Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: synagoge

Die ehemalige Synagoge in Kobersdorf

Seit einigen Monaten ist auch hier im Blog das jüdische Kobersdorf eines unserer Hauptthemen und wird ein solches wohl auch noch einige Zeit bleiben. Vor allem, weil erst ein kleiner…

Seit einigen Monaten ist auch hier im Blog das jüdische Kobersdorf eines unserer Hauptthemen und wird ein solches wohl auch noch einige Zeit bleiben. Vor allem, weil erst ein kleiner Teil (10%) der Grabsteine bzw. Grabinschriften des jüdischen Friedhofs von Kobersdorf aufgearbeitet ist, aber auch, weil wir sehr gerne den Prozess der ehemaligen Synagoge Kobersdorfs, die derzeit restauriert wird, begleiten.

Da wir sowohl von EinzelbesucherInnen als auch bei Gruppenführungen immer wieder auf die Kobersdorfer Synagoge angesprochen werden, ging’s am vorletzten Sonntagvormittag, einem der letzten schönen und wolkenlosen Herbsttage, nach Kobersdorf. Noch zumal die Synagoge vor genau 160 Jahren, am 11. April 1860, feierlich eingeweiht wurde.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten innen zerstört, später von der Sturmabteilung der NSDAP als Turnhalle und Vereinsheim verwendet. Eine Sprengung wie den nahegelegenen Synagogen in Deutschkreutz und Lackenbach 1941 blieb der Kobersdorfer Synagoge erspart.
1994 wurde die ehemalige Synagoge vom “Verein zur Erhaltung und kulturellen Nutzung der Synagoge Kobersdorf” von der Israelitischen Kultusgemeinde erworben, 2010 wurde das Gebäude endlich unter Denkmalschutz gestellt.
2019 kaufte das Land Burgenland die ehemalige Synagoge, die Restaurierungsarbeiten haben schon begonnen. Auf der Webseite der Landesregierung Burgenland erhalten Sie alle Informationen zum Synagogengebäude (Geschichte der Synagoge, Baugeschichte) und dem aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten!

Sitzplan der alten Synagoge, 1. Hälfte 19. Jahrhundert

Sitzplan der alten Synagoge, etwa 1830-1860



Nachdem die alte Synagoge in Kobersdorf Mitte des 19. Jahrhunderts, als die jüdische Bevölkerung mit etwa 600 Einwohnern/Einwohnerinnen ihren Höchststand erreichte, zu klein geworden war, begann man ca. 150m entfernt mit der Errichtung der neuen Synagoge, die am 11. April 1860 feierlich eingeweiht werden konnte.

Rabbiner war damals Abraham Shag Zwebner.
“Shag” oder “Shog” war der Vulgoname nach dem im jüdischen Volksmund so genannten Aufenthaltsort seines Vaters, Rabbiner Jehuda Löb Shag bzw. Shog, Ipolyság.

Zwebner wurde am 17. April 1801 (04. Ijjar 561) in Hlohovec (deutsch: Freistadl) in der Slowakei geboren, studierte bei Rabbiner Chatam Sofer (1762-1839) in Pressburg, wo er auch die Smicha erhielt, also die formelle Einsetzung als Rabbiner. 1851 kam er als Rabbiner nach Kobersdorf (übrigens im selben Jahr, in dem Rabbiner Esriel Hildesheimer als Rabbiner nach Eisenstadt kam). In seine Amtszeit fiel auch der Neubau der Synagoge von Kobersdorf im Jahr 1860.

Von seinen Werken wurden nur sein Responsenwerk Ohel Avraham” (“Zelt Abrahams”), 1881, und seine Predigten Draschot HaRo’sch” (“Predigten von Rabbiner Abraham Shag”), 1904, gedruckt. Am 19. Mai 1873 (22. Ijar 5633), im Alter von 72 Jahren, ging Rabbiner Zwebner nach Eretz Israel, näherhin nach Jerusalem, wo er am 25. März 1876 (29. Adar 636) verstarb. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof auf dem Ölberg in Jerusalem.

Seine Ehefrau Leni (Rebekka Lea), geb. Spitz, starb schon 1863 und ist am jüdischen Friedhof Kobersdorf begraben.

Leopold Moses, Archivar und Bibliothekar, 1888 in Mödling bei Wien geboren, 1943 in Auschwitz ermordet, besuchte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts die jüdischen Gemeinden des Burgenlandes, darunter auch Kobersdorf, nicht ohne die Bedeutung von Rabbiner Zwebner ausdrücklich zu erwähnen:

Die Kobersdorfer Juden studieren nicht ‒ vielleicht kommt das von ihrem reichlichen Kohlensäuregenuss ‒ und typisch für ihr Wesen ist jener Jude mit dem Tischa b’Av-Bärtchen in dem von Gesundheit strotzenden Gesicht, den ich da in der Woche vor dem 9. Av breitspurig in der Mitte der großen Gaststube des jüdischen Wirtshauses stehen und ein Glas Rotwein mit Kennermiene trinken sah. So kommt es auch, dass in Kobersdorf, das geistig-jüdische Leben nie so ganz jene Pflege fand, deren es sich sonst überall im Lande erfreute, und dass dort auch das Rabbinat nicht ganz so hervorragende Persönlichkeiten aufwies wie in den Nachbargemeinden.

Und doch finden wir auch in der bescheidenen Reihe der der Nachwelt bekannten Rabbiner Kobersdorfs einen Mann von großem Zuschnitt, der auch unserer Zeit noch viel bedeutet, und das ist der im Jahre 1801 in Freistadtl geborene Schüler des Chatam Sofer R. Abraham Zwebner, der nach dem Aufenthaltsort seines Vaters Ipolysag, meist nur R. Abraham Schag genannt wurde. Von diesem Manne rühren die Schriften Ohel Abraham und Deraschat ha Rosch her, aber noch bedeutender als durch diese wurde er für die innere Entwicklung der ungarischen Judenschaft durch die Tatsache, dass er auf der Versammlung der orthodoxen Rabbiner, die gegen den Kongress der Reformfreunde im Jahre 1865 einberufen worden war, gegen die Trennung der Gemeinden auftrat und als sein Standpunkt nicht durchdrang, nach Erez Jisrael ging, wo er im Jahre 1876 starb. Er mochte dabei wohl gedacht haben, dass allem Streit innerhalb der Judenheit des Exils keine Bedeutung innewohnt, wenn man ihn unter dem Gesichtswinkel des seiner Kinder beraubten Landes Jisrael betrachtet, und dass es nur darauf ankäme, die Erlösung herbeizuführen, um den Streit über den Standort des Almemor, über die ungarische oder deutsche Predigt und dergleichen weltbewegende Dinge mehr verstummen zu machen.

Leopold Moses, Bilder aus Österreich, in: Jüdische Presse 11 (1925) 51-52 (18.12. 1925), 338f

In der Tat war die Diskussion über den Standort der Bima / des Almemors, also des Vorlesepults, auch in die jüdischen Gemeinden des heutigen Burgenlandes übergeschwappt (zur Begriffserklärung siehe den Artikel Bima” in der Jüdischen Allgemeinen). Orthodoxe Synagogen haben meist die Bima / den Almemor in der Mitte der Synagoge, reformierte Synagogen haben sie nach vorne zum Toraschrein gerückt (“geostet”). So wurde zum Beispiel die Bima in der Synagoge von Schlaining erst nach vorne zum Toraschrein, später wieder zurück in die Mitte gerückt. Oder auch Rechnitz: Der Gemeindevorstand plante die Verlegung der Bima, worauf Rabbbiner Gabriel Engelsmann (Rabbiner von 1822 bis 1850) antwortete “Gut, dann verlasse ich morgen Rechnitz”, worauf die Bima in der Mitte und der Rabbiner in Rechnitz blieb (siehe Jüdische Presse 8 (1922), 37-38, 6.10.1922)…

In Kobersdorf war die Bima schon in der ersten Synagoge natürlich in der Mitte (siehe Sitzplan oben), auch in der nun neugegründeten Synagoge kam ein Verrücken nicht in Frage. Dafür war Rabbiner Zwebner Garant, hatte er doch bei Mose Schreiber, dem Chatam Sofer, in Pressburg studiert, der ein glühender Verfechter der mittigen Position der Bima war:

Für Chatam Sofer repräsentiert die Bima den Altar im Tempel, der auf dem Innenhof des Tempels stand und zwar genau in der Mitte. Die Synagoge sei ein kleiner Tempel, ‘Mikdasch me’at’ (Orach Chajim 28).

Bima” in der Jüdischen Allgemeinen)

Der ehemalige Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg erklärt die Position der Bima in der Mitte als Symbol für die Tatsache, dass die Israeliten um den Berg Sinai lagerten, als sie die Tora
empfingen (Eisenberg Paul Chaim, Erlebnisse eins Rabbiners. Geschichten und Geschichte, Wien 2006, 66ff).
Die auf dem Foto erkennbaren Stufen führten zum Toraschrein!



Ebenfalls ein Schüler von Chatam Sofer war zur selben Zeit der Rabbiner von Deutschkreutz: Rabbi Joachim Katz (Menachen Katz-Proßnitz) trat sein Amt in Deutschkreutz nur wenige Monate nach dem Tod seines Lehrers 1840 an und übte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1891, also über 50 Jahre aus. Rabbiner Katz-Proßnitz war ein Vertreter der strikten Orthodoxie, duldete keine Neuerungen, das gesamte Gemeindeleben war in Übereinstimmung mit der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, geregelt. Er galt aber nicht nur als ausgesprochen gelehrt und äußerst fromm, sondern sogar als wundertätig.

Und dieser fromme, gelehrte Mann besuchte einmal Kobersdorf und äußerte Kritik am Gitter der Frauenabteilung in der Synagoge. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie er reagiert hätte, wäre die Bima nicht in der Mitte, sondern vor dem Toraschrein gewesen … Aber lesen Sie den Reisebericht von Otto Abeles:

Otto Abeles, Journalist, Zionist, 1879 in Brünn (Mähren) geboren, Deportation nach Bergen-Belsen, 1945 kurz nach seiner Befreiung gestorben, kommt Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts auch nach Kobersdorf:

Sie sind einfache Leute, die Kobersdorfer. Eine Kehilla “prosterer” Juden, meist Viehhändler und Hausierer, die tagsüber auswärts sind oder gar erst vor Sabbateingang nach Hause kommen und wenig Zeit, auch nicht besondere Neigung zum “Lernen” haben. Aber sie sind fromm und treu, ein kräftiger, mit der Natur vertrauter Judenschlag und sie haben ihre Grundsätze.

Vor vielen Jahrzehnten wirkte hier eine Leuchte in Israel, der milde, liebevolle Rabbi Abraham Zwebner. Von ihm erzählen alle; die Jungen nach der Überlieferung, die Ältesten ‒ das einfache, ruhige Leben lässt viele Greise und Greisinnen mit frischen Sinnen und frischen Augen den siebzigsten und achtzigsten Geburtstag feiern ‒ weil sie ihn noch persönlich kannten und mit der ganzen Gemeinde ein Stück Weges geleiteten, als er nach Erez Israel zog, noch in rüstigem Mannesalter, um dort auf heiligem Boden sich der Lehre hinzugeben. Bevor er seine Gemeinde verließ, erbaute er die schöne, würdige Synagoge. Sie ist sein Denkmal.

Als der gestrenge Rabbi von Zelem (Deutsch-Kreuz) anlässlich eines Leichenbegräbnisses nach Kobersdorf kam, stellte er entrüstet aus, das Gitter der Frauenabteilung in der neuen Schul sei nicht undurchsichtig genug und forderte die Balbattim auf, ein so dichtes Drahtnetz anzubringen, wie es in Zelem die Frauen vor den Blicken der Männer einwandfrei bewahre. Er kam bei den Kobersdorfern nicht gut an. Sie meinten, wenn dieses Holzgitter ihrem großen Rabbi Abraham Zwebner genügt habe, so sei die Absonderung der Frauengalerie durch ein Drahtnetz bestimmt nicht erforderlich. So wird denn vermutlich die Drohung des Zelgemer, nie wieder nach Kobersdorf zu kommen, wenn man nicht das Holzgitter der Weiberschul durch ein dichtmaschiges Sieb verstärkt, von ihm erfüllt werden müssen. Die Kobersdorfer dürften kaum die gewünschte Änderung in ihrer Synagoge vornehmen. Allerdings bemerkte der fromme Handwerker, in dessen Begleitung ich die Synagoge besichtigte: Die Zeiten sind anders geworden. Stimmt. Und mit ihr die Tracht der Frauen.

Kobersdorf ist ein jüdischer Luftkurort. Hier ist den Gesetzestreuen verstattet, ungestört jüdische zu leben. Sie werden von der Kehilla brüderlich aufgenommen, von der Bauernbevölkerung, in deren Häuser sie wohnen, auf das freundlichste behandelt. Man hat hier die herrlichsten Föhrenwälder, einen köstlichen Gesundbrunnen und den feierlichsten Sabbat.

Otto Abeles, Ein Sommertag in Kobersdorf, in: Die neue Welt, 2 (1928), Heft 50 (31.8.1928), 427f


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Inschriften in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf

Im Gebäude der ehemaligen Synagoge Kobersdorf, die 2019 vom Land Burgenland gekauft wurde, befinden sich (unter anderem natürlich) auch folgende zwei Inschriften: Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im…

Im Gebäude der ehemaligen Synagoge Kobersdorf, die 2019 vom Land Burgenland gekauft wurde, befinden sich (unter anderem natürlich) auch folgende zwei Inschriften:

Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im Vorraum


Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über dem Handwaschbecken im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner

Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über dem Handwaschbecken im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner


Die Inschrift

Inschrift Handwaschbecken Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite deinen Altar, Herr. ארחץ בנקיון כפי ואסבבה את מזבחך יהוה


Anmerkung

Es handelt sich bei der Inschrift um ein wörtliches Zitat von Psalm 26,6.


Inschrift über der Spendenbüchse im Vorraum


Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über den beiden Spendenboxen im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner

Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über der Spendenbüchse im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner


Die Inschrift

Inschrift Spendenboxen Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] […im] Land Israel […] […ב]ארץ ישראל […]


Anmerkung

Da “im Land Israel” oder besser, schlicht “in Israel” wenig Sinn macht, außerdem es nach “Israel” so aussieht, als würde dort noch ein Buchstabe geschrieben gewesen sein, müsste sowohl vorne als auch hinten noch Text fehlen. Da ich nur die Fotos besitze, kann ich nicht beurteilen, ob die fehlenden Buchstaben bzw. Wörter eventuell freigelegt werden können.


Über die Kategorie “Cheder”


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Rotte und Reiss Rennen

Jewish Sight-Running mit Thomas Rottenberg Als ich 2012 die Idee hatte, Jewish Sight-Running in Eisenstadt anzubieten, war ich ziemlich optimistisch, dass das Angebot auch hin und wieder genutzt werden würde,…

Jewish Sight-Running mit Thomas Rottenberg

Als ich 2012 die Idee hatte, Jewish Sight-Running in Eisenstadt anzubieten, war ich ziemlich optimistisch, dass das Angebot auch hin und wieder genutzt werden würde, von Interessierten aus der Umgebung, BesucherInnen und Besuchern von Eisenstadt, die im Rahmen der Stadtführungen nicht alle “jüdischen Stationen” erreichen können, von Urlaubern, die nicht nur am See in der Sonne liegen wollen, von Museumsbesuchern, die das jüdische Eisenstadt umfassender und eingehender erkunden wollen … ;-)

Dieser Optimismus sollte sich als Irrtum herausstellen. Obwohl mir natürlich von Anfang an klar war, dass das Programm nicht wirklich mehrheitsfähig ist und auch immer wieder viele Menschen die Idee des Angebots goutier(t)en, – aktiv und selbst die Runde zu laufen, scheint aber doch nochmals eine ganz andere Geschichte zu sein … macht aber nichts, da das Angebot nichts kostet, keinen zusätzlichen Aufwand für das Museum bedeutet und ich ohnehin gerne und regelmäßig laufe.

Umso schöner, dass mich Thomas Rottenberg vergangene Woche anrief und wir uns einen Termin für die Laufrunde ausmachten. Es war sehr heiß, schwül und wir waren am späten Nachmittag auch beide schon ein wenig müde. Ich will ehrlich sein: Wir beschlossen ob dieser suboptimalen Rahmenbedingungen nicht die ganzen 10 km zu laufen, aber jene Kilometer, die wir liefen, waren vom Feinsten!

Großes Danke an Thomas für den wunderbaren Artikel im Standard: Rotte rennt.


Bleibt mir noch zu wünschen, dass Text, Bilder und Video vielleicht ein wenig Lust machen, die jüdische Geschichte Eisenstadts auch einmal anders zu erleben und mitzulaufen …

Wie im Standard zu lesen: natürlich muss nicht “gerannt” werden, auch “Wanderer”, “Walker” usw. sind herzlich willkommen, Stichwort “Jewish Sight-Walking”.
Wie unschwer zu erkennen ist: Selbstverständlich gilt das Angebot auch für “Kleinstgruppen” und quasi “jederzeit” (Anmelden einen Tag vorher wäre aber freundlich) ;-)



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Einladung: Im Dialog …

Die Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum ist ein ebenso prächtiger wie geschichtsträchtiger Raum – nur selten aber sind hier Gebet und Gottesdienst erlebbar. Umso mehr freuen wir uns, dass die…

Die Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum ist ein ebenso prächtiger wie geschichtsträchtiger Raum – nur selten aber sind hier Gebet und Gottesdienst erlebbar. Umso mehr freuen wir uns, dass die Synagoge nach längerer Zeit nun wieder einmal in dieser Weise genutzt wird: Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Sopron laden wir herzlich ein zum

Nachmittagsgebet am Schabbat-Vorabend

(Mincha, nach neologem Ritus).

Anschließend wird Gara István, Kantor der jüdischen Gemeinde Sopron, ein kurzes musikalisches Programm vortragen.

Wann: Freitag, 23. Mai 2014, 17.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Bitte beachten Sie: Eine Anmeldung ist erforderlich –

  • per E-Mail: info@ojm.at oder
  • telefonisch: +43(0)2682 651 45

Synagoge im Österreichischen Jüdischen Museum

Das Gebet bildet zugleich den Auftakt zur “Langen Nacht der Kirchen” in der nahegelegenen Haydnkirche, die dem jüdisch-christlichen Dialog gewidmet sein wird. Details zum nachfolgenden Programm in der Haydnkirche finden Sie auf der Website der “Langen Nacht der Kirchen” sowie übersichtlich im zugehörigen Programmheft.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Sopron, der Pfarre Eisenstadt-Oberberg und dem “Joseph Haydn Konservatorium”.


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Bild der Woche – Synagoge Wiener Neustadt

Am 9. November fand auch in Wiener Neustadt eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome statt. Professor Dr. Werner Sulzgruber, der die Veranstaltung organisierte und dafür verantwortlich zeichnete, verlas am…

Am 9. November fand auch in Wiener Neustadt eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome statt.
Professor Dr. Werner Sulzgruber, der die Veranstaltung organisierte und dafür verantwortlich zeichnete, verlas am Schluss knapp 200 Namen von Juden, die aus Wiener Neustadt vertrieben und ermordet wurden. SchülerInnen zündeten für jedes der Opfer eine Kerze an.

Höhepunkt der Gedenkveranstaltung war aber sicher die einmalige und einzigartige Projektion der Synagoge von Wiener Neustadt auf jenes Haus, das heute am Platz der Synagoge steht.

Projektion der Synagoge Wiener Neustadt

Projektion der Synagoge von Wiener Neustadt anlässlich der Gedenkveranstaltung am 9. November 2013


Ansicht der Synagoge Wiener Neustadt, um 1905

Ansicht der Synagoge von Wiener Neustadt, um 1905. Bild aus: Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt, Wien 2010, S. 39


Am 16. März 1902 fand die Grundsteinlegung, schon am 18. September 1902 die Schlusssteinlegung für die Synagoge statt. Architekt war kein Geringerer als Wilhelm Stiassny, der offenbar ohne Honorar arbeitete.
In der sehr markanten Rosette mit einem Davidstern von mehreren Metern Durchmesser fand sich der Bibelspruch aus Jesaja 56,7:

Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.

Anmerkung: Auf dem Bild oben kann gut erkannt werden, dass mit dem Vers auch eine Jahreszahl angegeben wird. Ich konnte weder beim Fotografieren noch auf Bildern erkennen, auch in der Literatur nicht finden, welche Buchstaben gekennzeichnet sind, aber es liegt nahe, dass 5662 (= 1902) angegeben wurde. (Rosch HaSchana, also der 1. Tischre und somit der Beginn des jüdischen Jahres 5663, war erst am 2. Oktober 1902!)

Bereits am 10. Oktober 1938 erfolgte im Auftrag der Gestapo die “Übergabe bzw. Übernahme des Tempelgebäudes für die SS Formation”.

In der Pogromnacht selbst wurde der Davidstern abgemeißelt und das riesige Zierfenster herausgebrochen. Weiters wurden einzelne Fenster beschädigt, die Einrichtung zerstört und Tempelgeräte gestohlen. Nationalsozialisten hatten offenbar Fackeln in die Synagoge geworfen, die Brandstellen verursachten. Aber sie wurde nicht, wie so viele im Reichsgebiet, als Ganzes in Brand gesteckt. Grund für die Verschonung des Gebäudes war der Umstand, dass die Synagoge zu diesem Zeitpunkt bereits “übernommen” war.

Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt, Wien 2010, S. 38 und insbes. 47


Mehr Informationen zur virtuellen Rekonstruktion der Synagoge in Wiener Neustadt im “DAVID“.

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Bild der Woche – Die Gedenktafel

In der vergangenen Woche fanden die Gedenkfeiern anlässlich der Novemberpogrome 1938 statt. In Eisenstadt, schräg gegenüber von unserem jüdischen Museum, befand sich die 1832 im Stil der französischen Revolutionsarchitektur erbaute…

In der vergangenen Woche fanden die Gedenkfeiern anlässlich der Novemberpogrome 1938 statt.
In Eisenstadt, schräg gegenüber von unserem jüdischen Museum, befand sich die 1832 im Stil der französischen Revolutionsarchitektur erbaute Gemeindesynagoge. In den 1950er Jahren verkaufte die Israelitische Kultusgemeinde Wien das Gebäude zuerst an die Gewerkschaft, später kam das Grundstück (die Synagoge war schon vollständig abgerissen), in den Besitz einer Versicherungsgesellschaft.
Gleich neben dem Eingang dieser findet sich heute die unten abgebildete Gedenktafel.

Von einem langjährigen Museumsbesucher erfuhren wir vor kurzem, dass die Inschrift auf dieser Tafel nicht ganz richtig ist.
Der Zeitzeuge, ein älterer Herr aus einem kleinen Ort in der Nähe Eisenstadts, war als Kind in Eisenstadt im Internat, da es damals noch keine Busverbindungen zwischen seinem Heimatort und Eisenstadt gab. Und er erinnert sich genau daran, dass sie, die Schüler, nachts im Bett lagen und erzählt wurde, dass

oben in der Judengasse die Menschen knöcheltief durch das Glas gewatet sind.

Es war Mai/Juni 1938! Diese Version, dass also die Zerstörung der Gemeindesynagoge nicht erst im November 1938 erfolgte, bestätigen auch andere Zeitzeugen!

Auch der Text in der einzigen vollständigen Monografie über die Juden in Eisenstadt (Josef Klampfer, Das Eisenstädter Ghetto, 1966) muss daher wohl korrigiert bzw. ergänzt werden. Dort heißt es nämlich auch (Seite 39):

In Eisenstadt zog in der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1938 eine mit Hacken versehene Menge in den Temel (sic!) und machte aus der Einrichtung Kleinholz. Der große Luster wurde auch nicht verschont. Die unterirdische Schatzkammer, 15 Tempelvorhänge, 7 Paar Aufsätze auf Thorarollen, eine Krone, eine Glasschatulle, ein kostbarer Trinkbecher, ein Kasten voll talmudistischer (sic!) Bücher fielen u.a. der Zerstörung zum Opfer (Angabe des H. Moritz Gabriel).

Moritz Gabriel, geboren 1887, war einer der wenigen Juden, die nach 1945 nach Eisenstadt zurückkehrten und die 1966 noch in Eisenstadt lebten, so dass Klampfer sie/ihn befragen konnte. Im November 1938 war jedoch auch Moritz Gabriel, wie alle anderen Juden Eisenstadts, nicht mehr in der Stadt. (Die burgenländischen Juden waren 1938 die ersten Juden in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem Anschluss im März 1938 begann die systematische Ausweisung der Juden aus ihren Gemeinden.)
Wann genau Moritz Gabriel Eisenstadt verlassen musste, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Seine Angaben über das Novemberpogrom konnte er jedenfalls nur vom Hörensagen machen, fraglich ist, ob er bei der (ersten) Zerstörung der Synagoge im Mai/Juni 1938 noch in Eisenstadt war.

Am Gewerkschaftsgebäude war übrigens auch schon eine Gedenktafel angebracht, deren Text etwas ausführlicher und deutlicher, aber wohl auch nicht ganz korrekt war:

An dieser Stelle stand der Tempel der jüdischen Gemeinde Eisenstadt, bis Rassenwahn und nationale Überheblichkeit ihn am 11. November 1938 in Brand steckten. Der Österreichische Gewerkschaftsbund erwarb das Grundstück und erbaute 1951 bis 1952 dieses Haus. Es soll den arbeitenden Menschen in ihrem Kampf um soziale und wirtschaftliche Besserstellung dienen. In ihm soll stets der Geist menschlicher Verbundenheit und brüderlicher Zusammengehörigkeit wirken.

Alle Augenzeugen bestätigen nämlich, dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die Synagoge nicht in Brand gesteckt wurde (was schon alleine deshalb glaubhaft ist, weil das Gebäude der Synagoge nicht freistehend, sondern ein Bau in der geschlossenen Häuserreihe war).
In den Jahren 1938/39 – 1945 diente der Innenraum der Synagoge den Nazis als Depotraum der Wehrmacht.

Bleibt schließlich noch anzumerken, dass es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich ist, dass es in der Novembernacht 1938 tatsächlich wieder zu Zerstörungen an/in der Synagoge kam, dass aber die erste Zerstörung bereits Monate vorher stattgefunden hat.


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