Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Friedhof Währing

Horwitz (Horowitz) Regina – 23. September 1834

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Regina (Rachel / Recha) Horwitz (auch Horowitz), 19. Elul 594 (= Dienstag, 23. September 1834) Die hebräische Grabinschrift Inschrift Regina Horowitz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1]…

Personenregister jüdischer Friedhof Währing

Regina (Rachel / Recha) Horwitz (auch Horowitz), 19. Elul 594 (= Dienstag, 23. September 1834)



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Regina Horowitz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Dies ist das Grabmal מצבת קבורת
[2] Rachel, das verständige und liebenswerte רחל ילדה משכלת
[3] Mädchen, Tochter des Rabbiners, des MORENU ונחמדת בת הרב מו”הרר
[4] Eleasar Horwitz, V(orsitzender) d(es rabbinischen) G(erichtshofes) hier. אלעזר הורוויץ אבד דפה
[5] Sie starb in ihrem 4. Lebensjahr מתה בארבע לשני חייה
[6] am Mittwoch, 20. Elul des Jahres 594. ביום ד’ כ’ אלול שמת תקצד
[7] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Die hebräische Grabinschrift ist heute zum Großteil nicht mehr oder nur mit großen Einschränkungen zu lesen, weshalb auf die Umschrift und die Korrekturen von Dr. Pinkas Heinrich zurückgegriffen werden musste.

Zeile 1: Genesis 35,20, wo es im Kontext heißt: ויצב יעקב מצבה על קברתה הוא מצבת קברת רחל עד היום “Jakob errichtete ein Steinmal über ihrem Grab. Das ist bis heute das Grabmal Rachels”.

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 6: Problem mit dem Sterbedatum, s.u. “Biografische Notizen”.


Biografische Notizen

Regina (Rachel / Recha) Horwitz (auch Horowitz/Hurwitz), geb. 23. Jänner 1831 in Wien, gest. 19. Elul 594 = Dienstag, 23. September 1834 im Alter von 3 Jahren und 8 Monaten in Wien Stadt, Nr. 498. Die Sterbezeit war 12 Uhr Mittag. Begraben am 24. September 1834 am jüdischen Friedhof Währing, alte Nr: 622, neu: Gruppe 4, Nr. 167.
Zum Sterbedatum:
Hebräische Grabinschrift: Mittwoch, 20. Elul des Jahres 594 = Dienstag Abend, 23. September 1834 bis Mittwoch Abend, 24. September 1834.
Dr. Pinkas Heinrich merkt an, dass sie “nachts” gestorben sei und korrigiert den protokollierten Sterbeeintrag auf 24. September, wohl wegen des in der Grabinschrift angegebenen 20. Elul.
Allerdings finden wir im Sterbebuch am 23. September die Uhrzeit 12 Uhr Mittag angegeben, was ich übernehme (und damit Dr. Heinrich und der Angabe im Gräberbuch widerspreche).

Vater: Eleasar / Lazar Horwitz, geb. 14. Jänner 1804 in Floß, Oberpfalz, gest. 11. Juni 1868 in Bad Vöslau Nr. 138 an Lungenbrand, begraben am 14. Juni 1868 am jüdischen Friedhof Währing

Lazar Horowitz, Sohn des Rabbiners David Josua Halevi und Enkel des Franfurter Oberrabbiners Hirsch Horwitz sowie mütterlicherseits des Kreisrabbiners Eleasar Kalir in Kolin, Böhmen. Vater David Josua Horwitz wird 1813 Rabbiner in Frauenkirchen im Burgenland, Sohn Lazar widmet sich ab seinem 17. Lebensjahr ganz dem Talmudstudium, 1821-25 Schüler des Moses Sofer (Chatam Sofer) in Pressburg, danach Leitung einer Talmudschule im Haus seines Schwiegervaters Salomon Spiegel in Deutschkreutz. Ab 1829 “Koscherfleischaufseher” in Wien, arbeitet als Orthodoxer auch mit dem Prediger und Religionslehrer Isak Noa Mannheimer, der sich dem Reformjudentum verpflichtet fühlte, zusammen. 1848 offiziell zum Rabbiner ernannt. Horwitz war nie Rabbiner des Wiener Stadttempels in der Seitenstettengasse, sondern ab 1829 tätig in der Betstube im Lazzenhof, ab 1836 im polnisch-deutschen Bethaus und ab 1864 Rabbiner in der neugegründeten “Schiffschul”, der Synagoge der Orthodoxen. Unter seinen Schülern war etwa der berühmte Historiker Gerson Wolf.

Interessant (und eben nicht richtig), dass Lazar Horwitz (dort “Hurwitz) im Geburtseintrag seiner Tochter Rachel / Recha (Regina) als “Rabbiner-Stellvertreter in Wien aus (Deutsch)kreutz in Ungarn” und in seinem Sterbeeintrag (dort “Horwitz”) als “Rabbiner der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde aus Frauenkirchen in Ungarn” bezeichnet wird.

Am 17. Juni 1941 begannen die Exhumierungsarbeiten [am jüdischen Friedhof Währing] und dauerten bis zum 29. Dezember 1941. Zwei der von der Kultusgemeinde ausgewählte Personen, die Rabbiner Isak Nosa Mannheimer und Lazar Horwitz wurden am 30. Dezember 1941 würdig in einer Ehrenreihe am 1. Tor des Zentralffriedhofes wiederbestattet, auch ihre originalen Grabsteine wurden dort aufgestellt.

Wolf-Erich Eckstein, Historische Recherche zur Vorbereitung der Restaurierung von Gräbern der 1941/42 aus dem Währinger Israelitischen Friedhof Exhumierten und am Zentralfriedhof, 4. Tor, Gruppe 14a 1941/42 und 1947 Wiederbestatteten, Wien 2015, Seite 4

Mutter: Karola / Carolina Spiegel, geb. ca. 1806 in Deutschkreutz, geh. ca. 1826 in Deutschkreutz, Tochter des Salomon Spiegel, gest. 28. August 1893 bei Pressburg an einem Herzfehler, begraben am 01. September 1893 am jüdischen Friedhof Währing


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Gansl Israel – 03. November 1850

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Israel Gansl, 28. Cheschwan 611 (= Sonntag, 03. November 1850) Die Grabinschrift Inschrift Israel Gansl: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ [2] der…

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Israel Gansl, 28. Cheschwan 611 (= Sonntag, 03. November 1850)



Die Grabinschrift

Inschrift Israel Gansl: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] der Knabe Israel, Sohn d(es ehrbaren) H(errn), הילד עשראל בן כה
[3] Itzik Gansl aus Brodi. איצק גאנזל מבראדי
[4] Er verstarb am Dienstag, 28. Kislev נפטר ביום ג כח כסלו
[5] [611] n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תריא לפק תנצבה
[6] Hier ruhet
[7] Israel Gansel
[16] gestroben 5. November 1850.


Anmerkungen

Zeile 3: Uherský Brod (Deutsch Ungarisch Brod), Tschechien.

Zeile 4: Problem mit dem Sterbedatum, s.u. “Biografische Notizen”.

Zeile 16: Dr. Pinkas Heinrich weist in seinen Anmerkungen und Korrekturen darauf hin, dass ursprünglich 1856 graviert war, dies dann überkittet wurde mit dem richtigen Datum 1850, diese Kittung aber wieder herausgefallen ist. Zum Problem des Sterbedatums s.u. “Biografische Notizen”.


Biografische Notizen

Israel Gansl, geb. ca. 1846, sehr wahrscheinlich in Deutsch Ungarisch Brod, Tschechien, gest. 28.Cheschwan 611 = Sonntag, 03. November 1850 um 06 Uhr am Morgen an Masern in Wien Leopoldstadt 756. Das ist das Sterbedatum des Eintrags im Sterbebuch. Begraben am 05. November am jüdischen Friedhof Währing, alte Nr.: 2339, neu: Gruppe 7, Nr. 137.
Zum Sterbedatum:
Hebräische Grabinschrift: Dienstag, 28. Kislew 611 = Dienstag, 03. Dezember 1850
Deutscher Inschriftenzusatz: 05. Dezember 1850 = Donnerstag, 30. Kislew 611 = 1. Neumondtag Tevet 611
Sterbebuch und Gräberbuch: 03. November 1850 = Sonntag, 28. Cheschwan 611

Vater: Isak Gansl, geb. ca. 1794, Kleinhändler / Produktehändler aus Ungarisch Brod, Tschechien, gest. 24. November 1862, begraben am jüdischen Friedhof Währing
Mutter: Katharina (Gütel) Heller, geb. ca. 1803, aus Třešť in Tschechien, gest. 03. April 1870, begraben am jüdischen Friedhof Währing


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Landmann Hirsch – 25. November 1867

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, 27. Cheschvan 628 (= Montag, 25. November 1867) Die hebräische Grabinschrift Inschrift Hirsch Landmann: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier liegt)…

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Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, 27. Cheschvan 628 (= Montag, 25. November 1867)



Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Hirsch Landmann: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] der scharfsinnige und berühmte Rabbiner הרב החריף המפורסמים
[3] erfahren und fromm, s(ein ehrenvoller), h(eiliger), p(rachtvoller) N(ame), MORENU ותיק וחסיד כק ש”ת מ’
[4] Zvi, צבי
[5] S(ohn) d(es) R(abbiners), d(es ehrenwerten) H(errn) Abraham, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), ב’ ה’ר כ”ה אברהם ז”ל
[6] V(orsitzender des) r(abbinischen) G(erichtshofes) d(er heiligen) j(üdischen) G(emeinde) Kitov (= Kuty). אב’ד דק”ק קיטוב
[7] Er verstarb am Dienstag, 1. N(eu)m(ond)t(ag) Marcheschvan 625. נפטר ביום ג’ א’ דר””ח מרחשון תרכה
[8] S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Erstaunlicherweise weist die hebräische Grabinschrift viele schwerwiegende Fehler auf, worauf auch eine Anmerkung im Gräberbuch (s.u.) hinweist.

Die Grabinschrift ist in großen Teilen stark verderbt, es musste die Abschrift bzw. die Korrektur von Dr. Pinkas Heinrich herangezogen werden.

Zeile 2: Plural ist falsch, es müsste המפורסם stehen.

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 5: Inschrift heute nicht mehr sicher lesbar. Die ursprüngliche Abschrift (siehe Scan oben) stimmt sicher nicht, die Korrektur von Dr. Pinkas Heinrich scheint mir aber auch nicht ganz richtig zu sein.

Zeile 6: Hebräisch: “Kitov” = Kuty, heute in der westlichen Ukraine.

Zeile 7: Dienstag, der 1. Neumondtag Marcheschvan 625 = Sonntag (und nicht Dienstag), 30. Oktober 1864. Das Sterbedatum ist falsch, s.u. Biografische Notizen.


Biografische Notizen

Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, geb. ca. 1809, Rabbiner aus Nowi Strilyschtscha “in Galizien” (heute in der westlichen Ukraine), gest. 27. Cheschvan 628 = Montag, 25. November 1867 um 07 Uhr am Morgen mit 58 Jahren an Atrophie in Wien Stadt, Sterngasse Nr. 13, begraben am 26. November um 15 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, neuer Platz Mitte, 4. Reihe, lt. Gräberbuch alte Nr. 5032, neu: Gruppe 15, Reihe 5, Grab-Nr. 114.

Rabbi Zvi Hirsch Landmann gehörte zur 3. Generation der Chassiden von Nowi Strilyschtscha und war der Schwiegersohn des Begründers der Dynastie, Rabbi Uri, Sohn des Rabbi Pinchas. Seine erste Station als Rabbiner war Kuty.

Rabbi Zvi Hirsch Landmann kam übrigens kurz vor dem 14. Juni 1867 in Wien an (war er krank? Kam er auf Besuch?), denn am 14. Juni 1867 lesen wir: “Hr. H. Landmann, Rabb. Kutl (= Kuty), abgestiegen im Weißen Rößl in Wien Stadt”. Nur 5 1/2 Monate später verstarb er in Wien. Damit ist natürlich auch bewiesen, dass das Sterbedatum in der Grabinschrift falsch ist!

Ankunft Rabbiner Hirsch Landmann in Wien, Fremdenblatt, 14. Juni 1867, Seite 23

Ankunft Rabbiner Hirsch Landmann in Wien, Fremden-Blatt, 14. Juni 1867, Seite 23


Fremden-Blatt, Wien, 14. Juni 1867, Seite 23


Jedenfalls wissen die Quellen von einem Wunder in der Nacht nach dem Aufstellen des Grabsteins auf dem Grab von Rabbi Zvi zu erzählen, siehe dazu unseren Blogartikel: “Ein Wunder in Währing?“.

Der Leichnam von Rabbiner Hirsch Landmann wurde am 24. Juli 1941 exhumiert und am folgenden Tag am Zentralfriedhof Wien, Tor IV wiederbestattet.
Siehe Wolf-Erich Eckstein, Historische Recherche zur Vorbereitung der Restaurierung von Gräbern der 1941/42 aus dem Währinger Israelitischen Friedhof Exhumierten und am Zentralfriedhof, 4. Tor, Gruppe 14a 1941/42 und 1947 Wiederbestatteten, Wien 2015, Seite 4

Besten Dank an Mag. Wolf-Erich Eckstein für die Zurverfügungstellung der Protokolle!

Vater: Abraham (Landmann), Sohn des Rabbi Abraham Isak, Rabbiner von Vizhinitz (heute: Ukraine), Rabbiner in Bilyi Kamin (heute westliche Ukraine)

Die Söhne von Rabbi Zvi Hirsch Landmann (Rabbi Uri, Rabbi Abraham, Rabbi Menachem Mendel, Rabbi Jakob Koppel und Rabbi Pinchas) gehörten neben seinem Schwiegersohn Rabbi Efraim Salman zur 4. Generation der Chassiden-Dynastie von Nowi Strilyschtscha. Ein ausführlicher Stammbaum der Chassiden von Nowi Strilyschtscha findet sich hier (Hebräisch).

Sohn Rabbi Menachem Mendel etwa ist der Autor des Buches “Limudim banissim” (“Studien in Wundern”).

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Drach Koppel (Jakob) Elias – 06. Dezember 1786

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Jakob vulgo Koppel Elias (?) Drach, 15. Kislew 547 (= Mittwoch, 06. Dezember 1786) Die hebräische Grabinschrift Inschrift Koppel Drach: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier…

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Jakob vulgo Koppel Elias (?) Drach, 15. Kislew 547 (= Mittwoch, 06. Dezember 1786)



Die hebräische Grabinschrift

‎‎

Inschrift Koppel Drach: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] ein gläubige, rechtschaffener und lauterer Mann, איש אמון וישר וכשר
[3] d(er ehrbare) H(err), H(err) Jakob, der genannt wurde הרר יעקב הנכונה
[4] Koppel, S(ohn) d(es ehrbaren) H(errn), H(errn) Eli(as) קאפל בהר”ר אלי’
[5] Drach, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden), a(us) P(ress)b(urg). [S(eine Seele) g(ing hinweg)] טראך ז”ל מפ”ב [נ”י]
[6] [am Dienstag, 07. Kislew 547 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung).] ‎‏‎‎‏‎[ביום ג ז כסלו תקמז לפ”ק]
[7] S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). [תנצבה]


‎‎‎‎‎‎

Anmerkungen

Die Grabinschrift ist heute schlecht, ab Zeile 5b nicht mehr lesbar. Der Scan der Abschrift sowie der Korrekturen von Dr. Pinkas Heinrich sind leider so verschwommen, dass sie keine Hilfe sind.

Zeile 6: Sterbedatum ergänzt bzw. umgerechnet nach Anmerkung im Register (s.u.)


Biografische Notizen

Jakob vulgo Koppel Elias (?) Drach, geb. ca. 1735, Besitzer / Pächter des Judenbades, verheiratet, gest. 15. Kislew 547 = Mittwoch, 06. Dezember 1786 mit 51 Jahren im weißen Stern, hinterer Hoher Markt Nr. 463 “an der Lungensucht beschaut worden”. Im Gräberbuch ist der 8. Dezember als Sterbetag eingegeben. Das lässt darauf schließen, dass die hebräische Grabinschrift nicht den 15. Kislew, sondern den 17. Kislew angibt.
Allerdings finden wir im Register (s.u. Golde) als Sterbetag den 28. November 1786, das wäre Dienstag, der 7. Kislew 547. Begraben am jüdischen Friedhof Währing, alte Nr. 831, neu: Gruppe 4, Nr. 257.

Der Vorname “Elias” findet sich im Register des Sterbebuchs (s.u.). Könnte auch ein Irrtum sein, da das lt. Grabinschrift der Vorname des Vaters ist.

Vater (weiland): Elias Drach

Ehefrau: Golde (Drach), geb. ca. 1721, Handelsjüdin in der Leopoldstadt Nr. 5, gest. 16. oder 17. Jänner 1796 mit 75 Jahren, begraben am jüdischen Friedhof Währing


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Magyar David J. – 09. August 1868

Personenregister jüdischer Friedhof Währing David L. Magyar, 22. Av 628 (= Sonntag Abend, 09. August 1868) Die Grabinschrift Inschrift David Magyar: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung [1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ…

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David L. Magyar, 22. Av 628 (= Sonntag Abend, 09. August 1868)



Die Grabinschrift

Inschrift David Magyar: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ”נ
[2] ein teurer und geehrter Mann, d(er) e(rhabene) Vermögende איש יקר ונכבד הגביר הנ’
[3] David, S(ohn) d(es ehrbaren) H(errn) Jakob Magyar. דוד בכ”ה יעקב מאג’אר
[4] E(r) s(tarb) am Montag, 22. des Monats Av נ”ע יום ב כ”ב לחדש אב
[5] des Jahres 628 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שנת תרכח לפ”ק
[6] Über ihn erhebt sich der Klagende. עליו נשא המקונן
[7] David stieg auf in die Höhen des Handels und doppelt in seinem Geist. דוד עלה במעלות המסחר וברוחו פי שנים
[8] Er trachtete nach Geldvermögen in einem Land, das nicht satt wird von Wasser. שאף להון הממון בארץ לא שבעה מים
[9] Um seinen Kindern Besitz zu vererben, war er ständig tätig ohne Trägheit. להנחיל לבניו יש יגע תמיד בלי עצלתים
[10] Oh weh! Wie plötzlich sank seine Sonne und wurde düster zu Mittag. אוי! איכה פתאום בא שמשו ונקדר בצהרים
[11] Sein Körper kehrte zurück zu seiner Mutter, seine Seele in den Himmel. גופו שב אל אמו, ונשמתו לשמים
[12] Hier klagen seine Kinder: Oh weh über den Vater, der teurer war als das Gold aus Parwaim. פה יספדו בניו אוי על אב יקר מזהב פַרְוַיִם
[13] S(eine Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[14] Hier ruhet
[15] Herr
[16] David J. Magyar
[17] geb. den 5. Nov. 1810
[18] gest. den 9. Aug. 1868
[19] Unvergesslich
[20] seiner tief trauernden Gattin
[21] und seinen Kindern.
[22] Friede seiner Asche!


Anmerkungen

Zeile 7: Vgl. 2 Samuel 15,30 ודוד עלה במעלה.

Zeile 8: Sprüche 30,16 ארץ לא שבעה מים.

Zeile 10: S. bes. Amos 8,9 והבאתי השמש בצהרים “will ich die Sonne mitten am Tag untergehen lassen”.

Zeile 11: Die Mutter war demzufolge zum Zeitpunkt des Ablebens ihres Sohnes bereits tot, der Vater müsste noch gelebt haben.

Zeile 12: S. 2 Chronik 3,6 והזהב זהב פַּרְוָֽיִם “das Gold war Gold aus Parwajim” (im masoretischen Bibeltext wird die Pausalform verwendet). “Parwajim“: unsicher, ob und welche Region gemeint ist.


Biografische Notizen

David L. Magyar, geb. 05. November 1810, Produktehändler aus Pest (recte Temesvat), verheiratet (geh. im Türkischen Tempel zu Wien), gest. 22. Av 628 = Sonntag, 09. August 1868, 21 Uhr an Leberkrebs in Hinterbrühl (bei Mödling, Niederösterreich) Nr. 44, begraben am 11. August um 17 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, türkischer Platz, lt. Gräberbuch Gruppe 10, Nr. 108

Vater: Jakob Magyar


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Schey von Koromla Charlotte, geb. Landauer – 06. März 1842

Personenregister jüdischer Friedhof Währing Charlotte (Frumet) Schey von Koromla, geb. Landauer, 25. Adar 602 (= Sonntag, 06. März 1842) Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift Inschrift Charlotte Schey: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung…

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Charlotte (Frumet) Schey von Koromla, geb. Landauer, 25. Adar 602 (= Sonntag, 06. März 1842)



Vorderseite: Die deutsche Grabinschrift

Inschrift Charlotte Schey: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Hier ruhet
[2] die Hülle der seligen Frau
[3] Charlotte Schey
[4] geboren den 4. September 1820
[5] gestorben den 6. März 1842
[6] Aus den Armen ihres Gatten
[7] Rief ins dunkle Reich der Schatten
[8] Zeitlich sie der Himmel ab,
[9] Und des Gatten zärtlich Sehnen
[10] Und der Freunde heiße Thränen
[11] folgen ihr ins Frühe Grab.
[12] Inniglich und immer fester
[13] Schlang sie um das Kind der Schwester
[14] Treuer Liebe zärtlich Band.
[15] Wie sie mild ist heimgegangen,
[16] Wird sie Gottes Lohn empfangen
[17] In der Seelen Heimatland.

Rückseite: Die hebräische Grabinschrift

Inschrift Charlotte ScheyH: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פ”ט
[2] die gepriesene, die rechtschaffene und die teure Frau, האשה המפוארה הישרה והיקרה
[3] die tapfere Frau, die Kone ihres Mannes, Frau אשת חיל עטרת בעלה מרת
[4] Frumet Schey, פרומט שייא
[5] Tochter des Vorstehers, des Einlussreichen, d(es ehrbaren) H(errn) Josef Landau, a(uf ihm sei der) F(rieden), בת האלוף הקצין כ”ה יוסף לאנדוי ע”ה
[6] Ehefrau des Vorstehers, des Einflussreichen, des Toragelehrten, אשת האלוף הקצין התורני
[7] d(es ehrbaren) Herrn) Simon Schey, s(ein Licht) m(öge leuchten). כ”ה שמעון שייא נ”י
[8] Sie verstarb in der Mitte ihrer Tage am Montag, 25. Adar נפטרת בדמי ימיה ביום ב כה אדר
[9] und wurde begraben am Mittwoch, 27. daselbst ונקברת ביום ד כ”ז בו
[10] des Jahres 602 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). שנת תרב לפק
[11] I(hre Seele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה


Anmerkungen

Hebräische Inschrift, Zeile 3: Sprüche 12,4 אשת חיל עטרת בעלה.

Hebräische Inschrift, Zeile 5: Der Segenswunsch “auf ihm sei der Frieden” ist falsch, der Vater Joseph Landauer war zum Zeitpunkt des Ablebens seiner Tochter noch am Leben, er stirbt 1855 (s.u.). Es müsste also wie beim Ehemann (s.u.) “sein Licht möge leuchten” heißen.

Hebräische Inschrift, Zeile 6: Der Segenswunsch “Sein Licht möge leuchten” steht, weil der Εhemann beim Ableben seiner Frau noch am Leben war. Siehe unten, Friedrich Schey Freiherr von Kormla starb am 15. Juli 1881.

Hebräische Inschrift, Zeile 7: Vgl. Jesaja 38,10 “…In der Mitte meiner Tage (muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt)…” …בדמי ימי….


Biografische Notizen

Charlotte (Frumet) Schey von Koromla, geb. Landauer, 04. September 1820 in Wien, 2. Ehefrau von Friedrich (Simon) Schey, s.u., gest. 25. Adar 602 = Sonntag, 06. März 1842 um 18 Uhr (also schon am 25. Adar) an Typhus in Wien, Leopoldstadt, Nr. 10, begraben Dienstag (“Mittwoch” in der hebräischen Grabinschrift ist falsch), 8. März 1842 um 09 Uhr am jüdischen Friedhof Währing, Leichenzeichen, lt. Gräberbuch alte Nr.: 414, neu: Gruppe 2, Nr. 76.

Kind ohne Namen (ihrer Schwester Emilia, der ersten Ehefrau von Friedrich Schey, s.u.), geb. ca. Dezember 1841/Jänner 1842, gest. 06. März 1842 um 21 Uhr an Leberschwäche in Wien, Leopoldstadt, Nr. 10, begraben am jüdischen Friedhof Währing im selben Grab wie Charlotte Schey.

Vater: Joseph Landauer, geb. 20. Juli 1793 in Wien, Gesellschafter der k.k. priv. Großhandlungen “Mayer & Landauer” und “Joseph Landauer” in Wien, gest. 10. September 1855 an der Cholera in Weikersdorf bei Baden, begraben am jüdischen Friedhof Währing
Mutter: Rosalia Bauer, geb. 26. Jänner 1796 in Pest (Ungarn), Tochter des Salomon Bauer (Großhändler in Pest) und der Cäcilie (Bauer), gest. 12. Mai 1864 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing. Das Ehepaar hatte 15 Kinder, 3 Töchter, Emilia, Charlotte und Hermine, sind in unserem Zusammenhang besonders wichtig, s.u.

Der Vater von Joseph Landauer war Isak Gabriel Landauer, protokollierter Handelsmann, dann Gesellschafter der k.k. priv. Großhandlung N. Mayer & G. Landauer in Wien, geb. ca. 1760 in Bingen am Rhein, gest. 21. Februar 1826 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing. Die Mutter war Julie Goldschmidt (auch Hamel), geb. ca. 1769 in Eisenstadt, gest. 09. Februar 1841 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing. Julie Goldschmidt war die Tochter des am 13. Februar 1769 in Eisenstadt verstorbenen und am älteren jüdischen Friedhof begrabenen Josef Frankfurt ben Isak ha-Levi Hamel (Joseph Goldschmidt) aus Frankfurt am Main und der am 09. April 1818 in Wien verstorbenen Sara (Serche) Leidesdorf, Tochter des in Eisenstadt verstorbenen und am älteren jüdischen Friedhof begrabenen Abraham (Aberl ben Meir) Leidesdorf (gest. 07. Jänner 1772) und der Sara (Rechli, Tochter Zvi Hirsch) Leidesdorf, gest. 22. Dezember 1767 in Eisenstadt und auch am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben.

Mit anderen Worten: Auf dem älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt finden wir die Gräber des Urgroßvaters sowie der Ururgroßeltern von Charlotte (Frumet) Landauer.

Ehemann von Charlotte (Frumet) Landauer: Friedrich (Simon) Schey, nachmalig Freiherr von Koromla, geb. 05. März 1815 in Güns (Kőszeg, Ungarn), Sohn des Joseph Schey und der Mathilde Steiner, gest. 15. Juli 1881 in Wien, begraben am Zentralfriedhof Wien.
Friedrich Schey war österreichischer Bankier, Großgrundbesitzer und Mäzen und in den 1860er und 1870er Jahren eine der einflussreichsten Personen.

Eintrag Sterbebuch Wien, Friedrich Freiherr Schey von Koromla, 15. Juli 1881

Eintrag Sterbebuch Wien, Friedrich Freiherr Schey von Koromla, 15. Juli 1881



1859 wurde Friedrich Schey gemeinsam mit seinem Onkel, Philipp Schey unter dem Ehrenwort “Edler” sowie dem Prädikat “von Koromla” geadelt. Baron Philipp Schey, geb. 1798, gest. 26. Juli 1881, begraben auf dem jüdischen Friedhof Lackenbach.



1. Ehefrau von Friedrich Schey: Emilia Landauer, (Schwester von Charlotte Landauer), geb. 25. April 1817 in Wien, gest. 19. Mai 1840 in Wien, begraben am jüdischen Friedhof Währing (Gräberbuch s.o.), geh. 26. Mai 1839 in Meidling bei Wien

2. Ehefrau von Friedrich Schey: Charlotte (Frumet) Landauer, s.o., geh. 15. Juni 1841 in Wien

Eintrag Hochzeitsbuch Wien, Charlotte (Frumet) Landauer und Friedrich (Simon) Schey, 15. Juni 1841

Eintrag Hochzeitsbuch Wien, Charlotte (Frumet) Landauer und Friedrich (Simon) Schey, 15. Juni 1841



Nach dem Tod von Charlotte (Frumet) Schey, geb. Landauer, heiratete Friedrich Schey ein drittes Mal, und zwar in Triest wiederum eine Tochter von Joseph Landauer und damit Schwester von Charlotte (und Emilia), Hermine Landauer, geb. 1822 in Wien, gest. 26. April 1904 in Wien.

Die ausführliche Genealogie in: Georg Gaugusch, Wer einmal war. Das jüdische Großbürgertum Wiens, 1800-1938, Band II, L-R, Wien 2016, 1719ff

Personenregister jüdischer Friedhof Währing


Keine Kommentare zu Schey von Koromla Charlotte, geb. Landauer – 06. März 1842

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