Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Schlagwort: wiener neustadt

Bild der Woche – Kulturschatz

Die 2007 am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt wiederentdeckten fünf mittelalterlichen Grabsteine wurden vollständig restauriert und werden nun der Öffentlichkeit präsentiert. Vorbildliches Beispiel eines restaurierten Grabsteins: „Märtyrer Simcha, Sohn des Eljakim“,…

Die 2007 am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt wiederentdeckten fünf mittelalterlichen Grabsteine wurden vollständig restauriert und werden nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Restaurierter mittelalterlicher Grabstein

Vorbildliches Beispiel eines restaurierten Grabsteins:
„Märtyrer Simcha, Sohn des Eljakim“, 25. Kislev 107 (10. Dezember 1346)

Wir laden Sie nochmals herzlich zur Präsentation der Grabsteine ein:
Donnerstag, 19. November, 09.30 Uhr am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt


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Wiederentdeckung eines Kulturschatzes

Einladung zur Präsentation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine Am 19. November 2009, um 09.30 Uhr, werden am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt, Wiener Straße 95, 2700 Wiener Neustadt fünf wiederentdeckte mittelalterliche jüdische Grabsteine…

Einladung zur Präsentation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine

Am 19. November 2009, um 09.30 Uhr,

werden am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt, Wiener Straße 95, 2700 Wiener Neustadt

fünf wiederentdeckte mittelalterliche jüdische Grabsteine der Öffentlichkeit präsentiert.

Wir laden Sie herzlich dazu ein.

Es sprechen:

Bernhard Müller, Bürgermeister von Wiener Neustadt
Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
Johannes Reiss, Direktor des Österreichischen Jüdischen Museums, Eisenstadt
Werner Sulzgruber, Initiator AKJF und Lern- und Gedenkstätte Jüdischer Friedhof Wiener Neustadt

Einladung zur Präsentation mittelalterlicher jüdischer Grabsteine


Die AKJF, „Aktion Kulturdenkmal Jüdischer Friedhof“ ist eine von Dr. Werner Sulzgruber 2007 ins Leben gerufene Initiative mit dem Ziel, den jüdischen Friedhof von Wiener Neustadt als „Lern- und Gedächtnisort“ zu etablieren.

2007 machte Dr. Sulzgruber auch die sensationelle Entdeckung: Bei der laufenden Bestandsaufnahme des jüdischen Friedhofs waren dem Historiker zunächst zwei, und nach intensiver weiterer Suche insgesamt fünf mittelalterliche jüdische Grabsteine aufgefallen.

Das Österreichische Jüdische Museum hatte die Ehre, fast seit Beginn der Arbeiten das Projekt begleiten zu dürfen, zwei der Grabsteine datiere ich in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Selbstverständlich werden wir hier im Blog weiter über dieses vorbildliche Projekt berichten.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir – wie könnte es anders sein – am 19. November 2009 eine Fahrt nach Wiener Neustadt …

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Am jüdischen Friedhof I

Wie hebräische Grabinschriften der Anonymität entrissen werden Grundsätzliches – Ausrüstung – Hilfsmittel Einerseits gehört das Aufarbeiten von jüdischen Friedhöfen zu den Schwerpunktarbeiten des Museums, andererseits erreichen uns immer wieder (individuelle)…

Wie hebräische Grabinschriften der Anonymität entrissen werden

Grundsätzliches – Ausrüstung – Hilfsmittel

Einerseits gehört das Aufarbeiten von jüdischen Friedhöfen zu den Schwerpunktarbeiten des Museums, andererseits erreichen uns immer wieder (individuelle) Anfragen mit der Bitte um Übersetzung von hebräischen Grabinschriften.

Eine Besonderheit aller jüdischen Friedhöfe auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes (mit einer einzigen Ausnahme, dem jungen jüdischen Friedhof in Oberwart) ist, dass wir ausschließlich Gräber mit hebräischen Grabinschriften finden. Nur sehr selten werden Eigennamen der Verstorbenen zusätzlich mit lateinischen Buchstaben bzw. Todesdaten in nicht-hebräischer Schreibweise (also z.B. ‚1859‘) angegeben.

Nicht nur, aber besonders hier im Burgenland sind Grabsteine oft wirklich die letzten Zeugen jahrhundertelangen jüdischen Lebens in der Region, die (vielfach sehr textintensiven) Inschriften eine Primärquelle erster Güte zur Erforschung der (inner)jüdischen Geschichte.

Deshalb also hier der erste Teil einer kleinen Serie zum Thema jüdische Friedhöfe, hebräische Grabinschriften und ihre Aufarbeitung.

Das Folgende ist nicht der Bericht eines Restaurators, sondern ein grober Erfahrungsbericht über die praktische Arbeit auf jüdischen Friedhöfen und bezieht sich auf das Lesbarmachen hebräischer Inschriften. Vielleicht kann er Ihnen im Alltag eine kleine Hilfestellung sein beim Lesen von Inschriften.

Es muss wohl nicht vorausgeschickt werden, dass für die Aufarbeitung von jüdischen Friedhöfen (Texttranskription bzw. Übersetzung) kaum je eine fachgerechte Restaurierung der Steine möglich ist, das Lesbarmachen der Inschriften daher meist mit sehr einfachen Mitteln bewerkstelligt werden muss.

Zunächst ist zu unterscheiden zwischen dem Lesen der Inschrift vor Ort, also am Friedhof, und dem Lesen auf einem Foto. Grundsätzlich rate ich dringend zu beidem, da außer bei sehr einfachen und sehr klaren hebräischen Inschriften Fotos immer hilfreich oder gar gute Korrektive sein können (siehe unten).

In jedem Fall sollten Sie für die Arbeit am Friedhof einiges an Ausrüstung mit dabei haben (auch wenn Ihnen manches lächerlich vorkommt, ohne Liste vergesse zumindest ich immer etwas):

Kopfbedeckung (für Männer), Kleidungsschutz oder Kleidung, die nachher eventuell entsorgt werden kann (weil von Dornen und spitzen Steinen zerrissen), viel Kreide (für eine Inschrift rechnen Sie am besten mit mindestens zwei bis drei Kreiden, siehe unten), kleine Umhängetasche für die Kreide (um die Kleidung zu schonen, falls Sie diese nicht entsorgen wollen), Wasser (Kübel/Eimer und Wasser am besten in Flaschen oder Kanistern mitnehmen), Bartwisch/Handfeger mit sehr weichem Haar (am besten solche, mit denen man etwa Schnee vom Auto kehren kann), mehrere sehr weiche Tücher (keine Tücher, die fusseln), stabile Schreibunterlage, gute Stifte, viel Papier, Klammern, mit denen das Papier an der Unterlage befestigbar ist (kalte Finger, Wind), in der kälteren Jahreszeit Handschuhe (z.B. dünne, aber wirksame Laufhandschuhe, die das Schreiben ermöglichen), Fotoapparat.

Lesen vor Ort und/versus Lesen auf dem Foto

  1. Befunde sollten nie ausschließlich aufgrund eines Fotos gemacht werden. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte unbedingt die Inschrift auch vor Ort (also am Friedhof) gelesen werden, um einen sichereren Befund zu erhalten.
  2. Befunde vor Ort sollten aber – außer bei sehr klaren (und einfachen) Inschriften – immer auch noch anhand eines oder mehrerer Fotos der Inschrift überprüft werden. Meist ermöglicht zwar das Lesen der Inschrift vor Ort den aufschlussreicheren Befund, es kommt aber immer wieder vor, dass Fotos bei Problemen, die vor Ort nicht gelöst werden können, zumindest eine neue Sicht bzw. neue Ideen ermöglichen und im besten Fall beim nochmaligen Abgleich vor Ort zu einem sichereren Ergebnis führen.
  3. Selbstverständlich führen bessere Fotos zu besseren Ergebnissen. Trotzdem sollte, was das Lesbarmachen betrifft, die Bedeutung der Professionalität des Fotos nicht überschätzt werden. Wichtiger ist es – wie für das Lesen vor Ort –, auch beim Fotografieren Wetterlage und Sonnenstand zu berücksichtigen. In der Praxis bedeutet dies etwa, dass auf Blitzlicht meist verzichtet werden sollte (auch ein Seitenblitz bringt meist nicht bessere Ergebnisse).
  4. Salopp formuliert kann man sagen, dass manche Inschriften morgens, manche mittags, manche abends, manche nach dem Regen, manche bei direkter Sonnenbestrahlung besser lesbar sind, jeweils abhängig von Schrift, Gravur, Tiefe der Gravur, Steinart, Beschaffenheit und Zustand des Steines usw. In der Praxis bedeutet dies, dass es meist notwendig ist, schwer zu lesende Inschriften zu verschiedenen Tageszeiten (oft sogar zu verschiedenen Jahreszeiten) und vor allem bei verschiedenen Wetterbedingungen zu lesen. Dasselbe gilt auch für die Anfertigung von Fotos.
  5. In den seltensten Fällen konnte ich mit der Nachbearbeitung von Fotos (auch mit guten Kenntnissen und professioneller Software) deutlich aussagekräftigere Ergebnisse erzielen. Den Versuch ist es zwar immer wert, es sollte nur nicht zu viel erwartet werden.
  6. Kommt Kreide oder Wasser zum Einsatz, müssen auch Fotos von den Inschriften mit aufgetragener Kreide bzw. unmittelbar nach dem Waschen mit Wasser gemacht werden.

Wasser

Bevor eine schwer lesbare Inschrift mit Kreide bearbeitet wird, sollte versucht werden, die Inschrift mit Wasser zu reinigen. Der Reinigungsvorgang muss äußerst vorsichtig durchgeführt werden, das Wasser sollte mit dem Besen mit weichem Haar gleichmäßig verteilt werden. Oft werden Inschriften schon alleine durch die sanfte Reinigung besser lesbar und weitere Maßnahmen (Kreide) sind sogar unnötig. Mit Wasser kann man übrigens auch manchmal sehr erfolgreich arbeiten, wenn es sich um Inschriften handelt, die einmal nachgezogen wurden, die nachgezogene Spur aber im Laufe der Jahre zerflossen ist.

Kreide

Das „Allerweltsmittel“ zum Lesbarmachen vieler Inschriften ist weiße Kreide. Hier ziehe ich eckige Kreiden den runden und die gewöhnliche Schul- der Straßen-/Kindermalkreide eindeutig vor. Mit der Kreide muss ausgesprochen vorsichtig umgegangen werden: Sie darf fast immer nur leicht aufgesetzt werden, v.a. um den Stein nicht zu beschädigen, und die Kreide muss mit der Breitseite immer exakt vertikal zum hebräischen Buchstaben geführt werden (also z.B. bei einer Bogeninschrift am Beginn von rechts nach links usw.), da sonst die Buchstaben noch weniger lesbar sind. Selbstverständlich sind nicht alle Steinarten mit Kreide gleich gut oder sogar nicht bearbeitbar. Während Kreide etwa auf Granit, Syenit, Diorit oder Gabbro meist recht gut anwendbar ist, ist die Anwendung bei vielen Marmor-, aber auch Kunststeinen problematisch, bei Sandstein sollte auf Kreide meist überhaupt verzichtet werden. Ein stärkeres Auftragen von Kreide ist nur bei sehr glatten Steinarten in sehr gutem Zustand möglich und hilfreich.

Führt das Auftragen von Kreide zwar zu besserem, aber noch nicht befriedigendem Ergebnis, kann versucht werden, die Kreide mit einem weichen Tuch sanft zu verwischen. Hilft auch das nicht, muss die Kreide (mit o.g. Besen) vorsichtig abgewaschen und eventuell neuerlich (sanfter oder stärker, weniger intensiv etc.) aufgetragen werden.

Hier ein konkretes Beispiel eines Grabsteins am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt, wie eine auf den ersten Blick unlesbare Inschrift lesbar gemacht werden konnte:

Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Erstansicht


  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Foto nachbearbeitet
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Foto Detailansicht
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht mit Kreidebearbeitung
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Detailansicht, Kreide verwischt
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht, halb Kreide, halb Kreide verwischt
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Wr. Neustadt, Gesamtansicht, Kreide abgewaschen


Die Ausführungen erheben selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, es sind lediglich einige Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Für ganze Friedhofsprojekte ist natürlich noch wesentlich mehr zu berücksichtigen, hier sollten bloß einige Hilfestellungen für das Lesen eines oder einiger weniger Steine gegeben werden.

In der nächsten Folge dieser Serie: Wie Sie auch ohne großartige Hebräischkenntnisse Namen und Todesdatum in hebräischen Inschriften finden und übersetzen können – aus gegebenem Anlass – über die Einigung, 20 Millionen Euro für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe bereitzustellen.


Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Liste der jüdischen Friedhöfe in Österreich, damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, wie viele jüdische Friedhöfe in Österreich existieren.


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Bild der Woche – Außendienst

Seit 1991 gehört die Archivierung hebräischer Grabinschriften zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des Museums. Die Aufarbeitung der jüdischen Friedhöfe bedeutet Arbeit vor Ort, also gewissermaßen „Feldarbeit“. Denn viele Inschriften sind am…

Seit 1991 gehört die Archivierung hebräischer Grabinschriften zu den wichtigsten Arbeitsfeldern des Museums.
Die Aufarbeitung der jüdischen Friedhöfe bedeutet Arbeit vor Ort, also gewissermaßen „Feldarbeit“. Denn viele Inschriften sind am Morgen, viele am Abend, viele bei Sonnenbestrahlung, viele nach dem Regen besser lesbar – also ein Allwetterjob, sooft die Zeit dafür bleibt …

Jüdischer Friedhof Wiener Neustadt

„Außendienst“ am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt

Derzeit arbeiten wir an zwei größeren Projekten: dem jüdischen Friedhof in Wiener Neustadt und jenem in Mattersburg. Darüber werden wir hier im Blog bald mehr schreiben …

Update vom 04. Mai 2010:
Zur Datenbank „Jüdischer Friedhof Mattersburg“ (work in progress) …

Zu den mittelalterlichen Grabsteinen am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt …


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Bild der Woche – Friedhofsevent?

Frage: Was haben der jüdische Friedhof in Wiener Neustadt, eine Wiener „Clubdisco“ und der „Altausseer Kiritag“ gemeinsam? Alle drei finden sich im „Eventkalender“ eines österreichischen Privatfernsehsenders. Dort steht u.a. das…

Frage: Was haben der jüdische Friedhof in Wiener Neustadt, eine Wiener „Clubdisco“ und der „Altausseer Kiritag“ gemeinsam?

Alle drei finden sich im „Eventkalender“ eines österreichischen Privatfernsehsenders.

Screenshot Puls4 Jüdischer Friedhof Eventdatenbank

Dort steht u.a. das Folgende zu lesen:

Jüdischer Friedhof in Wiener Neustadt ist deine Lieblingslocation? Hier findest du alle Fotos, Videos, Events, Veranstaltungstipps und Gleichgesinnte!

Wer da auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auch gleich als „Fan“ seiner/ihrer „Lieblingslocation“ outen (diesbezüglich haben Clubdisco, Kiritag & Co unseren Friedhof allerdings längst abgehängt – „Es gibt noch keine Fans zu dieser Location„).

Wenn wir uns auch für die Werbung für unser Haus auf nämlicher Website herzlich bedanken (und auch wissen, dass solche Inhalte mehr oder minder automatisch generiert werden), so scheinen uns doch „Lieblingslocation“, „Eventetc. in Zusammenhang mit einem (jüdischen) Friedhof von einer gehörigen Sprach- bzw. Geschmacksver(w)irrung zu zeugen …


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