Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: mattersburg

Our best wishes for Gisa

Gisa und Bernard Dolinger an ihrem 60. Hochzeitstag Heute ist die Urgroßtante unserer lieben Kommentatorin aus Massachusetts, Carole Garbuny Vogel, die mit Abstand die meisten Kommentare in diesem unserem Museumsblog…

Gisa und Bernard Dolinger an ihrem 60. Hochzeitstag


Heute ist die Urgroßtante unserer lieben Kommentatorin aus Massachusetts, Carole Garbuny Vogel, die mit Abstand die meisten Kommentare in diesem unserem Museumsblog schrieb,

108 Jahre

alt!

Wir wünschen Frau Gisa von Herzen alles Gute und im wörtlichsten Sinn „bis mindestens 120“! :)

Das Grab ihres Vaters befand sich auch am jüdischen Friedhof in Mattersburg und ist wie fast alle Gräber dieses Friedhofes leider verschollen.
Es tut mir so leid, dass wir nicht einmal das Foto des Grabes in unserer Sammlung haben, Gisa hätte sich so gewünscht wenigstens dieses zu sehen …

Die Großeltern von Gisa sind Abraham Kohn und Johanna (Hendl) Kohn.


5 Kommentare zu Our best wishes for Gisa

Der Reichsrats-Rabbiner

R. Simon Sofer (Schreiber; שמעון סופר) Rabbiner von Mattersdorf 1842-1857 Rabbiner in Krakau Abgeordneter im österreichischen Reichsrat Vor dem Kaiser Kampf gegen Reformen im Judentum Tod Werke Kinder Literatur Zeitungsmeldungen…

R. Simon Sofer (Schreiber; שמעון סופר)


Rabbiner von Mattersdorf 1842-1857

Geboren Ende 1820 bzw. Anfang 1821 als zweiter Sohn des R. Moses Sofer (Chatam Sofer) in Pressburg. Beschnitten am 14. Jänner 1821 (11. Schwat 5581) von seinem Vater. Sein älterer Bruder R. Abraham Samuel Benjamin (Wolf) wurde nach dem Tode des Chatam Sofer zum Rabbiner von Pressburg ernannt.

Der kleine Simon war ein begabtes, frühreifes Kind. Schon als Kleinkind nahm ihn sein Vater zu seinen öffentlichen Toravorträgen, die er an jedem Donnerstag abhielt, mit. Mit neun Jahren soll er bereits eigene Ideen entwickelt haben. Mit 13 Jahren, anlässlich seiner Bar Mitzwa-Feier, verlieh ihm sein Vater den Titel ›Chawer‹; er galt somit als Toragelehrter. Zu diesem Zeitpunkt studierte er bereits an der berühmten Jeschiwa seines Vaters. Seine Ideen und Erkenntnisse pflegte er zu Papier zu bringen, wobei er von seinem Vater angeleitet wurde.

Diese Hochbegabung und geistige Anstrengung scheint von dem jungen Mann ihren Preis gefordert zu haben. Obwohl seiner Veranlagung nach eigentlich eine Frohnatur, sei er als junger Mann von Depressionen befallen worden, berichtet uns sein Sohn im Vorwort zum Werk › Michtaw Sofer‹. R. Simon habe die Gesellschaft von anderen Menschen gemieden und häufig geweint. Sein Vater und Meister habe das jedoch bemerkt, ihn zu einem Gespräch unter vier Augen in sein Privatzimmer bestellt und ihm befohlen, ihm längere Zeit in die Augen zu schauen. Er habe sodann eine große Freude verspürt, die auch weiterhin angehalten habe.

Im Alter von 16 Jahren verehelichte sich R. Simon mit Miriam, der Tochter des angesehenen und gelehrten Kaufmanns R. Dow Ber Sternberg aus Nagykaroly (Carei Mare, Rumänien) und wohnte danach bei seinem Vater in Pressburg. Von seinem wohlhabenden Schwiegervater hatte er zahlreiche prächtige Hochzeitsgeschenke bekommen ‒ darunter silberne Becher und Löffel. Kam nun ein verarmter ehemaliger Mitschüler oder sonst ein Bedürftiger zu ihm, so veranlasste ihn sein gutmütiges Wesen, der jeweiligen Person ein oder zwei Löffel zu schenken. Das ging so lange, bis eines Tages seine Frau dahinterkam, dass der schöne Hochzeitsschatz verschwunden war. R. Simon beschwörte seine Frau: »Nur keine Verdächtigungen!« ‒ er kannte ja den ›Dieb‹! Der Chatam Sofer lächelte nur, als er die Klagen seiner Schwiegertochter hörte, und entschied, dass der Schlüssel zum Silberschrank in Hinkunft bei ihr zu verbleiben habe.

Auf Betreiben seines Vaters begann R. Simon nach seiner Verheiratung mit dem Studium der Kabbala, worin er durch einen Schüler seines Vaters, R. Nathan Wolf Lieber (später Dajjan in Pressburg), angeleitet wurde. Diesen Studien blieb er auch in späteren Jahren treu.

Im Jahre 1839, nach dem Tode seines Vaters, übersiedelte die kleine Familie ‒ dem Paar war mittlerweile sein erstes Kind geboren worden ‒ zu den Schwiegereltern nach Nagykaroly.

Im Jahre 1842, im Alter von nur 22 Jahren, wurde R. Simon zum Rabbiner der Mattersdorfer Gemeinde ernannt. Bereits sein Vater war Rabbiner in dieser Gemeinde gewesen, bevor er nach Pressburg kam. Sein besonderes Augenmerk richtete R. Simon auf die Lehrtätigkeit und die Vergrößerung der Jeschiwa sowie auf die Jugenderziehung. Darin ähnelte er seinem Vater, wie er überhaupt dem Chatam Sofer in jeder Beziehung nachzueifern suchte.

Noch vor seiner Ankunft in der Gemeinde hatte er sich schriftlich bei der Mattersdorfer Gemeinde über die Möglichkeit zur Unterhaltung einer größeren Jeschiwa erkundigt. Als er dann schließlich in Mattersdorf ankam, ließ er alle seine Forderungen bezüglich der Jeschiwa in seinem Bestellungsschreiben festlegen. In § 10 steht:

Um der Forderung unseres Rabbiners nach der Unterhaltung der Jeschiwa-Studenten nachzukommen, verpflichten wir uns, zwölf Jünglinge zu verpflegen. Sie sollen ihre tägliche Mahlzeit sowie ihr Sabbathmahl erhalten. Falls es mehr Burschen werden sollten, dann möge sich der Rabbiner aus diesen nach seinem Gutdünken zwölf auswählen.

Die Unterrichtsmethode war jener an der Pressburger Jeschiwa identisch.

Es wird R. Simon nachgerühmt, dass er sich auch mit dem kleinsten Kind vorzüglich zu verständigen wusste. Hier ist auch zu erwähnen, dass er den Sohn des früh verstorbenen Dajjans R. Joel Fellner, R. Schimon Chajim, später Dajjan in Deutschkreutz und Rabbiner in Beled (Ungarn), wie einen eigenen Sohn aufzog.

Im August 1852 kam Dr. Marcus (מאיר) Lehmann, der nachmalige Rabbiner der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft von Mainz, nach einem Besuch seines Lehrers Rabbiner Dr. Esriel (עזריאל) Hildesheimer (damals noch in Eisenstadt, später in Berlin) in Mattersdorf an. Über sein Zusammentreffen mit R. Simon schreibt er:

Abends 8 Uhr kam ich daselbst an und suchte sofort den dortigen Oberrabbiner Simon Schreiber auf. Sowohl er wie seine Frau Gemahlin empfingen mich auf’s Freundlichste und ließen mich nicht fort, bis die Uhr die Mitternachtsstunde verkündete. Diese wenigen Stunden sind mir unvergesslich geblieben. Oberrabiner Schreiber, einer der schönsten Männer, die ich gesehen habe – er zählte damals 32 Jahre – überschüttete mich förmlich mit wundervollen Erklärungen schwieriger Talmud-, Midrasch- und Bibelstellen, darunter Vieles von seinem großen Vater, dem Oberrabbiner von Pressburg, Rabbi Moscheh Sopher (Schreiber).

Israelit 27/28 (1885), Belletristische Beilage, S. 461.

Lehmann berichtet dann über den Ernst, mit dem R. Simon für die Erhaltung der jüdischen Lehre in Mattersdorf wirkte. In der einigen hundert Familien zählenden orthodoxen Gemeinde hatte eine Gemeindemitglied eine auswärtige Frau geheiratet, die – entgegen der jüdischen Sitte – nach der Hochzeit ihr Haar nicht bedeckte. Als R. Simon dies vernahm, bestellte er die Vorsteher der Gemeinde zu sich und machte ihnen klar, er werde sein Amt niederlegen, falls dieser Übertretung kein Ende gesetzt werde. Die Vorsteher, die den Rabbiner unbedingt behalten wollten, bemühten sich die junge Frau zum Bedecken des Haares zu überzeugen. Da diese sich jedoch starrsinnig weigerte, veranlassten sie das Ehepaar, seinen Wohnsitz in einen anderen Ort zu verlegen.

Nach einigen Quellen soll R. Simon im Jahre 1857 zum Rabbiner von Papa (Ungarn) gewählt worden sein. Er war aber in dieser Stadt nie tätig. [Von 1854 bis 1859 war der Rabbiner von Papa übrigens R. Samuel Sommer, der Vater des in Mattersdorf beerdigten Pinchas Sommer.]

Rabbiner in Krakau

1858 kamen Boten der großen und berühmten Gemeinde Krakau und trugen R. Simon den schon lange Zeit verwaisten Rabbinerssitz in ihrer Stadt an. Dieser weigerte sich zunächst. Zu groß erschien ihm die Verantwortung. Erst die Zurede des berühmten ›Zanser Rebben‹ R. Chaim Halberstamm (aus dem galizischen Neu-Sandec = Nowy Sacz, Polen) veranlasste ihn zur Annahme. Am Donnerstag, den 14. März 1861 traf R. Simon an seiner neuen Wirkungsstätte ein:

An der Eisenbahnstation Schubin (Szubin, Polen), einige Stunden von Krakau, wurde derselbe bereits vom Cultusvorstande und einigen hundert Gemeindemitgliedern empfangen. Am Bahnhofe in Krakau war die gesammte Gemeinde, mehr als 10.000 Personen, anwesend, und auch Deputationen der übrigen Confessionen. Jung und Alt begrüßte mit lautem Jubelrufe den hochverehrten Oberrabbiner und der Zudrang zu seiner Person war so groß, daß Militär und Polizei Spalier bilden musste, um ihn und seinem Gefolge die Erreichung der großen Synagoge zu ermöglichen; nichts destoweniger währte der Zug volle drei Stunden. In der Synagoge hielt Herr S. sofort die geistvolle Antrittsrede, durch die der allgemeine Enthusiasmus nicht wenig gesteigert wurde. – Abends war die Judenstadt illuminiert.

Israelit 13/14 (1861), S. 165.

Abgeordneter im österreichischen Reichsrat

1879 wurde R. Simon Sofer im ostgalizischen Wahlkreis Kolomea-Buczacz-Sniatyn in den Reichsrat gewählt (siehe auch den Eintrag auf der Website des Parlaments). Er war ein Kompromisskandidat der nationalpolnischen Partei, da diese ihren ursprünglichen Kandidaten nicht hatte durchbringen können. R. Simon hatte den Polen seine Unterstützung versprechen müssen. Der überaus einflussreiche ›Belser Rebbe‹, einer der wichtigsten chassidischen Führer, hatte sich tatkräftig für die Kandidatur eingesetzt. Als sich im Lande die Nachricht verbreitete, daß der Krakauer Rabbiner zum Abgeordneten gewählt worden sei und nach Wien ins Parlament des Kaisers fahren werde, da tanzten die Juden auf der Straße. Die Feste, die damals selbst im kleinsten jüdischen Dorf gefeiert wurden, sollen tagelang gedauert haben.

R. Simon muss im Reichsrat einen recht kuriosen Eindruck gemacht haben, wie er da so auf der äußersten Rechten mitten unter den Polen saß: ein recht korpulenter Mann in einem langen Kaftan aus schwarzer, schimmernder Seide, das Haupt bedeckt mit einer hohen Samtkappe, mit wallendem graumeliertem Vollbart und den langen Schläfenlocken (Pe’ot oder jidd. Pejes) der Ostjuden.

R. Simon Schreiber

R. Simon Schreiber, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Simon_Schreiber.jpg



Höchst ungewöhnlich war auch sein Auftreten. Im Parlament erschien er gewöhnlich in Begleitung einer Schar junger Leute, welche bis zum Schluss der Sitzung auf der Galerie oder in der Vorhalle des Hauses auf den Meister wartete und ihn dann wieder nach Haus geleitete. Wenn die Sitzung lange dauerte, so dass die Zeit für das Mincha-Gebet (Nachmittagsgebet) kam, verließ der Rabbiner seinen Sitz und begab sich in ein kleines Nebenzimmer des Parlamentsgebäudes, wohin auch die Jünger-Schar eilte. Es wurde also das Minchagebet mit Minjan (die für das Gebet mindest erforderlichen zehn Männer) verrichtet. Sodann nahm R. Simon wieder seinen Sitz im Parlament ein, um bei der Abstimmung zugegen sein zu können.

Im Reichsrat stimmte der Krakauer Rabbiner stets mit den Polen, ergriff aber kein einziges Mal das Wort. Auch an den Beratungen des ›Polenklubs‹ nahm er nicht teil, weil er der polnischen Sprache nicht mächtig war. Seine Gegner schmähten in als einen weltfremden Mann, seine Anhänger betonten jedoch die Wichtigkeit der Anwesenheit des Rabbiners im Reichsrat für die Juden: judenfeindliche Anträge würden von den Polen nicht zur Abstimmung zugelassen, weil sie fürchteten, R. Simon werde dann nicht mehr für sie stimmen.

Im Reichsrat, dem damals auch der Antisemitenführer Georg von Schönerer angehörte, zirkulierte ein Witz, der nebenbei auch seine politische Spitze hatte: Beim Namensaufruf kam stets ‒ trotz des Alphabets ‒ Schreiber vor Schönerer. So hieß es einmal auch:

Herr Abgeordneter Schreiber« ‒ »Hier!« ‒ »Herr Abgeordneter Schönerer« ‒ »Fehlt!« ‒ »Kunststück, es ist kaner ›schönerer‹ nach dem Schreiber…


Vor dem Kaiser

Im Jahre 1876 hatte R. Simon seine erste Audienz beim Kaiser. Über den Verlauf lesen wir im ›Israelit‹:

Nachdem vom Oberrabb. der übliche Segen gesprochen wurde, sagte Se. Majestät: ›Es freut mich, eine solche ehrwürdige Person in meiner Burg zu empfangen‹. Der Herr Oberrabbiner, der an einem Herzübel leidet, war sehr ergriffen und bewegt, da diese Audienz seine erste war. In diesem Zustand der Aufregung entfiel ihm das Majestätsgesuch aus den Händen. Der Kaiser bückte sich sofort, nahm das Gesuch und übergab es dem Herrn Oberrabbiner mit der Bemerkung: “Sie haben etwas fallen lassen”, eine kaiserliche Herablassung, die wohl im Leben selten vorkommt. Als nun der Herr Oberrabbiner schließlich seine ehrfurchtsvolle Bitte wegen der Begnadigung des Kreisrabbiners Halberstamm wiederholte, erwiederte Se. Majestät: ›Reisen Sie ruig nach Hause und erwarten Sie das Beste.‹

Israelit 14/15 (1876), S. 333f.

In einem Brief an einen seiner Söhne schrieb R. Simon später:

Als ich vor dem Kaiser stand, war meine Furcht vor ihm so groß, daß ich es nicht verspürte, als das Papier meiner Hand entglitt. Und dabei war ich doch nur vor dem König. Wie groß müßte erst unsere Furcht vor dem König der Könige [= Gott] sein…

Am 3. September 1880 stand R. Simon beim Empfang des Kaisers in Krakau an der Spitze der jüdischen Delegation. Diesmal war er offensichtlich schon abgebrühter und weniger nervös:

An der Spitze derselben [der versammelten jüdischen Bewohner] standen die Vorsteher der Gemeinde und unser berühmter Oberrabbiner, der Reichsratsabgeordnete Herr Simon Schreiber נ“י, in polnisch-jüdischer Nationaltracht, mit Zobelmützen auf ihren Häuptern, die heiligen, reichverzierten Thorarollen in ihren Armen haltend. Am Nachmittage hatten der Oberrabbiner und die Vorsteher das Glück, in feierlicher Audienz vom Kaiser empfangen zu werden. Der Oberrabbiner erbat die Erlaubniß, sein Haupt bedecken zu dürfen, um den üblichen Segensspruch in hebräischer Sprache sprechen zu können. Se. Maj. gewährte diese Erlaubniß auf’s Gnädigste, worauf der Rabbiner und die Vorsteher ihre Häupter bedeckten und mit lauter Stimme den hebräischen Segenesspruch aussprachen. Hierauf brachte der Rabbiner dem geliebten Monarchen die Wünsche seiner Gemeinde in deutscher Sprache dar, indem er sprach: ›Es ist unser tägliches Gebet, daß der allgütige Gott Eurer Majestät Gesundheit und langes Leben verleihen möge, damit sämmtliche Völker Österreichs noch eine lange Reihe von Jahren das Glück haben mögen, unter Euer Majestät glorreicher Regierung sich des Friedens und des Wohlwollens zu erfreuen‹. … Zu dem Oberrabbiner sagte der Kaiser: ›Sie sind Rabbiner in Krakau; Sie sind auch Mitglied des Reichsrates und stimmen mit den Conservativen.‹

Israelit 39 (1880), S. 941-943.

Kampf gegen Reformen im Judentum

Ähnlich wie in den Nachbarländern Deutschland und Ungarn war im 19. Jahrhundert auch in Galizien ein heftiger Streit in Bezug auf jüdisch-religiöse Angelegenheiten entbrannt. 1808 hatte sich unter fortschrittlich gesinnten Juden der Verein ›Schomer Israel‹ gebildet, der eine Reformierung in der Verwaltung der größeren Gemeinden im Lande anstrebte. Die Vorschläge und Ideen riefen unter den Orthodoxen Widerstand hervor, da dadurch an altüberkommenen Bräuchen und Gepflogenheiten gerüttelt wurde. Im Juni 1878 berief der ›Schomer Israel‹ zwecks Beratungen zur Verwirklichung seiner Zeile einen galizisch-jüdischen Gemeindetag nach Lemberg (Lviv, Ukraine) ein. Einen solchen Plan empfanden die chassidischen und alt-orthodoxen Rabbiner als einen Stoß ins Herz. Es begann sich Widerstand zu formieren. An der Spitze der Orthodoxen stand der Krakauer Rabbiner R. Simon Sofer.

R. Simon zählte zu den Gründern der Vereinigung gesetzestreuer Juden ›Machsike Hadas‹ (מחזיקי הדת), die sich u.a. die Einflussnahme des orthodoxen Judentums auf die Politik sowie die Entsendung orthodoxer Persönlichkeiten in den Reichsrat zum Ziel gesetzt hatte R. Simon gab unter dem gleichen Namen auch eine hebräische Wochenschrift heraus, die sich bis 1914 hielt. [Einige Nummern finden sich bei HewbrewBooks online] Im Jahre 1878 war die von ihm geführte Bewegung bereits derart angewachsen, dass in Lemberg eine große Konferenz der gesetztreuen galizischen Juden gegen alle Reformbestrebungen abgehalten werden konnte. Neben Chassidim und Mitnagdim (nichtchassidische Orthodoxe), chassidischen Rebbes und Gelehrten beteiligten sich daran auch Abgesandte aus orthodoxen Gemeinden in Österreich, insbesondere aus Böhmen und Mähren. Rabbi Simon selbst führte den Vorsitz.

Es ist kein Wunder, dass der rührige Krakauer Rabbiner sich alsbald den Zorn der ›Forschrittspartei‹ zuzog. Im Jahre 1880 schreibt die Berliner ›Jüdische Presse‹, ein orthodoxes Blatt, der Lemberger ›Israelit‹ befleißige sich »einer Hetzerei gegen den Oberrabbiner Schreiber von Krakau, welche einen sehr unangenehmen Eindruck macht.«

Zur Stärkung der konservativen Kräfte nahm R. Simon Verbindung mit chassidischen Rabbinern auf. 1881 nahm er an einer vom Kultusministerium einberufenen vertraulichen Enquete österreichischer Juden zur Vorberatung eines die Rechtsverhältnisse der jüdischen Konfession regelnden Gesetzes teil. Als Reichsratsabgeordneter wollte er einen Antrag auf Trennung der Orthodoxen von der Gesamtjudenheit des Landes stellen (ähnlich wie Ungarn und Deutschland), doch wurde ein solcher nicht zugelassen.

Eine weitere Versammlung der ›Machsike Hadas‹ wurde auf den 15. Februar 1882 nach Lemberg einberufen, auf der etwa 200 Rabbiner und chassidische Rebbes sowie an die 800 Gemeindevertreter aus Galizien und der Bukowina erschienen. R. Simon legte einen Statutenentwurf für die Gemeinden vor, der nicht von allen gutgeheißen wurde. Nach tumultösen Verhandlungen wurde von den orthodoxen Rabbinern ein Sendschreiben mit Vorschriften bezüglich von jüdischen Gemeinde- und Abgeordnetenwahlen erlassen. Das erklärte Ziel war es, das jüdische Gemeindeleben gemäß den Vorschriften des rabbinischen Gesetzeskodex ›Schulchan Aruch‹ zu gestalten. Die liberal gesinnten Juden wandten sich an die galizische Oberstaatsanwaltschaft mit der Klage, das erwähnte Sendschreiben verhindere die freie Ausübung staatsbürgerlicher Rechte. Außerdem hätten die Rabbiner mit der Verhängung des rabbinischen Bannes (חרם) gedroht, eine Maßnahme, die im Habsburgerreich schon seit langem gesetzlich verboten war. Der Lemberger Staatsanwalt erhielt daraufhin im März 1883 die Anweisung, eine Vorerhebung und eventuell später eine strafgerichtliche Untersuchung wegen Erpressung gegen R. Simon einzuleiten. Die Ermittlungen wurden später eingestellt.

Der Fall erregte in Österreich und Deutschland seinerzeit großes Aufsehen. Ein angeblicher ›Hirtenbrief‹ R. Simons tauchte auf, der auch in der ›Neuen Freien Presse‹ vom 23. März 1883 abgedruckt ist. Dementis folgten: Des Rabbiners Söhne behaupteten, ihr Vater habe niemals einen solchen Bann ausgesprochen; die Behauptung beruhe auf einem Missverständnis des hebräischen Blattes ›Machsike Hadas‹. Und der ›Hirtenbrief‹ sei eine plumpe Fälschung.


Tod

R. Simon verstarb plötzlich am 25. März 1883 (17. Adar II 5683). War ihm die Aufregung um seine Person zu viel geworden? Jedenfalls ist bekannt, dass er schon jahrelang an einer Herzkrankheit gelitten hatte. Besonders der gefälschte ›Hirtenbrief‹ soll ihn äußerst erregt haben. Einige Tage vor seinem Tode soll ihm sein Vater, der Chatam Sofer, im Traum erschienen sein und ihm sein baldiges Ableben verkündigt haben. Ein in mehreren Zeitungen veröffentlichtes Telegramm aus Krakau berichtet über die Todesumstände:

Rabbiner Schreiber fühlte sich seit gestern etwas unwohl. Heute Mittags sprach er noch mit mehreren Personen, welche ihn besucht hatten, über verschiedene Angelegenheiten; um 5 Uhr Nachmittags wurde er plötzlich ohnmächtig, und nach kurzer Agonie trat der Tod ein, wahrscheinlich in Folge eines Herzschlages.

Neue Freie Presse 6673 (27.3.1883), S. 2; Jüdische Presse (Berlin) 13 (1883), S. 141.

R. Simons Begräbnis gestaltete sich zu einer Massenveranstaltung. Sogleich nach des Rabbiners Ableben telegrafierte der Krakauer Kultusvorstand die traurige Nachricht an verschiedene Rabbiner. Der berühmte und hochangesehene Rabbiner von Przemysl (Peremyshl, Ukraine), R. Jizchak Schmelkes, traf daraufhin als prominentester Trauergast am Dienstag früh in Krakau ein.

Am Leichenzuge, der um 3 Uhr Nachmittags begann, betheiligte sich die ganze hiesige israel. Einwohnerschaft, מנער ועד זקן (Jung und Alt), auch viele von den nahe gelegenen israel. Gemeinden, zu deren Ohren die erschütternde Botschaft gedrungen war. Die Straßen von der Wohnung des Rabbiners bis zum Friedhofe waren schon vor Beginn des Zuges so sehr von Menschen angefüllt, daß Alles dicht gedrängt stand. Auch der hiesige Bürgermeister Dr. Weigl begleitete den Zug, welcher vor der alten Synagoge hielt, wo der allgemein beliebte, verehrte Schwiegersohn des Verblichenen הרב ר“ עקיבא (R. Akiva) Kopeneer [sic!, muss heißen: Kornitzer] seinem Schwiegervater die Nachrede hielt. Redner vermochte kaum seiner Regung Herr zu werden, und konnte nur durch tiefes Schluchzen seinem Schmerze Luft machen, worin natürlich alle Begleitenden weinend einstimmten. Da bei der Familie Schreiber der Brauch vorherrscht, nur von eigenen Kindern Grabreden abhalten zu lassen, konnte der Przemysler Rabbiner erst, nachdem der Verblichene zur ewigen Ruhe gebracht, zum Worte kommen.

Israelit 28 (5.4.1883), S. 481-482.

Und im Reichsrat hielt der Präsident in der Sitzung vom 5. April 1883 R. Simon die folgende Nachrede:

Ich habe dem hohen Hause noch eine andere Trauerbotschaft zu verkünden. Während der Unterbrechung unserer Sitzungen ist unser College. Herr Abg. Simon Schreiber, Ober-Rabbiner in Krakau, einem Schlaganfalle erlegen. Wenn es dem Verstorbenen nicht gegünnt war, den Berathungen des hohen Hauses in dem Maße nachzukommen, wie er es sicherlich gewünscht hat, so ist es auf seine seit mehreren Jahren bereits beseutend untergraben gewesende Gesundheit zurückzuführen; sicher ist, daß der Verstorbene im Grunde seiner gesellschaftlichen und seiner Berufsstellung sich bei dem weitaus größeren Theile seiner Glaubensgenossen in Galizien eines sehr hohen Ansehens und eines sehr bedeutenden Einflusses erfreute. Selbstverständlich kann es auch nicht meine Aufgabe sein, und ich fühle auch nicht den Beruf unhd das Geschick dazu, sein Wirken in seiner Berufsstellung einer Kritik zu unterziehen. Doch der persönliche Verkehr mit ihm hat mir die gewissenhafte Überzeugung verschafft, daß nicht persönliche Motive, nicht selbstsüchtige Zwecke, sondern tiefinnerste religiöse Öberzeugung diesem seinem Wirken in seiner Berufsstellung zu Grunde lag und es ist dies ein Moment, welches auf Achtung Anspruch hat, und deßhalb begleite ich auch sein Hinscheiden mit inniger Betrübniß. Ich nehme an, daß auch das hohe Haus, indem es sich während dieser meiner Ansprache bereits erhoben hat, ihm ein ehrendes Andenken bewahren wird, und daß es zustimmen wird, daß diese Anerkennung des hohen Hauses im Protocolle der heutigen Sitzung verzeichnet werde.

Israelit 30 (12.4.1883), S. 506-507.


Werke

›Michtaw Sofer‹, 2 Bde., 1952-1955 (Responsen und Predigten)

Kinder

  • R. Akiva (Jakob; 1839 – 1902); Kaufmann in Papa (Ungarn)
  • Moses (1844; s. Grunwald, Nr. 16, S. 497)
  • Moses (st. 1845; s. Grunwald, Nr. 17, S. 497) (beide Kinder ›Moses‹ sind am jüdischen Friedhof von Mattersdorf begraben)
  • R. Israel David Simcha Bunem (Bernhard; 1846 – 1899), Realitätenbesitzer in Warschau
  • R. Joel (1847 – ?), Realitätenbesitzer in Kutna (Kutno, Polen)
  • R. Salomon Alexander (1856 – 1924), Inhaber eines Wechselhauses in Seret in der Bukowina (Siret, Rumänien)
  • R. Ascher (1851 – 1903) in Berdiczow (Berdycziw, Ukraine)
  • Schulamit (st. 1932), Gattin des R. Meir Ascher Roth in Hundsdorf (Huncovce, Slowakei)
  • Reisel (st. 1913), Gattin des R. Akiva Kornitzer in Krakau


Literatur

  • ÖBL, Bd. 11, S. 198
  • Max Grunwald, ›Mattersdorf‹, Jahrbuch für jüdische Volkskunde 1924/25, S. 437, 497
  • Kinstlicher, משה אלכסנדר זושא קינסטליכר, ה’חתם סופר‘ ותלמידיו, בני-ברק: מכון ‚זכרון‘, תשס“ה, S. 456-462
  • Shlomo Spitzer, ›Geschichte der Jeschivot im Burgenland‹, Beiträge zur Geschichte der Juden im Burgenland, Ramat-Gan 1994, S. 50-51


Zeitungsmeldungen

  • Berufung nach Krakau: Israelit 5 (1860), S. 55-57; 9 (1861), S. 111; 13/14 (1861), S. 165-166
  • Verfrühte Berichte, er sei zum Leiter eines Rabbinerseminars ernannt worden: Israelit 43 (1861), S. 517
  • Erklärung gegen Eheschließungen durch religiös unzuverlässige Rabbiner: Israelit 22 (1870), S. 405-406
  • Die Gemeinde von Balassagyarmat will ihn zum Rabb. ernennen: Israelit 22 (1878), S. 531
  • Wahl zum Reichsratsabgeordneten: Neue Freie Presse 5335 Abendausgabe (4.7.1879), S. 2; ibid. 5356 (5.7.1879), S. 3; 5357 ibid. (6.7.1879), S. 3; ibid. 533 (8.7.1879), S. 3; Jüdische Presse (Berlin) 28 (1879), S. 313 [s. Anm.]; Israelit 29 (1879), S. 770
  • Hetze gegen ihn: Jüdische Presse (Berlin) 17 (1880), S. 193; 33 (1880), S. 374; 35 (1880), S. 398
  • Vor dem Kaiser in Krakau: Israelit 39 (1880), S. 941-943
  • Minjan im Reichstag: Israelit 52 (1880), S. 1270; Jüdische Presse (Berlin) 53 (1880), S. 618
  • Hechscher: Israelit 4 (1881), S. 90. Antrag auf Trennung: Jüdische Presse (Berlin) 14 (1881), S. 151
  • Wirksamkeit im Reichsrat: Jüdische Presse (Berlin) 44 (1881), S. 471, 479; 9 (1882), S. 88-89; 26 (1882), S. 185
  • Tod: Jüdische Presse (Berlin) 13 (1883), S. 141; 14, S. 149-151; Neue Freie Presse 6673 (27.3.1883), S. 1-2; Jeschurun (Hannover) 14 (April 1883), S. 214-215
  • Erhebungen der galizischen Staatsanwaltschaft: Neue Freie Presse 6673 (27.3.1883), S. 1, 3; Jüdische Presse (Berlin) 14 (1883), S. 151-152; 15, S. 169-170; 37 (1883). S. 437
  • Nachrufe: Jüdische Presse (Berlin) 23 (1883), S. 243, 245; 26 (1883), S. 286
  • Reminiszenzen: Israelit 27/28 (1885), Belletristische Beilage, S. 461-462; Menorah 11 (1925), S. 229-231


Schlussbemerkung

Die Gemeinde Mattersdorf wollte das Rabbinat bald nach R. Simon Sofers Abgang wieder besetzen. R. Esriel Hildesheimer, damals Rabbiner von Eisenstadt, suchte einen der ungarischen Sprache mächtigen Kandidaten, um durch denselben das Interesse der Neoorthodoxie beim Komitat vertreten zu lassen. (Ben Chananja 20 (1861), S. 180.) Alle Versuche, einen würdigen Nachfolger zu finden, blieben jedoch erfolglos, und so versah der Dajjan R. Aron Singer die Agenden eines Rabbiners bis zu seinem Tod im Jahre 1868.

5 Kommentare zu Der Reichsrats-Rabbiner

Einer, der nicht Rabbiner sein wollte

Rev (Herr) Aron Singer (אהרן זינגר) (Rabbinatsverweser) Vorbemerkung: Wenn wir unsere Grabsteine des jüdischen Friedhofs Mattersburg bearbeiten und online stellen, gibt es manchmal ein ganz besonders schönes Erlebnis: wenn nämlich…

Rev (Herr) Aron Singer (אהרן זינגר) (Rabbinatsverweser)

Vorbemerkung: Wenn wir unsere Grabsteine des jüdischen Friedhofs Mattersburg bearbeiten und online stellen, gibt es manchmal ein ganz besonders schönes Erlebnis: wenn nämlich die „Routinearbeit“ jäh unterbrochen wird, weil ein Gesicht zum Stein und zur Inschrift auftaucht. So wie in diesem Fall: 2 Tage, nachdem der Grabstein von Aron Singer online war, schickte uns Chaya-Bathya folgenden Artikel über den 1868 Verstorbenen.


Geboren um 1806 als Sohn armer Eltern aus Szentgrod (Zalaszentgrót, Ungarn). Seine Eltern waren R. Jizchak und Jentl, die Tochter des Lackenbacher Rabbiners R. Salman Lipschitz, die beide schon früh starben. Der 10jährige Waisenknabe Aron kam nach Mattersdorf zu seinem Onkel mütterlicherseits, dem Dajjan R. Elieser Lipschitz, unter dessen Leitung er sich dem Talmudstudium widmete. Der Familientradition zufolge soll er auch ein Semester lang beim Chatam Sofer (R. Moses Sofer-Schreiber) gelernt haben.

Auf Wunsch dieses Onkels verehelichte sich Aron mit Selda Deutsch, eine Tochter des R. Mendel Deutsch (ein Bruder von R. Josef Zwi Deutsch in Mattersdorf). Als ältestes männliches Familienmitglied hatte er aber auch für seine Geschwister zu sorgen. Hierzu heißt es im Vorwort zu seinem Werk „Tif’eret Aharon“:

Als R. Arons Schwester ins heiratsfähige Alter kam, war er selbst erst 17 Jahre alt. Man redete ihm zu, er solle nach Pressburg zum Chatam Sofer (R. Moses Sofer) fahren und von ihm eine rabbinische Autorisation erhalten. Damit könne er eine schöne Summe Geldes verdienen, und zwar aus dem Legat einer Frau in Kanischa (Nagykanizsa). Er könne so die Hochzeit seiner Schwester bezahlen. R. Aron wollte aber nichts davon hören. Da mischte sich der berühmte Gelehrte R. Elieser (Müller) Dresnitz, einer der angesehensten Schüler des Chatam Sofer und Dajjan in Mattersburg, ein und befahl R. Aron, sich nach Pressburg aufzumachen. Außerdem übergab er ihm einen Brief an den Chatam Sofer. Da mußte R. Aron notgedrungen einwilligen, fuhr nach Pressburg und erhielt das Zeugnis. Dieses verfehlte seinen Eindruck auf die Verwalter des erwähnten Legats nicht, und R. Aron erhielt eine Summe, mit der er seine Schwester verheiraten konnte.

Zitiert bei Kinstlicher, siehe unten Literatur, S. 41

Der Chatam Sofer soll R. Aron ein überaus lobendes Zeugnis ausgestellt haben (s. Toldot Sofrim, S. 105-106).

R. Aron wohnte zeitlebens in Mattersdorf. Sein Leben war einfach, ohne Wechsel, wie das vieler Erdengrößen, die sich mit ungeteilter Energie einem bestimmten Berufe hingeben. Selbst die äußerst bedrängten Verhältnisse seiner Familie vermochten ihn nicht vom Torastudium abzuhalten.

R. Arons Gelehrsamkeit und Fleiß machten auf die Umgebung schon früh Eindruck. Alsbald scharten sich Jünger um ihn, die an seinen reichen Kenntnissen ihren Wissensdurst befriedigten. Sie fanden an ihm nicht nur einen Lehrer, sondern auch einen liebevollen Freund und Ratgeber. Von seinen insgesamt etwa 40 Schülern wurde er hoch verehrt. Unter ihnen finden wir: R. Benjamin Seew Wolf Breuer, Rabbiner in Tab (in Ungarn, Anm.); R. David Friedmann, Rabbiner in Deutschkreutz; R. Jehuda Löb Lemberger-Lwow, Rabbiner in Rozsnyo (Roznava, Slowakei); R. Jizchak Schmuel Schön-Jaffe (Neffe R. Arons) in Mattersdorf; R. Akiva Kornitzer; Vorsitzender des Rabbinatsgerichts in Krakau und R. Schlomo (Alexander, Sandor) Fischer, Rabbiner in Karlsburg (Alba Iulia, Rumänien).

Brief an R. Esriel Hildesheimer, dem Vorsitzenden des Rabbinatsgerichts in Berlin

Bis 1860 lebte R. Aron als Privatmann. Durch die Übertragung des Amts eines Dajjans auf ihn nach dem Abgang seines Vorgängers R. Simon (שמעון) Sofer wurden seine finanziellen Verhältnisse insofern besser, als er ein kleines festes Einkommen bezog, das ihn jedoch auch nicht vor Mangel schützte. Die offizielle Annahme des Rabbinats verweigerte er, doch wurde zu seinen Lebzeiten kein Rabbiner gewählt. Er wird daher offiziell unter dem Titel „Rabbinatsverweser“ (d. h. Verwalter des Rabbinats) geführt, obschon er sämtliche Funktionen eines Rabbiners erfüllte.

Hoch gelobt werden auch R. Arons menschliche Eigenschaften. Seine Bescheidenheit, sein liebevolles Wesen, sein nie ermüdender Eifer, Gutes zu stiften, machten ihn allseits beliebt. Trotz seiner eigenen Bedürftigkeit verließ kein Armer ungetröstet seine Schwelle.

R. Aron verstarb plötzlich am 28. Oktober 1868 (12. Cheschwan 5629) nach Teilnahme an einem Festmahl (סעודת מצווה) in Neudörfl bei Mattersdorf, das er noch „mit freudiger Begeisterung“ mitgefeiert hatte.

An seinem Begräbnis nahmen zahlreiche Menschen teil. Der „Israelit“ schildert dies mit folgenden Worten:

Es war eine Szene von wahrhaft erschütterndem Eindrucke, als der ארון (Sarg) aus dem Hause getragen wurde. Es musste alle ein tiefes Schmerzgefühl durchzucken bei dem Anblicke des geliebten Toten; dies bewies das plötzlich wie aus einem Munde ertönende herzzerreißende Wehklagen von Jung und Alt, von Frauen und Mädchen, von Juden und Christen, denn auch letztere hatten der Charaktergröße des Verstorbenen ihre Verehrung nicht versagen können.

Der Dajjan von Mattersdorf sowie die Rabbiner von Deutschkreutz, von Lackenbach und R. Elieser von Ödenburg hielten Trauerreden.

R. Arons schriftliche Aufzeichnungen wurden 1958 in Jerusalem unter dem Titel „Tif’eret Aharon“ veröffentlicht.

R. Aron hatte 7 Kinder, darunter R. Jizchak Elieser S. in Mödling. Unter seinen Schwiegersöhnen sind: der Mattersdorfer Dajjan R. Josef Pressburger (der Mann seiner Tochter Beila Krassel); sein oben erwähnter Neffe R. Jizchak Schmuel Jaffe-Schön und R. Chaim Kohn in Papa (der Mann seiner Tochter Jentel; ihr Grabstein in „Mattersdorf Familiess. unter „Kohn“).

Literatur

  • (Kinstlicher) משה אלכסנדר זושא קינסטליכר, ה’חתם סופר‘ ותלמידיו, בני-ברק: מכון ‚זכרון‘, תשס“ה, S. 40-42.
  • Kommentar von Carole Vogel zu „Singer Aron“.
  • Zeitungsmeldungen: Beratung der Rabbiner der Sieben Gemeinden über Kultusangelegenheiten: Is 45 (1862), S. 186. Unterschreibt Protest gegen Horwitz und Mannheimer (Kompert-Prozeß): Is 8 (1864), S. 95-97. Ableben: Is 47 (1868), S. 873-874 [auch Biographie].


26 Kommentare zu Einer, der nicht Rabbiner sein wollte

Bild der Woche – Synagoge Mattersburg

Sofort beim Eintreten in den Tempel fiel der große Almemor [= Ort der Toralesung, Bima; Anm.] auf. Rings um den Almemor liefen Bänke, vor denen Betstühle standen…An der Vorderseite des…

Sofort beim Eintreten in den Tempel fiel der große Almemor [= Ort der Toralesung, Bima; Anm.] auf. Rings um den Almemor liefen Bänke, vor denen Betstühle standen…An der Vorderseite des Almemors stand die 1 ½ m hohe und entsprechend breite Menorah [= 7-armiger Leuchter; Anm.] … Die Sitzgelegenheiten waren im Tempel spärlich. Rings um die vier Wände lief eine Bankreihe. Nur im hinteren Teile des Tempels waren einige Reihen. Das Gros der Gemeinde verfügte über keine Sitzgelegenheit … Die Tempelwände waren (…) mit Gebetstücken beschrieben … Der Plafond (…) war mit Emblemen, Motiven, die teilweise dem religiösen Leben entnommen waren (Feststrauß, Menorah, Vögeln, Sternen), bemalt …

Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, hrsg. v. Max Grunwald, Berlin 1926. S. 417-420.

Synagoge in Mattersdorf, um 1920

Synagoge in Mattersdorf, um 1920. Zwar unleserlich, aber in den Umrissen erkennbar: die in unserem Blogbeitrag diskutierte Gedenktafel an der Außenfront der Synagoge.

Die Mattersburger Synagoge, am wulka-seitigen Ende der Judengasse gelegen (s. den von Meir Deutsch zur Verfügung gestellten historischen Stadtplan), stammte in ihrer baulichen Endgestalt wohl aus dem späten 19. Jahrhundert; die Baugeschichte bleibt allerdings, zusammen mit der (Früh-)Geschichte der Mattersburger Judengemeinde im Ganzen, umstritten – nachzulesen in unserem jüngsten Blog-Beitrag

Der Mattersburger Tempel wurde im September 1940 gesprengt (s. den Bericht von Hans Paul). Fotografische (Innen-)Ansichten der Synagoge sind rar, umso wertvoller ist die ausführliche (hier nur in kleinen Auszügen zitierte) Beschreibung bei Max Grunwald.

Heute erinnert an die Mattersburger Synagoge ein Gedenkstein am Brunnenplatz (s. unser Bild der Woche – Gedenkstein Mattersburg).

Gegenwärtig werden in Mattersburg Pläne für ein (neues) Synagogen-Denkmal diskutiert – wir sind gespannt & werden über allfällige Fortschritte hier im Blog berichten … (vielen Dank an Gemeinderätin Sonja Sieber für die Informationen).


Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche


13 Kommentare zu Bild der Woche – Synagoge Mattersburg

Mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf?

Eine Hypothese … Vielen Dank an Meir Deutsch, der uns dieses sonst weitgehend unbekannte Bild der Tafel schickte, die an der Synagoge in Mattersdorf angebracht war. Wir kannten das Bild…

Eine Hypothese …

Ehemalige Gedenktafel an der Synagoge Mattersdorf


Vielen Dank an Meir Deutsch, der uns dieses sonst weitgehend unbekannte Bild der Tafel schickte, die an der Synagoge in Mattersdorf angebracht war. Wir kannten das Bild dieser Tafel selbst nicht und auch in der uns bekannten Literatur fanden wir zwar Hinweise auf die Tafel, aber kein Bild von ihr.

According to the plaque that was plastered at the front of the Synagogue it was first built in 5114 which is 1353-1354, but this date seems too early. I have seen a picture of the plaque, and it seems to me that it can be read as 5310 קיר and not קיד, which correspond to 1550 [we see that the three Hebrew letters have a dot over them, which usually means that you have to add the value of these letters and not to read them consecutively as a date, as the other year on the plaque 5635]. This date fits with the expulsion of the Jews from Odenburg in 1527, which settled in Mattersburg.

Meir Deutsch, Yalde Shabat, Jerusalem 2008, S. 42.

Meir Deutsch weiter:

It is said that the „Founders“ of the Jewish community in Mattersdorf were the six Families of the tribe of Levi, that were expelled from Spain and Settled in Mattersdorf. The Jews were expelled from Spain in 1492 = 5252. If we take the reading of the date on the Plaque as 5310 = 1550, than we get that the first Synagogue was built just 58 years after the expulsion of the Jews from Spain and only 23 years after Odenburg expelled its Jews who settled in Mattersdorf.

Schön der Reihe nach, zuerst die Übersetzung:

  1. Erstgebaut im 6. Jahrtausend im Jahre „KID“ (oder) „KIR“ (der 3. und letzte Buchstabe des letzten Wortes der 1. Zeile ist umstritten)
  2. und von neuem errichtet im Jahr 635 (= 1875).
  3. So höre du sie im Himmel, (s. 1 Könige 8,32 u.a.)
  4. wenn sie kommen um zu beten n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). (Der Zahlenwert des Nebensatzes ergibt noch einmal 635, also das Jahr 1875!)

1. Zeile:
Das 6. Jahrtausend beginnt (umgerechnet) im Jahr 1240/41, siehe Lexikoneintrag zur Zeitrechnung.
Je nachdem, ob wir קיר oder קיד lesen, erhalten wir – wie auch Meir Deutsch schreibt -, entweder 114 oder 310, umgerechnet also das Jahr 1353/54 oder 1550/51.

Meir Deutsch plädiert für die Lesung קיר, also „KIR“ (1550), und argumentiert damit, dass wir im Mittelalter keine jüdische Gemeinde in Mattersdorf belegt haben, 1550 aber insbesondere deshalb möglich wäre, weil eine jüdische Besiedlung Mattersdorfs nach der Vertreibung der Juden aus Ödenburg (Sopron) belegt ist.

Auch Hodik schreibt:

Möglicher Ausgangspunkt für die Historie bleibt in jedem Fall die an der Gassenfront der Synagoge entdeckte Tafel, die als Erbauungsdatum das Jahr 5114 (1353/54) ausgewiesen haben soll (Anm.: Hodik kennt die Tafel offenbar nicht). Dürfen wir aber diese Angabe ohne weiteres übernehmen und genügt sie denn, um mit Sicherheit auf die Existenz einer jüdischen Siedlung zu jener Zeit schließen zu können?

Historisch gesichertes Terrain betreten wir erst am Ende des 15. bzw. zu Beginn des 16. Jahrhunderts. …

Fritz P. Hodik, Beiträge zur Geschichte der Mattersdorfer Judengemeinde im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, S. 7f.

Dieselbe Auffassung vertritt Harald Prickler:

Der Hauptort der Grafschaft Forchtenstein war Mattersdorf (das heutige Mattersburg): Hierher übersiedelte Juden sind seit 1527 mehrfach nachweisbar, das Urbar der Grafschaft Forchtenstein von 1526 weist in Mattersburg noch keinen Juden aus, hingegen anstelle der späteren Judenhäuser viel öde Hofstätten (Söllnerhäuser). 1438 wird zwar der in Mattersburg wohnhafte Juden Kysaan mit seiner Frau Mendel urkundlich genannt, er trat als Gläubiger der Grafen von Forchtenstein und ihres Burghauptmanns Hans Linzer auf, doch kann aus dieser vereinzelten Nennung keineswegs auf den Bestand einer jüdischen Gemeinde im Mittelalter an dieser Stelle geschlossen werden (Hervorhebung von mir). Die neue Judensiedlung entstand seit 1526 auf dem zum herrschaftlichen Meierhof gehörigen herrschaftlichen Gelände (Kurialgrund), auf dem sich die 1291 geschleifte Burg Mattersdorf befunden hatte, im Anschluss an die Marktsiedlung flussabwärts.

Harald Prickler, Beiträge zur Geschichte der burgenländischen Judensiedlungen, in: Juden im Grenzraum, Eisenstadt 1993, S. 72f.

Bleibt schließlich noch Max Grunwald zu zitieren, der zumindest nicht abgeneigt zu sein scheint, die Frühdatierung 1354/55 zumindest in Erwägung zu ziehen:

Der Mattersdorfer Rabbinatsassessor Reb Joel Fellner und Reb J. Hirsch ließen sich in die Kuppelhöhe des Tempels hinaufseilen, um die in der Kuppel befindliche Jahreszahl zu enträtseln. Es stand dort: „ad ki jawo Schiloh lefak“, das wäre 462 = 1702 der bürgerlichen Zeitrechnung. An der Gedenktafel der Gassenfront des Tempels liest man als Erbauungsdatum 5114 (1354). Sollte diese Zahl das Erbauungsdatum richtig wiedergeben, dann muss angenommen werden, dass im angeführen Vers die ersten 5 Buchstaben besonders gekennzeichnet waren, welche als Prat katan kaf jud dalet ergeben.

Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, hrsg. v. Max Grunwald, Berlin 1926, S. 415f.

Grunwalds Formulierung ist ein wenig missverständlich, er meint, dass die Inschrift in der Kuppel nicht nur die Jahreszahl 462 (1702) angibt, sondern auch zusätzlich (?) das Gründungsjahr der Synagoge angeben will: עד כי יבא שילה ist ein Zitat aus Genesis 49,10 (Der Segen Jakobs) „bis der kommt, dem er gehört (der Herrscherstab)„.
Grunwalds Versuch, das Gründungsdatum der Gedenktafel auch im Zitat der Kuppel wiederzufinden, darf fast als rührend bezeichnet werden. Auch wenn die Zahlenwerte der ersten 5 Buchstaben des Verses tatsächlich 114 (also 1354) ergeben, es bleibt Theorie. Auch Hodik (siehe oben) unterstützt die Theorie Grunwalds nicht, sondern hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich die Jahreszahl in der Kuppel (1702) auf den Abschluss von Instandsetzungsarbeiten an der Synagoge bezieht (allerdings hat Hodik, wie schon angeführt, die Gedenktafel nicht gesehen!).
Off topic: Warum mussten sich die beiden Kuppelinschriftsinspizienten eigentlich hinaufseilen lassen, war die Inschrift so klein geschrieben? Und haben sie die Details nicht überliefert oder gab es keine?

Zwischenstand und drei hebräische Buchstaben unter der Lupe

Wir halten also fest: Es gibt keine weiteren historischen Hinweise oder gar Belege für eine mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf, lesen wir auf der Gedenktafel als Gründungsdatum der Synagoge wirklich קיד für 114 (1354/55) (und lassen die Kuppelinschrift und die Theorie Grunwalds einmal außen vor), wäre dies der einzige Beleg für eine Frühdatierung einer jüdischen Gemeinde in Mattersdorf!

Und doch tendiere ich dazu קיד, also 114 (1354/55) zu lesen:

  • Meir Deutsch argumentiert, dass die Punkte über dem letzten Wort der 1. Zeile (mit dem die Jahreszahl angegeben wird) besondere Berücksichtigung verdienen, da bei der anderen Jahreszahl (in der 2. Zeile) keine Punkte über den hebräischen Buchstaben zu finden sind (sprich: Lies die erste Jahreszahl (auch) als Wort, die zweite als bloße Jahreszahl). Allerdings finden wir auch keine Punkte über den Buchstaben in der letzten Zeile, in der aber der gesamte Satz – werden die einzelnen Buchstaben als Zahlenwerte gelesen – ebenfalls die Jahreszahl 635 (=1875) ergibt! Das am Schluss der Inschrift stehende „LP’K“ (nach der kleinen Zeitrechnung) לפ“ק bezieht sich somit auf alle 3 in der Inschrift vorhandenen Jahreszahlen!
  • Das hebräische Wort „KIR“ קיר bedeutet „Mauer/Wand“ (seltener und nur in bestimmtem Kontext auch „Stadt“). Dies ergibt aber im Zusammenhang mit dem Gründungsdatum der Synagoge wenig Sinn.
  • Was auch gegen die Lesung „KIR“ קיר spricht: Sollte wirklich die Jahreszahl 310 (1550/51) angezeigt werden, warum dann nicht gleich mit dem im Kontext sinnvolleren Wort „KRI“ קרי „Lesung“? Außerdem hätte man damit nicht nur ein sinnvolleres Wort, sondern auch die Zahlenwerte der Buchstaben in ihrer gewohnten Reihenfolge (Hunderter-, Zehnerzahl) gehabt!
  • Die Lesung „KID“ קיד, also der Zahlenwert 114 und somit das Jahr 1354/55 ermöglicht uns nicht, ein sinnvolles Wort zu lesen, die Zahlenwerte der Buchstaben wären aber in ihrer gewohnten Reihenfolge, die 3 Buchstaben einfach als Jahreszahl zu lesen. Den Punkten über den Buchstaben messe ich auch keine besondere Bedeutung bei (siehe oben erstes Argument).
  • Die Formulierung „im 6. Jahrtausend“ באלף הששי finden wir häufig im Mittelalter (Beispiel: 1252), kurz oder relativ kurz nach der Jahrtausendwende (1240). Die jüngsten Belege mit dieser Formulierung auf deutschen Grabsteinen etwa datieren aus dem Jahr 1438. Für das 15. und 16. Jahrhundert ist die Quellenlage dünn, tendenziell würde ich die Formulierung in der Mitte des 16. Jahrhunderts aber eher nicht erwarten, eine bewusste archaische Formulierung ist jedoch auch nicht auszuschließen.


Es bleiben viele Fragen:

  • Die Tafel wurde 1875 (oder später) an der Gassenfront der Synagoge angebracht. Die Verfasser des Textes auf der Tafel mussten sich auf Traditionen, vielleicht auch auf schriftliche Quellen bezüglich des Gründungsdatums berufen können, haben den Text vielleicht sogar ganz oder teilweise von einer alten Tafel/Vorlage etc. wörtlich übernommen (siehe Formulierung „6. Jahrtausend“).
  • Könnten dabei Fehler passiert sein? Oder handelt es sich beim Datum 1354/55 etwa um Traditionen, die vielleicht mehr auf Legendenbildung als auf historischen Tatsachen beruhen?
  • Stimmt am Ende Grunwalds Theorie doch, dass wir auch in der Kuppelinschrift der Synagoge das Gründungsdatum 114 (1354/55) finden und hätten wir damit einen zweiten Hinweis auf eine Frühdatierung des Enststehens der jüdischen Gemeinde Mattersdorf? Sehe ich mir manche Grabinschrift auf dem jüdischen Friedhof Mattesdorf an, möchte ich nicht einmal wirklich ausschließen, dass in der Kuppelinschrift sogar beide Daten, 1702 und 1354 zu finden gewesen sein könnten.

Conclusio

Ich lese die Gründungsjahreszahl auf der Gedenktafel der Synagoge als 314 (1354/55), bin mir aber bewusst, dass ein einziger – noch dazu unsicherer – Beleg nicht reicht, um den Beginn einer jüdischen Besiedlung in Mattersdorf sicher ins Mittelalter zu datieren.

Und doch – ich würde mich wahrlich nicht wundern, sollten doch einmal (weitere) Dokumente auftauchen, die beweisen, dass auf dem heute burgenländischen Teil Westungarns damals nicht nur Eisenstadt eine voll ausgebildete jüdische Gemeinde besaß!

Siehe dazu besonders auch unseren Beitrag Amos Oz – ein Mattersburger? und insbesondere auch den Kommentar von Christopher! Denn der Ur-Ur-usw.-Großvater von Amos Oz ist der 1408 verstorbene Rabbiner Abraham Klausner … aus Mattersdorf!

Danke

Danke an Meir Deutsch, Israel, für das Bild der Gedenktafel und für die Anregung, mich näher mit ihr auseinanderzusetzen!

Danke an Frau Nathanja Hüttenmeister vom Salomon Ludwig Steinheim Institut Duisburg für wertvolle Anregungen zur Inschrift :)!


Da wir jetzt „nur“ die Gedenktafel an der Gassenfront der Synagoge in Mattersdorf kennengelernt haben … am Wochenende gibt’s dann in unserem „Bild der Woche“ mehr zur Synagoge!


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir das wunderbare Buch von Michael Brocke „Verborgene Pracht – Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona – Aschkenasische Grabmale sowie auch ganz besonders die großartige epigraphische Datenbank „epidat“ des Salomon Ludwig Steinheim Instituts für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.


39 Kommentare zu Mittelalterliche jüdische Gemeinde in Mattersdorf?

Bild der Woche – Matriken

Die Aufarbeitung des jüdischen Friedhofes Mattersdorf/Mattersburg hält derzeit die ganze Frau- und Mannschaft des Museums auf Trab. Während in Eisenstadt an den hebräischen Inschriften auf den vorhandenen Fotos (und Abschriften)…

Die Aufarbeitung des jüdischen Friedhofes Mattersdorf/Mattersburg hält derzeit die ganze Frau- und Mannschaft des Museums auf Trab. Während in Eisenstadt an den hebräischen Inschriften auf den vorhandenen Fotos (und Abschriften) der Grabsteine gearbeitet wird, werden andernorts, nämlich in Sopron, Wien und Mattersburg, die Mattersdorfer/Mattersburger Matriken von 1833 bis 1938 beschafft …

Aber es sind in der Tat weniger die hebräischen Inschriften als die Ungarisch geführten Matriken, die das Projekt immer wieder unfreiwillig bremsen, da unsere Ungarischkenntnisse nur auf exzessivem Wörterbuchgebrauch beruhen ;-)

Matriken der jüdischen Gemeinde Mattersdorf in Sopron

Matriken der jüdischen Gemeinde Mattersdorf, Stadtarchiv Sopron

An dieser Stelle herzlichen Dank für die sehr freundliche Kooperation an Mag. Wolf-Erich Eckstein von der Matrikenabteilung der IKG Wien sowie an Dr. András Krisch vom Stadtarchiv Sopron und Anita Grafl vom Standesamt Mattesburg!


Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche

Keine Kommentare zu Bild der Woche – Matriken

Finde:

Generic selectors
Nur exakte Ergebnisse
Suche im Titel
Suche im Inhalt
rl_gallery
Filter nach Kategorien
Abbazia / Opatija
Cheder
Ebenfurth
Fiume / Rijeka
Friedhof Eisenstadt (älterer)
Friedhof Eisenstadt (jüngerer)
Friedhof Kobersdorf
Friedhof Mattersburg
Friedhof Triest
Friedhof Währing
Genealogie
Karmacs
Kunst und Kultur
Leben und Glaube
Mitbringsel / Souvenirs
Podcasts
Salischtschyky / Zalishchyky
Veranstaltungen
nach oben