Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Kunst und Kultur

Die Gedenktafel – NEU

Eine kleine Nachlese Schon 2010 kritisierten wir die „alte“ Gedenktafel an jenem Haus, an dessen Standort sich die Gemeindesynagoge von Eisenstadt befunden hatte. Gestern Abend enthüllten der Bürgermeister der Freistadt…

Eine kleine Nachlese

Schon 2010 kritisierten wir die „alte“ Gedenktafel an jenem Haus, an dessen Standort sich die Gemeindesynagoge von Eisenstadt befunden hatte.
Gestern Abend enthüllten der Bürgermeister der Freistadt Eisenstadt, Thomas Steiner und Seine Exzellenz, der Botschafter des Staates Israel, Mordechai Rodgold, eine neue, zeitgemäße Gedenktafel.

Neue, zetigemäße Gedenktafel an dem Gebäude, das heute am Standort der ehemaligen Gemeindesynagoge steht

Neue, zetigemäße Gedenktafel an dem Gebäude, das heute am Standort der ehemaligen Gemeindesynagoge steht


Nach der Enthüllung wurde der Innenraum der Gemeindesynagoge in Originalgröße auf das Gebäude projiziert.

Die eigentlich für nur einen Tag geplante Mikroausstellung „Die Schul‘. Eine Mikro-Ausstellung über die ehemalige Gemeindesynagoge Eisenstadt“ gefiel und wird daher noch bis 26. Oktober verlängert.
Und das Buffet, das die Freistadt Eisenstadt ausrichtete, war unglaublich gut!

Danke allen, die mitgewirkt und gekommen sind!



Projektion des Innenraums der ehemaligen Gemeindesynagoge in Originalgröße

Projektion des Innenraums der ehemaligen Gemeindesynagoge in Originalgröße




Alle Fotos bekamen wir von der Freistadt Eisenstadt, vielen Dank Peter Opitz!


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Mikro-Ausstellung und ein historischer Abend

In der Vorhalle der ehemaligen Gemeindesynagoge von Eisenstadt befand sich eine Tafel zur Begrüßung. Wir haben die Tafel sehr sachte renovieren lassen und präsentieren sie heute erstmals in unserer Mikro-Ausstellung…

In der Vorhalle der ehemaligen Gemeindesynagoge von Eisenstadt befand sich eine Tafel zur Begrüßung. Wir haben die Tafel sehr sachte renovieren lassen und präsentieren sie heute erstmals in unserer Mikro-Ausstellung „Die Schul‘. Eine Mikro-Ausstellung über die ehemalige Gemeindesynagoge Eisenstadt“.

Tafel in der Vorhalle der ehemaligen Gemeindesynagoge in Eisenstadt, 1913

Tafel in der Vorhalle der ehemaligen Gemeindesynagoge in Eisenstadt, 1913 (Tafel: Leihgabe des Landesmuseums Burgenland)

זה השער לה’ צדיקים יבואו בו
נתחדש בשנת נפשי תער“ג עליך אלקים
לפ“ק

Das ist das Tor zum HERRN, die Gerechten ziehen hier ein (Psalm 118,20).
Erneuert im Jahr, als meine Seele nach dir, oh Gott lechzte (Psalm 42,2),
nach der kleinen Zeitrechnung (= 1913)

Die kleine charmante Ausstellung (danke meinen Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern Sonja Apfler, Monika Gruber und Christopher Meiller) können Sie nur heute sehen und zwar bis ca. 20 Uhr.

Denn am Abend wird eine neue Gedenktafel an jenem Gebäude enthüllt, das heute an der Stelle der ehemaligen Gemeindesynagoge steht. Außerdem wird ein historisches Foto der Gemeindesynagoge in Originalgröße auf dieses Gebäude projiziert.

Wir laden alle sehr herzlich ein, am Abend nach Eisenstadt in die Unterbergstraße zu kommen, siehe unseren Newsletter mit dem Programm des historischen Abends: Newsletter 12. Oktober 2022.


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Der Herr segne und behüte dich. Von Mr. Spock bis zur Schlange der Ewigkeit I

Symbole auf jüdischen Grabsteinen Prolog Der Artikeltitel war der Titel meines kleinen Vortrages in der Langen Nacht der Museen gestern, am 01. Oktober 2022. Die Idee zum Thema kam eigentlich…

Symbole auf jüdischen Grabsteinen

Prolog

Der Artikeltitel war der Titel meines kleinen Vortrages in der Langen Nacht der Museen gestern, am 01. Oktober 2022.

Die Idee zum Thema kam eigentlich zufällig, als ich am jüdischen Friedhof Kobersdorf vor einigen Monaten ein Symbol aktiv wahrnahm, das ich zuvor noch nie auf einem anderen jüdischen Friedhof des Burgenlandes gesehen hatte: Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, der Ouroboros, der auch als „Schlange der Ewigkeit“ bekannt ist. Nun galt es einerseits zu verifizieren, ob diese spezielle Form der Schlange nur auf Grabsteinen am jüdischen Friedhof Kobersdorf zu finden ist oder auch auf anderen jüdischen Friedhöfen. Ich darf es vorwegnehmen, so viel sei schon verraten: ja, den Ouroboros gibt es nicht nur in Kobersdorf, nicht aber in Eisenstadt!

Bei der Suche stieß ich allerdings zu meiner großen Verwunderung auf viele andere, vielleicht nicht ganz so spektakuläre, aber sehr schöne Symbole, besonders auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt: Tiere, Blumen, Namenssymbole usw.

Mit diesem Artikel soll eine kleine Serie beginnen, bei der die Symbole auf jüdischen Grabsteinen, vor allem auf jüdischen Friedhöfen im Burgenland, nicht nur vorgestellt, sondern auf ihre jüdische Tradition hin untersucht werden.

Aber wir beginnen heute sozusagen mit „Adam und Eva“, mit den wohl schon bekannten segnenden Priesterhänden.

Quasi ein PS: Ich gestehe, mich bisher noch nie mit den Symbolen (außer den gängigen genuin jüdischen) intensiver beschäftigt zu haben, was bis zu einem gewissen Grad auch damit zusammenhängt, dass ‒ unterm Strich ‒ einerseits der Befund auf beiden jüdischen Friedhöfen in Eisenstadt relativ dünn ist und andererseits viele der Symbole auf den Grabsteinen heute ohne intensive vorsichtige Bearbeitung praktisch so gut wie nicht zu sehen oder zu erkennen sind.


Segnende Priesterhände

Beim Segen erhebt der Priester seine Hände mit der charakteristischen Fingerhaltung, bei der kleiner Finger und Ringfinger sowie der Daumen von Zeige- und Mittelfinger abgespreizt werden. Damit soll der hebräische Buchstabe ש „SCHIN“ assoziiert werden, der Anfangsbuchstabe des Wortes אֵ֣ל שַׁדַּ֔י „(El) Schaddai“ (der Allmächtige).

Mini-Exkurs

Der Priestersegen heißt Hebräisch „Birkat Kohanim“ oder „Nesijat Kapajim“ (wörtl: „Heben der Hände“) und ist unter aschkenasischen Juden auch als „Duchanen“ (s. u. das Video mit Leonard Nimoy) bekannt (s. auch The Mitzvah of „Duchening“ – Birchas Kohanim„). („Duchan“ ist das aramäische Wort für die Plattform vor dem Toraschrein, siehe etwa babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 118b „וְאָמַר רַבִּי יוֹסֵי: מִיָּמַי לֹא עָבַרְתִּי עַל דִּבְרֵי חֲבֵרַי. יוֹדֵעַ אֲנִי בְּעַצְמִי שֶׁאֵינִי כֹּהֵן, אִם אוֹמְרִים לִי חֲבֵירַי: עֲלֵה לַדּוּכָן — אֲנִי עוֹלֶה. „Ferner sagte R. Jose : Nie im Leben habe ich die Worte meiner Genossen übertreten. Ich selber weiß, dass ich kein Priester bin, trotzdem würde ich die Plattform besteigen, wenn meine Genossen mich dazu auffordern würden.“)


Die segnenden Priesterhände stehen für die Abstammung aus dem aaronidischen Priestergeschlecht. Die Priester, hebräisch Kohanim (Einzahl: Kohen), waren im Tempel für die Opferdarbringung und für das Sprechen des Segens (Priestersegen / Aaronitischer Segen, 4. Buch Mose (Numeri) 6,22-26) zuständig:

Inschrift Aaronitischer Segen: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[Num 6,22] Der HERR sprach zu Mose: וַיְדַבֵּ֥ר יְהֹוָ֖ה אֶל־מֹשֶׁ֥ה לֵּאמֹֽר׃
[Num 6,23] Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: דַּבֵּ֤ר אֶֽל־אַהֲרֹן֙ וְאֶל־בָּנָ֣יו לֵאמֹ֔ר כֹּ֥ה תְבָרְכ֖וּ אֶת־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל אָמ֖וֹר לָהֶֽם׃ {ס}
[Num 6,24] Der HERR segne dich und behüte dich. יְבָרֶכְךָ֥ יְהֹוָ֖ה וְיִשְׁמְרֶֽךָ׃ {ס}
[Num 6,25] Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. יָאֵ֨ר יְהֹוָ֧ה ׀ פָּנָ֛יו אֵלֶ֖יךָ וִֽיחֻנֶּֽךָּ׃ {ס}
[Num 6,26] Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. יִשָּׂ֨א יְהֹוָ֤ה ׀ פָּנָיו֙ אֵלֶ֔יךָ וְיָשֵׂ֥ם לְךָ֖ שָׁלֽוֹם׃ {ס}


Der 2016 verstorbene Singer-Songwriter, Dichter und Maler Leonard Cohen wurde als Kohen geboren und 1996 zum buddhistischen Mönch ordiniert. Am 24. September 2009, am Ende seines Konzerts in Tel Aviv, spricht er den Priestersegen:


In der hebräischen Bibel wird das dritte Buch Mose (Levitikus; hebr.: Wa-jikra) auch als „Torat haKohanim“ (Weisung für die Priester) bezeichnet, weil es in diesem Buch vor allem um die Arbeit der Kohanim im Stiftszelt und später im Jerusalemer Tempel geht. Die Kohanim kommen aus dem Stamm Levi, sind also eine Untergruppe der Leviten.
Aaron, der Bruder des Mose, wurde von diesem zum ersten „Großen Kohen“ geweiht, alle späteren Kohanim stammen daher von Aaron ab.

Da die Abstammung über die männliche Linie vererbt wird, findet man das Symbol vor allem auf Grabsteinen von männlichen Angehörigen aus dem Priestergeschlecht, meist mit dem Namen, später dem Beinamen „Kohen“, „Kohn“, „Kahn“, „KaZ“ usw. Siehe zum Beispiel Samuel Cohen, gestorben 1791 und am älteren jüdischen Friedhof von Eisenstadt begraben.
כ“ץ „KaZ“ ist eine Abkürzung für „Kohen Zedek“ „gerechter Priester“ wie bei Rabbiner Karl Klein (gestorben 1930 und begraben am jüngeren jüdischen Friedhof von Eisenstadt), hebräisch: Chaim Akiba KaZ (oder Ka’tz), Zeile 6.

Der Kohen darf sich nicht rituell verunreinigen. So ist es ihm verboten, mit einem toten Körper in Berührung zu kommen oder sich auch nur unter dem selben Dach aufzuhalten, unter dem sich auch ein Leichnam befindet. Der Kohen darf keinen Friedhof betreten, außer er achtet im Freien auf die Distanz von 192cm zum Grab oder zum Sarg. Kohanim werden häufig auch am Rand des jüdischen Friedhofes oder in einer Ecke des Friedhofes begraben, damit sie sich beim Besuch eines Grabes eines oder einer Verwandten nicht verunreinigen. Allerdings muss der Kohen am Begräbnis der nächsten Verwandten (Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Brüder väterlicherseits und nie verheirateten Schwestern väterlicherseits) teilnehmen und sich dabei verunreinigen.

Kohanim-Gräber an der Mauer, jüdischer Friedhof Lackenbach

Kohanim-Gräber an der Mauer, jüdischer Friedhof Lackenbach. Selbstverständlich war vor 1938 die Friedhofsmauer nicht so hoch!


Wenn aus der Tora gelesen wird (also am Schabbat, an Fastentagen oder am Montag und Donnerstag während des Morgengebetes…), werden je nach Anlass fünf, sechs oder sieben Personen zur Tora gerufen. Der erste Aufruf (die erste Alija) gilt immer einem Kohen, der zweite einem Levi. Wenn kein Kohen anwesend ist, wird er durch eine andere Person ersetzt, ist kein Levi anwesend, dann soll er durch den zuvor aufgerufenen Kohen ersetzt werden.

Viele weitere Regelungen, die den Kohen vor allem in Bezug auf die kultische Reinheit betreffen, siehe etwa Die Reinheit des Kohens„.

Dazu passt eine Geschichte, die uns vom berühmten, wundertätigen und langjährigen Rabbiner der jüdischen Gemeinde Deutschkreutz übermittelt ist: Rabbi Menachem Wannfried KaZ-Prossnitz (geb. 1795, Rabbiner in Deutschkreutz von 1840 bis zu seinem Tod 1891) hatte beim großen Chatam Sofer in Pressburg studiert und galt als dessen gelehrigster Schüler. So wurde er für seine Treue von Chatam Sofer sogar in dessen privaten Studierstube in die Kabbala, die jüdische Mystik, eingeweiht. Als Chatam Sofer am Sterbebett lag, besuchte ihn Rabbi Menachem Prossnitz und wurde vom Grauen gepackt, als er die Hand seines Lehrers ergriff, die sich wie aus Stein anfühlte. Chatam Sofer freute sich über den Besuch und deutete dann dem Rabbi Menachem das Zimmer zu verlassen, denn „ich sterbe“. Rabbi Menachem Prossnitz war ein Kohen und durfte sich daher nicht unter einem Dach mit einem Toten befinden [1].

Bemerkenswert ist jedenfalls, dass sich am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt bei 1.100 Grabsteinen nur 8 Grabsteine mit dem Symbol der segnenden Hände befinden.
Am jüngeren jüdischen Friedhof findet sich kein einziges Symbol der segnenden Hände, begraben sind, soviel wir wissen, nur der o.g. Rabbiner Karl Klein KaZ (ohne Symbol) und eine Frau, Rachel Kohn (verheiratet mit einem Kohen) und mit dem Symbol der Trauerweide am Grabstein.

Eine alte, v.a. mündlich überlieferte Geschichte aus dem ehemaligen jüdischen Viertel von Eisenstadt erklärt uns, dass sich vor allem in der neueren Zeit Kohanim nicht in Eisenstadt ansiedeln wollten. Weil sie nicht wussten, wo sich der jüdische Friedhof des mittelalterlichen jüdischen Viertels von Eisenstadt befunden hat. Mit der Nichtansiedelung wollten sie vermeiden, irrtümlich sozusagen Friedhofsgelände zu betreten.

Am Rande nur angemerkt sei, dass der Priestersegen in der Fernsehserie „Star Trek“ auch als vulkanischer Gruß bekannt ist. Wie es dazu kam, also die jüdischen Hintergründe, erklärt Leonard Nimoy (Mr. Spock), der selbst zwar in eine orthodoxe jüdische Familie geboren wurde, aber kein Kohen war:


In wenigen Tagen, zu Sukkot (Laubhüttenfest, heuer ab 9. Oktober Abend), wird der Priestersegen in Israel von hunderten Kohanim gesprochen und über Lautsprecher an die Westmauer in Jerusalem übertragen (genauso zu Pesach; siehe etwa den Birkat Kohanim Sukkot 2015).



[1] Siehe v.a. Shlomo Spitzer, Die jüdische Gemeinde von Deutschkreutz, Wien 1995 [Zurück zum Text (1)]


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Schawu’ot 5782

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schawu’ot! חג שבועות שמח! Am 2. Tag von Schawuot wird traditionell das biblische Buch Rut gelesen. Dieses hat 4…

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schawu’ot!

חג שבועות שמח!


Am 2. Tag von Schawuot wird traditionell das biblische Buch Rut gelesen. Dieses hat 4 Kapitel und 85 Verse. Rut ist eine der fünf Festrollen (Megillot, neben Ester, Hoheslied, Kohelet und Klagelieder).

Im 4. Kapitel, Vers 12, wird auch Tamar erwähnt:

Dein Haus gleiche dem Haus des Perez, den Tamar dem Juda geboren hat, durch die Nachkommenschaft, die der HERR dir aus dieser jungen Frau geben möge.

Tamar ist die Schwiegertochter von Juda, der sie unwissentlich geschwängert hatte. Die Geschichte kennen wir aus Genesis 38:
Juda, der vierte Sohn Jakobs, sah am Wegesrand Tamar, die er für eine Dirne hielt und wollte zu ihr kommen. Sie verlangte von ihm als Pfand für den von ihm versprochenen Ziegenbock seinen Siegelring, seine Schnur und den Stab in seiner Hand. Tamar wurde schwanger, was dem Juda gemeldet wurde. Dieser verfügte, dass sie wegen der begangenen Unzucht verbrannt werden sollte.

Als man sie hinausführte, schickte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Mann, dem das gehört, bin ich schwanger. Auch ließ sie sagen: Sieh genau hin: Wem gehören der Siegelring, die Schnüre und dieser Stab?

Genesis 38,25

Juda erkannte sein Pfand und dass Tamar im Recht war, da Juda ihr einen Kindsvater, nämlich seinen jüngsten Sohn Schela, verweigert hatte. Tamar gebar die Zwillinge Perez und Serach.

Die jüdische Holzschnitt-Bilderbibel des Moses dal Castellazzo (1466-1526) aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ist einer der schönsten Beweise für die Existenz eines im 15. Jahrhundert vorhandenen rabbinisch-jüdischen Bibelbilderzyklus.
Moses dal Castellazzo, Sohn des Gelehrten Abraham Sachs, der im 15. Jahrhundert aus Deutschland nach Italien eingewandert war, wurde schon in jungen Jahren mit der religiösen jüdischen Traditionsliteratur vertraut gemacht. 1521 bat er den Dogen von Venedig um die Gewährung des Privilegs, eine von ihm geschaffene Holzschnittfolge zu den fünf Büchern Mose zehn Jahre lang allein im Raum von Venedig drucken und verkaufen zu dürfen. Das Original dieser Holzschnitt-Bilderbibel ist heute nicht mehr erhalten, das Druckverfahren, dessen sich Moses bediente, war völlig veraltet und eine billige Technik, um nicht wohlhabende Käuferschichten zu erreichen. Dabei wurden auch die Sprachen der Käufer berücksichtigt: Italienisch, Judendeutsch und vielleicht Spagnolisch.

Eine der beiden Bibelszenen im Werk des Moses dal Castellazzo, die ihre Vorlagen im 11. Jahrhundert haben, ist die Darstellung von der Verurteilung Tamars zum Tod auf dem Scheiterhaufen durch Juda:

Bilderbibel des Moses dal Castellazzo, Folio 34, Verurteilung Tamars zum Tod

Bilderbibel des Moses dal Castellazzo, Folio 34, Verurteilung Tamars zum Tod


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Paul Celan – ’sah daß ein Blatt fiel und wußte, daß es eine Botschaft war‘

Literaturwissenschaftliche Fachtagung Pädagogische Hochschule Burgenland in Kooperation mit dem Österreichischen Jüdischen Museum Eisenstadt Termin: 12. 11. 2020 von 9.00 – 17.00 Uhr Onlinetagung: Meeting-Registrierung (Zoom). Paul Celan wurde am 23….

Literaturwissenschaftliche Fachtagung

Pädagogische Hochschule Burgenland in Kooperation mit dem Österreichischen Jüdischen Museum Eisenstadt

Termin: 12. 11. 2020 von 9.00 – 17.00 Uhr

Onlinetagung: Meeting-Registrierung (Zoom).


Paul Celan wurde am 23. 11. 1920 in Czernowitz geboren und starb (vermutlich) am 20. 4. 1970 in Paris. Somit jährt sich 2020 sein Geburtstag zum 100. und sein Todestag zum 50. Mal. Als Sohn deutschsprachiger jüdischer Eltern wurde er im Nationalsozialismus in einem Arbeitslager festgehalten und später, als er ins jüdische Ghetto Czernowitz zurückkehrte, zu Zwangsarbeit im Straßenbau verpflichtet. Seine Todesfuge zählt zu den zentralen Werken der Lyrik des 20. Jahrhunderts.
Diese Fachtagung widmet sich dem aktuellen literaturwissenschaftlichen Forschungsstand zu Paul Celan.

Begrüßung:

  • Vizerektorin HS.-Prof. Mag. Inge Strobl-Zuchtriegel, MAS MSc, PH Burgenland
  • MMMag. Dr. Christopher Meiller, Jüdisches Museum Eisenstadt
  • Moderation: HS-Prof. Mag. Dr. Eva Maltrovsky, Prof. Mag. Dr. Martin Hainz und MMag. Dr. Lukas Pallitsch

9.10 – 10.10 Uhr: Prof. em. Dr. Leonard M. Olschner, Queen Mary University of London: Celan lesen, Celan denken. Fünf Thesen zur vorläufigen Lektüre.

Bei diesem Referat geht es um das Thematisieren der Schwierigkeiten bei der Lektüre von Celans Lyrik und das Erkennen von möglichen Textzugängen zur Lektüre.

10.10 – 10.30 Uhr: Kaffeepause

10.30 – 11.30 Uhr: Dr. habil. Christine Ivanovic, Universität Wien: Eine Art Heimkehr.

Celans „Meridian“ beschreibt eine Kreisbewegung, die im Durchgang durch das Fremde in sich selbst zurückkehrt. Diese Figur der Heimkehr soll im Kontext der Philosophiegeschichte von Aristoteles über Hegel bis Lacoue-Labarthe evaluiert und an einzelnen Gedichtbeispielen aus dem Werk Celans belegt werden.

11.30 – 12.30 Uhr: Univ.-Doz. Mag. Dr. Artur R. Boelderl, Universität Klagenfurt: „Alles ist mehr, als es ist“ – Musil und Celan.

Der Vortrag folgt den Spuren des poetischen „Übermaßes der Innigkeit“ (Hölderlin), dem Umstand also, dass „alles, was ist, im Übermaß ist“ (Bataille), zu jenem „Nullpunkt der Literatur“ (Barthes), an dem das Sein und die Zeichen konvergieren, und legt das Augenmerk darauf, wie diese Konvergenz im sonst sehr heterogenen literarischen Schaffen Musils („Alle unsere Erlebnisse sind mehr, als wir erleben“) und Celans („Alles ist mehr, als es ist, alles ist weniger“) zum Tragen kommt.

12.30 – 14.00 Uhr: Mittagspause

14.00 – 15.00 Uhr: Prof. Dr. Dr. h.c. Andrei Corbea-Hoisie, Al. I. Cuza-Universität, Iasi (Rumänien): Um Celans „rumänische Büffel“. Nochmals über die Entstehung des Gedichtes Coagula.

Eine Reflexion zum Verhältnis des Dichters zu seiner geistigen Umgebung und intellektuellen Ausbildung. Gegenüberstellung Celan’scher Äußerungen mit der dichterischen Verwertung des Konzepts „Mitteleuropa“ in den 80 Jahren. Eine ideengeschichtliche Analyse.
Moderation: Lukas Pallitsch

15.00 – 16.00 Uhr: Prof. Dr. Markus May, Ludwig-Maximilians-Universität München: Rot- und Judenwelsch. Zu Paul Celans Gedicht „Eine Gauner- und Ganovenweise“.

Mit dem Gedicht „Eine Gauner- und Ganovenweise“ aus Paul Celans Band „Die Niemandsrose“ setzt sich der Autor mit den Mitteln extremer Polyphonie gegen die Plagiatsvorwürfe der Witwe Goll zur Wehr. Die Analyse der Sprachgestalt offenbart das Muster einer spezifischen Approbation, das heteronome Stereotypen subversiv umzudenken und im Sinne einer Selbstzuschreibung umzucodieren in der Lage ist.

16.00 – 17.00 Uhr: Prof. Mag. Dr. Martin A. Hainz, PH Burgenland: „Keinmaleins“. Hoffentlich dialogische close readings zu und mit Paul Celan.

Worte sind zu lesen, um sie wieder in Funktion zu setzen: diese „Alarmsignale“ nämlich. „»Schreiben« heißt nichts anderes als sie in Funktion setzen.“ (W. Benjamin)

Dies ist das im Vortrag zu rekonstruierende Anliegen Celans, der unermüdlich als Leser Wörter und Worte so setzte, dass sie wieder etwas genau zeigten, das zuvor nur mehr metaphorisch war, und zwar genau in dem Sinne, dass die Uneigentlichkeit, die freilich unhintergehbar ist, ihnen wieder abzulesen war, aber auch, wie sie zu dem, was es eigentlich zu sagen geben möge, jedenfalls stehen.

Abschluss

17.00 Uhr: Ende der Veranstaltung


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Rosch haSchana 5781

Heute ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5781. שנה טובה ומתוקה, כתיבה וחתימה טובה! Selbstverständlich haben wir…

Heute ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5781.

שנה טובה ומתוקה, כתיבה וחתימה טובה!

Selbstverständlich haben wir auch einen Neujahrs-Podcast gestaltet zum Thema „Jüdischer Kalender“.

Im folgenden Beitrag geht es um das Neujahrsfest in Eisenstadt, wie es Alfred Fürst in seinen „Sitten und Gebräuchen des Jahres“ 1908 beschreibt:

Das dankbarste Feld hat der Redner [bei der Predigt im Synagogengottesdienst] stets zur Zeit der Jahreswende, da das ganze Denken und Fühlen der Gemeinde ernsteren Gedanken zugänglich ist; da das pietätvolle Besuchen der Gräber, die bußfertige Ausübung menschenfreundlicher, gottgefälliger Handlungen dem Juden ebenso ans Herz gewachsen sind, wie das rein menschliche Hoffen und Harren auf ein gutes, neues Jahr. Ein Gemisch von Zagen und Hoffen charakterisiert auch die Liturgie dieser Bußezeit. Bloß am Neujahrstage, am Gerichtstage der „Einschreibung“ [d.h. das Los der Menschen wird von Gott bestimmt] überwiegt interessanterweise der so seligmachende Optimismus des Judentums. Die Schofarpredigt (vor dem Blasen der Neujahrsposaune), vor dichtgefüllter Galerie auf dem Almemor gesprochen, vermeidet es ängstlich ein strenges, strafend-ermahnendes Wort auszusprechen; bloß die Verdienste, die Wünsche der Gemeinde werden wohlwollend aufgezählt. Alles erscheint im Geiste so milde, so sanft, so verklärt licht, als wäre es ein innerer Widerschein des Gotteshauses, dessen Anblick heute wirklich bloß von Unschuld und Verklärtheit spricht. Hell, licht ist jeder Tempelschmuck: das Porocheth [Toravorhang] vor der Bundeslade, die Tischdecken und Toramäntelchen, auch die „Ständer“ (Betpulte) sind mit schneeigen Servietten bedeckt; einer Schar von Engeln aber gleicht nach einem Bildes des Midrasch [nicht wissenschaftlicher Kommentar zur Bibel] ‒ die andächtige Gemeinde, in ihre linnenen Totenkleider ernst gehüllt, Frauen sogar oft ganz in Weiß. Wahrlich die Harmonie der Eintracht und Liebe steigt mit den 30 Schofartönen zum „Eigner der Liebe“ empor“!

Und auch in den Familienhäusern hörst du keinen Laut der Lieblosigkeit, des Ärgers: süß ist die Sprache des neuen Jahres, süß ist der Honig, den man jetzt drei Wochen lang mit den Feiertagsbraten genießt. Die „Barches“ [Weizengebäck am Schabbat] müssen bis zum Schlussfest rund geflochten sein, um die Runde des Jahres anzuzeigen, geschickte Hausfrauen backen darauf kleine Kronen, Vögelchen, auch segnend ausgebreitete Kohenitenhände [Priesterhände]. In die Suppe kommen lange, feine Nudeln, ‒ das Jahr möge lang und fein sein, Enden werden nicht gegessen, ‒ das Leben möge nicht enden, hingegen liebt man die Köpfe vom Fisch und Geflügel, ‒ man möge zum Kopf werden, nicht zum Schwanz (Oberster und Letzter). Als Gemüse kochen die Frauen gern süßes Kraut oder Rüben, ‒ das „Hab“ (Haperl = Haupt vom Kraut) möge sich „mehren“ (Möhren = Rüben); man vermeidet scharfe Speisen und in die Mehlspeise gibt man keine dunkle Füllung, Mohn oder Schokolade. ‒ Ist dieses Menü verspeist, gönnt sich der Fromme Mann kein Schlummerstündchen, ‒ er könnte sonst das Jahr veschlafen, ‒ sondern eilt in den Tempel zu „Thillim“ [Psalmen, die gesagt werden, um in dieser Zeit nichts Böses zu sprechen]. Nach dem Minchagebete [Nachmittagsgebet] aber, dessen Zeit von nun an um 4 Uhr ist, eilt Jung und Alt, Mann und Weib zum Teich in den Hofgarten, um „Taschlich“ [symbolisches Sündenversenken] zu machen. Ob es bei dieser großen Toilettenparade auch noch ohne jede Kritik, ohne missgönnischen Blick abgeht!?

Aladar Alfred Ahron Fürst wurde 1877 in Eisenstadt geboren und promovierte an der Universität von Budapest zum Doktor der Philosophie. Er war 19 Jahre lang an der Hauptrealschule in Stuhlweißenburg Lehrer, ab 1921 unterrichtete er am jüdischen Knabengymnasium Budapest ungarische und deutsche Sprache. Fürst starb 1950 in Jeursalem. Veröffentlichungen: neben zahlreichen Artikeln in ungarischen und deutschen Zeitschriften erschien u.a. 1898 seine Dissertation „Gessner Salomon“ und 1914 die Artikelserie „die jüdischen Realschulen Deutschlands“ in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“.


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