Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Cheder

Biller Bernhard – 10. Februar 1937 / Kugel Katarina – 18. März 1904

Bernhard (Issachar ben Baruch) Biller, 29. Schvat 697 (= Mittwoch, 10. Februar 1937) Der Grabstein von Bernhard (Issachar) Biller befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Graz. Die hebräische Grabinschrift…

Bernhard (Issachar ben Baruch) Biller, 29. Schvat 697 (= Mittwoch, 10. Februar 1937)

Der Grabstein von Bernhard (Issachar) Biller befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Graz.



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Bernhard Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) פ”נ
[2] der torakundige H(err) Issachar, החבר ה יששכר
[3] S(ohn des) t(orakundigen Herrn) בן הח
[4] Baruch Biller, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), ברוך ביללער זל
[5] der in seine Welt ging am 29. Schvat שהלך לעולמו ביום כט שבט
[6] des Jahres 697 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שנת תרצז לפק
[7] Er ruhe auf seinem Lager in Frieden. ינוח בשלום על משכבו
[8] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 7: Vgl. Jesaja 57,2 שלום ינוחו על משכבותם.


Biografische Notizen

Bernhard (Issachar ben Baruch) Biller, geb. 16. Jänner 1863 in Güssing, Kaufmann in Graz, Raabgasse 7, gest. 29. Schvat 697 = Mittwoch, 10. Februar 1937 in Graz an Myocarditis, begraben am jüdischen Friedhof in Graz

Vater: Bernhard (Baruch) Biller, geb. ca. 1821 in Güssing, gest. 29. März 1893 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof in Graz
Mutter: Charlotte / Lotti Schwarz, geb. ca. 1830 in Güssing, 1gest. 13. Mai 1892 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof in Graz


Katarina Kugel, geb. Mackstein, 02. Nisan 664 (= Freitag, 18. März 1904)

Grabstein Katarina Kugel, geb. Mackstein, 02. Nisan 664 = Freitag, 18. März 1904

Grabstein Katarina Kugel, geb. Mackstein, 02. Nisan 664 = Freitag, 18. März 1904



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Katarina Kugel: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) פ”נ
[2] eine teure Frau, die Gott fürchtete, אשה יקרה את [אלהים היא יראה]
[3] Frau Gütel Kugel. מרת גיטל קוגעל
[4] Sie starb betagt und im guten Alter von […] 95 Jahren מתה בזקנה ובשיבה טובה […] צה שנה
[5] Sie übte Wohltätigkeit und Gutes alle Tage ihres Lebens. גמלה חסד וטוב כל ימי חייה
[6] Aufrichtigen Herzens wurde sie eingesammelt im hohen Alter. ישרת לב נאספה בשיבת שנותיה
[7] Mit rechtem Urteil wachte sie über die Hergänge in ihrem Haus, טוב טעם צפתה הליכות ביתה
[8] um zu ernten in der Höhe die Früchte ihrer Mühe. לקצור במרום פרי יגיעתה
[9] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 7: Vgl. Psalm 119,66 טוב טעם ודעת “rechtes Urteil und Erkenntnis”.

Sprüche 31,27 צופיה הילכות [הְַלִיכוֺת] ביתה.

Zeile 5-8: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (Gütel).



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Abraham Pidum – 01. August 1922

Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 (= Mittwoch, 01. August 1922) Der Grabstein befindet sich in Lymira. Die Grabinschrift Inschrift Abraham Pidum: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] Gepriesen…

Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 (= Mittwoch, 01. August 1922)

Der Grabstein befindet sich in Lymira.

Grabstein Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 = Mittwoch, 01. August 1922

Grabstein Abraham Pidum, Sohn des Samuel, 07. Av 682 = Mittwoch, 01. August 1922



Die Grabinschrift

Inschrift Abraham Pidum: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Gepriesen sei der wahre Richter. ברוך דיין האמת
[2] Das Grabmal des Mannes, מצבת קבורה האיש
[3] der verstarb in seinen besten Tagen, Η(err) הנפטר במבחר ימיו כ’
[4] Abraham Pidum, אברהם פידום
[5] S(ohn) des Samuel, s(eine Ruhe) s(ei Wonne). Er war ב’ שמואל נ’ע היה
[6] aus der Stadt Rhodos, G(ott möge) d(ie Stadt) a(ufbauen). Er starb מעיר רודיס י’ע’א וימת
[7] in einem fremden Land. Seine Ehefrau und sein Sohn בארץ נכריה אשתו ובנו
[8] schrieen, denn verlassen […] hat er היו צועקים כי עזב […]
[9] uns zu unserem Seufzen. Er ging אותנו להנחות והוא הלך
[10] zur Ruhestatt am 7. Tag d(es Monats) Av למנוחות ביום לח אב 7
[11] d(es Jahres) 5682. ש 5682
[12] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 1: Segensspruch als Antwort auf Tod oder Tradgödie. Genau genommen sind die Worte Teil des vollständigen Segensspruchs ברוך אתה אדני אלהינו מלך העולם דיין האמת “Gepriesen seist du Gott, unser Herr, König der Welt, der wahre Richter”.

Zeile 5: Abkürzung für נוחו עדן “seine Ruhe sei Wonne (= Eden)”, נפשו עדן “seine Seele Wonne (= Eden), oder נשמתו עדן mit derselben Bedeutung.

Zeile 6: Abkürzung für יבנה עיר אלהים .

Zeile 7: Exodus 2,22 und Exodus 18,3 בארץ נכריה .

Zeile 8b-9a: Besten Dank an Claudia Markovits Krempke für die Hilfe!

Zeile 10: Ungewöhnliche Wortstellung und Schreibung: Zu erwarten wäre etwa: ביום ז לח אב.

Zeile 12: Die Schlusseulogie ist in der Inschrift in Zeile 11 geschrieben, was natürlich keinen Sinn macht.

Headerbild: Wikipedia


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Inschriften in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf

Im Gebäude der ehemaligen Synagoge Kobersdorf, die 2019 vom Land Burgenland gekauft wurde, befinden sich (unter anderem natürlich) auch folgende zwei Inschriften: Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im…

Im Gebäude der ehemaligen Synagoge Kobersdorf, die 2019 vom Land Burgenland gekauft wurde, befinden sich (unter anderem natürlich) auch folgende zwei Inschriften:

Inschrift über der Nische für das Handwaschbecken im Vorraum


Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über dem Handwaschbecken im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner

Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über dem Handwaschbecken im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner


Die Inschrift

Inschrift Handwaschbecken Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite deinen Altar, Herr. ארחץ בנקיון כפי ואסבבה את מזבחך יהוה


Anmerkung

Es handelt sich bei der Inschrift um ein wörtliches Zitat von Psalm 26,6.


Inschrift über der Spendenbüchse im Vorraum


Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über den beiden Spendenboxen im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner

Ehemalige Synagoge Kobersdorf, Inschrift über der Spendenbüchse im Vorraum. Foto: Erwin Hausensteiner


Die Inschrift

Inschrift Spendenboxen Synagoge Kobersdorf: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] […im] Land Israel […] […ב]ארץ ישראל […]


Anmerkung

Da “im Land Israel” oder besser, schlicht “in Israel” wenig Sinn macht, außerdem es nach “Israel” so aussieht, als würde dort noch ein Buchstabe geschrieben gewesen sein, müsste sowohl vorne als auch hinten noch Text fehlen. Da ich nur die Fotos besitze, kann ich nicht beurteilen, ob die fehlenden Buchstaben bzw. Wörter eventuell freigelegt werden können.


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Kolisch Adolf – 18. Oktober 1878

Adolf (Aron) Kolisch, 21. Tischre 639 (Schmini Atzeret) (= Freitag, 18. Oktober 1878) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Korycany (Tschechien). Die hebräische Grabinschrift Inschrift Adolf Kolisch: Zeilengerechte Transkription…

Adolf (Aron) Kolisch, 21. Tischre 639 (Schmini Atzeret) (= Freitag, 18. Oktober 1878)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Korycany (Tschechien).



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Adolf Kolisch: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה נטמן
[2] d(er ehrbare) H(err) Aaron, Sohn d(es ehrbaren) H(errn) Mose Jehuda כה אהרן בן כה משה יהודה
[3] Kolisch, d(as Andenken des Gerechten) m(öge bewahrt werden). קאליש ז”ל
[4] Er verstarb in gutem Ruf zu Schmini Atzeret (= 21. Tischre) נפטר בשם טוב ביום שמיני עצרת
[5] 639 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרלט לפ”ק
[6] Aron ging Mose entgegen und seine gute Tat אהרן הלך לקראת משה ומצותו
[7] legte er vor G(ott) hin im heiligen Gewand, sie war wie seine Gerechtigkeit. קרב לפני ה בבגד קדש היא תמותו
[8] Sein Herz hob hoch die Namen der Israeliten mit seiner Liebe לבו נשא שמות בני ישראל באהבה
[9] Er gab Brot den Armen und spendete ihnen seine Hilfe. יתן פתה לעניים ונתן להם עזרתו
[10] Zu Schmini Atzeret nahm ihn Gott zu sich. Er wird leben. שמיני עצרת לקחו אל ובחיים היתו
[11] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”



Anmerkungen

Zeile 7: S. Exodus 31,10: ואת בגדי הקדש “die heiligen Gewänder” oder “Priestergewänder”, was darauf hindeuten könnte, dass Adolf Kolisch Kohen war.

Zeile 6 horizontal und Zeile 7-10 vertikal: Akrostychon: Das erte Wort in Zeile 6 sowie die Anfangsbuchstaben der Zeilen 7-10 ergeben den hebräischen Vornamen und den Nachnamen des Verstorbenen (Aron Kolisch). Allerdings wird im Akrostychon “Kolisch” ohne א geschrieben, im Gegensatz zu Zeile 3: קאליש.


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Neufeld Carl – 07. November 1889

Carl (Koppl) Neufeld, 13. Marcheschwan 650 (= Donnerstag, 07. November 1889) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz. Die Grabinschrift Inschrift Carl Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier…

Carl (Koppl) Neufeld, 13. Marcheschwan 650 (= Donnerstag, 07. November 1889)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.



Die Grabinschrift

Inschrift Carl Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] ein edelmütiger Mann und von Herzen איש יקר רוח ונדיב
[3] freigiebig. Den Armen und den Bedürftigen לב לעניים ולאביונים
[4] gegenüber war seine Hand geöffnet. Es ist der ידו היתה פתוחה ה”ה
[5] e(hrbare) H(err), H(err) Koppl, הרר קאפל
[6] Sohn d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Salomon בן הרר שלמה
[7] Neufeld. נייפעלד
[8] Er ging in seine Welt am 13. הלך לעולמו יג
[9] Marcheschwan 650 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). מרחשון תרן לפ”ק
[10] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”



Anmerkungen

Zeile 2/3: Exodus 35,22 נדיב לב.


Biografische Notizen

Carl (Koppl) Neufeld, geb. 08. Jänner 1849 in Lackenbach, Kaufmann, geh. ca. 1875 (“verheiratet 14 1/4 Jahre”), gest. 13. Marcheschwan 650 = Donnerstag, 07. November 1889 in Radegund 7 an Rippenfell- und Lungenentzündung, Luftröhrenerweiterung, Lugenlähmung, begraben 8. November 1889 am jüdischen Friedhof Graz.

Vater: Salo(mon) Neufeld
Mutter: Regy Pardon


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Biller Benedict / Biller Charlotte, geb. Schwartz – 29. März 1893 / 13. Mai 1892

Benedict (Baruch) Biller, 12. Nisan 653 (= Mittwoch, 29. März 1893) / Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz, 16. Ijjar 652 (= Freitag, 13. Mai 1892) Der Grabstein befindet sich am…

Benedict (Baruch) Biller, 12. Nisan 653 (= Mittwoch, 29. März 1893) / Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz, 16. Ijjar 652 (= Freitag, 13. Mai 1892)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.

Grabstein Charlotte (Schöndel) und Benedict (Baruch) Biller, 16. Ijjar 652 (=13. Mai 1892) und 12. Nisan 653 (= 29. März 1893)

Grabstein Charlotte (Schöndel) und Benedict (Baruch) Biller, 16. Ijjar 652 (=13. Mai 1892) und 12. Nisan 653 (= 29. März 1893), Foto: Mag. Dr. Karin Haas-Trummer



Die hebräische Grabinschrift – Benedict (Baruch) Biller

Inschrift Benedict Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] ein rechtschaffener und getreuer Mann, der Vornehme, der erhabene Wohltäter, איש ישר ונאמן הקצין הנדיב הנעלה
[3] d(er ehrbare) H(err), H(err) Baruch Biller, הר”ר ברוך ביללער
[4] einer der Vorsteher d(er heiligen jüdischen) G(emeinde) und Haupt und Leiter der Chevra אחד מגבאים דק”ק וראש ומנהיג החברא
[5] Kadischa. Er ging in seine Welt am 12. Nisan 653 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). קדישא הלך לעולמו י”ב ניסן תר”נג לפ”ק
[6] Durch die Arbeit an wohltätigen Liebesdiensten starb er den Tod der Gerechten. בעבודת גמילת חסדים מת מות ישרים
[7] Ein tatenreicher Mann war er, wohl bekannt in den Toren. רב פעלים היה הלא נודע בשערים
[8] Er gab von seinem Brot dem Armen und war mit Freude gastfreundlich. ונתן מלחמו לדל והכנס אורחים בגילה
[9] Denn mit seiner Freigiebigkeit wirkte er zum Lob und zum Preis. כי בנדיבת לבו עשה לשם ולתהלה
[10] Mit Jammern hören wir die Stimme über seinen Verlust. Ihm ein Prachtgewand ביללה קול נשמע על אבדון אדרת
[11] anzufertigen, damit wir nichts sähen außer Herrlichkeit. לערוך לו בל ראינו חין תפארת
[12] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Die hebräische Grabinschrift – Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz

Inschrift Charlotte Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] eine tüchtige Frau, die Bescheidene und Fromme, אשת חיל הצנועה והחסודה
[3] F(rau) Schöndel Biller, מ’ שינדל ביללער
[4] Tochter d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Beer Schwartz. Es ging hinweg בת הר”ר בער שווארץ יצאה
[5] ihre Seele in Reinheit am 16. Ijjar 652 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נשמתה בטהרה ט”ז אייר תר”נב לפ”ק
[6] Ein guter Name ist besser als Salböl, sie hinterließ nach ihr die Redlichkeit. שם משמן טוב עזבה אחריה הישרה
[7] Sie stieg hinab zur Erde, teuer wie die Sonne und klar wie der Mond. ירדה לארץ יקרה כחמה וכלבנה ברה
[8] Die gebeugte Seele sättigte sie und ihre Hände unterstützten die Bedürftigen. נפש נענה השביעה וכפיה תמכו אביונים
[9] Ihre Türen waren offen für die Armen und unter denen, die an ihrem Tisch aßen, waren Waisen. דלתותיה פתוחות לעניים ובאכלי שלחנה יתומים
[10] Ihrem Ehemann war sie ein Halt und ihren Kindern eine verständige Mutter. לבעלה היתה משענת ולבניה אם משכלת
[11] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Anmerkungen

Grundsätzlich gilt für beide Grabinschriften, dass der hebräische Text nur zu einem Teil stereotyp ist und man sich sehr bemühte, eine schöne und dem Verstorbenen / der Verstorbenen gerecht werdende Grabinschrift zu verfassen. Dabei werden bei Charlotte Biller mehr Zitate aus der hebräischen Bibel bzw. dem babylonischen Talmud genommen als bei Benedict. Seine Grabinschrift wirkt bis auf wenige eher stereotype Zitate aus der hebräischen Bibel und der jüdischen Traditionsliteratur, insbesondere in Zeile 6 und besonders in Zeile 10 und 11, eher frei und kreativ.
Die sehr schöne und zumindest am jüdischen Friedhof Graz auffällige Grabsteinarchitektur des Doppelgrabes spricht sicher für einen gewissen Wohlstand der Familie und letztlich auch für assimilatorische Tendenzen. Gleichwohl legte man offensichtlich darauf Wert zu zeigen, dass man doch sehr in der orthodoxen Tradition verortet war.


Anmerkungen hebräische Inschrift Baruch Biller

Zeile 7: Sprüche 31,23 נודע בשערים.

2 Samuel 23,20; 1 Chronik 11,22 רב פעלים. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 18b beschreibt den “tatenreichen Mann” als einen, der Taten für die Tora mehrte und sammelte. “Rav Pe’alim” ist auch der Titel eines alphabetischen Indexes aller ihm bekannten Midraschim von Abraham ben Elijah von Wilna (ca. 1750 – 1808), Sohn des Gaon von Wilna (Warschau 1894, New York 1958/59, Tel Aviv 1967?).

Zeile 9: Vgl. Jeremia 13,11 “…(das Haus Juda soll mir werden)…zum Namen, zum Preis und zum Ruhm…” …ולשם ולתהלה ולתפארת…; vgl. bes. auch Deuteronomium 26,19.

Zeile 10/11: Besten Dank an Claudia Markovits Krempke für die Übersetzungshilfe von Zeile 10b und 11!

Zeile 6-11: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen bzw. die ersten drei Buchstaben in Zeile 10 und 11 ergeben den hebräischen Vor- und den Zunamen des Verstorbenen (Baruch Biller).


Anmerkungen hebräische Inschrift Schöndel Biller

Zeile 2: Vgl. Sprüche 12,4 אשת חיל עטרת בעלה.

Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a. und Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 6: Kohelet 7,1 טוב שם משמן טוב.

Zeile 7: Vgl. Hohelied 6,10: יפה כלבנה ברה כחמה “Schön wie der Mond, klar wie die Sonne”.

Zeile 8: Jesaja 58,10 ונפש נענה תשביע.

Zeile 9: S. 2 Samuel 19,19 und 1 Könige 2,7: באכלי שלחנך.

Zeile 10: Vgl. Sprüche 19,14 u.a. אשה משכלת.

Zeile 6-10: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (Schöndel).


Biografische Notizen

Benedict (Baruch) Biller, geb. 1820/21 in Güssing, Kaufmann, später Fabriksbesitzer, gest. 12. Nisan 653 = Mittwoch, 29. März 1893 in Graz an organischem Herzfehler

Eintrag Sterbebuch Graz, Benedict Biller, 29. März 1893

Eintrag Sterbebuch Graz, Benedict Biller, 29. März 1893



Vater von Benedict: Moses Biller (zum Zeitpunkt der Hochzeit von Benedict bereits verstorben)
Mutter von Benedict: Elisabeth (Biller) (zum Zeitpunkt der Hochzeit von Benedict bereits verstorben)

Ehefrau: Charlotte (Schöndel) Schwartz, geb. 1828 in Güssing, gest. 16. Ijjar 652 = Freitag, 13. Mai 1892 in Graz an Rotlauf

Eintrag Sterbebuch Graz, Charlotte Biller, 13. Mai 1892

Eintrag Sterbebuch Graz, Charlotte Biller, 13. Mai 1892



Vater von Charlotte: Bernhard (Beer) Schwartz
Mutter von Charlotte: Johanna (Schwartz)

Hochzeit Benedict Biller und Charlotte Schwartz am 20. April 1851 in Güssing:

Eintrag Hochzeitsbuch Güssing, Benedict Biller und Charlotte Schwartz, 29. April 1851

Eintrag Hochzeitsbuch Güssing, Benedict Biller und Charlotte Schwartz, 29. April 1851



Söhne:

Bernhard (Baruch) Biller, geb. 16. Jänner 1863 in Güssing, gest. 10. Februar 1937 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof in Graz

Emil Biller, geb. 23. November 1871 in Graz, geheiratet, vermutlich 1902, Malvine Kugel, Tochter des Leopold Kugel, geb. 1846 in Trencin, gest. 1934, begraben am jüdischen Friedhof in Abbazia

Eintrag Geburtsbuch Graz, Emil Biller, 23. November 1871

Eintrag Geburtsbuch Graz, Emil Biller, 23. November 1871


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