Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: wiener neustadt

Im fernen wirren Ungarn

Diese Woche hatten wir einen ganz besonderen Besuch: Ruth Ellen Gruber, die Koordinatorin von Jewish-Heritage Europe kam nach Eisenstadt.

Diese Woche hatten wir einen ganz besonderen Besuch: Ruth Ellen Gruber, die Koordinatorin von Jewish-Heritage Europe kam nach Eisenstadt.

Am Donnerstag fuhren wir über den jüdischen Friedhof Wiener Neustadt sowie den älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt und unser jüdisches Museum nach Köszeg (deutsch: Güns) in Ungarn, wo die Synagoge derzeit aufwändig renoviert wird. Da sie daher auch nicht betreten werden darf, haben wir leider nur wenige Fotos. 2022 ist die Fertigstellung geplant, man darf gespannt sein!

Aber der Reihe nach: In Wiener Neustadt waren es vor allem die am jüdischen Friedhof sehr schön präsentierten mittelalterlichen Grabsteine, die Mrs. Gruber faszinierten. Besonders erfreulich finde ich auch die Initiative der Stadt Wiener Neustadt, dass jeder dieser Grabsteine nun auch ein Täfelchen mit der Übersetzung und einen QR-Code zu meiner vollständigen Bearbeitung hat. Auch am jüdischen Friedhof in Eisenstadt konnte Mrs. Gruber unsere QR-Codes das erste Mal sehen und „testen“.

Gebaut wurde die Synagoge von Köszeg aus Mitteln einer Stiftung von Philipp Baron Schey von Koromla (geb. 20. September 1797 in Köszeg, gestorben am 29. Siwan 5641 = 26. Juni 1881 in Baden bei Wien). Philipp Schey wurde als erster ungarischer Jude geadelt und ist auf dem jüdischen Friedhof in Lackenbach begraben.

Der Film Synagogue for Sale“ von Zsuzsanna Geller-Varga zeigt die Synagoge im Jahr 2007.

Unter den Gesetzestafeln auf der Vorderseite der Synagoge erinnert auch eine Inschrift an Philipp Schey. Die jüdische Jahreszahl 5620 ist umgerechnet das Jahr 1859/60. Dieses Jahr wurde bisher immer als Gründungsjahr angenommen, jedoch ergaben neuere Forschungen, dass bereits 1856, also noch vor der Nobilitierung von Philipp Schey, mit dem Bau der Synagoge begonnen wurde.

Daher stoppten wir auf der Rückfahrt trotz einsetzenden Regens natürlich noch auf dem jüdischen Friedhof von Lackenbach. Wenn auch das Mausoleum von Baron Philipp Schey der Hauptgrund war, darf der größte jüdische Friedhof des Burgenlandes mit 1770 Gräbern nicht verlassen werden, ohne zumindest noch die Gräber von zwei der bedeutenden Rabbiner Lackenbachs zu besuchen:

Rabbi Salman Salomon Lipschütz, gestorben 1808 in Lackenbach. Seine Gegner beschrieben ihn 1765, als er vom Grafen zum Nachfolger seines Vaters als Rabbiner in Neuwied (Rheinland-Pfalz, Deutschland) ernannt wurde, als einen „äußerst aufgeblasenen und zanksüchtigen Mann„, der soeben seiner Frau im Kindbett den Scheidebrief gereicht und sie vertrieben habe. Auch wurde er als geheimer Sabbatianer bezeichnet und es wurde ihm sogar die Befähigung zum Rabbiner abgesprochen. Wie auch immer, gegen Ende seines Lebens war er Rabbiner in Lackenbach, sein Sohn Israel Lipschtüz (1782-1826) wurde Rabbiner im benachbarten Deutschkreutz, seine Tochter Jentl war die Mutter des Mattersdorfer Rabbinatsverwesers Rev Aron Singer.

Rabbi Schalom Salomon Ullmann, genannt „Rabbi Schalom, der Scharfsinnige“, geb. 27. Februar 1755 in Fürth, gest. 06. März 1825 in Lackenbach, Sohn des Gemeindevorstehers Israel-Isserle Ullmann aus Fürth. 1799 wurde Ullmann Rabbiner in Nagyatád, Ungarn, kurz darauf Nachfolger von David Deutsch als Rabbiner in Frauenkirchen. Ab 1809 war er Rabbiner in Lackenbach, wo er als „Chassid“ galt.

Siehe „Das Biographische Handbuch der Rabbiner“.

Die Tafel auf der Rückseite des Grabsteines gibt es erst wenige Monate.

Beide Gräber, besonders aber jenes von Rabbi Ullmann, sind alljährlich das Ziel vieler orthodoxer Pilger.


Ich bedanke mich sehr herzlich (u.a.) bei Frau Eszter Sterk von der jüdischen Gemeinde Szombathely und bei Frau Dr. Edit Szántóné Balász und Herrn Attila Pók vom Institute of Advanced Studies Köszeg für ihre so freundliche Hilfe bei der Organisation und vor Ort in Köszeg.



Der Beitragstitel ist ein Zitat aus einem Brief von Rabbiner Dr. Asriel Hildesheimer, der diese Worte benützte, als er einem Freund in Düsseldorf von seiner Berufung als Rabbiner nach Eisenstadt berichtete.


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Bild der Woche – Synagoge Wiener Neustadt

Am 9. November fand auch in Wiener Neustadt eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome statt. Professor Dr. Werner Sulzgruber, der die Veranstaltung organisierte und dafür verantwortlich zeichnete, verlas am…

Am 9. November fand auch in Wiener Neustadt eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome statt.
Professor Dr. Werner Sulzgruber, der die Veranstaltung organisierte und dafür verantwortlich zeichnete, verlas am Schluss knapp 200 Namen von Juden, die aus Wiener Neustadt vertrieben und ermordet wurden. SchülerInnen zündeten für jedes der Opfer eine Kerze an.

Höhepunkt der Gedenkveranstaltung war aber sicher die einmalige und einzigartige Projektion der Synagoge von Wiener Neustadt auf jenes Haus, das heute am Platz der Synagoge steht.

Projektion der Synagoge Wiener Neustadt

Projektion der Synagoge von Wiener Neustadt anlässlich der Gedenkveranstaltung am 9. November 2013


Ansicht der Synagoge Wiener Neustadt, um 1905

Ansicht der Synagoge von Wiener Neustadt, um 1905. Bild aus: Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt, Wien 2010, S. 39


Am 16. März 1902 fand die Grundsteinlegung, schon am 18. September 1902 die Schlusssteinlegung für die Synagoge statt. Architekt war kein Geringerer als Wilhelm Stiassny, der offenbar ohne Honorar arbeitete.
In der sehr markanten Rosette mit einem Davidstern von mehreren Metern Durchmesser fand sich der Bibelspruch aus Jesaja 56,7:

Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.

Anmerkung: Auf dem Bild oben kann gut erkannt werden, dass mit dem Vers auch eine Jahreszahl angegeben wird. Ich konnte weder beim Fotografieren noch auf Bildern erkennen, auch in der Literatur nicht finden, welche Buchstaben gekennzeichnet sind, aber es liegt nahe, dass 5662 (= 1902) angegeben wurde. (Rosch HaSchana, also der 1. Tischre und somit der Beginn des jüdischen Jahres 5663, war erst am 2. Oktober 1902!)

Bereits am 10. Oktober 1938 erfolgte im Auftrag der Gestapo die „Übergabe bzw. Übernahme des Tempelgebäudes für die SS Formation“.

In der Pogromnacht selbst wurde der Davidstern abgemeißelt und das riesige Zierfenster herausgebrochen. Weiters wurden einzelne Fenster beschädigt, die Einrichtung zerstört und Tempelgeräte gestohlen. Nationalsozialisten hatten offenbar Fackeln in die Synagoge geworfen, die Brandstellen verursachten. Aber sie wurde nicht, wie so viele im Reichsgebiet, als Ganzes in Brand gesteckt. Grund für die Verschonung des Gebäudes war der Umstand, dass die Synagoge zu diesem Zeitpunkt bereits „übernommen“ war.

Werner Sulzgruber, Das jüdische Wiener Neustadt, Wien 2010, S. 38 und insbes. 47


Mehr Informationen zur virtuellen Rekonstruktion der Synagoge in Wiener Neustadt im „DAVID„.

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Wiener Neustadt

Personen- und Familienbiografien über Jüdinnen und Juden, die aus Westungarn nach Wiener Neustadt kamen Dr. Werner Sulzgruber schrieb: Ich suche für die Dokumentation von Personen- und Familienbiografien von Jüdinnen und…

Personen- und Familienbiografien über Jüdinnen und Juden, die aus Westungarn nach Wiener Neustadt kamen

Dr. Werner Sulzgruber schrieb:

Ich suche für die Dokumentation von Personen- und Familienbiografien von Jüdinnen und Juden,
die um 1900 und später (teils bis 1938) in Wiener Neustadt gelebt haben, Informationen zu den folgenden Familien, welche aus dem ehemaligen Westungarn nach Wiener Neustadt kamen.

Viele der Vorfahren von Wiener Neustädter Jüdinnen und Juden stammen aus Ungarn, vor allem aus Mattersdorf.

Leider sind so manche familiären Zusammenhänge von gleichnamigen Personen (z. B. Familie Breuer) unklar.

Ich bitte um Informationen zu den jeweiligen Familien, falls solche gemacht werden können.
Zuschriften bitte unter: werner_sulzgruber @ hotmail.com

English Version:

Biographies about persons and families, who came from West-Hungary to Wiener Neustadt

I am searching for informations – preparing biographies of persons and families – about Jewish people, who lived around 1900 and later (till 1938) in Wiener Neustadt. Members of the following families, who have their origin in West-Hungary, came once to Wiener Neustadt (Lower Austria).

Many of the forefathers of Jews in Wiener Neustadt are from Hungary, especially from Mattersdorf. Some relations in families (e.g. family Breuer) are not clear.

I am interested in data about these Jewish people/families and I hope that somebody can help in the current documentation.

Contact please: werner_sulzgruber @ hotmail.com

  • Andau: Tauber
  • Deutschkreutz: Bohenszky, Hacker, Kerö, Kohn
  • Eisenstadt: Adler (Pollak), Ungar, Wessely [Jewish?]
  • Frauenkirchen: Popper (Winkler), Schimmel
  • Kobersdorf: Bauer, Hacker, Reininger, Winkler
  • Lackenbach: Bauer, Beinhacker, Bum (Braun), Leitner (Braun), Wellisch
  • Mattersdorf: Adler (Moses), Breuer, Buxbaum, Rosenberger (Feldmann), Rosenfeld, Schischa, Schlesinger, Schulhof


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Web-Tipp der Woche – Jüdische Gemeinde Wiener Neustadt

Kein Jude soll über Nacht hier bleiben … Bild-© Wenn das Zitat auch aus den Jahren 1544/45 stammt, als der Stadtrat von Wiener Neustadt das von Ferdinand I. verhängte Aufenthaltsverbot…

Kein Jude soll über Nacht hier bleiben …

Wenn das Zitat auch aus den Jahren 1544/45 stammt, als der Stadtrat von Wiener Neustadt das von Ferdinand I. verhängte Aufenthaltsverbot für Juden erneuert hatte, darf es hier doch auch für die neueste Zeit stehen: Hatte Wr. Neustadt nicht nur im Mittelalter zu den ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden Österreichs, sondern auch in den 1920er und 1930er Jahren zu den größten Kultusgemeinden gezählt, erfolgte nach 1945 keine Neugründung. Alle jüdischen Gebäude (mit Ausnahme des Friedhofs) bestehen nicht mehr, in Wiener Neustadt gibt es heute keine jüdische Gemeinde.

Treue LeserInnen unserer „Koscheren Melange“ wissen, dass wir immer wieder hier über die jüdische Gemeinde von Wiener Neustadt berichteten. Gerne begleiteten wir die schon 2007 von Dr. Werner Sulzgruber ins Leben gerufene „Initiative AKJF und Lern- und Gedenkstätte Jüdischer Friedhof Wiener Neustadt“ und waren unmittelbar beteiligt sowohl an der Aufarbeitung der hebräischen Inschriften am jüdischen Friedhof in Wr. Neustadt als auch insbesondere natürlich an der Aufarbeitung der fünf mittelalterlichen jüdischen Grabsteine, die am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt zu sehen sind.

Nun ging eine sowohl sehr liebevoll und schön gestaltete als auch ausgesprochen informative Website über die jüdische Gemeinde Wiener Neustadt online, die wir Ihnen hiermit – als unseren Web-Tipp der Woche – sehr ans Herz legen möchten:

juedische-gemeinde-wn.at

.

Einstiegsseite 'juedische-gemeinde-wn.at'

Zu finden sind auf der Website nicht nur viele Informationen über die Geschichte der jüdischen Gemeinde, sondern u.a. auch alle Daten zum jüdischen Friedhof (inklusive einer sehr bedienungsfreundlichen Datenbank zu den dort Begrabenen) sowie – besonders erwähnenswert – eine Fülle an kostenlos zur Verfügung gestelltem Lernmaterial für SchülerInnen.


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Bild der Woche – Der Bischof

Pesach-Haggada, Schreiber: Joseph ben David aus Leipnik (Mähren). Geschrieben und illustriert 1740 in Altona/Hamburg, 40 fols, 350 x 260. London, British Library, Sloane 3173, 7v. Vor einiger Zeit berichteten wir…

Pesach-Haggada, Schreiber: Joseph ben David aus Leipnik (Mähren). Geschrieben und illustriert 1740 in Altona/Hamburg, 40 fols, 350 x 260. London, British Library, Sloane 3173, 7v.


Vor einiger Zeit berichteten wir hier anlässlich der Eröffnung, dass im Stadtmuseum von Wiener Neustadt die Ausstellung „Schicksalswege. Die jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt“ zu sehen ist.
In der Ausstellung zu sehen ist auch ein Bildnis des berühmten Bischofs Kollonitsch, das unwillkürlich einige Assoziationen in mir hervorrief:
Denn in einer Pesach-Haggada, die 1740 in Altona (Hamburg) von Joseph ben David aus Leipnik geschrieben und illustriert wurde, finden wir eine Darstellung, wie Abraham die Götzenstatuen seines Vaters Terach zerstört.

Das Bild ist eine Illustration zum Text „Anfangs waren unsere Vorväter Götzendiener …“. Im Vordergrund liegen zerbrochene Teile von zwei Götzenstatuen. Abraham ist gerade damit beschäftigt, eine dritte zu zerschlagen. Hinter einem Fluss, über den eine Brücke führt, sehen wir eine ummauerte Stadt und dahinter auf vier Bergen Götzenstatuen. Ganz links Poseidon mit seinem Dreizack, weiter rechts Zeus mit Waage und Donnerkeil (?) – und dazwischen eine Figur, die wie ein katholischer Bischof aussieht!

Ein katholischer Bischof in Hamburg, das protestantisch dominiert war und ist? Und was hat das Ganze mit Wiener Neustadt zu tun?
Nun, erwähnter Maler Joseph ben David kam aus Leipnik in Mähren und nach Mähren flohen viele Juden, nachdem sie 1670/71 von Leopold I. aus Wien vertrieben worden waren. Wir kennen viele Erklärungen für diese Vertreibung, ganz wesentlich aber waren sicher die aggressiven judenfeindlichen Reden von Bischof Leopold Karl von Kollonitsch, der 1670 Bischof von Wiener Neustadt geworden war.

Und so ist vielleicht wirklich mit der Darstellung des katholischen Bischofs als Götze, 70 Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Wien, niemand anderer als Bischof Leopold Kollonitsch aus Wiener Neustadt gemeint (an ihn erinnert heute u.a. die den Bahnhof mit der Innenstadt verbindende Kollonitschgasse) …

Joseph ben David wurde übrigens der Begründer der jüdischen „Hamburger Malschule“. In Wien selbst lebten (nach 1670) wohlhabende „Hofjuden“, die meistens ein Stadtpalais bewohnten und oft für ihre Privatsynagogen illustrierte und illuminierte Handschriften bei den Schreibern/Miniaturisten in Mähren bestellten.


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Bild der Woche – ‚Judensau‘

Am Dienstag wurde im Stadtmuseum in Wiener Neustadt die Ausstellung „Schicksalswege. Die jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt“ eröffnet. Zu den wertvollsten und zweifellos beachtenswertesten Objekten der Ausstellung gehört das Kalksandsteinrelief…

Am Dienstag wurde im Stadtmuseum in Wiener Neustadt die Ausstellung „Schicksalswege. Die jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt“ eröffnet.
Zu den wertvollsten und zweifellos beachtenswertesten Objekten der Ausstellung gehört das Kalksandsteinrelief der sogenannten Judensau aus dem 15. Jahrhundert (?), das sich auf dem Haus Hauptplatz 16 befand.

'Judensau', Stadtmuseum Wiener Neustadt

An den Zitzen einer großen Sau saugen vier Juden, ein fünfter befindet sich am Boden und ein sechster klammert sich an den Schwanz.

Im Mittelalter galt die Sau als Symbol für Ausschweifung und Schlemmerei, sie repräsentierte also Sünder, die in jeder Hinsicht ausschweifend lebten. Bereits der Fuldaer Abt und Mainzer Erzbischof Rabanus Maurus (780 – 856) stellt die Verbindung zwischen der Sau und den Juden her. Dadurch sollten die Juden als unrein und als Sünder abqualifiziert werden.

Die ältesten Belege von „Judensau“-Darstellungen in Deutschland stammen aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts. Das Thema „Judensau“ wurde auch mit dem Thema „Ecclesia und Synagoga“ („Kirche und Synagoge“ – das Motiv entsteht im 9. Jahrhundert) verbunden. So reitet auf dem Chorgestühl des Erfurter Doms die Synagoge, dargestellt durch einen Mann mit Judenhut, auf einer Sau in das Turnier gegen die auf einem edlen Pferd reitende Kirche.

Die Sau spielte auch bei der Prozedur des Judeneides eine große Rolle. Nach dem Schwabenspiegel (13. Jahrhundert) musste der schwörende Jude barfuß auf einer blutigen Schweinshaut stehen. Diese Haut musste von einer Sau stammen, die in den vergangenen 14 Tagen Junge gehabt hatte, und sie musste entlang des Rückens aufgeschnitten sein. Die Zitzen, auf denen der Jude zu stehen hatte, mussten sichtbar sein.

Mehr Informationen zum Motiv der „Judensau“ und Literatur: de.wikipedia.org/wiki/Judensau.

Tipp: Die Ausstellung im Stadtmuseum Wiener Neustadt können Sie bis 29. Mai 2011 besichtigen!



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