטמן / נטמנת
po tamun / tmuna // po nitman / nitmenet

Geschlechtsangabe, Titulaturen, ehrende Beiwörter

(Titulaturen und ehrende Beiwörter beziehen sich bei Männern praktisch immer auf religiöse Würden und Ämter, bei Frauen stehen meist Bibelzitate.)

ein Mann („isch“) איש + Eigenschaft(swort), eine Frau („ischa“) אישה + Eigenschaft(swort)

Herr („Rev“) ר“ (רב) + Name, Frau („Marat“) מ“ (מרת) + Name

der CHAVER („He-chaver“, niederer Rang in der Gemeindehierarchie) ה“ח (החבר)

ein angesehener Mann (isch nichbad) איש נכבד

der ehrenhafte Herr (kvod harav) כ“ה (כבוד הרב)

eine bedeutende Frau (ischa chaschuva) אשה חשובה

die bescheidene Frau (ha-ischa ha-znu’a) האשה הצנועה

Name + ז“ל / ע“ה

זכרונו / זכרונה לברכה // עליו / עליה השלום
sichrono / sichrona livracha (sein / ihr Andenken möge bewahrt werden)
alav / aleha ha-schalom (auf ihm / auf ihr sei der Friede)

Herr Mose Wolf, sein Andenken möge bewahrt werden ר“ משה וואלף ז“ל (זכרונו לברכה)

Frau Resl Austerlitz, auf ihr sei der Friede מרת ריזל ע“ה (עליה השלום)

Ableben י“נ

(Das Ableben wird meist durch einen positiven Ausdruck umschrieben;
nur selten: er / sie „starb (met/a)“ מת / מתה)

Seine / Ihre Seele ging hinweg יצאה נשמתו / נשמתה

Todesdatum

(siehe unseren Lexikoneintrag „Zeitrechnung„)

Die Zahlenwerte jener hebräischen Buchstaben, die mit Punkten oder Strichen gekennzeichnet sind, werden einfach zusammengezählt. Das Ergebnis, eine Hunderterzahl, addieren Sie zum (bürgerlichen) Jahr 1240 einfach dazu. Ergibt die Summe z.B. 697 תרצ“ז, haben wir das (Sterbe)jahr 1937 (1240 + 697).
Genau genommen ist dies das jüdische Jahr 5697. Die Zahl 5, also die Tausenderzahl, wird aber meist nicht geschrieben (wie bei uns ’10 statt 2010), es steht statt z.B. 5697 meist nur 697.
Fast immer wird dann nach der Jahreszahl als Zusatz „nach der kleinen Zeitrechnung“, d.h. „ohne Tausenderzahl“, angefügt:

(wörtlich) „nach der kleinen Zählung (lifrat katan)“ לפ“ק = לפרט קטן
Achten Sie auf diese 3 Buchstaben, denn davor steht immer die Jahreszahl!

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn ein Datum der Monate Tischre, Cheschwan, Kislew und Tevet umgerechnet wird. Da das jüdische Jahr im Herbst beginnt, fällt ein Datum der genannten vier Monate noch in das „alte“ bürgerliche Jahr.

Meist findet man vor der Jahreszahl (ב)שנת „(bi)schnat“, „(im) Jahr…“ (von: שנה „schana“, „Jahr“).

Lob

(Dieser oft sehr lange Text beinhaltet meist viele biblische und rabbinische Zitate und wird hier nicht näher beschrieben)

Schlussworte (Schlusseulogie) ת“נ“צ“ב“ה

תהי נפשו / נפשה צרורה בצרור החיים
tehi nafscho / nafscha zrura bizror ha-chajim (Seine / Ihre Seele möge eingebunden sein im Bund des Lebens, Anlehnung an 1 Samuel, 25,29).


Es darf schon angekündigt werden: Wir wollen eine neue und überarbeitete Auflage des Hebräischbuches möglichst bald als E-Book zur Verfügung stellen. Im Buch finden Sie ausführlichere Erklärungen und viele Übungen.

Unser Rätsel: Lesen und „übersetzen“ Sie folgende Grabinschrift:

Anmerkung:
Falls Sie gleich hier nach unten zum Rätsel gesprungen sind, ohne unseren Beitrag lesen zu müssen, sind Sie mit unserem Rätsel vermutlich unterfordert ;)

Bitte keine Scheu, das Rätsel ist sehr einfach. Das oben Gelernte kommt noch nicht wirklich zum Einsatz, es geht vor allem um das Erkennen der hebräischen Buchstaben. Sie benötigen für die Lösung kein einziges hebräisches Wort. Die Inschrift ist in deutscher Sprache (mit hebräischen Buchstaben) verfasst und ist der hier original wiedergegebene untere Teil einer Grabinschrift eines Grabes auf dem jüngeren jüdischen Friedhofes in Eisenstadt (siehe Bild! Der obere Hauptteil der Inschrift ist Hebräisch und hier ausgeblendet).

היער רוהעט

דיע ליעבענדע טאכטער

טרייע גאטטין

אונד צארטליכע מוטטער

רעזי איינהארן געב. שפיטצער

געשטארבען אים 26. יאהרע

נאך לאנגעם ליידען

אללגעמיין בעטרויערט

אם 28. פעבער 5637.


Wir verlosen unter den eingesendeten richtigen Lösungen drei (!) GewinnerInnen des Buches „Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland“.

  • Bitte schicken Sie die Lösung bis Sonntag, 14. März 2010 an folgende E-Mail-Adresse: raetsel@ojm.at
  • Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail an, ob wir Ihren Namen im Falle des Gewinns hier veröffentlichen dürfen
  • Die Reihenfolge der eingelangten Lösungen spielt keine Rolle
  • Am Montag, dem 15. März, ermitteln wir die GewinnerInnen per Los, geben die Namen (wenn erlaubt) bekannt und stellen die Lösung hier selbstverständlich gleich online
  • Es ist das unser erstes Rätsel, bitte haben Sie Nachsicht! Falls etwas unklar ist, zögern Sie nicht zu fragen, am besten gleich als Kommentar unten oder via E-Mail
  • Zur Sicherheit sei nochmals erwähnt: Die hebräischen Buchstaben finden Sie ebenfalls auf unserer Website.
  • Update 14 Uhr: Die Zahlen im Rätsel werden von links nach rechts gelesen!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Freude beim „Übersetzen“ und freuen uns sehr auf Ihre E-Mails mit den Lösungen!

Update 15. März – Die Lösung unseres kleinen Rätsels:

Hier ruh(e)t
die liebende Tochter,
treue Gattin
und zärtliche Mutter,
Resi Einhorn, geb. Spitzer,
gestorben im 26. Jahre
nach langem Leiden.
Allgemein betrauert
am 28. Feber 5637 (= 1877).



Als Gewinner wurden heute Morgen durch Los ermittelt (die Bücher sind schon unterwegs!):

  • Patrick Frankl, Eisenstadt
  • Ferdinand Creuz, Nagold (D)
  • Ute Schulz, Augsburg (D)

Wir gratulieren sehr herzlich und danken allen, besonders auch jenen, die diesmal nicht gewonnen haben, für die Zusendungen. Besonders erfreulich war, dass nur richtige Lösungen einlangten. Immerhin kamen die E-Mails aus Österreich, Deutschland und Israel :)


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir als Ergänzung und Weiterführung die Lektüre des jüngst erschienenen Blogbeitrags „Lesen hebräischer Grabsteine – wie geht das?“ auf dem Blog des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg.


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Bild der Woche – Symbole

Wieder zurück vom Hebräischkurs, muss natürlich auch das Bild der Woche aus Salzburg kommen ;) Am Mittwoch, dem 3. Kurstag, besuchte die Anfängergruppe den jüdischen Friedhof in Salzburg, auch um…

Wieder zurück vom Hebräischkurs, muss natürlich auch das Bild der Woche aus Salzburg kommen ;) Am Mittwoch, dem 3. Kurstag, besuchte die Anfängergruppe den jüdischen Friedhof in Salzburg, auch um das Erlernte in der Praxis ein wenig erproben zu können.

Symbole 'Segnende Hände' und 'Kanne und Becken'

Sehr schöne Symbole auf zwei Gräbern in der ersten Reihe des jüdischen Friedhofes: Oben „Kanne und Becken“ als Symbol für levitische Abstammung, unten: „Segnende Priesterhände“ als Symbol für Kohanim.

Ich danke sehr herzlich dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Herrn Marko Feingold, der uns mit seiner Gattin den Friedhofsbesuch ermöglichte und selbstverständlich auch eine historische Einführung gab.

Bei dieser Gelegenheit sei angemerkt, dass die Israelitische Kultusgemeinde Salzburg auch seit Kurzem eine sehr schöne neue Website hat.

Vielen Dank an Wolfgang Kisslinger, Salzburg, für die beiden Fotos!

Mehr zu den beiden Symbolen finden Sie auf unserer Facebook-Seite.


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Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt

Im zweiten Beitrag unserer kleinen Serie „Am jüdischen Friedhof“ wurde der ältere Friedhof in Eisenstadt als Beispiel für einen Friedhof zitiert, auf dem die Prominenz (im herkömmlichen Sinn) rar und…

Im zweiten Beitrag unserer kleinen Serie „Am jüdischen Friedhof“ wurde der ältere Friedhof in Eisenstadt als Beispiel für einen Friedhof zitiert, auf dem die Prominenz (im herkömmlichen Sinn) rar und die Steine nur selten kunsthistorisch bedeutend sind.

Eisenstadt hat zwei jüdische Friedhöfe, den älteren und den jüngeren. Die erste Datierung eines Grabsteins auf dem älteren jüdischen Friedhof stammt vom 3. Juli 1679, der Friedhof wurde bis 1875 belegt. Im selben Jahr wurde der jüngere Friedhof angelegt. Dieser jüngere jüdische Friedhof wurde von uns zwischen 1992 und 1995 bearbeitet und liegt als Publikation vor.

Das Tor ist heute nicht mehr vorhanden. Der Friedhof ist sozusagen in zwei Teile geteilt, zwischen den beiden heute eingezäunten Hälften befindet sich ein öffentlich begehbarer Fußweg.

Der ältere jüdische Friedhof, am nordwestlichen Ende des jüdischen Viertels gelegen, umfasste im Jahr 1922 1.140 Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Grabinschriften. In diesem Jahr erschien die bedeutende Publikation von Dr. Bernhard Wachstein, dem langjährigen Direktor der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, über diesen Friedhof (Wachstein B., Die Grabinschriften des Alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Eisenstädter Forschungen, hrsg. Von Sándor Wolf, Band I, Wien 1922). Wachstein nahm alle Grabsteine des älteren Friedhofes mit hebräischer Abschrift und manchen Verweisen auf Belegstellen aus Bibel und rabbinischer Literatur sowie einigen Fotos auf. Wachstein verzichtete auf eine Übersetzung und legt die Textbearbeitung nur hebräisch in Form von Quellenverweisen, in der Regel ohne Kommentierung, vor. Diese Vorgangsweise macht einerseits das Zielpublikum seiner Arbeit – nämlich den mit der Traditionsliteratur vertrauten jüdischen Leser – deutlich und erschwert andererseits dem nichtjüdischen oder mit der jüdischen Traditionsliteratur nicht vertrauten Leser den Umgang mit seiner Arbeit immens.

Alte Ansicht des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt


Der Eisenstädter Friedhof ist zum Unterschied von anderen alten jüdischen Friedhöfen vollständig baumlos. Nur einiges Gebüsch verkleidet die Mauer. Die Gräber entbehrten, wie es bei gesetztreuen Juden selbstverständlich ist, des Blumenschmuckes, und nur Graswuchs – ohne Beimengung von hässlichen Unkräutern – überzieht die Ruhestätten mit seinem Grün.
Das Terrain ist eben, an manchen Stellen bemerkt man jedoch Aufschüttungen von Erdreich, die dazu dienten, um über den alten Gräbern neue anlegen zu können. Die Steine stehen an diesen Stätten dicht nebeneinander, weil die der tiefen Gräber auch hinauf gestellt wurden …
Die Denkmäler des Eisenstädter Friedhofes zeigen in Form und Aussehen vielfach Ähnlichkeiten mit denen des Wiener Friedhofes. Es liegt dies in der Natur der Sache, denn nicht nur die ersten Ansiedler waren Wiener Emigranten, sondern auch ein ganz erheblicher Zuzug leitete sich von Wien her …
Einige Steine des Eisenstädter Friedhofes müssen sogar in Wien angefertigt worden sein … Aber bald wussten sich die Eisenstädter in der Friedhofkunst von Wien unabhängig zu machen. Hatten sie ja ein vorzügliches eigenes Steinmaterial, den Bergeisenstädter, oder St. Margarether und Oszliper Kalkstein, der außerordentlich leicht bearbeitbar, nun beinahe ausschließlich verwendet wurde …

Lange wussten wir nicht, wie viele Grabsteine den Holocaust überlebten und sich heute auf dem Friedhof befinden (aus mir unerfindlichen Gründen scheint es unmöglich zu sein, ohne Hilfsmittel Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof auch nur einigermaßen korrekt zu zählen). Vor einigen Jahren brachte eine von der Freistadt Eisenstadt gesponserte Vermessung des Friedhofes ein für uns erstaunliches, jedoch höchst erfreuliches Ergebnis: Am Friedhof befinden sich heute 1.104 Grabsteine, also beinahe genau so viele wie 1922.

In Wachsteins Buch finden wir drei verschiedene Nummerierungen der Grabsteine, am Friedhof selbst immerhin zwei. Jene beiden, die wir – so überhaupt sichtbar – auf Grabsteinen lesen können, sind alte bzw. sehr alte Nummerierungen, eine in Hebräisch gravierte und eine mit arabischen Zahlen. Wachstein verwendet eine dritte Nummerierung in seinem Buch, notiert aber bei jedem Grabstein beide alten Nummern. Die Unlesbarkeit der meisten alten Nummern heute macht eine Zuordnung der in Wachsteins Werk aufgenommenen Grabsteine am Friedhof in den meisten Fällen extrem schwer. Vor allem auch, weil sehr viele der Inschriften kaum gelesen, die Grabsteine daher nicht sicher identifiziert und zugeordnet werden können. Wachstein konnte für seine Bearbeitung auf Quellen wie etwa das „Schwarze Buch“ der Gemeinde zurückgreifen. Heute existieren weder das „Schwarze Buch“ der Gemeinde noch ein Lageplan oder andere Informationen, die uns helfen könnten, einzelne Grabsteine zu finden. Auch Wachstein verzichtet leider auf einen Lageplan.

Ausschnitt aus Wachsteins Buch, der die drei verschiedenen Nummerierungen zeigt


Bleibt abschließend zu wiederholen: Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt ist ein Beispiel, bei dem die Bestandssicherung mit der Sicherung von Inschriften, im konkreten Fall etwa mit der Zuordnung der Grabsteine zu den bereits vorhanden Abschriften Wachsteins, beginnen muss.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir einen Blick auf die Fotos vom älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt auf unserer Facebook-Seite.


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Ein Burgenländer – der erste Jude Salzburgs

1498 wurden alle Juden Salzburgs von Erzbischof Leonhard von Keutschach des Landes verwiesen und durften sich bis 1867 (Staatsgrundgesetz) nicht in der Stadt aufhalten. In diesem Jahr gelang es Albert…

1498 wurden alle Juden Salzburgs von Erzbischof Leonhard von Keutschach des Landes verwiesen und durften sich bis 1867 (Staatsgrundgesetz) nicht in der Stadt aufhalten.

In diesem Jahr gelang es Albert Abraham Pollak als erstem Juden das Niederlassungsrecht wieder zu erlangen. Pollak wurde 1833 in Mattersdorf geboren, starb 1921 und ist am jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen begraben.
Er wurde schon 1873 als Bürger von Salzburg akzeptiert und legte den Grundstein für den Neubeginn der jüdischen Gemeinde der Stadt. Bald wurde Pollak zum angesehenen „k.u.k. Hofantiquar“, später sogar zum „kaiserlichen Rat“.
Die Stadtgemeinde hatte Pollaks Anrecht akzeptiert, nur der Bürgermeister soll angeblich den Ausspruch getan haben:

Sie sind der erste, aber auch der einzige und letzte Jude in Salzburg.

Der Bürgermeister sollte irren. Am 28. Jänner 1881 sind in Salzburg 18 „Israeliten“ mit ihren Familien belegt. Darunter Albert Pollak, verheiratet mit Karoline, 7 Kinder. Für uns besonders interessant ist, dass insgesamt 5 Juden aus dem Mattersdorf/Ödenburger Komitat und 2 aus dem Komitat Lackenbach/Ödenburg kommen.

Ansuchen Albert Pollaks vom 22. März 1867

Ansuchen Albert Pollaks vom 22. März 1867 um eine Trödler-Konzession und seine Bearbeitung (Archiv der Stadt Salzburg), aus: Marko Feingold, Ein ewiges Dennoch, Wien 1993,18.

Löbliches Gemeindeamt!

Ich wünsche in der Stadt Salzburg ein Tändler- (Trödler-) Gewerbe zu betreiben, u. da ich nach dem anliegenden pfarramtlichen Sittenzeugnisse eines guten Leimundes mich erfreie, und durch meinen langjährigen hiesigen Aufenthalt mir die nöthigen Lokal- u. fachlichen Kenntnisse angeeignet habe, um ein derlei conzessioniertes Gewerbe zu erlangen, so bitte ich um die Ertheilung der erforderlichen Conzession, u. bemerke zur Ausfüllung der Rubriken im Gewerbsvormers-Buche, daß ich 34 Jahre alt, zu Matersdorf in Ungarn gebürtig bin. Den Standort des Betriebes, Gewölbe oder sonstigen Lokalität bin ich noch nicht im Stande anzugeben …

Salzburg, am 22. May 1867
Albert Pollak mp
Goldwaarenhändler

Marko Feingold, Ein ewiges Dennoch, Wien 1993,19

Da 1943 der Verkauf von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof genehmigt wurde, ist es fast ein Wunder, dass der Grabstein von Albert Pollak erhalten blieb.

  • Grabstein von Albert Pollak am jüdischen Friedhof Salzburg
  • Blick auf den Grabstein von Albert Pollak am jüdischen Friedhof Salzburg


Vorgestern, am Freitag, war ich vom Institut für religionspädagogische Bildung Salzburg eingeladen, anlässlich einer Veranstaltung zum (heutigen!) Tag des Judentums, über den jüdischen Friedhof zu sprechen. Am Vormittag referierte Prof. Gerhard Langer vom Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg. Nachmittags kamen etwa 40 Interessierte auf den jüdischen Friedhof und hielten fast 90 Minuten trotz sehr kühler Temperatur und 15cm Schnee durch. Danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern!

Besonders gefreut habe ich mich, dass auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Hofrat Marko Feingold und seine Gattin an der Veranstaltung teilnahmen und mit uns am jüdischen Friedhof waren. Herr Feingold hielt eine kurze Einführung in den jüdischen Friedhof Salzburg Aigen und wusste manch launige Geschichte über den „Burgenländer“ Albert Pollak zu erzählen.
So soll Pollak zeit seines Lebens die Tracht als Kleidung bevorzugt haben und bei offiziellen Anlässen immer darauf hingewiesen haben, dass er „Vegetarier“ sei (um die koscheren Speisegesetze möglichst halten zu können).

Gemeinsam mit anderen schon länger in Salzburg Ansässigen gründete Albert Pollak 1892 eine Ortsgruppe des „Kranken-Unterstützungs- und Beerdigungsvereines Chewra Kadischa“ und reichte gemeinsam mit Moritz Bäck bei der Bezirkshauptmannschaft Salzburg den Bauplan für die Friedhofsanlage samt Leichenhaus ein. Der jüdische Friedhof in Salzburg Aigen war danach schnell errichtet, siehe auch unser „Bild der Woche“.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Lektüre des Buches des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburgs: Marko Feingold, Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, Wien 1993.


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Bild der Woche – Jüdischer Friedhof Salzburg

Die Israelitische Kultusgemeinde lässt regelmäßig die jüdischen Friedhöfe in Österreich bewerten. Nur wenige Friedhöfe konnten die Note „sehr gut“ erreichen, geschweige denn über mehrere Jahre halten. Berücksichtigt man, dass den…

Die Israelitische Kultusgemeinde lässt regelmäßig die jüdischen Friedhöfe in Österreich bewerten. Nur wenige Friedhöfe konnten die Note „sehr gut“ erreichen, geschweige denn über mehrere Jahre halten. Berücksichtigt man, dass den Werten noch keine Gewichtung zugrunde liegt (so befinden sich etwa am jüdischen Friedhof in Güssing „nur“ Gedenk- aber keine Grabsteine), verdient der jüdische Friedhof in Salzburg Aigen eine besondere Erwähnung als vorbildliches Beispiel.

Blick auf den jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen

Im Unterschied zu fast allen jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes ist der Friedhof in Salzburg sehr jung. 1893 angelegt, finden sich nur sehr wenige Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften, es gibt keine Grabsteine aus Sandstein, die Betenden (bzw. die Inschrift Lesenden) blicken – auch im Unterschied zum Burgenland – ebenfalls ausnahmslos gen Osten (das Grab befindest sich also – aus der Perspektive des Betenden/Lesenden – „hinter“ dem Grabstein, der zu Häupten des Toten aufgestellt ist).

Siehe auch unseren Beitrag „Ein Burgenländer – der erste Jude in Salzburg„.


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