Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Friedhof Kobersdorf

Hacker Betti, geb. Mandl – 10. Jänner 1936

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf Betti (Blümele) Hacker, geb. Mandl, 15. Tevet 696 (= Freitag, 10. Jänner 1936) Die Grabinschrift Inschrift Betti Hacker: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier ist) g(eborgen)…

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Betti (Blümele) Hacker, geb. Mandl, 15. Tevet 696 (= Freitag, 10. Jänner 1936)

Grabstein Betti (Blümele) Hacker, geb. Mandl, 15. Tevet 696 = Freitag, 10. Jänner 1936

Grabstein Betti (Blümele) Hacker, geb. Mandl, 15. Tevet 696 = Freitag, 10. Jänner 1936



Die Grabinschrift

Inschrift Betti Hacker: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ“ט
[2] eine tugendhafte und angesehene Frau, אשה כשרה וחשובה
[3] Frau מרת
[4] Blümele, בלימלה
[5] Ehefrau d(es ehrbaren) H(errn) Salomo Hacker, a(uf ihm sei der) F(riede). אשת כה שלמה האקער עה
[6] I(hre Seele) g(ing hinweg) am 15. Tevet 696 n(ach der kleinen Zeitrechnung). י’נ’ ט’ו’ טבת תרצו ל“
[7] Mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele erfüllte sie den Willen ihres Ehemanns. בבל לבבה ונפשה עשתה רצון בעלה
[8] Nie in ihrem Leben tat sie Unrecht. לא עשתה עולה כל ימי חייה
[9] Ihre Hände waren verlässlich, bis ihre Sonne sank. ידיה היו אמונה עד בא שמשה
[10] Sie trachtete sehr danach auf dem rechten Weg zu gehen. מאד חשקה לילך בדרך הישר
[11] Das Herz ihres Ehemanns und ihrer Kinder vertraute ihr. לב בעלה בטח בה ובניה
[12] G(ott) möge ihr (ihr Tun) vergelten und sie reich belohnen. ה ישלם לה ותהי משכרתה שלימה
[13] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 9: S. Exodus 17,12: וַיְהִ֥י יָדָ֛יו אֱמוּנָ֖ה עַד־בֹּ֥א הַשָּֽׁמֶשׁ׃ (über Mose) „…sodass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging“.

Zeile 11: Der mittlere Buchstabe im dritten Wort ist stark verderbt bzw. falsch, es muss בטח sein.

Zeile 12: Rut 2,12: Boas zu Rut: יְשַׁלֵּ֥ם יְהוָ֖ה פָּעֳלֵ֑ךְ וּתְהִ֨י מַשְׂכֻּרְתֵּ֜ךְ שְׁלֵמָ֗ה… „(Der HERR, der Gott Israels)… möge dir dein Tun vergelten und dich reich belohnen“.


Biografische Notizen

Betti (Blümele) Hacker, geb. Mandl ca. 1856, Witwe, wohnhaft Kobersdorf, Neugasse 42, gest. 15. Tevet 696 = Freitag, 10. Jänner 1936 um 5 Uhr am Morgen mit 80 Jahren an Lungenentzündung in Kobersdorf, begraben am selben Tag am jüdischen Friedhof Kobersdorf

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Betti Hacker, 10. Jänner 1936

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Betti Hacker, 10. Jänner 1936


Vater: Josef Mandl
Mutter: unbekannt

Ehemann: Alexander (Salomon) Hacker


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Glaser Sara Jentl, geb. Hacker – 14. Jänner 1918

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf Sara Jentl Glaser, geb. Hacker, 01. Schvat 678 (= Montag, 14. Jänner 1918) Die Grabinschrift Inschrift Sara Glaser: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier liegt) b(egraben)…

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Sara Jentl Glaser, geb. Hacker, 01. Schvat 678 (= Montag, 14. Jänner 1918)

Grabstein Sara Jentl Glaser, geb. Hacker, 01. Schvat 678 = 14. Jänner 1918

Grabstein Sara Jentl Glaser, geb. Hacker, 01. Schvat 678 = 14. Jänner 1918



Die Grabinschrift

Inschrift Sara Glaser: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] die angesehene Frau, האישה החשובה
[3] die tüchtige Frau, die Krone ihres Mannes אשת חיל עטרת בעלה
[4] und die Zierde ihrer Kinder, Frau ותפארת בניה מרת
[5] Sara Jentl שרה יענטל
[6] Glaser, גלאזער
[7] Tochter des CHAVER Mordechai Zvi Hacker בת החבר מרדכי צבי האקער
[8] und der Tolza. הנולדה מהאישה טולצא
[9] I(hre Seele) g(ing hinweg) am Montag, N(eumond)t(ag) Schvat 5678 י“נ ביום ב ר“ח שבט ה“תרע“ח
[10] n(ach der) k(leinen) Z(eitrecchnung). לפ“ק
[11] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 3: Sprüche 12,4 אשת חיל עטרת בעלה.

Zeile 4: Vgl. Sprüche 17,6 „…der Ruhm der Kinder sind ihre Väter“ …ותפארת בנים אבותם.

Zeile 7: Der CHAVER ist ein verliehener Ehrentitel. Die Taxe für die Verleihung betrug zum Beispiel 1803 in Eisenstadt 9 fl. für einen Höchstbesteuerten, für einen der mittleren Kategorie 4 fl. 30 kr., für einen der niedrigen Kategorie nur 2 fl. Der Graduierte wurde am Schabbat nach der Verleihung zur Tora aufgerufen. Verliehen wurde der CHAVER-Grad von der Gemeinde, der Rabbiner musste jedoch seine Zustimmung geben.

Zeile 8: Wörtlich: „Die geboren wurde von der Frau Tolza“.

Zeile 10: Der Datumszusatz „nach der kleinen Zeitrechnung“ ist hier unnötig und falsch, weil in Zeile 9 das Jahr in der „großen“ Zeitrechnung, also mit dem Tausender (5.000) angegeben wird. Mehr Informationen über das hebräische Sterbedatum finden Sie im Artikel „Hilfe! Ich kann nicht Hebräisch, aber ich brauche hebräische Quellen für meine genealogischen Forschungen„.


Biografische Notizen

Sara Jentl Glaser, geb. Hacker, gest. Neumondtag Schvat = 01. Schvat 678 = Montag, 14. Jänner 1918. Leider nicht eingetragen im Sterbebuch Kobersdorf (auch nicht im Sterbebuch Wien).

Interessant, dass in der hebräischen Grabinschrift zwar Kinder (Zeile 4) erwähnt werden, aber kein Ehemann.


Vater: Mordechai Zvi Hacker
Mutter: Tolza (Hacker)


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Tachauer Isak – 22. April 1925

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf Isak Tachauer, 28. Nisan 685 (= Mittwoch, 22. April 1925) Die Grabinschrift Inschrift Isak Tachauer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier ist) b(egraben) ein himmelsfürchtiger Mann,…

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Isak Tachauer, 28. Nisan 685 (= Mittwoch, 22. April 1925)

Grabstein Isak Tachauer, 28. Nisan 685? = 22. April 1925

Grabstein Isak Tachauer, 28. Nisan 685 = 22. April 1925



Die Grabinschrift

Inschrift Isak Tachauer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) ein himmelsfürchtiger Mann, der überaus gepriesen war durch die Wohltätigkeit, פ“נ איש ריא שמים המהולל מאוד בצדקה
[2] die er geübt hat und durch die guten אשר עשה ובמעשיו
[3] Taten, הטובים
[4] d(er ehrbare) H(err) Isak Tachauer, a(uf ihm sei der) F(rieden), כ“ה יצחק טאכויער ע“ה
[5] Nachkomme des prachtvollen Mannes, בן להאי גברא המפואר
[6] des durch Lobpreisungen Berühmten, d(es ehrbaren) H(errn) בתשבחות המפורסם כ“ה
[7] Salomon Tachauer, a(uf ihm sei der) F(rieden). שלמה טאכויער ע“ה
[8] Er ließ das Leben (wie) alles Lebende am 28. Nisan 685. שבק חיים לכל חי ביום כ“ח ניסן תרפ“ה
[9] Isak stieg auf in die Höhe. יצחק למרום עלה
[10] Sorge und Bedrängnis (bedeutete) sein Hinwegscheiden für die ganze Familie, צרה ויגון פרידתו לכל המשפחה
[11] Beliebt war er oben und unten. חביב למעלה ומטה היה
[12] Eine Stimme ward zu Rama gehört. קול ברמה נשמע
[13] S(eine Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 8: Siehe Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 61b לא שביק מר חיי לכל בריה „Der Meister lässt ja keinem Geschöpf das Leben“. Das ist die Antwort von Abajje auf Raba, der sagte „Wir zum Beispiel sind Mittelmäßige“. Gemeint ist, wenn Raba nur zu den Mittelmäßigen gehören sollte, gäbe es überhaupt keinen vollkommenen Gerechten.
Mit dieser euphemistischen Umschreibung für das Sterben wird Isak Tachauer als vollkommen Gerechter bezeichnet.

Zeile 12: Vgl. Jeremia 31,14/15 קול ברמה נשמע נהי בכי תמרורים „Man hört Klagegeschrei und bitteres Weinen in Rama“.

Zeile 9 und Zeilen 9-12: Akrostychon: Das erste Wort in Zeile 9 sowie die Anfangsbuchstaben der Zeilen 9-12 ergeben den hebräischen Vornamen des Verstorbenen (Isak).


Biografische Notizen

Isak Tachauer, gest. 28. Nisan 685 = Mittwoch, 22. April 1925. Leider keinen Eintrag im Sterbebuch Kobersdorf gefunden.

Vater: Salomon Tachauer

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Riegler Karolina – 07. Juni 1899

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf Karolina (Levia) Riegler, 30. Siwan 659 (= 01. Neumondtag Tammus = Mittwoch Abend, 07. Juni 1899) Die Grabinschrift Inschrift Karolina Riegler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1]…

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Karolina (Levia) Riegler, 30. Siwan 659 (= 01. Neumondtag Tammus = Mittwoch Abend, 07. Juni 1899)

Grabstein Karolina (Levia) Riegler, 30. Siwan 659 = 01. Neumondtag Tammus = Mittwoch Abend, 07. Juni 1899

Grabstein Karolina (Levia) Riegler, 30. Siwan 659 = 01. Neumondtag Tammus = Mittwoch Abend, 07. Juni 1899



Die Grabinschrift

Inschrift Karolina Riegler: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) die unverheiratete Frau, teuer und angesehen, F(rau) פ“ט הבתולה יקרה וחשובה מ
[2] Levia, לביא
[3] Tochter d(es ehrbaren) H(errn) Mose Riegler. בת כ“ה משה ריגלער
[4] I(hre Seele) g(ing hinweg) am 1. N(eumond)t(ag) Tammus 659. ני א דרחו תמוז תרנט
[5] In die Höhe stieg sie auf um ihren Lohn zu empfangen למרום עלתה לקבל שכרה
[6] im Alter von 33 Jahren. בימי שלשה ושלשים שנה
[7] Ihre Tage vergingen auf dem Lager der Leiden. ימיה חלפו בערש היסורים
[8] Die Gebote G(ottes) erfüllte sie in Liebe. את מצות ה עשתה באהבה
[9] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Biografische Notizen

Karolina (Levia) Riegler, geb. ca. 1864-66 in Kobersdorf (leider keinen Eintrag im Geburtsbuch gefunden), gest. 30. Siwan 659 = 01. Neumondtag Tammus = Mittwoch, 07. Juni 1899 Abend um 22 Uhr (22 Uhr war bereits der 30. Siwan und 1. Neumondtag Tammus) mit 33 Jahren (hebräische Grabinschrift) / 35 Jahren (Sterbeeintrag) an Skrofulose (ist die historische Bezeichnung einer Hauterkrankung. Am ehesten handelte es sich dabei um Fälle von Hauttuberkulose)

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Karolina Riegler, 07. Juni 1899

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Karolina Riegler, 07. Juni 1899


Vater (weiland): Mose Riegler
Mutter: Teresia Gerstl


Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf


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Maier Moritz, Maier Rosalia, Maier Josefine – 06. Juni 1895

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf Moritz (Meir Löb) Maier, Rosalia Maier (Mayer), geb. Riegler, Josefine Maier (Mayer), 14. Siwan 655 (= Donnerstag, 06. Juni 1895) Die drei Rundbögen: Rechts ‒ Mittel…

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Moritz (Meir Löb) Maier, Rosalia Maier (Mayer), geb. Riegler, Josefine Maier (Mayer), 14. Siwan 655 (= Donnerstag, 06. Juni 1895)

Grabsteine Moritz (Meir Löb) Maier, Mayer (sic!) Rosalia, geb. Riegler, Josefine Mayer, 14. Siwan 655 (= Donnerstag, 06. Juni 1895)

Grabsteine Moritz (Meir Löb) Maier, Mayer (sic!) Rosalia, geb. Riegler, Josefine Mayer, 14. Siwan 655 (= Donnerstag, 06. Juni 1895)



Die drei Rundbögen: Rechts ‒ Mittel ‒ Links: Die Grabinschrift

Inschrift Sanwil 1810: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[Rechts] Es starben die drei an einem Tag, als מתו שלשתן ביום אחד עת
[Mitte] zerstört wurden unsere Häuser durch ein gewaltiges Wasser. נחרבו בתינו עי מים כבירים
[Links] Sie starben am 14. Siwan 655 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). מתו ביום יד סיון תרנה לפק


Rechts: Die Grabinschrift

Inschrift Meir Maier: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) d(er ehrbare) H(err), H(err) פנ כהרר
[2] Meir, מאיר
[3] S(ohn des) e(hrbaren Herrn) Beer Löb Maier, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). בה בער ליב מייער זל
[4] Wer kann bestehen am Tag des Zorns Gottes? מי יעמוד ביום זעם ה
[5] Der Stein schreit bitter aus der Mauer, אבן מקיר תזעק מרה
[6] Ihre Seele ging gemeinsam hinweg, schnell. יצאה נשמתם יחד מהרה
[7] Erst nach 4 Monaten fand er Ruhe. רק אחר ד“ חדשים מצא מנוחה


Mitte: Die Grabinschrift

Inschrift Rosalia Maier: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) die Frau פנ האשה
[2] Chaja Sara, חיה שרה
[3] E(hefrau des) H(errn) Meir Maier, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). א ה מאיר מייער זל
[4] Vergeblich wird man zu IHM sagen, was hast DU da gemacht? חנם יאמר לו מה תעשה
[5] Ist unser Schmerz zu vergleichen? יש מכאוב שלנו להשוה
[6] Habt ihr uns nicht seufzend zurückgelassen? הלא עזבתם אותנו לאנחה
[7] Sara, unsere Mutter: Ach, würden wir doch Trost finden! שרה אמנו אנה נמצא נוחמה


Links: Die Grabinschrift

Inschrift Josefine Maier: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) die unverheiratete Frau פנ הבתולה
[2] Perl, פערל
[3] T(ochter des) H(errn) Meir Maier, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). בה מאיר מייער זל
[4] DER vollkommen werkt, zürnte über uns. פועל תמים עלינו חרה
[5] Kein Auge hat so etwas je gesehen. עין כזאת לא ראה
[6] Tief untergegangen sind wir und hatten keine Hoffnung. רדנו מאד ואין לנו תקוה
[7] Ihrer möge sich erbarmen DER in der Wohnstätte weilt. למענם ירחם שוכן מעונה


Letzte Zeile, über alle drei Grabsteine

Inschrift Sanwil 1810: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[8] I(hre) S(eelen) m(ögen eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Alle drei hier Begrabenen sind im Zuge der schrecklichen Hochwasserkatastrophe am 6. Juni 1895 ertrunken. Das vierte jüdische Opfer war der vierjährige Sigmund (Simon) Riegler.

Bitte beachten Sie unseren Blogartikel „Als 200 jüdische Familien in Kobersdorf obdachlos wurden.


Rundbogen rechts

Eine richtige Lesung vorausgesetzt, ist mir nicht klar, warum שלשתן (weibliche Form) statt שלשתם (maskuline Form, die für Frauen und Männer gilt). Begraben sind hier 1 Mann und 2 Frauen. Vgl. im Gegensatz dazu Zeile 6 der Grabinschrift des rechten Grabsteins, wo die maskuline Form verwendet wird (s. dazu auch Anmerkung unten).


Grabinschrift rechts

Zeile 4: Vgl. Nachum 1,6 לפני זעמו מי יעמוד „Wer kann vor seinem Groll bestehen?“

Zeile 5: Habakuk 2,11: כי אבן מקיר תזעק „Denn der Stein schreit aus der Mauer“.

Zeile 6: Es handelt sich beim Substantiv um den Singular mit Suffix 3. Person Plural: also „Ihre (von den drei Verstorbenen!) Seele“. Ich hätte eher erwartet: יצאו נשמותיהם „ihre Seelen gingen hinweg“.

Zeile 7: Die Leiche von Moritz (Meir) Maier wurde erst im Oktober 1895, also vier Monate nach dem tragischen Tod durch Ertrinken identifiziert und ist erst mit 16. Oktober 1895 im Sterbebuch eingetragen (s.u. Biografie).

Zeile 4 bis 7 Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vornamen des Verstorbenen (מאיר).


Grabinschrift Mitte

Zeile 4: Kohelet 8,4 ומי יאמר לו מה תעשה „Wer darf zu ihm sagen: Was machst du?“ Siehe besonders auch Raschi zur Stelle, weiters u.a. Bereschit Rabba 55,3 und v.a. Machsor Vitry, „Die Gesetze des Trauerns, Siman 277. In der Grabinschrift ist natürlich der HERR gemeint.

Zeile 5: Vgl. Klagelieder 1,12: לוא אליכם כל עברי דרך הביטו וראו אם יש מכאוב כמכאבי אשר עולל לי אשר הוגה יהוה ביום חרון אפו: „Euch allen, die ihr vorübergeht, sage ich: »Schaut doch und seht, ob irgendein Schmerz ist wie mein Schmerz, der mich getroffen hat; denn der HERR hat Jammer über mich gebracht am Tage seines grimmigen Zorns.“

Zeile 7: אנה für אנא.
נוחמה s. Jesaja 54,11.

Zeile 4 bis 6 vertikal und Zeile 7 erstes Wort: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben der Zeilen 4 bis 6 ergeben den ersten hebräischen Vornamen der Verstorbenen חיה, der zweite Vorname שרה ist das erste Wort in Zeile 7.


Grabinschrift links

Zeile 4: Mit פועל תמים „Der vollkommen wirkt“ ist natürlich der HERR gemeint.

Zeile 6: M.E. von ירד, v.a. wegen des Akrostychons (s.u.). Die Wurzel רוד (die konkrete Form רדנו wäre in Jeremia 2,31 belegt) „umherschweifen“ scheint mir hier nicht zu passen.

Zeile 7: למענם „Um ihretwillen“ (jedenfalls Plural, gemeint ist also offensichtlich nicht nur Josefine, sondern gemeint sind alle drei Verunglückten).

שוכן מעונה S. Deuteronomium 33,27 מעונה אלהי קדם… „Eine Wohnung ist der Gott der Urzeit…“; s. auch gegen Ende der Pesach-Haggada, beim 4. Glas Wein: זָךְ שׁוֹכֵן מְעוֹנָה „Du, der in Himmels Höhen thront“.

Zeile 4 bis 7 Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (פערל).


Biografische Notizen

Moritz (Meir) Maier, geb. ca. 1838 (Geburt nicht im Geburtsbuch Kobersdorf gefunden), als Sohn des Löbl Maier, Gerber in Kobersdorf, Hausierer, wh.: Kobersdorf 157b, gest. 14. Siwan 655 = Donnerstag, 06. Juni 1895 um 04 Uhr am Morgen mit 57 Jahren durch Ertrinken in Folge der Hochwasserkatastrophe in Kobersdorf. Gefunden, identifiziert und daher auch eingetragen wurde die Leiche allerdings erst 4 Monate nach dem Tod, am 16. Oktober 1895. Moritz Riegler bestätigt die Identität des Toten.

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Moritz (Meir) Maier, 06. Juni 1895, eingetragen am 16. Oktober 1895

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Moritz (Meir) Maier, 06. Juni 1895, eingetragen am 16. Oktober 1895


Ehefrau: Rosalia (Chaja Sara) Mayer (sic!), geb. Riegler ca. 1845 (Geburt nicht im Geburtsbuch Kobersdorf gefunden), Hausfrau, gest. 14. Siwan 655 = Donnerstag, 06. Juni 1895 mit 50 Jahren durch Ertrinken in Folge der Hochwasserkatastrophe in Kobersdorf, begraben am 09. Juni.

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Rosalia (Chaja Sara) Maier, geb. Riegler, 06. Juni 1895

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Rosalia (Chaja Sara) Maier, geb. Riegler, 06. Juni 1895


Tochter von Moritz (Meir) und Rosalia (Chaja Sara) Maier (Mayer): Josefine / Pepi (Perl) May/ier, geb. 16. Oktober 1871 in Kobersdorf, Hausfrau, unverheiratet, gest. 14. Siwan 655 = Donnerstag, 06. Juni 1895 mit 23 Jahren durch Ertrinken in Folge der Hochwasserkatastrophe in Kobersdorf, begraben am 09. Juni 1895.

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Pepi Maier, 16. Oktober 1871

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Pepi Maier, 16. Oktober 1871


Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Josefine (Perl) Maier, geb. Riegler, 06. Juni 1895

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Josefine (Perl) Maier, geb. Riegler, 06. Juni 1895


Weitere Kinder von Moritz (Meir) und Rosalia (Chaja Sara) Maier (Mayer):

Baruch Maier, geb. 10. Juni 1875 in Kobersdorf

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Baruch Maier, 10. Juni 1875

Eintrag Geburtsbuch Kobersdorf, Baruch Maier, 10. Juni 1875


Hani Maier, geb. 24. Dezember 1877 in Kobersdorf, gest. im Alter von 2 Monaten und 13 Tagen am 07. März 1878 in Kobersdorf an Fraisen


Knabe o.N. (Totgeburt), geb. und gest. 26. Juli 1879 in Kobersdorf


Bitte beachten Sie unseren Blogartikel „Das große Wasser.


Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf


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Holzer Sissel – 12. November 1890

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf Sissel Holzer, 01. Kislew 651 (= Mittwoch Abend, 12. November 1890) Die Grabinschrift Inschrift Sissel Holzer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier ist) b(egraben) die angesehene…

Personenregister jüdischer Friedhof Kobersdorf

Sissel Holzer, 01. Kislew 651 (= Mittwoch Abend, 12. November 1890)

Grabstein Sissel Holzer, 01. Kislew 651 = Mittwoch Abend, 12. November 1890

Grabstein Sissel Holzer, 01. Kislew 651 = Mittwoch Abend, 12. November 1890



Die Grabinschrift

Inschrift Sissel Holzer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) b(egraben) die angesehene Frau, Frau פ“נ אשה חשובה מרת
[2] Sissel, זיסל
[3] Ehefrau d(es ehrbaren) H(errn) Beer Löb Holzer. אשת כ“ה בער ליב האלצר
[4] I(hre Seele) g(ing hinweg) am N(eumond)t(ag), 1. Kislew 651 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נ“י יום ר“ח א כסלו תרנא לפ“ק
[5] Dies ist ihr Anteil von all ihrer Mühe. זאת חלקה מכל עמלה
[6] Ihre Hände streckte sie nicht in Falschheit aus. ידיה בעולה לא שלחה
[7] Sie unterstütze die Armen von ihrer Handes Mühe. סמכה עניים מיגיע כפה
[8] Um ihretwegen weinten bitterlich alle, die sie liebten. למענה יבכיון כל אוהביה
[9] I(hre Seele) m(öge) e(ingebunden sein) i(m Bündel) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Zeile 8: Jesaja 33,7 יבכיון.


Biografische Notizen

Sissel Holzer, geb. ca. 1806 in Kobersdorf, Private, wohnhaft: Kobersdorf 176, Witwe, gest. 01. Kislew 651 = Mittwoch Abend 18 Uhr, 12. November 1890 mit 84 Jahren an Auszehrung

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Sissel Holzer, 12. November 1890

Eintrag Sterbebuch Kobersdorf, Sissel Holzer, 12. November 1890


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