Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Cheder

Kolisch Adolf – 18. Oktober 1878

Adolf (Aron) Kolisch, 21. Tischre 639 (Schmini Atzeret) (= Freitag, 18. Oktober 1878) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Korycany (Tschechien). Die hebräische Grabinschrift Inschrift Adolf Kolisch: Zeilengerechte Transkription…

Adolf (Aron) Kolisch, 21. Tischre 639 (Schmini Atzeret) (= Freitag, 18. Oktober 1878)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Korycany (Tschechien).



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Adolf Kolisch: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ist geborgen פה נטמן
[2] d(er ehrbare) H(err) Aaron, Sohn d(es ehrbaren) H(errn) Mose Jehuda כה אהרן בן כה משה יהודה
[3] Kolisch, d(as Andenken des Gerechten) m(öge bewahrt werden). קאליש ז”ל
[4] Er verstarb in gutem Ruf zu Schmini Atzeret (= 21. Tischre) נפטר בשם טוב ביום שמיני עצרת
[5] 639 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרלט לפ”ק
[6] Aron ging Mose entgegen und seine gute Tat אהרן הלך לקראת משה ומצותו
[7] legte er vor G(ott) hin im heiligen Gewand, sie war wie seine Gerechtigkeit. קרב לפני ה בבגד קדש היא תמותו
[8] Sein Herz hob hoch die Namen der Israeliten mit seiner Liebe לבו נשא שמות בני ישראל באהבה
[9] Er gab Brot den Armen und spendete ihnen seine Hilfe. יתן פתה לעניים ונתן להם עזרתו
[10] Zu Schmini Atzeret nahm ihn Gott zu sich. Er wird leben. שמיני עצרת לקחו אל ובחיים היתו
[11] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”



Anmerkungen

Zeile 7: S. Exodus 31,10: ואת בגדי הקדש “die heiligen Gewänder” oder “Priestergewänder”, was darauf hindeuten könnte, dass Adolf Kolisch Kohen war.

Zeile 6 horizontal und Zeile 7-10 vertikal: Akrostychon: Das erte Wort in Zeile 6 sowie die Anfangsbuchstaben der Zeilen 7-10 ergeben den hebräischen Vornamen und den Nachnamen des Verstorbenen (Aron Kolisch). Allerdings wird im Akrostychon “Kolisch” ohne א geschrieben, im Gegensatz zu Zeile 3: קאליש.


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Neufeld K/Carl – 07. November 1889

Karl/Carl (Koppl) Neufeld, 13. Marcheschwan 650 (= Donnerstag, 07. November 1889) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz. Die Grabinschrift Inschrift Carl Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier…

Karl/Carl (Koppl) Neufeld, 13. Marcheschwan 650 (= Donnerstag, 07. November 1889)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.



Die Grabinschrift

Inschrift Carl Neufeld: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] ein edelmütiger Mann und von Herzen איש יקר רוח ונדיב
[3] freigiebig. Den Armen und den Bedürftigen לב לעניים ולאביונים
[4] gegenüber war seine Hand geöffnet. Es ist der ידו היתה פתוחה ה”ה
[5] e(hrbare) H(err), H(err) Koppl, הרר קאפל
[6] Sohn d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Salomon בן הרר שלמה
[7] Neufeld. נייפעלד
[8] Er ging in seine Welt am 13. הלך לעולמו יג
[9] Marcheschwan 650 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). מרחשון תרן לפ”ק
[10] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”



Anmerkungen

Zeile 2/3: Exodus 35,22 נדיב לב.


Biografische Notizen

Karl/Carl (Koppl) Neufeld, geb. 08. Jänner 1849 in Lackenbach, Kaufmann, geh. ca. 1875 (“verheiratet 14 1/4 Jahre”), gest. 13. Marcheschwan 650 = Donnerstag, 07. November 1889 in Radegund 7 an Rippenfell- und Lungenentzündung, Luftröhrenerweiterung, Lungenlähmung, begraben am 08. November 1889 am jüdischen Friedhof Graz

Vater: Salo(mon) Neufeld, gest. 04. Dezember 1885, begraben am jüdischen Friedhof Graz
Mutter: Regy Pardon (wahrscheinlich ein Fehleintrag, sollte wohl Rosi bzw. Rachel Preis heißen), gest. 23. Oktober 1894, begraben am jüdischen Friedhof Graz

Bruder: Ignatz (Nachum) Neufeld, geb. 20. Februar 1842, gest. 06. April 1907, begraben am jüdischen Friedhof Graz


Ehefrau: Theresia Adam, aus Deutschlandsberg

Laut Eheschließungs-Protokoll vom 2. September 1875, G.Z. 3346 wurde die Ehe zwischen Karl Neufeld, Israelit, u. Theresia Adam, konfessonslos, vor dem Stadtrate Graz in Gegenwart des Bürgermeisters geschlossen. Erst am 17. Mai 1876 angezeigt (Zusatz auf dem Geburtseintrag von Sohn Leopold, s.u.)

Anmerkung zur Hochzeit von Karl Neufeld und Theresia Adam auf Eintrag Geburtsbuch Leopold Neufeld

Anmerkung zur Hochzeit von Karl Neufeld und Theresia Adam auf Eintrag Geburtsbuch Leopold Neufeld



Sohn: Leopold Neufeld, geb. 10. Mai 1876 in Graz

Eintrag Geburtsbuch Graz, Leopold Neufeld, 10. Mai 1876

Eintrag Geburtsbuch Graz, Leopold Neufeld, 10. Mai 1876


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Biller Benedict / Biller Charlotte, geb. Schwartz – 29. März 1893 / 13. Mai 1892

Benedict (Baruch) Biller, 12. Nisan 653 (= Mittwoch, 29. März 1893) / Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz, 16. Ijjar 652 (= Freitag, 13. Mai 1892) Der Grabstein befindet sich am…

Benedict (Baruch) Biller, 12. Nisan 653 (= Mittwoch, 29. März 1893) / Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz, 16. Ijjar 652 (= Freitag, 13. Mai 1892)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Graz.

Grabstein Charlotte (Schöndel) und Benedict (Baruch) Biller, 16. Ijjar 652 (=13. Mai 1892) und 12. Nisan 653 (= 29. März 1893)

Grabstein Charlotte (Schöndel) und Benedict (Baruch) Biller, 16. Ijjar 652 (=13. Mai 1892) und 12. Nisan 653 (= 29. März 1893), Foto: Mag. Dr. Karin Haas-Trummer



Die hebräische Grabinschrift – Benedict (Baruch) Biller

Inschrift Benedict Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] ein rechtschaffener und getreuer Mann, der Vornehme, der erhabene Wohltäter, איש ישר ונאמן הקצין הנדיב הנעלה
[3] d(er ehrbare) H(err), H(err) Baruch Biller, הר”ר ברוך ביללער
[4] einer der Vorsteher d(er heiligen jüdischen) G(emeinde) und Haupt und Leiter der Chevra אחד מגבאים דק”ק וראש ומנהיג החברא
[5] Kadischa. Er ging in seine Welt am 12. Nisan 653 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). קדישא הלך לעולמו י”ב ניסן תר”נג לפ”ק
[6] Durch die Arbeit an wohltätigen Liebesdiensten starb er den Tod der Gerechten. בעבודת גמילת חסדים מת מות ישרים
[7] Ein tatenreicher Mann war er, wohl bekannt in den Toren. רב פעלים היה הלא נודע בשערים
[8] Er gab von seinem Brot dem Armen und war mit Freude gastfreundlich. ונתן מלחמו לדל והכנס אורחים בגילה
[9] Denn mit seiner Freigiebigkeit wirkte er zum Lob und zum Preis. כי בנדיבת לבו עשה לשם ולתהלה
[10] Mit Jammern hören wir die Stimme über seinen Verlust. Ihm ein Prachtgewand ביללה קול נשמע על אבדון אדרת
[11] anzufertigen, damit wir nichts sähen außer Herrlichkeit. לערוך לו בל ראינו חין תפארת
[12] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Die hebräische Grabinschrift – Charlotte (Schöndel) Biller, geb. Schwartz

Inschrift Charlotte Biller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] eine tüchtige Frau, die Bescheidene und Fromme, אשת חיל הצנועה והחסודה
[3] F(rau) Schöndel Biller, מ’ שינדל ביללער
[4] Tochter d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Beer Schwartz. Es ging hinweg בת הר”ר בער שווארץ יצאה
[5] ihre Seele in Reinheit am 16. Ijjar 652 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נשמתה בטהרה ט”ז אייר תר”נב לפ”ק
[6] Ein guter Name ist besser als Salböl, sie hinterließ nach ihr die Redlichkeit. שם משמן טוב עזבה אחריה הישרה
[7] Sie stieg hinab zur Erde, teuer wie die Sonne und klar wie der Mond. ירדה לארץ יקרה כחמה וכלבנה ברה
[8] Die gebeugte Seele sättigte sie und ihre Hände unterstützten die Bedürftigen. נפש נענה השביעה וכפיה תמכו אביונים
[9] Ihre Türen waren offen für die Armen und unter denen, die an ihrem Tisch aßen, waren Waisen. דלתותיה פתוחות לעניים ובאכלי שלחנה יתומים
[10] Ihrem Ehemann war sie ein Halt und ihren Kindern eine verständige Mutter. לבעלה היתה משענת ולבניה אם משכלת
[11] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Anmerkungen

Grundsätzlich gilt für beide Grabinschriften, dass der hebräische Text nur zu einem Teil stereotyp ist und man sich sehr bemühte, eine schöne und dem Verstorbenen / der Verstorbenen gerecht werdende Grabinschrift zu verfassen. Dabei werden bei Charlotte Biller mehr Zitate aus der hebräischen Bibel bzw. dem babylonischen Talmud genommen als bei Benedict. Seine Grabinschrift wirkt bis auf wenige eher stereotype Zitate aus der hebräischen Bibel und der jüdischen Traditionsliteratur, insbesondere in Zeile 6 und besonders in Zeile 10 und 11, eher frei und kreativ.
Die sehr schöne und zumindest am jüdischen Friedhof Graz auffällige Grabsteinarchitektur des Doppelgrabes spricht sicher für einen gewissen Wohlstand der Familie und letztlich auch für assimilatorische Tendenzen. Gleichwohl legte man offensichtlich darauf Wert zu zeigen, dass man doch sehr in der orthodoxen Tradition verortet war.


Anmerkungen hebräische Inschrift Baruch Biller

Zeile 7: Sprüche 31,23 נודע בשערים.

2 Samuel 23,20; 1 Chronik 11,22 רב פעלים. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 18b beschreibt den “tatenreichen Mann” als einen, der Taten für die Tora mehrte und sammelte. “Rav Pe’alim” ist auch der Titel eines alphabetischen Indexes aller ihm bekannten Midraschim von Abraham ben Elijah von Wilna (ca. 1750 – 1808), Sohn des Gaon von Wilna (Warschau 1894, New York 1958/59, Tel Aviv 1967?).

Zeile 9: Vgl. Jeremia 13,11 “…(das Haus Juda soll mir werden)…zum Namen, zum Preis und zum Ruhm…” …ולשם ולתהלה ולתפארת…; vgl. bes. auch Deuteronomium 26,19.

Zeile 10/11: Besten Dank an Claudia Markovits Krempke für die Übersetzungshilfe von Zeile 10b und 11!

Zeile 6-11: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen bzw. die ersten drei Buchstaben in Zeile 10 und 11 ergeben den hebräischen Vor- und den Zunamen des Verstorbenen (Baruch Biller).


Anmerkungen hebräische Inschrift Schöndel Biller

Zeile 2: Vgl. Sprüche 12,4 אשת חיל עטרת בעלה.

Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a. und Schabbat 53b צנועה אשה.

Zeile 6: Kohelet 7,1 טוב שם משמן טוב.

Zeile 7: Vgl. Hohelied 6,10: יפה כלבנה ברה כחמה “Schön wie der Mond, klar wie die Sonne”.

Zeile 8: Jesaja 58,10 ונפש נענה תשביע.

Zeile 9: S. 2 Samuel 19,19 und 1 Könige 2,7: באכלי שלחנך.

Zeile 10: Vgl. Sprüche 19,14 u.a. אשה משכלת.

Zeile 6-10: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben dieser Zeilen ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (Schöndel).


Biografische Notizen

Benedict (Baruch) Biller, geb. 1820/21 in Güssing, Kaufmann, später Fabriksbesitzer, gest. 12. Nisan 653 = Mittwoch, 29. März 1893 in Graz an organischem Herzfehler

Eintrag Sterbebuch Graz, Benedict Biller, 29. März 1893

Eintrag Sterbebuch Graz, Benedict Biller, 29. März 1893



Vater von Benedict: Moses Biller (zum Zeitpunkt der Hochzeit von Benedict bereits verstorben)
Mutter von Benedict: Elisabeth (Biller) (zum Zeitpunkt der Hochzeit von Benedict bereits verstorben)

Ehefrau: Charlotte (Schöndel) Schwartz, geb. 1828 in Güssing, gest. 16. Ijjar 652 = Freitag, 13. Mai 1892 in Graz an Rotlauf

Eintrag Sterbebuch Graz, Charlotte Biller, 13. Mai 1892

Eintrag Sterbebuch Graz, Charlotte Biller, 13. Mai 1892



Vater von Charlotte: Bernhard (Beer) Schwartz
Mutter von Charlotte: Johanna (Schwartz)

Hochzeit Benedict Biller und Charlotte Schwartz am 20. April 1851 in Güssing:

Eintrag Hochzeitsbuch Güssing, Benedict Biller und Charlotte Schwartz, 29. April 1851

Eintrag Hochzeitsbuch Güssing, Benedict Biller und Charlotte Schwartz, 29. April 1851



Söhne:

Bernhard (Baruch) Biller, geb. 16. Jänner 1863 in Güssing, gest. 10. Februar 1937 in Graz, begraben am jüdischen Friedhof in Graz

Emil Biller, geb. 23. November 1871 in Graz, geheiratet, vermutlich 1902, Malvine Kugel, Tochter des Leopold Kugel, geb. 1846 in Trencin, gest. 1934, begraben am jüdischen Friedhof in Abbazia

Eintrag Geburtsbuch Graz, Emil Biller, 23. November 1871

Eintrag Geburtsbuch Graz, Emil Biller, 23. November 1871


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Jeiteles Mordechai / Jeiteles Alexander Sahlkind – 21. März 1875 / 14. Februar 1833

Markus (Mordechai) Jeiteles, 14. Adar II 635 (= Sonntag, 21. März 1875) / Alexander Sahlkind Jeiteles, 25. Schvat 593 (= Donnerstag, 14. Februar 1833) Der Grabstein befindet sich am jüdischen…

Markus (Mordechai) Jeiteles, 14. Adar II 635 (= Sonntag, 21. März 1875) / Alexander Sahlkind Jeiteles, 25. Schvat 593 (= Donnerstag, 14. Februar 1833)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Temeschwar = Timișoara im westlichen Rumänien.

Alle Fotos: Dipl.-Kfm. Georg Gaugusch, Wien.

Grabstein Marcus (Mordechai) Jeiteles / Alexander (Sahlkind) Jeiteles, 14. Adar II 635 = Sonntag, 21. März 1875 / 25. Schvat 593 = Donnerstag, 14. Februar 1833nder (Sahlkind) Jeiteles

Grabstein Marcus (Mordechai) Jeiteles / Alexander (Sahlkind) Jeiteles, 14. Adar II 635 = Sonntag, 21. März 1875 / 25. Schvat 593 = Donnerstag, 14. Februar 1833



Grabstein Marcus (Mordechai) Jeiteles und Alexander (Sahlkind) Jeiteles, Detail Kopf

Grabstein Marcus (Mordechai) Jeiteles und Alexander (Sahlkind) Jeiteles, Detail Kopf



Die Grabinschrift

Kopf

Inschrift JeitelesMA: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Zeuge sei dieser Steinhaufen עד גל הזה
[2] über den darunter Weilenden. על השוכן תחתיו

Mittlerer großer Bogen

Inschrift JeitelesMAB: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Jeiteles ייטעלעס

Rechte Spalte

Inschrift JeitelesMAR: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] D(er ehrbare) H(err) Mordechai. כה מרדכי
[2] Die Tage seines Lebens waren ein- יהיו ימי חייו אחד
[3] undsiebzig Jahre. Er ging um zu leuchten ושבעים שנה הלך לאור
[4] im Licht des Lebens am Sonntag, 14. באור חהיים יום א יד
[5] Adar II 635 n(ach der kleinen Zeitrechnung). אדר שני ש’ תרלה ל
[6] Mordechai wusste alles, was ומרדכי ידע את כל אשר
[7] geschehen war. Er wirkte Wohltaten und führte sie aus. נעשה פעל צדקות ועשה
[8] Er war einer der Gemeinde- הוא הי’ אחד ממנה[ליה]
[9] [leiter]. Er war befasst mit den Anliegen der Gemeinschaft קהלה ועסק בצרכי צבור
[10] in Treue zur Zierde der Synagoge, באמונה לפאר בית הכנסת
[11] um die Bedürfnisse vieler zu regeln. ולתקן צרכי רבים
[12] Der Pfeil des Allmächtigen in den Augen der Mächtigen, וחצו ה’ בעיני השרים
[13] rettete er viele vor dem Schwert. והציל רבים מחרב
[14] Viel Gutes wurde getan הרבה טובות נעשים
[15] durch seine Hand. Seine Söhne und seine Töchter על ידו ובניו ובנותיו
[16] leitete er, dass sie getragen werden mögen durch die Hilfe הדריך להנשאם בעזר
[17] G(ottes) auf den Höhen des Erfolgs. ה על במתי הצלחה
[18] In seiner schweren Krankheit erduldete er ובחליו הקשה סבל
[19] Leiden in Liebe und wandte sich יסורין באהבה וחיל[ו…]
[20] seinem Gott zu in Treue. את אלהיו באמונה
[21] Er schied hin und ward eingesammelt zu seinem Volk. ויגוע ויאסף אל עמיו
[22] Sein Geist wird wohnen bei seinem Gott. הרוח ישוב אל אלהיו

Linke Spalte

Inschrift JeitelesMAL: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] D(er ehrbare) H(err) כה
[2] Alexander אלכסאנדר
[3] Sahlkind Jeiteles. זאהלקינד ייטעלעס
[4] E(r starb) u(nd wurde begraben) am 25. Schvat 693 n(ach der kleinen Zeitrechnung), נ”ו כה שבט תרצג ל
[5] (25) Jahre alt war er. ימי חייו היו
[6] Mehr als 70 Jahre (war Mordechai) יותר משבעים שנה
[7] ein getreuer Mann, der friedlich wandelte. איש אמונים הלך בדון
[8] Im Guten und Aufrechten wankte er nicht. טובים וישרים לא מט
[9] Er ging abends und morgens רגלו מלכת ערב ובוקר
[10] um in der S(ynagoge) der erste unter להיות ב”בה”כנ מעשרה
[11] den zehn zu sein, um auszuschütten seine Klage ראשונים לשפוך שיחו
[12] vor G(ott). Die Summe seiner Tage beendete er לפני ה” סך ימיו השלים
[13] mit seinem Werk und er erfreute sich an seiner Hände במלאכתו ונהנה מיגיע
[14] Arbeit. Seine Herzensgüte zeigte sich כפו ונדבת לבו הראה
[15] entsprechend seiner Fähigkeiten. Nun כפי יכולתו ועתה
[16] ist er hier eingehüllt ins Totenhemd, הנה הוא לוטה בשמלה
[17] und sein Geist stieg nach oben. ורוחו עלה למעלה

Mittig unter beiden Spalten

Inschrift JeitelesMALU: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] I(hre) S(eelen) m(ögen eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”

Sockel

Inschrift JeitelesMALS: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] MARCUS JEITELES,
[2] den 14t[en] Weadar 5635.


Anmerkungen

Die Anordnung der hebräischen Grabinschrift ist merkwürdig, vor allem weil in der linken Spalte oben in den ersten 5 Zeilen ein zweiter Bestatteter erwähnt wird: Alexander Sahlkind Jeiteles, der mit 25 Jahren verstorben ist. Und nach diesen 5 Zeilen wieder die Inschrift für Mordechai fortgesetzt wird.

Vor allem aus 2 Gründen dürfen wir davon ausgehen, dass der Vorname Alexander nicht der zweite Vorname von Mordechai (Marcus) ist, sondern zu Sahlkind Jeiteles gehört:

  1. Die auch als Trennlinie zwischen den Spalten dienende Trennlinie trennt die Vornamen Mordechai und Alexander, umschließt aber den Nachnamen Jeiteles.
  2. Der ehrende Titel “der ehrbare Herr” wurde offenbar nachträglich (weil vergessen?) etwas schlampig oberhalb des Namens Alexander hinzugefügt. Wäre Alexander der zweite Vorname von Mordechai, müsste das כה “der ehrbare Herr” jedenfalls vor Sahlkind, und nicht vor Alexander stehen.

Interessant auch, dass es keine weiteren Attribute oder gar eine Eulogie zu Alexander Sahlkind Jeiteles gibt.

Kopf:

Zeile 1: Gen 31,52.

Rechte Spalte:

Zeile 3/4: Hiob 33,30.

Zeile 4/5: Die hebräischen Buchstaben für die Zahl “14” יד sind groß geschrieben, offenbar weil deutlich darauf hingewiesen werden soll, dass es sich um den ersten Tag von Purim handelt. Deshalb auch das Zitat aus Ester in Zeile 6 (das biblische Buch Ester wird zum Purimfest gelesen).

Zeile 6: Ester 4,1 ומרדכי ידע את כל אשר נעשה ו…. Siehe Anmerkung zu Zeile 4/5.

Zeile 12: Siehe Ijob 6,4 כי חצי שדי עמדי… “die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir”.

Zeile 20: Ligatur von א und ל in אלהיו.

Zeile 21: Vgl. Genesis 49,33 u.a. “(Jakob) verschied und wurde mit seinen Vorfahren vereint” (wörtl.: “…zu seinen Vorfahren eingesammelt”) …ויגוע ויאסף אל עמיו.

Zeile 22: Wörtl.: “Der Geist…”.

Linke Spalte:

Zeile 1: כה “Der ehrbare Herr” wirkt nachträglich schlampig eingefügt.

Zeile 2: Ligatur von א und ל in אלכסאנדר.

Zeile 3: Der hebräische Vorname “Sahlkind” mit “h” ist ungewöhnlich bzw. mir noch nicht untergekommen.

Zeile 4: In der hebräischen Inschrift lesen wir klar תרצג 693. Der 25. Schvat 693 wäre der 21. Februar 1933, was so gut wie nicht in Frage kommt. Es muss sich also um eine Verschreibung handeln und תקצג heißen, also 25. Schvat 593 = 14. Februar 1833.

Zeile 5: Wört.: “waren die Tage seines Lebens”. Bezieht sich auf das großgeschriebene Tagesdatum 25 in Zeile 4. Alexander Sahlkind Jeiteles starb mit 25 Jahren.

Zeile 6: Ab dieser Zeile setzt sich die Inschrift für Mordechai Jeiteles fort.

Zeile 9: Wörtl. etwa: “Sein Fuß wandelte abends und morgens”.

Zeile 10/11: Mit “der erste unter den zehn” ist natürlich der Minjan gemeint, also die zehn Männer, die notwendig sind, damit ein Gemeindegebet und ein Gottesdienst stattfinden können.

Zeile 11: S. Psalm 142,3: אשפך לפניו שיחי “Ich schütte vor ihm meine Klage aus”.

Zeile 13/14: S. Psalm 128,2 “Was deine Hände erwarben, kannst du genießen (wörtl.: ‘essen’); Heil dir, es wird dir gut gehen” יגיע כפיך כי תאכל אשריך וטוב לך. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 8a: “…Größer ist, wer von seiner Arbeit genießt, als der Gottesfürchtige…Heil dir in dieser Welt und wohl dir in der zukünftigen…” …גדול הנהנה מיגיעו יותור מירא שמים…אשריך בעולם הזה וטוב לך לעולם הבא…; s. auch Traktat Chullin 44b.

Zeile 16: Wörtl.: “Umwurf / Kleid”. Vgl. 1 Samuel 21,10: הנה היא לוטה בשמלה “(das Schwert) ist hier, eingehüllt in einen Mantel / ein Kleid”.


Biografische Notizen

Marcus (Mordechai) Jeiteles, geb. ca. 1804, gest. 14. Adar II 635 = Sonntag, 21. März 1875 mit 71 Jahren in Temeschwar (Timișoara, Westrumänien).

Bruder (sehr wahrscheinlich): Alexander (Sahlkind) Jeiteles, geb. ca. 1808, gest. 25. Schvat 593 = Donnerstag, 14. Februar 1833 mit 25 Jahren in Bonyhád (Ungarn). Zum Sterbedatum siehe oben Anmerkung zu “Linke Spalte, Zeile 4”.

Dass Alexander (Sahlkind) Jeiteles der Vater von Marcus (Mordechai) Jeiteles ist, schließe ich, wenn wir den Altersangaben in der hebräischen Grabinschrift vertrauen, aus!

Siehe auch den Beitrag von Randy Schönberg auf Facebook.

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Thorsch Juda Löbl – 15. Mai 1823

Juda (Abraham) Löb Thorsch, 05. Siwan 583 (= Donnerstag, 15. Mai 1823) Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Goltsch Jenikau (Golčův Jeníkov) in Tschechien. Die Grabinschrift Inschrift Juda Thorsch:…

Juda (Abraham) Löb Thorsch, 05. Siwan 583 (= Donnerstag, 15. Mai 1823)

Der Grabstein befindet sich am jüdischen Friedhof Goltsch Jenikau (Golčův Jeníkov) in Tschechien.

Grabstein Abraham Juda Löb Thorsch Halevi, 5. Siwan 583 = 15. Mai 1823, jüdischer Friedhof Goltsch Jenikau

Grabstein Abraham Juda Löb Thorsch Halevi, 5. Siwan 583 = 15. Mai 1823, jüdischer Friedhof Goltsch Jenikau, Foto: Wolf-Erich Eckstein



Die Grabinschrift

Inschrift Juda Thorsch: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Der Rabbiner, der überragende Gelehrte, der MORENU Abraham Löb Thorsch Halevi, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden), wurde geladen zum oberen הרב הגאון מוה’ אברהם ליב טהארש הלוי זצ”ל נתבקש בישיבה של
[2] Lehrhaus am Donnerstag, Vorabend von Schavu’ot “Juda, du (bist es), dich werden deine Brüder preisen” (= 583) n(ach der kleinen Zeitrechnung). מעלה ביום ה” ערב שבועות י”ה”ו”ד”ה א”ת”ה” י”ו”ד”ו”ך” ב”נ”י” א”ח”י”ך” ל’
[3] H(ier liegt) {Levitenkrug} b(egraben) פ {כד של לווים} נ
[4] Abraham kehre an seinen Ort zurück, alt und satt an Tagen. אברהם שב למקומו זקן ושבע ימים
[5] Kostbar in den Augen G(ottes), das ist sein Gedächtnis für alle Generationen. יקר בעיני יי זה זכרו לדור דורים
[6] Er war ein Schild für die ganze Gemeinde und die Gemeinschaft der Aufrechten. הוא היה מגן לכל קהל עדת ישרים
[7] Er lehrte Wissen und Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Geradlinigkeit. והורה דעת וצדק ומשפט ומישרים
[8] Er verhalf den Armen zum Recht und richtete in Gerechtigkeit die Darbenden. דן דין לעניים ושפט בצדק דלים
[9] Heulet! Wehe! Er ging von uns und stieg auf in den Himmel. הלילו הה! הלך מעמנו ועלה לשמים
[10] Dem Mann, dem diese (eigen) sind und lauter wohnt er in den Zelten. לאיש אשר אלה לו תם ויושב אהלים
[11] Seine Hände waren stark und sein Name war bekannt in den Toren. ידיו רב לו ושמו נודע בשערים
[12] Ihn priesen die Weisen und (alle), die ihn kannten. בו התפארו בעלי בינה ויודעים
[13] Er lehrte gute Urteilskraft und Erkenntnis und vermittelte alles in Annehmlichkeit. טוב טעם ודעת למד ושנן בנעימים
[14] Makellos lebte er, übte Gerechtigkeit und sprach wahrhaftig. הולך תמים ופעל צדק ודבר אמתיים
[15] Ein Frommer, der der Welt verloren ging, und ein Held unter Helden. אבד חסיד מן הארץ וגבור בגבורים
[16] Ein Hochgesang Gottes war in seiner Kehle und seine Stimme war angenehm. רוממות אל בגרונו ו[ק]ולו קול נעים
[17] Entsetze dich, Himmel, darüber, denn verloren für uns ist der Beste der Leviten. שמו שמים על זאת כי אבד ממנו מבחר הלוים
[18] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת”נ”צ”ב”ה”


Anmerkungen

Die in der Eulogie verwendeten Zitate weisen, was naheliegend ist, immer wieder auf die (hebräischen) Vornamen des Verstorbenen hin: Juda und Abraham. Der zweite Teil des letzten Satzes der Eulogie (Zeile 17) weist auf die levitische Herkunft von Juda Abraham Löb Thorsch hin.

Akrosticha:
Zeile 4: Das erste Wort der Zeile ergibt einen der hebräischen Vornamen des Verstorbenen (Abraham).
Zeilen 5-17: Die Anfangsbuchstaben ergeben die weiteren hebräischen Vornamen und den Nachnamen des Verstorbenen (Jehuda Löb Thorsch).

Zeile 1: הגאון ist stark verderbt, ev. wurde einmal versucht die Gravur nachzuziehen, was allerdings misslang, oder Witterungseinflüsse verursachten die Verderbung.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Babylonischer Talmud, Traktat Baba Metzia 86a נתבקש בישיבה של מעלה.

Zeile 2: Die Jahreszahl wird mit einem Zitat aus Genesis 49,8 angegeben, allerdings fehlt im Originalzitat das בני. Möglich wäre eine bewusste biografische Anspielung, dann müsste das obige modifizierte Zitat mit “Juda, dir jubeln die Söhne deiner Brüder zu” (also die Neffen) übersetzt werden (ob Juda Abraham Löb Thorsch Brüder hatte, entzieht sich leider meiner Kenntnis). Allerdings glaube ich ohnehin, dass das בני schlicht ergänzt wurde, um die Jahreszahl ausdrücken zu können, und mit “Brüder” sein familiäres Umfeld gemeint ist.

Zeile 4: Genesis 18,33 אברהם שב למקומו.

Genesis 35,29; Ijob 42,17 ושבע ימים; ähnlich 1 Chronik 23,1.

Zeile 5: Anspielung auf Psalm 116,15: “Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Frommen” יקר בעיני יהוה המותה לחסידיו.
Das Tetragramm (Name Gottes) wird hier abgekürzt geschrieben mit 2x Buchstabe Jod יי und 1x Buchstabe Waw ו liegend, was hier nicht korrekt darstellbar ist. Der Zahlenwert der drei Buchstaben ist 26 und damit derselbe Zahlenwert wie das Tetragramm יהוה. Siehe auch dieselbe Schreibung (mit grafischer Darstellung und Erklärung) auf dem Torawimpel von Rabbi Akiba Eger.

Jesaja 51,8: דור לדורים.

Zeile 8: Angelehnt an Jeremia 22,16 “Er half dem Elenden und Armen zum Recht…” דן דין עני ואביון… und Jesaja 11,4: “sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen…” ושפט בצדק דלים….

Zeile 9: Ezechiel 30,2 הילילו הה.

Zeile 10: Genesis 38,25 לאיש אשר אלה לו. Es geht in der Genesisstelle um die Pfandgegenstände, die Juda seiner von ihm nicht erkannten Schwiegertochter Tamar gab. Dieses Zitat aus Genesis wird in Grabinschriften häufig verknüpft mit einem Zitat aus Rut 2,12, wo es heißt: “Der Herr…möge dein Tun vergelten und dich reich belohnen”. Sehr wahrscheinlich, dass an diese Verknüpfung der beiden Zitate auch hier gedacht wurde und konkret in der Inschrift ergänzt gehört: “Dem Mann, dem diese erwähnten Eigenschaften zu eigen waren”(, wird der Herr sein Tun vergelten und ihn reich belohnen).

Genesis 25,27: ויעקב איש תם ישב אהלים “Jakob war ein lauterer Mann und blieb bei den Zelten”. Der biblische Kontext macht klar, was in der Grabinschrift gemeint ist: Während der Bruder Esau auf die Jagd ging und ein Mann des freien Feldes wurde, blieb Jakob lauter in den Zelten (also zu Hause).

Zeile 11: Deuteronomium 33,7 ידיו רב לו, also wörtlich: “Seine (nämlich die des Juda!) Hände waren ihm genug” mit der Bedeutung, dass er stark und mächtig war, ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.

Sprüche 31,23 נודע בשערים.

Zeile 12: בעלי בינה “die Weisen, die Einsichtigen”, u.a. Zitat aus der Gebetsliturgie von Rosch Haschana.

Zeile 13: Psalm 119,66. Im Bibelzitat “…lehre mich” טוב טעם ודעת למדני.

Zeile 14: Psalm 15,2 הולך תמים ופעל צדק, vgl. auch Sprüche 28,18. Babylonischer Talmud, Traktat Makkot 24a setzt den makellos Wandelnden mit Abraham gleich הולך תמים זה אברהם mit Verweis auf Genesis 17,1 “… er (der Herr) sprach zu ihm (Abraham): … sei rechtschaffen”. Selbstverständlich eine Anspielung auf den Vornamen “Abraham” des Verstorbenen.

Zeile 15: Micha 7,2 אבד חסיד מן הארץ, wörtlich: “Verloren / verschwunden ist ein Frommer aus dem Land”.

Zeile 16: Psalm 149,6 רוממות אל בגרונם, im Psalm wörtlich: “…in ihrer Kehle”. Siehe auch babylonischer Talmud, Traktat Chagiga 13b.

אל als Ligatur von א und ל geschrieben.

Vgl. Psalm 68,34: הן יתן בקולו קול עז “der seine Stimme erhebt, seine machtvolle Stimme”.

Zeile 17: Jeremia 2,12: שמו שמים על זאת.

מבחר ist leicht verderbt, das Wort sieht aus wie מנחר. Allerdings sieht m.E. der Buchstabe נ aus, als wäre er nachgezogen oder hat zumindest Probleme beim Schreiben verursacht. Außerdem macht מנחר keinen Sinn, auch nicht mögliche Ergänzungen wie מנחת הלוים (“Opfer der Leviten”).


Biografische Notizen

Juda Abraham Löb Thorsch, Handelsmann bzw. Tabakverleger in Przelautsch, geb. ca. 1735, aus Goltsch Jenikau (Golčův Jeníkov) in Tschechien, gest. 05. Siwan 583 = Donnerstag, 15. Mai 1823 mit 88 Jahren an Wassersucht in Haus Nr. 5.

Ehefrau(en) und Kinder siehe Eintrag auf geni.com.

Eintrag Sterbebuch Goltsch Jenikau, Juda Löb Thorsch, 15. Mai 1823

Eintrag Sterbebuch Goltsch Jenikau, Juda Löb Thorsch, 15. Mai 1823


Über die Kategorie “Cheder”


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Chanukkia aus Speckstein 1891

Diese wunderschöne Chanukkia (Chanukka-Leuchter) wurde mit vielen anderen Fundstücken Anfang 2018 in bislang unbekannten Kellerräumen Malzgasse 16 in 1020 Wien entdeckt. Die Adresse war vor 1938 der Standort einer Talmud-Tora…

Diese wunderschöne Chanukkia (Chanukka-Leuchter) wurde mit vielen anderen Fundstücken Anfang 2018 in bislang unbekannten Kellerräumen Malzgasse 16 in 1020 Wien entdeckt.
Die Adresse war vor 1938 der Standort einer Talmud-Tora Schule, einer Synagoge sowie des 1895 gegründeten jüdischen Museums Wien.
Seit 1955 befindet sich an dieser Adresse die Talmud-Thora Volks- und Hauptschule Machsike Hadass, eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht.

Die Chanukkia ist Teil der Ausstellung “Nicht mehr verschüttet. Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse” im Haus der Geschichte, Wien (8. November 2019 -19. April 2020). Ebenfalls gefunden wurden u.a. 9 Grabsteinfragmente, deren Analyse Sie auch bei uns im Blog finden.

BesucherInnen der Ausstellung soll dieser Artikel die Möglichkeit geben, ausführlichere Informationen über das sehr schön gestaltete Datum, die den Rahmen einer Ausstellungsbeschriftung überschreiten würden, zu erhalten. (QR-Code bzw. URL dieses Artikels befinden sich in der Ausstellung beim Objekt).

Auf der Chanukkia befindet sich mittig ein Monogramm, das wir nicht entschlüsseln konnten. Wir hoffen daher auch, dass sich durch diesen Artikel vielleicht das Monogramm lösen lässt. Kommentare sind daher ausdrücklich erbeten und erwünscht.

Das Datum

Chanukkia aus Speckstein, 1891, Fundort: Malzgasse, Wien II, Foto: Klaus Pichler

Chanukkia aus Speckstein, 1891, Fundort: Malzgasse, Wien II, Foto: Klaus Pichler



Rechts oben: בשנת “Im Jahr(e)”.
Über dem Löwen: להדליק נר של חנוכה “zu entzünden das Licht von Chanukka”.

Diese Zeile ist ein Teil des ersten Satzes des Segens, der vor dem Entzünden der Chanukkalampe(n) gesprochen wird:

בָּרוּךְ אַתָּה יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ מֶלֶךְ הָעוֹלָם אֲשֶׁר קִדְּשָׁנוּ בְּמִצְוֹתָיו וְצִוָּנוּ לְהַדְלִיק נֵר (שֶׁל) חֲנֻכָּה.
“Gepriesen seist Du, G’tt, unser Herr, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote und uns aufgetragen hat zu entzünden das Licht von Chanukka.”

Wir lesen von rechts nach links:
Über dem 3. (Dalet ד), 4. (Lamed ל), 5. (Jod י), 6. (Kof ק), 8. (Resch ר), 9. (Schin ש) und 11. (Chet ח) hebräischen Buchstaben befindet sich jeweils ein Punkt, über dem 2. Buchstaben (He ה) befinden sich 3 Punkte.

Jeder hebräische Buchstabe hat einen Zahlenwert und das jüdische Datum wird insbesondere im religiösen und kultischen Kontext praktisch ausschließlich mit hebräischen Buchstaben angegeben, deren einzelne Zahlenwerte zusammengezählt werden.

Hier die Zahlenwerte in der Reihenfolge der Buchstaben in der obigen Zeile:

He ה: 5
Dalet ד: 4
Lamed ל: 30
Jod י: 10
Kof ק: 100
Resch ר: 200
Schin ש: 300
Chet ח: 8

Da das He ה 3 Punkte hat, ist der Zahlenwert nicht 5, sondern muss als “Tausender”, also 5000, gelesen werden!

Die Zahlenwerte der Buchstaben mit einem Punkt haben die Summe 652. Das jüdische Jahr ist somit 5652.

Ein jüdisches Jahr wird meistens mit der sogenannten “kleinen Zeitrechnung” angegeben, also ohne Tausender. Oft findet man dann nach dem Datum den Zusatz “nach der kleinen Zeitrechnung” לפ”ק (“lifrat katan”, wie etwa hier Zeile 12; vergleiche auch beim bürgerlichen Datum die Schreibung 19 statt 2019). Wird die “große Zeitrechnung” angegeben, also mit dem Tausender, findet man gelegentlich danach den Zusatz “nach der großen Zeitrechnung” לפ”ג (“lifrat gadol”, wie etwa hier auf den Tallitecken).

Das jüdische Jahr wird auf unserer Chanukkia also mit der “großen Zeitrechnung” angegeben: 5652. Das jüdische Jahr 5652 ist, auf den ersten Blick, das bürgerliche Jahr 1892 (jüdisches Jahr 5000 = bürgerliches Jahr 1240; 1240 + 652 = 1892).

Allerdings beginnt das jüdische Jahr bekanntlich immer am 1. Tischre, der in den September/Oktober fällt. Daher sind die Monate Tischre und die ihm folgenden Monate Cheschwan, Kislew und teilweise auch der Monat Tevet noch im “alten” bürgerlichen Jahr, aber schon im “neuen” jüdischen Jahr.

Chanukka beginnt immer am 25. Kislew, dauert 8 Tage und endet am 2. Tevet. Chanukka 5652 war, umgerechnet, von 26. November 1891 bis 2. Dezember 1891.

Unsere wunderschöne Chanukkia aus Speckstein muss also auf Ende 1891 datiert werden.


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