Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Leben und Glaube

Über das Waschen der Hände

Eines der schönsten, wertvollsten und interessantesten Objekte unserer Dauerausstellung ist das aus der Judaica-Sammlung Sándor Wolfs stammende Handwaschbecken. Das Handwaschbecken, eine typische Jugendstilarbeit, unter Verwendung islamischer Ornamentik, dürfte wohl für…

Eines der schönsten, wertvollsten und interessantesten Objekte unserer Dauerausstellung ist das aus der Judaica-Sammlung Sándor Wolfs stammende Handwaschbecken.

Das Handwaschbecken, eine typische Jugendstilarbeit, unter Verwendung islamischer Ornamentik, dürfte wohl für den synagogalen Gebrauch bestimmt gewesen sein. Aus welcher Synagoge es stammt, lässt sich nicht mehr feststellen.

Synagogales Handwaschbecken, vermutlich Bezalel, 1910

Synagogales Handwaschbecken, vermutlich Bezalel, 1910; Dauerleihgabe des Landesmuseums Burgenland, Inv.Nr.: 53.223



Material(ien): Messingblech, Glasfluss gefasst, gedrückt, getrieben, punziert, gegossen.
Hergestellt: um 1910, vermutlich Bezalel
Höhe: 63 cm, Breite: 40 cm, Tiefe: 24 cm [1].

Auf der oberen Seite des Handwaschbeckens befinden sich die beiden Gesetzestafeln mit den Anfangsworten bzw. -buchstaben der 10 Gebote, flankiert von zwei Löwen, an den beiden Seiten jeweils eine Hirschkuh. Sowohl der Löwe, das Wappentier des Stammes Juda, als auch die Hirschkuh, das Wappentier des Stammes Naftali, repräsentieren ganz allgemein das Judentum. Vor allem die in Jagdszenen gerne als gejagtes Tier dargestellte Hirschkuh ist die in Sprüche Kapitel 5, Vers 19 genannte Geliebte, die zum Symbol für das trotz aller Verfolgungen Gott die Treue haltende Judentum wird.

Unmittelbar über dem eigentlichen Becken findet sich in vier Zeilen der Segensspruch über das Händewaschen in hebräischer Sprache und Schrift.

בּרוּך אתה ה’ אלהינוּ
מלך העולם אשר קדשנוּ
בּמצותיו וצונוּ על
נטילת ידים

Die Übersetzung lautet:

Gesegnet seist Du, Gott, unser Herr, König der Welt, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns auf das Waschen der Hände verpflichtet hat.

Da es eher ungewöhnlich ist, dass sich dieser Segensspruch auf einem Handwaschbecken, das für den synagogalen Gebrauch bestimmt ist, findet, soll hier näher auf Bedeutung und Verwendung dieses Segensspruches eingegangen werden.

Gesegnet seist Du, Gott, unser Herr, König der Welt

Als Segensspruch im eigentlichen Sinn wird der ‒ meist standardisierte ‒ ausgesprochene Segen, näherhin jener, mit dem die Menschen Gott loben und danken, bezeichnet. Diese Segenssprüche werden hebräisch ›Brachot‹ (Singular: ›Bracha‹) genannt und dürfen als Kernelement des jüdischen Gebetes bezeichnet werden. Denn es sind die Segenssprüche, die den Menschen zur richtigen Gottesfurcht führen, wie es im Traktat Menachot 43b des babylonischen Talmud zur Stelle 5. Buch Mose, Kapitel 10, Vers 12:

Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir …« heißt: »Rabbi Meir sagte: Der Mensch ist verpflichtet, täglich hundert Segenssprüche zu sprechen …

Die Vorschrift, täglich hundert Segenssprüche zu sprechen, finden wir auch im Schulchan Aruch (›gedeckter Tisch‹), dem für das orthodoxe Judentum maßgeblichen Gesetzeskodex des Josef ben Ephraim Karo (Erstdruck 1565), wo es heißt:

Der Mensch ist verpflichtet, jeden Tag wenigstens hundert Brachot zu sprechen; der König David hat dies angeordnet ….

Kizzur Schulchan Aruch, Basel 1978, I, Kapitel 6, § 7

Die jüdische Religion kennt drei Arten dieser Segenssprüche:

  1. jene, die vor Erfüllung einer religiösen Pflicht (hebr. ›mitzwa‹) gesprochen werden,
  2. die sogenannten Genuss-Brachot, also Segenssprüche, mit denen wir Gott für alle Dinge, die uns gut tun und die wir von ihm erhalten haben (z. B. Brot und Wein oder die Tora) danken, sowie
  3. Segenssprüche, die reine Lobpreisungen oder Danksagungen sind.

Gemeinsam allen drei Segenssprüchen sind jeweils die direkte Anrufung Gottes (Gott, unser Herr) sowie die ausdrückliche Nennung seiner Eigenschaft als Herrscher der Welt (König der Welt).

Der Segensspruch auf dem Handwaschbecken ist der erste der morgendlichen Segenssprüche und wird täglich nach den ersten Versen des Morgengebetes gesprochen. Unmittelbar auf diesen Segensspruch folgt ein Segensspruch der 2. Art (s. o.), mit dem Gott als Schöpfer des Menschen und als ›Arzt alles Fleisches und Wunder vollbringend‹ gelobt wird. Während diese ersten beiden Segenssprüche im Morgengebet Gott für die Existenz des Menschen generell danken, folgen danach mehrere Segenssprüche, mit denen Gott für die Gabe der Tora gedankt wird bzw. solche über die ›mitzwot‹, also die Verpflichtung(en), sich der Tora zu widmen sowie eine Gruppe von Segenssprüchen, mit denen der Mensch Gott dankt, dass er ihm die 613 Ge- und Verbote erteilt hat und schließlich mehrere Segenssprüche über Dinge, die dem Menschen guttun.

Da dieser Segensspruch über das Waschen der Hände eben schon zu Hause während des Morgengebetes als erster Segensspruch des ganzen Tages gesagt wird, gilt er als für den ganzen Tag gesagt und muss in der Synagoge eigentlich nicht mehr wiederholt werden.

Das Vorhandensein des Segensspruches auf unserem Objekt ist auch der Grund, warum man grundsätzlich auch an ein Handwaschbecken für den häuslichen Gebrauch denken könnte. Dagegen und doch für ein Handwaschbecken für den synagogalen Gebrauch spricht aber die Größe des Beckens und die Tatsache, dass wir doch öfter auch auf älteren Handwaschbecken für den synagogalen Gebrauch (19. und frühes 20. Jahrhundert), vornehmlich aus dem Osten, sehr wohl den Segensspruch finden.

Da kam die Zeit wo die Abendmahlzeit gehalten wird, alle standen auf um sich zu waschen, und die schöne Sara holte das große, silberne, mit getriebenen Goldfiguren reichverzierte Waschbecken, das sie jedem der Gäste vorhielt, während ihm Wasser über die Hände gegossen wurde. Als sie auch dem Rabbi diesen Dienst erwies, blinzelte ihr dieser bedeutsam mit den Augen, und schlich sich zur Türe hinaus. Die schöne Sara folgte ihm auf dem Fuße; hastig ergriff der Rabbi die Hand seines Weibes, eilig zog er sie fort, durch die dunklen Gassen Bacherachs, eilig zum Tor hinaus, auf die Landstraße, die den Rhein entlang nach Bingen führt.

Heinrich Heine, Der Rabbi von Bacherach, insel taschenbuch, Frankfurt/Main (1)1985, 22

… der uns durch seine Gebote geheiligt und uns auf das Waschen der Hände verpflichtet hat

Das Händewaschen selbst diente so wie alle anderen Reinigungsbräuche ursprünglich wohl der Abwehr von Dämonen und hatte im heißen Orient naheliegender Weise auch hygienische Gründe. Man wusch und/oder badete sich vor einem Besuch bei einem Höhergestellten, insbesondere natürlich, wenn man vor Gott erschien, um ein Opfer darzubringen (1. Buch Mose, Kapitel 35, Vers 2; 2. Buch Mose, Kapitel 30, Verse 19-21). Das Händewaschen als ausdrücklich genanntes Ritual vor und nach dem Essen findet sich erst im Neuen Testament (Matthäus, Kapitel 15, Vers 2 u. a.) sowie im Traktat Chullin des babylonischen Talmud 105a:

Das Waschen vorher und nachher ist Pflicht, das in der Mitte [also zwischen zwei Speisen, Anm. d. V.] ist freigestellt.

Heute wird der Segensspruch über das Waschen der Hände auch vor dem Essen von Speisen mit Brot verwendet, nach dem Essen müssen die Hände gewaschen werden, jedoch immer ohne Segensspruch:

… wenn das Brot die Größe eines Eies hat, sagt er Bracha über das Waschen; bei weniger als dies sagt er keine Bracha über das Waschen.

Kizzur Schulchan Aruch, Basel 1978, I, Kapitel 40, § 1

Später wurden die Vorschriften, die Hände zu waschen, auf andere Bereiche ausgedehnt, so nach dem Verrichten der Notdurft, dem Schneiden und Reinigen der Nägel, nach dem Besuch des Friedhofes, vor dem Beten etc.

Das Händewaschen morgens nach dem Erwachen hat außer der Gesundheit schätzenden Sauberkeit noch die Bestimmung, unsere Hände, und durch sie unser ganzes leibliches Wesen, das im Schlaf nur ein physisches Dasein hatte, für ein Gott dienendes tätiges Leben zu weihen. Ähnlich wie der Priester sich durch Händewaschen (2. Buch Mose, Kapitel 30, Vers 20) zum heiligen Tempeldienst zu weihen hatte.

Hirsch Samson Raphael, Israels Gebete, Basel 1992, 6

Hebräisch heißt dieses ›Händewaschen‹ נטילת ידים ›netilat jadajim‹, womit eigentlich ein Heben der Hände, nämlich

aus der niederen, bloß physischen Natur zu ihrer höheren sittlichen Bestimmung

Hirsch Samson Raphael, Israels Gebete, Basel 1992, 6

angedeutet sein soll (hebräische Wortwuzel נטל ›ntl‹). Damit geschieht mit dem Händewaschen schon konkrete Vorbereitung auf den beginnenden Gottesdienst. Lau leitet das Wort ›netila‹ vom aramäischen Wort ›natla‹ ›Gefäß‹ her und sieht darin die Aufforderung, dass das Händewaschen

nur mit einem mit sauberem Wasser gefüllten Gefäß vorgenommen werden muss…

Lau Israel Meir, Wie Juden leben. Glaube, Alltag, Feste, Gütersloh (4)1997, 7

Das vorliegende Handwaschbecken dient(e) zum Waschen der Hände vor und nach dem Synagogenbesuch, der Segensspruch wird jedoch, da schon am Morgen geschehen, nicht gesprochen:

Man soll vor dem Gebet die Hände bis zum Gelenk mit Wasser waschen (Rambam). Darum, wenn man auch seine Hände am Morgen gewaschen hat …, wenn man nachher mit den Händen irgendeine unsaubere Stelle berührt hat, das sind die Stellen, die beim Menschen bedeckt sind, an denen sich Schweißkügelchen vorfinden, oder wenn man den Kopf gerieben oder wenn man sie am Morgen nicht bis zum Gelenk gewaschen hat, muss man sie vor dem Gebet nochmals waschen. Wenn man kein Wasser hat, muss man sich danach bemühen, vier Mil (18 Minuten gleich ein Mil) weiter zu gehen (wohin man doch gehen wollte) oder ein Mil zurück. Wenn man aber fürchtet, inzwischen könnte die Zeit des Gebetes vorübergehen, reinige man seine Hände an einer Erdscholle oder mit Staub oder jeder Sache, die reinigt, und bete: ›denn es heißt (Psalm, Kapitel 26, Vers 6), ich wasche in Reinheit meine Hände … ich wasche mit Wasser, wenn es möglich ist, und wenn nicht, in Reinheit, mit jeder Sache, die reinigt‹.

Kizzur Schulchan Aruch, Basel 1978, I, Kapitel 12, § 5


[1] Die Bezalel-Akademie für Kunst und Design wurde 1906 vom Bildhauer und Maler Boris Schatz (1867-1932) in Jerusalem gegründet, bereits 1911 studierten etwa 460 Studenten an ihr. Sie wurde 1932, nach dem Tod Schatz's geschlossen und 1935 unter dem Maler und Graphiker Joseph Budko (1888-1940) als ›New Bezalel‹ wiedereröffnet. Für die kunsthistorische Analyse des Handwaschbeckens danke ich Frau Dr. Felicitas Heimann-Jelinek, Wien. [Zurück zum Text (1)]


Erstpublikation als Printversion: Johannes Reiss, Über das Waschen der Hände, in: Forscher ‒ Gestalter ‒ Vermittler. Festschrift Gerald Schlag, hrsg. von Wolfgang Gürtler und Gerhard Winkler, (WAB) Band 105, Eisenstadt 2001, 357-361.

Der Blogartikel ist eine überarbeitete Version des gedruckten Artikels.


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Heute ist Sonntag, der 8. Tevet 383…

Der Beitragstitel ist ein Zitat aus der Grabinschrift des ältesten jüdischen Grabsteins von Ebenfurth vom 11. Dezember 1622. Ein Sensationsfund: 28 Grabsteine und Grabstein-Fragmente in Ebenfurth Überblicksseite 28 Grabsteine und…

Der Beitragstitel ist ein Zitat aus der Grabinschrift des ältesten jüdischen Grabsteins von Ebenfurth vom 11. Dezember 1622.


Ein Sensationsfund: 28 Grabsteine und Grabstein-Fragmente in Ebenfurth


Landesrabbiner Schlomo Hofmeister

Landesrabbiner Schlomo Hofmeister beim Besichtigen der Grabsteine im Schloss Ebenfurth


Anfang 2020 wurden bei Renovierungsarbeiten im Schloss Ebenfurth im Fundament einer Mauer, die als Schutz gegen den osmanischen Vormarsch 1683 errichtet worden war, 28 jüdische Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Der älteste Grabstein hat das Sterbedatum 8. Tevet 383 = 11. Dezember 1622. Der Fund darf jedenfalls als Sensation bezeichnet werden, da bis dato nicht bekannt war, dass diese Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente aus der Blütezeit der jüdischen Gemeinde Ebenfurth noch existieren.

Restaurierte Mauer im Schloss Ebenfurth, in deren Fundament die 28 jüdischen Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente 2020 gefunden wurden

Restaurierte Mauer im Schloss Ebenfurth, in deren Fundament die 28 jüdischen Grabsteine bzw. Grabstein-Fragmente 2020 gefunden wurden



Zur Geschichte der Juden in Ebenfurth

Als 1994 das Gebäude der ehemaligen Synagoge von Ebenfurth geschleift wurde, begannen auch die Recherchen zur jüdischen Geschichte der Stadt.[1]
Die Synagoge befand sich am Annaplatz, später das Häuschen des Schuhmachers Mayer, mitten im jüdischen Viertel.[2] Ein Toreingang zur Synagoge mit dem hebräischen Zitat “Dies ist das Tor zum Herrn, Gerechte werden dahin eintreten” (Psalm 118,20 als Notarikon ז”ה”ל”ייצ”י”ב”) konnte gerettet und renoviert werden.

Möglicherweise befand sich bereits im Mittelalter, vor der sogenannten “Wiener Gesera“, der vollständigen Vernichtung bzw. Vertreibung der Juden aus dem Herzogtum Österreich, eine jüdische Gemeinde in Ebenfurth.

Die Wiederbesiedlung dauerte jedenfalls sehr lange, erst die Ausweisungen aus den Herzogtümern Steiermark und Kärnten 1496/97 führten zu einer neuerlichen Ansiedlung von Juden in Österreich unter der Enns. Mit kaiserlicher Erlaubnis ließen sich jene Juden, die nicht nach Görz, Triest oder Istrien bzw. nach Ungarn, Böhmen und Mähren gezogen waren, zunächst in der ungarischen Grenzregion auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes nieder, wenig später auch in Niederösterreich. 1614 sind erstmals Juden in Ebenfurth belegt.[3]

Zwischen 1652 und 1671 war Ebenfurth die größte jüdische Gemeinde von insgesamt 48 jüdischen Gemeinden in Niederösterreich. Das Urbar der Herrschaft Ebenfurth aus 1644 (HKA, Urbar Nr. 944) zählt in der Stadt 25 Häuser auf, die von Juden bewohnt werden. 1652, 1662 und 1666 sind in Ebenfurth 24 jüdische Familien registriert, 1669 sind es sogar 45 Familien. Den Grund für das in nur drei Jahren starke Anwachsen der jüdischen Bevölkerung kennen wir nicht, die jüdische Bevölkerung stellte damals jedenfalls etwa 20-30% der Ebenfurther Bevölkerung.

Die Ebenfurther Juden waren vor allem im Münzwesen tätig, Handwerk und ähnliche Tätigkeiten waren den Juden verboten.

…in einem Bericht des Hofkammerarchivs vom 28. 4. 1622 wird über ‘Gold, Silber, Groschen, Halbpazen in den Truchen’ von Israel Marxen und dem Salomon, beide ‘Judt von Ebenfurth’ berichtet… Ein Deputierter der Landjuden war ein ‘Phöbus aus Ebenfurth’, der um 1666 für die Steueraufteilung mitverantwortlich war. Weiters wird in einer Abrechnung vom 24. Juli 1662 ein Schätzungsdeputierter ‘H. Feibisch Ebenfurter Judt dem Herrn Unverzagt gehörig’ genannt. Die Steuerbemessung am 3. 8. 1662 war: 116 Gulden 24 Kr, der Rest war am 17.4. 1663 in der gleichen Summe fällig.[4]

Am 26. August 1671 begann die Vertreibung der Ebenfurther Juden, ab 1671 haben wir kaum noch Informationen über jüdisches Leben in der Stadt. Erst nach 1867 siedelten sich einige Familien wieder in Ebenfurth an.

Der sogenannte Anschluss im März 1938 besiegelte den Anfang vom endgültigen Aus jeden jüdischen Lebens in Ebenfurth, 1941 waren in Ebenfurth 47 Juden unbekannter Herkunft Zwangsarbeiter der Gutsverwaltung.


[1] Philapitsch Anton, Die Juden in Ebenfurth, in: David, 7. Jahrgang, Nr. 26, September 1995, 12f. [Zurück zum Text (1)]

[2] Glatz Sandra, Synagogen des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Raum Niederösterreich. Virtuelle Rekonstruktion der Synagogen von Oberwaltersdorf und Ebenfurth (Diplomarbeit), Wien 2013, S. 60ff; Genée Pierre, Synagogen in Österreich, Wien 1992, 40. [Zurück zum Text (2)]

[3] Brugger Eveline, Keil Martha u.a., Geschichte der Juden in Österreich, Wien 2013, 237ff; Staudinger Barbara, Gantze Dörffer voll Juden, Wien 2005, bes. 93 [Zurück zum Text (3)]

[4] Philapitsch Anton, Die Juden in Ebenfurth, in: David, 7. Jahrgang, Nr. 26, September 1995, 12f. 1581 wurde Ebenfurth Pfandbesitz der Herren von Unverzagt, 1589 erwarben sie durch Kauf die Stadt, die sie 1747 an Leopold Suttner v. Gundacker weiter verkauften. In ihre Zeit fiel die Gründung der jüdischen Gemeinde, das Schloss erhielt sein heutiges Aussehen. [Zurück zum Text (4)]



Obwohl aus jüdischer Sicht sozusagen off-topic, darf ein fast unglaublicher Netzfund hier auch noch erwähnt werden: Die einzig erhaltene Tonaufnahme der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (als Tante Boulotte) im Schloss Ebenfurth, am 23. Mai 1904. Danke Silvia Freudensprung-Schöll für Fund und Hinweis!



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Fast nichts anders …

Sollen die Museen wieder öffnen? Was sagen die Museen? Was die Besucher*innen? Was sind Eure Erfahrungen? fragt Jörn Brunotte in seiner Blogparade #closedoropen, zu der er auch mich/uns einlud. Vorweg:…

Sollen die Museen wieder öffnen? Was sagen die Museen? Was die Besucher*innen? Was sind Eure Erfahrungen?

fragt Jörn Brunotte in seiner Blogparade #closedoropen, zu der er auch mich/uns einlud.


Vorweg: Unser Museum, das Österreichische Jüdische Museum, liegt in der Provinz, jedenfalls von der Hauptstadt Wien aus gesehen. Heute. In der Mitte des 19. Jahrhunderts freilich waren die jüdischen Gemeinden, die auf diesem bis 1921 westungarischem, heute burgenländischem Gebiet existierten, zum Teil echte Metropolen, die als solche auch Weltruhm erlangten. Zumindest in der jüdischen Welt.

Das ist heute anders. 1938 bedeutete das endgültige Aus allen jüdischen Lebens im Burgenland. Das Österreichische Jüdische Museum hat das Glück, mitten im ehemaligen jüdischen Viertel von Eisenstadt platziert zu sein, die ehemalige Privatsynagoge des Hoffaktors Samson Wertheimer in unserem Haus ist die einzige „living synagogue“ des Burgenlandes. Synagogale Gottesdienste kann es aber nur mehr geben, wenn jüdische Touristen kommen oder wir organisieren …

Jüdische Touristen, vor allem aus den USA, kommen jährlich und besuchen die beiden jüdischen Friedhöfe und unser Museum. Besonders im Frühsommer. Seit Mitte März dürfen sie aber nicht mehr kommen, wie lang das so bleibt, ist derzeit offen. Die österreichischen Touristen sowie UrlauberInnen aus Deutschland und einigen anderen angrenzenden Staaten dürfen mittlerweile wieder reisen, das offizielle Burgenland punktet, so der Landeshauptmann und Kulturreferent jüngst mit Hinweis auf die Auswertung einer aktuellen Studie, mit „Natur, Kulinarik, Wein und Wellness“[1] .

Das alles wäre für unseren Zusammenhang vielleicht nicht so wichtig, soll aber deutlich machen, dass ich kein pauschales Urteil abgeben kann und will, ob Museen jetzt öffnen sollen oder nicht. Ich beziehe mich ausschließlich auf die sehr spezielle Situation unseres Museums.

Auch wir mussten am 16. März schließen, im Gegensatz zu vielen anderen Museen und Kulturbetrieben waren aber unsere MitarbeiterInnen nicht auf Kurzarbeit, sondern zunächst im Homeoffice. Was vor allem deshalb nicht nur möglich, sondern sinnvoll war, weil unser Museum bereits seit 2009 mit sehr hoher Frequenz und Regelmäßigkeit wesentliche Inhalte der Museumsarbeit online, also digital publiziert und über diese Onlineplattform mit seinen Usern intensiv interagiert. Nicht zuletzt für uns die beste Möglichkeit, unser relativ kleines Museum weltweit bekannt zu machen. Und diese Arbeit kann natürlich auch vom Homeoffice aus erledigt werden. Genau genommen, leise angemerkt, sogar besser als nur nebenbei, zwischen Meetings, der Betreuung von BesucherInnen und Führungen.

Diese Arbeit hat aber nichts zu tun mit den gut gemeinten Tipps mancher Regierungsverantwortlichen, dass Museen jetzt stärker auf Digitalisierung setzen sollen. Die meisten dieser Tipps zielten auf Substitution. Weder für Schülerinnen und Schüler noch für Erwachsene können aber Onlineführungen Ersatz für einen Besuch im Museum bieten. Ich sehe nicht in die Gesichter meiner OnlinebesucherInnen (für mich zumindest ist das ausgesprochen wichtig), ich sehe nicht, ob sie noch zuhören, wie sie mein Gesagtes aufnehmen, ob sie überhaupt verstehen, was ich erzähle, ob sie gähnen, weil sie mein Vortrag ermüdet, ob sie lachen, wenn ein Witz fällt usw. Bei Kindern ist die Problematik selbstverständlich eine noch viel größere, insbesondere SchülerInnen der Volksschule brauchen das haptische Erlebnis (etwa das Pergament der nicht koscheren Torarolle angreifen), oder auch das visuelle (etwa den Sandkalkstein der 300 Jahre alten Grabsteine am jüdischen Friedhof). Ein Video könnten sich die Kinder auch in der Schule im Religions- oder Geschichteunterricht ansehen. Die Kinder wollen interagieren, sprich, zwischendurch etwas sagen, fragen, singen, meinetwegen auch tanzen… Faktum ist, dass das individuelle Erlebnis im Museum nicht substituierbar ist. Digitale Arbeit ist für uns von Anfang an kein beliebiges Beiwerk der Museumsarbeit oder eine “Weil-es-heute-sein-muss”-Ergänzung, sondern integraler Bestandteil unserer Museumsarbeit. Die “virtuellen BesucherInnen” sind uns in gleichem Maße wichtig wie die physischen.

Die Letzteren durften seit 16. März nicht ins Museum kommen. Vor allem die vielen bis Ende Juni abgesagten Schulklassen und Erwachsenengruppen schmerzen extrem, auch wegen des erheblichen finanziellen Verlusts, den wir in diesem für uns jährlich so wichtigen Quartal heuer durch die Absagen machen.

Ab Mitte April arbeiteten wir wieder, tageweise abwechselnd, im Museum und konnten längst notwendig gewordene Adaptierungsarbeiten angehen und mittlerweile auch umsetzen. Auch digital setzten wir neue Impulse: Mit einem Video aus der Drohnenperspektive sowie unserem neuen Format, dem Podcast “Koscher-Schmus“, der sich vor allem mit häufigen Fragen unserer BesucherInnen beschäftigt, versuchten wir wieder Lust auf einen Museumsbesuch zu machen, sobald ein solcher möglich sein wird.

Die Entscheidung, das Museum für EinzelbesucherInnen voraussichtlich erst am 1. Juli wieder zu öffnen, hing vor allem damit zusammen, dass weder US-Touristen noch Schulklassen, die beiden stärksten Gruppen in dieser Jahreszeit, derzeit kommen können bzw. dürfen. Gruppen im sich alle paar Tage ändernden gesetzlichen Rahmen dürfen ohnehin schon seit Mitte Mai das Museum besuchen und Anfang Juni starteten wir eine Vortragsreihe, die, soweit wir bisher sagen können, ausgesprochen gut besucht wird. Die VeranstaltungsbesucherInnen kommen mit großer Begeisterung, unisono suchen sie wieder das Gespräch, die Diskussion, das Live-Erlebnis.

Faktum ist, dass das Burgenland in erster Linie tatsächlich See-, Bade- und Radtouristen anlockt. Aber auch diese werden einmal müde vom Sport und von der Sonne… spätestens dann sollten wir Museen unserer kulturpolitischen Aufgabe nachkommen können und geöffnet haben. Wir im jüdischen Museum sind jedenfalls flexibel genug, um auf mögliche Touristenströme in den nächsten Tagen zeitnah zu reagieren und doch schon vor dem 1. Juli zu öffnen.


[1] Interview mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil “Unsere Heimat hat viele Vorzüge!” auf “schauclub.at”: https://www.schauclub.at/magazin/landeshauptleute-im-schau-talk-teil-1/ [Zurück zum Text (1)]


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Im Schatten des Schlosses

Unser Museum ist voraussichtlich ab 01. Juli 2020 wieder geöffnet! Allerdings planen wir schon im Juni einigen Aktivitäten im kleinen und gesetzlich erlaubten Rahmen, Nähers in Kürze… Wir freuen uns,…

Unser Museum ist voraussichtlich ab 01. Juli 2020 wieder geöffnet!

Allerdings planen wir schon im Juni einigen Aktivitäten im kleinen und gesetzlich erlaubten Rahmen, Nähers in Kürze…

Wir freuen uns, wenn Sie uns wieder besuchen können und möchten Ihnen jetzt schon Lust auf die ehemalige Judengasse und unser Museum machen. Gewählt haben wir diesmal eine ganz andere, spannende Perspektive …:

Drohne und Videoschnitt: Martin Schwarz

Die beste Qualität erhalten Sie, wenn Sie die Auflösung auf 1080p stellen!

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unseren YouTube-Kanal abonnieren, weitere Videos sind schon in Planung. Außerdem starten wir in einigen Tagen mit einer Podcast-Serie.


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Pesach 5780 – Einzigartiges für den Sedertisch

Morgen ist der 14. Nisan und damit Erev Pesach. Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5780! חג פסח כשר ושמח! Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern…


Morgen ist der 14. Nisan und damit Erev Pesach.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und koscheres Pesachfest 5780!

חג פסח כשר ושמח!

Außerdem wünschen wir unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest!


Auffällig ist es, reichlich ungewöhnlich und in Teilen auch rätselhaft: das Objekt, wohl ein “Centerpiece” für den Sedertisch, das seit einiger Zeit einen Ehrenplatz im Pesach-Raum unserer Dauerausstellung innehat. Das religiöse Setting, dem es zugehört, ist ‒ so viel ist klar ‒ das Seder-Essen zu Pesach, bei dem eine Reihe zeichenhaft verstandener Speisen auf dem Tisch platziert wird, von Bitterkräutern bis Charoset (ein braunes Apfel-Nuss-Gemisch). Damit erklärt sich die Funktion der kleinen Tellerchen, die unser Objekt aufweist ‒ es fand seinen Platz eben auf einem Sedertisch.

"Centerpiece" für Sedertisch, chassidisch, 1774

“Centerpiece” für Sedertisch, chassidisch, 1774



Als deutlich schwieriger erweist sich die Interpretation des Figurenensembles: Wen oder was sollen die fein gearbeiteten Gestalten jeweils darstellen? Klar scheint immerhin: Bekrönt ist das Stück mit dem Pesachlamm, das von den Israeliten gemäß biblischer Erzählung vor dem Verlassen Ägyptens bzw. von späteren Generationen im Jerusalemer Tempel geschlachtet wurde, Weinranken und Trauben verweisen auf die vier Becher Wein, die beim Seder getrunken werden, und als zentrale Figur fungiert der Hohepriester.
Übrigens: In einem wesentlichen Detail seiner Darstellung des Brustschilds des Hohepriesters irrt der Künstler. In Exodus 28,21 lesen wir: “Die Steine sollen auf die Namen der Söhne Israels lauten, 12 Steine auf ihre Namen…”. Beide Brustschilde (bei der Zentralfigur und bei 01, s.u.), haben aber offensichtlich 16 bzw. 20 Steine.

Gar nicht so eindeutig scheint dagegen die Zuordnung der kleineren Figuren, die bei den besagten Tellerchen platziert sind ‒ wir grübelten, wir diskutierten, wir blätterten nach, wir fragten hier und dort. Sind es vielleicht priesterliche Figuren? Die Bekleidung könnte dies nahelegen. Einer der von uns Konsultierten sah in den Figuren dagegen Klezmer-Musikanten ‒ was uns, trotz Harfe, die einer der Figuren beigegeben scheint, nicht überzeugte, und zwar schlicht, weil weitere musikalische Attribute nicht auszumachen sind. Ebenso wenig überzeugte letztgenannte These Prof. Günter Stemberger, an den wir uns mit der Bitte um Interpretationshilfe wandten ‒ und der uns folgende Deutung vorschlägt:

01) Hohepriester? Aaron?

01) Hohepriester? Aaron?

01 ist jedenfalls der HP [Hohepriester; Anm. CM], dem aber (anders als in der zentralen Figur, die eine christliche Mitra trägt) die Kopfbedeckung fehlt. Das Räucherfass ist natürlich auch christlich, das Motiv als solches bezieht sich wohl auf Jom Kippur, wo der HP mit einer Räucherpfanne voll Kohlen ins Allerheiligste geht (Lev 16,12-13) ‒ da trägt er allerdings nicht den Brustschild (doch cf. Ex 28,30 und mYoma 7,5).

02) Hohepriester? König Salomon?

02) Hohepriester? König Salomon?

Wenn der Bezug zu Jom Kippur stimmt, könnte 02 der HP sein, der das Gefäß mit dem Opferblut ins Allerheiligste trägt (der Weihrauch ist ja schon vergeben), oder aber auch das Gefäß mit Manna (Ex 16,33 ‒ diese Szene ist auf dem Verduner Altar dargestellt).

03) Harfner? König David?

03) Harfner? König David?

Der Harfner in 03 erinnert natürlich an David, könnte aber auch ein Levit im Tempel sein (cf. 2 Chron 5,12), allerdings nicht (oder kaum) zu Jom Kippur.

04) Levit? Mose?

04) Levit? Mose?

Bei 04 kann ich nur raten. Durch seine Kleidung (Kragen) unterscheidet sich die Figur von den anderen. Könnte es vielleicht ein Levit mit dem großen Schlüssel für den Tempel sein (mit der Ne’ila wieder ein Jom Kippur-Bezug)?

Wie Sie sehen, nehme auch ich den Tempelbezug zentral; in Einzelheiten ist der Künstler ziemlich frei (bzw. unwissend) und lehnt sich auch an christliche Vorbilder an (sind vielleicht deshalb die Priester in der Liturgie ohne Kopfbedeckung?). Der Bezug zu Pesach ist dabei äußerst locker.

emer. Univ.-Prof. Dr. Günter Stemberger, Email vom 23. September 2018

Nicht ausgeschlossen ist freilich auch ein unmittelbarer Bezug zur Exodus-Erzählung, konkret: zu Mose und Aron, wie das Landesmuseum Burgenland ‒ von dem wir das Objekt, das aus dem Jahr 1774 datiert und chassidischer Provenienz ist und einst Alexander Wolf gehörte, freundlicherweise als Leihgabe erhalten haben ‒ vermutet:

…in der Mitte erhebt sich ein Säulchen mit der Gestalt des segnenden Hohepriesters; die 4 vergoldeten Teller neben den Figuren der Könige David, Salomon, Aron und Moses…

Burgenländisches Landesmuseum: “Objektdaten”


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Ein Wunder in Währing?

Es war ein glücklicher Zufall. Jennifer Kickert, Schriftführerin des Vereins “Rettet den jüdischen Friedhof Währing” veröffentlichte auf Facebook ein Foto eines Grabsteins, der mich faszinierte. Ich ersuchte sie, mir das…

Es war ein glücklicher Zufall. Jennifer Kickert, Schriftführerin des Vereins “Rettet den jüdischen Friedhof Währing” veröffentlichte auf Facebook ein Foto eines Grabsteins, der mich faszinierte. Ich ersuchte sie, mir das Foto zu schicken und war dann ein wenig frustriert, weil ich außer dem Vornamen des Verstorbenen nichts erkennen konnte, große Teile der Inschrift waren stark verderbt.
So besuchte ich vor einigen Tagen gemeinsam mit Wolf-Erich Eckstein den jüdischen Friedhof Währing und Wolf-Erich konnte aufgrund seines akribisch angelegten Lageplans den Grabstein, noch mit Vorbehalt, identifizieren.

Ein Abgleich mit der alten Abschrift aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts machte mich aber sicher:
Es handelt sich um den Grabstein von Rabbiner Zvi Hirsch Landmann, gest. 25. November 1867, ein chassidischer Wunderrabbi aus Galizien, dem bis heute allerhöchste Verehrung entgegengebracht wird.

Zunächst fiel auf, dass die Inschrift auf dem Grabstein von Rabbi Zvi Hirsch Landmann, und das verwundert bei einem Gelehrten seines Formats, ausgesprochen fehlerhaft ist. Vor allem das Todesdatum ist völlig falsch.

Kurz vor dem 14. Juni 1867 war Rabbi Zvi Hirsch Landmann in Wien angekommen, gute fünf Monate später ist er ebendort gestorben und wurde am jüdischen Friedhof Währing begraben.
1941 wurde der Leichnam von Rabbi Landmann exhumiert und auf dem Zentralfriedhof, Tor IV, wiederbestattet.
Durch das Exhumierungsprotokoll der Israelitischen Kultusgemeinde (heute im Bestand des Zentralarchivs für die Geschichte des jüdischen Volkes, Jerusalem) erfahren wir von einem Wunder, das sich in der Nacht nach dem Aufstellen des Grabsteins auf dem Grab des großen Gelehrten ereignete:

Exhumierungsprotokoll Rabbiner Zvi Hirsch Landmann

Exhumierungsprotokoll Rabbiner Zvi Hirsch Landmann



Der Verstorbene war ein überaus gottesfürchtiger frommer Mensch, der in seiner besonderen Bescheidenheit die letztwillige Verfügung traf, dass auf seinem Grab nur ein kleiner Sandstein aufgestellt werden dürfte. Die dankbare Gemeinde errichtete ihm jedoch einen Prunkstein aus Granit. Am Tage nach erfolgter Aufstellung fand der Friedhofverwalter den sonst unzerbrechlichen Granitstein in kleinste Stücke zersplittert. An Stelle des Granitsteines wurde dann der […] Sandstein zur Aufstellung gebracht.


Vielleicht aber war das gar nicht das einzige Wunder, das im Zusammenhang mit dem Grabstein von Rabbiner Zvi Hirsch Landmann geschah. Denn im Exhumierungsprotokoll von 1941 erfahren wir sehr detailliert über das Aussehen der Grabstätte von Rabbiner Landmann ‒ und diese sieht heute ganz anders aus…

Exhumierungsprotokoll Rabbiner Zvi Hirsch Landmann

Exhumierungsprotokoll Rabbiner Zvi Hirsch Landmann



Rabbi Zwi aus Kuttow, gestorben am […], beerdigt gewesen […] am Wege auf der Grabstätte befand sich ein ca. 1 1/2 Meter hoher Sandstein, der von den Arbeitern der Israelitischen Kultusgemeinde umgelegt wurde. Zur Hälfte stand auf der Grabstätte ein hoher, im Absterben begriffener Baum, dessen Wurzeln teilweise bin den Sarg reichten. Infolge der aus den Wurzeln des Baumes dauernd sickernden Feuchtigkeit, war die Leiche sehr verwest. Der Kopf war wohl in tadellosem Zustand, jedoch die Hände und Fußknochen lagen teilweise zersplittert, die Rippen überhaupt in Staub zerfallen […].

Heute steht (!) der Grabstein aus Sandstein, weit und breit keine Spur von einem Baum, der noch vor 80 Jahren dort gewesen hätte sein können…

Grabstein Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, 27. Cheschvan 628 = Montag, 25. November 1867

Grabstein Hirsch (Zvi ben Abraham) Landmann, 27. Cheschvan 628 = Montag, 25. November 1867


3 Kommentare zu Ein Wunder in Währing?

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